Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image

WWW«

Vrvck und Verlag: vrühl'sche UniverfitStr-vuch- und Steinöruderd H. Lange in Gießen. Zchrlftleltung und Geschäftsstelle: Zchnlstrahe 7.

!l

it 3-

6 8 n l s l )

re

b.

!k-

StailjSS zS»K

Man suchte sie zu Aussagen zu bewegen, ließ sie dann aber wieder frei. Dem Kassierer legte man eine französischgeschrieben eEr- klär un g vor. wonach es sich nicht um Geld der Erwerbslosenfürsorge, sondern der Rhem- und Ruhrhtlfe handele, was er aber nicht ge­wußt habe. Der Kassierer, der zufällig Französisch verstand, verweigerte seine Unterschrift unter dem Hinweis, daß eS sich tatsächlich um Erwerbslvsenunterstützungen handele. Die Franzosen nahmen auch die Listen der Erwerbslosen und die Kartei mit.

Die Ausweisungen.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen v 27 mm Breite örtlich 80 Mk., auswärts 100 Mk.; für Rekl amc Anzeigen von 70 mm Breite 400 MK.Bei Platz- vorschrist 20 °/0 Aufschlag. Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Ernst Blumichein; für den Anzeigenteil: Hans Leck, sämtlich tn Gießen.

Eine Militärkonferenz in Düsseldorf.

Paris, 17. April. (MTB.) Der Dussel, dorfer Sonderberichterstatter derLiberty" mel­det, dah dec belgische Kriegsminrster Deveze, der von dem französischen Kriegsmini st er Maginot in D ü f s e l d o r f empfangen wurde, anschließend mit diesem eine längere Unterredung gehabt habe, der auch der französische Generalstabschef Buat, General Degvutte und der belgische Oberkommandant in ben besetzten Gebieten, General Aucquoh, beiwohnte. Die Konferenz habe hauptsächlich die Stärke und Verteilung der alliierten Truppen zum Gegenstand gehabt. Gleichzeitig habe der französische Kriegsminister de Lastehrie mildem Kabinettschef des Ministerpräsidenten, Gutt, den französischen und belgischen Finanzsachverständi­gen bei der Interalliierten Rheinlandkommission und den Vertretern der Ingenieurmission De- sprechungen gehabt, die sich auf die Kvhlensteuer, die Ausstellung der Ausfuhrbewilligungen und das allgemeine Derrechnungswesen der Vesat- zungsbehörden bezogen haben.

Weibrotif.

Köln. 17. April. (Wolff.) Kurze Zeit, nachdem gestern vormittag eine größere Summe Geldes in die Räume der A r b e i t s - losenfürsorge im Kunstgewerbemuseum in D ü s s e l d o r f gebracht worden war. dran­gen die Franzosen dort ein und nahmen 22Vs Millionen Mark fort. Der Kassie­rer und der Listenführer wurden mitgenommen.

Nr. 90

Erscheint täglich, außer Sonn, und Feiertags, mitderSamstagsbeilage: GießenerFamilienblätter Monatlichevezuokpreise: 3400 Mark und 200Mark Trägerlohn,durch dirPost 8600Mark,auchbeiNicht. erscheinen einzelner Num- mern infolge höherer Gewalt.- Fernsprech. Anschlüsse: ftirdieSchrift. leitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach. richten: Anzeiger Stehen.

Poftfcbedtonto: zranfturt a. M. 11686.

H'S? 6 TaaeSoAsM R-Sund^

x Englische Blätter zur Rede Rosenbergs.

London, 17. April. (WTD.) Die Blätter', deren Interesse heute hauptsächlich dem gestern vom Schatzkanzler eingebrachten Vudget zugewandt ist nehmen, von derMorning Post" abgesehen, nicht in Leitartikeln zu der gestrigen Rede des deutschen Außenministers Stellung. Der Berliner Decichterstatter der .Times", der seinem Blatt« einen sehr ausführlichen Bericht über die Reo< Rosenbergs gesandt hat, den t*>Times' unter der Tleberschrist:Das deutsche Angebot ver- öffentlicht, schreibt, es sei kaum wahrscheinlich, daß die Forderung nach einem neuen Angebot durch die Rede Rosenbergs befriedigt sein werde. Wenn die Rede des deutschen Außenministers als Gegenstück zu der Rede Poincares bienen sollte, so hätte sie niemals gehalten zu werden brauchen. S'e hätte jederzeit f :it Weihnachten gehalten werden können, denn sie bringe die Lage nicht um einen Zoll weiter, als sie damals ge­standen habe. Die Rede enthalte kein Anzeichen einer konstruktiven Politik oder auch nur eines Fortschritts in der Richtung einer solchen Politik. Sie sei eine glatte Verneinung.

Das ArbeiterblaUDaily H e r a l d ver­öffentlicht eine Zusammenfassung der Rede unter der Tleberschrist:Deutschland macht kein neues Angebot". Der Berliner Berichterstatter des Blattes schreibt: Bezüglich positiver Vorschläge für die Zukunft sei Rosenbergs Rede dunkel ge­halten. Allgemein könne gesagt pemn baß Rosenberg nichts neues anbiete. Es bestehe Grund zu der Annahme, daß die deutsche Regierung der Ansicht ist, daß, wenn sie den Kampf im Ruhr­gebiet fvrtseht, eine günsttgere Lage früher oder später entstehen werde. . _ - ..

Der diplomatische Berichterstatter des D illh Telegraph" führt aus: RosenbergsAnre >ot sei eine Erneuerung des Der g m a n n im , ?. ut£ mitgegebenen von den 30 MUlmrden Goldmark. Es sei jedoch von dem deutschen Außenminister ru frerfteben aereben worden, daß. wenn die Alli- ierten Ln D?r,chMg dc.s etaaWfetretärä SugfcS für di- Seftf^ung d-s chrbr^-S-

I betrages durch eine tnternativnale Korpeischast

den können. Gegen das Ankraut des Wuchers hilft nur reinliche, unermüdliche Arbeit an der Valutabesserung. Könnte die Regie- cung im ganzen Volke die sichere Hoffnung wecken, daß die Mark nicht wieder zu sinken anfängt, so wäre viel gewvnnen.Die platonische Wucherbekämpfung wäre dann ebenso über­flüssig, wie die verschleierten Lohnsteigerun­gen. Die neue Teuerung bliebe dann schon aus psychologischen Gründen aus.

Der Reichskommissar für die besetzten Gebiete ausgewiesen.

Köln a. Rh., 16. April (WTD.) Wie wir soeben erfahren, hat die Interalliierte Rhein­landkommission dem Reichskommis- s a r für die besetzten rheinischen Gebiete mitge- teilt, daß sie mit dem heutigen Tage seine Tätig­keit und die seiner Behörde im besetzten ©ebiet als beendet betrachte und seine und seiner Be­hörde Abreise aus dem besetzten Gebiet erwarte. Damit ist die Tätigkeit des Reichskommissars für die besetzten rheinischen Gebiete als beendigt an- zusehen. Schon seit langem war ja beginnt, daß Die Franzosen und in letzter Zeit auch die Belgier darauf bedacht waren, die ihrten unbequeme Ein­richtung des Reichskommissariats in Koblenz zu beseitigen. Schon einmal trat dieser Wunsch für alle Oeffentlichkeit in die Erscheinung, als dem ersten Reichskommissar, Herrn fron Starck, durch die Dotschafterkonserenz das Agrement entzogen wurde. Der Reichsregierung war es gelungen, gegen erhebliche Widerstände die Agrements- erteilung an den neuen Reichskommissar, den Fürsten von Hahfeld-Wildenburg, zu erreichen. Seit Beginn des Ruhreinbruchs trieben bie Verhältnisse zwischen dem Reichskommissariat und der Rheinlandkommission immer mehr zu einem Konflikt hin, wenn auch angenommen wer- den mußte, daß zurzeit die Botschafterwnferenz über eine Agrernentsenttiehung Beschluß fassen würde. Anscheinend haben die Franzosen und Belgier sich über die Botschafterkonferenz Hinweg­sehend, bei der Besprechung am Samstag, bei der bekanntlich Über ein verschärftes Vorgehen im Rheinland und im neubesehten Gebiet Beschlüsse gefaßt wurden, sich dabin geeinigt, das ihnen un­bequeme Reichskommissariat kurzweg zu beseitigen und so die Dotschafterkonferenz fror eine vollendete Tatsache zu stellen. Aeber die Haltung der Eng­länder zu diesem Vorgehen der Rheinland- kommission ist nichts bekannt.

Eine Beratung des Wiederherftellungsausschusses.

Paris, 17. April. (WTD) Die Repa­rativ n s k o m m i s s i on beschäftigte sich heute mit den Kosten der Desah u ngs heere. Sie traf jedoch angesichts der noch nicht beendeten Veihändlungen zwischen den alliierten europäischen Regierungen und den Vereinigten Staaten keiner­lei Entscheidung. Die Kommission beschäftigte sich bieiauf mit der Auslegung des Artikels 260 des Friedensvertrages von Verfall- les betreffend die Aebertragung der deutschen Rechte und der Interessen aller deutschen Unter­nehmungen oder Konzessionen in Rußland, Oester­reich-Angarn, Bulgarien, der Türkei usw. an die Reparationskommission. Da die Auslegung, die die deutsche Regierung diesen Paragraphen gibt, anders ist als die der Reparationskommrsfion, namentlich was die deutschen Eisenbahnen in der 'kei anbetrifft, beschloß die Reparationskom­mission, diese Frage einem Schiedsgericht zu unterwerfen Die Reparationskommigion setzte ferner eine gewisse Anzahl fron S ach liefe- tungen fest, die Deutschland ausfuhren soll, namentlich von Pflastersteinlieferunaen an Frank­reich und die Lieferung von Apparaten an Italien.

Die französisch-bclg's hen Pläne.

Paris, 16. April. (Wolff.) Aeber die neuern vormittag abgebalte^e Besprechung zwi-

herabgedrückt werden könnten.

Die neue Teuerungsaktton unterscheidet sich also nur in der äußeren Aufmachung, nicht in ihrem inneren Wesen von den bisherigen Aufbesserungen der Gehälter und Löhne. Man hat das Gefühl, als wolle die Regierung den Preismarkt überlisten, was ein ebenso bedenk- ucheS und undankbares Geschäft ist, wie die Qiatur zu meistern. Die Lohnsteigerung wei­ter Kreise von Arbeitnehmern hatte noch je­desmal ein ruckweises Hinaufschnellen der Wa­renpreise zur Folge. Wie soll nun der Gefahr einer neuen Teuerung begegnet werden? D'e Regierung hat, nachdem es ihr mit HUfe der Stützungsaktton" der Reichsbank gelungen war, den Dvllarkurs von seinem Höchststände um reichlich die Hälfte herabzudrücken, in einer Anzahl öffentlicher Kundgebungen sehr ener­gisch und nachdrücklich die Anpassung der Warenpreise an den gesteigerten valutarischen Wert der Mark, also denPreisabbau", ge­fordert. Diese Forderung war vor allem eine politische. Denn der Hauptgrund, der die Re­gierung zur Stützungsaktion veranlaßte, war die Besorgnis vor einer ungünstigen Beein­flussung der Stimmung der Massen durch die beängstigend fortschreitende Teuerung, mit der die Löhne nicht entfernt Schritt halten konn­ten, und vor einer Gefährdung der Nachhaltig­keit und des schließlichen Erfolges des Ad- wehrkampfeS im Ruhrgebiet durch solchen Stimmungsumschwung. Erst in zweiter Linie war die Stützungsaktion dazu bestimmt, die Finanzierung lebenswichtiger Vorraisimpvrte von Nahrungsmitteln und Industriestoffen zu erleichtern. Die amtlichen Mahnungen und Drohungen an die Warenbesitzer und Waren- verkäufer riefen beim Publikum hochgespannte Erwartungen eines radikalen Preisabbaus hervor; sie erweckten bei der Masse der Verbraucher die Aeberzeugung, daß die Wei­gerung des Fabrikanten oder Händlers, seine Preise sehr erheblich zu ermäßigen, Aus­fluß einer unstatthaften Gewinnsucht sei. Aus dieser Einstellung erwuchs eine zunehmende Erbitterung, die jeden Widerstand gegen eine Senkung des Preisniveaus, er sei nun wirt­schaftlich berechtigt oder nicht, als bösen Wil­len brandmarkte. Die amtliche Entladung die­ses allgemeinen Anwillens zeigte sich in einem verschärften Feldzug gegen den Wucher. Zum ersten Male veröffentlichen die Behör­den jetzt ihre Ergebnisse. Da die Mühlen der irdischen Justiz zur Zeit sehr langsam mah­len, sind die Polizeistellen außer mit Straf­anzeigen auch eifrig mit Handelsuntersagun­gen vorgegangen: Im Januar 1923 wurden im ganzen Reiche 6730 Wucherfälle an die Staatsanwaltschaften abgegeben und 130 Han- delSuntersagungen ausgesprochen. Im Fe­bruar: 9804 Anzeigen und 219 Handelsunter­sagungen. Für März liegen die Ziffern noch nicht vor. St. Bureaukratius braucht Zeit. Bei den Handelsuntersagungen war man bemüht, immer erst Sachverständige zu hören. 2lber wie bei den Anzeigen waren es doch nur Stich­proben, und die Schläge, die man führt, tref­fen meist nur den Einzelhandel, wo der Wucher

Neue Teuerung?

Den Beamten des Deutschen Reichs wer­den jetzt zur Aprilmitte von der Regierung mit Genehmigung des Reichstags drei Viertel und zum 15. Mai ein Viertel ihres gesamten gegenwärtigen Monatseinkommens als außerordentliche Zuwendung an­gewiesen. Die Staatsarbeiter sollen am 18. April und am 11. Mai neben ihrem ge­wöhnlichen Lohn die tarifmäßigen Bezüge für eine Lohnwoche erhalten. Für die Ange­stellten, Ruhegehaltsempfänger und Hinter­bliebenen ist eine entsprechende Regelung vor­gesehen. Diese Zubußen sind eine neue starke Lvhnsteigerung, wenn auch verschleiert; sie be­deuten In der Praxis nichts anderes, als daß die Beamten für April eine Zulage von 75 Prozent und im Mat eine Zuwendung von 25 Prozent der Märzbezüge, insgesamt also für jeden der beiden Monate eine Erhöhung von 50 Prozent mit Vorauszahlung der halben Maizulage im April erhalten. Dabei ist der Abbau der Zulage im Mai zunächst nur vor­läufig in Aussicht genommen. Die RegierungS- vertteter erklärten im Reichstage, daß wei­tere Zufchußzahlungen erfolgen müßten, wenn die Lebenshaltungskosten nichtwesentlich"

_ 19)83

Vereii«lia,e

Porttag EU? j^Sivirun__.

'Siebener UW von 1922.

Die

Offenburg. 17. April. (WTD.) Dec Sta- ttonsvorstand vorn Offenburger Rangierbahnhof, Kleiber, Eisenbahninspektor Gall, und der Amts­gehilfe Dorho, die ttn Derwaltungsgebiet des Rangierbahnhvss Offenburg wohnen, müssen ihre Dien st Wohnungen innerhalb von 4 8 Stunden r'Üumen, weil in dem Bahnhof Sabotageakte vorgekommen sein sollen. Wenn wirt­lich Beschädigungen entstanden sind, dann dürsten sie nur auf die Ankenntnis der Franzosen selbst in der Handhabung der Einrichtungen zuruckzu- ^Sra^furt a. M.. H. April. <WTD.> Di° Franzosen fuhren heute nachmittag einen Sonder­zug an der Grenze des besetzten Gebiets bei Griesheim a.M.an, der 1 1 1 Ausaewiesen r der Sttecken der Reichseisenbahndirektionen Mainz und Frankfurt enthielten. Außerdem sind 4 9 Eisenbahnbeamte und -arbeitet der rechten Rheinstrecke ausgewiesen worden.

In Bonn sttzi Gefängnis befmbai sich in Haft der Bahnhofsvorsteher Dender von Castellen- Stolzenfels und die Eisenbahnbediensteten An­dreas Groh und Iosef Ecker aus Rhens. Der Grunb der Verhaftung ist unbekannt.

Ludwigshafen, 17. April. (WTD.) Die Ausweisungen von Eisenbahnpersonal aus der Pfalz gehen weiter. Dis 16. ds. Mts. wurden insgesamt 283 Eisenbahner ausge- wiesen. Auch neue Gewaltakte über Woh­nungsverweisungen und dergleichen werden aus den verschiedensten Städten gemeldet.

Androhung lebenslänglicher Zwangsarbeit.

Bochum, 17. April. (Wolffs Der frnw* mandierende General veröffentlicht durch Maueranschlag eine Verordnung Nr. 25 vom 20. März, in der eS heißt, daß mit l e b e n S - länglicher Zwangsarbeit oder mit Zwangsarbeit nicht unter 10 Jahren oder le­benslänglicher Gefangenschaft bestraft wird, wer in den besetzten Teilen des Ruhrgebiets irgendwie den Post-, Telegraphen - oder Fernsprechdien st durch Zerstörung unterbricht und infolgedessen die Sicher­heit und den Anterhalt der Besatzungstrup­pen oder die öffentliche Ordnung gefährdet. Liegen mildernde Amstände vor, so kann auf Gefängnisstrafe bis zu fünf Jahren und eine Geldstrafe bis zu 10 Millionen Mark oder auf eine von beiden Sttafen erkannt werden. Die Sttafen, die auf Über 5 Z.ahre Zwangs­arbeit oder Gefängnis lauten, können in der Strafanstalt desjenigen Staates verbüßt wer­den, dem das urteilfällende Gericht angehört.

gar nicht sitzt.

Im übrigen ist es so, wie schon der sttett- bare Martin Luther gegen die Wucherer und Schieber wetterte:Kleine Diebe liegen in Stöcken gefangen, große Diebe gehn in Gold und Seide prangen." Dem Kampf gegen den Wucher in der Produktion und im Großhan­del sind die Behörden nicht gewachsen. And dort zu unterscheiden zwischen wirklichem Wucher und berechtigtem Verharren auf dem bisherigen oder gar auf wieder erhöhtem Preis, dazu gehört eine Sachkunde und ein Deamtenapparat, die eben nicht vorhanden find und auch so schnell nicht geschaffen wer-

Saarlandssraqen und die Genfer Völkerbnndstagung.

Genf, 17. April. (Wolff.) Zu der Volker - bundsiagung, die eine Reihe wichtiger saar­ländischer Angelegenheiten zu behan­deln hat, ist hier eine Abordnung fron Mitgliedern des Landesrats im Saargebiet eingetroffen, die sich aus folgenden Herren zusarnrnenseht: Dr. Sen­der, Vorsitzender der sozialdernolra ischen Fraktion, Levacher, Vorsitzender der Zentrumsfraktion, und Röchling und Vopelius fron der Liberalen Partei. Die Abordnung vertritt gleichzeitig die Demokra­tische Partei, so daß mit Ausnahme der Kommu­nisten durch die Abordnungen alle politischen Par­teien im Saargebiet zur Sprache kommen. Auher- dem befindet sich der Chefredakteur derSaar­brücker Zeitung", Eckler, als Vorsitzender des Saor- pressevereins in Genf, um gegen die Unterdrückung der saarländischen Presse durch die Notverordnung der Regierungskommission Einspruch zu erheben. Neben der Frage der Notverordnung will die Ab­ordnung vor allem die Frage des Nachfolgers für das bisherige saarländische Mitglied der Regie­rungskommission, Dr. H e k t o r, zur Sprache brin­gen sowie gegen die Haltung der Regierungskom­mission im Dergarbellerstreik und gegen die völlig ungerechtfertigte Verdoppelung Der französischen Armee aus Anlaß des Streiks protestieren.

Genf, 17. April. (WTD.) Der Völker­bundsrat eröffnete heute seine 24. Tagung unter dem Vorsitz des englischen Vertreters Ward. Belgien ist durch Hymans, China durch $fang Tsai Fu, Brasilien durch da Gama, Spanien durch Qvinones de Econ, 304x111 durch Adacti und Aruguay durch Guani vertreten Hannvteau? (Frankreich), Salandra (Italien) und Branting (Schweden) werden erst in einigen Tagen erwartet. Bis dahin nehmen an ihrer Stelle Gou, Garbasso und Anden an den Be­ratungen teil. Adacti widmete zu Degmn der Sitzung dem verstorbenen brasilianischen Mitglied im Ständigen Internationalen Gerichtshof Ba- bosa einen Nachruf. Der Rat erledigte dann tn geheimer Beratung verschiedene Verwaltungs- fragen, darunter die Ernennung einzelner Kom­missionsmitglieder.

Steuerungen im Grenzverkehr.

fbb Frankfurt a. M., 17. April. Der leitende' Ausschuß des Zollwesens in K 0 b l e n z 'hat folgende Anordnung erlassen:

1 Vorübergehende Ausreise in das un­besetzte Deutschland. Der Verkehr mit Auto- mcbiten, Motorrädern und Fahrrädern zwischen dem besetzten und unbesetzten Deutschland ist einer besonderen Erlaubnis unterworfen, die von dem zuständigen Delegierten des leitenden Ausschusses des Zvllwesens erteilt wird. Die Erteilung der Gilaubnis erfolgt nach Prüfung gegen Hinter­legung einer Taxe vvnlOPrvzentdes Wertes oder gegen Eichevheitsleistung in Höhe dieser Taxe nach den maßgebenden Bestimmungen. Den in Frage kommenden Personen wird ein drei Monate gültiger Passierschein ausgestellt

2. Bcrübergehende Einreise in das besetzte Gebiet Personen ai7s dem unbesetzten Deutschs land können mit Automobilen, Motoi-rädem und Fahrrädern in das besetzte Geriet einreifen, ohne daß eine Abgabe zu entrich'en ist. Die Em- reisenden müssen sich jedesmal bei dem Betreten pes besetzten Gebietes durch den bienfttuenoen Zollbeamten einen Erlaubnisschein, der die D schreibung des Fahrzeuges enthalt, ausstellen lassen. Beim Verlassen des besetzten Gebietes wird fron dem diensttuenden Posten der fragliche Erlaubnisschein wieder eince.ogen, und die Rei­senden können, ohne eine Abgabe entrichtet zu hnben, in das unbesetzte Deutschland zuruckkehren.

Die Verkchrslage im Ruhrgebiet.

Berlin, 17. April. Aeber die Ver­kehrslage im Ruhrgebiet berichten die Blätter, daß von den 206 Bahnhöfen des Ruhrreviers 170 von den Einbruchstruppen besetzt sind. Auf 60 dieser besetzten Bahnhöfe ruht der deutsche Dettieb vollständig.

Mittw°ch l 18-

schen P 0 incar 6 und den französischen Mitgliedern des K 0 m i tee s, das fron der fran- zößsch-belgifchen Konferenz Ende voriger Woche zum Studium des französisch-belgi­schen Reparationsplanes eingesetzt wor­den war, Darthou, Mauclon, Peretti und Sey° dour, berichtet Havas halbamtlich, man habe die Grundlagen für die demnächsttgen Studien über den französisch-belgischen Plan besprochen. Es habe den Anschein, daß eine Verständigung zwischen Paris und Brüssel leicht zu erzielen sein werde. Dieser Plan werde den durch das alliierte Zahlungsstatut vom 5. Mai 1921 geschaffenen Rahmen wahrscheinlich nicht überschreiten. Deutsch­land werde die Dons A und B in Höhe von 50 Milliarden Goldmark zu begleichen haben, von denen 52 Prozent gleich 26 Milliarden an Frank­reich. 8 Prozent gleich 4 Milliarden an Belgien, 22 Prozent an Großbritannien, 10 Prozent an Italien fielen. Die Dons C sollen nicht aus­gegeben werden, sondern zur Kompensation der alliierten Schulden dienen. Nach den Destimmun- gen des Zahlungsstatuts vom 5. Mai 1921 stehe Deutschland für die Bezahlung eine Höchstfrist fron etwa 35 Iahren zur Verstigung. wobei es jährlich annähernd anderthalb M.lliarcen zu zahlen habe Da sich aber die Räumung des Ruhrge­bets im Verhältnis zu bei deutschen Zahlungen vollziehen solle, werde Deutschland ein Interesse daran haben, sich so rasch wie möglich und ins­besondere auch durch b'e I i iatioe zu einer inter- natio .alen Anleihe seine Verpflichtungen zu ent­ledigen.

Erster Blatt 175. Jahrgang Mittwoch, 18. April 1923

GietzeilerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen