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Montag, 22. Januar 1923
Ornrf und Verlag- vrlihl'sche UnIversttSlr-vuch- und Steinöruderei R. Lange in Sietzen. Schrisileiiimg und «eschäftrftelle: Schulftratze 7.
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Nr. 18
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173. Jahrgang
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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* Stadt Lick E der roten Linie) Januar 1923, Anfang 4 Uhr •nzert
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Die Beschlagnahme der goll- einnahmen, der Kohlensteuer und der staatlichen Gruben und Forsten.
Koblenz, 20. Jan. (WTD.) Die Inter- alliierte Rheinlandkommission hat, Die die .Franks. Ztg." meldet, soeben zwei neue Verordnungen Ar. 135 und Ar. 136 er.assen. Du^ch t>ic Verordnung Ar. 135 werden fünf neue Ko- -inilees bei der Aheinlandskommifsion eingesetzt lür die Zölle, für die Ein - und Ausfuhr, "lür die Forsten sowie ein Spezialkomitee für Bergwerke und ein Spezialkomitee für die all» «gemeine Rechnungsführung. Die Verordnung Ar. 136 bestimmt näheres über das Regime der Zölle umd der Ein- und Ausfuhr im besetzten Gebiet. >ss werden durch diese Verordnungen unter strenge Strafe gestellt alle Maßnahmen, welche darauf «abzielen, die Entrichtung und Abgabe für Waren, Die für das besetzte Gebiet bestimmt sind oder emsgeführt werden sollen, im unbesetzten Deutsch- Hand durchzuführen. Zu diesem Dehufe wird im Osten der besetzten Geriete, der besetzten rheinischen Gebiete und des zur Zeit militärisch besetzten Ruhrgebietes eine Kontrollinie errichtet.
Ems, 20. Ian. (WTD.) Die Emser Einlind Ausfuhr stelle hat von der Rhein- l«ndkommission die Anweisung erhalten, ihre B'° ftlignisse auch auf das rechtswidrig besetzte 2i u h r g e b i e t auszudehnen.
Eine Bekanntmachung des Neichsftrranznnnlfters.
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italischer MonnmenUl n in 5 Akten mit ollen Aufnahmen an* n. Syrien usw. - Große Und Masseusienen. - er 300 Mitwirkende. =
Außerdem:
iteurerfllm in 5 Akten.
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s Kind des arnevals
Unter Verletzung des Rhein landab kv mmens tuiÖ die Rheinlandkommission Anwci- " singen gehorchend, die, wie sie betont, gewisse I Oberkommissare von ihren Regierangen empfan- g en haben, die Deutschland zustehenden Zölle, M t ii deutsche Kohlen st euer lnd die deutschen Llussuhrabgaben in die Kassen des Ais- land«s leien. Diese Anordnungen sind rechtsunwirksam. Die deutschen Be- a mten werden ZahlungendieDeutsch- - land entzogen und fremden Mächten ZA geführt werden sollen, nicht entgegen n e h m e n. In die Kassen des besetzten Gebiets ist daher nur zu zahlen, so lange die deutschen Beamten sich bereit erklären, Zahlungen 2* für deutsche Rechnung entgegenzunehmen. Wird > die Annahme verweigert, so befreit nur noch Mdie Zahlung an deutsche Kassen im unbesetzten Oebiet von der Steuerschuld. Es wird von der Bevölkerung erwartet, bah sie nicht durch Zahlungen von Zöllen, von Kohlensteuer oder von 25usfuhrabgaben an fremde Beamte und an die si cmder Gewalt unterworfenen Kassen den Willen inid die Macht derer stärkt, die Deutschland ver- Ä nich-ten wollen.
Reichsminister der Finanzen: Hermes.
K ö l n, 22. San. (WTB.) Dec Landrat von MKöln (Mosel) Dr. v. Stein ist mit seiner ' 1 Z-emilie aus dem besetzten Gebiet ausgewie- g|len worden. Stein ist Rheinlätdrr.
Mainz. 21. Cian. (WTB.) Der hier an- 3 Mente Spcz'a be i^t rsiatter der argentinischen ig.Ntung „2a Razo n", begab sich heute nach- mnttag zum Gcneialstab der französifchen Rhein- arrmee mit dem Ersuchen, sich davon überzeugen $u dürfen, dah die verhafteten deutschen Viohinduslriellen und Beamten
menschenwürdig behandelt werden. llUs ihm dies abgeschlagen wurde, bat der Be- nch erst aller M? französische Millt.irbehörde, ihm di. se Unterredung wenigstens in Begleitung eines rainzösi'chen Osstziers zu gestatten. Dem Te icht- nfstatter wurde jedoch eröffnet, dah aus ausbrück- Cdhen Befehl Degouttes es nicht gestatte. werden könne, dah ein Aeutraler. auch nicht im Vslscin eines französischen Offiziers, zu det ver- ia-lteten Grobindustriellen vorgelassen werden dü-'se.
Die Verhaftungen und Ausweisungen.
Essen, 21. Jan. (WTB.) Die Verhand- '.inrgen vor dem Kriegsgericht in Mainz iegjen die verhafteten Persönlichkeiten aus dem -imhrgebiet werden voraussich l-ch am Dienstag icrginnen.
Paris, 20. Zan. (TDW.) Die Havas- ig-mtur meldet aus Düsseldorf: Der P o st d i r e k- :v-r in Essen, der sich den De ehl^n der Mitt- nib-chörde entzog, ist heute vormi.tag verhafte t worden.
Wiesbaden, 20. Jan. (WTB.) Der stell- kitretenbe Regierungspräsident, Oberregie- tain gsrat von Redern, ist heute nach» tiütag auf Befehl der Interalliierten Rhein- bndkommission aus dem besetzten Gebiet a u s - gewiesen worden. Die Ausweisung, die stch truy auf die Familie des Regierungspräsiden- tm erstreckt, ist, wie die „ Franff. Ztg." berichtet, (r| olgt, weil er bestimmten Wünschen der Jnter- cll iierten Rheinlandkommission nicht Folge ge° Hfiet hat.
Kassel. 20. Jan. (Amtlich) In Langen- irrer sind gestern etwa 20 Personen aus kn Ruhrgebiet, die mit für das rheinische be- sch le G.biet gültigen Personalausweisen versehen da:en, von ter Rückreise in ihre Heimat aus- je l ch l o s s e n worden, weil der Personalaus- deis nicht den 'Vermerk trug: „Gültig für die linedfe in das besetzte Ruhrgebiet". Die zurück» 'Lhiltenen Personen hatten rechtsgültige Per- Milausweise, die vom Polizeipräsidium Es en - aisgefüllt worden sind, die aber von den Fran- H>sen nicht anerkannt werden.
Essen, 20. Can. (Wolff.) Die französischen lefavungsbehörden hatten an die hiesige Eisen- bch^direktion das Ersuchen gestellt, den Befehl
des Reichsverkehrsministeriums, dah keinerlei Kohlentransporte nach Frankreich und Belgien abgefertigt und auch auf Befehl der Besatzungsbehörden nicht umgeleitet werden dürften, zu widerrufen und den Anweisungen ter De atzungs- b Hörde gemäß zu handeln. Qltä dieses Ansinnen abgelehnt wurde, sind Ei enbahnpräsident Iatzn und Baurat Pusch in Hast genommen worden.
Essen, 21. Can. (WTD ) Präsident Cahn von der Eisenbahn-Generaldirellion Elsen hat für die Weiterführung seines Amtes folgende Bedingungen ge, eilt die von der gesamten Arbeiter- und Beamtenschaft gebilligt sind: 1. Befreiung von dem kriegsgerichtlichen Verfahren, 2. Vermeidung jeder Anordnung durch die Tlnterkommissionen die ihn mit te i Befehlen des Reichsverkehrsminister iums m Kollision b i igt und 3. Verzicht auf alle Aachiw.isungen über den Betrieb seitens der Besatzung. Die Verhandlungen über diese Bedingungen mit dem französischen Oberst Haward sind augenblicklich noch im Gange.
Berlin, 20. Han. (WTB.) Dec Präsident des Landeefinanzamtes Kön, Haehling von Lanzenauer, der im Alter von 62 Cabren steht, ist auf Befehl der Interalliierten Rhein- landkommission mit sofortiger Wirkung aus- gewiesen. Seine Familie erhielt gleichfalls den Befehl, das besetzte Gebiet innerhalb vier Tagen zu verlassen. — Der Leiter ter Zweigstelle Speyer des Landesfinanzamts Wür;burg, Re- gierungsdireltor Morgens, ist von ten Franzosen verhaft e t worden, da er den Anordnung n des Reichs inan',ministeriums p licht^e näh Fo.ge geleite; hatte Die V^rhaftu ig des63Iahre alten Herrn stellt einen Akt bcso d ter Roh it dar. — Dec Direktor der Reich.ban.filialr in Ludwigshafen ist verhaftet worden, weil e: den Aus- trag der Franzosen, das Konto „Zölle" zu streichen, ablehnte.
D o r t m u n d, 20. Jan. (WTD.) Heute nachmittag 2 TIhr sind in Dortmund der Zollrat D e r n.a r t und der Zollamtmann P l a t i von den Franzosen unter den unwürdigsten Tlm ständen verhaftet und mit aufgepflanztem Bajonett in das Dortmunder Stadthaus in Einzelhaft gebracht worden. Den beiden wurde bei der Verhaftung alles abgenommen, Wäsche, Geld und Rauchzeug. Beide Herren sind über 61 Jahre all und man fürchtet für ihre Gesundheit. Der Grund der Verhaftung ist ihre Weigerung, den Defehlen der Franzosen nachzukommen. Die Franzosen b e s ch l a g n a h m i e n dann die gesamten Einnahmen des Hauplzoll- amtes. Reichs^inanzministec Hermes sprach den widerrechtlich DerhaUeten telegraphisch seinen Dank und seine Anerkennung für ihr standhaftes Verhalten aus.
Dortmund, 21. Can. (WTB.) Zollrat Bernerd und Zollamtmann Plate vom Hauptzollamt Dortmund sind heute wieder auf freien Fuh gesetzt tooruen.
Essen, 21. Can. (WB.) Bürgermeister Schäfer richtete an General D e g o u t t e folgendes Protestschreiben: Gegen die widerrechtliche Verhaftung Essener Düraec, der Herren Cahn, Pusch, Zchm?, Jünger, Wüsten- Höfer, Spindler und Tengelmann, welch letzte, er Mitglied der Stadtverordnetenversammlung ist, (ege ich n amens der Stadtverwaltung und der Bürgerschaft der Stadt Essra schärfsten Widerspruch ein und verlange im Namen des auch Sie und Ihre Reg'erung Etn- denden Völkerrechts die sofortige Freilas- s u n g der Verhafteten. Ich fühle mich verpflichtet, darauf hinzuweisen, dah die Erregung in der Bürgerschaft über den widerrechtlichen Eingriff in die persönliche Frei.-eit und die daraus erivächsende Rechtsunsicherheit ungeheuer ist.
Die Jntervriit'on der Dbvss^ttschen *21 rbeitciVertreter in Düsseldorf.
Düsseldorf, 21. Can. (Wolfs) Unter Füh ung des Regierungsprt.siden'en Grühner begaben sich am 20. Canuar, abends ge ren 61/2 Tlhr die Arb iter Angestellten und Betriebsräte deZ Th"ssens^:en We le3 aus 5rambvm und Mülheim, sowie je ein Vertreter der freien und christlichen Gewerkschaften zu der französischen Be° satzungsbehörde, um auf Befchluh von 65000 Arbeitern und Angestellten wegen der sofortigen Freilassung Fritz Thyssens und wegen d'r sofortigen Wiedereröffnung der Reichsbankslellen vorstellig zu werden. Da weder General Degoutte noch Gene al Simon zu erreichen waren, gingen die Vertreter zum General Danvignes, der infolge Ikteranflrengung unpäßlich war. Sie wurden sodann von Oberst Regnier empfangen. Die Betriebsräte und ihre Begleiter forderten unter Tleberreichung eienr schri.tlichen Erllärwig mit energ schen Worten die unverzüalicheFrei- l a s s u n g Fritz Thyssens als ihres Volksge- nos en und als des Hauptes der wirtschaftlichen Unternehmungen, von deren einwandfreier Leitung ihrer und ihrer Familien Wohl abhänge. Sie betonten, dah dieser nur seine Pflicht getan habe, wenn er als Deutscher lediglich deutschen Gesetzen Folge leistete. Der Oberst konnte mangels Vollmachten nur die Erklärungen entgegennehmen, womit sich die Betriebsräte und Ge- wecffchaftsvertreter ni<f>‘ begnüg en. Es entspann sich eine längere an dramatischen 3toifd>enfäHen reiche Aussprache. Die Detrietsräte forderten unb-dingt, in kürzester Zeit Degoutte als die verantwortliche Peffon zu sprechen und legten der französischen Regierung die Verantwortung für alle Folgen auf, wenn Degoutte nicht bis Montag sechs ülhr morgens, für welchen Sermrn ein einstimm ger Beschluß der gesamten Belegschaften der Berg- und Hüttenwerke vorliegen würde, die Freilassung Thyssens anorbnete. Besondere Entrüstung erregte die Bemerkung des Obersten, daß die Bestrafung, der, wie auf
Befragen erklärt wurde, vor ein Kriegsgericht in Mainz gestellten Zechenvertreter milde ausfallen würde, a>enn die Arbeiter bei der Arbcit blicben.
Sodann verlangten die Arbeiter mit aller En shi-^enh i; di: sofortige Wie e 'aufnahme der Ta.igir.it te. Rei chs b a n k st e l len, und zwar ohne, dah diese Wi-ctereröffnung von der Verpflichtung der Direktoren uird Angestellten zur Mitwirkung bei der Erhebung der Kohlensteuer und sonstigen ungesetzlichen neuen französischen Anordnungen abhängig gemacht werde. Lurch hier erregte die Bemerkung des Obncsten. was tenn die A b iter für die Reich 3bank einzutreten hätten? lebhafteste E n t r ü st u n g. Als sie ihre Meinung über die wirtschaftliche Bedeutung der Reichsbank für ihre TInternehmunaen ausdrück'en, lud der Oberst schliehlich die Betriebsräte für Sonntag vormittag 10 llftr zu General Simon ein, um ben Betriebsräten, irenn irgendmögllch, die end- gültige Stellungnahme des Eeierals Dego rette übermitteln zu lassen. Die Betriebsräte rmfassen Angehviige sämtlicher Parteien und Gewerk- schaftsrichtungen.
Proteststreiks.
Essen, 20. Can. (WB.) Die Beamten der Reichsbankstellen traten in den Ausstand; sie wollen die Arbeit erst bann wieder anfnehmen, wenn die Besetzung des Gebäudes arfgehoben wird. Die Grohbanffiliaken erhalten einen beschränkten Verkehr solange arsrecht, als Zahlungsmit el vvrhani en fe.cn.
Wegen der Verhaftung verschiedener Vertreter im Ruhrbergbau sind auf den Zechen zahlreiche Protestkundgebungen erfolgt. Dis 6 älhr abends sind 1 Zechen in den Proteststreik einge» Le en.
Essen, 20. C<m. (WD.) Die Kunde von den gemeldeten Verhaftungen durcheilt mit Windeseile das ganze Ruhrgebiet, fie bringt in die Zechen und ruft eine immer größer toerbenbe Erregung hervor. Zum Teil fleiten die Schichten die Arbeit em, zum Teil verweigern fie die Einfahrt. Die Riesenwelle des Generalstreiks droht alles zu überfluten und alle Hemmnisse hinwegzureihen.
Paris, 22. Can. (WTD) Hm Mitternacht drahtete der Sonderberichterstatter des „Oeuvre" aus Essen: Die Konferenz der Bergarbeiter hat für morgen den Streik mit verschränkten Armen, also den passiven Widerstand, beschlossen. Diese Entschl ehung ist einstimmig getrcffen toorOen. Die Schwierigen.en verdoppeln sich. Der Kampf ist allgemein geworden. '
Dortmund, 21. Can. (Wolff.) Die Beamten und Arbeiter des Hauptbahn- Hoss stellten infoge erneuten Eingriffs her De- satzungsbehvrden morgens 5 Ahr die Arbeit e i n. Die über Dortmund fahrenden Züge müssen umgeleitet werden.
Protestnotsn wegen der Bluttaten in Bochum und Langendreer.
Berlin, 20 Can. (WTB.) Drr deutsche Geschäftsträger rn Paris wurde beauftragt, der französischen Regierung folgende Röte zu überreichen:
Die militärische Besetzung deS Ruhrgebietes hat zu Gewaltmahnahmen der französischen und belgischen Befehlshaber geführt, die neue schwere Rechtsverletzungen bar= stellen. Nachdem die deuffche Regierung die Besetzung als Rechts- und Vertragsbruch gekennzeichnet hat, erübrigt es sich, die Rechtswidrigkeit aller dieser Mahnahmen im e'nzelnen nachzu- weffen. Einen Vorfall aus der Reihe der rechts- wid ngen Alle muh die de-ilsche Regierung jedoch besoeders heroorheben, weil er schwere Bluttaten gegen Deutschezur Folge gehabt hat unb bie Willkür des französisch-belgischen Vorgehens aufs deutlichste in die Erscheinung treten läht
Der in Rede stehende Vorfall hat sich nach den der deutschen Regierung bis jetzt ^gegangenen Berichten folgendermahen abgespielt: Am 15. Canuar abends kam es inD 0 chum unter dem Eindruck der militärischen Besetzung der Stadt zu Kundgebungen, die darin bestanden, dah Ansammlungen von Einwohnern, patriotische Lieder singend, durch die Strahen zonen. ®in solcher Zug, der sich hauptsächlich aus Arbeitern und Angestellten zusammensetz'e, kam in die Nähe des EisenbahndirekticmAgebäudes, wo französische Po st en standen. Die Posten forderten die Arbeiter auf, das Singen einzustellen und schossen darauf in die Menge hinein. Ein junger Mann, der Sohn des Lokomotivführers D i r ve, wurde sofort getötet, mehrere ander e Personen s chwer verletzt. Es steht fest, tah Die an dem Zuge teilnehmenden Personen nicht bewaffnet waren und dah sie die Posten weder an griffen noch auch nur bedroht haben. Erst nach dem Vorfall wurde von dem französischen Kommandanten die Anordnung erlassen, die Ansammlungen auf der ©trabe untersagte.
Die deutsche Regierung erhebt gegen diesen Massengewaltakt auf deutschem Boden schärfsten Protest. Sie behält sich vor, für die dem Gewaltakt zum Opfer gefallene Person für die Angehörigen volle Genugtuung zu fordern.
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Berlin, 21. Can. (WTD.) Der deutsche Geschäftsträger in Paris wurde beauftragt, der französischen Regierung folgende Note zu überreichen:
D^c Bluttat in Bochum,bieder Gegenstand meiner gestrigen Note bildete, folgte eine zweite,
nicht minder schwere Btuttat. Am 19. Canuar abends 9.30 Tlhr wurde der Krankenträger K 0 - Walski vor dem Amtsgerichtsgebäude in Langendreer von einem französischen Wachtposten erschossen. Kowalski ging über ben Kaiserplatz auf bas Amtsgerichtsgebäube zu. Der französische Posten rief ihn an unb gab gleich darauf Feuer. Da der Vorfall in der Nähe einer brennenben Laterne sich abspielte, muhte der Posten gesehen haben, dah es sich um eine einzelne wehrlose Pers on handelte, die keinerlei Angriffsabsichten erkennen lieh. Die Tat ist um so verzweifelter, als sie nicht nur aif die Brutalität eines einzelnen franzöflschei^ Soldaten zurückzuführen ist, sondern, wie der französische Kommandant in Langendreer gegenüber dem dortigen Bürgermeister erklärte, ben erteilten Instruktionen entspricht. Die Erteilung derartiger Instruktionen während einer angeblichen friedlichen Aktion richtet sich selbst. Die deutsche Regierung erhebt auch in diesem Falle schärfsten Protest und behält sich vor, volle Genugtuung zu fordern.
Die Unterstützung der Geschädigten im Ruhrgebiet.
Berlin, 20. Can. (WTD.) Die unterzeichneten Firmen haben an ben Reichskanzler folgendes Schreiben gerichtet: Mit Ihnen einig in der Ablehnung von Gewalt und ■Unrecht, wie es auch nach dem Kriege jetzt im Westen von, Frankreich frevelhaft begangen wird, wollen wir — frei von jeder Parteipolitik — bas Wohl der Gesamtheit über alles stellend, Ihnen in Hilfe für besonders geschädigte und gequälte Landsleute unsere Tlnterstützung geben. Unsere Arbeit soll denjenigen Helsen, die rohe Gewalt an der Arbeit hindert. Wir stellen daher ab 15. Januar Ihnen ein Prozent des Umsatzes unserer Firmen bis auf weiteres monatlich zur Verfügung. Desgleichen verpflichten sich unsere sämtlichen An- aestellten einstimmig, zwei Prozent ihres Ge- y a l t e s ebenfalls der gemeinsamen Sache zu widmen.
Adolf Sommerfeld, Dauausführungen Berlin ünk> die in Interessengemeinsebaft verbundenen Firmen: Allgemeine Häuferbau-Altien-Ge'ellschaft Berlin, Terraingesellschaft am neuen Botanischen ©arten 21-©. ‘Berlin, Ostsee-Holzindustrie 21.«©. Stettin, Aktien-Gesellschaft für Tiefbauunternehmungen Berlin, Zehlendorf-West, Terraingefell- schast 21.«@. Berlin, Ostmärkische Hoch- und Ties- baugesellschaft m. b. H. Berlin, Sommerfeldwerke Schneidemühl Max Sommerfeld, Ostmärkische Hoch- und Tiefbaugesellschaft m. b. H. Delgard a. Perfante.
Berlin. 21. Can. (WTB.) Die Reichs- regierung will dafür Sorge tragen, dah für alle Beamte unb Angestellte der Reichsbehörden, die durch das rechtswidrige Vorgehen der Franzosen und Belgier in ein Verfahren verwickelt werden, geeignete rechtskundige Dcrtctcr bestellt werden.
Ein Mahnruf an die deutschen Landwirte.
Berlin, 19. Can. (WTB.) Der Reichs- l a n i> b u n b veröffentlicht einen Aufruf, in dem es heiht:
Angesichts der verschärften Lage ist es aber über die gewöhnliche Pflicht hinaus unsere Aufgabe, an Nahrungsmitteln, insbesondere an Brotgetreide, abzugeöen, was nur irgend im eigenen Betrieb entbehrt unb erspart werben kann. Die deutsche Landwirtschaft steht einer neuen Lage unseres Vaterlandes gegenüber. Wi.derum sind wir wie im Kriegszustände. In d.esem müssen wir als deuffche Landwirte, ebenso wie im Kriege, alles aufbicten, um unserem Volke die Kraft zu e halten, die es braucht, um die schweren, nieder- drückenden Zeiten zu überstehen. Helfen wir unseren Volksgenosfen im neu befetten Gebiet. So viele auch von uns selbst sich in schwerer wirtschaftlicher Notlage befinden, wir müssen doch alles aufbieten, denen 0A-: helfen, die für uns alle leiden. Laht uns freimütige, unentgeltliche Gaben an Lebensmitteln für unsere bedrängten Vo Lgenossen sammeln. C^der Landbund beginne sofort die Sammeltätigkeit.
Die Ltudentenschaft zur Abwehr geeint.
Berlin, 19. Jan. (Wolff.) Alle Teile der deutschen Studentenschaft beherrscht in diesen schwersten Tagen der gemeinsame Wille, dem Baterlande alles zu geben, was von den Studenten zu geben ist. Die Zurückstellung der hochschulpolitischen Auseinandersetzungen und die Betonung des gemeinsamen vaterländischen Zieles erscheinen als das Gebot der Stunde. Dem Reichskanzler, der in seinem Bemühm um die moralische Wehr- hastmachung des Volkes auch d e studentischen Vertreter zu einer Besprechung eingeladen hatte, am 18. Januar folgendes Versprechen feierlich abgegeben: Das namenlose Elend unseres Volkes hat alle deutschen Studenten im unbedingten Willen zu nationaler Selbstbehauptung völlig einig gefunden, llnbeschadet der mannhaften, ehrlichen Aus- ttagung der Gegensätze auf hochschulpolitl- schem Gebiete kennen sie für sich nur eine nationale Ehre, ein gemeinsames vaterländisches Ziel. Sie beauftragen die Herren Hilgenstock und Holzwarth mit der gemeinsamen Derttetung ihres eigenen nationalen Willens und versprechen, alles zu vermeiden, was diese


