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Samstag, 12. Mai (925

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberyessen)

Zwettes Blatt

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ftimmung, falte die Anträge der Arbeitsgemein­schaft angenommen werden.

Abg. Eichhorn (K) bezeichnet die Vor­lage als ein Amtsvrodukt, mir dem das Wob- nungselend nicht zu mildern sei. Wesentliche Der- besserrrngen seien er-forderlich.

Nachdem Abg. ftunl (Erz.) nochmals die so- zialdemok.atischen Anträge cnrpsohlen hat, schließt die allgemeine Aussprache.

3n dec Einzelberatung li>«bea die Paragra­phen meistens in der Ausschuhfassung angenom­men. Wegen des Kündigungsrechtes durch den Vermieter wird beschlossen, daß erne solche Kün­digung nur aus besonderen Gründen erfolgen kann, u. a. wegen erheblicher Belästigung des Vermre- ters oder eines Hausbewohners oder wegen Miß- brauchs der Wohnung. Die Kündigung kann nur im Wege der Räumungsklage durchgeseht werden. Sie kann nur beim Amtsgericht eingereicht wer­den, Las unter Zustimmung von Beisitzern entschei­det, die zur Hälfte Vermreter und Mieter fein müssen. Auch Gewerkschaftsvertreter können als Beisitzer berufen werden.

Im übrigen wird das Gesetz unter Ableh­nung der sozialdemokratischen Anträge in der Aus- schuhfassung mit den Anträgen der Arbertsgemein- schast angenommen.

Samstagnachmittag 2 Uhr. Deutsch-Polnisches Abkommen, Etatgesetz, dritte Lesung des Haus­halts des Reichsministeriums des Innern, verbun­den mit den Anträgen über die Deutschdölkische Freiheitspartet

Schluh nach Z Uhr.

in den besten Händen. Ich passe gar zu schlecht dorthin."

Die kleine bewegliche Frau zog den Wund kraus'. »Du posierst wieder mal mit deiner Rri- aung zu beschaulicher Ruhe. R rn fehlt nur noch, dah du sagst:in meinem Alter"!"

Er lachte behaglich:Wollte ich eben. 3n meinem Alter, als Vater einer erwachsenen Toch­ter, muh man doch eigentlich den würdigen Ball- vater spielen. Aber Elisabeth hat eine so grob- artige Dallmutter, dah ich sehr überflüssig bin. Und eine solche Ballnacht lang uml-erzustehen, Konversation zu machen mit fremden Menschen, vielleicht zur Abwechslung als dritter Mann im Skat zu dienen, nein, Uschi, das geht mir zu sehr konterkör, wie ihr sagt."

Du verbauerst wahrhaftig, Eberhard."

Glaubst du, dah die Bälle in Trier mich vor dem Verbauern bewahren?" gab er zurück. »Das ist nun einmal unser Los, schwerfällig zu werden, ernsthaft, unbeauem, einseitig." Er sagte es halb zu Frau Eva 6in, halb zu Uschi. Die schwarzen Augen der Luxemburgerin schossen einen Blick auf Eva. wie einen scharf gezielten Pfeil.

So. Sie finden das auch?" Sie stieh es scharf hervor.

Frau Eva lächelte.Ich, wie sollte ich? Ich könnte ja keinen Vergleich anstellen, ich kenne Herrn Arnolds ja nur. wie er jetzt ist."

Aber Sie fronen doch Vergleiche mit anderen anstellen. Die würden dann wohl übel für mich ausfallen."

Wieder gingen Uschis Vogelaugen von Ar­nolds zu Eva:Sie hatten Berliner Besuch hier " sagte sie unvermittelt.Ach, es muh wundervoll

sein, In Berlin leben zu können. Einmal war ich vierzehn Tage dort. Das war wie ein h^rlicher Traum. Ich beneide Sie glühend. Ich begreife überhaupt nicht, wie Sie es hier so lange aus­halten können. Freilich, in Berlin lebt man ja auch nicht im Sommer. Aber, dah Sie nun schon zwei Monate hier sind, sich hier wohl fühlen! Sie bohrte förmlich ihre .glitzernden Augen In .EvaS Gesicht.

Diese empfand wieder ein leises Unbehagen. Sehr kühl entgegnete sie:Hier muh sich doch jeder wohl fühlen, der Ruhe und Stille sucht. Das Klima ist dazu meinem Bruder besonders empfohlen." , , ,,

Aber so ganz einsam, . . . keine Menschen­seele hier."

Bürgermeister Arnolds reckte sich sck^rzhaft zu seiner ganzen Höhe. »Du bist wirklich er­frischend offenherzig, Uschi. Keine Menschens«le ist doch wohl etwas viel gesagt. Wir alle bemühen uns nach Kräften. Menschenseele zu markieren. Frau Ohler war überdies beständig von Berliner Freunden besucht, so dah sie sich wohl kaum einsam fühlen tonnte.

Frau Eva nickte belustigt. «Weniger wären mehr gewesen 'm diesem Falle."

Bürgermeister Arnolds sah sie an. Sie fühlte, wie sie errötete.

Ach, der berühmte Dichter," lachte Uschi. Aber das must ja riefla interessant gewesen sein. Elisabeth erzählte mir davon! Und der elegante Assessor!" Das war fast in naivem Backfischton gesagt. Aber ganz heimlich klang etwas anderes durch, etwas Scharfes, Spitzes. Sie lachte auch spitz:Allerdings, wenn die Freunde sich so

Die Abgeordneten hörten diese Rede in wür­digem Ernst und ohne Kundgebung an.

Das Haus setzt dann die Spezialberatung des

Voranschlages

fort Zum Kap.22, Oberrechnungskam« mer, führt Abg. Reiber (Dem.) aus. die Oberrechnungskammer sollte anders organuun werden. Eine Vereinfachung sei durchaus möglich und erwünscht.

Staatspräsident Ulrich weist darauf hir^ dah eine Aenderung dieses Instituts nicht möglich ist ohne Aenderung des Gesetzes von 18Z9. Wir werden im Sinne der Anregungen des Herrn Reiber die Verhältnisse prüfen und dann ge­eignete Vorschläge machen. Ich kann allerdings nicht versprechen, dah das nun sehr bald zu einer grundlegenden Aenderung führt.

Abg Kaul (Svz.): Auch uns scheint gerade bei der Oberrechnungskammer die Möglichkeit oer Vereinfachung durchaus gegeben. Wir 'nochwn das dringende Ersuchen an die Regierung richten, die Reorganisation nicht auf die lange Bank zu schieben.

Abg. Kindt (Deutsch nat.): Wir smd im Gegensatz zu den Vorrednern der Ansicht, dast, wenn irgendwo t>ercinfad?t werden soll und kann, hier nicht angefangen werden darf. Die genaueste Prüfung aller Zahlenvnterlagen und Rechnungs­legungen ist die Grundbedingung zur Sparsam^ feit Wenn man dieses Institut, das vorbildlich ist,'abschafft.wird das der Staat bitter bereuen ' Das Kapitel wird genehmigt.

Zu Kap. 27, Ministerium des Innern, werden die Dorstellungen der Abgg. Kindt, Werner usw., betr. die Aufhebung des

Verbots der Regimentsfeiern bzw des Verbots des Iungdeutschen Or­dens, vvrgebracht. Wir haben seinerzeit die An- fragen und die Regierunasantwvrten imtgeteut. ßehtere berufen sich auf die Verordnungen der Reichsregierung. Das Verbot wurde nicht auf- gehoben Der Ausschuß beantragt, die Vorstel­lungen durch die Regierungsantwort für erledigt zu erklären.

Abg. Kindt (Deutschnat.): Es handelt sich hier heute nut noch darum, "b es formell zulässig und anoebracht ist. das Verbot aufrecht zu erhal­ten. In dieser ernsten Zeit, die so eindringlich be­leuchtet wurde durch die heutige Rede des Herrn Präsidenten, sollte man die Kriegskameraden, die ja doch alle Parteien, vielleicht mit Ausnahme der K P. D. umfassen, nicht zu Staatsbürgern zweiter Klasse machen.

Ministerdes Innern v. Brentano: Die Regierung ist den Feiern gegenüber so nach­sichtig wie nur möglich. Aber die Regimentsfeiern, bei denen doch manchmal gerade hier, 5 Minuten vom besetzten Gebiet, recht taktlos vorgegangen wurde und die doch meist an den seligen Parade­marsch erinnern, muhten zurzeit verboten bleiben.

Abg Widmann (Soz.): Wir stehen alle unter dem Eindruck des jüngsten Geschehens und der Rek>e des Herrn Präsidenten dazu. Cs könnte das Anlast geben, überhaupt zu schweigen, die Sitzung abzubrechen und sich wieder einmal auf den inneren Menschen zu besinnen und auf die Dinge, die zu all dem Grausamen geführt haben.

Das Moselhaus.

Roman von Luise Schulze-Brück.

26. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

Das berühmte Luxemburger Deutsch." lachte Bürgermeister Arnolds. »Hierzulande erzählt zJh9?? eine Geschichte von zwei Luxemburgern. Herr und Diener die in irgendeinem Hotel für Chinesen gehalten wurden, weil der Herr. der

Otxuiergang machen wollte, den Diener Z s Ä, 5rtn9 ming Tschung. TSung Äna ttööng, was bedeuten sollte:

bring 9meine Schuhe, tte Sonne scheint

Aber ihrLaheburger" spricht auch meine !Ä i recht prxwnjiert, nur um nicht in d^V^cht zu kommen, eine Poeuhin zu fern... gelt Uschi?"

Uschi (Eugenie) lachte:Dafür haben wir ja auch unsere Rationalhymne du M. den

Frierwohn" (Feuerwagen). Und mit zwitschernder Stimme sang sie halblaut:

Mer wolle bleiwe, wat mer sing.

Mer wolle ooch lei Dreisten ging!

Frau Eva muhte lachen: »Also eine Preußen- Hasser in?"

Frau Uschi Thvuvenin lachte auch: -Ach nein, gar K. Ich 9^ nach Trier zu den 'Barnim ÄMltarkasino und tanze gern mit den Husa^n. Sie sah kokett zu ihrem Vetter auf. ^Dieses Iahr fommt ihr doch regelmäßig, nicht, Eberhard?

Bürgermeister Arnolds schüttelte den Kopf Ich wohl kaum, Uschi, Elisabeth ist ja bei Riesens

zudrücken, die derartige Urteile in unseren Herzen auSlösen, und ich will hoffen, nicht nur in den Herzen jedes Deutschen. Ueberall, woauch nur ein Funke von Gefühl der Gerech ti g - (eit und Menschlichkeit lebt, müssen diese Schandurteile wie ein blutiger Hohn wirken. 3m Ramen des französischen Vol­kes wurden diese Urteile von den sranzösisc^n Militärgerichten verkündet. Das s r a n z ö s i sch« Volk in seiner Pesamtfreit kann sich diese chlimmste Beleidigung seiner natio­nalen Ehre nicht widerspruchslos gefallen lassen (Abg Kaul und Abg. Kindt: Sehr gut!), wie sie ihm hier durch seine Militärs »ugefugt wurde. Kein Volk, das Anspruch darauf macht, Kulturnation genannt zu werden, kann ertragen, dast die Gerechtigkeit von jenen nut 5u6en ge­treten wird, die in seinem Ramen Recht sprechen. Und so hoffe ich denn, dast dieses Urteil bc- wirkt, dast in Frankreich und in der ganzen Welt endlich die Besinnung erwachen möge ob des gefährlichen Spieles, das der fremde Militarismus in den besetzten deut- schen Landen spielt.

Den unglücklichen Opsem aber dieser fran­zösischenRechtsprechung" spre^ ich im Ramen des hessischen Volkes unser herzlichstes, tiefstes Mitgefühl aus und unsere unbegrenzte Hochachtung. Sie leiden für ihr Volk und für die Gerechtigkeit.

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 9. Mai. mittags 2 Uhr.

Auf der Tagesordnung steht zunächst die ' dritte Lesung des Antrages der bürgerlichen Parteien, betreffend die Verlängerung des Rotgegesetzes biS zum 30. Oktober d. I. Ohne Debatte wird der Antrag endgültig an­genommen.

Hieraus toitb die zweite Beratung deS Finanzetats fortgesetzt.

Abg L a n g e - Hegermann (Zentr.): Unsere Steuergesetzgebung ist so verwickelt geworden, dast es kaum noch möglich ist, eine richtige Steuer­erklärung abzugeben. Richtig ist, dast 1922 neunzig Prozent der Einkommensteuer aus dem Lohnabzug eingegangen sind. Deshalb aber darf man nicht die Meinung verbreiten, als hätten eigentlich nur Arbeiter und Angestellte Steuern b^ahlt, denn ber Lohnabzug ist zu einer Zeit erfolgt, als der Dollar noch viel niedriger stand als heute. Sobald das Mast der Reparationslast feststeht, werden die bürgerlichen Parteien dafür sorgen, dah die Steuern wirklich gerecht nach den Einnahmen bemessen werden, und dah die er­forderlichen Ausgaben durch Steuern gedeckt werden.

Abg. Lambach (Dntl.): Mit der Stützungs­aktion waren wir trotz vieler Bedenken einver­standen. 2>er Un ters uchung sausschuh wird prüfen müssen, ob sie nicht zu spät gekommen ist. Die Frage, wer schuld ist am Mißerfolg der Stüt­zungsaktion, ist schwer zu beantworten. Wir weisen aber entschieden die Stimmungsmacher linksgerichteter Zeitungen zurück, die Sünnes als den Schuldigen bezeichnen und die von einem Dolchstoh der Industrie sprechen. Mit gröherem Recht hätte man sich wenden können gegen das Anreiherium der Danken, die dauernd zur Speku­lation in Aktien animieren. Wir warten das Ergebnis des Untersuchungsausschusses ab und verlangen st i engst es Vorgehen gegen die wirklich Schuldigen.'Die sozialdemokratische Entschließi.ig lehnen wir ab.

Abg. Dauch (D. Vp.) lehnt die sozialdemo­kratische Entschließung gleichfalls ab und betont, dah die Sozialdemokraten die Tragfähigkeit un­serer Wirtschaft weit überschätzen.

Abg. Dr. Fischer-Köln (D.): Unsere Wäh­rung kann nicht künstlich saniert werden. Die Prüfung der Schuld an dem Miherfolg der Markstabilisierung überlassen wir dem Unter- suchungsausschuß. Die sozialdemokratische Ent- fchliehung lehnen wir ab. Wir fordern, dah eine feste Steuermark eingeführt wird und dah man automatisch sowohl die Veranlagung wie die Er­hebung der Steuer der Geldentwertung anpaht.

Abg. Böhm-München (Bahr. Vp.): Der Dammbruch in der Markstabilisierung ist ringe- treten, als die Leute, die den Ruhrkvnflikt zu optimistisch beurteilt hätten, plötzlich beim Schei­tern ihrer Hoffnungen für ihre Devisenbedürfnisse sorgen muhten. Angesichts dieser Entwicklung war das starre Festhalten an der Stabilisierung ein Fehler. Der Industrie Tollte man ihre Devisen gönnen., denn sie erhöhen ihre Widerstandskraft.

Reichsfinanzminister Hermes: Die gestern im Reichsrat verabschiedete Devisenvrd- nung gibt der Reichsbank die Möglichkeit, jeder- zeit über vorhandene Devisen Aufklärung zu verlangen und uncvirtschaftlich erworbene De­visenbestände an sich zu ziehen. __

Abg Fröhlich (K.) fragt den Minister, ob ihm bekannt sei, dah ein Großindustrieller sich von der Reichsbank einen viele Milliarden be­tragenden Kredit erschwindelt habe, um die damit erworbenen Devisen sofort mit gewaltigem Ge­winn abzusehen. Der Redner kritisiert die Steuer­politik welche die Aktien der Grohunternehman- gen mir mit einem Dreißigstel bis sogar zu einem Reunzigstel des Kurses besteuere. Die Ruhrhilfe werde vonreichen Patrioten" zu schmutzigen Profitgeschäften ausgenuht.

Abg. Dr. Hertz (Soz.) wendet sich gegen einen vom Zentrum eingebrachten Antrag auf Verzehnfachung der Einkommensteuervorauszah­lungen und empfiehlt die sozialdemokratische Ent- schließung zur Ruhrfrage.

Damit schließt die allgemeine Aussprache. Das Gehalt des Ministers wird bewilligt, ebenso der Etat Angenommen wird der Antrag au Einsetzung eines Untersuchungsaus­schusses zur Prüfung der Ursachen für die Störung der Markst ühungsaktion. Die Absttm. mung über die sozialdemokratische Ruhrentschlie- ßung wird ausgesetzt. . __

Freitag nachmittag 2 Uhr: Kleinere Etats- Vorlagen und Mieterschuhgesetz. Schluß 7, ich 7 Uhr.

Berlin, 11. Mai 1923. I

Präsident Lobe eröffnet die Sitzung um 1 2 Uhr nachmittags mit einem Rachruf auf den plötzlich an einem Grippeanfall verstorbenen Ab­geordneten und Präsidenten des oorläutigen Reichswirtschaftsrates, Edler von Braun (Deutschnatl.).

Die achte Ergänzung des Besoldungsgesetzes zur Aufbesserung der GehälterderR eich s - beamten wird in zweiter und dritter Lesung angenommen. . .

Der Haushalt des Re i ch s f i nan z m i n i - steriums wird damit abgeschlossen, daß die Entschließungen Müller - Franken (Soz.) über die Aufbringung der Kosten der Ruhr- a f t i o n durch die Besitzenden und K o e n e n (Komm.) über die Erfassung der Sachwerte dem Steuerausschuh üverwlesen werden.

Beim Haushalt der allgemeinen Anan^er- toaltung wird eine Entschließung der Abg. <^rau Wurm (Soz.) auf Z o 11 e r le ich te r u n ge n, für Fleisch- und Wurstwaren gegen die Rechte und einen Teil des Zentrums angenommen. Der Haushalt selbst wird genehmigt, ebenso der Etat der Reichsschuld, der Wasserstraße, des Luft- und Kraftfahrwesens und des Reichstags. Angenommen wird eine Entschließung in der ein Kanal im mitteldeutschen Braunkohlengebiet zwischen Elbe und Oder verlangt wird.

Es felgt die zweite Beratung des Gesetzent­wurfes über Mieterschutz und Miets - einigungsämter.

Abg. Obermeyer (S.): Die neue Vorlage will die verschiedenen Verordnungen im Woh­nungswesen zu einem einheitlichen Wohnrecht zu- fammenfafen. Unsere Verbrsserungnsanträge sind im Ausschuß leider abgelehnt worden und die Regierungsvorlage tourbe in vielen Punkten so- gar verschlechtert. Sv ist die Bestimmung für uns unannehmbar, wonach der Vermieter auf Auf­hebung des Mietsverhältnisses Nagen kann, wenn der Mieter oder eine Person seines Hausstandes ich einer erheblichen (Belüftigung des Vermieters oder eines Hcru^tv^öners schuldig macht. Wir stimmen für den Antrag der Arbeitsgemeinschaft, wonach die Aufhebung nicht stattfinden soll, wenn die Belästigung durch eigenes Verschulden des Vermieters veranlaßt wurde. Den Antrag der Arbeitsgemeinschaft, daß einem ausgewiesenen Mieter ein ausreichender Ersah raum nur bann gesichert zu werden braucht, wenn dies zur Ver­meidung unbilliger Fahrten erforderlich erscheint, lehnen wir ab. ebenso die Befristung des Gesetzes bis 31. Juli 1926. '

Abg. Gutknecht (dntl.) lehnt die Vorlage ab. Rur die freie Wirtschaft könne das jetzige Wohnungselend beseitigen. Auch die Abände­rungsanträge der Arbeitsgemeinschaft können die Vorlage nicht zu einem Gesetz machen, wie es für die Vermieter und Mieter nützlich wäre. Die Auf- bvingung der hohen Wobnungsbauabgabe sei den Kleinrentnern nicht möglich.

Abg Winnefeld (D.Vp.: Von dem in 6er Verfassung garantierten Recht des Eigentums bleibt dem Hausbesitzer nach dieser Vorlage wenig übrig. Es hätte genügt, das Kündigungsreckn des Vermieters aufrechtzuerhalten und dem Mieter nur ein Einspruchsrecht zu geben. Daß Streit­fälle jetzt dem Amtsgericht überwiesen werde i sollen, ist ein Fortschritt. Ich habe jedenfalls mehr Vertrauen zu den ordentlichen Gerichten als zu den Mietseinigungsämtern. Wenn Tausende von Arbeitern, die in Holland arbeiten, noch immer bie von deutschen Unternehmern geschaffenen deut­schen Werkswohnungen in Anspruch nehmen, so ist das ein unhaltbarer Zustand. Es kann nicht an­gehen, dah die Vorteile des Mieterschutzes von solchen Personen wahrgenommen werden, die ihrer­seits ihre Untermieter in der schändlichsten Weise ausbeuten. Falls die Anträge der Arbeitsgemein­schaft angenommen werden, ist jedoch ein Teil meiner Fraktion bereit, der Vorlage zuzustimmen.

Abg 2 rem met (3.): Eine Beseitigung der Zwangswirtschaft im Wohnungswesen würde na­mentlich für die kinderreichen Familien unsäg­liches Elend bedeuten. Die Zwangswlrtschcht hat die Bautätigkeit nicht gehemmt, da die nach dem Juli 1918 gebauten Wohnungen der Zwangs­wirtschaft gar nicht unterliegen. Auf Ausländer dürfen aber die Schuhbestimmungen des Gesetzes keine Anwendung finoen.

Abg. Kniest (Dem.): Weder Mieter noch Dermretei werden Has Gesetz mit reiner Freude genießen, aber die Vorlage ist notwendig, denn : wir können heute nicht ohne weiteres zur freien Wohnungswirtschaft über gehen. Hoffentlich wird das Gesetz dazu beitragen, daß Mieter und Ver­mieter künftig mehr ate bisher sich mündlich ver- ' ständigen. Wir stimmen dem Gesetz mit den An- trägen der Arbeitsgemeinschaft zu.

Abg. Schirmer (Bahr.Vp.),sieht in der Vorlage einen Fortschritt und erklärt seine Zu-

Hessischer Landtag.

49. Sitzung

St. Darmstadt, 9. Mai.

Am Regierungstisch: Staatspräsident Ul­rich, Minister des Innern v. Brentano und Regierungskommissare.

Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 9Vi Uhr. Vor Eintritt in die Tagesordnung führt

Präsident Adelung aus:

Meine Damen und Herren! Soeben kommt die Kunde von neuen Schreckens urteilen französischer Militärgerichte im be- sehten Gebiet. (Die Abgeordneten. mit Ausnahme der Mitglieder der Kommunistischen Partei, er­heben sich.) In Werden wurden der Vorsitzende des Aussichtsrates der Firma Krupp, mehrere Direktoren und ein Mitglied des Arbeiterbetriebs­rats zu Gesängnisstrasen von 6 Monaten bis zu 20 Jahren und zu Geldstrafen verurteilt die etwa den Betrag von einer Milliarde Mark repräsentieren. Das Urteil des französischen Mi­litärs gegen deutsche Männer soll die Sühne bar­st eilen dafür, daß französische Soldaten 14 wehr­lose deutsche Arbeiter töteten.

Die Rach richt von dem fürchterlichen, jedem Rechtsempfinden Hohnsvrechenden Urteil in Wer­den wird aber fast noch Überboten durch folgende, in ihrer Ungeheuerlichkeit kaum glaubhafte Mel­dung aus Mainz. Das Mainzer franzö­sische Militärgericht verurteilte, unter Ausschluß der Oesfentlichkeit und nachdem fran­zösische Anwälte in ihrer Verteidigung, wie sie selbst erflärten, behindert worden sind, den De- zirksleiter des Deutschen Cisenbahnerverbandes Roth zu 10 Jahren Gefängnis (Hört, frört); Becker Kassierer des D. E.-V. zu 6 Monaten Gefängnis und 100000 Mark Geldstrafe; Böß- wett e r, Ortsbeamter des D. E.-V., zu 7 3afr- ren Gefängnis; Lebert, Sekretär der Beamten- Vertretung des D. E -V.. zu 5 Jahren Gefängnis; Weiß Schreibgehilfe des D. E.-V., zu 4 Mo­naten Gefängnis und 102 000 Mark Geldstrafe; Leineweber, Vorsitzender des Betriebsrats zu Wiesbaden, zu 3 Jahren Gefängnis; Ruß, Ortsbeamter zu Dingen, zu 8 Iabren Gefängnis; Harzdorf zu 3 Monaten Gefängnis r und 100 000 Mark Geldstrafe; Engel zu 1 Oafrr Gefängnis und 100 000 Mark Geldstrafe; ÄI ta­get Vorsitzender des Dezirksbetricbsrats zu Mainz zu 6 Monaten Gefängnis; Schwinn, Angestellter des D. E.-V., zu 4 Jahren Gefäng­nis' Hummel, Oberbaurat der Eisenbahnkttrek- tion und stellv. Eisenbabnpräst^ent, zu 1 Iaht Gefängnis und 102 C02 Mark Geldstrafe; Haa ck, Regierungsbaurat, zu 8 Jahren Gefängnis (Hort, hort!); Hertling, Vertreter der Reichsgewerk- schatt zu 6 Jahren Gefängnis; Ludwig, Ver­treter' des G. D. E., zu 6 Iahten ©efangnid; Lütke Vertreter des S. D. D. D., zu 7 Iahten Gefängnis: Stimme!, Vertreter der G. D. R., zu 6 Iahten Gefängnis.

Meine Damen und Herren! Worte vermögen nicht den S ch m e r z und die Empörung aus­

treu erweisen, wie reizend muß das fein. Und gleich zwei! Em barras de richesse. Dann mag ie einsame Sommerfrische doch ganz amüsant sein."

Eva überhörte geflissentlich das Ungezogene der Bemerkung. Schade, daß die Neins graziöse Frau so wenig sympathisch wat. Wie eine Heine fauchende Katze kam sie ihr vor, die ihre Krallen versucht, weil irgend etwas sie reizt.

Bürgermeister Arnolds machte ein ernsteS Gesicht.

Huh, jetzt macht er sein Kinderschreckgesicht,* rief Uschi. »Ich habe natürlich wieder was gesagt, was besser ungesagt geblieben wäre. Verzeihen Sie mir. Frau Ohler. Aber ich habe das unglaub­lichste Talent dazu. Ratürlich, es nxir etne Por­tion Reid dabei. Ach, wenn Sie wüßten, wie gräßlich das Leben in DieNtch ist! Einen Tag wie alle Tage hinterm Fenster sitzen und durch den Fenster spiegel die Menschen und Hühner auf dem Platz zählen, im Sommer spazieren gehen und hn Winter in Kaffeevisit, und sich langweilen und über die Leute tratschen, sich Toiletten ausdenken, damit die anderen sich <^yern und man dem oder jenem gefällt, was ja schließ­lich doch ganz egal ist."

.Aber Eie gehen ja zu den Bällen nach Trier," sagte Eva belustigt.

Ia frellich" Die Herne Frau raffte tfri Datistkleid in die Höhe.Aber was hat map davon, wenn die nicht kommen, die mag mag >

Da war wieder der Blick nach Dürgermeiste, Arnolds. , , ..

(Fortsetzung folgt)