Samstag, 21. April 1923
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
Nr. 95 Zweites Blatt
Li« sie ffcncfien.
(Nachdruck verboten.)
10. Fortsetzung.
verfälscht würde. Bei Berechnung des Gesamtdurchschnitts für das Land Hessen bugeger ist die Teuerungszahl von Bad-Rauheim mli einbezogen.
Die Teuerungszahlen sind berechnet aus Grund der Preise vom21. März 1923, für den Bormonat (in Klammern beigefügt) vom 21. Februar: Starkenburg 247 881 (231812), einschl. Bck.eidung 323048 (312 645); Ober. Hessen 234610 (225 118), einschließlich Bekleidung 304 277 (304 135), Rheüchessen 255 060 (231 812), einschl. Bekleidung 321 907 (308 812); Hessen 245595 (231049), einschl. Bekleidung 316145 (310 000). Die Steigerung gegenüber dem Bormonat beträgt ausschl. Bekleidung 5,9 Prozent, einschl. Bekleidung 2,C Prozent.
Die Kohlcnproduktion in Hessen.
Die monatliche Stattstik der Kohlen- produktion des BolkSstaats Hessen weist für den Monat Marz 1923 folgende Zahlen nach: An Rvhbraunkohlen wurden gefördert 61 324 Tonnen, verkauft wurden davon 16 679 Tonnen; der größte Teil der Rohkohle wurde weiter verarbeitet oder war zur weiteren Berar- beitung bestimmt. Aus den verarbeiteten Rohkohlen wurden neben Schwelereiprodukten erzeugt: 3550 Tonnen Braunkohlenbriketts, 594 Tonnen Rahpreßsteine. Unter Berücksichtigung der aus Bormonaten übernommenen Bestände, sowie des Absatzes und Selbstverbrauchs Der- blieben am Monatsschluß absatzfähig: 19 541 Tonnen Rohkohlen, 630 Tonnen Raßpreß- fteine, zusammen 20171 Tonnen Braunkohlen und Braunkohlen-Produkte, im Gesamtwert von 804 637 620 Mark.
OBaß wir, die berufenen Werkmeister an der Universität des f (frönen hessischen Landes, stets gewirkt und getan, das entsprang unserem Fühlen, Denken und Wollen! Wir hoben sie in der Praxis unseres Lebens tief kennengelernt, die Triebfedern. die auch die Landwirtschaft bewegen und beherrschen. Wir fühtten unS gehoben durch den Genuß freier Arbeit im Anschluß an die Gemeinschaft und im Dienste für fie; Und was immer wir aufwendeten an Bemühungen In unserem Berufe, das war auch getragen von aufrichtiger und tiefinnerer Empfindung des Gemütslebens und von Derständnis für alles Gute und Hohe, was unserer Fürsorge und unserer
Das MsMhcms.
Roman von Luise Schulze-Brück.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 21. April 1923.
Die Teuerungszahlen in Hessen werden künsttg nicht mehr nach Gemeinden, sondern nur nach Provinzen veröffentlicht, weil die Unterschiede der der Berechnung zugrunde gelegten Preise zwar für geschlossene Gebiete, aber nicht für einzelne Gemeinden innerhalb solcher Gebiete charakteristisch sind. Hier spielen vielmehr Zufälligkeiten eine Rolle, die nur durch Zusammenfassung mehrerer Gemeinden -oder eines längeren Zeittaums ausgeschaltet werden können. Durchschnitte von mehreren Monaten zu berechnen, empfiehlt sich aber nicht bei rasch steigenden Preisen, wie es in den letzten Jahren der Fall war, wo die errechneten Durchschnitte dann keiner Wirklichkeit mehr entsprechen.
Wie gering die Unterschiede in den T e u e- runggszahlen sind, zeigt die Gegenüberstellung der drei Provinzen. 3m großen und ganzen bewegen sich die Zahlen annähernd auf der gleichen Höhe. Bei der Berechnung des Provinz-Durchschnitts für Oberhessen ist die Teuerungszahl von Bad-Rauheimunberücksichiigt geblieben, weil hier infolge des Fremdenverkehrs außergewöhnliche Verhältnisse vorliegen und das Bild der Teuerung in der Provinz sonst
Eine Bitte an die Landwirte Hessens.
Don Dr. H. Kraemer, Professor der Landwirtschaft an der Universität Gießen.
selbst zu verdanken, der Jugend, die sich hier ewig erneut, und die voll idealen Strebens ihre Oiele verfolgt. Denn die teilnehmendste Fürsorge der Behörden und Lehrer gleicht dem Samen, der nach dem biblischen Worte unter die Dornen und Steine fällt, wenn nicht die Herzen der Studierenden sich hingezogen fühlen zu den Quellen, aus denen sie die geistigen und sittlichen Kräfte chopfen zur Ausü.'ung i.)res späteren Berufes. Und da dürfen wir es einmal sagen, daß diese Jugend erfüllt ist von freudiger Hingebung an ihre Hochschule und ihre Lehrer, die ihr stets gern oie Freundeshand reichen. Der Druck der Freundeshand aber soll um so herzlicher und tröstlicher sein, je mehr die studierende Jugend in Rot und Verzweiflung von uns an treuer Hilfe erwartet.
Das furchtbare Unwetter, das die deutschen Fluren verwüstet, hat auch in unseren Pflanzungen intensivster Kuttur verheerend gewirkt. Der Sturm drückt viele unserer Schützlinge nieder, bricht manchen hoffnungsvollen Stamm, der die schönste Entwicklung verspricht. Und das Studentenheim in Gießen, das in selbstloser Fürsorge durch die Hand freundlicher Schwestern sich der Bedrückten annimmt, kann seine Aufgabe nicht auf die Dauer erfüllen, wenn nicht die Räch- sten liebe der Glücklicheren eingreift. Selbst die Arbeit in den D>rgwerken und anderen industriellen sowie gewerblichen Betrieben, eine Arbeit, die im Sinne sozialer Verständigung der verschiedenen Berufskreise auch ihre Sonnenseiten hat, kann es vielen nicht mehr ermöglichen, den Kampf ums Dasein erfolgreich zu bestehen und in dem erwählten Studium entbehrungsvvll auszuharren.
Wir wissen wohl, was eine Ditte an die Landwirte in diesen Tagen bedeutet! Die Zwangswirtschaft, die Getreideumlage und andere Maßnahmen haben manchen vergrämt und ver- bi.tert, die edle Ruhrhilfe und andere Sanmt- lungen zu wohltätigen Zwecken haben schon viele Opfer erfordert, und die Frühjahrsarbeiten nehmen jetzt Sinnen und Denken in Anspruch. And dennoch: Landwirte aller hessischen Länder! Wenn wir Lehrer der Landwirtschaft in besseren Zeiten jahraus jahrein euch für Gotteslohn Vorträge hielten, wenn wir auch Soimlags gearbeitet für alle, die da lernen wollten, und wenn wir stets willig alle Opfer an Zeit und Kraft und Rerven gebracht haben, um unser Scherf bi i zum fcerufticfren Fortschritt beizutragen, bann gestattet mir, auch einmal für unsere Studierenden aller Fakultäten an euch eine Ditte zu richten! Sendet an das Studentenheim in Gießen einige Mittel zum Leben, auf daß der Bekümmerte, der Anterernährte, seine Kräfte neu z u stä h len vermag! Zeigt, daß ihr gütig seid, wie ihr es immer gewesen, wenn ihr wißt, daß der Empfänger der Gate wert ist, die auch ihr wert haltet, weil chr selbst sie geschaffen! And zeigt auch mir selbst, der ich hier im Dienste des Studentenheimes werbe, daß ihr den Derufsgenossen nicht im Stich lasset, wenn er in hoffnungsvollem Vertrauen für eine edle Sache sich an euch wendet!
schließlich auf die Zunahme der Konzenttation in der 3nbuftde, die dazu geführt habe, aus diesen Kartellen eine politische Macht zu bilden. Der Spekulation müsse man scharf zu Leibe gehen, wenn man aus der Warkzerrüttung heiauskommen wolle. Sem alter Wunsch auf Schaffung einer wertbeständigen Anleihe, bei in früheren Jahren feine Gegenliebe gefunden habe, finde heute sogar die Zustimmung der Demokraten. Die Desch änkung der Kredite durch die Reichsbank sei richtig gewesen. Daß die deutsche Industrie durch die hohe Ausfuhrabgabe auf dem Weltmärkte nicht mehr konkurrieren könne, sei eine falsche Annahme, denn sie falle im Verhältnis zu den allgemeinen Preisen kaum ins Gewicht. Die Baumaterialienpreise seien in weit höherem Maße gesti.gen als die entsprechenden Löhne. Mit Maßnahmen zur Preisherabsetzung müsse man auf allen Gebieten beginnen, denn die Erbitterung der Arbeiterschaft steige immer mehr.
Hierauf vertagt sich das Haus nach 6 Ahr auf Samstag vorm t ag 10 Ahr Ge ehentwurs über Sprengung von Versammlungen.
Sie schwärmen wieder maßlos, Frau Eva," lachte er spöttisch. „Eine gan^ hübsche Th^ter- dekoration gibt das hier ab, diese Effekthascherei bie sich Frau Lina da leistet. Sie ist eben auch L Frau, sie liebt a ich die Effekte." .
Ditte werden Sie nicht geistreich, sagte Frau Eva' scharf. „Oder, toeirn Sie es müssen, suchen Sie sich andere Zuhörer!'
Sie ging nach dem anderen Ende der Terrasse. Cmfinaen ziemlich verblüfft stehen lassend. Sie hörte taß kichernde Lachen Mercedes Wellsheims. Ttat ihr etenfo weh. Mein Gott, fühlten denn all diese Menschen nicht, was ft«: so!deutlich^emp sand oder war nur sie so empfindsam, so sen
Sie sah sich nach Hans Dietrich um. 3m dunkelsten Terrassenwinkel glimmte das Punkt- Hans Meirich ?" sagte sie halblaut, fragend. Ein ziemlich unwilliges Murren war die Antwort 6;e setzte sich neben ihn und wartete, daß e^etwas tagen toürbe. Ater er schwieg beharrsich. Wenn die Zigarre aufgluhte, sah sie sein Gesicht, die etwas zusammengezogenen trauen, die er hatte, wenn ihn irgend etwas belchasN^ Sie wußte, er lieh dann niQt gern mit sich reben.
Sie hatte auch gar nicht das DÄmrsitts za sprechen. Sie sah in die laue Rächt frtnaus^sie lauschte auf das Schweigen ringsum, sie atmete bert starken Rosenduft. Die anderen waren ans Staad gegangen — schon wett httutb, manchmal
im Laufe der drei Jahrhunderte eine stattliche Zahl von Stämmen hervor, die sich ausgezeichnet haben durch gesundes und freudiges Wachstum — wertvolle Zeugnisse für die kulturelle Pflege,
sich verpflichtet, ein „Entzückend", „Reizend" oder „Allerliebst" oder ein blasiertes „Recht nett“ zu sagen. Rein, nein, meine Falle arbeitet sehr prompt."
Ensingen kam dazu. „Welche Falle?"
Frau Eva lachte etwas schadenfroh: „Eine Art „Erkenne deine Gästesalle", die bei Vollmondbeleuchtungen funktioniert. And Herr Arnolds hat recht mit seinen Deobachtungen. 3ch kann das bestätigen. An Ihnen habe ich heute abend schon die Probe auf dieses Exempel gemacht, und die stimmt." _ . ,
Ensingen strich ärgerlich über seinen Spihbart. wollte scharf erwidern. Aber im Eßzimmer holte in diesem Augenblick die alte Standuhr zum Schlage aus. Elf laute Schläge.
Frau Eva sprang auf. „Am Himmels willen, elf Ahr, Hans Dietrich, es ist die höchste Zeit."
Hans Dietrich protestierte. Aber Frau Eva bestand auf ihrem Schein. Die ärztliche Verord- nung muhte beachtet werden. And so nahmen sie Abschied. „ .
Dürgermeister Arnolds hielt Evas Hand. „Sie haben ja mein Haus noch gar nicht gesehen. Aber das freut mich eigentlich, denn nun müssen Sie bald wiederkommen."
„Ja," sagte Tante Röschen eifrig. „Aber am Rachmittag zum Kaffee, wenn es zu heiß zum Wandern ist. Ich zeige Frau Ohler dann das Haus vom Keller vis zum Dvden."
Elisabeth Arnolds war hiizugekvmmen. Sie stimmte lebhaft bei: augenscheinlich hatte Eva ihr Herz erobert. Der Einladung Hans Dietrichs hörte sie indes schweigend zu. Frau Eva lächelte heimlich. Das passierte ihrem verhätschelten Dru- ber soften genug. Er markierte indes völligen
»»"Zahnpasta selbst zabereiten!"*!
Zahnpasten bestehen aus einer Pulvermischung, welche mit Glyzerin vermischt ist. Dieses entbehrliche Glyzerin und die M<;talltubc verteuern die Pasta ung-*m<-in. Wenn Sie die nasse Zahnbürste in Dr. Bahr'* Zalinpnlver „Ko. W eintauchen, so bereiten Sie sich selbst frische aromatische Zahnpasta, welche die Zähne blendend weiß erhält und nur */< so teuer ist. Man verlange ausdrücklich: „Nr. 23 . Kreuz-Drog., Bahnhofstr. 57, Germania-Drog. Seibel, heusta<w- Drogerie H. NolL 24S..D
Gleichmut, küßte dem jungen Mädchen sehr korrekt die Hand, was sie ziemlich unbehaglich geschehen ließ, und verbeugte sich tief und beflissen vor Tante Röschen.
„Sie haben's bei der Kleinen mit irgend was verschüttet," sagte Ensingen, als sie den Fußpfad an der Mosel entlang zum Rebstock gingen.
Hans Dietrich sah nachdenllich in den Mond. „Es scheint so, oder vielmehr, sie hatte von Anfang an irgend etwas gegen mich!" Er zuckte dir Achseln. „Wer kann die Launen junger Damen ergründen?"
„And wie gefällt sie Ihnen?"
„Hm!" Hans Dietrich dachte nach. „Ich weiß nicht Dies Markieren einer Abneigung ist ja eigentlich ziemlich naiv. Sonst ..."
Eva fiel ihm ins Wort: „Ditte. Hans Dietrich, du weißt, daß ich darin schwerfällig bin Ich mag dies schnellfertige Urteil nicht! Ditte, sprich nicht aus. Elisabeth Arnolds ist sicher fein Mädchen, das man nach einigen Stunden oberfläd> lichen Zusammenseins beurteilen kann. And da sind wir. Ich möchte mich sofort verabschieden. Gute Rächt."
„Was hat sie nur?“ sagte Hans Dietrich ziemlich betreten. ...
„Ja, was hat sie!" echote Ensingen. And als er in seinem stillen Zimmer den Mangel an gewohntem Komfort festgestellt fratteftanber <un Fenster und sah feindlich auf die ^edftch fließ^ide Mosel. „Romantische empll d ame Weiberseelei murrte er. Ob der Doden hier günstig war für seine Wünsche? And als er sich im Dett ausstreckte und eine Feder knarrte, wurde ex noch ärgerlicher: „Echte Moselromantikl
(Fortsetzung folgt.)
Schon drei Jahrhunderte lang hat die älteste Hochschule der hessischen ßaribe ihre segensreiche Tätigkeit ausgeübt. Drei Jahrhunderte lang hat sie tteulich gearbeitet in düsteren und sonnigen Zeiten, hat sie zahllose Generationen junger Männer aus die Stufe der Bildung erhoben, die zur 'Betätigung als Führer im geiftigen, wirtschaftlichen und politischen Leben befähigt. Drei Jahrhunderte lang war sie der artende Teil für alle Kreise des hessischen Volkes, eine „alma
Deutscher Reichstag.
838. Sitzung, 2 Ahr nachmittags.
Berlin, 20. April 1923.
Die zweite Lesung des Haushalts des Reichs- | Wirtschaftsministeriums wird fortgesetzt
Abg. Riesser (D. Vpt) toarnt entschieden vor der Konfiskationspolittk, wie sie Dr. Hertz fordere. Das laufe auf dieselbe Politik hinaus, die Frankreich an der Ruhr treibe. Was die.e Politik schließlich auch für die Arbeiter bedeute, liege klar zutage Die Bemühungen des Kabinetts um die Markstabilisierung heiße seine Partei gut Die wirtschaftliche Rot sei größer als zu irgendeiner Zett des Krieges Daher sei es kein Wunder, wenn der verarmte Be itz nicht mehr in der Lage gewesen sei, die Schahanleihe ganz aufzunehmen. Dazu kämen die Quertreibereien und Drohungen der Franzosen, welche allerlei Befürchtungen erweckt hätten. Vielleicht sei es nicht richtig gewesen, sich von vornherein auf 50 Millionen Dollar sestzu- (egen. Immerhin sei das Ergebnis als we entliche Hilfe zu begrüßen. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Spekulation dürsten ebenfalls nicht ganz ihren Zweck erfüllen. Jedenfalls habe es feinen Zweck, künstlich einen Dollarstand zu fixieren, den man nicht innehalten könne Vom Handel könne man natürlich nur den schrittweisen Abbau erwarten, und wir könnten ja bereits auf vielen Gebieten ein Abbröckeln der Preise feststellen. Daß mit dem Preisabbau ein Lohnabbau Hand in Hand gehen müsse, sei klar. 3m übrigen warnt Redner vor sogenannten Notverordnungen, die gewifsermaßen aus dem Aermel geschüttelt toürben. Dazu scheine auch die Verordnung über die Devisen meldepflicht zu gehören; denn sie werde stets nur den Ehrlichen treffen. Ohne Beseitigung der Fesseln des Versailler Vertrages würden alle Bemühungen zur (Stabilifierung der
Kultur anvertraut ift
Deshalb fühlen wir auch: Das Beste an den Erfolgen der Aniversität in den drei Jahrhunderten ihrer erfolgreichen Arbeit ist den Sttidierenden klang ein Wort, ein Lachen noch bis hier herauf. Ein Kahn trieb vorbei und zeichnete sich schwarz von dem mondbeschienenen Wasser ab, wie em Gespensterschiff, das aus dunller Weite kommt, tn dunkle Weite geht.
Ern Mädchen mit Windlichtern tarn auf die Terrasse, Tante Röschen tauchte im Hintergrund auf, der Zauber war gebrochen. Bürgermeister Arnolds erschien auch wieder.
„Wie schön war das, wie schön!" sagte Eva.
„Richt wahr? And ich freue mich immer auf den Augenblick, wo meine Gäste dies zum ersten- mal sehen. Heute abend waren Beleuchtung und Stimmung besonders schön" Er warf einet schnellen Blick auf Hans Dietrich, der sich mit feiner Zigarre zu schaffen machte. „Sie muffen nämlich wissen, ich schätze die Menschen danach ein, wie sie sich zu dem Moment verhalten, wenn an Dollmondabenden der Mond da hinter der Ruine herauf kommt."
Frau Eva mißte lachen. „Aber das ist ja eine direkte Falle, die Sie einem da stellen! And man geht ahnungstes hinein. And wie flam- fixieren Sie die Ertappten denn danach? Das wäre ein ganz interessanter Beitrag zu Ihrer eigenen Charakteristik."
„Ich werde mich hüten, Ihnen das jetzt zu erzählen. Ater soviel fann ich Ihnen verraten, am liebsten sind mir die ganz Schweigsamen."
Eva fühlte, wie sein Blick langsam über sie fringtng. Sie wich aus.
„Run, das könnte doch auch verschiedene Gründe haben. Auch ganz stupide Menschen schweigen, ober mundfaule, ober ..."
„Hein, nein,“ sagte Bürgermeister Arnolds lebhaft. „Ganz stupide ober ganz blasierte fühlen
•* Oberhessischer Kun st verein. Die für bie Ausstellung des Vereins für Orte ginal-Rabierungen Münchener Künstler bestimmten Werke sinb noch unterwegs, so baß bie Eröffnung ber Ausstellung sich um einige Tage verzögert.
Landkreis Gießen.
tb. Inheiden, 20. April. Durch den hie- Ilgen Ortsausschuß fürRuhrhilfe wurde eine zweite Haussammlung vorgenommen, bk rund 200 000 Mk. ergab.
Kreis Schotten.
B. Burkhards, 20. April. Auf Veranlassung und unter Leitung des Staates hat die Gemeinde mit der Ru h b a r m a ch u n g de r H u t - weiden im sogenannten Buchwald begonnen. Die Meliorationsarbeiten werden durch das zahlreiche Auftreten des Dasaftgesteins sehr erschwert und sich auf Jahre hinausziehen. Doch verbürgt die günstige Lage und bie ausgiebige Verwendung von Düngemitteln die Erschließung guten Wiesen- geländes. Annähernd 200 Morgen können dadurch tn hiesiger Gemarkung für ^ Landwirtschaft gewonnen werden. Man verspricht sich In Dauernkreisen viel von der Melioration weil sie mit der Steigerung des Futters zugleich durch den Wegfall des Hütens bedeutende Zeitersparnis bringt _____
Kreis Büdingen.
* Lißberg, 18. April. Bei ber hiesigen Jagbverpachtung wurden 80 0 Silbe r m a r k gelöst. Der von ber Reichsbank bezahlte Wert für eine Silbermark am 1. AprU jeben Jahres würbe bem Pachtpreis zugrunbe gelegt. Bei bem beseitigen Stanb, 1 Silbermark --- 1500 Papiermari, beträgt also bet diesjährige Pachtpreis 1200 000 Mk. Die Pächter sind ein Herr aus Lißberg und ein Metzger aus Frankfurt.
Kreis Wetzlar.
• Wetzlar, 21. April. Herr Karl Hirsch- h o r n. Redakteur des „Wetzlarer Anzeigers", blickt freute auf eine 50 jährige Tätigkeit m bet Schnitzterschen Buchdruckers! in Wetzlar zuruck.
Mark hinfällig sein. • alle Kreise des hessischen Volkes, eine „alma
2ll>g. Keinath (Dem.): Das Wirtschafts- mater“ für ihre Söhne und ein treu dienendes
leben steht noch immer unter bem Druck von Glied der Gemeinschaft.
Versailles. Die Kapitalwerte an Aktien sind von Olli bie Einrichtungen und Hilfsmittel der 31 Millionen Goldmart auf 4,6 Millionen Golb- Hochschule, bie für Lehre und Forschung unerläß- marf nach bem Kriege gesunken. Die Ausfuhr [tdfro Grundlagen bedeuten, sie sind mit dem Grd- ist zudem auf 40 Proz. der Vorkriegszeit ge- rci$ vergleichbar, das uns das Vaterland überfallen. Wie sollen wir da die Werte, bie uns ließ, damit wir es gewissenhaft beb uen und durch fehlen, wieder einbringen ? Das sind bie Folgen ißige Kulturarbeit in die Lage versehen, reiche der Wegnahme unserer Außenwerte. Diese Kata- Flüchte zu tragen. Die Lehrer der Aniversität strvphe und die pvlttischen Ereignisse haben die sind die berufenen Verwalter des ihnen anver- Geldentwertung und damit den Ruin ber Reichs- trauten Boltens, wie es in allererster Linie der finanzen herteigeführi. Der deutsche Unternehmer gvDf»e Liebig in Gießen gewesen, un> die Pfleg- ist schon lange nicht mehr Subjekt, sondern nur linge, denen wir den günstigsten Stnrdort be- noch Objekt unserer wirtschaftlichen Entwicklung, reiten, und in deren Entwicklung wir gerne nach- Der Unternehmer hat genau dieselben Verluste fr.qtig eingreifen, das sind die Junger der Wissen- wie der Konsument. Der Redner fordert eine f<fräft, unsere lieben Studenten.
größere Einheitlichkeit in ber Bekämpfung der Drei Jahrhunderte lang ist das Land von uns Preistreiberei. Wir unterstützen die Stützung^- fcfraut worden. Es ist bebaut worden in inniger aftitm der Regierung in jeder Hinsicht. Center §üfriung und gesegneter Wechselbeziehung mit seien nicht alle Maßnahmen, bte ^e Regierung übrigen Gliedern des großen Gutsbetriebes, in dieser Hinsicht getroffen habe, zweckmäßig ge» ^en o[fe mit gleicher Ltebe umfassen — ber wesen. So konnte mit der Devisenverordnung kern deutschen Heimat. Die Werkführer haben Mensch etwas anfangen. Die Schaffung einer Amtes nach bester wissenschaftlicher Er-
wertbeständigen Inlandanleifre ist nach Ansicht fenntnis gewaltet. Sie haben das Gelände so des Redners nur zu begrüßen. Rotig eine sorgfältig gepflügt, tote es jetoeilen möglich war Stabilisierung ber Ausfuhr, nicht nur bänglich Maße, in dem bie Gutsherrschaft bei
der Preise, sondern vor allem bezüglich der Durchführung dauernder Grundverbesse- Menge. Das Rebeneinander des ^eufrätrnrt- ^^n verständnisvoll ihre Hilfe barbot. Sie schaftsrates, des Reichsrates und beä Reichstags faxben es auch an der nötigen RährstvffVersorgung in wirtschaftlichen Fragen Jet unhaltbar. Im Bodens nie fehlen lassen, haben jeder Der- übrigen erwarte seine Partei von dsn Minister, s^pfung desselben beharrlich entgegengetoirft Sie daß er die deutsche Wirtschaft ohne todlichr Der- in ber Auswahl ber Pflänzlinge alle Am-
letzungen über die Wirtschaftskrise frintozgbringe. geübt, fraben jeden berfelben mit bem Ge-
(Beifall.) nusse bes Lichtes zu beglücken gesucht, frohen ihn
Abg. Heibema nn (K.) bezeichnet das Re- au$ ^nn nötig, gestützt und von überflüssigen gierungsprogramm als Stinnesprvgramm und be- Schossen befreit. Stets wurde wohl alles getan, dauert, daß die Sozialdemokraten sich für mefe um m treuer Arbeit gute Ernten zu erzielen. Die als Schildträger einsehen. ‘Sebauerlufr sei, daß Pflanzungen sind gediehen, und es ging aus ihnen das Volk im unklaren darüber gehalten werde, 1 - - - • ‘ ~ e e«-*•-
wer eigentlich bie Billionen aufbringen solle, die bie Ruhraktion koste. Was das Mrnisterium Cuno bisher geleistet habe, seien nur Mißerfolge gewesen, angefangen bei der Zwangsanleihe bis zur Dollaranleihe. Richt die Industriellen allein stützten die Mark, und es sei eine Illusion, wenn dies hier tm Hause behauptet worden fei. Schließlich fordert ber Rebner eine Arbeitervegierung, die die Erfassung der Sachwerte vornehmen werde.
Rur eine solche Regierung sei auch in der Lage, dem Sehnen der Schwerindustrie auf die Errichtung eines Welttrustes entgegenzuwirfen
Abg Robert Schmidt tSoz.) stellt fest, daß eine Lrhnstabilisierung solange nicht eintre» ten könne, als bie Lebensbedürfnisse immer noch sich verteuerten. Eine Stühungsakiion bei einem Dollarstande von 30 000 habe für uns bei weitem nicht den Wert, wie eine Stabilisierung auf 20 000. Deshalb müsse dem künstlichen Kurshinauftreiben in strenger Weise entgegengetreten toerben. -3m übrigen seien bie Sozialdemokraten für die Stützungsaktion und billigten die Ziele, bte die Regierung damit verfolge. Der Redner verwaist


