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Nr. 41

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Erster Blatt

175. Jahrgang

Sainttag, 17. Zebrnar 1925

GiehenerAnzeiger

General-Anzeiger für Gberhessen

Vrvck mid Verlag: vrühl'sche Univerfitätr-Vuch- und Zteiudruckerei H. Lange in Gießen. Schriftlettung und SeschSftrsteSe: Zchulstraße 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bi» zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigeno. 27 mm Breite örtlich 50 Mk., auswärts 70 Mk.; für Reklame. Anzeigen von 70 mm Breite 240 MK.Bei Platz- Vorschrift 20 °/e Aufschlag. Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil: Hans Berk, sämtlich in Giehen.

Wochenrückblick.

Der Kampf im Westen nimmt an Schärfe zu, aber der mutige Widerstand der deutschen Bevölkerung schreitet fast rüstiger voran als die neuen Pläne der Pariser Ge- tvaltmenschen. Diese haben als großen dritten Schlag gegen die Reichseinheit jene Wirt­schaftsblockade eingeführt, die mit Schlagbäu­men auf den deutschen Landstraßen den Ver­kehr hemmt und zerrüttet, die Eisenbahnen re­gional zur Einstellung des Betriebes zwingt aber im Grunde bleibt die Durchführung derSanktionen" stecken in einem unglaub­lichen und abscheulichen Morast von Roheiten und Schandlichkeiten gegenüber Wehrlosen und pflichttreuen Menschen. Es wird in der verwirrenden Menge dieser Barbareien nie vergessen werden, wie unsre braven Schutz­polizeibeamten nach heldenmütigem Verhal­ten die Torturen der fremden Bedrücker hin- nehmen muhten. Die Schmach von Gelsen­kirchen wird bei den kommenden Geschlechtern abschreckend fvrÜeben. Weil deutsche Beamte im nächtlichen Dienste ihren Vorschriften ge­horchten, französische Gendarmen nicht unge­straft einen Menschen niederknallen konnten, darum muhten in Gelsenkirchen jene Massen- verhaftungen, Mißhandlungen und Zerstörun­gen stattfinden, die schlimmer als die übelsten Kriegsgreuel wirken! Wie erhebend ist es dar­um, wenn wir lesen, daß die deutschen Be­wohner in den geknechteten Gebieten diese Männer beim Gang in die Gefängnisse ehr­furchtsvoll mit Hutabnehmen grüßen, um gleichsam damit auch darzutun, was ein deut­scher Gruß in solcher Fremdherrschaft gilt und bedeutet! And so wird es uns auch warm ums Herz, wenn die Essener Bevölkerung ge­schlossen durchhält in ihrem Bohkvttbeschluh, wenn den Fremdlingen die Bedienung in den Geschäften und Gastwirtschaften und über­haupt jede Behandlung als Gäste strikte ver­weigert wird, obgleich sie mit der Reitpeitsche dreinschlagen, Plünderungen und Zerstörun­gen durchführen. Der Rütlischwur im Essener Stadttheater, ob er schon von Panzerwagen und militärischem Alarm bedroht wurde, pflanzt sich fort durch die westfälische und rheinische Bevölkerung. Hoch und niedrig wetteifern in der Verachtung und Abweisung der Tyrannei. Die Gelöbnisse der Gewerk­schaften werden erneuert, und der Reichskvm- missar im besetzten Gebiet weist die an ihn gerichteten Zumutungen mit der deutlichen Ge­bärde aufrechten Stolzes zurück.

Auch diesseits des Rheines schlägt der Puls des deutschen Nationalgefühls kraft­voller. '.^er Reichspräsident hat in den süddeutschen Hauptstädten und in Darmstadt kernhafte nnd hocherfteuliche Worte der Auf­richtung gesprochen. Wir wollen auch nicht da­mit zurückhalten, daß uns das tapfere Gelöb­nis des Pt äsidenten Ulrich außerordentlich sympathisch berührt hat und daß wir ihm unsere Hochachtung zollen möchten für seine schneidige Kundgebung. Wollen die Franzosen, wie es in einer noch unverbürgten Meldung heißt, Darmstadt wirklich gleichfalls be­setzen, so werden sie ihre Stellung nur schwä­chen, statt sie zu fertigen oder zu verbessern. Wenn sie nicht die russische Taktik des Rück­zuges vor der großen Armee wieder erleben, so finden sie doch bei jedem Schritte vorwärts die versengende Glut des ihnen entgegenge­stemmten Hochgefühls und Willens der Ver­teidigung und Befreiung.

Reichsregierung und Reichstag tun ebenfalls ihr Bestes. Es liegt in der Natur des deutschen Parlaments, daß seine etwas nüchternen und leider noch immer etwas streit- lüsternen Sitzungen der letzten Tage in der Oeffentlichkeit, oder gar über die Grenzen des Reiches hinaus, keine sehr starke Wirkung aus- übten. Das Reichskabinett steckt in einer Fülle intensiver, innerer Arbeit. Gleichwohl ist es gut, wenn aus der Volksmasse heraus der Ansporn ertönt, noch mehr als bisher die Auswüchse der Teuerung, der Preisbildung, zu bekämpfen. Cs war uns ein verständliches Symptom, daß dieser Tage die Fuldaer Kreisgruppe der Deutschen Volkspartei in einer Hauptversammlung ver­schärfte Gesetze gegen Wucher und Schiebun­gen verlangte und ihre Ungeduld über die Verzögerung durchgreifender Maßnahmen zum Ausdruck brachte. Der sinkende Dollar, die steigende Mark teils durch wachsendes Vertrauen auf das deutsche Durchhalten, teils durch den geringeren Gebrauch von Devisen infolge der Einstellung jeglicher Reparations­leistungen hervorgerufen wirft die bren­nenden Fragen auf, wie der günstigere Kurs des nationalen Kredits und der wirtschaftlichen Besserung durch praktische Mittel genährt und gefördert werden könnte. Möchte die Regie­rung in diesen Dingen recht bald eine spürbare und wohltuende Initiative ergreifen!

3m Auslande ist der Widerhall der Schrecknisse unseres Westens noch recht unbe­

friedigend. Naturgemäß interessieren uns vor allem London und Washington. Einige wackere Senatoren unter dem Sternenbanner haben die Methoden Poincares heftiger angegriffen als die von kühler Zweckmäßigkeit lispelnden engl. Zungen es taten. Das britische Moralemp­finden läßt sich nur fortreißen, wenn der Mo­tor des Egoismus das Schwungrad beherrscht. Die Exzesse der Reitpeitschen und Bajonette ließen die Zeitungen und die Parlamentarier kalt. Sie fabrizierten nur ihr behutsames Ab­raten, ihre skepttschen Sprüche und wohlmei­nenden Warnungen. Von redlichem Mitgefühl für die deutschen Leiden war nicht viel zu finden. So haben denn auch Bonar Law und Lord Curzon, die gegenwärtigen Be­herrscher der auswärtigen Politik Großbritan­niens, im Unterhause und Oberhause nur wieder die Fahne geduldigen Abwartens und phlegmatischer Mäßigkeit gehißt. Hilfe wird uns nicht versprochen. Die englische Politik wartet noch auf eine Gelegenheit zum Einschreiten, oder besser, zu einer Vermittlung. Sie denkt wohl in sanfter Anlehnung an amerikanische Anregungen dem Kurs des Zwanges eine andere Richtung zu geben. Vorläufig zollt man den Alliierten an der Seine noch Proben von Wohlwollen und Neutralität, einzynisches Ver­zeihen" wie ein Arbeiterführer sich ausdrückte untermischt freilich mit kritischen Vorhaltungen und sogar gewissen Drohungen. Donar Law leuchtete dem Alli­ierten ins furchtsame Herz, in sein Ziel und Motiv des Niederreißens deutscher Aufwärts­entwicklung. Die Frage der Zurückberufung der englischen Truppen aus der Kölner Zone sei noch nicht akut, aber sie werde es vielleicht bald werden, und dann bedeute sie in wei­tem Maße das Ende der Entente. Der fran­zösische Minister LeTrocquer.der gegen­wärtig in London die englische Zustimmung zur Ausführung der Wirtschaftsblockade und der Kohlenttansporte nach Westen auch für den Kölner Bereich durchzusetzen sucht, wird vielleicht einen Wink bekommen, in orienta­lischer Münze etwas zu bieten. Auf England ist kein Vertrauen. Auch der Völkerbund, den die Linke des englischen Parlaments, sowie Lord Grey als Retter in der Not ansehen möchten, wird kaum den rechten Ausweg wissen. Am ehesten wird vielleicht der fallende Franken das gegenwärtige Pariser Regime umreihen, denn in der französischen Presse sind bereits lebhafte Klagen über Steigerung der Preise zu vernehmen. Ze fester das deutsche Vertrauen, die deutsche Geschlossen­heit für unbeugsames Durchhalten des harten Kamvfes sich einsetzen, je länger der tapfere Abwehrkampf erfolgreich dauert, desto tiefer und bedrohlicher wird die Stimmung der Franzosen sinken, desto schneller das Ende ihrer heutigen Machthaber herannahen...

Die Forsetzung der Aussprache im Unterhaus.

London, 17. Febr. (WTD) Unter­haus. 3n der Aussprache über die Abande- rungsanträge ergriff gestern der S ch a h k a n z- ler Baldwin nach der Rede von Ramsay Macdonald das Wort und sagte, der Punkt, der aus der Rede Macdonalds hervorgeragt habe, sei, daß nach dessen Ansicht England unverzüg­lich mit Frankreich brechen müsse, wah­rend es die Ansicht der Regierung sei, daß letzt kein günstiger Augenblick dafür wäre. (Zwischenruf: Oh! Oh!) Macdonald schiene zu denken, daß es für England leicht wäre, mit allen Angelegenheiten Europas und der Wett fertig zu werden. England wünscbe den Frieden und eine Regelung aller europäischen Angelegen­heiten.- Die Regierung sei der Ansicht, daß dieses Ziel eher von Großbritannien erreicht werden könne, wenn es die Freundschaft mit den fran­zösischen Alliierten aufrechterhalte in der Hoff­nung und in dem Glauben, daß die Zeit kommen könne, wo die Dienste Englands als Vermittler und Helfer möglich und wirksam sein kömiten. Jedermann erkenne, wie furchtbar die Kata­strophe sei, die über Europa hereingebrochen sei, aber wenige seien in der Lage gewesen, ein Heilmittel vvrzuschlagen, nicht einmal Lloyd George. Es sei möglich, daß Eng­land für einige Zeck die europäischen Markte verliere. Dies würde zu seinem Schaden fein. Es würde jedoch den Gipfel der Torheit bedeuten, wenn Leute, die für die Regierung des Landes verantwortlich seien, nicht alles täten, was m ihrer Gewalt liege, um den englischen Handel mit den Märkten außerhalb Europas zu ver­mehren. Wenn die Lage Europas für viele Jahre schlecht bleiben sollte, so würde, wie er glaube, England durch seine Beziehungen außerhalb des Reiches das erste Land sein, das durch feinen Handel auf eine feste Grundlage komme. Die Re­gierung strebe mit aller Macht nach dem 2fneoen. Er glaube, daß ihre Bemühungen noch erfolg­reich sein könnten.

Bonar Law erwiderte auf eine Anfrage Idem Liberalen Denn, ob er den britischen Ver­treter im Völkerbund anweisen werde, die Frage einer Revision des Verstiller Vertrages aufzuwerfen, er glaube mcht, dav

Eine Rede des Reichskanzlers vor der deutschen Landwirtschaft.

D e r l i n, 16. Febr. (WTD.) In der heutigen 52. Plenarversammlung der deuts chen Land­wirtschaft ergriff der Reichskanzler das Wort zu folgenden Ausführungen:

Gern nehme ich eine alte älebung wieder auf, indem ich hier in Ihrem Kreise bei der Tagung der Vertreter der oeutschen Landwirtschaft Sie namens der Reichsregierung herzlich willkommen heiße. Diese Tagung fällt in eine Zeit größter und höchster außenpolitischer Spannung. Wieder ein­mal stehen Volk und Vaterland im Kampfe um ihr Dasein. Woher schöpfen wir unsere Kraft? Wir schöpfen sie aus dem reinen Gewissen, das wir vor unserin Volke und vor der Welt haben. Wir schöpfen sie aus der inneren äleberzeugung, daß nichts unterlassen worden ist in der Vergangen­heit, bevor der Einbruch erfolgte, daß uns etwa ein Mangel an Leistungswillen nachgesagt wer­den könnte. Wir schöpfen sie aus dem Bewußtsein, daß auch diese Politik, die nach dem Einbruch eingeschlagen worden ist, die Politik maß­voller Besonnenheit ist, auf die sich alle Kräfte des Vaterlandes, alle Schichten des Volkes ohne Unterschied der Partei und der Klasse, der sie angehören, vereinigen müssen, wenn anders sie noch ein Vaterland sich erhalten wollen. (Bravo.) Wir schöpfen sie aus der einmütigen Zusammen­fassung aller Kräfte, wie sie sich uns in der ge­meinsamen Abwehr an der Ruhr darstellen. *

Unb welches sind unsere Waffen, welches sind unsere Abwehrmittel? Richt Wehr und Waffen, aber etwas noch Wirksameres, näm­lich das einfache und natürliche und im Herzen jedes Deutschen jetzt wieder entfachte Mittel der Versagung jeder Mithilfe für den Feind der passiven Abwehr, über die keine Macht der Welt triumphieren kann, well sie von keiner Macht erreichbar ist, weil sie in dem Willen, in dem Herzen ruht unb nicht außgerottet werden kann, wenn wir weiter zusammentxrlten. (Bravo!) Diese Waffen, die wir haben, sollen von dem ganzen Volk angewen­det werden. Zeder Einzelne sollte heute nicht be­wertet werden nach der Partei, der er angehört, nach der Weltauffassung, die er hat, niemand dürste sich heute brüsten, mehr oder weniger vater­ländisch gesinnt y.i sein, sondern das einzige Maß für den Wert des Deutschen besteht darin, inwie­weit er in der Festigkeit seines Willens und in seiner Arbeit dazu beiträgt, daß diese Abwehr- front an der Ruhr aufrechterhalten unb auf dem geraden Wege erhalten wird, den die heutige Lage vorschreibt. (Bravo!)

Damit das geschehen kann, muß vor allem die Ernährung gesichert sein. Ich bin dem Herrn Präsidenten dankbar, der zum Ausdruck ge­bracht hat, daß es an tec höchsten Zeit ist, alles, was an Umlage noch im Lande ist, mit größter Beschleunigung hereinzubringen Ich weih, daß Sie mit mir darin einig sind, daß nicht mit Le­bensrnitteln und mit Brot spekuliert werden darf, sondern daß alles darangeseht werden muß, da­mit man dem Volke zu Preisen, diegezahlt werden können, das Brot zusührt. Ich richte diese Mahnung aber nicht etwa an Sie allein,

ich richte diese Mahnung an alle Erwerbs- stände im Staate, aber auch im besetzten und vergewaltigten Gebiet, da leider Gottes Wucher unb Spekulation auf diesem Boden ihr Haupt er­heben. Ich warne davor:

denn jeder, der mit Brot und Nah­rungsmitteln Wucher treibt, ift ein

Verräter am Vaterland. (Sehr wahr!)

Sie haben, meine Damen und Herren, durch die Spenden, die Sie in reichem Maße den Kämp­fern an der Ruhr Angeführt haben, zugleich ge­zeigt, daß Sie willens sind, sich nicht mir mit Ihrer Arbeit, sondern auch mit Ihrer Opfer- Willigkeit in ben Dienst bet Abwehr zu stellen. Ich danke Ihnen dafür namens der Reichs re gierung aufrichtig. Ich bitte Sie aber, nicht zu vergessen, daß der Kampf auf lange Zei t einge­stellt fein muh, daß wir uns nicht verrechnen hülfen unb die Nerven unb bie Arbeitskraft des Volkes an der Ruhr uns erhalten müssen. Lieber auf längere Zeit als es nötig ist, als auch nur eine Stunde zu wenig. (Sehr wahr!) Wir muffen uns klar darüber fein, daß biefe Abwehrfront nur erhalten werden kann, wenn die Vereinfach­ung der Lebenshaltung alle Kreise ergreift. Lassen wir uns nicht als praktische Männer, die wir sind, betören und berauschen wir uns nicht an feierlichen Protesten, wenn sie noch so sehr in Wort und Schrift die 2<ebe zum Vaterland nach außen hin kundtun. Tun wir es lieber dadurch daß wir den ganzen Ernst der Lage uns vor Augen halten. Wirgehen Zei­ten entgegen, die schwerer find als alle bisherigen gewesen sind. (Sehr wahr!) Wir müssen und Sie müssen ganz be­sonders durch Ihre Einwirkung auf die Ihnen nahestehenden Vollskveise dazu beitragen die Vvlkskreise nicht nur auf eine lange Dauer vvr- zubeveiten, fonbern auch auf einen sehr ernsten und bis in alle Kreise des Volkes häneinreichen­den Abwehrkampf, der jedem aus dem Dolle Opfer über Opfer auferlegen wird, wenn er gelingen soll

Wir werden in der Regierung in vollem Ein­vernehmen mit ben Regierungen der Länder den geraben Weg, der eingeschlagen worden ist, nicht verlassen. (Bravo!) Wir werden die Nerven nicht verlieren und Weber nach rechts noch nach links abweichen, sondern unsere gerabe, wenn auch sehr dornige Strohe gehen. (BravoI) Daraus können Sie sich verlassen. Der Weg zu unserem Ziele ist lang und mühevoll. Wann wir es erreichen, weiß heute niemand. Das eine aber weih ich: daß wir, so lange die Einheit des Volles uns erhalten bleibt, so lange die Zusammenfassung aller Kräfte in dem passiven Abwehrwillen an der Ruhr und in jedem von uns ftch betätigt, nicht überwunden werde n können. (Bravo!) Das Ende des Kampfes entscheidet über Freiheit oder Unfreiheit des deutschen Volles, über Frei­heit ober Sklaverei des deutschen Volkes. Indem Sie das deutsche Land bestellen und alles aus dem Boden herauszuholen suchen, was möglich ist, und es dem beutfdxm Volle zusühren, stellen Sie. meine Herren, als Vertreter Der Landwirtschaft sich an die Front des Abwehrkampfes an der Ruhr. (Lebhafter Beifall.)

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irgendein Vorteil aus dem vorgeschlagenen Ver­fahren entstehen würde. Auf verschiedene An­fragen, ob von der französischen Regierung irgendein Ersuchen gestellt wurde, einen lleinen Teil des von England besetzten Ge­bietes der französischen Besatzung abzutreten, um die Wegschaffung der Ruhrkohle und ben Durchgang der französischen Truppen zu erleich­tern, erwiberte der Premierminister: Die fran­zösische Regierung stellle kein derartiges Ersuchen.

London, 16. Febr. (WTB.) Im Unter- Haus erflärte Lord Percy zu dem Vorschläge, den Völkerbund mit der Regelung der ge­nannten Reparationsfragen zu betrauen, fast alle unb die schlimmsten Fehler der auswärtigen Poli­tik seien begangen worden durch die Versuche, Rat da zu erteilen, wo erkannt wurde, daß Rat nicht gewünscht werde. Die Regierung dürfe nicht er- sucht werden, von ihrer wachsainen Haltung ab» zugehen. _

Lord Caverdien Dentcck entarte: Der Streit zwischen Frankreick unb Deutschlanb muh im Interesse der englischen Arbeiterklasse aus dem Wege geräumt werden. Die Jagd nach Schätzen, auf die sich Lloyd George be­geben habe, als er nach Versailles gegangen fei, habe England nichts gebracht als Arbeitslosigkeit und wirtschaftliche Verluste. Die gesamten Fragen müßten dem Völkerbund überwiesen werden.

Das Mitglied der Arbeiterpartei. Lee- Smith eiflärtc, die Politiker, die gegen dte phantastischen Forderungen des Jahres 1918 an- gekämpft hätten, seien gerechtfertigt worden. Die gesamte Politik unb bie Haltung der britischen Regierung gegenüber Frankreich sei v e r w e r f - I i ch Sie bedeute unter anberem das zynische Verzeihen einer Aktion, die durch gesetzmäßige Gründe nicht gerechtfertigt sei. Er könne nichts im Friedensvertrag sehen, was einer einzelnen Macht gestatte, ohne Zustimmung ihrer Alliierten jeder­zeit in L^utschland einzumarschieren, wenn ihr dies für gut erscheine. Schließlich trat Smith für eine umfassende Revision der Friedensverträge ein.

Das unionistifche Parlamentsmitglied Wise erflärte, augenblicklich sei es unmöglich, von Deutschland Reparationen zu erlangen, aber wenn es zu einer Regelung komme, so müsse man die Sicherheit haben, daß Deutschland ein fk£rfer Strick um den Hals gelegt werde. Man müsse dafür sorgen, daß die Alliier­

ten Deutschland gegenüber in angemessener Weise konkurrieren könnten.

Das MitgliÄ) der Arbeiterpartei Treve- lyen sagte, er glaube, es würde ebenso wie in England in der ganzen Welt starken Widerhall finden, wenn Großbritannien erflärte, daß die Zeit für die Revision des Versailler Vertrags durch die Nationen der Welt ge­kommen sei. So stark könne der Widerhall fein, daß die Franzosen vielleicht beginnen würden, zu fühlen, daß sie nicht in vollem Maße die Ansicht der Welt unbeachtet lassen können. Jeder Dor- fdtfag für eine Revision müsse begleitet fein von einem Sicherhsitsangebot für Frankreich. Der Friedensvertrag biete Frankreich falsche Arten von Sicherheiten.

Eine Abstimmung.

London, 17. Febr. (WTD.) Irn Unter- Hause wurde der Abänderungsantvag zur Ant­wort auf bie Thronrede, in der der auswä rt i - gen Politik der Regierung die Schuld an der Arbeitslosigkeit in England zuge­schrieben wird, mit277gegen 1 80 Stim­men abgelehnt, also mit einer Regierungs­mehrheit von 97 Stimmen.

Die Verkehrslage.

Frankfurt a. M, 16. Febr. (Wolff.! Heber die Berkehrslage wird uns berichtet: In Siershahn werden Wagen nach dem unbesetzten Gebiet nur mit Ausfuhrgenehmi­gung durchgelasfen. In Henne lassen die Franzosen nur noch Heu, Sttoh, Steine und Brennholz nach dem unbesetzten Gebiet lau­fen. Der Eilgüterzug 6174 Köln- Gießen wurde beschlagnahmt. In Diez ist die Revision des Gepäcks einge­führt worden. ,

Im Bezirk Mainz ist die Lage im wesentlichen unverändert. Die Franzosen ver­suchen, auf den von ihnen bettiebenen Sttecken sich weiter einzurichten, und greifen dabei zu den rücksichtslosesten Mitteln. Den in den Sta­tionsgebäuden wohnenden Dienstvvrstehern der Sttecken Worms-Mainz und MainzKo-