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Erfcheint läglich, außer Sonn» und Feiertags, mit berSamsfagsbeilage: EießenerFamilienblatter HlonallidieBejupspreife: 2850MarKund lbOMark 2ragerlot)n,durchdiePost 3000Ularh,aud) bei^Iicht- er|cheinen einzelner Num­mern infolge höherer Gewalt. - Fernlprech- Anfchlüfse: sürdieSchrift- leilung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach. richten: Anzeiger Liehen.

|oftfd)eatonto:

Srantfurl a. Ni. 11686.

Erstes Blatt

173. Jahrgang

Donnerstag, 15. Mr; 1925

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vnick und Verlag: vrühl'fche Univerfitätr-Vuch- und Steindruckerei R. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstratze 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejede BerdlndUchkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigeno 27mniBreite örtlich 80 Mk, auswart» 100MK.;für Reklame- Anzeigen von 70 mm Breite 400 MK.BeiPlah- vorjchr«ft 20U/O21uf|d)lag. Hauptschriftleiter: Äug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Ernst Blumlchein; für den Anzeigenletl: Hans BeL, sämtlich in Bietzen

Die deutschen Fehllieferungen".

Och für meinen Teil ziehe Hie Beset­zung und die Eroberung dem Geldein- streichen und Reparieren vor. DaS einzige Mittel, den Versailler Vertrag zu retten, be­steht darin, es so zu arrangieren, daß unsere Gegner, die Besiegten, ihn nicht e i n h a l t e n können. So entwickelte Poin- care vor französischen Journalisten sein Programm". Am 26. Juli 19221 And er hat es soarrangiert, daß wir die Bedingungen nicht einhalten konnten. Daraus kon­struierte er dieabsichtlichen und bös- w.lügen Verschlungen Deutschlands bei Den Kohlen- und Holzlieferungen, lieh sie sich von der willfährigen Reparalionslommission in Paris bestätigen und gab den Befehl zum Vormarsch, zur Ergreifung vonSanktionen. Was aus derfriedlichen Aktion geworden ist, wissen wir. Die französische Regierung hält trotzdem unentwegt die Behauptung aufrecht, Frankreich sei durch die dauernden, böswilli­gen Verfehlungen Deutschlands zu Gewalt­mahnahmen gezwungen worden. Tagtäglich wird derzahlenmäßige Beweis dafür von der französischen Presse und Propaganda der Welt vorgesetzt. DieseBeweise aber sind nichts wie grober Betrugsversuch.

Was ist nun die Wahrheit? Die Forde­rungen übersteigen erstens die Lei­stungsfähigkeit Deutschlands, überstei­gen zweitens den Bedarf Frankreichs, und drittens haben die Franzosen durch schikanöse Handhabung der Bestimmungen bei der Ab­nahme die Lieferungen selber verzögert und verhindert. Sie wollten eben die deutschen Verfehlungen erzwingen.

Beschäftigen wir uns erst mit den Koh­lenlieferungen. Frankreich und Luxem­burg sollten 1922 erhalten 14 788 500 Tonnen. Sie erhielten 13 201 195. Die Minderlieferung betrug also 1,5 Millionen Tonnen. Cs ist überflüssig, zu beweisen, dah die Kvhlenfor> derungen der Entente weit über die Lie­ferungsfähigkeit Deutschlands hinauS- gingen. Die dauernden Betriebseinschränkun­gen, Arbeitszeitverkürzungen, Stdckungen im I Verkehrswesen, in lebenswichtigen Betrieben, in den Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerken infolge eines immer stärker werdenden Koh­lenmangels reden eine zu deutliche Sprache. , Wir waren gezwungen, ausländische Kohle zu kaufen, um die deutsche Wirtschaft überhaupt in Gang zu halten und um die Reparations­kohle liefern zu können. Alle Vorstellungen der deutschen Regierung bei der Reparativns- kommission, die Forderungen herabzusetzen, waren erfolglos.

Was geschah mit der deutschen Kohle? Frankreich brauchte die geförderten Men­gen nicht. ES bot sie dem Ausland zum Kauf an. Heber l*/2 Millionen Tonnen deut­scher Reparationskohle sind tatsächlich an das ' Ausland weiterverkauft worden, mit einem Gewinn von einer Milliarde Franken. Dazu kommt, dah Frankreich die besten und höchst­wertigen Kohlensorten verlangte, dazu eine ganz unverhältnismäßig große Koksmenge, und dah es von Januar bis November 1922 die Annahme von 831 055 Tonnen verwei­gerte. Sie waren ihm nicht gut genug.

Aehnlich stehen die Dinge mit den H o l z - ' (ieferungen. Bis zum 1. Mai 1922 muhte ! Deutschland trotz wiederholten Drängens auf I die Anforderungen warten. Dann wurden Forderungen auf Holzarten und Abmessungen und unter Bedingungen gestellt, wie sie in Deutschland nicht üblich sind. Das bedeutete eine erhebliche Erschwerung für die deutsche i Sägeindustrie. Trotzdem gelang es, den Schwellenbedarf für Belgien vollkommen sicherzustellen, ebenso die Lieferung von Schnittholz für Frankreich voll aufzubringen. Aber bei den Te l e g r aphe n st a n ge n ver­langten die Alliierten so ungewöhnliche Ab­messungen, AuSsortierungen und Imprägnie­rungen des Holzes, dah ein größerer Teil be­reits gekaufter, den deutschen Bedingungen entsprechender Telegraphenstangen nicht zur Ablieferung gelangen konnte. Schon zu Be­ginn des Jahres 1922 war von deutscher Seite Darauf hingewiesen worden, daß es infolge per späten Anforderungen wahrscheinlich Nicht möglich sein würde, die Lieferungen rechtzei­tig durchzuführen. And so trat ^"ndas ^ln- bermeidliche ein, wir blieben im Rückstand. Frankreich erhielt statt 200 000 L>elegraphen- ftangen nur 75 000, anstatt 55 000 Äuoinneter nur 35 000 Kubikmeter Schnittholz. War der Bedarf Frankreichs wirklich dringend < mein! Das Holz liegt heute noch zum größten Teil unangetastet und dem Verfaulen aus­gesetzt, so wie es angeliefert wurde.

Jeder objektive Beurteiler wird nach dem Gesagten zu dem Schluß kommen, daß die Feststellungen deutscher Fehlleistungen em Deckmantel für den politischen und wirt|chast-

lichen Imperialismus ist, der die Herrschaft über die Ruhrkohle anstrebt und Deutschland zertrümmern will.

Die Beerdigungen in Buer.

Duer, 14. März. (WTV.) Heute in aller Frühe wurden zwei der drei deutschen Todesopfer beerdigt. Rur die allernäch- ten Angehörigen d-er Toten durften auf den Friedhof. Dem Oberbürgermeister der S.adt war es erst nach langen Verhandlungen erlaubt, als Vertreter der Bürgerschaft dr Beer­digung beizuwohnen. Die Stadtverwaltung hat bei den Franzosen auf das Energischste dagegen protestiert, dah die Franzosen ein würdigeres Begräbnis verhindert haben.

Die Franzosen veranstalteten eine glän­zende Trauerfeier für die beiden er * chossenen Offiziere. Die Leichen waren in dem durch Blumengewinde, Fahnrn und schwarze Tücher ausgeschmück e i Ratyaus auf- gelahrt. Auf dem Rathausvorplatz hatten drei Kompagnien Alpenjäger un) mehrere Insanteric- kompag'üen und Kavallerieschwadronen Parade- aufstellu.ig genommen. Um ll1/« Uhr fujr Ge­neral Degoutte im Auto vor. Dana setzte sich der Leichenzug zum St. Aräankirch)of in Be­wegung. D.m Särgen, die auf Lafetten ausgrbahrt waren, folgten die nächsten Angehörigen, die Generalität der Besatzungstruppen des Ruhr­gebiets und die ablommandierten Kompagnien.

gwei weitere Deutsche erschossen.

Buer. 14. März. (WTB ) Außer den be­reits gemeldeten drei Todesopfern haben die Franzosen am Montag mittag noch zwei Schupobeamte erschossen, und zwar auf dem Hose des Lyzeums. Der Vorgang wurde von einer Rachbarin der umliegenden Häuser durch die Dachluke aus kurzer Entfern rng beobachtet. Die Erschossenen s.nd die Wachtmeister Mohr und Krause. Die beii>en Beamten waren aus dem Einbruchsgeb et ausgewiesen wor­den. waren aber wieder zurückgäkehrt, um ihre zurückgelassenen Sachen zu holen. Die Leichen wurden bisher noch nicht freigegeben. Der Termin, bis zu welchem sämtliche Schupobearnte aus dem Einbruchsgebiet sich entfernen sollten, war von den Franzosen auf den 13. Marz fest­gesetzt worden; die beiden Beamten sind aber bereits am 12. März von den Franzosen wieder ergriffen worden. Oberbürgermeister Zimmermann, ter w^gen Rich b^folgunq des Regn s tivnsb.-fehls zu 1 0 Millionen Mark Geldstrafe verurteilt worden ist und augenblicklich als Geisel in Recklinghausen fest­gehalten wird, ist jetzt aufgefordert worden, die 10 Millionen Mark zu bezahlen.

Zu ter Erschießung der beiden Schuh- Polizeibeamten rm Hof des Lyzeums in Duer meldet das ^B.T.", daß die Erschießu g auf Grund eines überlegten Befehls erfolgt ist. Zwei Offiziere und zwei Soldaten haben dm Tefehl ausgeführt. Wie dem Blatt Wei er gemeldet wird, sind die vier Verwundeten, die am Sonntag französischen Kugeln zum Opfer gcfaUen find, seitdem verschwu eben. Sie befinden sich in den Händen der Franzosen, in welchem Zustande, ist unbekannt.

Die Verkehrslage im Ruhrgebiet.

Münster, 14. März. (WTB.) Außer Den Ruhrvrter Bahnhöfen sind gestern nach­mittag auch die Bahnhöfe Recklinghau­sen - S ü d und Bottrop-SüD von Den Franzosen besetzt worden. Auf der Strecke Schalk eW a n n e und Rcck inghaustn-Süd werden seit gestern die Züge angehalten und die Kohlenzüge ausgesetzt. Richthaltente Züge werden beschossen. Dabei wurde heute nacht der Heizer eines Zuges in der Rähe des Blockes Nordstern durch einen Schuß schwer verletzt. Auf einigen Zechen bei Rauxel erschienen kleine Kommandos, um Kohlen zu requirieren. Als zur Alarmierung der Belegschaft die Sirenen zu heulen anfin­gen, verliehen die Franzosen die Werke wie­der. In der Nacht vom 12. zum 13. März wurde das zwischen Hagen und Herdecke ver­kehrende Postauto angehalten und ein Paket im Werte von mehreren Millionen beschlag­nahmt. Das Auto wurde wieder freigegeben. Auf dem Bahnhof Hengstei haben die Fran­zosen Ministerbilder angebracht, damit Die Soldaten bei der Paßkonttolle etwaige einreisende Minister erkennen können. In den Bezirken Recklinghausen, Herne und Horst sind die dortigen Truppen durch neue, unmittelbar aus Frankreich kommende, verstärkt worden. In Langendreer ist heute erneut für 2000 Mann Quartier best.llt worden. Die Truppen sollen noch im Laufe des Tages dort eintref­fen. Auch die umliegenden Orte sind stark mit Truppen belegt worden.

Berlin, 14. März. Die Blätter melden aus Gelsenkirchen: Der fahrplanmäßige G ü- terzug Wanne Bottrop wurde heute früh kurz vor der Nordsternbrücke bei Bot- I trvp durch Signale von Den dort stehenden französischen Wachtposten zum Halten auf» I gefordert. Trotz starken Bremsens gelang es

dem Lokomotivführer nicht, den in voller Fahrt befindlichen Zug noch vor der Brücke zum Stehen zu bringen. Die Spitze des Zuges rutschte noch einige Meter über die Brücke. Sofort eröffneten die Franzosen Schnell­feuer auf die Maschine und verwun­deten den Heizer durch zwei Brustschüsse lebensgefährlich. Nach der Unter­suchung der Lokomotive und des Packwagens konnte der Zug die Fahrt fortsetzen. Der schwerverwundete Heizer wurde in Carnap ausgeladen und ins Altenessener Krankenhaus gebracht.

Die Ausweisungen.

Mainz, 14. März. (Wolff.) Der Lei­ter der Agentur Mainz des Wolffschen Bureaus, S t e u f m e h l, ist heute morgen von den Franzosen verhaftet und sofort ausgewie­sen worden. Seine Familie hat binnen vier Tagen das besetzte Gebiet zu verlassen.

W i e s b a d e n, 14. März. (Wolff.) Blät­termeldungen zufolge ist der Kreissekretär Klebanowski aus RüdeSheim ausgewie­sen worden, desgleichen Bürgermeister Scheurich aus Braubach und Stadtsekretär Lehmann aus Caub.

Biebrich, 14. März. (Wolff.) Hier ist der Studienrat Schneider von der Riegel­schule in Biebrich ausgewiesen worden, weil er von seinen Schülern im besetzten Gebiet das untersagte Deutschlandlied hatte fingen lassen.

rm. Darmstadt, 14. März. Gegen die Ausweis ung des Pfarrers Berck- Mombach hat das hessische Oberkonsisto- riiim, besonders auch mit Rücksicht darauf, daß bemnädVt in zwei von Pfarrer Berck betreuten Gemeinden de Konfirmation stattsi.rdet, energische Verwahrung eingelegt.

Kriegsgerichlsurteile.

Mainz, 15. März. (WTB.) Die da- bischen Regierungsbeamten Rudolf Meyer und Walter Müller aus Offenburg hatten sich vor dem französischen Kriegsgericht zu verantworten, weil sie dem Befehle der Be­satzungsbehörden, Plakate mit Verordnungen der 2cheinlandkommission zum Anschlag zu bringen, nicht Folge geleistet hatten, und fer­ner die ihnen unterstellten Beamten zum An- gehorsam gegen Verordnungen der Rhein­landkommission aufgeforDert haben sollen. Das Ar teil lautete gegen Meyer auf 1V2 Jahre Gefängnis und 30 Millionen Mk. Geldstrafe, gegen Müller auf 1 Jahr Ge* fängniS.

Die Unterdrückung der Presse.

Kaiserslautern, 15. März. (WTB.) DieFreie Pfälzische Presse und der Pfälzische Volksbote sind von den Franzosen für 3 Tage verboten worden wegen Veröffentlichung der Nachricht, daß die beiden französischen Offiziere in Buer von französischen Alpenjä­gern erschossen worden sind. Aus dem­selben Grunde wurde diePirmasenser Zeitung gleichfalls auf 3 Tage verboten.

Dortmund, 14. März. (Wolff.) Heute morgen wurden der Chefredakteur derDort­munder Zeitung, H o e r st e r, und Redakteur Rohde von Den Franken verhaftet. Ge­gen 8 Ahr wurden die Redaktionsräume der Dortmunder Zeitung von den Franzosen un­tersucht.

Dir Haltung Englands.

Paris, 14.März. (WTB.) Der Londoner Korrespondent desReuyork Herald" erfährt aus hochstehenden Kreisen, in der konservativen Partei bestehe eine starke Strömung, die. selbst wenn ein Eingreifen des Völkerbundes in der Ruhrfrage noch verfrüht sei, dahin teibr, daß die Regierung Frankreich um die B r- kanntgabe seiner Zukunftsabsichten hinsichtlich des Ruhrgebiets ersuche. Dieser An- sicht seien sogar auch eine An'ahl Minister. Angesichts der Abstimmung im Anterhaus nehme man an, dah sich ein Schritt dieser Art nicht mehr lange werde aufschieben lassen.

London, 14. März. (Wolff.) Der Parla- menlsberichterstat'.er des ^Daily Telegraph" mel­det, die Arbeiterpartei habe beschlossen, eine offizielle Abordnung in das Ruhrgebiet und andere Telle Deutschlands zu entsenden. Die Mitglieder der Abordnung würden nach ihrer Rückkehr der Exekutive der Arbeiterpartei be­richten.

London, 15. März. (WTB) Mac Reill teilte im Antrrhause mit, dah die Erlaubnis für britische Untertanen, sich nach dem besetzten Gebiet in Deutschland zu begeben, unter den gegenwärtigen Amständei nur für wich­tige Geschäfte oder aus Gründen ausnahms- weiser Dringlichkeit gewährt werde.

Die Reden im Unterhanse.

London, 14. März. (WTB.) In der fort­gesetzten Debatte im Anterhaus erklärte der Ratiowalliberale Fisher, die Frag? der Repa­rationen und die Sicherheit Frankreichs könne nur durch eine internationaleKonserenz geregelt werden, an der Amerika teilnehmen sollte.

Der Anionist Gretton betonte, die Re­gierung müsse früher oder später handeln. Er fragte, ob sie eine Politik der Ifotterung ver­folgen wolle, die zum Bruch mit Frankreich füh­ren würde. Abgesehen von einigen Sachverständi­gen fei man im allgemeinen auherhalb des Hauses der Meinung, dah Frankreich im Recht sei und Deutschland zu Verhandlungen gezwungen werden müsse.

Der Arbetterparteiler Thomas hob hervor, dah sich keinRedner zugunsten der Po­litik der Regierung auZge prochen ha^e. Er sagte, Frankreichs Vorgehen treibe die deut­schen Arbeiter, die sich dem alten militaristischen System widersetzt hätten, in das entgegengesetzte Lager.

Der Anionist Gray äuherte, Frankreich sei im Recht: England hätte sich dem Ruhrunter­nehmen anschliehen müssen.

Der Liberale Roberts erllärte, das Er­gebnis der Schritte, die heute getan worden seien, werde ein groher Krieg sein, durch den die europäische Ziü i alion vernichtet würde.

Der Anionist D a v i s s o n führte aus, Frank­reich habe nur das getan, was auch nach der Ansicht Lloyd Georges daS richtige Verfahren gewesen wäre, fa ls Deutschland mll seinen Lei|tan- gen in Verzug gerate.

Asquith betonte, alles, was Poin:ar6 erst int vergangenen Sommer auf der Londoner Kon­ferenz gesagt habe, sei über Bord geworfen. Die gesamte Organisation sei riesig aus­gedehnt worden, und es scheine wirklich kein Grund zu bestehen, weshalb die Franzosen nicht nach München und möglicherweise auch nach Ber­lin gehen solttea. S e e-rstr edlen bei ihrem Aben­teuer Reparaticnen und Sichnheit, beides Ziele, d e berechtigt seien, vorausgesetzt, dah die dabei beruhten Mittel durch den Vertrag von Ve sailles sankllvniert würden, und außerdem, daß sie wirk­sam se en. Dle von Frankreich gewählten Metho­den fügten den Engländer.t sehr ernsten Schaden zu und brächten keine Reparationen ein. Wenn es jemals Pflicht der britischen Regierung ge­wesen sei, eine entschlossene Politik zu verfolgen, so sei dies jetzt der Fall. Die Frage müsse unverzüglich an Den Völkerbund ver- to e:en werden, der einen Vertaidigungsvakt zwi­schen feinen Hauptmitgliedern schaffen müsse, durch den auch Frankreichs Sicherheit gewährleistet wer­den würde.

Der Anter st aatssekretär für aus­wärtige Angelegenheiten Mac Reill erklärte namens der Regierung, gewissen Mitgliedern des Hauses schienen einige grundlegende Tatsachen entgangen zu fein. Deutschland fei im Verzüge. Es sei beschuldigt gewesen, eines der größten Verbrechen begangen zu haben, die je gegen die Menschheit verübt wurden. Es sei zu früh, um dies zu vergessen. (Beifall auf der Seile der Regierungspartei.) Die Regierung, das Haus und er fei überzeugt, daß das Land immer noch Frankreich freundschaft­lich gefilmt fei (B.-ifall) Sie wünschten, sow-i dies möglich und mit dem Recht und der Beobachtung der Interessen Grohbrttanniens und des übrigen Europa zu vereinbaren sei, Freunde and Alliierte Frankreichs zu bleiben (Erneuter Beifall.) Die Meinungsverschiedenheit mtt Frankreich sei nicht eine solche der Grund­sätze, sondern eine der Methoden. Wenige Leute würden der Ansicht fein, daß der Einmarsch ins Ruhrgebiet als Sanktion für eine Versäum­nis gegenüber den Verträgen an sich eine An- gerechtigkeit darstelle. Sir Zohn Simon habe ie sehr ernste Frage gestellt, ob die Re­gierung der Ansicht sei, daß die Franzosen durch die Besetzung des Ruhrgebiets den V e r s a i l l e v Vertrag verletzt hätten. Er, Mac Relll, sehe nicht ein, warum die Regierung diese Frage beantworten solle. Welchem guten Zweck würde gedient, wenn die Regierung öffentlich, möglicher­weise durch den Mund ihrer Rechtsbeamten, die Ansicht ausdrücken würde, daß ihre Alllierten den Vertrag verletzt hätten, falls sie der Ansicht der Rechtsveamten sei. Es treffe nicht zu, daß das britische Heer jetzt umzingelt sei und keine Verbindung mit dem unbesetzten Deutschland habe. Auf die Vorstellung der Regierung hm hätten sich die französischen und belgischen Behörden aufs äußerste bemüht, die Lage für den britischen Handel im Rheinland zu erleichtern Zu dem Vorschlag, die gesamten Fragen dem Völker­bund zu unterbreiten, bemerkte Mac Reill, die Einrichtung des Völkerbundes wurzele noch nicht tief in dem Gedanken der Völler, und so könnte der Versuch, die Maschinerie des Völkerbundes in Betrieb zu sehen, diesen zertrümmern. Die Regierung sehe gegenwärtig keine Hoffnung, durch die Maschinerie des Völkerbundes oder durch irgendeine internationale Konferenz eine neue Politik einzuschlagen, die der geäußerten Kritll entgegenkommen würde.

Lloyd (vcorqe Über die Notwendigkeit der liberalen Einigung.

London, 15. März. (WTB) Bei ernem Frühstück der nationalen Antcrhausmttglieder hielt LloydGeorge eine Rede, in der er nachdrück­lich die Rotwendigkeit der Wiederver­einigung der Liberalen betonte. Ohne eine solche würde die Partei gelähmt sein Es habe in der letzten Zeit keine Regierung gegeben, die so schnell und so völlig ihr Prestige ver­loren habe. Wenn die Liberalen sich nicht wie­der vereinigten, so würden sie benfelben Weg gehen. Die Potttll der Regierung habe die revo­lutionären Elemente im Lande gestärkt. Die Gt» beraten seien keine Feinde der Arbeiterpartei, son- dem hätten nur beschlossen, die revolutionären Cle- I mente innerhalb der Arbeiterpartei zu bekampken.

Drzüg'ich der gegenwärtigen 2age auf bera I Festlande sagte Lloyd George, ihre Fort-