Ausgabe 
18.5.1923
 
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Freitag, 18. Mai 1923

Erster Blatt

113. Jahrgang

SietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

vnlck und Verlag: vrühl'sche Unlverfitälr-Vuch- und Zteindrnckerei R. Lange in Gießen. Zchristleitung und Geschäftsstelle: §chtt!straße 7.

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Poincar^s Erklärungen vor den Kammerausschüssen.

Paris. 17. Mai. (WTB.) 3n den ver­einigten Kammerausschüssen für Finan- zen und auswärtige Angelegenheiten gab heute nachmittag Ministerpräsident Poincare Cr- llärungen zu der Kreditvorlage für die De- setzung des Ruhrgebiets ab. über die Havas auf Grund der ersten Angaben der aus der Sitzung kommenden Abgeordneten wie folgt be- richtet:

Poincarö habe her vorgehoben, daß von jetzt ab die Besehungskosten durch die aus den besetzten Gebieten erzielten Ein- nahmen gedeckt würden. Die täglich nach Frankreich und Belgien gesandten Koks- und Koh­lenmengen feien seit dem Beginn der Besetzung in ständigein Steigen begriffett und erreichten z. -3. die Tonnenzahl, die Deutschland vor derBesehung abgeliefert habe. Die Eisenbahnregie käme auf ihre Kosten, und ihre Einnahmen seien namentlich seit einigen Wochen im Steigen begriffen. Der Forstbetrieb erziele ebenfalls nennenstverte Einnahmen. Der Eisen­bahn» und Wassertransport sei jetzt ausreichend organisiert, um die Bewältigung der Koks- und Kohlcnfrachten zu gewährleisten. Die noch ver­fügbaren Drennstofflager seien so groft, daß es noch mehrerer Monate bedürfe, um sie zu er­schöpfen, wenn man in dem derzeitigen Umfange weiter abfahre Die Arbeit in den Bergwerken werde aber fortgesetzt und sichere die täglichen Koks- und Kohlenverladungen Alles in allem, habe Poincare geschlossen, sei die Besetzung des Ruhrgebiets zur Zeit in die Periode der Stabilisierung getreten. Die Ausgaben " würden reichlich ausgewogen durch die erzielten Leistungen, selbst wenn man auch den der Repa- rationskommission zufallenden Anteil berücksich­tige. Za, es sei bereits vorgesehen, daß die Be­setzung mehr einbringen werde, als man von Anfang an erhoffte. Die Organisation ver­vollkommne sich von Tag zu Tag. Frankreich könne also im Ruhrgebiet bleiben, solange es ihm beliebe. Weit entfernt, geschädigt zu werden, könne es künftig durch sie nur gewinnen, und die Regierung sei f e st ent­schlossen, das Pfand, das sie beschlagnahmt habe, nicht aus der Hand zu geben, so­lange Deutschland seine Verpflichtungen nicht er­füllt habe.

Die Mitglieder beider Kommissionen haben sich nach dem Bericht von den Angaben des Mi­nisterpräsidenten für befriedigt erklärt. Cs fei zu feinem Zwifchenfall gekommen, abgesehen von einigen Unterbrechungen von selten des kommu- nil'ischm Abg. Bert hon, der namentlich habe wissen wollen, warum der Ministerpräsident den Kommunisten nicht gestatte, ins Ruhrgebiet zu reifen Poincare habe darauf geantwortet, das fei eine Frage, die vor der Kammer und nicht in der Kommission gestellt werden müsse.

Loucheurs neueste Rede.

Paris, 17. Mar. (Wolff.) 3n seiner gestri­gen Rede im Republikanischen Komitee für derno- statische und soziale Aktion in Vincennes teilte dec ehemalige Minister Loucheur mit, daft er gestern eine Einladung erhalten habe, in den D e r° einigten Staaten eine Bortrags reise über die Reparatrons- und die inter-nationale Schuldenfrage zu halten. Rach dem Havasbericht lautete die auf die

Reparationen und internationalen Schulden bezügliche Stelle der Rede folgender masten:

Cs müsse versucht werden, die Frage der rnter- nationalen Schulden und dre der Revarationen gleichzeitig zu lösen. Das Problem sei das­selbe. Der englische Schahkanzler habe der ame­rikanischen Regierung bewiesen, dah das reiche England für seine Schulden bei den Bereinigten Staaten nicht mehr als 3 Prozent Zinsen zahlen Ennte. Französischerseits sei man bereit, den Mächten, die an Frankreichs Seite gekämpft hät­ten, ihre Schulden zu erlassen, unter der Bedingrrng, dast Frankreich die (einigen erlassen würden. E n g l a n d sei im Grunde zu diesem E r= ! astbereit. Er habe dies in seinen Unterredun­gen mit Donar Law und Baldwin feststellen kön­nen. Dagegen habe er in dieser Beziehung in Amerika eine g roste Enttäuschung er­lebt. Loucheur erklärte weiter, durch die Kom­pensation der internationalen Sch rlcen werde dre Londoner Ziffer von 132 Milliarden Goldmark auf einen sehr vernünftigen Betrag herabgesetzt. Eine internationale Anleihe könnte Deutschland behilflich sein, Frankreich in ren ersten Zähren zu bezahlen. DieseSummr w rdr es Frank­reich gestatten, die Wiederaufrichtung der ver­wüsteten Gebiete in vollem Umfange tpieder auf- zunehmen und durchzuführen. Eine Lüge sei es. Last das angeblich imperialistische Frankreich das Ruhrgebiet besetzt hal^e, um es nicht wieder her­auszugeben. Frankreich verlange nur einen durch­aus vernünftigen Betrag, der auch be­zahlt werden könne. Cs bleibe dann noch die Frage der Garantien. England schliehe sich dieser Auf­fassung an. Es begreife, dast man keine An - leihe ohne Garantien geben und erhalten könne. Frankreich verlange, dast Deutschland als Garantie feine Eisenbahnen und Zolleinnahmen so­wie 25 Prozent der industriellen Einnahmen biete Wenn man verhandeln will, so erfärte Loucheur, werden wir uns sehr rasch mit unseren Alliierten über diese Garantien verständigen. Unsere Pfän­der können wir aber nicht anders als pro­gressiv freigeben.

Zur Sicherheitsfrage

liest sich Loucheur folgendermahen aus: Es han­delt sich nicht darum, das linke Rhernufer zu an­

nektieren. Frankreich will keine protestierenden Ab- geordneten in seiner Kammer und keine 10 Mil­lionen Deutsche in seinem Lande, aber es will nicht, dast das Rheinlandunterpreuhi- scher Herrschast bleibt, weil Preuhen den Militarismus, den Krieg in Permanenz, bedeutet. Die Rheinlande müsttcn mitDeutschland wirtschaft­lich und politisch verbunden fein, aber als u n - abhängigeProvinzen (!) 3hre Bewohner feien Deutsche, mögen sie Deutsche bleiben. Aber es solle in diesen Provinzen eine Kontrolle Fran kreich dafür garantieren, dast sich dort keine militärischen Borbereitungen treifen las­sen. Französischerseits verlange man. dast die Eisenbahnen unter internationale Kontrolle ge­stellt würden. Sie könnten so wieder frei Güter transportieren, aber die Eiseibahnen dürsten nie wieder zu einer militärischen Wafse gemacht wer­den. Weniger Zustimmung finde er in der inter­nationalen öffentlichen Meinung, wenn er ver­lange. dast eine Anzahl von Armeekorps weiter­hin am linken Rheinufer stehen blieben; indessen liege darin die wahre Sicherheit für Frankreich Wenn Frankreich die rheinischen Eisenbahnen und die Drücken in Händen habe, könnte es in aller Ruhe wieder an die Arbeit gehen Kommen wir zu dem Schlüsse, solange im Ruhrgebiet zu blei­ben. solange wir die Sicherheitsgarantie nicht er­reicht haben.

Die Schuldenreftulicrunftsfrage.

London. 17. Mai. (WTB.) Reuter mel­det aus Washington: Großbritannien hat an die britische Botschaft in der Angele­genheit der Schuldenregulierung eine neue Mitteilung gerichtet. Botschafter Geddes ersuchte, eine Bersammlunq der Schuldenfundierungskommission vor Freitag anzuberaumen, damit er von der Mitteilung Kenntnis geben könne.

Die Gewattstreiche der Franzosen.

B v ch u m, 17. Mai. (WTB.) Die F r a n- zosen haben gestern auf der Landstrahe WeitmarLinden fast alle Autos be­schlagnahmt. deren sie habhaft werden konnten. Während früher durchweg Luxus- autvs festgehalten wurden, sind es jetzt die Wagen mit Lebensmitteltransporten.

Der Bahnhof D o r d t e n ist von den Franzosen besetzt worden. Auf der Strecke Hamborn Reumühl Sterkrade haben die Franzosen durch Aufreihen von Schienen den Verkehr zu einer Reihe von Werken, darunter zurGuten Hoffnungshütte" und zuv Zeche ..Kaiserstuhl" lahmgelegt.

Dortmund, 17. Mai. (WTB.) Heute früh holten französische Gendarmen den Lan- desgerichisprasidenten Hahne aus seiner Privatwohnung und brachten ihn nach Castrop.

Dortmund, 17. Mai. (Wolff.) Gestern mtrgen wurde Direktor Harr vornPhönix" in Hörde von den Franzosen aus seiner Wohnung geholt und im Aut) nach Witten abgesührt. <<

Essen, 17. Mai. (Wolff.) Wie derRhn- nisch-Westfälischen Zeitung" aus D u i s b j r g be­richtet wird, wurden gestern bei der dortigen Zweigstelle des Barmer Bankvereins 15 0 Mil­li o n e n M a r k für nicht bezahlte Kontributions­gelder der Stadt Duisburg weggenommen.

Berlin, 17. Mai. Wie derBossischen Zei- tung" aus Essen gemeldet wird, erschienen heute früh Franzosen mit fünf Lastautos vorder Woh­nung des Generaldirektors Tengel- mann von den Essener Steinkohlenbergwerken und pfändeten seine Möbel iregen der noch nicht bezahlten Geldstrase, die ihm im Thyssen- Pro-.est auferlegt war. Die (Strafte, in der sich die Wohnung des Generaldirektors Tengelmann be­findet, war abgesperrt. Eine Reihe von Möbel­stücken wurde mitgenommen Es erschien ein fran­zösisches Kommando unter Führung von vier fran­zösischen Oft vieren, um wegen der in Mainz ver­hängten Geldstrafe zu pfänden. Die Of sichere frag­ten zuerst nach Silber. Als sie nichts fanden, liehen sie den* G e l d s ch r a n k offnen, worin aber nichts Wertvolles »orgefur.ben wurd-e. Mitge­nommen wurden u. a. Ledermöbel, Oelgemälde und Teppiche.

Düsseldorf, 17. Mai. (WTB.) Die Franzosen Haden Erwerbslosengel­der in'Höhe von 11 Millionen Mark be­schlagnahmt. 3m ganzen sind bisher hier 120 Millionen Erwerbslosengelder beschlag­nahmt. In Vohwinkel wurde der Landrat Dr. von Nieder verhaftet.

Kaiserslautern 17. Mai. (Wolfs.) 3n Kaiserslautern wurde i sämtiiche Wohnungen der ausgewiesenen Eisenbahn-, Zoll- und Post­beamten vor den Franzosen belegt. D.e- b e I zur Ausstattung der Wohnungen wurden teils bei den Möbelhändlern, teils bei der Reichsver­mögensverwaltung beschlagnahmt.

Die französischen Eisenbahner.

Gelsenkirchen, 17. Mai. (WTB.)Die Ablösung der französischen Eisen­bahner, deren Dienstzeit Anfang Mai be­endet war, ist nunmehr durchgeführt. Sie wur­den durch Zivilbeamte aus dem Elsaß ersetzt.

712 nene Ausweisungen.

Paris, 18. Mai. (WTB.) Havas mel­det aus Koblenz: Die Interalliierte Rhein­landkommission hat 712 neue Auswei­sungen angeordnet, die größtenteils Eisenbahn - und Zollbeamte treffen.

Kindcrelend im Ruhrgebiet.

Wien, 16. Mai. (WTB.) Heute sind die Begleitpersonen der Kinderzüge aus dem Ruhrgebiet nach Deutschland zurückgekehrt, nachdem sie noch Gelegenheit hatten, sich von der überaus herzlichen und liebevollen Aufnahme zu überzeugen, die die Ruhrkinder hier bei ihren Pflegeeltern gefunden haben. Sie konnten dabei auch zu ihrer groften Freude viele Reuanmel­dungen für die Unterbringung weiterer er- holungsbe' ür t gr Kinder cntwgennchrnn Welch furchtbare Schäden die französische Besetzung unter der deutschen Zugend im besetzten Deutschland anrichtet, geht aus einer Mitteilung derReuen Freien Presse" hervor, in der es heiftt: 3m Wachstum -Zurückgebliebene, abgemagerte und ver­schüchterte Kinder von Bergleuten aus dem Ruhr­gebiet sind kürzlich in Oesterreich eingetroffen. Cs.sind lauter Kinder im schulpflichtigen Alter, die infolge der fremden Zwangsherrschaft schwere Tage der Entbehrung und des Hungers hinter sich haben. Rach dem Gutachten der Aerzte ist ihr Zustand schlechter als seinerzeit das Be­finden jener österreichischen Kinder, die durch Vermittlung ausländischer Hilfsorgansialionen in die Schwei; und in die nordischen Länder geschickt werden konnten.

Vitt Kaplan verhaftet.

Buer, 17. Mai. (WTB.) Der katho­lische Kaplan Elitrop ist von den Bel­giern verhaftet worden, weil er den Wunsch der Belgier abgelehnt hatte, daß um 11 Uhr der Gottesdienst ausfallen und die Kirche für die belgischen Truppen freigehal­ten werden sollte.

Die Engländer und die Russen.

London. 17. Mai. (WTB.) Unter­haus 3m Verlause der Debatte drang die Op­position bei der Regierung darauf, daß sie die Versicherung abgebe, baft, es während der Parla­mentsferien zu keinem Bruche mit Rußland kom­men werde Baldwin lehnte es ab, eine der­artige Zusicherung zu geben und erklärte, wann aus der Haltung der anderen Seite, womit gegen­wärtig Besprechungen stattfänden, bervorgehe, baft eine Einigung nicht erzielt werden könne, bann sei es nicht angängig, baft die Regierung nur des­halb gebunden sei, weil das Parlament gerade nicht tage Er vertraue darauf, baft die gegenwär­tigen Erörterungen einen günstigen Ausgang neh­men würden. Bei ben Wortengünstigen Aus­gang" unterbrach Ramsay Mac Donald and rief:Soll das bedeuten, baft. die britische Rote vcllständig angenommen wird, Wort für Wort, Kcrnma für Komma?" Baldwin erwiderte: Richt Wort für Wort, nicht Komma für Komma. Aber wir müssen dir Aeberzrugung haben, baft unseren Forderungen entsprochen wird." So­dann vertagte sich das Haus über Pfingsten bis zum 26. Mai.

Krassin bei Curzon.

London, 17. Mai. (WTB.) Lord Cur­zon hat heute vormittag Krassin empfangen. Die Konferenz dauerte zwei Stunden. Mac R e i l l und die Beamten der russischen Abteilung im Foreign Office waren anwesend. Ein Ergebnis der Besprechungen wurde nicht bekanntgegeben, doch verlautet, baft der Termin des Ultima» tums etwas verlängert wurde. Krassin steht jetzt in Verbindung mit Moskau.

London, 17. Mai. (WTB) Unter­haus. Der Unterstaatssekretär des Auswärtigen, M a c R e i l l, teilte im Unterlaufe mit, we m der Forderung in der britischen Rote on die Moskauer R^icmng richt stattgegeben werde, wobei jede Zetrausdehnung gemacht werden würde, di: Kras­sin benötigen konnte, um sich mit seiner Regie­rung in Verbindung zu sehen, so würde der bri­tische Vertreter in Moskau abreifen.

Schändlichkeiten in Polnisch- Obcrschlesien.

Königshütte, 17. Mai. (Wolff.) Heute nacht wurden in Königshütte sämtliche deut­schen Firmenschilderzerschlaaen. ab­gerissen oder Überschmiert. Alle Schau­fenster der Geschäftsstelle des Organs der deut­schen Minderheiten in Polnisch-Oberschsesien, des Oberschlesischen Kuriers", wurden zertrümmert. Bereits vor dem Rationalseiertag der Polen am 3. Mai war allen deutschen Kaufleuten die Zer­störung ihrer Geschäfte angekündigt worden, falls sie die deutschen Zuschriften nicht entfernten. Fast alle Insch.ifttn wurden daraufhin geändert mit Ausnahme eines kleinen Restes und gegen diese hat sich nun die Zerstörungswut in der letzten Rächt gerichtet.

Der griechisch-türkische Streitfall.

Lausanne, 17. Mai. (WTB.) Rach zwei­tägiger Pause nahmen heute 3smet Pascha und Veniselos ihre Besprechungen wieder auf nachdem Ismet Pascha heute eine erste Ant­wort auf seine Anfrage in Angora erhalten hatte. Sir Horace R u m b v l d vermittelte diese Unterredung. Cs stellte sich sofort heraus, baft dir reuen Instruktionen der Anaoraregierung sich mit dem bisherigen Standpunkt Der Türken decken. Rach einer dreiviertelstündigen Unterredung war keine Annäherung erreicht worden. Beniselos be­harrte darauf, daß grundsätzlich sowohl die Tür­kei als auch Griechenland zu Entschädigungen ver­pflichtet seien und ein Schiedsspruch dann die gegenseitigen Forderungen zu klären habe. Ismet Pascha dagegen erkannte leine griechischen Forde­

rungen an die Türkei an und will einen Schieds­spruch nur für die Bemessung der griechischen Reparatirnsschuld zulassen. Die Unterhaltung endete damit, baft beide Parteien erklärten, blc Angelegenheit von neuem vor die Konferenz zu bringen. Da aber weder die einen noch die an­deren entschlossen scheinen, sich einer Entscheidung der Konferenz zu beugen, bedeutet dieser Ent- sch'.uf; leinen Fortschritt. Die Lage kennzeichnet sich vielmehr folgendermaßen: Die direkten tür­kisch-griechischen Besprechungen sind gescheitert, und die Konferenz, die bisher die Frage nicht lösen konnte, hat von neuem das Wort. Aus griechischer Seite legt man angesichts dieses nega­tiven Ergebnisses Wert darauf, alle Rachrichten, die heute hier eintrafen und auf bedrohliche Musterungen des griechischen Generalstabs und auf ein griechisches Ultimatum und die Wieder­aufnahme des Krieges hindeuten, zu dementieren. Die Griechen behaupten, baft sie weiter bereit sind, ben Streitfall auf diplomatischem Wege zu regeln. 3n türkischen Kreisen macht man die Alliierten namentlich Frankreich für die Ver­steifung des griechischen Widerstandes verant­wortlich.

Die Untersuchung der Friedens- Möglichkeiten im Jahre 1917.

Berlin. 17. Mai. (WTB.) Der zweite Tlnterausschuft des parlamentarischen ilnfer- suchungsausschusses des Reichstags, beauf­tragt mit der Untersuchung der Friedens- möglichkeitenimZahrel917. befaftte sich in einer weiteren Gruppe von Zeugenvernehmun­gen und nach Prüfung der einschlägigen Doku­mente mit der sogenannten Driand-Lancken- schen Aktion, die auf Grund französisch- belgischer Anregungen im Frühjahr, Sommer und Herbst 1917 ein Zusammentreffen dieser beiden Persönlichkeiten im neutralen Aus­lande zwecks geheimer Erörterung der Friedens­bedingungen zum Ziele hatte. Von der Lancken begab sich vevabredungsgLmäft in die Schweiz und empfing zunächst am 21. Septenrber die Mitteilung, daß Briand seine Reise auf­schieben müsse. Darauf verlieft der deutsche Di­plomat die Schweiz, hielt sich aber nach wie vor zur Verfügung. Die Angelegenheit verlief dann im Sande, da französischerseits feine neue Anregung erfolgte Daft der Plan nicht zur Ausführung kam, hing mit den Erwägungen der französischen inneren Politik und der allgemeinen Kriegslage zusammen. Es sind auch Anzeichen dafür vor­handen, daft die Aktion Kaiser Karl Prinz Sixtus von Bourbon auf den französischen Entschluft von Cinfluft gewesen sind.

Die 75-Iahrseier der Eröffnung des Frankfurter Parlaments.

granffur t a. M., 17. Mai. (WTB.) Die zur Teilnahme an der 75-Zahrfeier der Eröffnung des Frankfurter Parla­ments heute früh hier eingetroffene öster­reichische Pa rlamentsabordnung, unter der sich auch die beiden Präsidenten des Ratio­nalrats, Ding Hof er und Seih befinden, wurde um 10 Ähr vormittags im Römer durch Oberbürgermeister Dr. Voigt begrüßt, der in seiner Ansprache auch an das Wort Tlhlands erinnerte, daft Oesterreich nicht allein eine La­terne für den Osten, sondern in weit höherem Mafte berufen sei, eine Pulsader im Herzen Deutschlands zu sein. Die Geschichte sei zwar einen anderen Weg gegangen, als man damals gehofft habe, aber die Sympathie zwischen den beiden Völkern sei die gleiche geblieben.

3m Ramen der österreichischen Wordnung erwiderte Präsident Seih, der seinem lebhaften Bedauern darüber Ausdruck gab, baft es 1848 nicht zu dem ersehnten Groftdeutschland gekommen sei. Gerade in der jetzigen Zeit, in der Deutsch­land unter einem so starken Drucke stehe, nehme Oesterreich den lebhaftesten Anteil an feinem Geschick. Das Glück ber beiden Länder bedinge es, baft die Zukunft sie eng aneinander schließe.

Die Gäste unternahmen dann unter sachkun­diger Führung eine Besichtigung der Sehens­würdigkeiten der Stadt, vor allem des Städel.

Aus dem Reiche.

Die neue Teuerung.

Berlin, 18. Mai. Im Reichsarbeits­ministerium fanden Verhandlungen zwischen den Banken und Bankangestellten über G e- haltSerhöhungen statt. Man einigte sich dahin, daß die Bezüge der Bankangestellten um 30 Prozent gegenüber den vorläufig für Mai gezahlten Gehältern erhöht werden. Die Haushaltszulage wurde auf 16 000 Mk., die Kinderzulage auf 20 000 Mk. erhöht.

Durch Schieosspruch wurden die löhne der Berliner Metallarbeiter durchschnittlich um 32 Prozent erhöht.

Rcichsratsbeschlüsse.

Berlin, 17. Mal. (WTB.) Der Reichsrat hat sich mit einer Reihe von Reichstagsbeschlüssen aus letzter Zeit, die eine ganze Anzahl von Gesetzen be- tteffen, einverstanden erklärt. Er nahm u. a. Kenntnis von dem Gesetz über den Ver­sammlungsschutz. Ein Antrag Sachsens, Ein­spruch gegen die Reichstagsbeschlüsse zu erhe­ben, da das bestehende Strafgesetz für den Dersammlungsschutz ausreiche, fand keine An- terstützuna.