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Nr. 68

Erscheint icglid), äusser Sonn» und Icieriags, mit berSamstagsbeilage: (ßiefeener^amilienblötter Monatliche vezuospreise: 2850Mark und 150Mark Irögerlohn,durch diePost 3000<marh,aud)bei7iid)t- krscheinen einzelner Num­mern infolge höherer Gewalt - 5 trnfpred). Anschlüsse: für dieSchrift- leilung 112; für Derlag ind Geschäftsstelle 51. Anschrift sür Drahtnoch. Achten: Anzeiger Liehen.

I ostscheülonlo: .Frankfurt a. Hl. 11686.

175. Jahrgang Mittwoch,

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Vrvck vnd Verlag: vrühl'sche Univerfität§-Vuch- und Steinöniderei R. Lanze in Gießen. Zchriftleltung und Geschäftsstelle: Zchnlstraße 7.

21. März 1923 Annahme von Anzeige» für die Tagesnummcr bis zum Nachmittag vorher ohnejede VerdindUchkeit. Sreir für 1 mm höhe für

nzeigen o 27 mm Breite örtlich 80 Ulh., auswärts 103MK.,'für Rekl ame» Anzeigen von 70 mm Breite 400 MK.Bei Platz» vorjchrlji 20"/, Aufschlag. Hauptschriftleiter: Äug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Ernst Blumichein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in (Biegen.

Eine Reichskanzlerrede.

Berlin, 20. Marz. (WTD) Heute nach- mittag 4 ihn fand aus Anlatz der Wiederkehr des oberschlesischen Abstimrnungs- tages in Gegenwart des preussischen Minister­präsidenten ein Empfang des Vorstandes des ober schlesischen Hilfsbuntes sow'e einer Abord­nung aus Oberschlesien statt. Der Sprecher der Abordnung, R.ichsiagsabgeordneter Ü1 lihka, wies darauf hin, dass aus rechlichen, politische und kulturellen Gründen nach dem deutschen Ab­stimmungssiege Oberschles'.en vereint beim Deut- schrn Reiche hätte bleiben müssen. Der deut­sche Anspruch auf Oberschlesien würde üie erlöschen. Bei allen Sorgen für den Westen dürse der Osten nicht vergessen werden, w il der Ausgang be3 Abwchckampfes an Ruhr und Rhein auch für den Osten entschei­dend sei. Die Ansprache LIlihkas Hing in ein Treugelöbnis Oberschlesiens zum Deutschen Reiche aus.

Reichskanzler Dr. Cuno erwidere darauf mit folgender Ansprache: Die Augen Deutsch­lands sind in diesen Tagen nach Wes'en gerichtet, zum Rh in, zur Ruhr, wo ein friedliche, arbeit­sames Dolk im schwersten Abw-ch-"kämpfe gegen einen kriegerischen, tvirtschaftsseindlichen Mili­tarismus iteftt und täglich neue Beweise von Tapferkeit und Disziplin erbringt, die die Welt­geschichte anders wer'en wird, als das schum­mernde Gewissen dieser Zeit. Dort entsch.idet sich der Kampf um Deutschland und das deutsche Volk, feinen Bestand, seine Einheit und Wohl­fahrt. Dort vor allem, aber nicht nur dort; denn und darin liegt die tiefe Gerechtigkeit zur erfolgreichen Bändigung des Abwehrkampfes an Rhein und Ruhr bedarf es nicht allein des entschlossenen Willens ter Front im Westen, d. h. der zunächst betroffenen Bevölkerung, ^son­dern auch des einmütigen Wil'ers und Wider­standes der Heimat und aller übrigen Teile des Reiches in allen deutschen Ländern und Pro­vinzen. Der Erfolg wird uns nur dann besch'.eten sein, wenn der entschoslene Wille, diesen Kampf bis zum guten Ende zu führen, in allen Teilen des Reiches unveräntect lebendig bleibt. He länger die Ruhrbesetzung dauert, je schärfer sie sich in Deutschland geltend machen wird, um so stärker und fester muh dieser Wille bleiben. Es besteht eine enge Wechselwirkung zwi­schen der Haltung der Bevölkerung im besetzten und unbesetzten Deutschland, zwischen der dufteren und inneren Front. Die Relchsregierung ist sich dieser Beziehungen und Wechselw.r'ungen ständig bewuftt und betrachtet es als Aufgabe ernstester Art, neben dem graften Kampf an der Ruhr auch die besonderen Rote und Leiden der übrigen De- völkerungsteile nicht $u vergessen, sondern auch sie voll innerer Anteilnahme zu würdigen und, wo immer es geht, helfend einzugreifen.

Der Reichskanzler fuhr dann fort: Vielfach traten in der Bevölkerung Befürchtungen zutage, der Ruhrkonflikt könne nach Osten über- greifen. Diese D.fürchtungen haben sich bis­her nicht als berechtigt erwiesen; im Osten sind Schwierigkeiten nicht eingetreten. Wir hoffen, daft auch künftig die Ruhe im Osten erhalten bleibt. Gleichwohl haben aber gerade die letzten Wochen auch dem Osten unseres Daterlandes schwere Wunden geschlagen, lieber das Memelgebiet ist die Entscheidung ergangen, ohne daft die Be­völkerung in einerVolkzabstimmung ihren Wunsch, wieder bem alten Vaterlands anzugehören, aus­drücken durfte. Wenn ich heute den deutschen Brüdern im Memellande einen be­sonders warmen Gruft zurufe, so tue ich es im Dewufttsein, daft die kulturellen und geistigen Bande zwischen uns und unseren Volks­genossen nördlich der Memel unzerreissbar und unvergänglich sind. Mit dem Memellande ist ein Stück von Ostpreuften losgrrissen, das selbst ein gefährdeter Auftenposten des Reiches ist. Seine Lage ist um so schwieriger geworden, als auch die Grenze an der Weichsel und der Zugang der ostpreussischen Bevölkerung zu ihr trotz aller deutschen Bemühungen nicht so gestaltet worden ist, wie Ostpreuften es nach dem Vertrage von Versailles zu erwarten berechtigt war. Unsere Proteste, die wir aufrechterhalten, verhallten un­gehört. Aber die Regierung und die Bevölkerung Ostpreussens müssen der Schwierigkeiten Herr werden.

Auch der S ü d o st e n hat in diesen Tagen Schweres erlitten, indem die Kreise Ralibor, die beiden Dörfer H a a t s ch und Sandau, die um ihr Deutschtum gekämpft und gelitten haben, un­gehört der Tschechoslowakei zugesprochen wurden. Die Entscheidung ist ein ungehe uer° lieber FehlsPruch Wir protestieren, und dieser Protest bleibt bestehen. Zugleich grüfte ich die Bewohner von Owschüh, das uns nun­mehr endgültig wieder zugesprochen ist, und von R a k o w i h, das der Tschechoslowakei zugeteilt war und uns wieder zurückgegeben worden ist.

Der Reichskanzler schloss: Es ist eine stolze Freude, zu wissen, wie in all diesem drückenden Schicksal und der eigenen Rotlage zum Trotz sich auch die oberschlesische Bevölkerung nach besten Kräften an dem »Deutsche n Volks o Pf er", das uns in dem Abwehrkampfe im Westen stärken soll, beteiligt, so wie es auch Ostpreussen und andere Teile des Ostens tun. Ueberall an der ganzen Ost grenze, von der Memel bis zur Donau, bewährt sich die gleiche Treue zum Vaterlande neu, die Ostpreussen und Oberschlesien in ihren Abstimmungen bewiesen. Das gemeinsame Los der Abwehr fremder ilebergrifte, das gemein­same Schicksal des Ringens um deutsches Land und die Erhaltung deutscher Kultur- und Wirt- schaftswerte verbindet unzertrennlich Ost und West. Sn keinem Teile des Reiches ist die

Anteilnahme an dem Geschick derDe- völkerung im Westen und dem glück­lichen Ausgange des Kampfes an der | Ruhr größer a l s gerade im Osten. Wenn alle unsere Volksgenossen so zusammen­halten und so zum Daterlande stehen, wie Ost und West, dann wird unser Volk auch aus der gegenwärtigen Rotz Bedrängnis und Elend einen Weg finden in bessere Zeile u, zu kraftvoller Ent­wicklung aller in ihm schlummernden großen Kräfte, aus Knechtschaft zur Freiheit.

Die Ideen von derSicherung" Frankreichs.

London, 20. März. (Wolfs.) Der diplo­matisch: Berichterstatter desDaily Te le- g r a p h" schreibt, in London sei man über die Idee einer Rheinlandrepublik innerhalb des Rei­ches. aber losgelöst von Preutze u sehr überrascht und übe Kritik daran. Die einfache Entmili- taris'ierung des Rhünlandes un'e; Aufsicht des Völkerbundes würde sta.e Unterstützung in London finden.

Dem diplomatischen Berichterstatter der Daily Rews" zufolge verdient die Grenvbler Rede Loucheurs über die Vorschläge zur Entmilitarisierung des linken Rheinu e s beson­dere Aufmerksamkeit, ereil sie zweifellos die in Frankreich immer mttfyr verbreiteten Ansichten widerspiegele, und well sie sowohl die Aehnlichkeit als auch die sehr wichtigen Versch'edenheiten zwischen der französischen und britischen Auf­fassung über diese Frage zeige. Mit D^zug auf die Erklärungen Loucheurs, dass die Rheinpro­vinz von Preutzen losgelöst cccrteu mützte, daft es jedoch ein Fehler sein würde, zu versuchen, die Rheinprovinz politisch und wirtschaftlich vom Deutschen R-ich zu trennen, schreibt der Bericht­erstatter, dieser Vorschlag scheine über alles hin- auszugchen, was eine irgendwie verantwortliche Person in England je vorgeschlagen habe und cvas irgendeine englische Regierung unterstützen könne. Der Grundton der britischen Politik be­züglich der Entmilitarisierung des Rheinlandes sei, baft ein f e ft e r Entschlaft bestehen muss, daftdieRheinprovinz wederpolitisch noch wirtschaftlich noch in irgend­einer anderen Weise von Deutsch­land losgetrennt werden dürfe. Das, was in England vorgeschlagen worden sei. gehe nicht Über die praktische und wncksame An­wendung der Rhünlandariikel des F.iebenFper» träges hinaus. Dieser Plan könne, souest er end­gültige Gestalt angenommen habe, wie folgt zu­sammengefasst werden:

1. Ein allgemeiner Vertrag bei gegenseitiger Garantie unter der Aeatte des Völkerbun­des mit besonderen Abmachumei zum Schuhe sowohl Frankr.ichs als auch Deutschlands.

2. Anwendung der Artikel 42 und 44, die eine dauernde Entmilitarisierung des finlen Rhnnusers vorsehen;

3. Entwicklung (besonders Ueberwachung der strategischen Duhnen) der Aufgaben, die dem Völkerbund auf Grund des Artikels 213 zu­gewiesen wollen sind, und in denen vorgesehen wird, daft der Völkerbundsrat mit der Anstellung einer Untersuchung beauftragt wird, die die Mehr­heit seiner Mitglieder zur Beobachtung der mili­tärischen Bestimmungen des Vertrages für not­wendig hält.

Sn einem Frankreichs Weg zur Sicherheit" überschriebenen Leitartikel führt dieW e st - minfler Gazette" aus, in Paris werde Poincarö die Absicht zugeschrieben, die Alliierten zu fragen, wie am sichersten wohl die Entwafs- nungsve Pflichtungen Deutschlands erfüllt würden. Wenn eine solche Frage gestellt werde, so werde klar ersichtlich, daft eine Konferenz von erster Be­deutung stattfinde. Welche Antwort auch immer gegeben werde, es könne nicht die von Loucheur gewünschte sein, der die Frage der Errichtung einer rheinischen Republik wieder aufgeworfen habe. Es wäre wünschenswert, daft die fran­zösischen Staatsmänner sich mit den Wirklichkeiten beschäftigten und nicht mit Träumen. Es bestehe nicht die gering st e Aussicht auf die Er­richtung einer solchen Republik. Die deutschen Bewohner dieses Gebietes dächten nicht an die Loslösung von Deutschland, im Gegenteil, der deutsche Widerstand sei von Woche zu Woche fester geworden. Präsident Ebert for­dere die Männer des Ruhrgebiets auf, festzuhal- ten, und finde willige Bereitschaft. Trotzdem sei zu hoffen, dass die Darlegungen, die Deutschland über seine Lage zu machen bereit sei, zu weiteren Verhandlungen führen. Es sei zwecklos, toenn Frankreich erkläre, daft eine Intervention einer anderen Macht a l s feindselige Handlung angesehen werde. Früher ober später müßte der Versuch erfolgen, einen Ausweg aus dem augenblicklichen Stillstand durch Ver­handlungen zu finden. Deutschland müsse jede Anstrengung in dieser Richtung ermutigen, und es werde sehr wenig Sympathie finden, wenn es alles auf den Widerstand setze und keine Bereit­schaft zeige, die Bedingungen anzunehmen, die zur Grundlage diplomatischer Erörterungen gemacht werden müssten. Wenn die Forderung Frankreichs nach Wiederherstellung an zweiter Stelle komme, dann sei es Frankreichs Sache, seine Wiederher­stellungsvorschläge abzuändern und den würgen­den Griff vom Ruhrgebiet wegzunehmen, sowie Sicherheiten auf eigenem Wege zu leisten.

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Neue Willkürakte der Franzosen.

Münster, 21. März. (WTD.) Die unter der Beschuldigung der 'Beteilig mq an der Sprengung der Brücke bei Vollmer­stein in der Rächt vom 17. zum 18. März ver­hafteten sechs Personen finb w.eber auf freien Fuss, gesetzt worden, nachdem an ihrer Stelle ein Tiesbauunternehmer aas Hagen, ben die Fran­zosen zu einer Desich'igung der Mprengten An­lagen aufgefordert hatten, verhaftet worden ist. Für dessen Fretlassung verlangten die Franzosen von der Stadt Hagen die Summe von 10 Millionen Mark. In Buer fahndeten die Franzosen gestern auf dem Bahnhof erfolglos nach der infolge des Verbotes sämtlicher Zei­tungen für Buer ftera abgegebenen, nach außerhalb verlegten Ersahzeitung. Der französische Kommandant gab darauf bekannt, dass, er jede Person, die er mit einer derartigen Zeitung an­treffe, bestrafen lassen werde. Die Duerer Zei­tungen dürfen ab morgen, allerdings unter fran­zösischer Zensur, wieder erscheinen. Sodann for­derte der Ortskommandant zur Unterbringung nei eintreffcnbec Truppen eine Liste der kapitalkräf­tigen Personen de 5 Ortes ein. In Dortmund ist durch die deutsche Polizei ein Spion, der inter anderen auch Schupo beamte aus Velbert verriet, fest genommen a>orben.

Karlsruhe, 20. März. (Wolff.) Ein neuer Gewaltakt der Franzosen wird aus Offen­burg gemeldet: Fünf Mitgl e^er der Gewerk­schaft deutscher Eisenbahner (christliche Gewerkschaft), darunter der Obmann der Gewerk­schaft Dieser, hatten sich gestern abend in dem Rebenzimmer einer Offenburger Wirtschaft zu einer Besprechung über gewerkschaftliche Ange­legenheiten zusammeigefunden. Roch ehe die Be­sprechung beg Tinen könn e, ersch enen französische Gendarmen in dem Wirtschaftszimmer und er­klärten die Anwesenden für verhaftet. Hier­auf begaben sich Gendarmen in die Wohnung des Obmanns der Gewerkschaft und nahmen dort die Privatgelder Diesers, die Gewerkschaftsbeiträge, sowie die Korrespondenz der Gewerkschaft an sich. Dor Obmann Dieser sowie ein anderes Mitglied der Gewerkschaft wurden in Hast behalten; die übrigen sind wieder freigelassen worden.

Berlin, 20. März. Der .Lokalanzeiger" meldet aus Essen: Von der französischen Be­satzungsbehörde sind noch einige weitere Dank­direktoren als Geiseln verhaftet worden. Aus französischer Quelle verlautet, daft die Fest­nahme von Dankleitem erfolgte, um den Eingang der Geldbufte sicherzu stellen, die der Stadt Essen für den Fall angedroht wurde, baft der Mörder der französischen Soldaten nicht er­mittelt wird.

(5-in weiteres Eisenbahnunglück.

Berlin, 21. März. Der »Lokalanzeiger" meldet aus Essen, baft sich auf der militarisierten Strecke bei Osterfeld ein Eisenbahnunglück ereignet bat Ein von Franzosen gefah­rener Materialzug entgleiste und drei Wagen wurden auf die benachbarte Strecke ge­schleudert. Sieben Franzosen wurden getötet.

Die Unerschütterlichkeit der deutschen Adwehrsront.

Elberfeld, 20. März. (Wol f.) Der Der- t te t e r tag der in der Be einigung leitender Angestellten (Ve la) zu^am-e mesch'os'enen *ech- ni'chen "au m nnisck eu und wis enschatli^ei Oke » beamten des privaten Bergbaus, der Industrie, des Handels und des Drnkbttrie'>es beschäftigte sich erneut mit der durch die französische und bel­gisch' ©eaxilattion geschaffener Gage. Abgeorb» nete der verschiedenen Gruppen erstattetcn Bericht. Einmütig wurde die Unerschütterlichkeit der Abwehrfront in allen Wirtschaftszweigen fest­gestellt.

Die Sozialisten und die Reparationsfrage.

Paris, 21. März. (WTD.) Die Inter­nationale sozi ilistische Konferenz in Paris hat beschlossen, eine aus je einem Vertreter der be­teiligten Länder England, Frankreich. Itilien und Delg'en zusammengesetzte Delegation nich Berlin zu entsenden, die mit den deutschen Sozialisten über die Reparationsfrage und die Besetzung des Ruhrgebietes verhandeln sollen.

Ein Protest der französischen Liga für Menschenrechte.

Paris, 21. März. (WTD.) Die Liga für Mens chenrechte veranstaltete gestern abend eine Protestversammlung gegen d i e Ruhr­besetzung. Als Redner traten Prof. Aluad, der Chefredakteur desOeuvre" Robert de Iouvenel, der die wirtschaftliche Dilanz der Okkupation dahin zog, daft er erklärte, nach An­sicht des Ministers Loucheur werde man in 3 Ha hren 9 Monaten dasselbe Quan­tum Kohlen und Koks aus dem Ruhr­gebiet ziehen, das die Deutschen vor dem 11. Januar geliefert hätten, und der sozialistische Abgeordnete M o u t e t. sowie der elsäs'i ch; Ab­geordnete Krumbach auf. Es wurde eine Tages­ordnung angenommen, die die Regierungspolitik im Ruhrgebiet verurteilt und verlangt, daft die Reparationsfrage und die Frage der interalliier­ten Schulden dem Völkerbund übertragen werde.

Le Trocqners Optimismus.

Paris, 20. März. (WTD.) Der Minister für öffentliche Arbeiten LeTrocquer hat nach seiner Rückkehr aus Düsseldorf heute vormittag dem Vertreter der Havasagentur gegenüber Erklä­rungen abgegeben, in denen er die im nördlichen

Teile des Ruhrgebiets angehäufte Brenn- st off menge mit etwa einer Million Tonnen Kohle und mindestens 450 003 Tonnen Koks be­ziffert. Rachdem dieses Ergebnis erhielt fei. be­ginne jetzt d i e Ausbeutung Im Augen­blick werde bereits auf drei Plätzen g.-arOcitet: auf den staatlichen Zechen in Westerholt und Blumenthal und auf der Zeche Concordia. Der Minister glaubt, baft die Koksabsuhr bis Ende dieser Woche täglich auf etwa 253) bis 3000 Tonnen gesteigert werden könne In b.v h- |..i Wv^ w.r) M.n fter Ge Trocg ter, ®i: er Journalisten g gmüber erklärte, einen erneuten Besuch im Ruhrgebiet machen, der dein Eisenbahn­wesen gelten soll-

Die päpstliche Politik.

Berlin, 20. März. Die »Vossische Zeitung" meldet aus Rom: Der Papst beauftragte den Runtius Pacelli wegen der in Rom eingelaufencn, einander Widersprechenden Meldungen übt das Verhalten der französischen und bel­gischen Truppen im Ruhrgebiet, über alle gälte objektives Material zu sam­meln und es dem Vatikan zu übermitteln.

Aus dem Reiche

Eine Rede des Derkehrsministers ©tonet.

Berlin, 23. Marz. (Wolff.) Im Haus- haltsausschaft des Räch tage; er lärlc lei der (yt.it- beratung über die deutschen Rcichslahnen Derkehrsminister Gröner. ec sei auf Grand feiner Erfahrungen im Jahre 1922 zu der Heber- zeugung zurückg.lehrt, dass in der Per/onal- frage den einzelnen Direktionen nicht volle Selo- ständigkeit gewahrt werden dürfe. Jede eigen­mächtige Reue n'e'lung von Personal sei gru id- sählich den Direktionen verboten worden. Aller­dings sei der Schwerpunkt bei der Abbau- aktion nicht in der Arbeiterfrage, sondern in der Doamtenfrage zu suchen. Bei den Für-, svrgemaftnahmen für die ausgewie­senen Eisenbahner werde in grosszügiger Weise verfahren. Auch die Wohnungsiür.orge sei in hinreichendem Masse gelöst. Eisenbahnangehö- rige ohne Möbel werden in Eisenbahn-ErholungS» Heimen oder bei Eisenbahnern unteraebracht, die freiwillig Zimmer zur Verfügung ste len Für die Eisenbahner, die eigene Möbel mitgebracht hab n, werden alle von der Eisenbahn kontrollierten Do n mg n, nam ntlihR ubauten be chlagnalmtz Auch Geldmittel für bei Ausbau von WvO'Mngen seien bei-eitgeftellt Trotzdem also eine grafte An- zahl von Wohnungen bereitstehe, wurden nur wenige bisher in Anspruch genommen, weil die Eisenbahner die Ausweisung nur als vorüber­gehende Erscheinung ansähen. Für Bayern bestünde bezüglich aller dieser Fürsorgcmaftnah- men auf Wunsch der bayerischen Staatsregierung eine Sonderorganisation in Mannheim.

lieber die Maßnahmen zur Kohlen­ersparung führte ein Vertreter des Reichs­verkehrsminister ums au3, d.e Reichsbahn Arbeite mit allen Mitte.n daran, den Lolomotivkohlenrer- brauch zu verringern, du dieser mehr als 90Proz. der von der Dahn verwendeten Ko>le verbrauche. Sehr grofte Ersparnisse würden von der Anwen­dung der Dampfturbine im Lolo noii. betrieb erhofft. Die erste Turbinenlokomotive solle diesen Sommer fertiggestellt und im Betriebe erprobt werden, wenn ihre Fertigstellung bei Krnrpp nicht durch die Ruhrbesetzung verzögert werde. Die Ausrüstung des gesamten Guter- wagenparks mit der Kunze-Knorr-Bremse solle Ende 1926 beendet sein. Dom Jahre 1927 ab würden also die Handbremsen im allgemeinen nicht mehr verwendet, was eine Ersparnis von mindestens 30 000 Köpfen ausmache.

Der Notetat.

Berlin, 21. März. (WTB) Der Re ich S- rat hat in feiner gestrigen Sitzung den Rot­etat angenommen. Der Berichterstatter erklärte hierbei der Gesamtfehlbetrag des Reichshaushalts betrage für 1922 7.1 Billionen Mark. Seit dem Herbst sei er um 6,2 Billionen gestiegen. Zum Ankauf von Rahrungsmitteln zur Sicherung der Dolksernährung werde ein Kredit von 400 Mil­liarden zur Verfügung gestellt.

Das Arbeitsprogramm des Reichstags.

D e r l i n, 21. Marz. (WTB.) Der A e l - testenrat des Reichstags hat beschlos­sen, am Mittwoch den Postetal zu Ende zu führen, am Donnerstag die Interpellationen über die religiösen Feiertage zu behandeln und am Freitag und Sonnabend Den ErnöhrungS- etctt zu erledigen. Hierauf wird die Oster- pause eintreten, die sich bis zum 11. April erstrecken wird.

Die sächsische Kabinettsbildung.

-Bertin, 21. März. Der .Vorwärts" rneldek aus Dresden, daft sowohl der Ministerpräsident Duck, wie auch der bisherige Minister des In­neren Lipinski in das neu zu bildende säch­sische Kabinett nicht eintrelen werden.

-Berlin, 20. März. Der .Vorwärts" er­fährt aus Dresden: Die sozialdemokrati­sche La ndtagss raktion und die Landes­parteiinstanzen erklärten sich einmütig mit ben mit ben Kommunisten vereinbarten Richt­linien einDerftanben. Da auch von ben Kom­munisten die endgültige Zustimmung vorliegt, kam eine Vereinbarung über die Regierungsbild i na zustande. Zum Ministerpräsidenten wird I von der sozialdemokratischen Fraktion der bis­herige Iustizminister Dr. Zeigner omrae- I schlagen-