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(Er|d)emt täglich, avtz« Sonn, und Feiertags, mit berSamstaqsbeilage: GiehenerFamilienblätter monotliditDtjugsprfift: 760 Mark und 40 Mark Trägerlohn,durch diePost 800Mark,auch bei 9iicht» erscheinen einzelner Hum­mern infolge höherer Gewalt. - I ernsprech. Anschlüsse: für dieSchrift. leitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 61. Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Liehen.

poftschecllonto: gfontiutt a. M. 11686.

Montag, fS. Zanuar 1925

erftcs Blatt

U5. Jahrgang

GichenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Druck und Verlag: vrühl'sche Universttätr-Vuch- und Ztelndruckerel R. Lange in Gießen. Zchristleitung und Geschäftsstelle: Schulstraße 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm hohe für Anzeigen v 27 mm'Breite örtlich 30 Mk, auswärts 40 Mk.; für Reklame- Anzeigen von 70 mm Breite 150 MK.Bei Platz. Vorschrift 20"/, Außchlag Sauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz, für den übrigen Teil . Ernst Blumschein; für Öen Anzeigenteil: Hans Leck, sämtlich in Gießen.

Der Nationale anertug

in

Sn am

DuS der Neichshauptstadt.

Berlin, 10. 3an. (Privattelegramm.) den von den Sozialdemokraten

Der Zahlungstermin auf 31. Januar verschoben.

Paris, 13. San. (Wolfs.) Die Repara­tionskommission hat beschlossen, den T e r- m i n für die deutschen Zählungen vom 15. auf den 31. Januar hinauszuschieben

Paris, 13. Jan. (Wolff.) Lieber die heutige Sitzung der Reparativnskvmmission teilt Havas mit: Die Sitzung war hinsichtlich der W v r a t v r i u m s f r a g e, um die es sich bei den in der amtlichen Mitteilung erwähnten beiden Schreiben der deutschen Regierung vom Rotxmber 1922 bekanntlich handele, sehr kurz. Dradbury erklärte, daß er nichts gegen die in Frage stehenden Massnahmen einzuwenden habe. Äebrigens 'hätte die Reparationskommission sich noch über die Verzögerunee i auszusprechen, die bei der Regelung der Sachleistungen (Restitutio­nen in natura) festgestellt seien. Der amerikanische Beobachter Dohden, der de: Sitzung beiwohnte, erinnerte daran, daß er selbst nach Wiesbaden ge­schickt wurde, too er habe feststeslen können, daß das dortige Organ schlecht arbeite. Brad bury bemerkte, daß der Augenblick schlecht ge- tvä'hlt wäre, bei Deutschland in d.ee Hinsicht Borstellungen zu erhelen. 3m gegenseitigen Gin­vernehmen wurde dann unec den Kommissions­mitgliedern beschlossen, daß tragen der Sach­leistungen (Restitutionen in natuva) später an die deutsche Regierung herangetreten werden solle.

Auf der Tagesordnung stand ferner die deutsche Gesetzgebung Bett. Kapitalflucht. BartHou bemerkte, daß diese Frage mit der des Moratoriums zusamni'n'hänge. Auch hier wurde im gegenseitigen Einre nehmen ein Aufschub der Erörterung tx s hlo s.n. L7e'> ig ns wird versichert, daß dis T^eiesterten einmütig bereit sind, der Veröffentlichung der Protokolle i'hrer Intervention im Laufe der letzten Sitzung zuzu- stimmen, wonn eine Berse'tziung Deutschlands bei den KMenlieferungen festgestellt wurde.

Freiburg, 13. San. (WTD.) Der Erz­bischof von Freiburg hat an die Gläu­bigen der Erzdiözese einen Hirtenbrief ge­richtet, in dem er das Sehnen nach Frieden, das in den Herzen aller Gläubigen wohnt, betont. Diesem Sehnen nach Frieden seien aber jetzt militärische und wirtschaftliche Zwangsmaßnahmen unserer ehe­maligen Feinde gefolgt. Zu der ernsten Trauer über dieses Vorgehen müsse der ernste Wille treten, in unserem Volke Ordnung zu halten, die Frieden zu wahren und uns gegenseitig der Rot zu unterstützen.

Sitzung im Römer nach einer längeren Rede des Oberbürgermeisters Voigt eine Entschließung angenommen, in der einmütig Verwahrung ein­gelegt wird gegen die Gewalttat, durch die sich die verantwortlichen Leiter Frankreichs unter schwerster Mißachtung der Bestimmungen des Versailler Friedens weiterer Gebiete des Deut­schen Reiches bemächtigt hätten; eine Erklärung der Kommunisten wurde gegen die Stimmen der beiden kommunistischen Vertreter ab gelehnt.

Die für mittags von den bürgerlichen Parteien gemeinsam nach dem Schumann- Theater einberufene Protestversammlung hatte sich eines derartigen Besuches zu erfreuen, daß trotz des riesigen Raumes viele Tausende keinen Einlaß fanden, so daß eine zweiteVersamm- lung unter freiem Himmel abgehalten wurde, in der die gleichen Redner wie im Schu­mann-Theater selber sprachen, und zwar Pfarrer Karl V e i d t für die Deutschnationale Volks­partei, die Landtagsabgeordnete Frau Alken für das Zentrum, Landtagsabgeordneter Schulrat Schwarzhaupt für die Deutsche Volkspartei und Landtagsabgeordneter Goll für die Demo­kratische Partei. Die Leitung der Versammlung lag in den Händen des Wahlkreisvorsitzenden der Deutschen Dolkspartei, des Stadtverordneten Landgrebe. Einstimmig wurde folgende Reso­lution angenommen:

Frankfurts Bürgerschaft, die die Leiden einer vertragswidrigen Besetzung bereits selbst erdul­dete, gibt einhellig ihrer tief st en Empörung Aufdruck über den frevelhaften Gewaltstreich, den Frankreich wider Recht und Gerechtigkeit durch Besetzung eines weiteren Teils wehrlosen deut­schen Landes beging. Mann um Mann schart sich in dieser Stunde das deutsche Volk um feine Regierung; Mann um Mann schwört sie, bis zum Letzten zu stehen, in Einigkeit für deutsches Recht und deutsche Freiheit.

Am Rachmittage fand dann eine vom Republikanischen Reichsbund in Ge­meinschaft mit den Gewerkschaften ins Schu­mann-Theater einberufene Versammlung statt, in der Pfarrer Ernst Klein ebenfalls eindringlich Protest gegen das gewalttätige Vorgehen der Franzosen erhob; auch diese Versammlung hatte sich eines Massenbesuchs zu erfreuen.

Mannheim.

Mannheim, 14. San. (WTB.) 3n einer gewaltigen Pirntestkundgebung, an ter sämtliche bürgerlichen Parteien und Wirtschaftsgruppen teilnahmen, hielt Staatspräsident a. D. Dr. Hummel eine zündente Rede. 3n einem Telegramm an den Reichspräsidenten wurde schalster Protest gegen die Ruh Besetzung aus­gesprochen. Prinz Max von Baden sandte ein Telegramm an die Versammlung, in dem er seinem Schmerz und ferner Empörung Ausdruck gab über die neue Eevalttat der Franzosen und dem übermütigen Frankreich die Worte ent­gegenruft: Du bist der Friete-rsbrecher, der Rechtsbrecher, der Veckragsbrechr! Die Schuld Frankreichs werde mit jede n Schritt feiner Sol­daten auf deutschem Boden schwerer.

Eine Kundgebung des Kardinals Bertram.

Breslau, 13. San. (Wolff.) Die »Schles. Volkszeitung" veröffentlicht we er Verspätung der Ausgabe der diözesanen Verordnungen eine oberhirtlicheKundgebung anläßlich der Vergewaltigung unseres Vate:lan­de s, in der Kardinal Bertram an die Weih­nachts-Enzyklika des Papstes erinnert und weiter ausführt: ,

Dem Schmerze geren die unverständigen Ge­waltmaß regeln Ausdruck zu geben, das schulden wir der Rot des Volkes, das guillt aus unsr er glühenden Liebe zu Volk und Da'e.land. Zn den Wafsen, mit denen wir uns rüsten, gehört vor allem Starkmut, nttt dem jeder an feiner Stelle feine Pflicht erfülle in treuer emsiger Arbeit. Rie geben wjr uns selbst auf, nie verzagen wir an unserer Zukunft; dann aber vor allem Friede und Einigkeit in den Gemeinden. Provinzen und im ganzen Vaterlande. Sn der Zeit gemeinsamer Rot soll der Parteihader ruhen; nichts kommt den feindlichen Absichten so zugute, als wenn ein Volk sich gegenseitig zerfleischt. ,

Zum Schluß mahnt der Kardinal, den darben­den Mitmenschen* werktätige Liebe zu erweisen.

Ein Hirtenbrief des Erzbischofs von Freiburg.

München.

München, 15. San. (WTB.) Die vater­ländischen Kundgebungen am Vormittag wurden du-ch einen offiziellen Traue "akt der bayrischen Regierung und des Land­tags eingeleitet, wol'ei Miniiterpral ident Dr. von K n i 11 i n g den Gefühlen der Trauer, aber auch der nationalen Geschloste cheit Aus­druck gab ünb vor der ganzen Wttt laute Anklage gegen die Franzosen e hob. Anläßlich der Protest- Versammlung der Münchener Te >ollerung vor der Feldherrnhalle erhob Landtagspräsident König bauer energischen Pro'e t gegen die Vergewaltigung des Rührrev'e s. Auch auf der Versammlung der Vaterländischen Vereinigung erhoben die Redner unter lebhafter Zustimmung gegen das aller Gerechtigkeit hohnsprechende Vor­gehen Frankreichs Protest.

Köln.

Köln, 15. San. (WTB.) Der gestrige Ratio- ttaltrauertag verlief in Köln ohne Zwi - schenfalu 3n zahlreichen Versammlungen wurde gegen die Gewallmaßnähmen der Fran­zosen protestiert. Die öffentlichen Gebäude hatten halbmast geflaggt.

Frankfurt a. M.

Frankfurt a. M., 14. San. (WTB.) Der heutige Sonntag stand vollständig unter dem Zeichen einmütiger und gewaltiger Kundgebungen gegen das Vorgehen der Franzosen im Ruhr­gebiet. Schon am frühen Vormittag hatten Magistrat und Stadtverordneten­versammlung in einer außerordentlichen

Erstreckung der Besetzung auf Bochum?

Paris, 13. San. (WTD.) Havas teilt teilt mit, der ursprüngliche Plan der Besetzung des Ruhrgebietes habe zwei Phasen vorge­sehen, von denen die erste die jetzt durchgeführte Besetzung der Tlmgegend von Essen umfasse; die zweite Phase erstrecke sich auf die Ugebung von Bochum. Indessen werde die zweite Ope­ration, obwohl man sie im Auge behalte, nur dulchgeführt werden, falls Deutschland seine Koh- lenlieferungen einstel'e. Dieses Manöver Deutsch­lands würde dazu führen, daß die Fabriken des Ruhrgebiets die 21 rbeit einstellen. Das Ruhr­becken fördere bekanntlich nur 28 Millionen Tonnen Kohler. Die Reparationslieferungen beliefen sich ihrerseits auf 19 Millionen Tonnen. Zur Ver­sorgung der Betriebe des Ruhr^biets würde also nur noch die unzureichende Kohlenmenge von 7 Millionen Tonnen übrig bleiben. Durch die Besetzung der Zone von Bochum bekäme man eine Produktion von 70 Millionen Tonnen in die Hand. Aus diese Weile könnte man die Bedürfnisse der Ruhrbetriebe befriedigen, die normalen Repa­rationslieferungen 'sicherstellen und den Rest Deutschland überlassen.

Paris, 15. San. (WTD.) Poincarä hat gestern mit dem Minister für öffentliche An­bei'en und dem Finanzmmister über d e Maß- nahmeir verhandelt, die im Ruhrgebiet in der Ausführung begriffen sind. Wie demPetit Paristen" gemeldet wird, werden die französisch- belgischen Truppen ebenfattä den Bezirk von Bochum besehen und von Mittwoch av werden die Alliierten in dem neubesetzten Gebiet die Kohlen st euer erheben. Von dem neu zu besetzenden Gebiet sollen die mehr industriellen als Bergbaubezirke von Dortmund, Witten und Barmen ausgeschlossen bleiben. Das jetzt neu zu besehende Gebiet wird in Frankreich dierote" Zone genannt, das bereits besetzte diegrüne. Die tote Zone produziert nach lern ,Petit Pari­sien" 54 Millionen Tonnen Kohlen, die grüne Zime 26 Millionen und das linke Rheinuser 6 Millionen. Die 2llli erten würden also nach volle deter Besetzung 86 Millionen Tonnen er- hatten. Das würde in weitestem Maße genügen, um die Reparationskommission mit ihren 19 Mil­lionen TonnerGfür die Alliierten und das Ruhr­gebiet zu befriedigen. Die Beschlagnahme ber Kohlensteuer sei notwendig, um die Zechenbesiher für die Lieferungen an die Alliierten zu ent- fchädigen. Eine Ordonnanz des Oberkomman- dirrenden m den Rheinlanden werde die Macht­befugnisse des Herrn Sofie nur nur auf das Ruhrgebiet ausdehnen, sondern auch auf das linke Rheinuse' übertragen. Andere Maßnahmen könn­ten gleichfalls unerläßlich werden, creirn beispiels­weise die Reichsbank das Ruhrgebiet nicht mehr mit den nötigen Geldern versehen werde.

Die Kosten der neuen Besetzung.

05er(in, 13. Jan DieKostenderneuen Besahu ng stehen, wie den Blättern mitgeteilt wird, in schreiendem Mißverhältnis zu den Rückständen, in denen die deutsche Regie­rung bezüglich Holz und Kohlen geblieben ist. Durch die Dst?hung des Ruhrgebietes erwachsen monatlich 7 Millionen Goldmark Gesam'- kosten von denen etwa 6.5 bei den beteiligten Ententestaaten, 0.5 bei den deutschen S eilen an­fallen werden. Dazu kommen die Kosten für den Transport der Truppen, die auf ungefähr eine Million Goldmark geschäht werden. Wir sind im Rückstände mit Holzlieserungen im Werte von ungefähr 2'/s Millionen Goldmark und von Koh­len hn Werte von >23 Millionen Gvldmark im ganzen, so daß also schon dreimonatige Besetzung ungefähr ebensoviel kosten würde, tote unsere Rückstände noch betragen.

gestrigen Sonntag veranstalteten zehn stark be­suchten Del-sammlungen gegen den französi- fischen Dechtsbr-uch toutoe einstimmig eine Entschließung angenommen, in der gegen die Ruhrbesetzung scharf protestiert und erklärt wird, die Sozialdemokraten hätten um so mehr das Tiecht zum Protest, als sie stets für die Wiedergutmachung der Kriegszerstörungen und die wirtschaftliche Wiederaufrichtung Europas eingetreten seien. Den Arbeitern des Ruhrreviers wurden die Sympathien ausgesprochen. Alles soll aufgeboten werden, um ihre Lage zu erleichtern. Das internationale Proletariat wurde zum gemeinsamen Kampfe gegen das verübte Un­recht aufgerufen.

Die Kommunisten hatten fünf Versamm­lungen ein berufen, in denen ihre Reichstags­abgeordneten sprachen. Die Redner erklärten, daß der Feind nicht im Ruhrrevier stehe, sondern dah das französische und das deutsche Kapital als Feind der Arbeiterschaft bekämpft werden mühten. Rach der Versammlung zogen die Teilnehmer nach dem Andreasplatze, wo eine Kundgebung unter freiem Himmel stattfand. Auf dem Wege dorthin kam es verschiedentlich zu Zwischenfällen. So be­tätigten sich die Mitglieder eines Zuges am Kott­buser Damm als Fassadenkletterer. Sie holten von den Dalkonen verschiedene schwarzweißrote Fah­nen herunter, die dann auf dem Andreasplatze verbrannt wurden.

Was die Kundgebung aus dem Kö­nig spl ah betrifft, so heben alle Blätter die Ruhe, Ordnung und Selbstdisziplin der Massen hervor. Rur am Potsdamer Platz sei von rechts­radikalen Heißspornen vor den Hotels der En - tentekontrollkvmmissionen eine De­monstration veranstaltet worden. Jedoch konnte die Menge durch Polizei zerstreut werden.

An verschiedenen Stellen ist es zu Zusammen­stößen zwischen Kommunisten und Angehörigen anderer Parteien gekommen.

Eine Ansprache des Reichskanzlers.

-Berlin, 14. Jan. (WB.) Bei der üeßer- xeichung der in der Versammlung auf dem- nigsplah angenommenen Entschließung an öen Reichskanzler hielt Freiherr v. Lersner eine kurze Ansprache, worin er sagte, dah gestern der Reichstag dem Reichskanzler sein Vertrauen aus­gesprochen habe. Heute habe sich die Bevölkerung Groh-Derlins zu Hunderttausenden zum gleichen Zwecke auf dem Königsplahe versammelt. Rach- dem v. Lersner den Wortlaut der Entschließung verlesen hatte, dankte der Reichskanzler in herzlichen Worten. Es war gut und notwendig, meinte er, daß die heutigen Kundgebungen, spon­tan und aus dem natürlichen Enipf nden der Be­völkerung hervorgegangen, zum Ausdruck bringen. Was gestern der Reichstag und dieReichsrcg.erung sagten, will das deutsche Volk. Jetzt kommt es daraus an, dah unser Volk sich hinter die Re­gierung, ja ich möchte sagen, dah es m i t s e i n e m Willen und Entschluß sich in die Re­gie r u n g st e l l t. Es gibt Zeiten, in denen es für das Schicksal der Völker auf das Volk selbst noch mehr ankommt, als auf die Regierung; eine solche Zeit erleben wir jetzt. Das will nicht sagen, dah die Regierung nicht alles tun muß, um die jßage zu entwirren, nicht alles, um zu führen. Sie will und wird den Weg einer ehrlichen, offenen, einfachen deutschen Politik gehen, den sie bisher ging. Dieser Weg ist auch weiterhin zu beschrei­ten, aber er wird beschwerlich sein, noch beschwer­licher als bisher. Wir alle müssen ihn ge­meinsam gehen, wir reichen uns die Hände um eine echte Gemeinschaft durch unser ganzes Volk zu bilden in dem ruhigen Entschlüsse, jenen beschwerlichen Weg zu gehen, den Weg der Ehre und Würde der Ration, dessen Ziel die Frei­heit ist.

Die Verhandlungen der Franzosen mit den deutschen

Zechen.

Essen, 13. Jan. (WTD.) Die Derhandlun» gen zwischen der interalliierten Kontroll­kommission und den verschiedenen Berg- Werksdirektoren dau.rten über d.ei Stun­den. Vertreten waren 12 Zechen aus dem links- und rechtsrheinisch besetzten Gebiet durch etwa 25 Direktoren. Die Verhandlungen führte Gene- raldirekwr (Softe. Anwesend waren nur Zivil­personen. (Softe fragte die Herren, warum fie die feit Iashren bestehende Lage änderten (ge­meint ist die Verlegung des Kohlensyndikats). Ramens der Deutschen erwiderte Fritz Thyssen, dah für die Deutschen die deutschen Gesetze maßgebend seien, mb daß sie von diesem Standpunkt auch Strafandrohungen nicht ab­bringen werden. Da der Reichskohlen­kommissar befohlen habe, daß Re­parationskohle vom Reiche nicht mehr bezahlt werden solle, könnten die Zechen nicht mehr liefern (Softe verlangte dagegen, dah von Montag ab die Lieferungen wieder wie bisher beginnen. Thyssen, erklärte demgegenüber, daß ohne Be- zahluig die Förderung eingestellt werden müsse, da dadurch die Lohnzahlung unmöglich werde. Die Zechen seien aber bereit. Kohlen an Frankreich gegen Bezahlung l-i liefern. Als (Softe erklärte, es solle bezahlt werdentote bisher", entspann sich eine längere Disku'sion. Der Sicherheit halber legten die Zechmverlr ter te en Erg bnis in folg nder schristlichrnErkla.ung nieder: ' «

Die hier vertretenen Zechen erklären sich bereit, Brennstoffe an Frankreich und Belgien in dem zu Lei einbarenden Maße zu liefern von dem Zeitpunkt an, wo bei Präsident der Mission namens der beteiligten Regierungen den einzelnen in Frage kommenden Zechen eine sch.ältliche Er- klarung des Inhalts abgibt, dah die Brennstoff­lieferungen der einzelnen Zechen zu den jeweilig vom R.ichskvhle.verband festgesetzten D.ennsto f- Beickausspreisen in bar bevorf chuht und be zahlt werde n. Boraussetzunght er- für ist, dah nicht entgegen stehende Verfügungen des Reichskohlenkom- missars erlaffen werden. Die Fest- fetzung der fonneden Lieferungsbedingungen bleibt besonderen Vereinbarungen mit der Kommission Vorbehalten. ___

Der Vorsitzende nahm die Erklärung entgegen und sagte Bezahlung zu, forderte aber die Mich- lieferung der bisher zu wenig gefeierten Koh en

Demgegenüber gaben die Zechen Vertreter fol­gende zweite Erklärung ab: Die hier vertretenen Zechen ergänzen die vorher abgegebene GrHärung dahin, daß durch die Rückgabe und den 'Verkauf der Brennstoffe seitens des Vorsitzendenan ote einzelnen Zechen gegen früher eine vollkommen geänderte Lage geschaffen ist. Infolge ot fer Lage können die einzelnen Zechen nicht für die G e f a m 11 i e f e r u n g auskom m e n. Außerdem muh daraus hingewirsen we den, cxrh insolge der Besehu ng die Forderung erheblich zurückgeht. Es muh deshalb mit einer Verringerung der Lieferungsmenge gerechnet werden.

* * *

Essen, 14. San. (WTD.) Der Befehls­haber der 47. französ schen Infanteriedivision hat der deutschen Polizei den Befehl erteilt, die öffentlichen Anschläge mit den Defchlüssen der fr>2nzöf.schen Kommunisten gegen die Ruhrbesetzung von den Plakatsäulen zu entfer­nen. Wegen angeblicher Bernichtung zweier französ'.scher Plakate hat der kommandierende General der 47., in Altenessen stehenden In­fanteriedivision angevrdnet, daß die Pla­kate sofort ersetzt werden, und daß als Strafmaßnckhme ein deutscher Poli­zeiposten ständig Tag und Rächt die Stelle, wo die Plakate vernichtet wurden, zu bewachen hat. Gleichzeitig wird für die Wiederholung derartiger Fälle die gleiche Strafmahnahme angeordnet und die Polizei mit strengen Maßnahmen bedroht, falls chre Rachlässigkeit festgestellt werden sollte.

Erne .Kundgebung des Deutschen Gcwerkschaftsbnndes.

Essen. 14. San. (WTB.) Die heutige von den Vertrauensmännern befuchte Konferenz des Deutschen Gewerkschaftsbundes, einer Zu­sammenfassung der christlich-nationalen Arbri netz- merverbände, gestaltete sich $u einer machtvollen Kundgebung gegen den französischen Sewaltstrelch Rachdem Reichstagsabgeoroneter I m o u f ch auf die gestrigen Verhandlungen derBergarbeiter- verbände mtt den Franzosen verwiesen und er­klärt hatte, es fei die Pflicht jedes einzelnen, mttzuhelfen. um dem deutschen Volke die Freiheit wiederzugeben, wurde eine Entschlle ßu ng angenommen, worin die Versammlung erklärt. Flankreichs Tat ist ein erneuter verabschruungs- würdiger Anschlag auf die künnnerlichrn Reste von Sefbstbest immungsrecht und Freiheit, die der Versailler Vertrag dem deutschen Volke ge(a en bat Gemeinsam mit allen deutschen Volksgenossen und mit allen Gutgesinnten in der Welt ver­urteilen und brandmarken wir diese Tat französischer Gewaltpolittk auf das schärfste. So sehr wir von dem guten Willen beseelt find, im Intereffe des Wiederaufbaues Europas die Erfüllung der deutschen Rep-a ationsverpf ichtun- gen im Rahmen des Möglichen durchzufuhren zu helfen, so sehr lehnen wir es ab, der fraw