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Nr. 42

Erscheint täglich, mcher Sonn, und Feiertags, mit derSamstagsbeilage: GießenerFamilienblätter Monatliche Bezugspreise: 1325 Mark und 75 Mark Trügerlohn,durch dieDost 14BVMark,auch beiNrcht. erscheinen einzelner (Rum- ment infolge höherer Gewalt. - Fernsprech. Anschlüsse: für dieSchrift. leitnng 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Sietzen.

Postscheckkonto:

Zranfturt o. M. 11686.

173. Jahrgang

Montag, 19. Zebruar 1925

GietzenerAiMiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Druck und Verlag: vrühl'sche UniverfitAr-vuch- und Steindruckerei H. Lanze in Stehen. Schriftlettung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis znm Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen v. 27 mm Breite örtlich 50 Mk., auswärts 70 Mk.; für Rekl ame- Anzeigen von 70 mm Breite 240 Md.Dei Platz. Vorschrift 20 °/e Aufschlag. Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Dietzen.

Gegen unberechtigte Preissteigerung.

Berlin. 17. Febr. (WTD.) Anläßlich der in Len letzten Wochen eingetretenen scharfen Preissteigerung für Schlachtvieh hat der Rcichsrninister für Ernährung und Landwirt­schaft die Landesregierungen dringend ersucht, für jeden Schlachtviehmarkt eine besondere Ueberwachungslvmmission aus je einem Viehhändler, einem Fleischer und einem Vertreter der Verbraucherkreise zu bilden, damit unberech­tigten Preissteigerungen sogleich an Ort und Stelle entgegengetreten werden kann. Durch ein enges Zusammenarbeiten dieser Kommission mit den zuständigen Polizeibehörden wird in vielen Fällen die Beschlagnahme des Viehes und die Fernhaltung unlauterer Elemente von den Vieh- Märkten möglich sein.

Berlin, 17. Febr. (WTD.) Der Präsi­dent des Landespolizeiamts richtete an sämtliche P o l i ze i ve r wa l tu n g e n P re u nen s folgende Aufforderung:

Der Präsident des Landespolizeiamts stellt mit Befremden fest, daß, obwohl seinerzeit dem Steigert des Dollarkurfes ein beträchtliches Stei­gen der Warenpreise zur Folge hatte, jetzt das Fallen des Dollarkurfes um mehr als 50 v. H. in den Warenpreisen fast nir­gends zum Ausdruck gefommen ist. Im Gegenteil stellen sich gerade jetzt die Preise einer ganzen Reihe von Inlandsprodukten höher als die Waren, die entweder aus dem Auslarrde einge­führt sind oder als überwiegettden Bestandteil ausländische Rohstoffe enthalten. Die Polizei­verwaltungen werden erneut und unter Bez ig- nahme auf alle bisher ergangenen Verfügungen des Landespolizeiamts dringlich st ange­wiesen diesen Mißständen nachnugehen und überall da, wo die Annahme von wucherischen Preisfvrderungen gerechtfertigt erscheint, sofort Ermittelungen anzustellen und gegebenen­falls die sofortige Einleitung eines Strafver­fahrens bei den zuständigen Stellen zu ver­anlassen, und wenn Tatsachen vorliegen, die die Unzuverlässigkeit des Händlers erweisen, auf Grund der Verordnung vom 23. Oktober 1915 rück­sichtslos mit Entziehung der Handels­erlaubnis vvrzugehen.

Ein Erlaß

des preußischen Handelsministers.

Berlin, 17. Febr. (Wolff.) Ein Erlaß des Handelsmini st ers an sämtliche Haichrls- kanrnrern besagt:

Es hat sich gezeigt, daß die erfreuliche Bes­serung, die der Stand der Mark in der letzten Zeit erft^hren hat, in den Warenpreisen vielfach noch keinen oder nur ungenügenden Aus- brud gefunden hat. Jedenfalls muß festgestellt werden, daß die Anpassung an die Marktlage sich beim Sinken dec Mark ungleich schneller und in erheblich stärkerem Matze zu vollziehen pflegt, als es sich bei der umgekehrten Entwicklung jetzt zeigt. Es liegt auf der Hand, daß hierdurch die Deu n - ruhigung über die ungeheure Preis­steigerung, die nach dem. vorausgehenden Marksturz eingetreten war, noch weiter gesteigert wird, und daß eine derartige Entwicklung bei der Bevölkerung auf starken Widerstand stoßen muß. So wenig ich die schwierige Lage verkenne, die sich für das gefomte Wirtschaftsleben und in beson­derem Maße für den Handel aus dem schnellen Wechsel des Maickstandes ergab, so muh ich doch der bestimmten Erwartung Ausdruck ge­ben, daß die beteiligten Kreise ftch der durch die politischen VerhÄtnisse verschärften besonderen Verantwortung bewußt sind und den Ver­brauchern die gebotenen Rücksichten ent­gegenbringen. Ich behalte mir vor, auf die An­gelegenheit alsbald zurückzukonrmen, ersuche aber gefl. mit der durch die Umstände gebotenen Be­schleunigung auf die beteiligten Kreise der in dem vorstehenden Sinne bereits jetzt einzuwirken.

Tagung des Reichslandbundes.

Frankfurts. M., 18. Febr. (WTD.) Die heutige Tagung des Reichslandbundes wurde im Hippodrom mit einer Begrüßungs­ansprache des geschäftsführenden Vorsitzenden, Reichstagsabg. Dr. R ö s i ck e, eröffnet, der zu­nächst darauf hinwies, daß heute vor 30 Jahren der Bund der Landwirte, der Vorgänger des Reichslandbundes, gegründet wurde. Damals sei die Landwirtschaft m großer Rot gewesen. Auch die diesjährige Tagung stehe im Zeichen der Rot, und zwar in erster Linie der Rot des Vater­landes. Die deutsche Landwirtschaft habe sich zum Hilfswerk bereit erklärt. Sie habe versprochen, alles einzusetzen, die Produktion auf das Mög­lichste zu steigern, ja sogar die Friedens- Produktion zu steigern. Dazu müsse die Landwirtschaft aber frei fein. Dadurch, daß der Landwirt für die Ilmlagelieferungen nicht be­zahlt bekomme, was unbedingt erforderlich wäre, und auf die unzulänglichen Vergütungen noch lange warten müsse, werde die Landwirtschaft in ihrer Produktion gelähmt. Die Vorschläge, die sowohl in Preußen wie im Reich Vorlagen, wür­den auf eine Monopolisierung des Getreides und des Stickstosses hinauSlausen, während eine freie Wirtschaft gefordert werden müsse. Hinsichtlich der Steuerg^etzgebung sei die Landwirtschaft un­natürlich überlastet. Auf das Vorgehen der Fran­zosen eingehend, wies der Redner darauf hin, Dafi sich offenbar ein neuer Geist in Deutschland entwickeln wolle. Die Landwirtschaft sei sich ihrer Verpflichtung bewußt, den Kämpfern am Rhein und an der Ruhr mit allen Kräften zu helfen, damit sie nicht vor Hunger schließlich willenlos würden. Mit dem Gelöbnis, diese vaterländische

Pflicht unter allen Umständen zu erfüllen, schloß der Redner feine mit stürmischem Beifall auf­genommenen Ausführungen.

Rittergutsbesitzer v. R a h m c r (Branden­burgischer Lanhbund) gab darauf einen Bericht von einer Orientierungsreise im neubesehien Ge­biet und hob die entschlossene Stimmung der Ruhrkämpfer, die bis zum Letzten aushalten wür­den, hervor. Frau Kühner vom Reichsverband der landwirtschaftlichen Hausftauenvereine sprach über Organisationsfragen und forderte die Zu- farnmenfaffung aller landwirtschaftlichen Haus­frauenverbände, um der Auffassung die Spitze abzubvechen, daß di: landwirtschaftlichen Organi­sationen eine einseitige Politik trieben.

Domprediger Martin wies auf die Rot­wendigkeit hin, das Geschick des Vaterlandes über das eigene Geschick zu (teilen, währendReichs- tagsabgeordneter Hepp eine Parallele zog zwi­schen dem Frieden von Versailles und dem Frank­furter Frieden und dem Wunsche Ausdruck gab, daß das Hilfswert für die Ruhr Stadt und Land einander näherbringen möge.

Sodann wurde von der Versammlung eine Entschließung angenommen, in der dm RLB. sich bereit erklärt, 500 000 Kinder aller Berufsstände und Schichten aus dem Ein­bruchsgebiet aufzunehmen, ferner die Zuführung von Futtermitteln an Landwirte, die unter Requisitionen zu leiden haben, beschließt, und Z>ie allgemeine Opferbereitschast sowie die Stützung der Regierung in dem Kampf um Deutsch­lands Recht und Ehre zusagt. Aus wirtschaft­lichem Gebiet verlangt die Resolution Be­freiung von der Umlage für die die Leistungsfähigkeit übersteigenden Mengen,Sicher­stellung möglichst hoher Abschlagszahlungen an die Rübenbauer und eine umgehende Erklärung der Regierung über die endgültige Beseitigung jeder Zwan g s be w i r t s cha f t u n g land­wirtschaftlicher Erzeugnisse.

Mit einem Schlußwort des Vorsitzenden des Reichslandbundes H i l l g c r, in dem er die Hoff­nung auf bessere Zeiten in einem großen deut­schen Daterlande ausdrückte, wurde die Tagung beendet.

Die Ergebnisse der Londoner Verhandlungen.

Paris, 17. Febr. (WTD.) Havas faßt die Ergebnisse der Londoner Verhandlungen des Mi­nisters Le Trvcquer wie folgt zusammen: Die Strecke GrevenbroichDüren wird völlig den französischen Dehörden für den Trans­port der Ruhrkohle überlassen werden. Die Grenze der 4hglifd>en Zone wird so hergestellt werden, daß diese Strecke künftighin in die französische Zone zu liegen kommt. Hinsichtlich der Denutzung der über Köln gehenden Hauptstrecken für französische Miliiäftransporte habe das eng­lische Kabinett vorgeschlagen, die Denutzung in beschränktem Umfange zu gestatten, zum Beispiel in bem gleichen W,., wie vor der Besebung des Ruhrgebiets. Die Einzelheiten der Durchführung würdmi an Ort und Stelle von kompetenten eng= fischen und französischen Persönlichkeiten studiert werden.

Eine Rede Mussolinis.

Rom, 3. Febr. (Wolss.) In der fortgesetzten Senatsberatung bezeichnete Mussolini den Vertrag von Santo Margherita als einen bella- genswerten Vergleich, der aber nicht den Tod der Italianität von Zara und Dalmatien bedeute. Der Gebrauch der italienischen Sprache sei durch das Abkommen gesichert. Bei einer gewissenhaften An­wendung des Vertrages durch Italien und bei einer ebenso lohalen und gewissenhaften Stellung­nahme Südslawiens werde Zara und Dalmatien dem italienischen Sprachgebiet erhalten bleiben. Die Frage, ob Fiume die 75. Provinz des Kö­nigreichs Italien werde, sei von untergeordneter DÄeutung. Wichttg aber sei, daß ihm feine ita­lienische Seele erhalten bleibe; auch müsse Fiume für sich allein, nicht nur mit Hilfe von Unter­stützungen des italienischen Staates leben Eönnen. Für Zara und Dalmatien traf die Regierung be­reits wirtschaftliche, politische und kulturelle Maß­nahmen. Rach einigen Worten der Anerkennang anSüdslawien, das seit seiner Regierung we­niger intransigent gegen Italien sei, wandle sich Mussolini gegen die Auffassung, daß in der Ge­schichte und im Leben der Völker gewisse Dinge nicht wieder gut zu machen seien. Er erinnerte in diesem Zusammenhang andieRiederlageder Römer bei Cannae und an deren Wieder­aufstieg.

Entsprechend der Bitte des Ministerpräsiden­ten billigte der Senat den Vertrag von Santa Margherita, ferner die am 6. Fe­bruar 1922 zwischen Italien und den andern Staa­ten m Washington geschlossenen Verträge

Zur Ruhr-Aktion erklärte der Minister­präsident, er glaube, daß die Krisis ihren Höhe­punkt erreicht habe. Cs handle sich heute um die Feststellung, ob es noch eine Entente gebe und noch geben werde. Die Haltung aller Diplomaten sei gegenwärtig vorsichtig; es gebe feinen Grund, weshalb Italien davon abgehen sollte. Brauchten wir keine Kohlen, hätten wir die Frage der Der- teilung der Rohstoffe gelöst und könnten wir zur Stützung unserer Währung über großen Mengen Geldes verfügen, so könnten wir eine bestimmte Politik verfolgen, sogar eine Politik großen Edelmutes gegenüber Deutschland. Aber wir können uns nicht den Luxus der Verschwen­dung unseres Edelmutes gestatten, wo wir uns selbst kaum am Leben erhalten können und wo wir alle Energie sammeln müssen, um nicht in den Abgrund zu stürzen i

Die französische Gewaltherrschaft.

Die Schreckensurteile der Kriegsgerichte.

Berlin, 17. Febr. (Wolff.) Der Reichs- Präsident gab anläßlich der Verurteilung des Bürgermeisters D. Schaefer -Essen und des Oberbürgermeisters Haven st ein - Oberhausen zu mehrjährigen Gefängnisstrafen in Telegrammen an die Stadtverwaltungen von Essen und Ober­hausen seiner Empörung über diesen in Form eines Rechtsspruchs getlcibeten Willkürakt des französisch-belgischen Militarismus gegen die nach Eid und Pflicht handelnden Bürgermeister Aus­druck und sprach den beiden Verurteilten seine be­sondere Anerkennung für ihr pflichttreues und mannhaftes Verhalten aus.

Aachen, 17. Febr. (Wolff.) In der Begrün­dung des H r te i I d in dem Prozeß gegen den Duisburger Oberbürgermeister Jarres vor dem hiesigen belgischen Kriegsgericht wird gesagt: Duis­burg gehört zu dem effektiv besetzten Gebiet. Der Milftärbefehlshaber besitzt das Verwaltungs­und Gerichtsbarkeitsrecht. Die Bürgermeister ha­ben sich den Anordnungen der Desahungsmächte zu fügen.

Bei der Urteilsverkündung wurde Jarres g e= fesselc'vorgeführt.

Neue Verurteilungen.

Aachen, 17. Febr. (Wolff.) Bürgermeister Dr. D a a t und Dr. Wulff, sowie der Beigeord­nete Kaufmann Brohl, sämtlich aus Cleve, stan­den vor dem belgischen Kriegsgericht wegen ^ienftbertoeigerung. Sie hatten es abge­lehnt, in Cleve belgischen Zollbeamten Quartiere zu gewähren, da diese weder zur Besetzung noch zur Rheinlandkommission gehörten. Der Militär­richter führte aus. daß nach dem Londoner Ulti­matum von 1921 Zollbeamte als Mitglieder in die Hohe Kommission aufgenommen worden seien. Dem schloß sich das Gericht an unb verurteilte die Her­ren zu je 14 Tagen Gefängnis, auf die die Untersuchungshaft angerechnet wurde.

Kreuznach. 19. Febr. (WTD.) Der Vor­stand des Amtsgerichts Geh. Iustizrat Theiß wurde vom Militärgericht zu Mainz zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt, weil er auf Anweisung des Iustizministers die Ausnahme politischer Gefangener im Gefängnis verweigerte. Iustizrat Theiß ist (53 Jahre alt. Er und seine Familie wurden ausgewiesen.

Kreuznach, 19. Febr. (WTD.) Der Landrat Vairen aus Daun in der Eifel wurde wegen DÄeidigung der ftar^ösischen Armee zueinenrIahrGefängnisohneStraf- au fschub verurteilt.

Verhaftung des Oberbürgermeisters von Bottrop.

Bottrop, 17. Febr. (WTD.) Ober­bürgermeister Dr. Dauer ist heute vor­mittag in feinem Dienstzimmer verhaftet wor­den, wahrscheinlich, weil er keine Kohlen an die Besahungsbehörde geliefert hat. Ferner hatte er einer Vorladung vor das Kriegsgericht in Sterkrade keine Folge geleistet. Die städttschen Beamten und Angestellten haben dem General em en Protest überreicht und sind heute in einen Proteststreik eingetreten. Heute vormittag fand in der Stadt ein großer Demonstra- tionszug statt.

Die Besetzung von Gelsenkirchen.

Berlin, 17. Febr. Wie die Blätter aus Gelsenkirchen melden, wurde an der Spitze der heute vormittag in die Stadt eingerückten französischen Truppen zwischen zwei Offizieren als Geisel der vor einigen Tagen verhaftete Kom­mandeur der Gelsenkirchener Schutzpolizei, Ku­now, geführt. lieber zwanzig Tanks nahmen auf verschiedenen Plätzen Aufstellung. Sämtliche öf­fentlichen Gebäude und der Bahnhof find besetzt, cbenfD all.' Danken. Die Geschäftsläden h?.k»SN ge­schlossen. Der Oberbahnhvfsvorfteher Kauf­mann und ein Eisenbahninspektor, der die Hauptkasse dtzs Dahnhofs verwaltet, wurden feftgenommen. Die in der Kasse befindlichen Gelder in Höhe von neun bis zehn Millionen Mark, die für die heutige Lo hnausza h lu ng besttmmt waren, teurben toeggcnonrmen.

Rach einer Meldung derDoss. Ztg." schlug gestern nachmittag ein französischer Offizier einen Schuhpolizeibeamten, der ihn nicht ge­grüßt hatte, mit der Rei t pei t sche ins Ge­sicht. Der Doantte zog darauf seinen Revolver und verwundete den Offizier durch einen Schuh schwer.

Gelsenkirchen, 17. Febr. (WTD.) Der Kommandierende General der 47. Division teilt durch Straßen anschlag mit, die Besetzung der Stadt soll erfolgt sein, weil Gelsenkirchen wegen des lleberfaned auf die beiden französischen Gendarmerie-Offiziere mit einer Geldbuße von 100 Millionen Mark belegt wurde. Die Stadt bleibe solange besetzt, bis das Geld bezahlt sei. Dis dahin treten scharfe Be­stimmungen in Kraft. Die Kinos und andere öffentliche Lokale wurden geschlossen und alle sonstigen Lustbarkeiten verboten. Der Straßen­verkehr ist vor 7 Uhr morgens und nach 7 Uhr abends verboten. Weitere scharfe Maß­nahmen behalt sich der Kommandierende General vor. Die Franzosen besetzten die Post, die Eisen­bahn und das Finanzamt.

Berlin, 18. Febr. Rach einer Korrespon- I denzmeldung aus Essen fanden gestern zwischen Vertretern der Polizeibehörde und General De- geulte Verhandlungen statt, die zu dem Ergeb­

nis führten, daß die Schutzpolizei den Dienst wie­der aufnimmt und die Uniform behält. Eine Ent­waffnung ist nicht vorgesehen. Die Kriminalpolizei darf keine Waffen tragen.

DerLokalanzeiger" berichtet zu dem fran­zösischen Vorgehen in Gelsenkirchen, daß die Franzosen um 8 llhr morgens die Räumung des Waisenhauses verlangten. Die Schwe­stern unb Kinder wurden auf die Straße gejagt. Viele ixrvvn waren nur notdürftig bekleidet und barfuß. Die Kinder,.die in dem fuf) tiefen Schnee stehen mußten, fanden, soweit möglich, bei der Bevölkerung Aufnahme.

Aus Sprockhövel wird dem gleichen Blatt gemeldet, baß ein Franzvseauf eine Frau schoß und sie schwer verwundete. Die Frau fand im dortigen Krankenhause Ausnahme.

Eine neue Bluttat.

Bochum, 17. Febr. (WB.) Heute morgen erschien auf der ZechePrinzregent" ein KornmandovonöPersonen, um Holz auf­zuladen. Die Belegschaft verweigerte die Abfahrt und schloß das Tor. Die Franzosen gingen fort, kehrten aber bald mit Verstärkung wieder und z«^ störten das Zechentvr durch Maschinengewehrfeuer. Drei Kugeln trafen einen 15jährigen Arbeiter, der bald starb; ein anderer Ar­beiter wurde verletzt. Die Belegschaft ist heute mittag nicht eingefahren.

Die Wegnahme von Lebensmitteln.

Köln, 17. Febr. (Wolff.) Rach einer QM- dung derKölnischen Zeitung" aus Düssel­dorf gehen die Franzosen auch dort mit der Wegnahme von Lebensrnitteln vor. Bei einem Privatmetzger wurden 30 Stück Vieh weggenommen. Wegen des Vorgehens der Be­satzungsbehörde hat der Oberbürgermcificr E in - sprach erhöbe:! mit dem Hinweis auf einen Befehl des Generals Denvignes, wonach die Le­bensmittelversorgung der arbeitenden Bevölkerung nicht gefährdet werden soll. Mit diesem Hinweis hat ber Oberbürgermeister auch die Forderung der Desatzungsbehörde abgelehnt, ihr eine große Däckerei zur Verfügung zu stellen.

Regierungspräsident Dr. GrÜtzner verhaftet und ausgewiesen.

D ü s s e 1 d o r s,. 19. Febr. (WTD.) Regie, rungspräfident C^rützner wurde gestern nachmittag halb vier Uhr in seiner Wohnung in Gegenwart zweier von der Völkerbunds­tagung in Genf zurückkehrender schwedischer Reichstagsabgeordneten, die ihn über die Lage im Ruhrgebiete befragen wollten, verhaf- t e t und zu General Simon gebracht. General Simon eröffnete ihm, daß er auf Befehl des Generals Degvutte ausgewiesen werde. Der Grund der Ausweisung bestehe darin, daß der belgische Oberkommandierende in Aachen seine Ausweisung beantragt habe wegen eines Pro­testschreibens, das der Regierungspräsident dem belgischen General in Duisburg über­reichte wegen der erneuten Verhaftung des Oberbürgermeisters Jarres anläßlich dessen Rückkehr nach erfolgter Ausweisung. Grützner wurde im Auto von zwei Gendarmen und einem bewaffneten französischen Soldaten nach Wesel gebracht.

Ministerreisen ins Ruhrgebiet.

D e r I i n, 19. Febr. Rach einer Meldung der Montagspost" hielt sich am Samstag der preu­ßische Minister des Inneren Severing in Dortmund auf. Er hielt Besprechungen mit Vertretern ber Industrie, der Gewerkschaften und der Behörden ab. Von Dortmund fuhr der Mini­ster nach Solingen, um mit Genehmigung derenglischen Besahungsbehörde am Sonntag abend in einer öffentlichen Versammlung zu sprechen.

Wie derLokalanzeiger" aus Essen meldet, hielt sich auch der Reichs Verkehrsmini st er Dr. Gröner in Essen auf und hatte Besprech­ungen mit den Effenbah^rorganisattonen über die Lage des Eisenbahnbetriebs im Ruhrgebiet.

Paris, 19. Febr. (WTD.) Wegen des er­neuten Besuches deutscher Minister im besetzten Ruhrgebiet ist, wie man .mitteilt, ein Vorschlag des Oberbefehlshabers D e g o u 11 e in Erwägung gezogen worden. Er prüft die Frage, ob es an­gängig fei. den Städten, die den kurzen Besuch der Reichsminister erhielten, Sanktionen in Strastontributionen aafauerlegen. Auch andere Sanktionen seien nach dieser Richtung in Vor­bereitung.

Eine deutsche Note an die belgische Regierung.

Berlin, 17. Febr. (WB.) Der deutsche Geschäftsträger in Brüssel ist beauftragt worden, ber belgischen Regierung folgende Rote zu überreichen:

Bei der Besetzung des Bahnhofs Ober­hausen durch die belgischen Truppen am 23. Ja­nuar zwischen 4 u. 5 Uhr nachmittags ist ber Eisen­bahnsekretär Guido Pretepase von einem belgischen Offizier körperlich mißhandelt und mit einer Schu hwaffe bedr o ht worden. Grotepase war im Begriffe, den Bahnhof zu ber- lassen, als er von dem Offizier, anscheinend Feld­eisenbahner, und einem Soldat mit aufgepflanz» tem Seitengewehr ungehalten wurde. Cs wurde ihm besohlen, auf einer etwa 80 Schritt entfern­ten Stelle auf zwei Stunden Dienst zu hm. Die