Ausgabe 
18.6.1923
 
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Die Eröffnung des (Eigener Bericht des < Gießen. 16. Juni 1923.

Mit einer würdigen, in allen Teilen vortrefs- lich verlaufenen Feier wurde deute das 2! i d - derkraftwer? bei Lißberg v-on der Bau­leitung an die Dauherrin, die Provinz Ober- Hessen, übergeben und von dieser sogleich in Be­trieb gesetzt. Das heimatgeschichtlich denkwürdige Ereignis hatte das Interesse der höchsten staat­lichen und der höchsten Derkehrsbehörden, sowie das der oberhessischen Kreis Verwaltungen, der Pro- vinzialabgeordneten und zahlreicher anderer her­vorragender Persönlichleiten gefunden. Man be­merkte unter den Festteilnehmern u. a. den Staats­präsidenten Mlrich, den Minister des Innern von Brentano, den Staatsrat Landessorst- meister Weber als Vertreter des am Erscheinen verhinderten'Finanzminiftecs, zugleich aber auch als einer der geistigen Mrheber dieses Werkes, den Staatsrat Dr.Wagner ass Vertreter des Ministe­rn urns f. Arbeit u. Wirtschaft, den Eisenbahndirek- tionspräsidenten Stapf- Frankfurt a. M., die Kreisdireltoren Geheimrat Boeckmann - Sch,al­len und Werner-Büdingen, den Regierungs­rat Hemmerde vom Kreisamt Gießen, den Generaldirektor der Duderuswerke, Bergrat Grübler und bekannte Abgeordnete und Bür­germeister unserer Provinz.

Die Festversammlung vereinigte sich zunächst Im Kasino der Duderuswerke in Hirzenhain zu einem kurzen feierlichen Festakt. Provinzial- oirektor Matthias begrüßte hier die Feswer- fammlung, insbesondere die Vertreter der Staats- regierung, deren Erscheinung bekunde, daß sie mit hohem Interesse die Belange der Provinz Ober- Hessen verfolgten, und das auch zugleich eine Ge­währ dafür sei. daß die Staatsregierung bei allen kommenden Unternehmungen der Provinz das gleiche Wohlwollen und die gleiche Dereit- ivilligkeit zur Förderung der oberhessischen Be­lange zeigen werde. Besonderen Gruß entbot der Redner sodann dem Eisenbahndirektionspräft- denten S tapf-Frankfurt a. M., um dessen weiteres Entgegenlommen für unsere Provinz er bat, dem Generaldirektor Bergrat Grübler, den früheren und jetzigen Mitgliedern des Pro- vinzialausausschusses, deren Vertrauen und Ent­schlossenheit es zu danken sei, daß dieses Werk in so verhältnismäßig kurzer Zeit vollbracht werden konnte, den Herren des Kulturbauamts in Fried­berg, die sich bei den technischen Arbeiten sehr ver­dient gemacht hätten, den Kreisdirektoren. den Vertretern der am Bau beteiligten Firmen, den Vertretern der Arbeiterschaft des Baues und schließlich noch der Presse, die das Zustandekommen Les Werkes immer erleichtert habe und die sicher­lich auch in Zukunft bereit sein werde, die Vor­haben der Provinzialverwaltung, seien es De- Iriebsunternehmungen, Gememwirtschaft usw., zu unterstützen, dessen sei er gewiß. Mit besonderer Herzlichkeit und absichtlich zuletzt, um dessen Ver­dienste besonders unterstreichen zu können, begrüße er aber den Landesfvrstmeister Weber, dem das heutige Ereignis sicherlich ein Tag der besonderen Genugtuung sein werde, demr seine kühnen, das Wert anregenden Gedanken von 1903/04 hätten nun Erfüllung gefunden. Landesforstmeister Weber fei bei diesem Werk immer ein treuer Freund und zuverlässiger Berater der Provinzialverwaltung gewesen und ihm gebühre neben den früheren Prv- vinzialdirektoren Geh. Räte Dr. Breidert und Dr. älsinger ein ganz besonderes Verdienst um dieses älnternehmen. Redner dankte schließlich noch dem Provinzialtag für seine Bereitwilligkeit bei der Bewilligung der erforderlichen Mittel und sagte dann u. a. weiter, man begehe heute nicht nur die Fertigstellung dieses Werkes, sondern auch den Abschluß des Baues der Meberlandanlag: Ober­hessens. An diese seien bis jetzt 364 Gemeinden fertig angeschlossen, eine weitere Anzahl von Ge- meindeanschlüssLn werde demnächst vollendet wer­den. Darüber hinaus steh: die Provinz mit dem elektrischen Selbstversorgungsweri im Schliherland in enger wirtschaftlicher Verbindung .Das große Werk sei nur im Rahmen dec Selbstverwaltung der Provinz möglich gewesen. Ec freue sich, daß unsere Gesehgebung dieser Selbstverwaltung weitgehrade Freiheiten gegeben habe und auch weiter gewähre. Die Provinz Oberhessen sehe sich heute noch nicht am Abschluß ihrer wirtschaftlichen Betätigung, son­dern werde mit beiden Beinen weiter in die tä­tige Wirtschaft Hinringehen.

Staatspräsident Mlrich sprach die Glück- -.wünsche der Staatsrogierung aus. In dieser Zeit, in der unser Volk das Trübste erleide, Irttei einer Ration nur geschehen rönne, bedeutet ein solches Werk, wie das heute vollendete, eine Oase, aber gleichzeitig auch eine Sicherheit dafür, daß wir als Volk nicht untergeben können, son­dern in unserer Entwicklung immer vorwärts schreiten würden und schließlich auch mal wieder auö unserem Elend herauslämen. Er freue sich, daß die Provinz dieses Werk habe errichten können, das eine besondere Epoche auf dem Ge­biete der Selbstverwaltung kennzeichne. Das älniernehmen beweise die strebende Kraft des Geistes, der unermüdlich Reurs schaffe, und die unerschütterliche Arbeitslust der Arbeiter, deren Stellung im Staate heute ja eine andere sei, als früher. In der Hoffnung, daß dieses Werk mit dazu beitragen werde, eines der größten Pro­bleme der Menschheit zu lösen, nämlich bte Er­setzung der schwarzen Kohle, die ja auch einmal erschöpft werde, durch andere Kräfte, durch das Wasser, die sog. weiße Kohle, und daß es der Provinz Oberhessen zum S. gen gereichen und all­mählich mit zu besseren Zeiten führen möge, über­mittle er die besten Wünsche des Landes.

Hierauf gab der Bauleiter, Regierungsbaurat Lorenz vom Kulturbauamt in Friedberg, die zum Verständnis der folgenden Besichtigung not­wendigen technischen Erläuterungen. Seine Aus­führungen deckten sich mit den beiden Artikeln, die wir in den Familienblättern desGießener OlnA. v. 16. und 23. Dez. 1922 veröffentlicht haben. Reu und besonders interessant waren dir folgen­den Angaben -des Redners: Am 11. Rov. 1920 wurde der Auftrag zur Projektierung des Werkes gegeben, im Februar 1921 wurde seine Verwirk­lichung vom Provinzialtag beschlossen. Der erste Spatenstich wurde am 16. März 1921 getan, die größeren Arbeiten am 15. Juni 1921 ausgeschrie­ben und zu ihrer Erledigung am 23. Juli 1921 der Zuschlag erteilt. Das ganze Wer? hat also eine Bauzeit von nicht ganz zwei Jahren er­fordert. Der Vorstand deS bauleiteno-rn Amtes könne die Uebergabe mit besonderem Stolz vor­nehmen, denn das Werk sei glücklich gelungen und werde der sack, verständigen Kritik stand- halten. Ernste Mnfälte seien beim Bau erfreu­licherweise nicht vorgekommen und Menschenleben öicht verloren gegangen; ein vorgekommener Mn-

Nidderkraftwerkes,

ießener Anzeigers.)

fall sei aus Grund ärztlicher und gerichtlicher Feststellungen aus andere Mrsachen als den Bau zurückzuführen.

Direktor von Stadler erläuterte sodann die Maschineneinrichtung des Werkes an Hand der Zeichnungen und betonte, daß die Maschinen in allen Teilen dir Prüfung gut bestanden haben.

Runrnehr begaben sich dir Festteilnehmer auf den Besichtigungsgang. Zunächst wurden die Stauanlagen im Riddertal bei Hirzenhain und im Hillcrstxichtat in Augenschein genommen, dann folgte die Besichtigung des «uf der Höhe bei Lißberg liegenden Wasserschlosses, zum Schluß versammelte man sich vor dem Kraftwerk im Tale bei Lißberg, wo die Betriebs- Übergabe erfolgte. Regierungsbaurat Lorenz händigte mit einer kurzen Ansprache den Schlussel zum Werk an den Provinzialdireltor Matthias aus, der ihn mit herzlichem 'Danke an alle, die das Zustandekommen des Werkes gefördert und die es gebaut haben, entgegrnnahm und ihn mit dem Ausdruck froher Hoffnungen auf glückliches Gedeihen drs Werkes an dessen Direktor von Stadler weiterreichte. Dieser schloß das Ge­bäude auf mit den Worten:Zum Heile d^ Werkes", worauf Staatspräsident Mlrich mit den Worten:Hoffen wir, daß das, was wir wünschen, gelingt" als erster über dir Schwelle schritt. Rach einer kurzen Erklärung der Maschinen und nach einem Rundgang der FLstteilnehinrr durch das Gebäude erfolgte Punkt 2 Mhr mittags die Ingangsetzung der Maschinen- a n t a g e und daniit die Einstellung des Mntrr- nchmens in den praktischen Dienst der Elektri- zitätsversorgung unserer Provinz. Der heimat- geschichtlich denkwürdige Augenblick wurde von den Versammelten in eindrucksvoller Spannung erlebt Die Inbetriebnahme der Anlage erlief ohne jede Störung.

Ein gemeinsames Mittagessen vereinigte hier­auf die Festteilnehmer im Kasino der Buderus- werke in Hirzenhain Bei der Tafel gedachte Provinzialdiiektor Matthias nochmals der hervorragenden Verdienste des Vorkämpfers des nun verwirklichten Gedankens, des Landesfoi'st- meisters Weber, und ehrte ihn im Aamen der Provinzialverwaltung durch die Meberreichung eines Albums, in dem die verschiedenen Phasen des Bauwerkes im Bilde enthalten sind: bas Alk um solle ein sichtbarer Ausdruck des tief- gesühltesten Dankes der Provinz für die Tätigkeit des Gefeierten sein. Weiter feierte der Redner die Verdienste des Provinzialausschusses unb vor allem die ausgezeichnete und treue Mitarbeit, die Provinzialiat Wolf bei der Erledigung der finanziellen Ausgaben des Baues stets in groß er Sorgfalt und Gediegenheit ihm gewährt habe. Es sei ihm (dem Redner) eine liebe und herzlich empfundene Pflicht, seinem Mitarbeiter Provin- zialrat Wolf heute auch öffentlich besonderen Dank auszusprechen. Mit dem nun eröffneten Werke solle der Provinz Obcrbessen ein wirtschaft­liches Rückgrat gegeben werden Aus diesem in treuem Zusammenarbeiten erstandenen Werke solle die Provinz aber auch das Bewußtsein entnehmen, daß wir als Volk und in der Pro­vinz nur weiteriommen, wenn wir alle zusammen­arbeiten. Ein Vorwärtskommen sei nur dann mög­lich, wenn einer dem anderen helfe, der Reiche dem Schwachen und alle zusammen wirken an der Wohlfahrt des Volkes. Diesem Gedanken ent­stammte auch die Gründung der Gemeinwirtschaft Oberhessen, und er hoffe, daß die Bevölkerung in allen Teilen der Provinz auch für diesen; Gedanken noch restlos gewonnen werde. .Durch Arbeit müssen wir vorwärts. Wir wissen zwar, daß jedes große Werk, von der öffent­lichen Hand errichtet, von unseren Gegnern; mit Reid betrachtet wird. Deshalb sind die großen öffentlichen Bauten in unserem Daterlande jetzt von der Entente offiziell beanstandet worden mit der Erklärung, durch diese Bauten werde das Geld für dir Zahlung der Reparationenm Deutschland aufgebraucht und der Entölte nichts geleistet. Wer die Arbeit von so materiellen Gesichtspunkten aus betrachtet, versteht nicht, was das deutsche Volk bei dieser Arbeit empfindet. Mns mach! die Arbeit Freude um der Arbeit willen. Die Ausübung der Arbeit, die tüchtige unermüd­liche Arbeit ist der beste Patriotismus". Mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf das deutsche Vaterland schloß der Redner seine be­herzigenswerten Worte.

Minister des Innern v. Brentano rühmte die Tatkraft, die Entschlossenheit und den Wage­mut der Provinz Oberhessen, wofür das heute eröffnete Werk Zeugnis ablege: er feierte in herzlichen Worten den berechtigten Stolz, den kie Schaffer dieses Baues, an deren Spitze der Prr vinzialdirektor Matthias stehe, heute leuchtenden Auges angesichts des großen Ge­lingens empfänden, unü schloß mit einem Hoch auf die Provinz Oberhessen.

Provinzialiat Wolf skizzierte in großen Strichen die Geschichte des Bauunternehmens, hob die Verdienste der Vorkämpfer des nun zur Tat gewordenen Gedankens gebührend^ hervor und sagte dann u. a mit diesem Dau stehe die Pro­vinz am Ende der gewaltigen Leistung der Schaf- sung der äleberlandanlage. Mit rund 1000 Kilo- metee Fernleitung f.ien 360 Gemeinden und Ge- maitungen zu einer mächtigen wirtschaftlich«« Ge­meinschaftsarbeit zusammenges-chtosfon. Die rest- lichm 70 Gemeinden würden teilweise indirekt von der 'Meberlandanlage beliefert, teilweise sei die Pi o. inz an deö eigenen Anlagen der Gemeinden beteiligt, wie im Schliherland. Rur wenige Ge­meinden versorgten sich selbst und unabhängig nut Strom. Eine einzige Gemeinde in der Pro­vin- habe denRuhm", sich an dem großen Ge­rn, inschaftswerk bis jetzt nicht gebilligt zu haben. Mit einem Kostenaufwand von rund 1500 Millio­nen Coldmark = rund 450 Milliar-den heutiger Papiermartwer!:, sei diese Arbeit der Selbfckner- waltung unserer Provinz geleistet worden. Seine Worte klangen aus in herzlichem Dank an alle Behörden und Personen, deren Förderung und Hilfe dieses Werk ermöglicht habe.

Regierrrngsbaurat Lorenz dankte als Bau­leiter den bauausführ-enden Firmen und den Ar­beitern, den bei den Dauangelegenheiten in Betracht kommenden Kreisämtern, Obersörstereien und Bürgermeistereien, dem Direktor v. Stadler rind alle,; seinen Mitarbeitern.

E lenbahndireklionspräfib ent Stapf' F.anb- surt überbrachte in humorgewürzter Rede die Glückwünsche der Eifenbahndirektion Frankfurt und gab die Versicherung, daß die F.a.rkfurter Eisenbahnverwaltung immer gern bereit sein werde, die Interessen und die Entwicklung der Provinz Oberhessen, die ja ein großer Bestandteil

(In einem Teil der Auflage wiederholt.)

Die neuen Verordnungen der Rheinland- kommission.

Paris, 16. Juni. (Wolff.) Die rheinische Oberkommission hat, wie die Havas-Agen- tur berichtet, gestern wieder eine ganze Serie von neuen Verordnungen erlassen. In keinem der Berichte wird aber angegeben, ob die Entschei­dungen mit Stimmenmehrheit oder mit Stimmen­gleichheit getroffen wurden. Der verstärkte Stra­ßenbahnverkehr soll von nun ab nicht mehr geduldet werden, Es wurde beschlossen, daß die Straßenbahngesellschaften ihren Betrieb auf die normale Ausdehnung, die im Jahre 1922 fest- gestellt wurde, zurückzusührrn haben. Des ferneren soll von nun ab den Kommunen und dem Deut­schen Reiche Wiedergutmachung eines jeden-Schadens auserlegt werden, der durch Sa­botage oder einem anderen Grunde, die der Widerstand des Deutschen Reiches gegen die Der- crdnungen dec Oberkommission geschaffen habe, entstanden sind. Außerdem soll angeordnet wer­den, daß von nun ab der in Ordonnanz 167 vor­gesehene Verkehr zwischen den Beam­ten im besetzten Gebiet und ihren vorge­setzten Behörden im unbesetzten Gebiet auf ein möglichst geringes Maß beschränkt werde. Reifeerlaubnis soll nur ganz ausnahms­weise und zwar nur in Fällen, in denen es sich um unerläßliche Besprechungen im Interesse der Bevölkerung handelt, gestattet werden. Die De- zirksdelegierten allein sollen diese Ausweise aus­stellen, die nur für eine Reise Gültigkeit haben: sollen. Schließlich hat die Oberkommission be­schlossen, daß, wenn in Zukunft an Anlagen, die militärisches Interesse haben, wie z. D. an Eisen­bahnlinien, Telephon- und Telezraphenleitungrn- Zerstörungen festgesiellt werden, ein oder mehrere deutsche Beamte Der Justiz oder der Polizei fest» zunehmen sind.

Französische Auterdrurkungsmaßuahmen in Pirmasens.

Pirmasens, 16. 3uni. Das Post­amt in Pirmafens ist gestern vorüber­gehend vondenFranzosenöefstzt wor­den, die Brief- und Paketpost wurde be­schlagnahmt. Vermutlich handelt es sich um eine Kontrvllmahnahme wegen der Sabo­tageakte. Man hofft, daß die Beschlagnahme bald wieder aufgehoben wird. Wie diePir­masenser Zeitung" mitteilt, ist der Vizebürger­meister V o l l m a r i n g e r, der nach Auswei­sung des Oberbürgermeisters und des zweiten und dritten Bürgermeisters die Geschäfte über­nommen hatte, ferner fünf weitere Stadträte aus dem Grunde ausgewiesen worden, weil die Stadtverwaltung für ein Eisenbahn­unglück bei Aulenstein verantwortlich gemacht wird. Dort wurde ein Fuhrwerk von einem Zug überfahren, die Pferde und der Fuhrmann wurden schwer verletzt, daß er iowischen seinen Verletzungen erlag. Die Stadt Pirmasens wird beschuldigt, die Gefährdung eines Eisenbahn­transportes dadurch verschuldet zu haben, daß sie die Ausführung der Ordonanz 162 unter­ließ, die den Gemeinden die Meberwachung der Eisenbahnübergänge zur Pflicht macht.

des Frankfurter Direktionsbezirks sei, zu fördern. Der Redner teerte sein Glas auf das Wohl der Provinz Oberhessen und ihres Provinzialdirekt ars.

Staatsrat Landessorstmeistrr Weber über­brachte die herzlichsten Glückwünsche des Finanz- ministers, der durch unaufschiebbare Dienstge- chäste am Erscheinen verhindert sei, feierte die rohen Verdienste des Provinzialdirekt)rs Mat­thias um das Gelingen dieses gewaltigen Wer­kes, und erzählte dann kurz die ersten und grund­legenden Gedanken zu diesem Dau, die Ende der 90er Jahre erstanden. Mit der Mahnung an alle Oberhessen, zusammenzustehen und einig zu ar­beiten zum Wohle ihrer Provinz, schloß der Red­ner feine interessanten Ausführungen.

Der Generaldirektor dec Duderuswerke, Decg­rat G r 5 b l e r, dankle tm Ramra der Industrie üc die Schaffung dieses Werkes, das den in­dustriellen und gewerblichen Betrieben Ober- Hessens eine gute Stütze fein werde, und brachte ein Hoch auf die Staatsregierang, den Staats­präsidenten, den Minister des Innern und den Pcovinzialdirekt)r aus. Kreisdirektor Geheimrat Doeckmann-Schitten, Direktor Daurat Schö­berl von dec Rhein. Elektrizitäts-Gesellschaft. Bürgermeister R e ch t. h i c n - Vilbel und Abg. Brauer hielten weitere herzliche Glückwansch­und Dankesansprachen. Letzterer feierte insbeson­dere den Provinzialdirektor Matthias, den die Provinz Oberhefsen hoffentlich noch recht lange an ihrer Spitze haben werd« zum Wohle der Provinz.

Mit einer Ansprache des Staatspräsidenten Ulrich, die der gedeihlichen Zukunft des Lan­des. der srgenbringe-idrn Zukunft der Arbeit und des gesicherten Fortschritts gewidmet war, fand die an erfreulichen Eindrücken reiche Einweihangs- feier ihren Abschluß.

Vermischtes.

Hochzeit iu -er Familie drs Reichspräsidenten.

Berlin, 16. Juni. Wie ein Abendblatt be­richtet, fand in engstem Familienkreise heute die Hochzeit dec einzigen Tochter des Reichs­präsidenten, Fräulein Amalie Ebert, mit Assessor Dr. Jaenicke, der dem Aus­wärtigen Amt attackiert ist, statt. Rach der stan­desamtlichen Eheschließung wurde in der Woh - n u n g des junges Paares im Westend die kir ch- liche Trauung vollzogen.

Dampf er-Zufam mrnfroß.

Berlin, 18. Juni. Rach einer Meldung des Montagsporl' aus Hamburg ist der Ber- gnüg u ngsdarnpferKaiser" der Ham- ourg-Amerika-Linie, ter im SoebLLerdienft tätig ist und am Samstag abe.rd doa Hamburg nach Helgoland abaing, bei der Störmündung mit einem von England kommenden Kohlendamp- f er zusammen gestoßen. Der Dampfer Kaiser" erlitt schwere Beschädigungm, so daß er sofort nach Hamburg z-arücktehrsa mußte. 'Bei dem Zusammenstoß wurde ein Passagier getötet, wäh­rend vier Passagiere schwer und eine größere Anzahl leicht verletzt wurden. Der englischeDamp- fec mußte gleichfalls in Hamburg in Reparatur gehen.

Der bS-Mülioneu-Die-stahl bet der Reichs- bruderet aufgeklärt.

Berlin, 16. Juni. (Wolsf.) Der Berliner Kriminalpolizei gelang es nunmehr, den 50 = Millionen - Diebstahl auszuklären, der Anfangs Mai in der Reichsdruckerei aus- geführt worden war. Als Täter wurden zwei junge Burschen, die als Zähler und Trans­portarbeiter beschäftigt waren, verhaftet. Reunzehn Millionen bares Geld wurden wieder- gesunden.

Em Banklehrling als MMionendirb.

Stuttgart, 16. Juni. Der 18jährige Dank- lehrling Bältz hatte 250 Mi llivnenMark veruntreut und beabsichtigte, mit einer 24- jährigen Kontoristin nach Südamerika auszu- wanärn. Gr wurde kurz vor dec Abreise mit seiner Begleiterin von der Polizei verhaftet. Ein Teil Lcs Geldes wurde bei ihm voczefanden, dec Rest war zur AeiseauSrüstung vecwa idL.

Heufchredrnplage iu Hagarn.

Berlin, 16. Juni. Seit einiger Zeit tritt in verschiedenen Gegenden Ungarns die ma­rokkanische Heuschr eck e aus. Ei re Reihe oon Ortschaften an der Theiß soll von Heuschrecken überflutet sein.

LaS aKoholfeindlichr Amerika.

Berlin, 12. Juni. Rach einer Blättrrmel- dung aus Reu hork war 6er ameri kanische Dampfer »George Washington" auf der Rückreise von Europa an der amerikanischen Küste auf Grund der Vorschriften des Aatialkohol- geseyLs gezwungen, 89 Kisten mit Likören und seinen Weinen, welche die Fahrgäste auf der Fahrt nicht aufgebraucht h-attrn, ins M e e r zu werfen.

rangen bet den genannten Kursen mtt denen d« Devisenpreise nicht Im gleichen Tempo, da bei der unsicheren politischen Lage vielfach eine gewisse Vorsicht zu beobachten war.

Deutsche Eeu tral-Bodeukreditvereinigung.

Die Frist für den Erwerb der neuen zehn» bis zwL-nzigpiwzcntigen Kommunal-Schuld- verschreibungcn zum Vorzugskurse von 106 Prozent läuft am 20. Juni ab. Für die Ein­führung an der Berliner Börse wird mit der Prospektbefreiung durch den preußischen Minister' für Handel und Gewerbe ebenso wie bei der letzten Emission zu rechnen sein.

Frankfurter Devisemuartt.

^Telegraphische Auszahlung.)

Datum 15. Juni 16. Juni Umtl Slotter«. Amt!. Noiterg.

,4947<>O,- 497240 -52!M>72.50 52t)27,50

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Budapest

Prag. . . Agram. .

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12.718

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Antw. «Brüssel.

Holland

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Norwegen .. . , Scvweden. . ..

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116-2,90

19902,40 19097,60 20648,25

17356.50 1744W 19201.88

27830.25127960,75 30523,50

Geld Brtel

5860 30 5889.70

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Geld Rrie»

6109.75 614f'^0

45186,75 4:7413.25

7293,20 2065 L50 17042.50

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19298,12 3067(^50

15835.30 15914,70 15957,50

4927,65 4952.35 5274,30

Märkte.

Berliner Produktenmarkt.

Berlin, 16. Juni. P ro d u ktenber icht. Rachdem gestern abend am Produktenmarkt die Warenbesitzer in den meisten Getreidearten sich eher abgabrlustig zeigten, wurden heute vor­mittag und mittag die Offerten zurückgezogen und die Forderungen wesentlich erhöht. Dies hing wiederum mit der weiteren Steigerung der De­visenpreise zusammen. Für Weizen waren die Mühlen mit neuen Anschaffungen zurückhaltend, und auch für Roggen entwickelte sich die Kauf­lust nur langsam und vorsichtig. In Geists batte gestern abend infolge stackeren Angebots ein großes Geschäft ftattgefunben, dem heute wieder Ruhe folgte. Die Preise für Hafer, Mehl. Mais und Futterstoffe gingen bei großer allseitiger Zurückhaltung erneut wesentlich in die Höste. Weizen, märk. 185187 000 (fest), Roggen, märt 141149 000, schlesischen 146148 C03 (fest), Som­mergerste, märt 136142 000 (fest). Hafer, märt 123128 000 (fest), Mais, La Plata, fr. Ham­burg 145148 000 (fest). Weizenmehl (100 Kg.) 475530 000 (fest), Rvggenmehl (103 Kg.) 375000 bis 410 000 (fest). Weizenkleie 7879 000 (fest), Reggenkteie 78-79000 (fest), Raps 320350 030 (fest). Leinsaat 320-350 000 (fest), Viktoria- ecbsen 200215 000, kleine Erbten 175185 000, Fu'terecbs-en 120-125 000, Peusch en 140-150000, Ackerbohnen 125135 000, Wicken 140-155 000, Lupinen, blau 150-165 000, gelb 190215 000, Rapstuchen 130133 000, Trockenschnitzel 39 500 bis 40 500. Rauhfutter: Weizen- und Roggen­stroh, drahtgeb. 2830 000, Haterstroh, draht- gepreßt 2529 000, Stroh, strohseilgebundrlt 2628 000, Wiesen Heu, gut, gesund und trocken. Vormahd 2628 000, Rachmahd 2325 000 Mk. Wo nicht anders angegeben, alles pro 50 Kg.

Lander.

Frankfurt a. M , 16. Zum. Börsen- stimmungsbild. Der Dollar wurde im heutigen Devisenverkehr mit 112 030, 125 000, 113 500, 114 500 genannt und kam dann mit 115 225 zur Rotierung. Devise London notierte 505 535. Im heutigen Freiverkehr herrschte starke Mn- sicherheit vor. Die meisten genannten Kurse la­gen erheblich über den gestrigen Rotierungen. Von Auslandrenten nannte man Zolltürken mit 310 000 bis 320 000. Auch Anatolier k. und II. waren gefragt. Daimler waren auf baS Gerücht von einem neuen Patent hin ^fucht. Von Frei- verkebrvwcrten nannte man Api 175000. Benz 135 COO. Growag 7500 bis 8000, Ufa 77 000 bis 80 000, Smelta bei großer Rachfrage 21 000 bis 27 COO Geld. Hammerstein u, Hof ins 25 000, Wa­renhaus Wronker 17 000.

Berlin, 16. Juni. Börsen st immungs- b j l d. Der gestrige Rückschlag am Devisen- und Effektenmarkt ist bereits wieder überwunden. Schon am Vormittag setzte Reuhork mit 112 000 unf, London mit 519 000 ein, um dann m raschen Sprüngen weiter anzuziehen und nach der amt­lichen Rotiz mit 119 000 und 535 000 einen neuen Hochstand zu erreichen. Die Mmsähe am Devisen­märkte waren ziemlich lebhaft und wiederum fehlt es fast vollkommen an Abgebern. Im freien Ef° sektenverkehr lagen die Kurse für alle führeiiden Industrie- und ValutapLpiere wieder beträchtlich über den gestrigen SchLußkursen. Die Händler be­eilten sich, die gestern eingegangenen Blanko- I engagemeutS zu decken und sich wieder nach oben I zu engagieren. Immerhin hielten sich di« Steige-