Nr. 139
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Samstag, 16. Zuni 1923
173. Jahrgang
Erster Blatt
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GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Wochenrückblick.
Ein englisches Blatt hatte angeregt, ob die deutsche Regierung nicht zur Beilegung der Schwierigkeiten einen Unterschied machen wolle zwischen passivem Widerstand und gewaltsamen Störungen der französisch-belgischen Bemühungen, und ob das Kabinett Euno nicht demgemäß einer Erklärung zuneige, daß es von den Sabotagehaten abrücke. Das Wolff-Bureau vermerkt dazu, die deutsche Regierung habe schon mehrfach zum Ausdruck gebracht, das) sie Gewalttätigkeiten irgendwelcher Art im besetzten Gebiete nicht billige, sondern für unzweckmäßig halte.
Die englischen Ratschläge haben mit dem deutschen Empfinden wenig Herze nSgemein- schast. Wir hören ja zwar jetzt die neutralen Flötentöne der Londoner Presse alltäglich, und wir glauben eS gern, daß das Volk des Herrn Baldwin in seiner Gesamtheit dem französischen Wahnsinn ein baldiges Ende wünscht, allein der deutsche Geist ist heute doch wohl durch ein übermächtiges Schicksal von anderen Impulsen durchdrungen als der britische. Wir befürworten keine Propaganda der Gewalt, hallen eS jedoch für unmöglich, daß der Reichskanzler in die Wagschale der Erörterungen um den Ruhrkampf so fragwürdige Beiträge hineinlegt, wie den ihm von der Lon- donerStelle angesonnenen. Der passive Widerstand, der am Rhein und an der Ruhr noch fest und treu Wacht hält, ist kein Kunstgebilde und verträgt keinen diplomatischen Lehrmeister. Er wächst ja nicht auf dem Boden des Friedens, sondern grimmigen Hasses.
Kein Engländer hat noch für die Taten unserer Bedrücker das richtige Wort gefunden, ilnfer Volk ist nicht nur ins Innerste getroffen durch die teuflischen Roheiten der infolge des Versailler DerttageS über unser Land gekommenen „Sieger", nein, eS ist auch erschüttert über die erbärmliche Gleichgültigkeit der Mächte, die früher so große Worte für die heiligen Menschenrechte hatten. Das Kabinett Cuno bot die Unterwerfung unter ein internationales Schiedsgericht an, und die Antwort sind brutalere Abschnürung, in Wort und Tat gesteigerte Gehässigkeiten und schändliche Massenmorde. Ist eS zu verwundern, daß die nächtlichen Ausschreitungen abenteuernder Soldatenhorden öfters zu Mord und Totschlag führen, und wo findet man sich nicht mit dem Anabänderlichen ab, wenn im Taumel der Leidenschaften, im Sumpf der Großstadt, gelegentlich ein Menschenleben verblutet? In Dortmund sind zwei französische Unteroffiziere auf wenig rühmlichem Gange anscheinend der Rache und Eifersucht eines bettogenen Deutschen zum Opfer gefallen. Bor irgendwelcher Klärung der Tat kühlte die französische Besatzung, an der Spitze ihre Offiziere, ihren Mut in der Ermordung schuldloser Deutschen, an deren L e i ch e n sich sodann der Rausch der Horde noch auStobte. And dann müssen die bedauernswerten Bewohner der Stadt nach den Drohungen der Eindringlinge sich angstvoll in chre Häuser verkriechen! Wird gelegentlich ein militarisiertes Schienengeleise zerstört, so schnappt die feindliche Befehlsgewalt zu den krassesten Willkürakten über. Für einen Monat soll jeglicher Verkehr zwischen besetztem und unbesetztem Gebiet verboten werden! Der fünfundzwanzigjährtge Ingenieur Görges, ein vaterlandsliebender Deutscher, der, wie Schlageter, den Eisenbahnbetrieb der Franzosen in unserem Lande gestört haben soll, wird wegen dieses noch gänzlich unerwiesenen „Verbrechens", wie jener, zum Tode verurteilt! And nun sollten Deutsche den vpfermutigen Drang solcher Märtyrer der deutschen Sache gar tadeln oder verfehmen, sollten ihnen nicht vielmehr das heiße Gefühl stolzen Dankes zollen, damit der Geist des Widerstandes in seiner heroischen Vollendung weiter lebe und leuchte? — Roch kein einziger gemeiner Mord ist von Deutschen an den Än- terdrückern begangen worden. Die ruhige Besonnenheit unseres Volkes war nicht anzufechten. And so soll es bleiben, das Bild der deutschen Abwehr, fleckenlos und untadelig! Es liegt fein Anlaß vor, dem Mut zum Widerstand durch unzeitgemäße Mahnungen, über die ber Feind frohlocken und die er für seine Zwecke ausnützen würde, in den Weg zu fallen.
Die vom Schauplatz der entsetzlichen Fremdherrschaft abseits liegenden deutschen Lande können sich das Schauspiel der Rot und Schande, von dem sie täglich lesen, nicht eindringlich genug vor Augen führen. In Hebbels „Moloch" geht der KarchagoS Fall überlebende Priester Hieram ins 'Land unserer germanischen Urväter, um die Rache zu schüren wider die verhaßten und erbarmungslosen Vernichter. Sein vom Dichter wunderbar beleuchtetes Innere gibt und ein erschütterndes Gleichnis. Der Alle weilt wieder unter uns, „Mit Haaren, silberweiß, doch lang und voll, mit Zügen, die der Grimm versteinert
hat". Hinter ihm stehen, in lautlosem Zuge, die schändlich Ermordeten und Mißhandelten, die brutal aus ihrer Heimat Verstoßenen, hinter ihm steht die namenlose Rot der (>egen- wart und, greifbarer und widerwärtiger als der Todfeind des Karthagers, der welsche Mord- und Brandstifter, der in dem Versuch seines Alttmatums wieder einmal Lieb, Ehre, Lugend und Gewissen uns aus der Brust reißen möchte.
Mehr noch als der sagenhafte Alte, der nur starr auf 0träfe und Vergeltung zu sinnen vermag, packt uns, die Aufgabe des Tages erfassend, das von Stuck als Personifikation des passiven Widerstandes gezeichnete Bildnis des jungen Kämpfers der Westmark, der in seinem gespannten Antlitz eine leuchtende Seele offenbart: Anbeugsamen Willen, drohende Entschlußkraft und stolze Verachtung vor der feigen Aebermacht. Dies ist besser als das Plakat der Leidensmiene, dem wir bisher an unseren Anschlagsäulen begegneten. Der Reichskanzler hat Meister Stuck zu seinem werk beglückwünscht und dessen künstlerisches Gelingen als ein Kenner erläutert. Das „Rein", das mit großen Lettern darunter steht, ist nach Pvincares neuesten Kundgebungen das einzig mögliche deutsche Wort. Möge eS auch zur Zurückweisung falscher englischer Augen- blickssttmmung in diesen kritischen Tagen als die bleibende Willensmeinung des deutschen Volkes sich durchsetzen! Die Haltung des Volkes vermag jetzt mehr als noch so kluge Schachzüge der Regierung. Die englisch-französischen Verhandlungen brauchen, besonders auch wegen der belgischen Kabinettskrisis, Zeit, uni) England kann nicht kapitulieren, wenn wir nicht kapllulieren. Die englischen Staatsmänner haben die Reiaung. sich nach den Tatsachen einzurichten. Erhalten wir darum den nationalen Widerstand als eine nicht auszulöschende Tatsache! Wesentliche Fort- schtttte sind bereits erreicht, denn das Ansehen Deutschlands wurde vom Schutt und Schmutz des Krieges schon wesentlich gereinigt, wozu gerade seine moralischen Kräfte des Widerstandes erheblich beigetragen haben, und der Polittk Frankreichs entfallen immer mehr die moralischen Stützen, weil sie aus rücksichtslosen Zerstörungszielen beruht. Das belgische Ministerium Theunis-Iaspar hat zwar nur aus innerpvlitischen Erwägungen seinen Rücktritt genommen, da der von ihm eingeleiteten Flamisierung der Aniversität Gent hinterher parlamentarische Schwierigkeiten erwuchsen. Es ist möglich, daß Herr Theunis auf Grund derselben Mehrheitsverhältnisse das Kabinett von neuem bilden wird, aber immerhin ist es denkbar, daß in das bisherige französischbelgische Einvernehmen ein Moment der Beunruhigung hineingetragen wird. Das Kabinett Poincare hat ebenfalls in der Einstellung des Strafverfahrens gegen die „Hochverräter" Eachin und Genossen durch den zuständigen Untersuchungsrichter eine weitere empfindliche Schlappe erlitten; seine Rechtsanschauunqen sind gänzlich in Mißkredit gekommen. Den Schlüssel zur endlichenAmkehr auf der unmöglichen Bahn der jetzigen Reparationspolitik hält Herr Baldwin in feinen Händen. Seine freundlichen Fragebogen, die er nach Paris verschickt zu haben scheint, kündigen fragwürdige Kompromisse an; es ist indessen von gestern auf heute mancherlei geschehen — darunter die neue Hetzrede Poincaräs in der Kammer und die beweiskräftige deutsche Röte an alle Kulturländer — um Volk und Regierung Englands bei richtiger Besinnung zu erhalten . . .
Eine deutsche Note wegen der zunehmenden französischen
Gewalttätigkeiten.
Berlin, 15.Juni. (WB.) Die deutschen Botschaften in London, Madrid, Rom, Washington und Moskau und die deutschen Gesandt- fdtoftcn im Haag, Bern, Kopenhagen, Christtania, Stockholm, Riga und Warschau wurden beauftragt, den dortigen Regierungen folgende Rote mit Anlage zu überreichen:
Die deutsche Regierung sieht sich neuerlich gezwungen, die Aufm<.aLsamkeit der nicht an der Ruhraktivn beteiligten fremden Regierungen auf die unheilv ollen Gewaltakte zu lenken, mit denen die fro rzösisch-b-.-lgischeu Besahungs- truppen gegen die Bevölkerung des alt- und neubesetzten Gebietes dorgehrn. Die Schritte, die die deutsche Regierung im Geiste aufrichtiger Verhandlungsbereitschaft mit ihrem Angebot vom 2. Mai und tem Memorandum vom 7. Iuni getan hat, um die gegenwärtige Situation zu beenden, h-rben die französische Regierung nicht gehindert, ihrerseits den Terror gegen die Bevölkerung in ben schärfsten Formen fortzusehen. In dieser Hinsicht braucht nur auf folgende Tatsachen h m gewiesen zu werden: Am 26. Mai wurde der Kaufmann Schlageter wegen angeblicher Sabotageakte auf Grund eines Urteils des französischen Kriegsgerichts erschossen, obwohl bei der französischen Regierung dringende Vorstellun
gen erhoben worden waren, die Lage nicht durch Vollstreckung des Arteils weiter zu verschärfen. Am 10. Iuni. abends, wurden in Dortmund anläßlich der unaufgcllärtcn Tötung zweier französischer Militärpersonen sechs Deutsche von einer französisch rn Patrouille auf der Straße aufgegriffen, schwer mißhandelt und ohne jedes Verfahren nieder grschofsen. Wie sich aus der anliegenden z-eugeneidliche'n Aussage ergibt, stand von vornherein außer Zweifel, daß diese Deutschen mit der Erschießung der Franzosen nicht das geringste zu tun hatten. Am 11. Iuni wurde in Recklinghausen der 19jährige Karl Möl- l e r von frcnrzösischrn Solditen erschossen. Am 13. Iuni verurteilte ein französisches Kriegsgericht in Mainz den Landwirtschaftslehrer G o e r g e s wegen angeblicher Sabotageakte zum Tode. Alles dies geschießt zu der gleichen Zeit, da die französische Regierung fordert, daß die Bevölkerung' des all- und neubesetzten Gebiets den passiven Widerstand aufgibt, und von der Erfüllung dieser Forderung den Beginn von Verhandlungen abhängig macht, die allein zur Lösung des gegenwärtiger Konslills führen können. Der Widerspruch in diesem Verhalten liegt offen zutage. Das franzö- siche Vorgehen macht alle Bemühungen der deutschen Regierung, beruhigend auf die Bevöll'e- rung einzuwirken, illusorisch. Es stärkt nicht nur in der Bevölkerung das Gefühl der RoUvendig- keit, gegenüber dem fremden Militarismus den passiven Widerstand aufrechtzuerhalten, sondern beschwört darüber hinaus immer ernster die Gefahr herauf, daß sich die in ihrem innersten Empfinden getroffene Bevölkerung zu verzweife l t e n A n b e s o n n e n he i t e n hinreißen läßt, die in ihren Auswirkungen weit über das besetzte Gebiet hinausgehen. Die deutsche Regierung hat bei den unaufgeklärten Zwisch-erfüllen wiederholt vorgeschlagen, den Sachverhalt durch i n - ternativnaleKommissivrpen untersuchen zu lassen. Die französische Regierung ließ alle derartigen Anträge bisher unbeantwortet. Die deutsche Regierurrg fegt hiergegen und gern die fortgesetzte französische Gewaltpolitik Verwah- r u n g ein und stellt öffenllich fest, daß die D e r - antwortung für deren Folgen allein cm f die französische Regierung fällt.
Die Anlage enthält folgendes Protokoll: Amtsgericht — Gegenwärtig: Amtsrichter H. als Richter, QJ. als Gerichtsschreibrr. 13. Iuni. In der Crmitllungssache gegen Anbekannt ist erschienen Z. aus Dortmund, 31 Fahre alt Derselbe erklärte unter Hinweis auf die Bedeutung des Eides: Am Sonntag, dem 10. Juni kam ich v)n einem Besuch zu Fuß au5 Barop mit meiner Frau und zwei Kindern zwischen A und 10 Ahr abends, die genaue Ahr-eit kann ich nicht sagen, weil meine Ahr stehengeblieben war — nach Dortmund zurück und passierte die Große Hcirnstrahe, die in der Rähe der Kreuzschule, wo die Franzosen untergebracht sind, liegt. Kurz vor der Müllerbrücke erschien eine Schützenlinie von etwa 4 bis 8 Mann, ge.ührt von einem Offizier. Genau kann ich allerdings nich* fügen, daß es sich um einen Offizier handelte. Sie bewegte sich im Lau. schritt durch die in der Großen Heimstraße gefegenen Gärten. Aus der Straß.' selbst bewegte sich eine größere Kolonne von 40 bis 60 französischen Soldaten, die sich im Laufschritt befand. Bon dem Führer der Truppe, welcher an der Spitze der trorgenannten Schüi eniinie stand, wurde ist mit Familie auf Französisch angerufen. Ich vernahm aus biefem Anruf, daß ich stehenbleibrn sollte Ich blieb sofort stehen. Als die Schützenlinie sowie die geschlossene Kolonne an uns heran- gekommen waren, wurde meine Frau mit den beiden Kindern fortgeschickt, wogegen ich jn die Kolonne reingesteckt und mit abgeiührt wurde. Im fJben Moment kam bann eine mir unbekannte männliche Person ahnunaslos des Weges und wurde von dem Führer der Truppe, welcher in bec linken Hand eine Reitpeitsche und in der rechten eine Pistole trug, mit der Reitpeitsche schwer mißhandelt und ebenfalls zu mir gesteckt. Im selben Momert wurden dann noch zwei des Weges kommende männliche Zivlpersonen fest genommen und zu uns gesteckt. Ein junges zstädchen von etwa 20 bis 30 Jahren wurd euann ebenfalls mit uns abgeführt und von den hinter uns gehenden Frcnrzofe.l m i t Fußtritten traktiert. In der Sonnenstraße angekommen, [am eine männliche Person auf der rechten Seite des Bürgersteiges von der entgegengesetzten Seite uns entgegen. Diese männliche Person wurde ohne jegliche Veranlassung von dem Führer der Truppe m i t z w e i P i st o - lenschüssen niedergestreckt. Di se Person war sofort tot. Wir mußten, nachdem die Kolonne Halt gemacht hatte, dieselbe mit 4 Mann im Lausschritt vorn Bürgersteig holen und in der Kolonne m.t ühren. Diese von mir m i t getragene Leiche wurde v o n den hinter uns gehenden französischen Soldaten getreten. Rächt em wir einige Meter weitergeganaen waren, kam wiederum eine männliche Zivilpersonen unZ entgegen. Sie wurde ebenfalls ohne jegliche De.anla sunz von dem französischen Ofsister bzw. dem Truppenführet durch zwei Pistolenschüsse niedergeschossen. Dit. niedergeschossene Person b'.ieb dann liegen, wogegen der Offizier mit seiner Truppe und unZ unter Mitsührung der von ihm zuerst nied-ergeschofs-.nrn Perlon zurückging und in die Darvper Straße einbog. Eine ebenfalls ahnungslos uns entgegenkommende Person, hie sich auf der rechten Seite des .Bürgersteiges befand, wurde dv ndem vorgenannten Führer mit zwei Pistolenschüssen nieder- gestreckt. Diese Person war ebenfalls blrett tot Sie muhte von vier inzwischen zu uns
geschickten Mandolinenspielern — es wgren junge Leute — aufgerafft und mitgetragen werden. Wir mußten dann unter Mitführung ber zwei Leichen bis zur Mündung der Darover und Wilhelmstraße marschieren, wo'e'.vst wir die zwei Leichen niederlegen muhten, und zwar mit dem Kopf zur östlichen und mit den Jiüfjen zur westlichen Seite, woselbst in ber Rächt vom 9. zum 10. Iuni die zwei französischen Adjutanten erschossen worden waren Wir, die Festgenommenen, standen mitten zwischen den französischen Sol° baten und dem Truppenführer. Rachdem wir die Leichen hingelegl hatten, blieben meine Leidens cs enosfen auf der Seite, wo die Soldaten ftanben. Als ich sah, daß diese sofort mit Kol - benschlägen von den französische Soldaten mißhandelt wurden, ging ich zur Seite, tvo der Führer ber Truppe stand Hinter dem Rücken des Führers bin ich dann entflohen. Ich hörte noch zwei Schüsse fallen, _ die meines Erachtens mir gelten sollten. Erwähnen möchte ich, daß der Führer ber Trappe, welcher dauernd in seiner rechten Hand die Pistole schußfertigj hatte, als wir an den Ort kamen, wo wir bia Leichen niedergslegt hatten, mit den hinter uns kommenden französischen, Soldaten leise sprach, woraus ich entnahm, daß diese uns hinterrücks erschießen bzw. erschlagen sollten. Ich habe dann Dortmund heimlich verlassen, weil ich annehmen mußte, daß ich als übriggebliebener Zeuge von den Franzosen ebenfalls ermordet tverden würde.
Dorgelesen, genehmigt und unterschrieben. (Gez.) Z.
Der Zeuge hat sodann seine Aussage gemäß § 65 Abs. 3 vorschriftsmäßig beschworen. —
Beglaubigt (gez.) Y.
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Eine grstze Tagung der französischen Kammer-
Poincar^ finflt das alte Lied.
Paris, 15. Iuni. (WB.) In der heutigen Kammersihung erllarte Pvincarä inDe- antoortung verschiedener Interpellationen, seine Regierung werde diejenigen bekämpfen, die die soziale Revolution wollten, aber auch diejenigen, die eine Monarchie wieder aufzurichten versuchen sollten. Frankreich wünsche die Entwicklung in Ruhe und Freiheit. Auf die äußere Politik übergehend, sprach ber Ministerpräsident wieder von dem »schlechten Willen" Deutschlands. Die Kontrollkommissionen müßten wieder funktionieren. Das sei namentlich hinsichtlich der Luftfahrt notwendig. Deutschland müsse überwacht werden. Poincare behauptete weiter, die deutsche Regierung ermutige die Sabotageakte im besetzten Gebiet. D i e deutschen Vorschlägebezeichneteeralsheraus- fordernd. Die Franzosen seien daher gezwungen, den Druckz u verstärken und zu verlängern. Frankreich habe sein Wer kder Gerechtigkeit (!) noch nicht vollendet. Gestern habe sein moralisches und materielles Leben auf dem Spiel gestanden, heute sei sein wirtschaftliches und finanzielles Leben bedroht, und morgen werde vielleicht feine ganze Existenz bedroht .
Die Sitzung dauerte um 11 Ahr nachts noch an. Es ist im übrigen zu erwarten, daß bei der Abstimmung Poincare eine erhebliche Majorität auf sich vereinigen farm.
Die Besprechungen in London.
London, 16. Juni. Wie verlautet, ist heute nachmittag eine Zusammenkunft zwischen dem französischen Botschafter in London und LordCurzon festgesetzt.
Die Antwort
ans den englischen Fragebogen.
Paris, 15. Juni. (WTB.) Wie der Matin rnitteilt, hat Poincare bereits gestern nachmittag die Antwort auf den englischen Fragebogen feftgefklft, jedoch bevor er ber britische Regierung die Antwortnote zustellt, sich für verpflichtet gehalten, sie dem belgischen Ministerium zur Kenntnis zu bringen, damit der neue belgisch: Ministerpräsident, der den gleichen Fragebogen erhalten habe, in der Lage sei, in London eine fast identisch: Erklärung abzugeben.
Paris, 15. Iuni. (WTB.) Heber das französisch? Programm zu dem englischen Fragebogen teilt das „Echo de Paris" mtt: 1. Hinsichtlich des Verschwindens des passiven Widerstandes wird Aufllärung über folgende Punkte verlangt: Zurückziehung der Ordonanzen und Gesetze, die die deutsche Regierung seit dem 11. Januar erlassen hat, allen Deutschen zu bewilligende Amnestie, im Falle sie von deutschen Gerichten verurteilt werden, weil sie sich der Entscheidung der Rheinlandkommission, der französischien Gerichte und den französischen Behörden gebeugt hatten, Versprechen der deutschen Regierung, keine Repressalien gegen die Deutschen auszuüben, die den Befehlen der Desatzungsbehörde Folge geleistet haben, Wiederaufnahme der Arbeit durch die Eisenbahner, Instruttionen die die deutsche Regierung erteilen soll, damit den Dekreten der Rheinlandkommission und den Arteilen der Militärgerichte Folge geleistet wird, Aufhebung des Verbots mit den deutschen Häusern Handel zu treiben, die sich den alliierten Anordnungen gefügt haben, sowie ferner Aufhebung des Verbots, mit Franzosen und Belgiern Geschäfte abzuschlleßen, den deutschen Behörden De- I fehle zu erteilen, in allem den alliierten Behörden zu gehorchen. 2. Was dis Maßnahmen anbetrifft, die an dem Tage in Kraft


