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Mittwoch, 8. April (923

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Zweiter Blatt

Nr. 90

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(Rachbruck verboten.)

7. Fortsetzung.

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5 Jahre gewählt.

Weitere LandtagSvorlageu.

Durch eine Regierungsvorlage wird für Er-

Pfirsichgesichtchen, dem braunen Haar, auf dem rötliche Lichter spielten, und den merkwurc-ig fein geschwunge en Dräuen über schönen brarnen Auier. Aber die breiten Augenlider lagen saft bcHäudig über diesen Augen, sie sprach kaum, obgleich sich der junge Mann ein Weinguts- besitzer aus dec Gegend auss eiscigsie im sie bemühte. Rem, das war' nicht Hans Dietrichs Genre.

Es wurde ein langer Frühschoppen. Der schmunzelnde Rebslockw rl brachte auf Gcheiß des Türgerme sters fein besteseigenes Wachstum", einen Enkircher, der duftete wie ein Reseda beet, uigd selbst Frau Evas Gagmen lieblich kitzelte mit seiner zarten und doch feurigen Eigenart. Als schließlich ein erhitztes, dralles Mädchen den Ll'erweg entlang kam, fuhr Bürgermeister Ar­nolds erschrocken auf:Kinder, wir haben uns verspätet! Da kommt die Dabett und ruft ans. Dante Röschen wird trostlos sein."

Die jungen Mädchen flatterten auf wie ein erschreckter Tauberischwarm. Mercedes Wellsheim bedachte noch schleunigst Hans Dietrich und En­singen mit einer ganzen Ladung ihrer gefähr­lichsten Dlicke.

'-aermeistei Arnolds verbeugte sich vor Goa:Gnädige Frau, darf ich hoffen, Sie mit Ihrem Herrn Druder heute nachmittag bei mir zu sehen?"

Eva sah ihn etwas überrascht an, aber Hans Dietrich, der dem Enkircher lebhaft zugesprochen hatte, schnitt ihr das Wort ab:Aber selbstver­ständlich, Herr Dürgermeister, selbstverständlich, Eva interessiert sich ohnehin schon auf das leb­hafteste für Ihr originelles Heim, älnd wer könnte eine so liebenswürdige Einladung ausschlagen!"

Der Dürgermeister lachte:Ihr Herr Druder verfügt über Ihre Einwilligung, gnädige Frau.

Frau Eva sah überrascht auf:O weh, ist | denn halb Derlin heut hier? Das ist ja Mercedes Wellsheim."

Sie war gerade nicht übermäßig erfreut. Dafür sprang ihr Druder desto beflissener auf. D.e junge Frau Wellsheim, die exotische, Gattin eines reichen Dörsenmannes, hatte ihn freilich niemals sonderlich interessiert, aber sie war doch ein Glied seiner Welt, und ihre merkwürdigen Augen, die toi? schwarze Diamanten funkelten, strahlten ihn intensiv genug an, tote sie Übrigens Assessor Ensingen auch kokett fl reifte! Die Seide ihres Winterkleides t'.i'terte auf dem Kies des Reb­stockgartens, ihre Drillantringe blitzten an den schmalen, bräunlichen Händen, und die großen goldenen Ringe, die sie mit besonderer Betonung ihrer spanischen Herkunft stets in den Ohren trug, bewegten sich leise.

Es gab eine wortreiche Begrüßung, eine schnelle Vorstellung. Drei der jungen blonden Mädchen waren Gäste aus Trarbach, die vierte Fräulein Arnolds, die Tochter des Bürgermeisters.

Während Mercedes Wellsheim die Sonne ihrer Gurrst anparteiisch über die drei anwesenden Herren ausstrahlen ließ auch Dürgermeister Arnolds bekam sein reichlich ferneren Teil davon ab knüpfte Eva eine .Unterhaltung mit den jungen Mädchen an. Es kam nicht viel dabei heraus, zwischen den üblichen Redensarten gingen ihre neugierigen Augen über Frau Evas weißes Sergekleid, das sie alle augenscheinlich gleichmäßig interessierte, über ihren Hut, der freilich ein Meisterwerk der Paulus a rs der Iägerstraße war, und über ihre Frisur, soviel der Hat davon frei­gab. Frau Eva ließ es belustigt geschehen.

Sie sah sich Fräulein Arnolds genauer an. I Em liebreizendes Geschöpf mit dem flaumigen

Das MosEMS.

{Roman von Luise Schulze-Brück.

Sil Mi! W egU ,ZK. «MW relti'b°n^oBac

Er wog bedächtig ab, was er in die Wag­schale zu werfen hatte. Er stand dicht vor dem Regierungsrat, und ohne sich z.i üfe.heben, konnte er sich sagen, daß ihm eine glänzende Karriere sicher war, die er nicht nur seine r ausgezeichneten Konnexionen, sondern auch fe.nen persönlichen Eigenschaften zu danken haben würde. Und dann er streckte sich auf seinem Stuhl ein wenig gerade und betrachtete aufmerksam die gelbglän­zende Spitze seiner tadellosen Deichuhung er konnte sich auch wahrhaftig sehen lassen. @r strich vorsichtig über seine Frisur! Da war noch keine lichte Stelle ebenfowc.nig wie es eine bedenkliche Stelle in seiner Lebensführung gab, die ihm in seiner Konbuite schaden konnte, Was ferne Erlebnisse mit Frauen betraf, nun, Fran Eva war ja Weltdame, sie verlangte vmmrutlich kaum einen braven Jüngling strengster Observanz zum Ehegemahl. Er lächelte, ein klein wenig zynisch allerhand Dilder fliegen vor ihm auf. Jedenfalls knüpfte sich an seine Person, seinen Ramen fein unangenehmes Geschehnis irgend­welcher Art.

Am Gestade entlang von dem alten Durg- hause her kam eine Lerne Gesellschaft hellgeklei- deter Damen. Vier junge Mädchen, alle groß, alle blond und rosig. Eine fünfte in auffallendem Gegensätze zu den anderen Hein, sehr schlank, sehr brünett mit merkwürdig fremdartigem Typus, in ein sehr elegantes schwarzes Kreppkleid mehr gewickelt als gekleidet. Ein eleganter Jüngling pendelte nebenher.

reich und Deutschland sollten beginnen, wirtschaft­lich miteinander zu leben, wenn auch das Poli­tische Miteinanderleben durch die französische Politik zerstört wird. Die englische Kritik an der deutschen Finanz- und Währungspolitik be­rücksichtigt nicht den deutschen Währungs­verfall und den Druck, der auf der deutschen Wirtschaft durch Verzögerung der Fest­setzung der endgültigen Reparationslieferungen liegt. Deutschland kann sein Dudget erst dann in Ordnung bringen, seine Währung erst endgültig stabilisieren und ein Höchstmaß von Steuersähig- feit erzielen, wenn ihm endlich die endgültigen Grundlagen seines politischen und Wirtschafts­lebens gegeben werden. Für eine solche endgültige Leistung will die deutsche Regierung das größte Opfer bringen. Für die Freiheit und Selbständig­keit Deutschlands, die darin liegt, würden In­dustrie, Finanz und Landwirtschaft die Garantie­leistung für die deutsche Verzinsung übernehmen. Ebenso einmütig, wie Volk und Parteien hierin sind, ebenso einmütig sind sie darin, daß sie Widerstand bis zum äußersten leisten würden, wenn man das Rheinland und das Ruhrgebiet in irgendeiner Form von Deutschland abtrennen würde. Verschleierte Annexion ist dafei dasselbe wie offene Annexion. Lloyd George irrt srch, trenn er etwa eine Lösung der heutigen europäi­schen Frage darin sähe, daß er den Völkerbund mit einer Rheinlandverwaltung beauftrage. Die Erfahrungen, die Deutschland im Saargebiet ge­macht hat, sprechen eine deutliche Sprache. Der Seelenzustand des deutschen Dolles ist durch die französische Grausamkeit auf eine harte Probe gestellt worden. Aber es ist nötig, an der Politik nationaler Besonnenheit festzuhalten, um hierdurch und durch Zusammenhalten aller Kräfte die Be­freiung des Ruhrgebiets zu erreichen. Redner weist unter lebhafter Zustimmung die Aeuherung. der Dtsch. Zig." zurück, Deutschland wolle überhaupt nichts mehr an Frankreich zahlen. Kern verant­wortlicher deutscher Politiker nehme eine solche Haltung ein, auch kein dsutschnationaler. (Zu­stimmung rechts.) Will Frankreich Reparationen, dann ist eine CBerftändigung möglich. Will es Rhein und Ruhr behalten, barm kann es darüber feine Verhandlungen geben. (Lebhafter Beifall.) Sind die Massenausweifungen aus dem besetzten Gebiet nicht Vorbereitungen für die Annexion? Man will die Bevölkerung jenes Gebietes führer­los machen, um bann an ihre Stelle Subjekte wie Smeets unb Dorten zu sehen. Die Voraussetzun­gen für alle Verhandlungen muß die Erfüllung der Sorberung sein, baß alle Verhafteten und Ausgew esenen in Freiheit in ihre Heimat zurück- fehren formen. (Lebhafter Beifall.) (Abg. Gebe» tour: Wir verlangen Fr ihsit auch für gefangene Revolutionäre!) Der Redner wendet sich weiter entschieden gegen das Vorgehen Litauens im Memelland und dankt unter lebhaftem Beifall dem österreichischen Mi nsterpräsibenten Dr Seipel für die warme Anteilnahme, die er in seiner Rede an Deutschlands Schicksal in der Rutzrakiion genommen hat. Der Redner schließt: Es ist ganz töricht, jetzt nach dem starken Mann, nach einem Bismarck zu rufen. Wir brauchen in dieser lieber- gangszeit die Zusammenfassung aller Kräfte zur Verteidigung des Staates, wie er ist, und zu einer Politik der nationalen Besonnenheit. (Lebhafter Beifall unb Händeklatschen.)

Abg. Dr. Leicht (Daher. Vp.) begrüßt es mit Genugtuung, baß der Papst einen eigenen Vertreter ins Ruhrgebiet gesandt hat. Wenn Poincarö behauptet, Deutschland habe nichts ge­leistet, so ist bas ein Hohn auf alle Erfüllungs­politik. Durch den Ruhreiabruch fei allerdings nichts für die Reparationen geleistet worden. Die vom Abg. Müller verlangte gelte" gerte Aktivi.ät der Regierung ist auch u rfer Wunsch, aber wir -.fen dabei nicht als Leidtragende fei einem D.ktat vertreten sein. Der Forderung eines neuen Angebots können wir aber nach den bisherigen ® fabrunger n'cht zustimmen So blüht uns nur übrig, den passi en Wi' erstand mit ungeschwächter Kraft fortzusetzen, unbeirrt durch radikale S:ö-' rungen, mögen dese von rechts oder von links oder auch aus München komm ar Das sage ich als Daher. Wir lehnen sie entschieden ab. Unsere Losung muß sein und bleiben: Durch Einigkeit zur Hteiheit, auch für den deutschen Rhein!

Abg. Stocker (Komm.): Rur die Arbeiter- llasse kann pfefeTonflih und Reparationsrrage losen. Die Arbeiterschaft an Rhein und. Ruhr kämpft einig gegen den frannöiischei Militaris­mus. Die Behauptung der Sozialfe nvkra e kom­munistische Füh er hätten mit französischen 'fe le­talen verhandelt, ist eine schmutzige Derleumbang. Leider wurde der Aöwe l.kampf geschwächt da.ch die Korruption her besitzenden Kreise, bie sich auch bei der Rhein- unb Ra er Hilfe breit macht. Meine Partei verlangt deshalb proletarische Kontrolle

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Deutscher Reichstag.

335. Sitzung, 2 Uhr nachmittags.

Berlin, 17. April 1923.

Im Reichstag wurde heute die Aussprache über die gestrige Rede des Ministers bes Aeu- fjern fortgesetzt.

Abg. Dr. G o t he i n (Dem.): Die Ruhraktron wird charakterisiert durch das schon früher von Poincarö abgelegte Bekenntnis, baß sein Zrel die Rieferhaftrmg ober Vernichtung Deutschlands sei. Die formelle Annexion des Rhein- unb Ruhr­gebiets will Poincarö beshalb nicht, weil bann ja auch die Bevölkerung bes anneftierten Gebiets bas französische Wahlrecht hätte unb für Poincarös Politik gefährlich werben könnte. Darum hält man das System der militärischen Besetzung für be­quemer. lieber die Forderung, bas Ruhrgebiet nur nach Maßgabe ber geleisteten Zahlungen zu räumen, kann es keine Diskussion geben, ebenso- wenig über den Plan einer internationalen Kon­trolle dieses Gebots durch den Völkerbund. Was das bedeutet, Hafen wir im Saargebiet erlebt. Wrr danken der Ruhr bevölkern na für ihren tapferen passiven Wider Hand. Wir fühlen die Verpflichtung, ihre Leiden sobald wie möglich zu beenden. Deutsch­land hat die Bereitschaft zu Verhandlungen oft genug gezeigt. Die Reparationskommission hat sich aber bisher immer ber Verpflichtung entzogen, die Zahlungsfähigkeit Deutschlands abzuichähen. Der Außenminister hat die konkrete Grundlage dadurch geschaffen, daß er das letzte Bergmann-Angebot als solche ©runblage ausdrücklich aufrechter halten hat. Ehe wir aber am Verhandlungstisch sitzen, würde die Benennung einer bestimmten Summe gar keinen Zweck Hafen. Wir hätten schon viel mehr an Reparationen leisten können, wenn Poinc ire nicht alle unsere Angebote abgelehnt unb durch die Sanktionspolitik unsere Leistungsfähigkeit ge­schwächt hätte. Wenn wir heute eine bestimmte Summe nennen würden, so wäre gar feine Gewähr dafür geboten, daß wir sie auch leisten können. Eine solche Abschätzung müßten die internationalen Finanz kreise vornehmen, die dte deutsche Schuld in Form einer Anleihe decken sollen. Wir verlangen eine Fortsetzung bes passiven Wiberstanbes.

Abg. Dr. Stresemann (D. Vp.): Aktive Politik bedeutet, gegenüber jeder internationalen Situation gelüftet zu fein. Der Minister hat in seiner gestrigen Räte bie aktive Politik ber Re­gierung fortgesetzt. Entscheidend an ihr_ ist, daß sie eine geeignete Grundlage abgibt für Inter­nationale Abmachungen, falls die Entente unb besonders Frankreich die Verständigung will. Ge­wiß kann eine endgültige Leistung heute ziffern­mäßig nicht abgeschäht werden. Wohl aber kann man zugrunde legen die in dem Pariser Angebot genannte konstante Summe, zu deren Verzinsung sich Deutschland bereit erklärt hat, unb bie in Frage kommenden Rachzahlungen durch en inter- nationales Sachre ftäabigenfonfor ium nachprüfen lassen, was auch Donar Law der Pariser Kon­ferenz empfohlen hat. Als Ausgangspunkt für eine solche Summe hat auch Donar Law die Wiederherstellung des deutschen Kredits unb die Prüfung der deutschen Leistungsfähigkeit durch ein internationales Gremium gefordert, um eine internationale Anleihe zu ermöglichen Eine solche Internationale Anleihe nannte Herr Poincare auf derselben Konferenz unter den Garantien, die er von Deutschland fordern will. Eire internationale Anleihe ist abr, wie die Beschlüsse des inter­nationalen Hanfelskammerkon-'resteZ in Rom sagen, für einen Staat ohne Grenon und ohne Souveränität unmöglich zu erlangen _ unb ebenso unmöglich ohne ei ie endgültige Losung bei Gesamtverpflichtungen. Der Temps" unterftellt mir den Versuch, die Alliierten durch Anerkennung de französischen Priorität spalten zu wollen. Dillcr Vorwui-f ist ungerechtfertigt. Deutschland Nell), daß ein Kampf ber Alliierten ge e iemanber noch immer auf seinem Rücken ausgesvh ei toovfen ist. Aber warum soll eine Einigung über "?i De Wendung deutscher Zahlungen für den fron .ö ii fei unb bel­gischen Wiederaufbau nicht eine Realität werden? Für England ist es eine Frage e3 finanziellen Kalküls, ob nicht bie Wiede.fei e tag ber brut­schen Kaufkraft wertvoller ist ai < ter Empfang von Reparationen. Rur muß au h F ankr ich an­erkennen, baß bie Erschütterungen des Weltkrieges an keinem ^ßolk ohne Erschüttemg seiner Fi­nanzen vorüberge'hen Bonner. Die F age der deut­schen Reparationen kann nicht all : nein auf fi­nanziellem Gebiet gelost werden. Warum beachtet Frankreich nicht bas Angebot Eu.ros wegen der Kooperation der Industrie. Der Zustand Europas legt bie Frage nahe, ob bie Aufrechterhaltung einer Zollgrenze noch möglich ist. Auch hier liegen Aspekte wirtschaftlichen Räherkommens. F ank-

Mucker. Ü.

Aus Hessen.

Gesetzentwurf zu einer Aerzteordnung.

Dem Landtag ist eine Regierungsvorlage über einen Gesetzentwurf zur Aerzteorbnung zugegangen, die in 86 Artikeln als Ersah für die schon seit 1861 bestehende lückenhafte Medizin al- erdnung gelten soll. Sie behandelt in vier Ab­schnitten: Allgemeine Te usspflichten, bie Aerzie- kammer, deren Rechte, Pflichten und Zusammen­setzung, die ärztlichen Ehrence richte, schtedsarnt- liches Derfafeen, eh engerichtlich.es Verfahren und Uefergangdfeffimmungen. In fer eingehenden Begründung wird auf bie Rotwenbigk.it hin- gewiefen, die öffentlich-rechtlichen Verhältnisse der Aerzte, ber Zahnärzte, Tierärzte, ber Apotheker, ber Hebammen, des Kranke.ipflegepersonals unb ber Personen zu regeln, bie, ohne approbiert zu fein, sich mit bei- Krankenfehanblung befassen. Unter anderem wird erläuteä, baß bie öffentliche Gesundheitspflege lahmgelegt wird, wenn die Aerzte' nicht Mitarbeiten. Hier kommt besonders die Bekämpfung ber übertragfer e i Krankheiten in Fraget eine zuverlässige Medizinalstatistik ist nur fei geordneter Mitarbeit ber Aerzte möglich Bei fer Rechtspflege werfen sie vielfach in An­spruch genommen: die Durchfühnlng der Reichs- versicherungsordnung und Angestell en Versicherung ist ohne die gere elle Mitwirkung ber Aerzte un­möglich. Ein für das Allgemeinwohl so wichtiger Stand kann erwarten, daß er auch in Hessen eine staatlich anerkannte selbständige Vertretung er» hält, wie sie bereits in einer Arrzahl anderer deutschen Länder gewährt ist. Auf je 50 Aerzte soll ein Mitglied der Aerz'ekammer kommen, die Wahl wird nach dem Derhältniswahlrecht vor­genommen. Die Mindestzahl de. Kammermitglie­der wird auf 12 festgesetzt. Die Mitglieder werden

richtung ei es Tierseucheninstitutes $u Gießen unter Benützung ber alten Veterinär­klinik ei ie Mehrforderung von zweihundert Mil­lionen Mark als Rachtrag zum Voranschlag b. Zs. geforfert. Durch we.tere Regierungsoorlageir werden für den Ausbau der Wölfers­heimer Anlagen zur Ereugung von Preß­steinen fer Betrag von 170 Millionen Mark, für den Ausbau des Leferforschu cgsinstttuts an fer Technllcfen Hochschule zu Darmstadt bis zu 20 M.l.ionen Mark, für die Beschaffung von Dienst- räumen im Staatsmi llsterium 211 Millionen Mark ge)ordert. Die Abgg. Dr. Ofann und Köhler stellen Anträge zum Beamte.rfesoldungsg- setz bzw. zum Hauptvoranschlag. QL ibere Reg.erungsvor- lagen betreffen den Bad-Rau feimer Staats- ouelle .b tr eb, bie Erstreckung fes Fi anzgcsetzes bas Rechnu n )>a'ir 1922 auf weitete zwei Monate, das Brückengeld- unb -Ueferfafeige» .; enges.tz bie Die:strezüge drr S.aatsb amten u a. Ein QL ttrag fer Aogg. Lenhart und Gen. fordert enffprechenfe Amtsbereich ungen für die im Staatsdienst verwe rdeten Kriegsteilnehmer, ein Antrag Herbert will bie gleichmäßige Ruhe­st cinbsve sehung der S aatsfeamten in den ein­zelnen Ministerien. Ein Antrag Stein-Brauer toü scht De e tst lllu-g von Mit ei ', um den Landwirten in f ö'e: gelegenen G genfen die Beschaffung g ee g etei Saatgutes zu ecmögl.chen, weit i.y.te.i dieses wegen fer naf en Erntewitterung des vergangenen Jahres nicht zur Veriügung steht.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 18. April 1923.

Anzeigen-Ann'ahme.

Die Entgegennahme von Anzeigen findet bis zum Abend vor dem Aufnahmelag statt; An­zeigen für die Samstagsnummer müssen spä­testens bis Freitag mittag aufgegeben sein.

Geschäftszeit

von 812V- Ahr und von 2572 Uhr.

* * *

Vorläufig kein Ausbau

der (Yictzcuer (Gewerbeschule.

Dem Landtag ist zur bevorstehenden Ta­gung der nachstehende Landtags-Aus­schußbericht betr. die Gewerbe­schule z u G i e h e n zur Beschlußfassung zu­gegangen:

Der Allgemeine Deutsche Gewerkschafts­bund, Ortsausschuß Gießen, der Allgemeine freie Angestelltenbund, OrtSkartell Gießen, fer Aufsichtsrat fer Gewerbeschule in Gießen und ihr Schülerausschuß, der Arbeitgeberverband für die Provinz Oferhessen und der Oberbür­germeister der Stadt Gießen haben sich ge­meinschaftlich mit einem Antrag an den Hessi­schen Landtag gewendet dahingehend: es möge die bei der Gewerbeschule in Gießen errichtete Maschinenbauab­teilung zu einer viersemestrigenAn- stalt ausgebaut werden nach dem Lehr­pläne fer preuh. mittleren Maschinenbauschu­len, damit die Schüler dort zu tüchtigen Tech­nikern herangebildet und die Absolventen mit fern Abgangszeugnis in den Eisenbahndienst ausgenommen werden können. ES wird in der Eingabe darauf hingewiesen, daß eine Ma­schinenbauschule in Gießen sicherlich einen be­deutenden Aufschwung zu erwarten habe, weil die Eisen- und Maschinenbauindusttie in Ober­hessen sich ganz gewaltig entwickelt bzw. von Lothringen und dem Saargebiete sich dorthin verpflanzt habe. Äie Giehener Anstalt werfe zudem weit über Hessen hinaus bis in das Sie­gerland hinein Schüler anziehen und somit werde dann Gießen das geistige Zentrum fer Eisen- und Maschinenbauindustrie werden, w-elche sich um die Lahn nach dem Sieger- und Dillkreis hinüber konzentriere. Die Schulsäle und Lehrmittel sind vorhanden und werden so­mit dem Staate erhebliche Mehrkosten nicht erwachsen. Die Stadt Gießen erlläre sich be­reit, die sachlichen Kosten allein und die per­sönlichen Mehrkosten zur Hälfte zu tragen, wenn die staatliche Anerkennung der Ma­schinenbauschule ausgesprochen werde. Eine dreisemestrige Maschinenbauschule könne nur unvollkommen ausgebildete Techniker heran- bilden. Am das 4. Semester in Darmstadt oder Offenbach zu besuchen, reichen bei den meisten der Schüler die Gelder nicht aus, zumal heute für Pension monatlich ganz erhebliche Bettäge zu zahlen sind, dazu noch die teueren Lehrmit­tel. Der Provinzialdirektvr der Provinz Ober­hessen befürwortet das Gesuch in warmherzi­ger Weise.

Die Regierung erklärte, daß zur Zett nicht daran gedacht werden könne, dem Gesuch zu entsprechen. Ein Bedürfnis kann nicht aner­kannt werden. Die zwei Maschinenbauschulen in Darmstadt und Offenbach würden in An­betracht der Gröhe des BolksstaateS Hessen völlig genügen. An einen weiteren Ausbau der Gewerbeschule zu Giehen könne übrigens schon aus finanziellen Gründen, aber auch der Folcen wegen nicht herangetreten werfen. Wollte man dem Anttage entsprechen, so würfe die Wormser Gewerbeschule mit dem­selben Rechte das gleiche Ansinnen stellen, waS dann ebensowenig abgewiesen werfen könne. Die Gewerbeschule in Gießen wäre in erster Linie dazu berufen, tüchtige Werkmei­ster heranzubilden. Dieser Aufgabe kann sie bei ihrem derzeitigen Aufbau völlig gerecht werden. Außerdem käme in Gießen nur eine ganz geringe Schülerzahl in Frage. Aus die­sen Gründen kann dem gestellten Anttage nicht entsprochen werden.

Der Ausschuß ist sich darüber klar, daß eS wohl zweckmäßig wäre, in Gießen eine Ma-

^«Ifportfeft

Klafitn. &

Kaffe.

bei ber Verteilung ber Rührhilfe. Schließlich pro­testiert ber Redner gegen die Forderung ein­zelner Unternehmer, den Franzosen Kohlen zu liefern. Ferner bedauert er, daß fer geplante Abtochrslleik am Widerstand der Sozialdemo­kratie gescheitert sei.

Abg. Alpers (Deutsch-Han-.overaner) wen­det sich scharf gegen bie rheinischen Separatisten. Der französischen Getvalt müsse die Macht des Rechtsgedankens entgegengesetzt werden.

Abg. von Gräfe ('Deutschvölkischf hält bas erneute ,30-Milliarfen°Angebot angesichts bes Vetnichtungswillens FrankrcichZ für zwecklos. Frankreich müsse überzeugt werden, daß sich bas feutsche Volk nicht vernichten lassen wolle. Ferner behauptet er, daß bie Rede Severings fer beut­eten Einheitsfront schwer geschadet habe, und kritisiert bas Vorgeben gegenüber seiner Partei in Sachsen unb Thüringen.

Das Haus vertagt fobann die Weiterferatung auf morgen nachmittag 2 Uhr.

Schluß gegen 7 Uhr.

Ich bitte, genehmigen Sie nachträglich dille Ver­fügung. Bedenken Sie. daß oie pari.. te.lischen Sitten an unserer Mosel noch gang u Vo gäbe sind und diese Formlosigkeit unserer Gaftreundschafl heiligen."

Frau Eva lachte:Ich möchte selbst kein Formmensch sein. Und gewiß kommen wir gern."

Sie sah den Gehenden nach, die sich eilig auf den Weg machten Mercedes W.lls.teim hing kokett an Bürgermeister Anwlds Arm, üe wippte neben dem großen Manne wie eine gL. liefe Puppe dahin und hielt vorsichtig ihre rauschenden Rocke hoch.

Doktor Ensingen lachte hinter ihnen drein. Kleine schwarze, schillernde Schlange!"

Frau Eva sah ihn geärgert aj:Das find ich wenig hübsch von Ihnen, daß Sic . sie brach kurz ab. Ensingen konnte sich einbilben, sie sei eifersüchtig, weil er sich so leb hart mit Mer­cedes Wellsfeim beschäftigt hatte. 2ll-er er macht« keine bahinjiclenfe Bemerkung. Er strich nur wieder still befriedigt seinen Spitz bart.Sieh, sieh, Frau Eva ärgert sich," bedeutete das.

Run ärgerte Eva sich wirklich über ihn. Sie kannte dies- feine Geste genau. Und sie zuckte ihrerseits bie Achseln, mit fer Miene, die ihn ärgerte. Mehr als heute morgen noch empfand sie sein Hiersein unangenehm, cklnd als er bei Tisch allerhand an den Speisen, der Bedienung, fer ganzen Aufmachung wie er sagte §u nörgeln fand, wäre sie beinahe unartig geworfen. Aber sie besann sich noch rechtzeitig. Er konnte ja schließlich nicht dafür, baß er nicht aus seiner Haut heraus konnte, baß er alle Ansprüche unb Be­dürfnisse seines Berliner Milieus überallhin mit­schleppte.

(Fortsetzung folgt)

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