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Nr. 139

Erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags, mit derSomstagsbeilage^ GießenerFamilienblätter Monatlich« Seznqrprtife: 6000 Mark einschließlich Trägerlohn,durch dieDost 6000Mark,auchbeiN,cht- erscheinen einzelner Num­mern infolge höherer Gewalt.- Fernsprech- Anschlüsse: furdieSchrift- leitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Siehe«.

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Krantfurt a. M. 11686.

Samstag, 16. Zuni 1923

173. Jahrgang

Erster Blatt

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer b.s zum Nachmittag vorher ohnejede 'BerbinöIid)heiL Preis für 1 mm höhe für Anzeigenv. 27 mm Breite Srtl. 160 Mk., auswärts 200 Mk.; für Rekl ame- Anzeiqen von 70 mm Breite 800 MK.Bei Platz- Vorschrift 20°/, Aufschlag. Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Bietzen.

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vnlck und Verlag : vrühl'sche UnlverfilStr-Vllch- und Steindruckere! n. Lange in Sieden. Zchriftleltung und Geschäftsstelle: Schulftrahe 7.

Wochenrückblick.

Ein englisches Blatt hatte angeregt, ob die deutsche Regierung nicht zur Beilegung der Schwierigkeiten einen Unterschied machen wolle zwischen passivem Widerstand und gewaltsamen Störungen der franzö­sisch-belgischen Bemühungen, und ob das Ka­binett Euno nicht demgemäß einer Erklärung zuneige, daß es von den Sabotagehaten ab­rücke. Das Wolff-Bureau vermerkt dazu, die deutsche Regierung habe schon mehrfach zum Ausdruck gebracht, das) sie Gewalttätigkeiten irgendwelcher Art im besetzten Gebiete nicht billige, sondern für unzweckmäßig halte.

Die englischen Ratschläge haben mit dem deutschen Empfinden wenig Herze nSgemein- schast. Wir hören ja zwar jetzt die neutralen Flötentöne der Londoner Presse alltäglich, und wir glauben eS gern, daß das Volk des Herrn Baldwin in seiner Gesamtheit dem französi­schen Wahnsinn ein baldiges Ende wünscht, allein der deutsche Geist ist heute doch wohl durch ein übermächtiges Schicksal von anderen Impulsen durchdrungen als der britische. Wir befürworten keine Propaganda der Gewalt, hallen eS jedoch für unmöglich, daß der Reichskanzler in die Wagschale der Erörte­rungen um den Ruhrkampf so fragwürdige Beiträge hineinlegt, wie den ihm von der Lon- donerStelle angesonnenen. Der passive Wider­stand, der am Rhein und an der Ruhr noch fest und treu Wacht hält, ist kein Kunstgebilde und verträgt keinen diplomatischen Lehrmeister. Er wächst ja nicht auf dem Boden des Friedens, sondern grimmigen Hasses.

Kein Engländer hat noch für die Taten unserer Bedrücker das richtige Wort gefunden, ilnfer Volk ist nicht nur ins Innerste getrof­fen durch die teuflischen Roheiten der infolge des Versailler DerttageS über unser Land ge­kommenenSieger", nein, eS ist auch erschüt­tert über die erbärmliche Gleichgültigkeit der Mächte, die früher so große Worte für die hei­ligen Menschenrechte hatten. Das Kabinett Cuno bot die Unterwerfung unter ein inter­nationales Schiedsgericht an, und die Antwort sind brutalere Abschnürung, in Wort und Tat gesteigerte Gehässigkeiten und schändliche Massenmorde. Ist eS zu verwundern, daß die nächtlichen Ausschreitungen abenteuernder Soldatenhorden öfters zu Mord und Totschlag führen, und wo findet man sich nicht mit dem Anabänderlichen ab, wenn im Taumel der Leidenschaften, im Sumpf der Großstadt, gelegentlich ein Menschenleben verblutet? In Dortmund sind zwei fran­zösische Unteroffiziere auf wenig rühmlichem Gange anscheinend der Rache und Eifersucht eines bettogenen Deutschen zum Opfer gefal­len. Bor irgendwelcher Klärung der Tat kühlte die französische Besatzung, an der Spitze ihre Offiziere, ihren Mut in der Ermordung schuld­loser Deutschen, an deren L e i ch e n sich sodann der Rausch der Horde noch auStobte. And dann müssen die bedauernswerten Bewohner der Stadt nach den Drohungen der Eindringlinge sich angstvoll in chre Häuser verkriechen! Wird gelegentlich ein militarisiertes Schienengeleise zerstört, so schnappt die feindliche Befehlsge­walt zu den krassesten Willkürakten über. Für einen Monat soll jeglicher Verkehr zwischen besetztem und unbesetztem Gebiet verboten wer­den! Der fünfundzwanzigjährtge Ingenieur Görges, ein vaterlandsliebender Deutscher, der, wie Schlageter, den Eisenbahnbetrieb der Franzosen in unserem Lande gestört haben soll, wird wegen dieses noch gänzlich unerwiesenen Verbrechens", wie jener, zum Tode ver­urteilt! And nun sollten Deutsche den vpfermutigen Drang solcher Märtyrer der deutschen Sache gar tadeln oder verfehmen, sollten ihnen nicht vielmehr das heiße Gefühl stolzen Dankes zollen, damit der Geist des Widerstandes in seiner heroischen Vollendung weiter lebe und leuchte? Roch kein einziger gemeiner Mord ist von Deutschen an den Än- terdrückern begangen worden. Die ruhige Be­sonnenheit unseres Volkes war nicht an­zufechten. And so soll es bleiben, das Bild der deutschen Abwehr, flecken­los und untadelig! Es liegt fein Anlaß vor, dem Mut zum Widerstand durch unzeit­gemäße Mahnungen, über die ber Feind froh­locken und die er für seine Zwecke ausnützen würde, in den Weg zu fallen.

Die vom Schauplatz der entsetzlichen Fremdherrschaft abseits liegenden deutschen Lande können sich das Schauspiel der Rot und Schande, von dem sie täglich lesen, nicht eindringlich genug vor Augen führen. In HebbelsMoloch" geht der KarchagoS Fall überlebende Priester Hieram ins 'Land un­serer germanischen Urväter, um die Rache zu schüren wider die verhaßten und erbarmungs­losen Vernichter. Sein vom Dichter wunder­bar beleuchtetes Innere gibt und ein erschüt­terndes Gleichnis. Der Alle weilt wieder unter uns,Mit Haaren, silberweiß, doch lang und voll, mit Zügen, die der Grimm versteinert

hat". Hinter ihm stehen, in lautlosem Zuge, die schändlich Ermordeten und Mißhandelten, die brutal aus ihrer Heimat Verstoßenen, hinter ihm steht die namenlose Rot der (>egen- wart und, greifbarer und widerwärtiger als der Todfeind des Karthagers, der welsche Mord- und Brandstifter, der in dem Versuch seines Alttmatums wieder einmal Lieb, Ehre, Lugend und Gewissen uns aus der Brust reißen möchte.

Mehr noch als der sagenhafte Alte, der nur starr auf 0träfe und Vergeltung zu sinnen vermag, packt uns, die Aufgabe des Tages erfassend, das von Stuck als Personifikation des passiven Widerstandes gezeichnete Bildnis des jungen Kämpfers der Westmark, der in seinem gespannten Antlitz eine leuchtende Seele offenbart: Anbeugsamen Willen, drohende Entschlußkraft und stolze Verachtung vor der feigen Aebermacht. Dies ist besser als das Plakat der Leidensmiene, dem wir bisher an unseren Anschlagsäulen begegneten. Der Reichskanzler hat Meister Stuck zu seinem werk beglückwünscht und dessen künstlerisches Gelingen als ein Kenner erläutert. Das Rein", das mit großen Lettern darunter steht, ist nach Pvincares neuesten Kundgebungen das einzig mögliche deutsche Wort. Möge eS auch zur Zurückweisung falscher englischer Augen- blickssttmmung in diesen kritischen Tagen als die bleibende Willensmeinung des deut­schen Volkes sich durchsetzen! Die Haltung des Volkes vermag jetzt mehr als noch so kluge Schachzüge der Regierung. Die englisch-fran­zösischen Verhandlungen brauchen, besonders auch wegen der belgischen Kabinettskrisis, Zeit, uni) England kann nicht kapitulieren, wenn wir nicht kapllulieren. Die englischen Staatsmänner haben die Reiaung. sich nach den Tatsachen einzurichten. Erhalten wir dar­um den nationalen Widerstand als eine nicht auszulöschende Tatsache! Wesentliche Fort- schtttte sind bereits erreicht, denn das Ansehen Deutschlands wurde vom Schutt und Schmutz des Krieges schon wesentlich gereinigt, wozu gerade seine moralischen Kräfte des Wider­standes erheblich beigetragen haben, und der Polittk Frankreichs entfallen immer mehr die moralischen Stützen, weil sie aus rücksichtslosen Zerstörungszielen beruht. Das belgische Mini­sterium Theunis-Iaspar hat zwar nur aus innerpvlitischen Erwägungen seinen Rücktritt genommen, da der von ihm eingeleiteten Flamisierung der Aniversität Gent hinterher parlamentarische Schwierigkeiten erwuchsen. Es ist möglich, daß Herr Theunis auf Grund derselben Mehrheitsverhältnisse das Kabinett von neuem bilden wird, aber immerhin ist es denkbar, daß in das bisherige französisch­belgische Einvernehmen ein Moment der Be­unruhigung hineingetragen wird. Das Kabi­nett Poincare hat ebenfalls in der Einstellung des Strafverfahrens gegen dieHochverräter" Eachin und Genossen durch den zuständigen Untersuchungsrichter eine weitere empfindliche Schlappe erlitten; seine Rechtsanschauunqen sind gänzlich in Mißkredit gekommen. Den Schlüssel zur endlichenAmkehr auf der un­möglichen Bahn der jetzigen Reparations­politik hält Herr Baldwin in feinen Händen. Seine freundlichen Fragebogen, die er nach Paris verschickt zu haben scheint, kündigen fragwürdige Kompromisse an; es ist indessen von gestern auf heute mancherlei geschehen darunter die neue Hetzrede Poincaräs in der Kammer und die beweiskräftige deutsche Röte an alle Kulturländer um Volk und Regie­rung Englands bei richtiger Besinnung zu er­halten . . .

Eine deutsche Note wegen der zunehmenden französischen

Gewalttätigkeiten.

Berlin, 15.Juni. (WB.) Die deutschen Botschaften in London, Madrid, Rom, Wa­shington und Moskau und die deutschen Gesandt- fdtoftcn im Haag, Bern, Kopenhagen, Christtania, Stockholm, Riga und Warschau wurden beauf­tragt, den dortigen Regierungen folgende Rote mit Anlage zu überreichen:

Die deutsche Regierung sieht sich neuerlich gezwungen, die Aufm<.aLsamkeit der nicht an der Ruhraktivn beteiligten fremden Regierungen auf die unheilv ollen Gewaltakte zu lenken, mit denen die fro rzösisch-b-.-lgischeu Besahungs- truppen gegen die Bevölkerung des alt- und neubesetzten Gebietes dorgehrn. Die Schritte, die die deutsche Regierung im Geiste aufrichtiger Verhandlungsbereitschaft mit ihrem Angebot vom 2. Mai und tem Memorandum vom 7. Iuni getan hat, um die gegenwärtige Situation zu beenden, h-rben die französische Regierung nicht gehindert, ihrerseits den Terror gegen die Bevölkerung in ben schärfsten Formen fortzusehen. In dieser Hinsicht braucht nur auf folgende Tat­sachen h m gewiesen zu werden: Am 26. Mai wurde der Kaufmann Schlageter wegen angeblicher Sabotageakte auf Grund eines Urteils des fran­zösischen Kriegsgerichts erschossen, obwohl bei der französischen Regierung dringende Vorstellun­

gen erhoben worden waren, die Lage nicht durch Vollstreckung des Arteils weiter zu verschärfen. Am 10. Iuni. abends, wurden in Dortmund anläßlich der unaufgcllärtcn Tötung zweier fran­zösischer Militärpersonen sechs Deutsche von einer französisch rn Patrouille auf der Straße aufgegriffen, schwer mißhandelt und ohne jedes Verfahren nieder grschofsen. Wie sich aus der an­liegenden z-eugeneidliche'n Aussage ergibt, stand von vornherein außer Zweifel, daß diese Deutschen mit der Erschießung der Franzosen nicht das ge­ringste zu tun hatten. Am 11. Iuni wurde in Recklinghausen der 19jährige Karl Möl- l e r von frcnrzösischrn Solditen erschossen. Am 13. Iuni verurteilte ein französisches Kriegs­gericht in Mainz den Landwirtschaftslehrer G o e r g e s wegen angeblicher Sabotageakte zum Tode. Alles dies geschießt zu der gleichen Zeit, da die französische Regierung fordert, daß die Bevölkerung' des all- und neubesetzten Gebiets den passiven Widerstand aufgibt, und von der Erfüllung dieser Forderung den Beginn von Verhandlungen abhängig macht, die allein zur Lösung des gegenwärtiger Konslills führen kön­nen. Der Widerspruch in diesem Ver­halten liegt offen zutage. Das franzö- siche Vorgehen macht alle Bemühungen der deut­schen Regierung, beruhigend auf die Bevöll'e- rung einzuwirken, illusorisch. Es stärkt nicht nur in der Bevölkerung das Gefühl der RoUvendig- keit, gegenüber dem fremden Militarismus den passiven Widerstand aufrechtzuerhalten, sondern beschwört darüber hinaus immer ernster die Ge­fahr herauf, daß sich die in ihrem innersten Emp­finden getroffene Bevölkerung zu verzwei­fe l t e n A n b e s o n n e n he i t e n hinreißen läßt, die in ihren Auswirkungen weit über das be­setzte Gebiet hinausgehen. Die deutsche Regierung hat bei den unaufgeklärten Zwisch-erfüllen wie­derholt vorgeschlagen, den Sachverhalt durch i n - ternativnaleKommissivrpen untersuchen zu lassen. Die französische Regierung ließ alle derartigen Anträge bisher unbeantwortet. Die deutsche Regierurrg fegt hiergegen und gern die fortgesetzte französische Gewaltpolitik Verwah- r u n g ein und stellt öffenllich fest, daß die D e r - antwortung für deren Folgen allein cm f die französische Regierung fällt.

Die Anlage enthält folgendes Protokoll: Amtsgericht Gegenwärtig: Amtsrichter H. als Richter, QJ. als Gerichtsschreibrr. 13. Iuni. In der Crmitllungssache gegen Anbekannt ist erschie­nen Z. aus Dortmund, 31 Fahre alt Derselbe erklärte unter Hinweis auf die Bedeutung des Eides: Am Sonntag, dem 10. Juni kam ich v)n einem Besuch zu Fuß au5 Barop mit meiner Frau und zwei Kindern zwischen A und 10 Ahr abends, die genaue Ahr-eit kann ich nicht sagen, weil meine Ahr stehengeblieben war nach Dort­mund zurück und passierte die Große Hcirnstrahe, die in der Rähe der Kreuzschule, wo die Fran­zosen untergebracht sind, liegt. Kurz vor der Müllerbrücke erschien eine Schützenlinie von etwa 4 bis 8 Mann, ge.ührt von einem Offizier. Genau kann ich allerdings nich* fügen, daß es sich um einen Offizier handelte. Sie bewegte sich im Lau. schritt durch die in der Großen Heimstraße gefegenen Gärten. Aus der Straß.' selbst bewegte sich eine größere Kolonne von 40 bis 60 fran­zösischen Soldaten, die sich im Laufschritt befand. Bon dem Führer der Truppe, welcher an der Spitze der trorgenannten Schüi eniinie stand, wurde ist mit Familie auf Französisch angerufen. Ich vernahm aus biefem Anruf, daß ich stehenbleibrn sollte Ich blieb sofort stehen. Als die Schützen­linie sowie die geschlossene Kolonne an uns heran- gekommen waren, wurde meine Frau mit den beiden Kindern fortgeschickt, wogegen ich jn die Kolonne reingesteckt und mit abgeiührt wurde. Im fJben Moment kam bann eine mir unbekannte männliche Person ahnunaslos des Weges und wurde von dem Führer der Truppe, welcher in bec linken Hand eine Reitpeitsche und in der rechten eine Pistole trug, mit der Reit­peitsche schwer mißhandelt und ebenfalls zu mir gesteckt. Im selben Momert wurden dann noch zwei des Weges kommende männliche Zivlpersonen fest genommen und zu uns gesteckt. Ein junges zstädchen von etwa 20 bis 30 Jahren wurd euann ebenfalls mit uns abgeführt und von den hinter uns gehenden Frcnrzofe.l m i t Fußtritten traktiert. In der Sonnen­straße angekommen, [am eine männliche Person auf der rechten Seite des Bürgersteiges von der ent­gegengesetzten Seite uns entgegen. Diese männ­liche Person wurde ohne jegliche Veranlassung von dem Führer der Truppe m i t z w e i P i st o - lenschüssen niedergestreckt. Di se Per­son war sofort tot. Wir mußten, nachdem die Kolonne Halt gemacht hatte, dieselbe mit 4 Mann im Lausschritt vorn Bürgersteig holen und in der Kolonne m.t ühren. Diese von mir m i t ge­tragene Leiche wurde v o n den hinter uns gehenden französischen Solda­ten getreten. Rächt em wir einige Meter weitergeganaen waren, kam wiederum eine männliche Zivilpersonen unZ entgegen. Sie wurde ebenfalls ohne jegliche De.anla sunz von dem französischen Ofsister bzw. dem Truppenführet durch zwei Pistolenschüsse nieder­geschossen. Dit. niedergeschossene Person b'.ieb dann liegen, wogegen der Offizier mit seiner Truppe und unZ unter Mitsührung der von ihm zuerst nied-ergeschofs-.nrn Perlon zurückging und in die Darvper Straße einbog. Eine ebenfalls ahnungslos uns entgegenkommende Person, hie sich auf der rechten Seite des .Bürgersteiges befand, wurde dv ndem vorgenannten Führer mit zwei Pistolenschüssen nieder- gestreckt. Diese Person war ebenfalls blrett tot Sie muhte von vier inzwischen zu uns

geschickten Mandolinenspielern es wgren junge Leute aufgerafft und mitgetragen werden. Wir mußten dann unter Mitführung ber zwei Leichen bis zur Mündung der Darover und Wilhelmstraße marschieren, wo'e'.vst wir die zwei Leichen niederlegen muhten, und zwar mit dem Kopf zur östlichen und mit den Jiüfjen zur westlichen Seite, woselbst in ber Rächt vom 9. zum 10. Iuni die zwei französischen Adjutanten erschossen worden waren Wir, die Festgenommenen, standen mitten zwischen den französischen Sol° baten und dem Truppenführer. Rachdem wir die Leichen hingelegl hatten, blieben meine Leidens cs enosfen auf der Seite, wo die Soldaten ftanben. Als ich sah, daß diese sofort mit Kol - benschlägen von den französische Soldaten mißhandelt wurden, ging ich zur Seite, tvo der Führer ber Truppe stand Hinter dem Rücken des Führers bin ich dann entflohen. Ich hörte noch zwei Schüsse fallen, _ die meines Erachtens mir gelten sollten. Erwähnen möchte ich, daß der Führer ber Trappe, welcher dauernd in seiner rechten Hand die Pistole schußfertigj hatte, als wir an den Ort kamen, wo wir bia Leichen niedergslegt hatten, mit den hinter uns kommenden französischen, Soldaten leise sprach, woraus ich entnahm, daß diese uns hinterrücks erschießen bzw. erschlagen sollten. Ich habe dann Dortmund heimlich verlassen, weil ich annehmen mußte, daß ich als übriggebliebener Zeuge von den Franzosen ebenfalls ermordet tverden würde.

Dorgelesen, genehmigt und unterschrieben. (Gez.) Z.

Der Zeuge hat sodann seine Aussage gemäß § 65 Abs. 3 vorschriftsmäßig beschworen.

Beglaubigt (gez.) Y.

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Eine grstze Tagung der französischen Kammer-

Poincar^ finflt das alte Lied.

Paris, 15. Iuni. (WB.) In der heutigen Kammersihung erllarte Pvincarä inDe- antoortung verschiedener Interpellationen, seine Regierung werde diejenigen bekämpfen, die die so­ziale Revolution wollten, aber auch diejenigen, die eine Monarchie wieder aufzurichten versuchen sollten. Frankreich wünsche die Entwicklung in Ruhe und Freiheit. Auf die äußere Politik über­gehend, sprach ber Ministerpräsident wieder von dem »schlechten Willen" Deutschlands. Die Kontrollkommissionen müßten wie­der funktionieren. Das sei namentlich hinsichtlich der Luftfahrt notwendig. Deutschland müsse über­wacht werden. Poincare behauptete weiter, die deutsche Regierung ermutige die Sabotage­akte im besetzten Gebiet. D i e deutschen Vorschlägebezeichneteeralsheraus- fordernd. Die Franzosen seien daher gezwun­gen, den Druckz u verstärken und zu verlän­gern. Frankreich habe sein Wer kder Gerechtig­keit (!) noch nicht vollendet. Gestern habe sein mo­ralisches und materielles Leben auf dem Spiel gestanden, heute sei sein wirtschaftliches und fi­nanzielles Leben bedroht, und morgen werde viel­leicht feine ganze Existenz bedroht .

Die Sitzung dauerte um 11 Ahr nachts noch an. Es ist im übrigen zu erwarten, daß bei der Abstimmung Poincare eine erhebliche Majorität auf sich vereinigen farm.

Die Besprechungen in London.

London, 16. Juni. Wie verlautet, ist heute nachmittag eine Zusammenkunft zwischen dem französischen Botschaf­ter in London und LordCurzon festgesetzt.

Die Antwort

ans den englischen Fragebogen.

Paris, 15. Juni. (WTB.) Wie der Matin rnitteilt, hat Poincare bereits gestern nachmittag die Antwort auf den englischen Fra­gebogen feftgefklft, jedoch bevor er ber briti­sche Regierung die Antwortnote zustellt, sich für verpflichtet gehalten, sie dem belgischen Ministerium zur Kenntnis zu bringen, da­mit der neue belgisch: Ministerpräsident, der den gleichen Fragebogen erhalten habe, in der Lage sei, in London eine fast identisch: Erklärung ab­zugeben.

Paris, 15. Iuni. (WTB.) Heber das fran­zösisch? Programm zu dem englischen Fragebogen teilt dasEcho de Paris" mtt: 1. Hinsichtlich des Verschwindens des passiven Widerstan­des wird Aufllärung über folgende Punkte ver­langt: Zurückziehung der Ordonanzen und Ge­setze, die die deutsche Regierung seit dem 11. Ja­nuar erlassen hat, allen Deutschen zu bewilligende Amnestie, im Falle sie von deutschen Gerichten verurteilt werden, weil sie sich der Entscheidung der Rheinlandkommission, der französischien Ge­richte und den französischen Behörden gebeugt hatten, Versprechen der deutschen Regierung, keine Repressalien gegen die Deutschen auszuüben, die den Befehlen der Desatzungsbehörde Folge ge­leistet haben, Wiederaufnahme der Arbeit durch die Eisenbahner, Instruttionen die die deutsche Regierung erteilen soll, damit den Dekreten der Rheinlandkommission und den Arteilen der Militärgerichte Folge geleistet wird, Auf­hebung des Verbots mit den deutschen Häusern Handel zu treiben, die sich den alliierten Anord­nungen gefügt haben, sowie ferner Aufhebung des Verbots, mit Franzosen und Belgiern Ge­schäfte abzuschlleßen, den deutschen Behörden De- I fehle zu erteilen, in allem den alliierten Behörden zu gehorchen. 2. Was dis Maß­nahmen anbetrifft, die an dem Tage in Kraft