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I unerläßlichen Voraus' freigabe des Ruhrgel 'nen Breitscheid den '

den umstellt. Es wurde Herr enkleidung im Werte von 18 Millionen Mark ge­raubt. Am Tage und am Abend wurden auf Seiten der Angreifer, soweit bekannt, 5 ^01 ge­tötet und eine größere Anzahl verwundet. Be­zeichnend ist, Laß die Angreifer ihre ^r^ind^en und Toten in die von den Franzosen besetzte Ka­serne brachten, wo die Leute ausgenommen und verbunden wurden.

Die im Rathaus seit den frühen Morgenstun­den mit dem Oberbürgernleister eingeschlossenen Beamten und Polizeimannschaften erhielten un Laufe des Tages und während der Rächt -Ver­stärkung durch Polizeibeamte von Duisburg, Ober» hausen und Sterkrade, sowie durch beherzte Bur- aer Um 4 Uhr morgens gingen die Belagerten, mit' starken Knüppeln bewaffnet, in sechs Gruppen gegen die Aufrührer vor, die sich schnell rurückzvgen und verschwanden. Es ge ang, verschie­dene mit Gewehren Bewaffnete, zunächst etwa 20 und un Laufe des Morgens weitere 10 zu ver­haften. Einer ihrer Führer, der frühere Lumpen- Händler K ü r t e n, der sich sogleich zur Wehr setzte und dem Beamten an den Hals sprang, wurde schwer verletzt. Er mußte ins Krankenhaus gebracht werden. Der bereits genannte Rädels­führer K r 0 p p ist mit 12 Jahren Zuchthaus vor­bestraft Den Mördern Rosendahls ist man auf der Spur. Die durch die Festnahme größtenteils führerlos gewordenen Aufruhrer zogen sich in den großen Speldvrfer Wald zurück. Auf Seiten der Belagerten wurden zwei Beamte durch Schüsse

Eine bedeutsame Vermittlungsrede des Lords Curzone.

Nr. 93

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Der Staatssekretär schilderte dann, wie die britische Regierung ihren Einfluß in jedem Sta­dium benutzt habe, um friedliche Vereinbarungen herbeizuführen sowohl mit Bezug auf dre Ver- bindungswege, als auch auf die öffentliche Ord­nung in den Gebieten, wo das französische yeer eingesetzt war. England habe auch bei zahlreichen Gelegenheiten interveniert, um manchmal direkte Zusammenstöße zwischen Deutschen und Fran­zosen im Ruhrgebiet zu verhindern usw. Die An­wesenheit der britischen Truppen sei Nicht nur geduldet, sondern sei für beide Parteien an^ nehmbar. Möglicherweise gebe es in Deutschland eine extreme Partei, die es gerne gesehen hatte, wenn die britischen Streitkräfte zunickgezogen worden wären. Aber das fei nicht auch die An- icht der französischen und belgischen Redierung. Auch die deutsche Regierung begrüße Die fort­dauernde Anwesenheit der britisch^ Truppen im Rheinland. Wenn wir bezüglich Deutschlands als Ganzes die Zissem der britischen EiN- und Ausfuhr seit dem französischen Vor- marsch ins Ruhrgebiet prüfen, M)en wir, daß sie sich beträchtlich erhöht haben gegenüber dem gleichen Zeitraum un Vorjahre. Erst heute habe er erfahren, daß eine der kleineren Ursachen der Schwierigkeiten, denen man sich gegenüber- sehe, wahrscheinlich unverzüglich von der deut­schen Regierung beseitigt wurde.

Friedensvertrages und um feine Bedingungen durchzuführen, seien die brmfdjen Tr ipprn irn Rheinlande und keineswegs für selbstsüchtige Zwecke Die Kosten des britischen Besatzungs- Heeres würden nach dem Reparativnsgeseh be­stritten, was mehr als genüge, um sie zu decken. Lord Curzon gab der Hoffnung Ausdruck, daß der Vorschlag, die britischen Truppen zuruckzu- ziehen, nicht weiter aufrechterhalten wurde, denn

brückt.

Wir Deutsche stehen unter den bestän­digen Anregungen der angelsächsischen Länder, bas Reich möge neue, bestimmte Vor­schläge machen. Die heute erscheinende große Rede Lord Curzons im englischen Ober­hause ist bisher der stäch'te Schuß der tat­losen, aber einer Vermittlung zugeneigten Briten. Wenn nun im Reichstag der Drang und Ruf nach größererAktivität unserer amtlichen Politik wirklich durchdrang, so ist dies kein Zeichen von Schwäche oder Ermattung. Wir wollen in dieser unheilvollen Verwicklung aller Dölkerbeziehungen eine durchdringende Berechnung der Vernunft wal­ten la.ssen. Wir wollen nicht mit Frankreich zusammen zugrunde gehen, und suchen nach einem Ausweg aus tragischem Ende. Das be­deutet glücklicherweise nicht Unterwerfung oder Hinnahme einer Diktatur des ebenfalls am Abgrunde zappelnden Widerparts. Besonders | die offenkundigen Annexionsgeluste Frank­reichs erfuhren durch alle Parteien eine end­gültige Abfuhr. Wenn sogar Herr H e l s s e - r i ch betonte, durch das ganze Haus gehe der Ruf nach Aktivität der Regiermtg - so ist damit die Art der deutsch Berett- willigkeit deutlich gekennzeichnet. Größte Be- achtung im In- und Auslande fanden nament­lich die Anregungen SIre seman ns des volkSparteillchen Führers und Sfnechers^wich­tiger Indusfriekreise. Er stieg auf der Kreppe des Reichsminister v. Isenberg noch eine Stufe hoher und ließ die Möglichkeit. offen, das Dergmannsche Angebot der alsbaldigen Aufbringung von 20 Milliarden Goldmark und späterer Zusatzleistungen nach neuer unpartei­ischer Abschätzung von Sachverständigen auch heute noch auszuführen. Kein Wunder, daß danach Herr B r e i t s ch e i d als Sprecher der Sozialdemokratie den Tacitus noch zu uber- tacitussen suchte, noch weiteres Entgegenkom­men befürwortete und namentlich das Er­langen einer amtlichenRoteder deutschen Regierung mit Entschädigungsvorschlägen an die Entente vertrat. Run wären immerhin m einer solchen Rote noch die strikten 2lbwei- sungen der welschen Sicherungsgelüste und die

Annahme von Unjeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen).27 mrnBreite örtlich 80 Mk., auswärts 100 Mk.,-für Reklame- Anzeigen von 70 mm Dreite 400 MK.Dei Platz- Vorschrift 20°/. Aufschlag. Hauptschristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Emst Vlumschein; für den Anzeigenteil: Hans Leck, sämtlich in Dietzen.

schwer und drei leichtverletzt. Zu bemerken ist noch, daß die Arbeiterschaft der großen Mülheimer Werke, dir etwa 100 000 Mairn zählt, es abgelehnt hat, in einen Sympathiestreik einzutreten. Der größte Teil der Arbeiter hat stch von der Auf­hetzung ferngehalten.

' Münster, 20. April. (WTD.) 7 Uhr abends. In Mülheim an der Ruhr ist es, abgesehen von einigen Zwischenfällen, r u h lg geblieben. Reue Festnahmen von Auf­ständischen sind erfolgt. Bei den gestrigen Zu­sammenstößen hatte die Polizei drei Verletzte.

Berlin, 21. April. Wie die Blätter aus Mülheim an der Ruhr melden, sind bis­her 50 Aufrührer verhaftet worden. Sie wurden im Laufe des gestrigen Tages im Rathause vernommen. Aus ihren Aussagen geht hervor, daß tatsächlich geplant war, das Rathaus zu besetzen und die 5^rrschast ufcer die Stadt an sich zu reihen. Sobald die Ver­nehmungen beendet sind, werden die Teilneh­mer an dem Aufruhr wegen schweren Land- friedenSbruchS der UntersuchungsM zuge­führt werden. Da durch die Mülheimer Vorgänge die Druckerei, in der die Reichsbank Banknoten drucken läßt. lahmgAgt

war, hat die Verwaltung der Gewerkschaft Friedrich Thyssen kurzfristtgeS eigenes Rot- geld ausgegeben.

Wochenrückblick.

Der R e i ch s t a g hat in der abgelaufenen | Woche das Bild der sttebenden Kräfte in Deutschland aufgervllt. Vor dem Auslande uns dessen zu schämen, haben wir glücklicher­weise keinen Anlaß. Es sah auch in dieser Arena der politischen Attraktionen nur ein mit übermäßig drückendem Geschick mühsam, aber tapfer kämpfendes Volk, das nicht verzagen will, obgleich kein Optimist jemals grimmiger an den stumpfen Widerständen der schlechten Welt sich angelaufen hat, als gerade es. Der Reichsminister v. Rosenberg hat die ge­prüfte, in soviel Schlägen geläuterte Seele Deutschlands mit Geschick und Kraft dar­gestellt. Es war kein rhetorisches Uebermaß da­bei, und er hat darauf verzichtet, nach der Art schlechter ober eitler Mimenben Grunolin- gen im Parterre In bie Ohren zu donnern . Jedoch waren seine Anklagen, seine Beschwö­rungen der Welt, seine leidenschaftslosen Rachweise, seine klare Sprache des deutschen Gewissens, desto vernehmlicher und eindrucks­voller. Seine Rede hallt nach und klingt in die Tiefe. Sie wurde um so mehr beachtet, als der Minister nicht mit Darstellungen und Vor­haltungen sich erschöpfte, sondern mit ruhi­ger Zielsicherheit den Weg der friedlichen Lo­sung wies. Das war das Wichtigste. Er lüftete das deutsche Programm, das von der Pariser Konferenz so schnöde beiseite geschoben wurde und legte dar, daß es auch heute noch die Grundlage zu Verhandlungen abgeben könne, obgleich das Vermögen Deutschlands weiter zerrüttet worden sei und auch kein Sachkun­diger augenblicklich wisse, mit welchen Sum­men das ruinierte Deutschland denSiegern

diese Maßnahme würde im gegenwärtigen Olugen* blick keinerlei Unterstützung seitens der britischen Regierung ergeben und würde unter den Alliier­ten Englands Bestürzung Hervorrufen.

London, 20. April. (WTB.) Oberhaus. Bei Besprechung der Lage im Ruhr gebiet sagte Lord Curzon nach einer längeren Rechtfertigung der Haltung Englands und nach Prüfung der Haltung Deutschlands und Frankreichs: Ich kann nicht umhin zu glauben, daß, wenn Deutsch­land irgendein Anerbieten seiner Bereit­schaft und Absicht, zu zahlen, macht und seinen Wunsch ausdrückt, die Reparationssum- men durch eigens zu diesem Zwecke be­traute Autoritäten fest setzen zu lassen, ein Fortschritt erzielt werden könnte, zumal wenn dieses Anerbieten auch eine genaue Bürgschaft über die Fortsetzung der Zahlungen enthalten würde. Frankreich gab mehr als einmal zu verstehen, daß es gewillt sei, einen solchen deutschen Vorschlag entgegenzunehmen ganz gleich, ob er Frankreich allein oder auch feinen Alliierten mitgeteilt wird. Es liegt uu allgemeinen Interesse, daß ein solcher Vorschlag gemacht wird, und je eher er gemacht wird, desto besser wird es für alle Beteiligten sein. Das ist der Kern des Rates, den ich andauernd der deutschen Regierung gegeben habe und ich sehe keinen Grund, an ihrer Weis­heit zu zweifeln. Sobald Schritte unternommen werden, wird Englands Hilfe sich für beide Parteien zeigen, und ich hoffe, daß auf dieser Linie noch eine Lösung gefunden teer­ten kann. Ich sehe die Tür für noch nicht end­gültig geschlossen an. Die Anstrengungen un Ruhrgebiet lasten schwer auf den Hilfsquellen der beiden Parteien, und wenn dies aitaauert, muß das die Beziehungen der beiden großen Völler zueinander gefährden. Zwischen beiben Ländern muh irgendeine Art von Kon­kordat hergestettt werden, wenn es irgend etwas wie Frieden oder Regelung in Zukunft geben soll. Ich glaube, so sagte Curzon zum Schluß, ich habe auf beiden Seiten Symptome wenn auch nicht für ein Zusammenkommen, so doch wenigstens für eine Bereitschaft, die Bedingun­gen einer zukünftigen Regelung in Erwägung zu ziehen oder gar zu besprechen, wahrgenommen. Wir werden weiterhin unser Bestes tun, um Die Entwicklung dieser Symptome zu ermutigen. Ich bin voller Hoffnung, daß die Zeit kommen wird, wo unser Einfluß und unsere Autorität mit Nutzen in der Richtung eingesetzt werden formen, daß sie die beiden Hauptparieien zu einer Be­sprechung zusammenbringen wird und zur Ent­wicklung eines Planes, der nicht auf eine gegen­wärtige Lösung abzielt, wohl aber auf Die 1-öe- Handlung des wichtigen Problems, das em Welt, und ein Friedensproblem ist.

Curzon sagte weiter, unsere Politik ist grundsätzlich auf der Entente basier' als einem festen und ständigen Fattor in einet wechselvollen Zeit. In Tlebereinstimmung damtt haben wir die Haltung wachsamer, freundschaft­licher Reutralität beobachtet; wir werden sie auch weiterhin beobachten. Wir haben Deutsch­land niemals die geringste Ermutigung gegeben, seinen Verbindlichkeiten auszuweichen; wir werden das auch nicht tun. Was die Frage der S icher- heit betrifft, so sind wir willens, zu passender Zeit in der Zukunft Pläne oder Vorschläge zu erörtern. Dies kann aber nicht durchgefuhrt werden auf Kosten einer 3erftutf e - lung Deutschlands, oder gar dadurch, daß man eine neue Wunde im Herzen Europas auf- reißt Wenn Garantien gegeben werden sollen, so sollten es vorschlagsweise Garantien fern, die ihrer Statur nach gegenseitig sind. Was die Reparationen anbetrifft, so haben wir unser< eigenen Ansprüche nicht aufgegeben und wir wer­den sie auch nicht auf geben. In der Frage Del Schulden des Auslandes an uns Haber tetr schon ein Anerbieten gemacht, das in seiner Großmut fast verschwenderisch war.

------ Atzungen der Wieder- I ^.^oietes enthalten. Daß Herr Breitscheid den Willen auch der sozial- demokratifchen Arbeiterschaft unterstrich, bet einer ablehnenden Haltung Frankreichs gegen­über einem deutschen Angebot den Widerstand im Ruhrgebiet bis auf das Aeußerst- mögliche zu steigern, fragt ihm die Zu- , stimmung eines so einflußreichen nationalen Organs wie dieKölnische Zeitung" ein die . dazu schreibt, sie gebe sich der Hoffnung hin, daß über die Frage des Angebots schon in den nächsten Tagen eine Einigung zwischen Regierung und Sozialdemokratte erzielt wird, damit nicht eine auf dem taktischen und viel­leicht auch innerpolittschem Gebiet liegende Meinungsverschiedenheit die Geschlossenheit der großen nationalen EinheitSftont des deut­schen Volkes stört".

Lord Curzons Rede, die wir heute im Auszug veröffentlichen, v e r st ä r k t die Mög­lichkeit einer solchen amtlichen Rote Deutsch­lands. Denn das englische Kabinett stellt immerhin für diesen Fall eine positive Tätig- keit in Aussicht, und es wird ja auch nicht ewig auf der Löwenhaut des bloßen AbwartenS liegen bleiben können. Die n e u e n S ch w i e - rigkeiten, die für Deutschland durch die plötzliche Verschlechterung seiner V a l u t a und die Meuterei der Arbeitslosen in den Industriestädten auftauchten, sind in gleichem Maße auch ein WarnungSzetchen für dieSieger". Die Stützung der Mark wird vom Kabinett Cuno mit aller Kraft fortgesetzt werden, und der offenbar von linksradikalen Organisatoren eingefädelten Aufstände in Mülheim ist man gestern schon Herr geworden. Der finanzielle Dammbruch kam wohl über­raschend, war aber nicht gar so verwunderlich, da die verschiedensten Kräfte dabei mitgewrrkt hatten. Selbstverständlich waren die durch die Ereignisse im Ruhrgebiet bedingte Verschlech­terung unserer Handelsbilanz, die Aufwen­dung von Riesensummen für die Bedrängten, das Stocken des industriellen Absatzes und die Mitwirkung einer skruppellosen Spekulation I furchtbare Belastungen für die R?ichsfinanz- politik. Diese Belastungen müssen auf das Maß des Anumgänglichen zurückgeführt und besonders muh die wilde Spekulation gezähmt und bezwungen werden. Hoffentlich gelingt der Reichsregierung dies durch die von ihr ange­sagten Schritte. Wir müssen stets auf die Gegenseite, nach Frankreich, hmuber- schauen, wenn wir die Aussichten auf das Endergebnis richtig abmessen wollen. Dort liegt der offene Mißerfolg des Ruhrabenteuers zu Tage. Nichts hat, so sagen uns zuverlässige Rachrichten, einen größeren Eindruck in Frank­reich gemacht, als die Tatsache, daß die fran- zösiscA Stahl- und Walzwerksindusfrie sich I vom Weltmarkt hat vollständig zurückziehen müssen und kaum noch in der Lage ist, den dringendsten ftanzösischen Bedarf zu decken. Den Gewalthabern an der Spitze bangt doch wohl etwas davor, die letzten Schläge zur völligen Stillegung der gesamten Industrie im Ruhrgebiet zu führen und den General­streik von etwa einer Million Arbeitern damit in Gang zu bringen! Vielleicht ist der Augen­blick wirklich näher gerückt, den die englische Polittk skrupellos, voll kalter Berechnung, seit einiger Zeit mit steigender Beredsamkeit an­gekündigt hat!

nochLLufwarten könne.

DaS amtliche Deutschland hat also an­gesichts der offenkundigen Ernüchterung Frankreichs, die in Loucheurs Reise und ihren Folgeerscyeinungen zutage trat, nicht etwa auch nur die leiseste Triumphatvrmiene zur Schau getragen. Das ist em wichtiges Erlebnis der letzten Tage, daß in den beiderseitigen Wünschen oder Trieben der feindlichen Nach­barn eine Neigung zu erlösendem Kompromiß hervor getreten ist. Herr Poincars hat zwar auch in Dünkirchen noch stark an den Sabel geschlagen und eine zuversichtliche Haltung eingenommen indessen war seine Rede doch nicht der schmetternde Klang erneuten Drauf- gehenS, wie man ihn nach demMißerfolg" Loucheurs vielfach angekündigt und erwartet hatte. Herr Loucheur selbst war gegenwärtig und hörte sein Lob aus dem Munde des Mi­nisterpräsidenten. Das Verlangen nach Ver­handlungen, die den unhaltbaren Kampf be­endigen könnten, hielt also an. Dasselbe Verlangen bekundeten Regierung und Reichs­tag Deutschlands allein die Kluft der bei­derseitigen Bedingungen ist noch nicht über-

Die Mülheimer Krawalle.

Mülheim. 20. April. (Wolff.) Nach­dem durch die große Säuberungsaktivn dre Stadt in den frühen Morgenstunden von der Herrschaft der Aufrührer befreit teurde, zei­gen Die Straßen, abgesehen von Ansammlungen Neugieriger, wieder das gewohnte Bild. Die La­den sind geöffnet und die Straßenbahnen verkehren toieber. Der Terror der Aufrührer axrr kaum er­träglich. Bewaffnete hielten die Straßen beseht und untersuchten die Passanten. Einem wurden 200 000 Mk. geraubt, andere wurden getreten und geschlagen. Es wurde häufig geschossen. Als ge­gen 4 älhr nachmittags sich Oberbürger­meister Lembke am Fenster zeigte, fiel von draußen ein Schuh auf ihn. Die Kugel ging einige Zentimeter über den Kopf des OberbürgermeifterS hinweg und schlug in die gegenüberliegende Wmd ein Bei einem neuen Schießversuch wurde der Täter durch einen Kopfschuß vom Rathaus aus nieder gestreckt. Das Schießen dauerte den ganzen Abends an. Hm 1OV4 Ahr abends tarnen vier Aufrührer in das Lokal des Wirtes Iohann Rosendahl in Mülheim-Broich und tranken D er Als sie offne Bezahlung fortgehen wollten, fragte der Wirt nach der Bezahlung. Mit den Worten, daß sie in 10 Minuten w'cederkämen, um zu bezahlen, gingen die Leute fort. Sie erschienen tatsächlich 10 Minuten später vor dem vom Wirt inzwischen geschlossenen Lokal, schlugen gegen tae I Tur und verlangten Einlaß. Als Rosendahl öff­nete, wurde er sofort durch Schüsse getötet: sein Sohn erhielt vier Messerstiche, em als Gast anwesender Gerbereibesitzer einen Bauchschuß und ein Privatbeamter einen Halsschuh.

3n Der Innenstadt wurde inzwischen das 1 Kaufhaus Koopmann von Waffenfragen-

ßonbon, 20. April. (WTD) Oberhaus, aus- führlicher Bericht. Im Oberhause fand heute nach­mittag eine Aussprache über die Repara­tionsfrage statt. Anwesend waren u. a. dir Lords Curzon, Salisbury, Derby, Devonshire, Grey, Haldane und der Erzbischof von Canter­bury. Auf der Tribüne wohnten der Debatte der deutsche Botschafter S t h a m e r und der fran- zösische Botschafter St. Au la i re bei., Lord Ducknaster eröffnete die Aussprache. Hierauf ergriff Staatssekretär Lord Curzon das Wort und sagte, die Farben auf Lord Duckmasters Pa­lette seien ein wenig stark auf getragen worden. Er skizzierte sodann die Ereignisse, die zu Der augenblicklichen Lage geführt hätten und nannte die auf der Pariser Ianuarkonferenz von Donar Late unterbreiteten britischen Vorschläge einen sorgfältig und endgültig ausgearbeiteten Plan. Niemand könne leugnen, daß dieser Plan mit Bezug auf die Kriegsschuld Frankreichs und Ita­liens edelmütig sei, so daß er zweifle, ob er von irgendeiner anderen Macht als Großbritannien gemacht worden wäre. Was Deutschland und die deutschen Reparationen betreffe, so sei das Ziel der britischen Regierung, die h ö ch st e, v 0 n den deutschen Finanzen ertragbare Summe zu bekommen. UnD die englische Regierung habe damals erflärt, daß sie bereit) sei, letzten Endes praktische Sanktionen zu er­greifen, wenn der auswärtige finanzielle Rah dessen .Schaffung sie vorschlug, berichte, daß Deutschland Unaufrichtig sei. Die andern Vor­schläge, die von den französischen, belgischen und italienischen Regierung unterbreitet wurden seien von der britischen Regierung aus Den bereits mitgeteilten Gründen nicht günstig angesehen wor­den. Als der englische Premierminister zum Aus­druck brachte, er sei nicht in Der Lage, Die Vor­schläge anzunehmen, habe er diese Mitteilung mit einer Erklärung begleitet, Die Lord Sutpon dein Hause vorlesen wolle. Die Erllärung schließt mit dem Ausdruck Der freundschaftlichen Gefühle Eng­lands an Frankreichs. Lord Curzon sagte, diese Erklärung habe getreu Die allgemeinen Gefühle des englischen Volles dargestellt und sei seither Die Grundlage Der englischer Politik-gewesen.

(Erfte$ Blatt 175. Jahrgang Samstag, 21. April 1923

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Gberhessen

vrvck und Verlag: vrühl'sche Univerfiläls-Vuch- und Zteindruckerei N. Lange in Gießen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstratz^T.

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