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Deutscher Reichstag.

354. Sitzung, mittags */.12 älhr.

Berlin, 15. Mai 1923.

3m 2bftchlub an die heutige Sitzung will der Asttestenausschuh des Reichstages darüber be­raten, ob noch vor Pfingsten eine Aus­sprache über die außenpolitische Lage stattsinden soll. Davon wird es abhängen. ob der Reichstag schon am Mittwoch In die Ferien gehen kann oder nicht.

Bei der Wetterberatung des Haushalts des 3nnern richtet der Abgeordnete Kuner t (Soz.) Angriffe gegen den Präsidenten des Leichsgesundheitsamtes Lumm, dem er vvrwirft, er habe nicht rechtzeitig genug die notwendigen hygienischen Schutz maß nahmen angeordnel, um den furchtbaren Riedergang unserer Vollsgefund- heit zu verhindern. Der Redner fordert die Ein­richtung eines besonderen Reichsgesundheitsmini­steriums.

Für eine Gntschliehung der Deutschnationalen, die eine Prüfung der Frage verlangt, ob die Organisation dm- sächsischen Landes- Polizei den reichsgesehltchen Bestimmungen ent- spricht, werden durch Hammelsprung 129 bürger­liche Stimmen gegen 95 sozialistische und kom­munistische Stimmen abgegeben.

Das Haus ist daher nicht beschluh- fähig.

Präsident Löbe schlieht die Sitzung und fetzt die Weiterberatung bis 121/< IHjr aus.

3n der neuen Sitzung wird in einfacher Abstimmung die Gntschliehung gegen die Stim­men der Sozialisten und Komnrunisten ange­nommen.

Der Rest des Etats wird darauf ohne De­batte erledigt.

3n der darauf folgenden 3. Beratung des Haushalts des Reichswirtschaftsmini- st e r i u m s verlangte der Abgeordnete Silber- schmidt (6.) Auskunft, was bisher zu der angekündigten Verbilligung der Bau­stoffe geschehen sei. Bisher habe der Wider- Vavb der Baustoffindustrie die Verwirklichung der geplanten Verbilligung verhindert. ____

Abg. Thomas (K.) führt Beschwerde dar- über, dah von manchen Reedern seeuntüchtige Schiffe aus den Häfen gelassen würden. Für die lleberwachung müsse ein Reichsschiffahrtsamt er­richtet werden.

Mintsterialdivektvr v. 3o n q u i e res erklärt, die vorhandenen Organisationen, vor allem die SeeberufSgenossenschast. wirkten schon in dem von dem Vorredner gewünschten Sinne als lieber- wcichnngsstellen. Er nimmt die Reeder gegen die ' Vorwürfe des Abgeordneten Thomas energisch in Schuh Aber Abqeordnetei- Thomas hält seine Vorwürfe aufrecht.

Abg. Hoch (Soz.) weist die Art zurück, wie hier ein Regierungsvertreter die ReÄ>er gegen die sehr berechtigten Vorwürfe in Schutz nehme. Der Leiter einer von der Regierung ernannten lieber» wachungsorganisation habe das Wort gesprochen: die Welt wolle betrogen sein (hört, hört).

Ministerialdirektor von IonquiSreS er­klärt, er habe die Reiter nur vor verallgemei­nernden Vorwürfen schützen wollen. Die Regierang untersuche in strengster Weise die Ursachen der Schifssunfälle.

Abg. Dau ch (Dt. Dpt.) nimmt gleichfalls die Reeder gegen verallgemeinernde Angriffe in Schuh.

Abg. Henke (Soz.) schließt sich den An­griffen des Abg Thomas gegen die Reeder durch­aus an.

Die Entschließung, welche eine Verbilligung der Baustoffe verlangt, wird angenommen, ebenso der Rest des Etats. Die Etats des vorläufigen Rcichswirtschastsrats, des Reichsjustizministe- riums. des Reichsvertehrsministeriums und des Reichsernähraiigsministerrums werden ohne De­batte in dritter Beratung angenommen.

Mit der dritten Beratung des Reichsfi­nanzetats wird die zweite Beratung des Ent­wurfs über die Beseitigung kleinerer Forderungen aus dem ^leichsschuldbuch berbunben. Der Aus­schuß beantragt eine Aenderung dahin, dah bei bei Rückzahlung von Kriegsanleihe den Einzahlern ein Zuschlag von 150 Pro­zent gewährt wird.

Abg Emminger (Bahr. Dpt.) beantragt einen Zuschlag von 400 Prozent.

Abg. Schücklng (Dem.) tritt für den AuS- fd&uflcmtrag ein.

Ein Regierungsvertreter hält gleichfalls den Antrag Emminger für undurchführbar.

Abg LeutHeuser (D. Dp.), der vorher den Mitrag Emminger unterzeichnet hatte, zrcht nach dieser Regierungserklärung seine Unterschrift zurück.

Das Moselhaus.

(Roman von Luise Schulze-Druck.

29. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

Seine weichliche Schlaffheit schien ganz ab­getan. Sie muhte so oft an eine feine Bemerkung denken, die sie kürzlich gelesen hatte, dah, wenn der Mensch liebt, plötzlich seine besseren Eigen­schaften ans Licht des Tages kommen, gleichsam wie Blumen, die aus dornigem Gesträuch auf­springen und es so bedecken, dah man die Dor­nen vergM- So war's auch bei Hans Dietrich Manches Liebenswürdige aus seiner ersten 3üng- lingszeit schien aufzuwachsen, was bis jetzt ge­schlafen. Er erinnerte sich plötzlich einzelner Klei­nigkeiten, die noch aus seiner Kinderzeit stammten. 2ns kleiner 3ungc ah er niemals sein Butterbrot, wenn ihm nicht die grobe Schwester mit dem Messer ein paar krause Schnörkel auf die Butter gezeichnet hatte, die erdas Gärtchen" nannte. Das war natürlich lange vorbei. Aber heute morgen beim Frühstück hatte er ihr Plötzlich das Brot gereicht:Weiht du noch Eva, mein Gärt- dbenl Und mit heimlicher Rührung hatte sie das Spiel der Kinderzeit wiederholt, und er hatte behauptet, so schmecke es ihm wieder doppelt gut.

Es muhte doch etwas Wundervolles fe^t um bi« Liebe! Ilm solch eine echte, rechte Liebe. 'Duriderlich, auf .oas für Gedanken sie kam in der letzten Zeit. Aus Gebauten, die wohl schon früher in ihr wach wurden, die ste dann aber immer wieder ein geschläfert hatte, ober die sich föneU trnb scheu wieder verkrochen im Trubel des Grvtz- stadllebens. wo sie kaum Zeit hatte, einmal eine Stunde lang mit sich selber allein zu sein. Wirk-

Der Antrag Emminger wird abgelehnt und die Vorlage in zweiter und dritter Lesung In der Ausschuhfassung angenommen.

Der Finanzetat wird schliehlich bewilligt. Mit der Auflösung des Reicysschatzministeriums er­klärte sich der Reichstag unverstanden.

Beim Postetat sicherte Reichspostminister Stingl weitgehendes (Sntgegeittommen gegen die Wünsche zu, welche die Abg. Frau Müller- Otfried (Dnt.) und 'Frau P f ü l f (Soz.) für die Abfindung der infolge Heirat aus dem Dienst scheidertden Beamtinnen vortrugen.

Der Postetat ivird sodann bewilligt, ebenso der Etat des Reichstags. Hierzu erklärte Aba. Beuerwann (D. Vp ), der Posten von 26b Milliarden für Freifahr'arten an Abgeordnete sei viel zu hoch, Da nur wenige Abgeordnete die berechnete Druchschnittszahl von 2000 Kilometer erreicht hätten. Die Reichsbahn wolle hier auf Kosten der Abgeordneten ein Geschäft machen. Die Drucksachen kämen dem Hause auherordent- lich teuer zu stehen. Dom Herbst bis jetzt feien für 130 Millionen Mark Stenogramme gedruckt worden Jedes Wort, das von der Reichs- t r i b ü n c gesprochen werde, koste demnach 9 6 Mark und 95 Pfennig. (Stürmische Heiter­keit.) An Wirtschaftskosten, Kohlen usw. koste jeder Sihungstag drei Millionen Mark.

Abg. Ledebvur (116.) verweist daraus, dah diese Verhältnisse durch die unglückliche Va­luta verschuldet seien. Dem Ansehen des Parla­ments werde durch solch fade Witzeleien nicht gedient.

Der Etat des Reichstags wird bewilligt.

Abg. Brunner (Soz.) ersucht das Verkehrs- mmisterium, angesichts der glänzenden Haltung der Eisenbahner im Ruhrkampf endlich dieDifziplinar- verfahren, die noch aus der Zeit des Eisenbahner­streiks stammen, einzustellen.

Ministerialrat Dr. Ort mann erklärt, die noch schwebenden Disziplinarverfahren wurden mit größter Beschleunigung und äußerster Milde durch­geführt werden.

Abg. Delius (Dem.) hätt diese Antwort für ungenügend. Die Gisenbahnverwaltung sollte jetzt unter diese Dinge endlich erren Strrch machen.

Abg. Heidemann (Komm.) führt Be­schwerde über die Einstellung der Arbeiten am Masurischen Seen-Kan al.

Bei der dritten Lcsung des Haushalts des Reichswehrministeriums verlangt Abg. S ch ö p f l i n (Soz.) ein schärferem Eü,schreiten ge­gen diejenigen Offiziere, Die Beziehungen zu ille­galen monarchistischen Organisationen unterhalten. Solche Verbindungen unterhalten z. D der Stabs­chef des Rcichswehrkreises Stettin,Generalleutnant v. Ceeb und fein V<n bindungsosfizier Oberstleut­nant v. Teterow, mit dem Putschistenfuhver Gene­ral a. D. Hellfritz. Der Redner verliest mehrere von diesen Offizieren den Putschiftenführern aus­gestellte Anweisungen. Eine der Putsch Organi­sationen hat als ihre Ausgaberasches, brutales Vorgehen gegen das rote Hamburg" festgestellt. Diese Organisation wird durch das Wehrkreis­kommando H durch Kartenmaterial und auf an­dere Weise unterstützt. 3n einem Schreiben vom Aprll d. Hs. berichtet ein Offizier, er habe in Ham­burg schon 12 000 zum entschlossenen Vorgehen be­reite vaterländische Männer gewonnen. General Hellfritz erklärte in einem Schreiben offen, man wolle durch baldiges Losschlagen die Regierung stürzen und dann durch Riederschlagen der Links- organisattonen ein straffes, brutales Regiment ent­führen. Diese putschrstischen Organisationen wer­den von hohen Reichswehroffrzieren unterstützt. Der Reichswehrminister sollte diesem Treiben schärfer entgegentreten. Wir wollen nur ein Ver­trauens Verhältnis zwischen Bevölkerung und Reichswehr Herstellen. Bei der Einweihung eines militärischen Gedenksteins in Döberih hat General von Hindenburg wieder einmal seine tiefste Ehr­furcht gegen Wilhelm II. bekundet, der in der Stunde der schwersteil Gefahr ausgerissen ist. An dieser Schaustellung hat sich auch der Wehrmini- fter, wenn auch mit einer korrekten Rede, beteilig tt Cs darf nicht länger zugelassen werden, dah längst verabschiedete Offiziere bei jeder Gelegenheit in der kaiserlichen Uniform Herumlaufen, wie jüngst wieder bei der Beerdigung in Baden-Baden. Hin­denburg hat in letzter Zeit durch geradezu lächer­liche Kriegsdrohungen in Interviews ungewollt Herrn Pvrncares Politik sehr gefördert. Hinden­burg sollte als älterer Herr es doch gerade in dieser Stunde der Gefahr unterlassen, die Fenster­scheiben des Deutschen Reiches einzu sch lagen. Bis­her war es üblich, dah geschlagene Feldherren ge- hcrfam den Mund halten. (Groher Lärm rechts und stürmische Pfuirufe.)

Abg. Thomas (K.) schlieht sich diesen Aeu- herungen an. Der Deserteur Ludendorff, Eitel Schieberich und Hindenburg mögen ruhig mit ihrem Klempnerladen Schaustellungen veranftal-

lich allein, so dah kein Lärm und feine Hast des Tages sie störte.

Verliebtheit! Davon hatte sie genug um sich her gemerkt ihr Leben lang, übergenug. Aber echte Liebe? Sie lieh die Männer und Frauen ihres Kreises im Geiste vor beiziehen. Was wuhten sie alle von echter Liebe? Sie muhte an Frau Mercedes Wellsheim denken, deren Steckenpferd bie große Liebe" war, wie sie sich einmal noch schnell bei ihr im Toilet lenz immer kalkweih ge­pudert hatte unter dem schwarzen Tupfenschleier, damitEr" auch deutlich sehe, welch unermehliches Leid sie um ihn trage. Und barat hatte sie aus ihrem Silbertäschchen zwischen allerhand Krims­krams einen blauen Stift herausgewühlt und sich mit geübten Händen Schatten unter die Augen gemalt Dann waren sie zu irgendeinem Basar für einen wohltätigen Zweck gegangen, Puder und Stift hatten ihre Schuldigkeit getan, denn das unermeßliche Leid wurde an jenem Abend augen­scheinlich sehr gelindert durch die Aufmerllamkeiten eines anderenEr", Der dann sehr bald im Wells- heimschen Hause auftauchte und eine Zeitlang eine hervorragende Rotte spielte, bis ja bis Frau Wellsheim vermutlich wieder Puderquaste und Blaustift in Bewegung setzte, um die Gefühl» eines von neuem unermehlich«! Leid geknickten Her­zens zu markieren Ob Mercedes Wellsheim wohl lieben konnte?

Denn sie nachdachte. Dann schien es ihr, als ob ihr ganzer Bekaumenkreis eigentlich aus lauter solcher Mercedes Wellsheim bestehe, als ob sie alle nur einer veräu her lichten spieleinschen Liebe fähig seien, die sie sich mit allen Raffinements ausstaffierten.

Sie seufzte tief auf. Mit Behagen sog sie die

ten. Aber deutsche ReichSwehrsvldatsn Dürfen dazu nicht kommandiert werden.

Reichswehrmmister Dr Gehler: 3n dieser Stunde, wo es sich um das Schicksal der deutschen Ration handelt, ist es zu bebauern, wenn solche Debatten notwendig sind Das habe ich auch in Döberih ausgesprochen mit der Bemerkung, jetzt sei nicht Zeit, grobe Reden zu halten Das Mate­rial des Abg. Schöpflin über den Wehrkreis II ist noch nicht in meinen Händen. Es wird mi- aller Strenge geprüft. Mit Den Chefs Der Heeres- und Marineverwaltung bin ich der Meinung, dah ein Zusammenarbeiten mit Derartigen den Staat gefährdeirden Organisationen ausgeschlossen sein muh. Ich muh die Augen offenhalten, damit in der Armee nichts passiert,- ich kann aber be­friedigend fest stellen, dah unter meiner Amts­führung trotz der politischen Spannung nichts Ernsthaftes passiert ist. Wir haben Den Wunsch, dah Hindenburg aus dem politischen Getriebe herausbleibt, aber wir wollen doch nicht alles, was aus unserer Vergangenheit geblieben ist, 5um Gegenstand politischen Haders machen Ich nehme absichtlich die vorgeschriebenen militärischen Ehrungen in vollem Mähe in Anspruch Ich hatte iricht Den Eindruck, dah in Döberih eine monarchistische Huldigung beabsichtigt war Die Zeitungsberichte übet Die GReben stimmen mit meinen Eindrücken nicht überein. Prinz Eitel Friedrich war als Offizier des Regiments an­wesend. Er war im Kriege ein tapferer Offizier und stand an Der Spitze seiner Truppen im Feuer. Die Republik ist in Deutschland so fest gegründet, dah sie es ruhig wagen kann, liberal und tolerant zu fein. Das Verbot Der alten Uniformen ist mir durch eine Verfassungsänderung möglich. Wir sollten in dieser Zeit Des Hebergangd nicht allzu nervös sein Rervosität wird als Schwäche aus­gelegt.

Der Etat ttricD sodann bewilligt. Beim Etat des Reichsarbeitsmini st errums wird als Beihilfe für das Institut für gewerbliche Hw giene in Frankfurt a. M. 100 000 Ml. bewilligt, eine ebensogrohe Summe als Zuschuh an Die miet- nationale Dereinrgung für gesetzlichen Arbetter- schutz Zur Förderung des Siedlungs­wesens werden 30 Milliarden bewrlttgt. Die EtatsReichspräsident, Rerchskanzlet und Auswärtiges Amt werden von Der Tagesordnung abgefetzt

Es folgt die dritte Beratung des Mieter- schutzgefetzes Abg. Diener (Dlschntl.) be­dauert Die Durchpeitschung eines so wichtigen Ge­setzes im Reichstag. Es handelt sich um eine ern- seitige Begünstigung der Mieter. Das Gesetz be­deute eine zielbewuhte Zerstörung des Hausbefttzes und zahlreicher Mittelstandsenstenzen. Seine Par­tei lehne die Vorlage geschlossen ab.

Abg. Schirmer (Dayr. Dp.) weist Die An­griffe des Vorredners zurück. Don einer Durch­peitsch ung könne keine Rede fein. Im Reichswirt' schaftsrat hätten die Huusbesiher eine ganz andere Stellung eingenommen.

Rach weiterer Debatte wird die Vorlage gegen die Deutschnationalen, Kommunisten und einem Teil der Volkspartei und des Zentrums ange­nommen.

Schluh Z/3 Uhr.

Aus Stabt und Land.

Dieben, den 16. Mai.

Die Kohlenproduktion in Hessen.

Die mvnaLliche Statistik der Kohlenproduktion des Dolksstaats Hessen weist für den Monat April 1923 folgende Zahlen nach: An Roh- brairnkohlen wurden gefördert 51 866 Tonnen, ver­kauft wurden davon 17 594 Tonnen, der grohte Teil Der Rohkohle wurde weiterverarbeitet oder war zur weiteren Verarbeitung bestimmt. Aus den verarbeiteten Rohkohlen wurden neben Schwelereiprodutten erzeugt: 3245 Tonnen Braun­kohlenbriketts, 1490 Tonnen Rahprehsteine. Auher- Dern wurden in Hessen erzeugt (soweit bekannt) 2157 Tonnen Steinprehkohlen.

Unter Berücksichtigung der aus Vormonaten übernommenen Bestände, sowie des Absatzes und Setbstverbrauchs verblieben am Monatsschluh absatzfähig. 20 959 Tonnen Rohkohlen, - Tonnen Briketts, 1525 Tonnen Rahprehsteine, zusammen 22 484 Tonnen Braunkohlen und Braunkohlen- Produtte im Gesamtwert von 958 946 376 Mark.

w.

* Das Schulgeld. Das Landesantt für das DildungStvefen hat mit Rücksicht auf den Mangel an kleineren Geldzeichen bestimmt, dah in allen Fällen, in denen eine Schulgeld- ermähigung für Geschwister auf J/3 oder die Hälfte deS vollen Satzes einzutteten hat, die sich ergebenden Vierteljahrsbeträge auf vollebOMk. nachobenaufzurunden

reine warme Sommerluft ein. Jetzt nicht daran denken, jetzt nicht grübeln und spintisieren! Den Augenblick auskvsten, die sonnigen Sommertage geniesten, jeden vom frühen taufrischen Morgen an bis zum sinkenden Abend. Sie wollte sich auch von Uschi Thvuvenins lärmendem Treiben nicht anfechten lassen. Bald würde es ja vorbei fein, dann wurde es wieder einsam,feine Men­schenseele" war dann Da, die sie störte

Mit Bürgermeister Arnolds stand sie gut. Zuweilen freilich empörte sich ihre Groststadt- routine gegen seine Unkenntnis mancher Dinge. Sie konnte ungebulbig werden, wenn er ein Buch, ein Theaterstück, ein Bild oder eine Skulptur nicht kannte, die doch »jeder" kennen muhte. Dann wieder ärgerte sie die ruhige Bestimmtheit, mit der er auch ihr gegenüber seine Ansichten ver­teidigte, ferne Meinung verfocht und durchsetzte.

Uschi Thouvenin lachte besonders spitzig, wenn sie zufällig Dowfam. Sie bekam dann das un­ruhige bohrende Augenglitzern.Ja, er war immer ein Eisenkopf, Onkel Eberhard. Wir nann­ten ihn Ontel, weil er doch soviel älter war als wir. Erst später sind wir dann auf Den richtig reiterlichen Fuh miteinander gekommen. Früher, als ich ein kleines Ding war und Eberhard schon auf Freiersfühen ging, da späten wir ihm aller­hand Streiche, wenn ich hier mit den Kusinen beim Onkel und bei Tante Elisabeth zu Besuch war. Rähten ihm die Aermel seines Staatsrockes zu, wenn wir wustten, dah er auf Freite wollte, ftedten chm allerlei ekliges Zeug in die Haschen, einmal auch alle Taschen voll Schnupftabak, wobei wir uns dann mit höchster Wonne verstellten, wie er nun beständig niesen würde, kurz, wir machten uns so unnütz wie möglich. Und, weiht

sind. Das gleiche gilt auch für etwaige fünf« tige Schuldgelderhöhungen.

** Erhöhung der Haftpflicht­summe der Eisenbahn für Handge­päck. Wie uns vom Verband reifender Kauf­leute Deutschlands mitgeteilt wttd, hat die ständige Tarifkommission der deutschen Eisen­bahnen in ihrer letzten Sitzung beschlossen, dön Höchstbetrag, mit dem die Eisenbahn für Auf- bewaHrungsgepäck haftet, von Mk. 3000 2 u f M k. 100 000 z u erhöhen. Der Beschlust wird, sofern die Genehmigung der Aufsichts­behörde erteilt wird, zum 1. Juni durchgeführt werden.

Kreis Friedberg.

° Butzbach, 14. Mai. In der Nacht zum Sonntag wurde in einem hiesigenTuch» geschaft ein Einbruchsdiebstahl ver­übt. Den Dieben sielen für mehrere Millio­nen Mark Tuche und Kleider in die Hande. Da die Strastenbeleuchtung während mehrerer Stunden eingestellt ist uno der Einbruch in dieser Zeit der völligen Dunkelheit ausqeführt wurde, blieb der Vorgang unbemerkt. Die Spitzbuben sind unbekannt.

Arers Latiterbach.

* Lauterbach, 14. Mai. Im Alter von beinahe 1 00 Jahren ist unser ältester Mitbürger, Kammerkasfierer i. R. Johan­nes Sandmann, gestern morgen g c - stvrben. 3n September hätte er das 100. Lebensjahr vollendet.

Kreis Schotten.

" Laub ach, 14. Mai. Das Haus an bet WetterfelDer ©trabe. Das Die Eisen - bahndirektion für ihre Beamten erbaat, wird vora issichtlich im Juli bezogen werden. Seit Dem vorigen Jahr bietet Diese ©trabe in­folge Der verschiedenen Reibauten (seit 1921) einen völlig neuen Anblick.

Kreis Büdingen.

' ©ettenau, 14 Mai. Bei der hiesigtti Bürgermeister wähl wurde der Landwirt Georg Mobs mit 235 Stimmen zum Bürger­meister gewählt.

)( Selters, 15. Mai. Der Dadebet rieb in unserem Badehaus wird heute, am 15. Mai, eröffnet. Wie man hört, soll auch noch ein kleines In halatorium eingerichtet werden.

)( Stockheim, 15. Mai Der neue F a h r- plan vom 1.6. bringt den Anwohnern dc. Ctr.dc Frankfurt Vilbel Stockheim - Lauterbach eine wesentliche Verbesserung Der Vormittags­verbindung von nnb nach Frankfurt Etwi 8116r ab etoefteim wird ein Sir-Ito. 3 u g Lau terbach - g r a n t j u y t. über Vitt c d)re.; der etwa 10 Uhr in Frankfurt eintrttN Ilm V910 Uhr kommt ein Zug von Frankfurt an, der bis Lauterbach durchgesührt wird und der es möglich macht, vormittags direkt den Vogelsberg zu erreichen. Auch dürfte der bessere Anschluh morgens nach Gießen vielen sehr willkommen sein.

Schöffengericht.

«Sieben, Den 12. Mai 1923.

«Sin Maurerlehrling aus Launsbach hat im Eisenwerk in Lollar etwa 10 Kg. sog. Schlacken- eifen entwendet Zu seiner EntschuLigung gibt er an, daß er dieses Eisen, das auf feinen Schlackenhalde lag. für wert- und herrenlos ge­halten habe. Da es sich um einen jungen Menschen handelt, der erst 15 Jahre alt ist, und Dchlacken- tifen f rüber häufig für wert los angesehen wurde, konnten die Angaben des Angeklagten nicht als hinreichend toiDerlegt angesehen werden. Er wurde Deshalb im Zweifel freigesprochen.

Ende März I I wurde ein junger Dienst- kn echt aus Beuern wegen schweren Diebstahls mit 3 Wochen Gefängnis bestraft, die durch die erlittene Untersuchungshaft für Derbübt erklärt wurden. 8 Tage Du rauf beging er einen weiteren Diebstahl, indem ei einem Dienstknecht feine Brieftasche nebst Inhalt entwendete. Da er sich bei seiner Festnahme auch im Besitz eines Schlag­rings befand, erhielt er 3 Monate ®efäng- n i s und2 Tage Hast.

«Sin Hüttenarbeiter aus Lollar und dessen Sohn sind überführt, dem Eisenwerk in Lollar eine Reihe von Gegenständen gestohlen zu haben, und erhalten deshalb an Stelle Der an sich ver­wirkten Gefängnisstrafen von 8 und 5 Tagen Geldstrafen von 50 000 und von 30 000 Mark.

Weiter sind ein Schüler und ein Kaufmanns- lehrling aus Lollar des Diebstahls von Schlacken-

du noch, Eberhard, wie wir dir einmal einen anonymen Liebesbrief schrieben, und uns nachher schrecklich ärgerten, Dafl du nicht darauf herein- gefallen warst?"

Arnolds lachte:3a, Uschi. Du warst em wildes, unnützes Mädel."

Frau Thouvenin seufzte, und einen Augenblick war das pikante Gesichtchen ganj ernst.Das Leben duckt einen nachher schon von selber." Aus dem ewig lachenden Munde Ifang daS ganz tragisch.

Es war fast, als wolle das «Schicksal selber eine ernsthafte Bestätigung dazu sprechen Denn durch das weihe Gartenpförtchen kam eben' der alte Klaus, Der Postbote und Depeschraträger in einer Person, mit wichtiger und zugleich etwas wehleidiger Riiene - Der Miene eines Einge­weihten auf die Terrasse zu, wo sie alle zu- sammensahen, und gab Bürgermeister Arnolds ein Telegramm, während er zugleich so ausdrucks­voll auf Frau Thouvenin schaute, dah diese entsetzt aufsprang:Für mich?" Klaus nickte bedeutungs­voll. Sie rih es heftig mit zitternden Fingern auf.Um Gottes willen. Meine Mama! Ich muh nach Hause."

Der Bürgermeister nahm das Telegramm und warf einen Blick hinein. Dann sagte er: Aber Uschi! Wie kannst du dich Darüber auf- regen? Das ist doch wteder die alte Geschichte, Die du mm schon bald kennen solltest. Eigjentlich muhtest du doch dies Telegramm mit ziemlicher Gewihheit erwarten. Ich glaube, als du das letztemal bei uns warst, lautete es fast wörtlich so: Komme sofort, bin sehr elend, bedarf Deiner dringend." Du 'weiht ja. dah deine Mutter nicht ohne dich sein lann. (Fortsetzung folgt)