Einzelbild herunterladen

Nr. 88 Zweiter Blatt

Die Kohlenversorgung des besetzten Gebietes.

Die Rheinlandkommissivn versucht erneut, dir Schuld für die dem besetzten Gebiet drohende Kohlenkatastrophe von sich ab- mttvälzen. indem sie die öffentlichen Anstalten des besetzten Gebietes ausfordert. ihre Brennstoffe bei den Produzenten unmittelbar zu bestellen, während sie sich bereit erklärt, den Transport aus der Eisenbahn sicherzustellen bzw. auf den Wasserwegen nicht stören zu wollen. Die letztere Zusage jft wohl eine Selbstverständlichkeit, wenn die Rheinlandkommission aus diese Weise für das besetzte Gebiet den Retter in der Kchlennot spielen will. Aber der einfachste Weg, die v o l l- kommene Freigabe der Transport­mittel, wird von der Rheinlandkvmmission nicht beschritten! Oder wie will die Rheinlandkommis- sion die Vertreibung der deutschen Eisenbahner und die Zerstörung des ganzen deutschen Eisen bahn-Ver- waltunqSapparats in Einklang bringen mit dem Versprechen, Kohle für die Bevölkerung zu transportieren? Glaubt sie, dass der deutsche Eisenbahner sich der neuen französisch-belgischm Eisenbahnregie auf Gnade und Ungnade aus­liefert. um seinem Volk In den Rucken qu fallen und Kohlen nach Frankreich und Belgien zu schaffen auf die leere Ver­sprechung hin, dass dann vielleicht auch Köhlen für den deutschen Verbraucher abfallen? Asts ein solch plumpes Manöver fällt der deutsche Äsenbahner nicht herein, Lind was soll es helfen, wenn die Rheinlandkommission die ersvrderitchen Befehle geben wird, damit weder die Ladung noch die Kähne oder Schlepper bei solchen Transporten requiriert werden? Kein deutscher Reeder und kein deutscher Arbeitnehmer kann sich darauf einlassen, denn er laust, wenn er sein Fahrzeug überhaupt in Betrieb hält, Gefahr nach der Transportausführung, bei der Leerfahrt, oder wie dies auch schon der Fall getvesen ist still im Hafen liegend, zu fran­zösischen Diensten requiriert zu werden.

In dieser Richtung hat die Rheinland- Kommission aber gar keine Sicherheit ge­geben. Wie weit kann man Oren Zusagen über­haupt trauen, da sie den feierlichen Vertrag, das Rheinlandabkvnnnen", mehrfach durchbrochen hat. Auch von einer Zusicherung der französischen Regierung, die für die Handlungen der De- satzungstruppLn matzgebend ist. gegenüber der deutschen Regierung ist nirgends die Rede. Lind glaubt die Rhein la ndkommission wirklich, dass es möglich sein werde, die deutsche Arbeiterschaft äu spalten, in einen Teil, der unter der Gnade der Rheinlandkomnüssivn Transporte, an denen sie Interesse hat, ausführen darf, und in einen anderen, widerrechtlicher Behandlung ausgesetz- *ten Teil, wo doch alle auf Grund der Mann­heimer Akte, eines internationalen Vertrages, das Recht vollkommen freier Betätigung haben!

Die deutsche Regierung wirt» wohl selbst ihr Bestes tun. um für die Rot- leidenden im besetzten Gebiet zu sor- öcti. Für alles, was sie unter den ihr auferlegtenj Hemmungen nicht zu erfüllen vermag, fällt un° ermetzliche Schuld auf die Leiter des friedlichen Ruhrunternehmens". Die 'Rheinlandkommission möge sagen, ob sie zur Wie­derherstellung des vertragsmässigen Zu- sta n de s bereit ist, dann werden sich auch wieder die Mittel finden, für das besetzte Gebiet zu sorgen. Etwas selbstverständliches mühte ihr die Wiederherstellung der Rheinschiffahrtsakte sein, d. h. die Freiheit von jeder Beschlagnahme. dolle Sicherheit für Fahrzeug und Personal. Freiheit von Belastung mit Formalitäten und Bezahlung von Abgaben wie sie von Behörden der Be­satzung struppen verlangt werden. Darm wird auch die Rheinschissahrt wieder in Tätigkeit treten und ihre wirtschaftlichen Aufgaben erfüllen können.

Wllson zeugt für die Unschuld Deutschlands.

In seiner Rede vor dem städtischen Frauen- f[ub in Ein cinati (Ohio) sagte Wilson am 2 6. Oktober 1916:Ist Ihnen jemals be­kannt geworden, was den gegenwärtigen Krieg hervorgerufen hat? Wenn ja, so wünsche ich daß Eie es veröffentlichen, denn soweit ich unterrichtet bin, hat noch niemand es bekamrtgemacht. Kein besonderer Anlatz hat ihn hervorgerufen, sondern die Gesamtheit der Lllnstände. Ein gegenseitiges Misstrauen war in Europa entstanden, ein gegen­seitiges Argwöhnen bezüglich der Handlungen dieser und jener Regierung, eine Verstrickung in Bündnisse und Verständigung, ein enges Reh

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Montag

fcnbadjer Ledererzeugnisse und lause, Dinge, die gebührend bestaunt werden. Rur , datz die r Hern hessischen Land chaf ten in bie-

von Ränken, von Spionage, das mit Sicherheit die ganze MenschHeitsfamilie jenseits des Wassers in seinen Maschen fangen muhte."

Wilson gesteht, daß er auf jeden Fall Amerika in den Krieg mit Deutschland geführt hätte.

Die ZeitungReuyork Amerika" vom 20. Aug. 1919 brachte einen stenographischen Bericht über eine Sitzung des ameriüanischen Senats, in der Wilson zugegeben hat. datz er auf alle Fälle, also auch wenn kein besonderer Grund dorlag. entschlossen war. in den Krieg mit Deutschland einzutreten. Diese Erklärung hat Wilson abgegeben in Beantwortung verschiedener Fragen, die ihm von dem Senator Mac Cumber gestellt worden sind. Wir geben nachstehend den Wortlaut der bezüglichen Fragen deZ Senators Mac Cumber und der Antworten Wilsons:

SenatorMac Cumber:Würde unsere moralische Lieberzeugung von der Llnrechtmätzig- feit des deutschen Krieges uns in diesen Krieg gebracht haben, wenn Deutschland keinerlei Akte gegen uns begangen hätte, ohne den Völkerbund, da wir ja feinen Völkerbund damals hatten?"

Der Präsident:Ich hoffe, es würbe eventuell angesichts der Entwicklung der Dinge so gekommen sein."

Senator Mac CumberDenken Sie. daß, wenn Deutschland fernen Akt kriegerischer Ratur und keinen Akt der Llngerechtigkeit gegen unsere Bürger begangen hätte, datz wir dann uns in diesen Krieg hinein bezeben haben würden?"

Der Präsident:Ja. das glaube ich"

Senator Mac Cumber:Glauben Eie, wir würden uns auf alle Fälle in den Krieg hinein begeben haben ?"

Der Präsident:Jak"

Trotzdem hat derselbe Wilson darauf bestan­den. datz wir durch den Vertrag von Versailles gezwungen wurden, uns als den für den Ausbruch des Weltkrieges allein Verantwortlichen hinzustellen. Inzwischen ist auch durch das Urteil eines amerikanischen Gerichtes festgestellt worden, datz die Versenkung derLusitania" nach Kriegs recht erfolgt rst.

Die Frankfurter Messe.

Frankfurt a. W., 15. April. (WTB.) Die Frankfurter Frühjahrsmesse wurde heute vormittag mit einem Festakt im Vortragssaale des Hauses Werkbund in Gegen­wart zahlreicher in- und ausländischer Journa­listen eröffnet.

Stadtrat Dr. Landmann hob hervor, datz die Frankfurter Messe als eine neue Absah- organisation gegründet worden sei, die sich als eine Rotwendigkeit infolge der Zerrüttung der Weltwirtschaft herausgestellt habe. Die heutige Messe sei von gewisser Bedeutung dadurch, datz mit ihr die erste Etappe des Ausbaues der Frankfurter Messe beendigt sei. Die Frankfurter Messe sei zunächst eine reine Improvisation ge­wesen: heute dagegen sei in dem organischen Aufbau der Schlussstein gelegt worden durch das neue Messegebäude Schu h und Leder und den Messegüterbahnhvf.

Direktor Mvd-linger betonte, datz man mit einem gewissen Bangen dem wirtschaftlichen Ergebnis der kommenden Tage entgegensehe. Hieran könne auch die beste Organisation nichts ändern. Die Frankfurter Messe habe sich bemüht, diejenigen Industriezweige zu pflegen, die im näheren und weiteren Frankfurter Wirtschafts- bezirk bodenständig seien ober bodenständig wer­den wollen. Das habe auch den Anlatz zum Dau des Hauses Schuh und Leder gegeben. Frank­furt habe den Anspruch, den es als Zentrum der Absatzorganisation und der Produktion der Le^er­wirtschaft aufgefteüt habe, mit Erfolg verteidigt, den Anspimch, die Messestadt der deutschen Leder­wirtschaft zu sein. Zum Schluß wies Direktor Modlinger auf den Fortschritt hin, der durch den Bau des Messe-Güterbahnhofs erzielt worden sei.

Kommerzienrat Wallerstein - Offenbach brachte den Dank der Aussteller für die Errichtung des Messehauses Schuh und Geber zum Ausdruck. Von der Wirtschaftskrise sei besonders hart die Schuh- und 2etertnhufirie betroffen worden, weil sie in hervorragendem Matze auf Halbfabrikate angewiesen sei, die vorwiegend aus ausländischen Rohstossen hergestellt seien. Erfreulich sei der Beschluss des Reichswirtschaftsrates, durch den die Fesseln für alle Industriezweige, deren Pro­dukten ziemlich an die Weltmarktpreise heran­gekommen sei, in erheblichem Umfange gelockert worden feien. Die Ausfuhrliste sei erheblich er­weitert worden. Es sei zu hoffen, datz auch die fremden Länder, nachdem ein Dumping nicht mehr zu befürchten fei, die dem Handel auferlegten Be­

schränkungen fassen lassen würden, fo datz die Bahn für ehren wirklichen internationalen Wirt- schafts» und Handelsverlehr frei werde

Stadtrat Dr. Landmann schloss die Feier­lichleit mit einem begeistert aufgcnommeaen Hoch aus unser deutsches Vaterland.

Dor einem geladenen Publikum wurde heute mittag hn Dürgersaale des Rathauses die achte Frankfurter Kun st messe eröffnet. Reben Messeständen des deutschen Kunsthand-rls und der Künftler-Derkaufsgenossenschaften ist wieder eine Sonderausstellung veranstaltet u 'd "ttxir gilt sie diesmal den Kunststätten d.S Hes­sischen Staates. Das Bestreben der Jaefie- leitung, einen möglichst vollständigen Ueberblick zu geben, ist durch das Entgegenkommen der hessischen Regierung, sowie des früheren Grobherzogs und des Grafen Konrad zu Erbach in einem weilen Umfange verwirklicht worden: auch die Stadt­verwaltungen haben ihr Interesse durch reiche Be­schickung der Ausstellung tinbflcgeben.

Rach einer eindrucksvollen Begrüssung durch Direktor Sutter ergriff auch Regierungspräsi­dent Hönisch das Wort. Das Zustandekommen der Frankfurter Messe im allgemeinen und der Frank­furter Kunstmesse im besonderen habe in diesen Tagen und an dieser Stelle eine grvtze allgemein^ Bedeutung. Frankfurt, einer der Eckpfeiier der deutschen Westmark, beweise In der Veranstaltung von neuem, datz es ein Hort des deutschen Volks­tums auch in der deutschen Westmark sei. die nie­mals zur franzes scheu Ostmark tixrten dürfe, tote auch der Rhein niemals zur deutschen Grenze wer­den dürfe. Das deutsche Volkstum misse erhalten bleiben und nicht nur zum Heile Deutschlands, son­dern auch zum Heile der ganzen Welt.

Dr. L ü b b e ck e gab dem Danke an die hes­sische Regierung, die S abtterwaltu-gen foiric den ehemaligen Grohherzog und den Grafen zu Erbach warmen Ausdruck und hob hervor, welche reiche Fülle an Kunstschähen das hessische Land in sich berge.

fpd Die gewaltigen Hassen des Mefstgeläa- des sind ge,ünt. Tausende von Kaufleuten aus ganz Deutschland und auch aus dem Auslands sind gegenwärtig Gäste Aanksurts. Den alten Messebauten finb neue -zugchügt worden. Die AusstellungsgruppeLeder" erhielt in der tixii» räumigen HalleSchuh und Leder" ein Heim, in dem sich Frankfurt als Metropole der Leder­industrie für den Rhein- und Mcrrngau glanzvoll vorslellt. Wenn bisher die Gruppe TeftibvarLN auf der Messe vorherrschend war. so macht jetzt ihm das Leder stark den Rang streitig. Die öfter- re'chischeü Lederwarefanden in der neuenWie­ner Halle" eine eigene Halle Lieber Haupt Hai sich die Zahl bet Wiener Aussteller erheblich gegen früher vermehrt. Sonst sind alle Ge­schäftszweige wie immer reich und gut beschickt. Landw.rtschaftliche Maschi en erregen Heuer das besondere Interesse der Messebesucher. U^berreich ist die Füsse der Tertillojen in der Festhalle. Aus­gezeichnet hat das Kunst gewerbe ausgestellt. Ueberall drängt sich Stand an Stand, jeder reich mit deutschen Erzeugnissen jeder Art gefüllt: ein Bild der noch ungebrochenen deutschen Wirt­schaftskraft und des zähen Lebenswillens der deut­schen Industrie und des Handels.

Bon besonderem Wert ist der neugeschaffene Messegüterbahnhof, auf dem dir Messe­güter unmittelbar herangerollt und den einzelnen Hallen zugeführt werden. Die Missteller brauchen sich jetzt um leinen Spediteur mehr zu kümmern, sie sind völlig unabhängig von den verschiedent- lichen Transportcrrbeiterttre'.ks unmittelbar vor der Messe geworden. Der Messgüttrbahnhos hat ssch ausserordentlich bewährt und ist der erste der Welt.

Das Stratzenbild Frankfurts scheint nicht so wie sonst hn Zeichen der Messe zu stehen. Es fehlen vielfach die schreienden Re° klarnen. die lcbenbigen Llmzüge. wie sie z. B. Leipzig eigen find. Der Hauptverkehr flutet durch die Hohenzollernstratze dec Messestadt um die Festhalle zu. Hier entwickelte ssch auch bereits heute früh unmittelbar nach der -Eröffnung reges Leben. DaS Geschäft, soweit sich bis jetzt beurteilen lätzt, zeigt das typische Bild des Konjunktur- umschwunges, leises Vertrauen in die Mark, aus der zwei-ellos die Flucht aufgehört hat. Dagegen ist die Angst vor zu teurer Ware deutlich in die Erscheinung getreten. Man spart wieder in Mark.

In den prunkvollen Rahmen der Römerh allen unb Römersälen fand diesmal HessischeKunst eine Heimstätte. Im Mittelpunkt der Schau stehen die wundervollen Sammlungen des Grafen von Erbach: Waffen. Buchkunst, Elfenbeinschnitzerei. Die hessischen Städte zeiaen eine Fülle ihrer Präch­tigsten Ansichten, Oberhessische Bauern­kunst fevrt hier Trtnmphe Bilder aus bem Le­ben der Al t-Gietzener Lin rver sitä t. Os­

sein Kranze fehlen. DieHessische Kunst" darf als die bisher Mle Veranstaltung der Kunstmesse be­zeichnet werden.

Gerichlssnal.

fpd. Frankfurt a M., 15. April. Die Strafkammer verurteilte die beide i Althand- ler Markus Lyon und Richard Wagner zu hohen Zuchthausstrafen, weil sie v o n M e- talldieben Meta Itei.e auf getauft Hatton Jetzt hat auch der PolHeiprchllent gegen bcibc ein Handelsverbot erlassen und deren Ge­schäfte fd) Lieben lassen.

* Mainz, 11. April. Das französische Militärpolizelgericht sällte heute, dem Mainzer Anzeiger ' -uso'ge. eine bedeutsame Ent. scheidung über den Besitz verbotener Zei­tungen des unbesetzten Gebiets. Ein Kaufmann aus Düfseldorf hatte bei der Auto» kontrolle am Bahnhof Mainz-Kastel eine Rümmer des im besetzten Gebiete verbotenen Sianffurter Generalanzeigers" in seinem 'Be­sitze. Die Zeitung wurde lonsisziert und Anzeige erstattet. Der Wili^ärstaatsanwalt be­antragte die Freisprechung, wrtl die der Anklage zugrunde liegende Verordnung der inter­alliierten Rheinlandlommission nur die Einsuhl verbotener Zeitungen zwecks Verbreitung (Kolportage) unter Strafe stelle. Im vorliegenden Falle möge dem Angeklagten geglaubt werden, dass er die Einzelnummer des verbotenen Blattes nur für sich und seine Farnllie gekauft und mit sich geführt habe. Das fei nicht strafbar. Das UrtcU lautete auf Freis prechung. Anders lag der folgende Fall: Ein Kaufmann aus Rieder Walluf hatte mehrere gleiche Rurnmern dei Frankfurter Zeitung" im Auto ins besetzte Ge­biet mitgebracht. Das Gericht nahm hier ver­botene Einfuhr zwecks Verbreitung an und er­kannte auf 50 000 Mark Geldstrafe.

München, 14. April. (Wolff.) Das Volks g e r i ch t verurtellte die beiden Mörder des Kauf' manns Daun aus Marienburg, den Kaufmann Immenkamp und den Angestellten Kasko aus Düsseldorf, die im Dezember 1922 Daun in der Rahe von Mittenwalde mit HolzPrügeln nieder- geschlagen und seiner Barschaft beraubt Hatton, z u m T o d e bzw. lebenslänglichem Zuchthaus und Aberkennung ber Ehrenrech:e auf Lebensdauer.

Vermischtes«

Flugzeugabsturz m Berlin. Drei Tote.

Berlin, 14. April. (Weiss.) Heute vor­mittag fand unter Geltung des Stadtbaurats Adler eine Besichtigung des geplanten Flug­hafens auf dem Ternpelhoser Feld statt. Daran schlossen sich Rundflüge auf mehreren Flugzeugen an, die um die Mittagsstunde ihr Ende erreichten. Ais gegen 12 Lähc ein der Luft- reederei Aero-Lloyd A.-G. in Staaken gehören- des FlugzeugD.26" auf dem Tempekhoser F.ld nach Beendigung der Fährt landen wollte, stürzte es aus einer Höhe von Z5 M e- te r ab und ging vollständig in Trüm­mer. Der Führer, sowie drei Insassen erlitten schwere Verletzungen und mutzten nach dem Lkr- bankrankenhaus geschafft werden. Verletzt wur­den: der Führer Roack. Stadtrat Boetzer. Bttriebsingenieur von Meszynski und De- triebsdirektor Voigt vom Verkehrsamt der Stadt Berlin. .

Rach einer Mitteilung des Aero-Lloyd trug sich der Unfall wie folgt zu: Infolge der herr­schenden Windrichtung und mit Rücksicht auf die unebenen Teile des Platzes mutzte das Start- und ßanbegelänbe in der Röhr des Wäldchens ausgesucht werden. Das verunglückte Flugzeug glitt beim Ginbiegen zum Platz in die Bäume und stürzte aus niedriger Hohe ab. Das Flugzeug ist eines berjerrigei Postflugzeuge, die im vorigen Sommer im täglichen Dienst 'Berlin HamburgWesterland Ve.werL-u ig fa den.

Stadtrat Boetzer. Oberinspektor von Meszynski und Betriebsdirektor Voigt sind ihren Verletzungen erlegen. Der Fug- zeugführer Roack hat einen Bruch, de 3 Brust­beins. mehrerer Rippen und einen Rervenchock davongetragen.

Zwei Schwerverbrecher entlarvt.

Berlin, 15. Llprll. Don der Berliner Kri­minalpolizei wurden ein Buchhal er Wunsch und ein Fabrikarbeiter Köhler, bttde aus Offen­bach, als Schwerverbrecher entlarvt. Rach Straftaten aller Art, wie Einbrüchen, Llnterschla- gungeit usw, sind beide aus Offenbach, wo sie .................um...................... jy» Ji

Das Moselhaus.

Roman von Luise Schulze-Brück.

5. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

Lind Christian Reidhardt Atzmussen märe bann abgelöst worden von dem bitten Bankier Dleidenstem, der aber in allen Gesellschaften ge­hätschelt wurde, weil er famose Tips gab für den Kauf seiner Papierchen, und der eine ganz ab­scheuliche Art hatte. Frauen anzasehen, so tarie­rend. als wolle er ergründen, zu welchem Kurse wohl ein Geschäftchen zu machen sei. Lind nach dem kam der Heine magere Olthofs. der ganz aus Kalauern und Wortwitzen bUtigfler Art zu­sammengesetzt war. so dass einem schon nach fünf Ollmuten vom Anhören und erschrecktem OBarten auf die nächste Pointe ganz elend wurde ach Gott, sie war immer wie gerädert nach einem solchen Abendel

Lind wie viele dieser Abende gab es in der Woche. Manchmal wechselte das Bild. Andere Salons, andere Risnschen, cm anderes Menü, aber im Grunde war's immer eine Folge von Ah- müssens, von Dleidensteins und Olthosss. Ober sie ging zu den Geheimratsoupers, wo die Speisen kalt waren, und die Weine warm, wo die Männer sachsimpelten und die Frauen nachher auf der roten ober blauen, ober sogar noch grünen Gar­nitur des Salons von vor dreitzig ober vierzig Hahren über ihre Dienstmädchen sprachen, über billige Bezugsquellen und teure Schneiderinnen, unb über diesüssen Babys" ihrer Töchter oder Söhne. Llird wo die Atzmussens und Bleibensteins und Olthoffs waren, da sah irgendein Jüngling mit einer Rikisch- ober Ansorgemaske am Klavier, unb rr gen deine Dame fang von einem ganz neuen Komponisten vertonte Lieder eines nagelneuen

Dichters, und bei den Geheimräten spiellen die Töchter feCber, wohleinstudiert und verständnislos und irgendeine sehr reife Tochter schnitt es gern in alle Rinden ein. Lind überall war es eng und Heist und stechend hell, und roch nach Speisen und Parfüms, dort nach den neuesten Mode- parfüms unb hier solide nach Cau de Cologne.

Frau Eva seufzte. Aber dann hob sie den Kopf. Eine ODolke von Dust kam auf einem Lüst­chen vom Rebenspalier, unb nun hob wieder das Glockenläuten an so feierlich klang es in_ die Sonntagsstille. Lieber die Mosel glitten Kähne mit Kirchgängern, auf der Strasse, die am Reb­stock vorüberführte, gingen einzelne Trupps. Sie tonnte sie sehen, die grossen, hageren, sehnigen Männer in den langen feierlichen Sonnlagsröcken mit spassigem, urvorweltlichem Zylinder auf dem Kopfe, die einen so seltsamen, etwas schlenkrigen Gang hatten. Die Maori hatte ihr schon erllärt. das komme vom Tragen der schweren Lasten in den Kiepen auf den steilen Weinbergspfaden, die endlosen schmalen Treppen hinan und hinab, die ihre Wauerterrassen miteinander verbanden.

Die Frauen waren auch fast alle in Schwarz. In ungeschickten Faltenröcken, die sie plump auf- rafften, darüber schwarze altmodische Umgänge und sonderbare Hutgebäade von schwarzen Spitzen, mit bunten Blumen reich besteckt, über den mageren, scharfen und alt aussehenden Gesichtern. Dann die jungen Burschen in langen Reihen, diese schon vom Soldatenleben geschult und von der Arbeit noch nicht gekrümmt, schlanker und gerader: die jungen Mädchen in farbigen städti­schen Kleidern, die den braunen Gesichtern wun­derlich standen. Rein, es war kaum ein schönes Geschlecht, das sie da voss sich sah, aber ein tüchtiges.

Wie sie nun auch durchs Dorf schritt, die peinlich saubere Dorfstrasse entlang, ba waren ihre Augen scharf und offen für alles, was sie sahen.

Wie stattlich und wohlhabend sahen diese Häus-er aus, die rechten alten Moselhäuser a as kunst­vollem Holzfachwerk mit den hohen Giebeln, die sich nach ber Strasse kehrten, und den Leinen zu zwei unb drei zusammen gelegten Fenstern. Oder Die neueren, ebenfalls mit den Giebeln nach ber Strasse, fest und solid aus Stein aufgerichtet, ihre Hauptfront nach dem Hose gekehrt und fast ver­borgen hinter den sehr hohen Hofmauern mit den gewaltigen Toreinfahrten in der Mitte. Lind wie reizend gehalten waren die Meinen Gärtchen vor und zwischen den Häusern, in denen Rosen blühten, wie feurig funkelten die blühenden Ge­ranienbüsche an den Fenstern in bunt glasierten Töpfen. Lieber allem aber derselbe Duft, ber be­täubende und doch so zarte Duft ber Rebenblüte.

Sie kletterte bie hohe Treppe hinan, die zu der ftiedhosurngebenen Kirche gehörte. Hamies Hausmann fiel ihr ein, unb einen Augenblick kam ihr der Gebanke. wie mühselig es doch fein müsse, die Sarge hier hinauf zu bringen. Aber war das nicht wie ein Symbol der Lebensarbeit dieser Menschen, dass sie alle auch diesen letzten Weg hinan noch stell stiegen, wie sie ihr Leben lang in ihren Bergen gestiegen waren?

Langsam ging sie zwischen den Gräbern bin» durch zur Kirchhofpforte. Auch hier leuchtende Blumen in Fülle, Rosen und Phlox, und auch hier ein Rebenspalier, das von einem Hausgiebel unmittelbar am Friedhöfe hinaufkletterte. Aus der weit offenen Kirchentür quoll starker Weih­rauchduft: Mäimer standen gedrängt am Em- gange, bie Hüte an ben Mund hallend, still in ie Kirche schauend.

Sie zögerte einen Augenblick. Aber schon hatte sie einer gesehen und rückte zur^ Srite, gab seinem Vordermann einen Puff, dass der auch rückte. Lind so trat sie ein und fand schnell Platz neben einer bereitwillig zurücktretenden jungen

Bauersfrau auf einer Dank, die nur noch Ra am zum Sitzen gab. Sonst kniete alles. Mäimer und Frauen getrennt. Sie sah nur gesenkte Köpfe, bie sich alle ganz ruhig hielten. Rur auf den vorderen Bänken war Farbe und Bewegung. Da drehten sich die braunen und blonden Köpfe ber Durschrn auf der einen, die Hüte der Mädchen auf ber anderen Seite.

Durch die mit bunten Scheiben eingefassten Fenster streute die Sonne blaue und feurigrote Flecken über die Knienden, am Altäre schwang ein Messdiener im weissen Röcke! über einem roten Llnterkleide das Weihrauchfass, dem bläuliche Wolken entfliegen. Der Priester im weissen, gold­gestickten Gewände hatte bie Messe schon begonnen.

Frau Eva Ohler hatte schon oft den Gottes­dienst in italienischen Kirchen gesehen, tt>o_ bei üxniberbare Rahmen ber Zeremonien eine über» toältigenbe Feierlichkeit gab. Hier war davor freilich nichts. Auf dem schlichten Altäre standen Sträusse von feurigroten Pfingstrosen and hohe steife, phramibenförmige Aufbauten künstlicher Lilien. Lind doch> war Frau Eva Ohler ergriffen.

Dor ihr kniete die alte Frau Hausmann Frau Eva hatte sie gleich erkannt. Den Kopf tief auf die Hand gesenkt, betete sie. Die junge Frau an ihrer Seite, die gesegneten Leibes war, hiell das Gebetbuch geschlossen und starrte vor sich hin. Was ging in ihr vor? Was hoffte, fürchtete sie? Anfang und Ende allen Lebens sah Frau Evo vor sich. Werden unb Vergehen.

Ein Lied stieg aus hundert ungeschulten Keh­len auf Dann stand der Geistliche auf ber Kanzel sie hörte bie Probigt an ihrem Ohr vorüberglellen bann wieder Gebet ber Gemeinde, Gesang. Orgel« spiel, bas leise Klingeln eines Glöckchens, bas feierliche Stille verkündete alles ging an ih- vorüber fast wie ein Llnwirlliches.

Lind als sie wieder draussen stand im Mew-