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Mittwoch, 2J. Februar 1925

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Mitt' tvock, 21.11. 1923.

Kämpfen. Gestützt auf sein Recht und seine Ent­schlossenheit sei sich daä deutsche Volk bewußt, daß ihnn schließlich der Sieg beschieden sein müsse. Mesen Sieg, schloß dev Kanzler, wolle Deutsch­land aber nicht so gedeutet wissen, als ob es sich dann der Mitarbeit an dem Wieder­aufbau entziehen wolle uni) als ob es Verpflichtungen, die gerecht und erträglich seien, ablehnen würde.

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vvinzialordnung Kreirausschusses linisteriums des > verordnet, was

chen dürfen nur seht sind, benuht Ebenso ist das Bhasler Dvdel-

lettung 112; für Vertag unb Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach­richten. Lineiaer Sittzeiu

Postscheckkonto:

5rankfnrt a. M. 11686.

Ortschaften des n, Wegen und ich verboten, sten werden, so- i höhere Strafe aft. Desgleichen i, deren Aufsicht d des Artikels 44 viderhandlungen ;en, falls sie es

' Tage der Der-

Annahme »an Anzeigen für die Tagesnummer vis zum Nachmittag vorher ohne jede Berdindlichkett. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigenv. 27 mm »rette örtlich 50 Mk., auswärts 70 Mk.; für Rekl ame- Anzeigen von 70 mm Breite 240 MK.Dei Platz­vorschrift 20"/. Aufschlag. Hauptfchriftleiter: Aug. Goetz. Berantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil. Ernst Blnmschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen.

Erscheint täglich, außer Sonn, und Feiertags, mit derSamstogsbeilage: GießenerFamilienb lütter MonaMch« vezugopreise: 1325 Mark und 75 Mark Trägerlohn,durch diePvst 1400Mark^ruch beiNicht- erscheinen einzelner Num­mern infolge höherer

zung den Zwischenfall vom 12. Februar nur als neue Gelegenheit, die Bevölkerung die militärische Aebermacht suhlen zu lassen, in dem Glauben, sie dadurch ihren Absichten ge­fügig machen zu können. Das Verhalten der örtlichen Befehlshaber wird anscheinend von der französischen Regierung gebilligt, da nach den letzten Rachrichten die Befehlshaber sich nicht gehindert sehen, die Vergewaltigungen gegen die Stadt Gelsenkirchen fvrtzusetzen. Nachdem die Stadt mit Recht die Zahlung der geforderten Geldbuße ablehnte, versuchen die Befehlshaber, den Betrag dadurch beizutrei­ben, daß sie die erreichbaren Geldbe­stände fortnehmen ohne Rücksicht, ob es sich um öffentliches oder privates Eigentum handelt; letzthin gingen die Befehlshaber so­gar zur F e st n a h m e von Geiseln über.

Die deutsche Regierung p r o t e st i e r t ge­gen die geschilderten Gewaltakte und behält sich vor, volle Genugtuung zu ver­langen. Schon jetzt fordert sie, daß die Ver­hafteten, die immer noch festgehalten werden und zur Bemäntelung der ihnen angetanen Willkür vor ein Kriegsgericht gestellt werden sollen, sofort in Freiheit gesetzt werden.

Ein neuer Zwang.

Gelsenkirchen, 20. Februar. (Wolff.) Nachdem die gestrige Stadtvervrdneten-Ver- sammlung wiederum die Bezahlung von 1 0 0 Millionen Mark abgelehnt hatte, er­folgten heute neue Maßnahmen der Fran­zosen. So sollten die Geschäfte gezwungen werden, Waren abzugeben. Da das größte Kaufhaus in Gelsenkirchen, Alsberg, den Warenverkauf a b g e l e h n t hat, erfolgte die Schließung und gewaltsame Hinaustrei­bung der Käufer aus den Räumen. Zwei Ab­teilungschefs wurden verhaftet, und in dem Geschäft ein Posten zurückgelassen. Hierauf stellten sämtliche Geschäfte Gelsenkirchens die Verkaufstätigkeit ein. Weiler ordneten die Besatzungsbehörden an, daß, falls neue Zwi­schenfälle vvrkämen, die verantwortlichen deutschen Beamten sofort verhaftet und die Ortschaften, in denen solche Zwischenfälle vor­gekommen seien, mit einer entsprechenden Geldbuße belegt würden.

Die Derkehrslage.

Frankfurt a. M., 20. Febr. (WTD.) 3m Bezirk der Reichsbahndirektwn Frankfurt ist in Eschbvi-n, Strecke Frankfurt-Crvnbevg, leit heute eine französische Zollkontrolle einge­richtet worden. Der Personenzugverkehr Lim­burg Niederlahn st ein ist heute toieber ausgenommen worden. Der Güterverkehr wird von morgen ab auf der Strecke LimburgObsrlahn- stein in beschränktem Umfange wieder ausgenom­men werden. 3m Bezirk der Reichsbahndirek­tion Mainz ist der Personenzugverkehr heute wieder ab Rüdesheirn über Riederlahnstein nach Köln eingerichtet worden; von morgen ab soll aus der gleichen Strecke auch dec O-Zugverkehr wieder stattfinden. 3m Bezirk Ludwigshafen find die Zollämter Zweibrücken unb Schönenberg mit fran­zösischen Zollbeamten besetzt worden. Äm 16. und 17. Februar haben die Franzosen in Mannheim zwei im offenen Neckar liegende uirbeladene Kähne beschlagnahmt und weggeschleppt. Es handelt sich hier um Privateigentum. Gin Kahn war un­bemannt, der andere wurde mit der Besatzung weggebracht.

Auflösung der Schutzpolizei in Essen.

Berlin, 21. Febr. Nach demVorwärts" ift laut Befehl des französischen Kommandeurs in Essen die gestern entwaffnete Schupo als aufgelöst zu betrachten Jedes Mitglied, das Dienst tut, soll vor ein Kriegs­gericht gestellt werden. Es kann eine rein örtliche Polizei in Stärke von 600 Mann gebildet werden, die <lls Abzeichen eine Armbinde tragen soll und mit Piswlen bewaffnet wird.

Der preußische Mini st er des 3 n - nerrt, Severing, hat, einer Korresponoenz- meldung zufolge, der Schrrtzpolizei im Ruhrgebiet verboten, ohne Uniform und ohne Waffen Dienst zu tun.

Ausweisungen.

Koblenz, 20. Febr. (WB.) Außer den be­reits gemelbeten Personen sind noch andere 49 ausgewiesen worden. Hauptsächlich Be­amte und deren Familien, darunter der Polizei­präsident Krause, der Finanzamtsdirektor Rein­hard, der Landgerichtspräsident Wallbuth, sämt­lich fit Wiesbaden.

Bad Ems, 21. Febr. (WTB.) NaO>em vor acht Tagen der Verleger derEm se r Zei­tung", Fritz Sommer, und der Schriftleiter Bruchhäuser ausgewiesen worden sind, wurde gestern der Bruder des Verlegers Dr. med. Sommer nebst Familie ausgewiesen. Es liegt nach sicheren Quellen die Vermutung nahe, daß noch weitere Ausweisungen folgen werden, was mit den in Bad Ems besonders zahlreichen Sonder­bündlern rn Verbindung zu bringen ist.

Wiesbaden, 20. Febr. (WB.) Die Beam­ten des hiesigen Hauptzollamts sowie deren Nebenstelle wurden gestern von den Franzosen schriftlich benachrichtigt, daß sie von heute ab en t» lassen seien; sie könnten sich aber innerhalb 24 Stunden melden, falls sie gewillt seien, unter fran- zösischer Aufsicht weiterzuarbeilen, andernfalls würden sie zu gewärtigen haben, mit ihren Fa­milien ausgewiesen zu werden. Diese Beam­ten, etwa 24, erschienen heute früh auf der Dienst­stelle und warteten die Umstände ab, unter denen die Amtsübernahme durch die Franzosen erfolgen werde. Direktor Wolpergon der hiesigen Dis- kornogesellschaft ist von den Franzosen verhaftet worden wegen Auszahlung von Geldern an die streikenden Eisenbahner. Eine Anzahl Eisenbahn­beamten smd gestern desgleichen verhaftet toor&en.

Urteile gegen

Koblenzer Redakteure.

Koblenz, 20. Febr. (Wvlft.) Vom frcm- zösischen Polizeigericht wurden die verant­wortlichen Schriftleiter derRheinischen Warte", decKoblenzer Zeitung", desKoblenzer Generalanzeigers" unb derKoblenzer Volkszei­tung" zu je 40 000 Mark Geldstrafe ober zwei Monaten Gefängnis verurteilt, weil sie es abgelehnt halten, eine Bekanntmachung der Rheinlandkommission in dem politischen Teil ihrer Blätter aufzunehmen. Der Militärstaats­anwalt hatte 50 000 Mark Geldstrafe beantragt.

Freiheitsberaubung eines holländischen Journalisten.

Amsterdam, 21. Febr. (WTB) Der Ber­liner Korrespondent desAlgemeen Handelsblad" meldet seinem Blatts aus Elberfeld vom 20. Fe­bruar folgendes: Ich hatte am Sonntag abc-nd in Gelsenkirchen Gelegenheit, mit 2 Film­operateuren, die ich speziell zwecks Feststellung der wahren Tatsachen in das Ruhrgebiet mitgenom­men hatte, Filmaufnahmen zu machen an Straßenecken in der Nähe des Rathauses, die ich brieflich noch einzeln beschreiben werde. Ich schicke voraus, daß ich für Filmaufnahmen im ganzen besetzten Gebiet, auch im Ruhrgebiet, die Geneh­migung des Generals D e g o u 11 e hatte, und daß ich die Aufnahmen in Gelsenkirchen erst an» gefangen hatte, nachdem ich den zuständigen Offt- zieren meine Erlaubnis ausdrücklich gezeigt hatte. So war ich zufällig in der Lage, einige kinemato- graphische Bilder aufzunehmen von der voll-

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kommen nutzlosen und provozieren­den Haltung der französischen Trup- Pen, die mit aufgepflanztem Bajonett in schnel­lem Schritt unaufhörlich die ruhige Bevölkerung vor sich hertrieben und die Deutschen mit Rippen­stößen vorwärts schoben, so daß es nur der un begreiflichen Ruhe der Passanten zu verdanken war, daß keine Ilnglücksfälle passierten. Als ich darauf am nächsten Tag mit 2 Operateuren durch Gelsenkirchen fuhr, um Recklinghausen zu erreichen, wurde ich verhaftet und unter militärischer Bedeckung zum Obersten in das HotelZur Post" in der Nähe des Rathauses geführt, wo man meine Aufnahmen beschlagnahmte. Man gab mir die Erklärung ab, ich hätte Filmaufnahmen machen lassen, deren Vorführung für Frankreich eine nachträgliche Bedeutung haben würde. Nach zwei Stunden erklärten mir die Offiziere, man gebe mir die Freiheit zurück, der Film aber werde sofort zur Entwicklung nach Düsseldorf geschickt. Am Dienstag nachmittag solle ich mich in Düsseldorf bei General D e g o u 11 e melden Mir wurden außerdem meine französischen Papiere angenom­men. Erst nach wiederholtem Drängen gelang es mir, wenigstens einen Pcch nach ©Ibeifclb zu be­kommen. Wenn man französischerseits der Mei­nung ist, daß man durch dieses Auftreten gegen die objektiven, der Wahrheit dienenden, nur die tatsächlichen Ereignisse in den kinema kographischen Aufnahmen festhaltenden neutralen Jour­nalisten der französischen Propaganda dienen könne, müßte sich das als ein Irrtum Heraus­stellen. Ich werde brieflich noch Gelegenheit ha­ben, ernste Einzelheiten meiner Aufnahmen und meiner Freiheitsberaubung zu veröffentlichen.

Belgischer Autounfug.

Mors, 2o' Febr. (WTB.) Ein b e l g i s ch e s Sanitätsauto stieß auf der Straße Düssel- dorf-Mörs mit einem Fuhrwerk zusammen. Der Kutscher wurde überfahren und liegt mit schweren Verletzungen und mit einer Gehirn crfdjütterung im Krankenhaus. Der Kraft- wagen raste weiter, ohne sich um den üeßer- fahrenen zu kümmern. Derselbe Kraftwagen fuhr dann mit großer Geschwindigkeit in die Stadt Mörs und überfuhr an der Kurve beim Königlichen Hvs" 5 Personen. Zwei Männer und zwei Frauen wurden mit schweren Ver­letzungen davongetragen. Eine weitere Person kam mit leichteren Verletzungen davon. Der Führer, ein belgischer Soldat, wurde au<s dem Wagen geschleudert und mit unerheblichen Verletzungen

Neue Strasvorschristen für Wucherer und Schieber.

Berlin, 20 Febr. (WTD.) Der Rechts- ausschußdesReichstags nahm die Regie­rungsvorlage an, wonach bei vorsätzlichen Zu­widerhandlungen gegen die Strafvorschrif­ten wider Preistreiberei, Schleich- handelundverbvtene Ausfuhr lebens­wichtiger Gegenstände auf eine Freiheitsstrafe von 3 Monaten oder mehr, oder eine Geldstrafe von 100 000 Mark ober mehr erkannt werden soll. Neben der Strafe sollen stets die öffentliche Bekanntmachung der Verurteilung durch eine Tageszeitung sowie der öffentliche An- schlag auf Kosten der Schuldigen angeordnet werden. Angenommen wurde ferner ein Antrag der Bayerischen Dollspartei, wonach derjenige, dec es unternimmt, Gegenstände, die der Reichs­wirtschaftsminister als lebenswichtig bezeichnet hat, ohne die erforderliche Genehmigung aus dem Reichsgebiet auszuführen, mit Zuchthaus b is zu 5 Jahren und bei mildernden ilmftänben mit Gefängnis nicht unter einem Monat bestraft wird. Neben der Freiheitsstrafe soll auf eine Geldstrafe von mindestens 50 000 Mark erkannt werden. Das Höchstmaß der Geldstrafe soll un­beschränkt bleiben. Ferner werden die Strafen gegen Schleichhandel, vorsätzliche Preistreiberei unb vorsätzliche verbotene Ausfuhr lebenswich­tiger Gegenstände dahin verschärft, daß in be­sonders schweren Fällen Zuchthausstrafen bis zu 15 Jahren unb eine Geldstrafe von mindestens 100 000 Mark eintreten. Der Antrag auf Ein­führung der Todesstrafe wurde abgelehnt.

Eine Aeutzerung des Reichskanzlers.

Budapest, 20. Febr. (WTB.) Reichs­kanzler Dr. Cuno äußerte sich einem Ver­treter des Pester Lloyd gegenüber dahin, die Ziele der französischen und belgischen Politik seien die Rheingrenze und die völlige Auflösung des Deutschen Reiches, darüber bestehe in Europa kein Zweifel mehr. Hinter diese Bestrebungen stellten sich die wirtschaftspolitischen Aspirationen der französischen Großindustrie. Die französische Politik habe, nachdem sie ihr Ziel durch den Frie- densvertrag nicht völlig erreichen konnte, nur danach gestrebt, die Verpflichtung Deutschlands aus dem Friedensvertrag so hoch zu schrauben, daß sie nicht hätte erfüllt werden können. Frank­reich habe auf diese Weise wenigstens eine formale juristische Handhabe besitzen wollen, um feine Ziele weiter zu verfolgen. Bei dieser Sachlage habe es für Deutschland nur ein Mittel gegeben, die *3c= fetjung des Ruhrgebietes zu vermeiden, nämlich die ilntertoerfung unter die Ziele der ftcmzösischen Politik. Dies sei aber mit der Existenz unb der Souverenität Deutschlands unvereinbar und dürfe daher auch von keiner deut­schen Regierung anerkannt werden. Deutschland werde mit allen ihm zu Gebote ste­henden Mitteln gegen den sranzösich-belgischen Anschlag als ein freies unb unabhängiges Land

Eine deutsche Note über die Strafexpedition gegen Gelsen­kirchen.

Berlin, 20. Febr. (Wolff.) Der deutsche Geschäftsträger in Paris ist beauftragt, der französischen Regierung folgende Note zu übergeben:

In Gelsenkirchen spielten sich in den letzten Tagen Vorkommnisse ab, die beweisen, daß die französischen Desatzungstruppen im Ruhrgebiet auch vor den schlimmsten Terrorakten gegen die Devöllerung nicht mehr zurückschrecken. Die der deutschen Regie­rung vorliegenden amtlichen Berichte ergeben darüber folgendes:

Am 12. Februar, morgens 7 Uhr, hielt der Pvlizetvb er Wachtmeister Hutmacher in Gelse n- iirchsn einen privaten bcutfdjcn Kraftwagen vor­schriftsmäßig an, weil er in der noch herrschenden Dunkelheit ohne Licht fuhr. Die Insassen des Wagens, zwei französische Gendarmen, waren von außen nicht erkennbar. Sie suchten sich der Anhaltung zu widersetzen, den Polizeiober­wachtmeister festzunehmen und ihn zu sich in den Wagen zu ziehen. Vorübergehende Zivilpersonen benachrichteten die in der Nähe befindliche Polizei­wache, von der vier Beamte der Schutzpolizei ihrem Kameraden zu Hilfe eilten. Es gelang ihnen, Hutmacher xu befreien. Hierauf gaben die französischen Gendarmen sofort Feuer und brachten Hutmacher eine schwere Ver­letzung bei Erst jetzt bedienten sich auch die deutschen Schutzpolizisten der Schußwaffe inb schossen auf die Gendarmen; während diese an­scheinend nur leicht ver wu ndet wur­den, erlag Hutmacher inzwischen seiner Ver­letzung.

Daß der erste Schuß bei dem Zwischenfall von einem der französischen Gendarmen abgegeben worden ist, wird auch in der von Havas ver­breiteten Sachdarstellung zugegeben. Die Agentur Havas sucht die Bedeutung dieses Umstandes allerdings durch die D^auptung ab­zuschwächen, daß Emtmacher die beiden Gendar­men gleich zu Anfang bedroht und einen von ihnen nach dem Herkommen der vier Schutzpoli­zisten mit einem Revolver vor die Stirn ge­schlagen habe. Diese Behauptung, die nach dem ganzen Verlauf des Zwischenfalles schon an sich wenig gkmbipürblg ist, wird durch die Feststel­lungen der deutschen Behörden widerlegt.

Am folgenden Tage nahm dann die fran­zösische DesatzungSbehörde den Vorfall zum An­laß, um eine Strafe x peditivn gegen Gelsenkirchen durchzusühren. Ein starkes französisches Truppenaufg?bvt, bestehend aus 3n» sanierte, Kavallerie, Artillerie, Ma­schinengewehren, Minenwerfern und ? a n k s, besetzte die Stadt. Die französischen Be­fehlshaber schritten zur Verhaftung des Ober­bürgermeisters und seines Stellvertreters, des Polizeipräsidenten, ber Kommanbeure ber Schutz­polizei, des Direktors der Reichsbank und ver- langten von ber Stabt ferner bie Zahlung einer Buße von 1 0.0 Millionen Mark. Außer- Dem wurden die Pvlizeibeamten auf beiden Polizeiwachen der Stadt entwaffnet unb ab- geführt, wobei es namentlich auf der Hauptwache zu gröbsten Ausschreitungen ber französischen Truppen tarn. Nach Umstellung ber Wache mit Infanterie, Kavallerie unb Tanks drang Infan­terie ein, bie zuvor eine Anzahl von Schüssen abgegeben und die Fenster ber Wache zertrümmert hattcn, unter Führung von drei bis vier Offizieren und .trieb die dort befindlichen einundzwanzig deutschen Pvlizeibeamten hinaus, obwohl sie sich in keiner Weise widersetzten, mit Kolben st öhen, Peitschenhieben, Fußtritten und F a u st s ch l ä g e n. Auf der Sttatze wurden Pvli- zeibeamte, wovon ein Teil infolge der Mißhand­lungen blutende Wunden hatte, durch weitere Mißhandlungen gezwungen, auf einer Strecke von mehr als 1 Kilometer einen Parademarsch auszufüfwen. Sie wurden dann über Buer nach Recklinghausen transportiert, wo sie in einem geschlossenen Raum auf nacktem Fußboden übernachten mußten. Obwohl bie Räumung der Wache bereits vormittags 10 Tlhr ftattfanb, bekamen die Verhafteten bis am Mittag des fol­genden Tages nichtszuessen unbzutrin- ken. Am 15. Februar wurden die Polizeibeamten entlassen, bis auf sieben, über deren Verbleib ber deutschen Regierung augenblicklich noch nichts be­kannt ist.

Die deutsche Regierung stellt hiernach fest, daß ein Zusammenstoß zwischen einzelnen Schutzpolizisten und zwei französischen Gen­darmen, der allein von den Gendarmen ver­schuldet wurde und einem pflichttreuen deut­schen Beamten das Leben kostete, der französi­schen Besatzung genügt, um gegen eine ganze Stadt mit Gewaltmaßnahmen vorzugehen, deren Härte kaum noch überboten werden kann. Selbst wenn bei dem Zusammenstoß am 12. Februar ein Verschulden der deutschen Be­amten vorgelegen hätte, würde die Strafexpe­dition gegen die Stadt eine schwere Ver­letzung des Völkerrechts sein, da es nicht einmal im Kriege gestattet ist, wegen Handlungen auf Einzelpersonen Strafen über die ganze Bevölkerung zu verhängen. Die .Verhaftung des Polizeipräsidenten von Gel­senkirchen, der Mitglied des Preußischen Landtags ist, stellt überdies eine Verletzung der in allen Rechtsstaaten gewährleisteten Immunität der Abgeordneten dar. Offensichtlich benutzte die französische Besät-

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Die Auseinandersetzungen int englischen Unterhause.

London, 20. Febr. (WB.) Bonar Law teilte auf eine Anfrage von Wedgwood im Unterbaufe mit, daß in anbetracht der Tat­sache, daß bie Vereinigten Staaten an dem Ver­trag von Versailles nicht teUgenommen bät en, es für bie britische Regierung nicht richtig sein würde, mit ihnen darüber zu verhandeln, ob die franzö­sische Aktion im Ruhrgebiet mit dem Vertrag Über­einstimme oder nicht. Mac Neill erklärte, daß auf der Londoner Konferenz tm August bie franzö­sische Delegation einen Plan unterbreitet habe, der die Kontrolle des Ruhrgebiets umfaßte. Obgleich bie britische Regierung nicht in ber Lage gewesen sei, den Vorschlag anzunehmen, habe die franzö­sische Regierung sowohl auf dieser Konferenz, als auch auf Den Konferenzen in London im Dezember und in Paris im Januar weiter darauf bestanden, baß diese Kontrolle wesentlich sei. Die erste offi­zielle Mitteilung, baß die französische Regierung eine Aktion gegen Deutschland beabsichtige, sei am 9. Januar abends erfolgt; Der Vormarsch habe am 11. Januar begonnen.

Lloyd Georges neueste Rede.

London, 20. Febr. (WTD.) 3n feinet Rede hn Unterbau« sagte Lloyd George noch, das deutsche Nationalgefühl, bas vier Jahre gebemütigt und niebergebrodjen gewesen sei, sei zum ersten Male seit dem Abschluß des Waffenstillstandes infolge der Besetzung des Ruhr­gebietes aufgerüttelt worden. Doirar Law habe sein Bestes als treuer Verbündeter getan, Frank­reich von seinem Vorgehen abzuraten. Er bitte Donar Law dringend, einen weiteren freund - schriftlichen Schritt zu tun, um Frankreich aus der Verstrickung zu lösen, bevor es zu spät sei. Die britische Regierung sollte jetzt eine Aktion unter­nehmen. Er, Lloyd George, habe im August 1922 vorgeschlagen, bie ganze Angelegenheit an Den Völkerbund ztu verweisen, aber Poincars habe sich geweigert, irgendeine aus dem Versailler Ver­trag sich ergebende Frage an den Völkerbund zu übertragen. Das sei ein höchst erstaunlicher, ab­surder und unhaltbarer Standpunkt, da ja auch der (Streit zwischen Polen und Deutschland, Der aus Dem Versailler Vertrag herrührte, dem Völkerbünde mit Zustimmung Frankreichs über­tragen worden sei. Außerdem sei die Behauptung, daß Der Vertrag, der ganz Westeuropa neu verteilt habe und von dessen guter oder schlim­mer Wirkung bie Zukunft Europas abhänge, dem Arbeftsbereich des Völkerbundes entzogen werben sollte, eine lächerliche Behauptung, bie die Re­gierung nicht annehmen sollte. Lloyd George be­tonte, Die Vereinigten Staaten hatten Die mora­lische Verpflichtung, zur Sicherung einer Lösung mttzuarbeiten. Es sei notwendig, im Ver­kehr mit Deutschland einen neuen Ton unb eine neue Einstellung anzu­nehmen.

Henberson kündigte an, baß bie Arbeiter­partei den Abänderungsantrag unterstützen werde. Die Arbeiterpartei sei weder deutschfteundlich noch

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General-Anzeiger für Gberhessen

vruck rmd Verlag: vrühl'sche UniverfitSls-Vnch- und Steindruckerei H. Lange in Stehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: 5chulstrahe 7.

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