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Lrschenit tüykich, mch« Sonru und (feiertags, witt berSamstagsbeitage: GtetzenerFamilienblStter M»n«tllch« Bejugspttife: 1325 Mark und 75Mark Trügerlohn,durch dieDost 1460Mark, auch beiWichl. erscheine« einzelner Wum­mern infolge höherer Gewalt.- siernsprech. Anschlüsse: für die Schrift» leitung 112; für Wer tag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach­richten: Linti-er Otetze».

pKßfcheckksnlo:

Srmrftirt a. M. 11688.

Donnerstag, 22. Februar 1923

Erstes Blatt

173. Jahrgang

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Wad)mittag vorher ohnejcde Verbindlichkeit Preis fdr 1 mm hohe für Anzeigen v 27 mm Breite örtlich 50 Mk., auswärts 70 Mk., für Wehl ame = Anzeigen von 70 mm Breite 240MK.BeiPlah. Vorschrift 20e/e Aufschlag. Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz: für den übrigen Teil: Ernst Blumschein;fürden Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Dietzen.

GietzeimAiMiger

General-Anzeiger für Gberhessen

vnlck Verlag: vrühlfche Univerfitätr-Vuch- und Steindruckerei H. Lange in Gießen. Zchristleitung und Geschäftsstelle: Zchulstraße 7.

Die innere Goldanleihe.

Dom einem Finanzmann toiri> uns ge­schrieben:

DK Oeffentlichileit ist durch die Ankündigung der neuen dreijährigen Schahanweifungen über 50 Millionen Dollar merkwürdigerweise sehr überrascht worden. Man hatte offenbar ver­gessen, daß die Dor derer tu naen zu diesem Schritt schon lange schwebten und daß der Anleiheplan zu Anfang dieses Jahres 1923 ziemlich weit gediehen war. Doch unter Dr. Wirth hatte sich die Regie­rung im Zusammenhang mtt dem Erlast der letzten Devisenordnung durch Kabinettsbeschlust auf die Ausgabe einer inneren Goldanleihe festgelegt. Zu Beginn des Januars sollte der Schlag gesagt werden. Da kam der französisch-belgische Ruhr­einfall dazu, und man mutzte abwarten, wie sich die politische Lage gestaltete. Run hat das Reichsfinanzministerium gesagt, was es will. Die technischen Einzelheiten der Anleihe Weichen durch Mc sogenannte Havenstein-Kommission in den nächsten Tagen festgestellt, nämlich die Verzin­sung, Rvminalwert der Stücke (in Dollars), nutzere Form der Schrine (ähnlich den Papier-Zehntau- lendern), Ausgabetermin, Ausgabekurs usw. Dann hat das Publikum das Wort.

Wie denkt dieses über die neue Finanzope- ratten? Wird es, da es nicht mit Papiergeld zahlen darf, sein Gold und feine Devisen jür die Anleihe hergeben? Der deutsche Staats­bürger hat ja im Kriege und erst recht nachher schlechte Erfahrung mit der loyalen Erfüllung der Regierungsverordnungen gemacht. Wer seine Zwanzigmarkstücke zur ReichZbank trug und dafür Kriegsanleihe zeichssrete. wer die beschlagnahmten Ausländsanleihen ablieserte, hatte grohe Ver­luste, während der Hamsterer von Goldstücken enorme Gewinne erzielte. Wer entgegen dem Kapitalfluchtgeseh sein Geld tn Dollars anlegte, wer beschlagnahmte Auslandspapiere zurückhielt, wer sich gegen die Drvisenvrdnung Devisen kaufte, der erzielte jedesmal beträchtliche Vortelle.

Jene Erfahrungen haben in weiten Kreisen ein grohes Mißtrauen gegen alle Regierungs- mahnahmen entfacht. Wird man nun das Gold, Oie Dollars, die Franken, die Gulden leichten Herzens hergeben, um ein deutsches Goldpapier zu erwerben, für das zwar die deutsche Bankwelt haftet, aber nur zur halben Summe der Aus­gabe, also mir für 25 Millionen Dollars? Das übrige liegt im Schafte des deutschen Schicksals. Wird man nach Einführung dieser neuen Experi- mentter-Gvldwährung nicht unbeirrt weiter nach Möglichkeit nur ausländische Gvlddeviseu erwer­ben, Exporterlöse im Ausland stehen lassen, De­visen auf Vvtvac kaufen, gehamsterte Devisen mit derselben Aengstlichkeit fcsthalten, wie gehamstertes Geld? Die Antwort auf diese bangen Fragen fxit die Reichsbank mtt ihrer Mark-Stützungs­aktion gegeben. Sie unterdrückt die Beleihung der Devisen, sie benutzte die plötzlich durch den Ruhrkrieg hervorgerufeae Geldknappheit, um die Devisen aus ihren Verstecken hervorzulocken. Sie versetzte der Allmacht des Dollars durch eigene Devisena'rgabe einen empfindlichen Stoh und gab damit dem deutschen wparer, der seine Werte retten will, zu verstehen, dah das Heil auf die Dauer nicht im Auslande und nicht in der Kata­strophenhausse liegt.

Drei Lage hat die Reichsbank mit ihrer Stützungsaktion haussiert, in Erwartung der Gold- anleihe. Hetztinterveniert sie wieder, Gott fei Dank, wird jetzt jeder sprechen, der nicht zur va'crlandslosen Gilde der Devisensptzlulanten ge­hört. Die neuaufgenommene Intervention hat den Zweck, den Appetit des Publikums für dir deut­sche Goldanleihe zu stärken. Ein weiteres Stär­kungsmittel wird die Aufforderung cm die In­dustrie sein, mit ihren vorhandenen Devisen­beständen einen festen Anleiheposten zu über- nchmen. Diese Anregung ging von der Dcmkwelt cms, die mit ihrer Garantie in Höhe von 25 Mil­lionen Dollars wirklich genug getan zu haben glaubt. Wie wird sich die deutsche Industrie ver­halten? Don einem solchen Opfer, denn das ist es war schon einmal die Rede, nämlich im Herbst 1921, als es sich um die freiwillige Kredit­hilfe für die Wiederherstellungszahlungen han­delte. Aber der Verlust Oberschlesiens, die illti- mcttumspolitik der Entente und die Aussicht au immer neue Morkentwertung liehen die Reigung zur Kredithilfe sehr zusammenschrumpfen. Hinzu kam später der Aerger über die Devisenverord­nung und ihre Ausführungsbesttmmungen, die olme Anhörung industrieller S^ichverständiger er­lassen wurden. Wenn die Regierung jene Ver­säumnisse heute wieder gut macht, indem sie sich mit der Industrie verständigt, wofür in der Per­son des Reichskanzlers Cuno ja volle Gewähr gegeben ist, so wird der verzinsliche, lombard- fähige und rediskontierbaredeutsche Dollar" sein Glück beim Publikum machen.

Stimmungsbilder aus dem besetzten Gebiet.

Aus unserem Leserkreis erhallen wir folgendes interessante Stimmungsbild vom besetzten Gebiet:

Wollen Sie nach Köln fahren?" Fast ist es ein geflügeltes Wort geworden, dort im besetzten Gebiet. An jeder Ecke stehen die Privat- und Lastkraftwagen. Die Privatwagen für den Zah­lungsfähigen, die Lastautos für die Mittellosen. Heute äußert sich deutsche Einigkeit nicht in schwungvollen patriotischen Reden, sondern in kleinen Taten. Fast jeder Lastkraftwagen führt auf den Kohlen, zwischen und auf den Mehlsäcken der Bäckerinnung, in den Bremsständen der Anhänge­wagen, auf den Trittbrettern Menschen aller

Stande. Arbeiter und Geschäftsreisende, Schäle- I rinnen und Frcmen mit Marttkörben. ilnb kosten­los. Höchstens, dah einer aus der Runde einen | Köhrn" für den Fahrer des Wagensausgibt". Die Ententetruppen bringen es nicht fertig, Kohlen aus dem besetzten Gebiet auszuführen, und die Truppen selbst müssen zu Fuh marschieren. Der Deutsche fährt nach wie vor, wohin er muh: wenn er vorurteilslos genug ist, Über und über schwarz bestaubt zu reisen, auf der Kohlenladung des Lsstkoaftwagens. An den Trittbrettern der Strahenbahnen hängen Menschen mit Koffern und Paketen. Alles schweißt di» Rot des Landes zu einer Einheit zusammen. Da gibt es keine Dame, die noch so elegant aussähe, bzr nicht ein Blusen- mann den schweren Handkoffer von einer Bahn­verbindung zur anderen tragen hilft.Wat dem eenen sin ilel is, is dem andern sin Rachtigall, die'Lettrischsn" machen sich gesund", ein wenig Reid klingt in den Worten, aber derselbe Ma.m schiebt 5 Minuten später neben dem Herrn im Gehpelz den Anhänger an den Motorwagen der Bahn.Bester jut jesessen als schlecht jestanden, wat saht ehr Här?" Auch eine kleine Iobberei hier und da mtt sündhaft teueren Privatautos, die eigentlich" von der Besatzung beschlagnahmt sind und unter französischer Rotnummer zur holländi­schen Grenze fahren oderder Mama, mit dem man reben kann", derimmer was an der Hand hat", einen kleinen Güterzug ober ein Motorrad mit Soziussitz.

Eisenbahn ist überhaupt das Kapitel des besetzten Gebietes. 'Tausend Geschichten, wahre und gut erfundene, kursieren. Von Zeit zu Zett sieht man gerade auf einer Weiche eine einsame Lokomotive stehen, ein leichtes Rauchwölkchen weht in die Morgenluft. Sie steht mitten auf der Strecke, just auf der Weiche, die der Militärzug passieren sollte, der ungeduldig 200 Meter weiter auf die Beseitigung des Hindernisses tixr/tet Belgier in blauem Drilchzeug und ein paar Spahis mit ro­tem Fez stehen um einen kleinen, eben noch glim­menden Aschen Haufen neben dem Gleise. Was tut die Maschine so einsam auf der Strecke? Der Lo­komotivführer wird wohl in der Rähe wohnen?! Die Strahenbcchn, die dicht an der Stelle vorbei^ fährt, hält einen Augenblick, damit sich jeher an der Situationskomik freuen kann.Dat sin die französischen Inschenöre." ihtb mittags steht die Maschine noch da, es muh wohl irgend etwas an ihr nicht in Ordnung sein, auch ist die Weiche blockiert. Dafür wird der Militärzug von einer Kompagnie Spahrs bewacht, die Posten machen nicht mihzuverstehende Daftmettbewegungen, wenn jemand stehen bleibt. Von der Militärmaschine hängt traurig und zettgennäh eine schmutzige Tri­kolore.

In den Läden. Kommt ein Ententemann herein, so multipliziert der Händler seine Preise ttn Kopf mit fünfzig und schüttelt bedauernd den Kopf, wenn das die Kaufkraft des armen Franken- nrannes "übersteigt. Die Banken im neubesehten Gebiet nehmen meist überhaupt kein westliches Geld, oder sie bieten den Friedenskurs. Truppen sieht man meist in Verbänden, linier 20 Mann plus Offiziere mit blanker Waffe tun sie's nicht mehr. Früher zogen sie, einen französischen Haft- p.sang gegen Deutschland singr.rd, wir kennen ihn alle, jeder Tanzabend brachte nur dasSous les ponts de Paris" mehrere Male, durch die S'adt. Aber seit ein paar leicht erheiterte Arbeiter den von unseren Truppen in Belgien umgedichtslen Text mitsangen, beschränken sie sich auf ältere Volkslie^r. Die französischen Zeitungen schreiben, es könne keine Kohle transportiert werden, int Ruhrgebiet lizge ein halber Meter Schnee. Der liebe Gott hat denn auch ein Einsehen und lässt es 3 Tage nach dieser Tlättermeldung wirklich 5 Ztm. hoch schneien.Sehen Si^?" trium­phiert die Pariser Preste über die Dementi der neutralen Leitungen; hier sind die Photographien. Drauhen vor der Stadt knipsen die 6ntenteoffi= ziere ihreDamen" in der Schneelandschaft, da­mit sich der -Dalutapelz in passender Umgebung zeigen kann. Die armen Offiziere, sie müssen bei den Barbaren frieren und aus diesem Grunde verkaufen sie ihre Kohlen, dir sie doch im Heber« schuh erhalten, für schwe c3 Geld an -b e Quartier- Wirte. Gewiß, so menschlich sind sie. Und in 5 a st­reich wird man Wohl demnächst auch für eine Ruhrhilfe für die Bosrimngstruppen sammeln, vorausgesetzt, dah man nichts besseres zu tun hat.

Bonar Law über die Grenz­berichtigung in der britischen gone.

London, 21. Frbr. (WTB) Bonar Law teilte hn Unter Hause auf eine Anfrage Wedgwoods bezüglich der zwischen der britischen und französischen Regierung geiref enen Grenz­berichtigung in der britischen Zone mit, keinerlei Transporte in irgendeinem Teile des britischen besetzten Gebiets feien unter fran­zösische Kontrolle gestellt worden. Wedgwood fragte den Ministerpräsident weiter, ob et der Ansicht sei, dah dieses Zugeständnis an die fran­zösische Regierung unter den Begriff strittet Neu­tralität falle. Bonar Law erwiderte: Jawohl. Ramsay Macdonald fragte hierauf: Ist die Lage die, dah ein Test uirseres besetzten Ge­bietes jetzt an Frankreich übertragen worden ist oder ist der Tett.immer noch unter britischer Kontrolle und wird von Frankreich gebraucht? Bonar Law erwiderte: Es ist ein Gebietsteil, der von uns nominell beseht ist, wo wir aber tatsächlich niemals irgendwelche Truppen gehabt haben. Wir habenihneinfachden Fran­zosen übergeben. Butt fragte hierauf, ob irgendeine Bestimmung in dem Versailler Ver­trag bestehe, die die alliierten Regierungen er»

mächtige, besetztes Gebiet auszutarschen? Donar Law erwiderte: Soviel ich we.ft. macht der Ver­sailler Vertrag keinerlei Beschränkungen bezüg­lich der Besetzung durch irgendeine bestimmte Macht. Das Gebiet war einfach von den Alli­ierten zu besehen. Oberst Wedgwood fragte, ob es Tatsache sei, dah die deutschen Beamten aus der Nsenbahnlinie durch Franzosen erseht worden seien? Bonar Law erwiderte, er könne dies nicht sagen. Wedgwood fragte ferner, ob dir britische Regierung irgendwelche Schritte tue. 5im ein engeres Zusammenwirken mit der ameri­kanischen Regierung in der Frage be­treffend das Ruhrgebiet zu erreichen. Donar- La w ercviderte, es sei nicht möglich, irgendeine dKitteilung über diese Frage im gegenwärtigen Augenblick abzugeben.

Deutsch-französischer Notenwechsel.

Derlin, 21. Febr. (WD.) Auf die deutsche Protestnote vom 27. Januar wegen der Ver­wundung des Arbeiters Drees in Kirchende bei Hagen antwortete die französische Regierung am 13. Februar, dah die französische Wache pflichtgemäh auf die deutsche Zivilperson geschossen habe, die trotz der Anrufe auf sie zu- gegangen fei. Die Haltung der Wache sei schon LeabaU) gerechtfertigt, weil in der Rähe der Stelle, wo die Zivilperson verwundet worden sei, ein Re­volver gefunden wurde. Darauf hat die Reichs­regierung in einer durch ihren Geschäftsträger in Paris ter französischen Regierung übersandten Protestnote erwidert, die französische Darstellung entspreche nicht den Tatsachen. Drees wurde viel­mehr nach Feststellung der deutschen Dehörden, von der Wache und anderen französischen Soldaten aufgefordert, nach Hause zu gehen. Als er das tat, hätte die Wach? ohne Oruab von hinten auf ihn geschossen, tote die Untersuchung der Wunde später ergab. Richtig sei, dah am nächsten Morgen ein französischer Offizier einen Revol­ver belgischen Ursprungs mit der De- hauptung vorwies, dah die Waffe an dem Orte gefunden wurde, wo Drees verwundet worden sei. Das Eonne aber das Verhalten der Wache nicht rechtfertigen, weil diese auch nach der französischen Darstellung von Drees gar nicht bedroht war, Auherdem ist festgestellt, dah Drees keinen Re­volver besah. Die Reichsregiecung hält also ihren Protest aufrecht, silebrigens ist Drees inzwi­schen gestorben.

Derlin, 21. Sehr. (WB.) Der deutsche Ge­schäftsträger in Paris ist angewiesen worden, der französischen Regierung nachstehende Rote zu überteuren: Die deutsche Regierung erhält Rach- richt von neuenDluttatenfranzösischer TruppenimRuhrgebiet. Am 17. Februar vormittags erschienen fünf französische Soldaten auf 'der ZechePrinzregent" in Dortmund, um sich Brennholz anzueignen. Als die Belegschaft ihnen den Weg versperrte und das Zechentor ver­riegelte, holten sie Verstärkung. Diese sprengte das Tor und sch oh mit einem Maschinengewehr auf die deutschen Arbeiter. Der 15jährige Arbei­ter Sieghard wurde schwer verletzt und ist alsbald gestorben. Der Arbeiter Schulz wurde durch einen Streifschuh am Halse verwin­det. Der Markenkontrolleur Berghüserist ver­haftet worden. In der Markenkontrolle sind von den französischen Soldaten Zerstörungen angeilch- tet worden. Die deutsche Regierung erhebt gegen diese Bluttaten und ©et ultatte Protest und be» hältsichvor, volleGenugtuungzufor- dern.

Gelsenkirchen von den Franzosen geräumt.

Gelsenkirchen, 21. Febr. (WD.) Die französischenTruppen sind heute vor­mittag aus der Stadt wieder abgerückt. Der Eisenbahnverkehr ist wieder ausgenommen worden, ebenso versehen die Postämter wieder ihren Dienst. Die Schutzpolizei ist wie- derindenSicherheitsdien ft einge­treten. Heute vormittag hatte Stadtbaurat Ahrends mit General Schuler eine Be­sprechung, in der der General in einer kurzen offiziellen Ansprache erklärte, daß die fran- zvsischen Truppen Gclsenkirchen verlassen wür­den, da die 100 Millionen Mark Buhe von ihnen zusammengebracht worden seien. Dieser Bettag setze sich aus 8 3 Millionen Mark städtischen Gel- desund 17MillionenMarkvonder Eisenbahn zusammen. Ahrends erhob nochmals schärfsten Protest gegen die Ein­griffe der Franzosen in die Kassen der Be­hörden. General Schuler nahm den Protest zur Kenntnis. Ebenso verhandelte der General mit dem Kommandeur der Schupo Major Ku­now, dem er auf seine Frage nach dem Der­bleib der verhafteten Schupvbeamten erklärte, daß man, falls sich die von den Franzosen als schuldig bezeichneten Beamten nicht melden würden, ein gerichtliches Verfahren gegen An- bekannt einleiten und dann weiterhin die sechs Beamten als Geiseln in Haft behalten würde.

Gelsenkirchen, 21. Febr. (WB.) Das von der französischen Besatzung von der Stadt Gelsenkirchen beschlagnahmte R o t g e l d des Handelskammerbezirks Bo­chum, Gelsenkirchen, Hattingen, Herne und Witten ist bereits abgelöst und sollte nicht mehr in Verkehr gebracht werden. Vor

der Annahme dieses Geldes wird gewarnt. Ein kurzfristiger Aufruf dieses Geldes erfolgt demnächst.

Neue Gewalttaten.

Düsseldorf,21. Febr. (WD.) ©in 11 niet* Primaner, der mit seinen Freunden über d>e Strafte ging, streifte im Gedränge den Arm -ines französischen Offiziers. Der Offizier drehte sich um und schlug mit der Reitpeitsche bem jungen Mann so ins Gesicht, daft dieser noch am andern Morgen Blut im Munde hatte. Dec Offizier ging wortlos weiter. Rach Aussage des Schülers und von Zeugen war nichts geschehen, was den Offi­zier herausfordem konnte. Ein Kaufmann, der des nachts heimkehrte, wurde von französd scheu Soldaten ohne Ursache mifthandell. Der Oberbürgermeister hat gegen die Mifthand hing von Dürgern entschiedene 'Verwahrung bet dem General eingelegt und um die E r m i 11 l u n g und Destrafung der Täter ersucht. -- In der Steinstrahe wurde ein deutscher Po­lizeibeamter von einem belgischen Offizier grundlos mit der Reitpeitsche mißhandelt. Der Feststellung seiner Personalien entzog sich der Belgier. Die Franzosen drangen in die Druckerei Toennes ein und beschäftigten dort eine Reihe französischer Seher und Buchdrucker.

Berlin, 22. Febr. Gestern früh wurde in Ried ein mehr als 60 Jahre alter Herr von einem Marokkaner ohne jede Veranlassung mit dem Gewehrkolben niedergeschlagen. In der Rächt zum Mittwoch wurde ein Polizeiwachtmeister, der vor dem Bahnhof Oberhausen Polizeiposten stand, wie dieDeutsche Allgem. Zeitung" meldet, von den Franzosen ohneGrunderschosjen Ein anderer Polizeiwachtmeister wurde schwer verletzt und darauf von den Franzosen festgenommen.

Ausgewiesen.

Koblenz, 21. Febr. (WTB.) Ausge­wiesen wurden: Gemeindeoberförster Quinte in Daun, Oberregierungsrat Dilg in Speyer, Lau des Hauptmann Buellin Wiesbaden, der Re­dakteur derTrierischen Zettung", Fritz Hau- p r i ch in Trier. Die Familien der Ausgewiesenen, ausgenommen derjenigen Hauprichs, muffen das besetzte Gebiet ebenfalls verlassen.

DieMayener Zeitung" ist für einer Monat verboten worden. Auch der Bild­streifenDer Rhein" ist im besetzten Gebiet ver­boten worden.

DerVorwärts" meldet aus dem Ruhr­gebiet: Die Besatzungsbehörde macht die Versetzung deutscher Beamten im besetzten Gebiet von ihrer Genehmigung abhängig. Gleichzeitig wird den deutschen Behörden ver­boten, an Stelle der ausgewiesenen Beamten neue Kräfte zu ernennen und jede mündlich: ober schriftliche Dienstanweisung untersagt. Der Regie­rungspräsident König lehnte die Durchführung dieser Verfügung der Defatzungsbehörde ab.

Wegen Nichtgriisteus verurteilt.

Essen, 21. Febr. (WTB.) Wegen Richt« grüßens wurden vom Kriegsgericht Dredeneh verurteilt: Polizeileutnant Hermann zu 1 Mo­nat Gefängnis und 200 000 Mark Geldstrafe, Pvlizeilcutnant Weidemann zu 3 Monaten Gefängnis und 200 000 Mark Geldstrafe, Wacht­meister Sotten zu 6 Monaten Gefängnis und 200 000 Mark Geldstrafe und fünf andere Polizei­wachtmeister zu je 8 Tagen- Gefängnis und 200 000 Mark Geldstrafe.

Zur Verurteilung des Oberbürgermeisters von Duisburg.

Aachen, 22. Febr. (WTB.) Der Ober* Bürgermeister von Duisburg Dr. Jarres, der von dem belgischen Kriegsgericht zu einem Monat Gefängnis verurteilt war, hat, wie bereits gemeldet, Berufung eingelegt Die neue Verhandlung vor der belgischen Berufungsinstanz ist, wie dasEcho der Gegenwart" erfährt, auf den 28. Februar in Aachen angeseht.

Die Entwaffnung der Schutzpolizei in Essen. Essen, 21.Sehr. (WTB.) Heute nachmittag erschien vor dem Rathaus in Rüttenscheid ein französischer General mit mehreren Offizieren und 30 Mann und Oer langte den Chef der im Rathaus liegenden Schupowache zu sprechen Als der ftellOertretenbe Masor Wag­ner nach den Wünschen der Franzosen fragte, wurde ihm auf getragen, die noch nicht abgeliefer­ten Schupowaffen bis morgen mittag abzuliefern. Als Geisel für die Ausführung des Befehls wurde Wagner mitgenommen, wobei ihm gesagt wurde, dah er nicht verhaftet sei, sondern seine Gefangennahme nur als Bürgschaft für die Aus­führung des Befehls dienen soll.

Die Derkehrszerrüttung.

Rotterdam, 22. Febr (WTB.) DerR«o Rotterdamsche Courant" meldet aus Ma stricht: Im Transitverkehr zwischen Südholland und der Schweiz über Belgien und im Verkehr mit Belgien ist eine erhebliche Stockung zu verzeichnen Die Station Vife kann den Ver­kehr wegen Mangels an Lokomotiven nicht be­wältigen. Die belgischen Lokomottven sind nach dem besetzten Gebiet gefahren, um die Güterzüge äbzuhvlen und kehren überhaupt nicht mehr oder mit grof}er Verspätung nach Dise zurück. Die An­häufung auf den Eisenbahnlinien im besetzten Gebiet nimmt täglich zu. Auch die Limburgischen Kohlenbergwerke können die Abfuhr ihrer Pro- I dutte nicht regeln. Die Ausfuhr von Lebens-