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en, 10. April 1923.

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Erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags, mit berSamstagsbeilage: EießenerFamilienblätter Monatlichevezuaspreise: S4M Marn und 200MarK Trügerlohn,durch dieDost 36(X)Mark,auchbeiNuht. «scheinen einzelner Num­mern infolge höherer Gewalt.- Fernsprech. Anschlüsse: fürdieSchrift- leitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach. richten: Anzeiger Siehe«, postscheätonto:

Frankfurt a. Ni. 11686.

173. Jahrgang

Zreltag, 13. April 1923

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Vberhefsen

vnick und Verlag: vrühl'sche Univerfitätr-Vuch- und §teindruckerei K. Lange in Gießen. Schnstleitung und Geschciftrftelle: Zchnlftrahe 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigenv.27 mm Breite örtlich 80 Mk., auswärts 100MK., für Rekl ame- Anzeigen von 70 mm Breite 400 MK.Bci Platz. Vorschrift 20 °/e Aufschlag. Hauptschristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen.

Eine deutsche Note über das französische Eisenbahnregiment.

Berlin, 12. April. (Wolff.) Den Regierun­gen in Paris und Brüssel wurde folgende Rote übergeben:

Die Interalliierte Rheinlandkommission hat durch die Verordnungen Rr. 149 und 150 dem Oberbefehlshaber der interalliierten Besahungs- iruppen diktatorische Gewalt über die deutschen Eisenbahnen übertragen und unter völliger Ausschaltung der deutschen Reichs- dahnverwaltung eineinteralliierte Regie der Eisenbahnen des besetzten Gebiets" eingerichtet, deren Leitung sie einem französischen Direktor unterstellt. Die neue Verwaltung soll befugt sein, das bisherige Personal insgesamt oder im Wege der Einzelkündigung zu entlassen. Die Ver­ordnungen werden damit begründet, dah die deutsche Regierung durch gewisse unter angeblicher Verletzung des Vertrages von Versailles und des Rheinlandabkonnnens an ihre Beamten erlassene Befehle den Eisenbahnverkehr im besetzten Gebiet lahmgelegt und somit die Sicherheit und den Hinter­halt der interalliierten Armeen sowie der Zivil­bevölkerung der besetzten Gebiete gefährdet habe. Die deutsche Regierung muh den Vorwurf der Vertragsverletzung aufs entschiedenste z u- rückweisen. Die vost ihr den Eisenbahnbeam­ten im vertragsmähig besetzten Gebiet erteilten Be­fehle lauten ausdrücklich dahin, dah alle von den alliierten Behörden in Äebereinstimmuna mit dem Rheinlandabkommen geforderten Militärtrans- Porte für die Bedürfnisse der Besatzung,in dem nach Maßgabe des Vertrages von Versailles be­setzten Gebiet durchzuführen seien. Dagegen hat es die deutsche Regierung mit Recht abgelehnt, die deutschen Eisenbahnen und ihr Personal für solche Militärtransporte zur Verfügung zu stellen, die den von der französischen und beglichen Re­gierung unter Verletzung des Vertrages vvn Versailles eingeleiteten Gcwaltakiionen dienen sol­len. Richt von deutscher Seite sind Betriebsunter­brechungen verursacht worden, sondern sie sind durch Vertreibung der deutschen Eisenbahner fron ihren Dienstposten mit Waffengewalt und durch unmittelbare Eingriffe franzö.ischer oder belgischer Militürpersonen in den Betrieb emgetreten, so dah jegliche Sicherheit für die Reisenden und das be­förderte Gut aufhört. Durch die Zumutung an die deutschen l^diensteten, ihre Arbeiten unter mili­tärischem Zwang zur Tlnterstühung des rechtswidrigen Einbruchs in deutsches Gebiet sorl- zusetzen, wurde ihnen nur die Wahl gelassen zwi­schen dem Verlassen des Dienstes und dem Verrat an dem eigenen Volke. Rachdem sie unter diesem Zwang den Dienst verlassen haben, wird behauptet, sie seien m den Streik getreten. Daraus wird ein Vorwand für die Wegnahme aller für die Löh­nung und Besoldung bestimmten Geldbeträge ab­geleitet. Durch Bedrohung mit Waffengewalt, Mihhandlung. Gefängnisstrafe und Zwangsarbeit sollen die Bediensteten gefügig gemacht werden Auch die Behauptung, dah bei dem Erlaß der neuen Verordnungen die Sorge für die Sicherheit und Existenz der Bevölke­rung mitgesprochen habe, wirke wie ein beab­sichtigter Hohn. Die Bevölkerung der deut­schen Rheinlande, die in unerschütterlicher Liebe zum Vaterlande geduldig alle Lasten der Besetzung trägt, weih genau, dah die Sorge für ihre Exi­stenz niemandem mehr am Herzen liegt als der deutschen Regierung. Die Bevölkerung wünscht, von den bisherigen Bedrückungen und der Drang­salierung der Okkupation befreit zu werden, aber sie lehnt es ab, dah eine fremde Macht ihre sonst nicht wahrnehmbare fürsorgliche Gesinnung durch Entlassung und Vertreibung der deutschen Volks­genossen betätigt. Alle angeführten Gründe sind, wie jeder Beobachter der Vorgänge am Rhein weih, nur ein Vorwand, um das seit Beginn der Besetzung von Frankreich erstrebte Ziel zu erreichen und die Eisenbahn in dir Hand feines Militärs zu bringen.

Die jetzt getroffene Maßnahme reiht sich der Errichtung besonderer Verwaltungen für die Z ö l l e, die F o r st e n und das Ein- und A u s- suhrwesenan. Sie ist ein weiteres Glied in der langen Reihe der Verordnungen der Interalliier­ten Rheinlandkommission, die alle gleichmäßig das­selbe Ziel verfolgen,

das Rheinland politisch, wirtschaft­lich und administrativ vom unbesetz­ten Deutschland zu trennen.

Die neu eingerichtete Regie macht von der ihr rechtswidrig übertragenen Ermächtigung zur Ent­lassung deutschen Personals mit äußerster Brutali­tät Gebrauch und begnügt sich nicht mit der Dienst­entlassung, sondern ver t re i b t dre Beamten mit ihren Familien aus den Wohnungen. So wur­den allein am 7. April morgens in Trier 120 Eisenbahner mit Familien aus privaten Genossen- schaftshäusern von bewaffneten Spahis gewaltsam ausgetrieben 500 Männer, Frauen und Kinder sind dadurch obdachlos auf die Straße gesetzt wor­den. Darunter bestnden sich W 5 ch n e rin n e n undSäuglinge, auch 22 Kinder, die am näch­sten Tage zur ersten Kommunion gehen sollten. Schriftliche und mündliche Vorstellung der Stadt­verwaltung und der Regierung waren vergeblich. RuchderkleinsteAufschubwurdever- weigert. Gegen diese neuen Gewalttätigkeiten und Vertragsbrüche der Interalliierten Rheinland- konnnission legt die deutsche Regierung hiermit feierliche Verwahrung ein.

Der Reichskommissar für die besetzten rheini­schen Gebiete in Koblenz wurde gleichfalls beauf­tragt, der Interalliierten Rheinlandkommission eine Abschrift der Rote zu überreichen.

Der Reichskanzler und die Parteiführer.

Berlin, 12. April. (WTD.) Der Reichs­kanzler hat heute zusammen mit dem Reichs­minister dös Aeuhern die Führer der Fraktio­nen der Arbeitsgemeinschaft empfangen. Gegenstand der Besprechung war die politische Gage. Die Aussprache hat volle Einigkeit der Frak­tionsführer und ihre völlige Tlebereinstimmung mit der Regierung ergeben.

Ein englisches Zeugnis über die Behandlung von Geiseln.

London, 13. April. (WTB.) Der Sonder­berichterstatter desManchester Guardian" in Köln schildert einen Besuch bei den zwei deutschen Eisenbahngeiseln, die von den Franzosen auf dem Düsseldorfer Bahnhof festgehalten und gezwungen werden, aus den Zügen zwischen Düsseldorf und Essen als Sicherheit gegen Sabotage mitzufahren. Der Korrespondent schreibt, die Dunkelheit und der angesammelte Schmutz im Düsseldorfer Bahnhof, auf dem in normalen Zeiten ein lebhafter Betrieb geherrscht babe, se en ein ShmboldesRuins, der durch die augenblicklichen Schwierigkeiten ent­standen sei. Das Wartezimmer, in dem die Geiseln gebalten würden, sei schlecht beleuchtet und schmutzig gewesen. In einer dunklen Ecke hätten die beiden Geiseln, zwei Herren der ge­bildeten Stände, einer davon der Bürgermeister einer Ruhrstadt, gesessen und versucht, eine Zei­tung zu entziffere indem i sie sie gegen eine entfernte elektrische Lampe gehalten hätten. Der Dürgemeister habe seine augenblickliche Lage beschrieben und gesagt, er und sein Gefährte müß­ten wie die Verbrecher leben unb er­hielten nur Gef a nge nenr ati o n Dem Be­richterstatter wurde von dem französischen Offi­zier unter Bedrohung mit Verhaftung untersagt, weiter mit den Geiseln ju sprechen. Es wurde ihm nicht gestattet, Zigaretten und Lebensrnittel, die er ihnen mitgebracht hatte, zurückzulassen.

Die italienischen Gewerkschaften gegen Voincar6.

Rom, 12* April. (WTB.) Die ttalieni- schen Gewerks cha f ten haben an den französischen Ministerpräsidenten einen Protest gegen das Vorgehen der Fran­zosen in Essen geschickt, in dem sie die Beendi­gung des Konflikts durch Tleberweisung der An­gelegenheit an den Völlerbund verlangen.

Ein sizilianischer Bischof gegen Frankreich.

Köln, 12. April. (Wolfs.) Der Kölner Erz­bischof Kardinal Schulte erhielt nach der Köln. Volksztg." von dem Bischof F i a n b a c a von Patti auf Sizilien ein Schreiben, worin es u. a. heißt:

Wir Sizilianer insgesamt und ich be­sonders verfolgen mit größtem Interesse die Er­eignisse im großen Deutscher Reiche. Wir nehmen Anteil an den Leiden des katholischen Rhein­landes. Wir Sohne des Aetna und Tewohner des Landes der Vesper (sizilianische Vesper) ver­stehen die Erbitterung gegen Frank­reich Wenn dieses Land Verdienste (um die Menschheit?) hatte und noch hat, heute jedenfalls werden seine Verdienste von seinem Vorgehen verdunkelt. Unter dem Dorgeben, das Recht hoch- zühalten. tritt es dasselbe mit Füßen und schleift es in den Kot. Als zivilisierte Bevölkerung protestie.en wir. dagegen. Wtr wollen eine Versöhnung, und d^halb beten wir sowohl für Deutschland als für Frankreich. Wir können aber nicht umhin, die Torheiten der Gal­lier zu beklagen, die im ilebermut wegen ihres Sieges sind, den sie ohne fremde Hilfe niemals errungen haben würden. Ich vergesse nicht, daß viele unserer rheinischen Glaubensbrüder unter Hunger und Kälte leiden. Mein Scherslein habe ich dem Vater der Christenheit gesandt, und ich werde damit fortfahren."

Weitere Werke roher Gewalt.

Mün st er, 12. April. (Wolff.) Die Da hn- st r e ck e n Recklinghausen-SüdRecklinghausen- West und RecklinghausenWaltrop wurden mi­litarisiert. In Bochum haben die Fran­zosen heute vormittag wegen angeblich verweiger­ter Requisition das Rathaus arti> ein weiteres städtisches Verwaltungsgebäude beseht, abgesperrt und die Beamten vertrieben. Der Dienst betrieb liegt still. Am 11. April wurde dieWest­fälische Volkszeitung" in Bochum be­schlagnahmt und bis 18. April verboten. Es erscheint nunmehr als einzige Bochumer Zeitung nur noch dasBochumer Volksblatt", aber auch nur unter Vorzensur.

Heute morgen wurde das Polizeidienst gebäude in Ober Hausen von den Franzosen nach etwa noch dort befindlichen Schupobeamten erfolglos durchsucht.

In Herne besetzten die Franzosen das Rat­haus und schafften Tische und Stühle daraus fort.

Am 11. April wurden ausgewiesen unb bei Olfen ausgesetzt: Rechtsanwalt Hirschberg I., Zahnarzt Piesga und Ingenieur Reith aus Dort­mund. Der bereits ausgewiefene Polizeiassessor Offerftaedt aus Lünen wurde erneut festgenom­men.

Münster 12. April. (WTD.) In Dor­sten halten die Franzosen neuerdings wieder die nach Holland bestimmten Kohlenzüge an, so daß der Verkehr unterbrochen ist. In B o ch tm wurde heute die Derkehrssperre wieder aufgehoben. In Herne haben die Franzosen heute morgen das

besetzte Rauthaus wieder geräumt. Hundert fremde Arbeite/ sind daselbst eingetroffen. In Aplerbeck verhafteten d.e Franzosen drei Fahrdienstleiter und einen Rottenführer wegen eines Anschlags auf ein Dahngleis der militari­sierten Rördstrecke bei Buer. Ferner wurden der Obersteiger Dotmner von der ZecheDergmanns- g[ü<f" sowie ein Bahnbeamter verhaftet. In Recklinghausen wurde der Polizeirat Stter- Hof verhaftet und ausgewiesen, ebenso der Polizei- Hauptmann Koppmcknn aus Oberhausen. Auf der Berginspektion II in Gladbeck beschlagnahmten die Franzosen 500 Millionen Mark Lohngelder, die für die ZecheRheinbaben" bestimmt waren. Die Zechenbelegschaft ist in den Streik, getreten.

Rach einer Dlättermeldung aus Wies­baden verlangten in einer Wirtschaft am Rero- berg drei betrunken e Marokkaner Al­kohol, der ihnen verweigert wurde. Sie bedrohten den Wirt und die' anwesenden Gäste mit ihren Seitengewehren. Als sie von einem Schuhmann und zwei Offizieren verhaftet werden sollten, stachen sie wild um sich, wobei der 15jährige Buchdruckerlehrling Fritz durch einen Stich ge­tötet wurde.

wd. Darmstadt, 12. April. Die Inter­alliierte Rheinlandkommission hat am 11. April in Mainz weiter ausgewiesen: den Stadt­verordneten und Lehrer I. Wirth, Lehramts­assessor Dr. Bell, Landgerichtsrat Dr. Mayer, Polizeiobersekcetär Meier, Oberzollsekretär Reihe! und den Zollsekretär Dommert. Die Massen- ausweisung der Eisenbahner in Rheinhessen durch die Franzosen dauert un­unterbrochen an.

Ausweisung des Regierungs­präsidenten von Koblenz.

Berlin, 13. April. Rach> einer Meldung der Boss. Ztg." aus Koblenz wurde gestern der Regierungspräsident von Koblenz, Dr. graut), in seiner Wohnung von den Franzosen verhaftet und aus dem besetzten Gebiet aus- gewiefen.

Ungeheuerliche Behandlung zweier Staatsanwälte.

Landau, 12. April. (WTD.) Dor dem fran­zösischen Kriegsgericht in Landau fand heute die Verhandlung gegen den Ersten Staatsanwalt Fischer und gegen den Zweiten Staatsanwalt Helmer aus Kaiserslautern statt. Der Erste Staatsanwalt war anaeklagt, dem von den Fran­zosen erteilten Befehl, drei deutsche Zollbeamte ins Gefängnis aufzunehmen, nicht nachgekommen zu sein. Der Zweite Staatsanwalt war angrklagt, sich geweigert zu haben, den Ersten Staatsanwalt tu das Gefängnis aufzunehmen. Beide Ange­klagte wuroÄi zu 5 Jahren Gefängnis und 5 Millionen Mark Geldstrafe ver­urteilt.

Die Drangsalierung der Stadt Buer.

Der Magistrat der Stadt Buer hat, wie die Blätter melden, die Zahlung der von den Fran­zosen von der Stadt verlangten Geldbuße von 40 Millionen Mark abgelehnt mit der Begrün­dung, daß die Franzosen den Bahnschuh selbst übernommen und die Stadt vom Polizeischutz ent­blößt hätten.

Die Besetzung der Zeche Matthias Stinnes.

Berlin, 12. April. Die ZecheM a 11 h i a s S11 n n e S, auf der vor einigen Tagen Schacht 3 und 4 besetzt wurden, ist nunmehr von den Fran­zosen vollständig von der Außenwelt abgeschlossen. Das Betreten der Zech? ist jedermann verboten. Die 'Versorgung der Stadt Gladbeck mit Gas von der Zecke ist unterbrochen. Der belgische Orts­kommandant von Gladbeck hat sich beschwerde- führend an die ftanzösische Desahungsbehörde ge­wandt. Die Tlnsicheryeit in Gladbeck, die durch das Fehlen der Polizei bisher schon sehr groß wor, hat weiter zu genommen. Zahlreiche Ein­brüche und ileberfälle wurden in den letzten drei Rächten verübt. Die Quälerspeis ing, die 1500 Kinoern zugute kommt, mußte wegen Fehlens des Gases eingestellt werden. In Krankenhäusern können Operationen nicht ausgeführt werden. Die Abordnung der Stadt begab sich zu General Degoutte, um gegen die Besetzung der Zeche und die Tlnterbrechung der Gasversorgung zu pro­testieren.

Der päpstliche Abgesandte.

Essen, 13. April. (WTD.) Der päpstliche Delegierte T e st a stattete gestern mittag Krupp von Dohlen und Halbach einen Gegen­besuch ab.

Poincar6s Pläne.

London, 12. April. (WTD.) Der diploma-- tische Derichterstatter desDaily Telegraph" schreibt, der französische Botschafter habe gestern beim Foreign Office Vorgesprächen, er scheine jedoch im Verlaufe einer längeren Tln- ter edung keine besondere Mitteilung von Poin- care in der Frage des Besuches Loucheurs über» bracht zu haben. Vielleicht behalte er sich eine derartige Mitteilung für die Zusammenkunft mit Donar Lato vor, die vermutlich sehr bald statt- finbe. Es sei jedoch nicht vollkommen sicher, ob Pvincarö es sür zweckdienlich erachten werde, ge­nauer die Ansichten seiner Regierung bezüglich der Regelung mit Deutschland durch die Dot- schaftskanäle der Alliierten Frankreichs zu ent­hüllen, bevor er öffentlich seine Politik am Sonntag in Dünkirchen dargelegt habe. Eine beträchtliche Bedeutung könne dem Bericht beigemessen werden, daß Loucheur an dieser

Veranstaltung teilnehme, und seine Anwesenheit dabei müßte die Ansicht ^erftreuen, daß seine Ge­danken über die Reparationen jetzt mit denen Pvmcares (wenn kleinere Differenzen auch viel­leicht noch immer beständen) ernstlich in Wider­spruch stehen. Tatsächlich sei die Bedeutung der von Loucheur bei seinem neulichen Besuch in Lon­don dargelegten Politik durch den Timstand er­höht worden, der erst jetzt festgestellt worden sei, daß seine Politik die, allgemeine, obwohl nicht formelle Tlnterstühung des Vorsitzenden der R e - parationskommission genieße. Dieser sei durch Loucheur in den technischen Punkten zu Rate gezogen worden. Außerdem scheine, daß Darthvu vor kurzem den Plan Seydoux zeitgemäß umgestaltet habe. Allgemein gesprochen sei daher Loucheurs Plan wenigstens in seinen wesentlichen Punkten, besonders hinsichtlich der Gesamtentschä- digung von 50 Milliarden, von denen 26 von Frankreich beansprucht würden, vorher der grund­sätzlichen Zustimmung sowohl des Präsidenten, als auch des Ministerpräsidenten sicher gewesen. Es würde nichts mit diesem Plane Unvereinbares bedeuten, wenn Pvincarö den Standpuntt be­kräftige, daß er keine weitere Herab­seh u n g der ftanzösischen Forderung an Deutsch­land annehmen würde und sich nicht vollständig von der Ruhr zurückziehen werde, bevor der ge­forderte Betrag bezahlt sei. Das Wortvoll­ständig" fei von größter Deutung.

Der ehemalige franzöfische Finanz' Minister Klotz in London.

Paris, 12. April. (WTD.) Havas meldet aus London: Der ehemalige französische Finanz­minister Klotz ist gestern abend hier angekom- men. Rach dem Londoner Derichterstatter des Echo de Paris" erregt der Besuch nach dem­jenigen Loucheurs in London einiges Interesse.

Paris, 12. April. (WTD.) Die Reise des frühen französischen Finanzministers Klotz nach London ist Havas zufolge streng geheim ge­halten toorben und war nur einigen französi­schen Beamten bekannt. Klotz, der sich drei Tage in London aufgehalten, hatte während dieser Zett eine eifrige Tätigkeit entwickelt. Sein Besuch wird jetzt von den Blättern mit der Reise Loucheurs in Verbindung gebracht. 3m Gegensatz hierzu wird in Regierungskreisen erklärt, daß man nichts von seiner Anwesenheit in Loudon gewußt habe.

Ein französisch-tschechisches Luftabkommen.

Paris, 12. April. (Wolft.) Zwischen Frank­reich und der Tschechoslowakei ist ein ßuft- abfommen abgeschlossen worden, das Verein­barungen über Erleichterungen enthält, die die beiden Rationen sich gegenseitig im Kaufe von Flugzeugen und Motoren gewähren. Das Ab­kommen soll auch der Kontrolle der ausländischen Koustruktivnen sowie der Kontrolle der Luftschiff­fahrt durch ausländische Flugzeuge dienen. Der Matin" schließt daraus, daß dieses Abkommen der deutschen Luftschisfckhrt die Tore der Tschecho­slowakei verschließe und daß der Aero-Lloyd, der neue deutsche Lufttrust, seine Filiale in der Tschechoslowakei schließen könne. Das Abkommen gelte für drei Jahre und erneuere sich ohne vor­herige Ankündigung.

Das wieder beruhigte Unterhaus.

London, 13. April. (WTB?) Im Unter» Haufe kam es hQite zu keiner Wiederholung der Ruhestörungen. Die Zusage der Regierung, un­verzüglich eine älntersuchung betr. Bezahlung der vormaligen Soldaten in der Zivilverwaltung an* zustellen, hat den Zwischenfall beendet.

London, 13. April. (WTB.) Einer Mit­teilung zufolge hat Ramfah Macdonald der Arbeiterpartei bestinntgegeben, daß die Fort­setzung von Kundgebungen, wie das Absingen des LiedesDie rote Flagge" im Parlament, seinen Rücktritt von der Stelle des Führers der Arbeiterpartei veranlassen würde. Er habe seine Kollegen ersucht, sich in ihrer Obstruktionstaktik auf die üblichen parlamentarischen Methoden zu beschränken.

Vom Kabinett Bonar Law.

London, 13. April. (WTD.) Das Kabinett hielt gestern unter dem Vorsitz Donar Laws eine Sitzung ab, an der alle Mitglieder außer Lord Eurcvn teilnahmen. Wie Verla itet, hat Schahkanzler Da ldwin seine Haushaltsvor­schläge unterbreitet.

Ein Konflikt im englischen Baugewerbe.

London, 12. April. (Wolff.) Die Ver­handlungen zur Deilegung des Konfliktes im Daugewerbe sind gestern endgültig ge- fcheiter 1. Die Aussperrungskündigungen der Tkuteruehmer treten somit am Samstag in Kraft. Die Zahl der betroffenen Arbeiter beträgt 500 000

Dorten und Smeets.

Die beiden Operettenfiguren Dorten und Smeets bringen sich der Welt wieder in Erinnerung. Der gewesene Staatsanwalt, preußischer Offizier und Eintagspräsident der Rheinischen Republik", Dorten, der nach den letzten drastischenSympachiekundgebungen" der Rheinländer für seinen Staat den besten Teil der Tapferkeit darin sah, des Volkes Sttmme und das Gericht des Volkes nicht mehr herauszufordern, sieht allgemach seinen Wei­zen wieder blühen; nicht auf demteuren" Boden des Rheinlandes, der für die Schma-