Nr. 56
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Frankfurt a. M. 11686.
173. Jahrgang
Montag, <2. ßebruar 192s
SiehenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhefsen
Drud und Verlag: Vrühl'sche Univerfitütr-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstratze 7-
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Die neue Blockade.
Paris, 11. Febr. (WTB.) Havas. Die französische Regierung hat dem deutschen Geschäftsträger in Puris e.ne Rote überreichen lassen, in der mitgeteilt wird, dah vorn 12. Februar ab metallurgische und andere im besetzten Gebiet sabrizierte Produkte nicht mehr nach dem nicht besetzten Deutschland ausgeführt werden dürfen. Ansatz zu der Mahregel hätten Befehle gegeben, die die deutsche Regierung ihren Beamten im Ruhrgebiet erteilte. Durch diese Befehle versuch? die deutsch? Regierung angeblich, Unruhen aller Art hervorzurufen.
Der belgische Außenminister hat nach einer Meldung der „Qlgence Belge" dem deutschen Geschäftsträger in Brüssel eine entsprechende Rote überreichen lassen.
Paris, 12. Febr. (WTB ) Wie der „Petit Parisien" berichtet, ist es wahrscheinlich, daß die freute einsehende ne je Blockade vervollkommnet wird durch ein System von Sonder- lizensen, das die Industriellen des Ruhrgebiets verhindern soll, die Matznahmen dadurch za umgehen, dah sie nach dem unbesetzten Deutschland durch gewisse andere auswärtige Länder Waren exportieren. .Sie Ausfuhr werde einer strengen Kontrolle unterworfen Di? Industriellen mühten mit den Besatzungsmächten arbeiten, wenn sie die ernstesten Angelegenheiten vermeiden wollten. Eine weitere Maßnahme fpnne darin bestehen, dah die Desatzungsorgane dazu geführt werden, den Berkaus der Produkte des Ruhrgebiets in d:e Hand zu nehmen. Es sei noch nicht ganz sicher, datz dieses System demnächst als durchführbar erkannt werde. Für den Augenblick werde man sich zweifellos damit begnügen, durch die Re- Organisationen desEisenbahndienstes nach der deutschen Seite hin das Ruhrgebiet hermetisch abzuschliehen.
Eingriffe in die Privatwirtschaft.
Essen, 12. Febr. (WTB.) In den letzten Tagen erschienen französische Offiziere mit Dolmetschern bei der hiesigen Dte- derlassung der Hageda, Handelsgesellschaft deutscher Apotheker m.b.H., und verlangten die Lieferung von Arzneimitteln und anderen zur Krankenpflege nötigen Artikel. Die Forderung wurde entschieden abgelehnt, worauf die Franzosen mit Verhaftung drohte.r, die bis fetzt allerdings noch nicht erfolgte. Gegen diese ungerechtfertigten Eingriffe in Die Privatwirtschaft und die Arzneiverf07gtmg der Bevölkerung wird bei der sraitzöstschen Dienststelle Protest erhoben.
Essen, 11. Febr. (WTB.) Da bte Kohten- und Materiallieferunaen an die französischen De- saNunastruppen angeblich nicht gesichert sind, hat General Fournier dem ^esigen Oberbürgermeister mitgeteilt, datz die Truppen angewiesen werden würden, sich selbst zu bedienen.
D^goutte in Paris.
Paris, 12- Febr. (WTB.) General D e - goutte hatte gestern zuerst mit dem Krie^- Minister und dann mit Marschall Foch beraten. Am spaten Nachmittag wurde er von demPräsidentenderNe p u b l i k empfangen und hat dann anderthalb Stunden in Anwesenheit deS Kriegsministers mitPoin- carä verhandelt. Arn Abend ist er nach Düsseldorf zurückgereist. Degoutte erklärte einem Berichterstatter des „Echo de Pari^ , eS werde vielleicht noch lange dauern, denn die L^ae sei schwierig. Aber er habe üDlItomme- nä9 Vertrauen zu dem Ergebnis. Em Zweifel sei gar nicht möglich.
Die Gewaltmahnahmen.
(WB.) In Worringen DWVZZW ber sich weigeren^ na(^)€m bte Polizisten l°n^w°hnern IcWü mDrOm
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Weitere Verhaftungen.
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- - den fortgesetzt neue Verhaftungen
Beamten vorgenvmmen. Samstag vormittag verhaftete man die mit der Auszahlung von Gehältern, Löhnen und Pensionen betrauten^ Beamten und beschlagnahmte die Gelder in Höhe von 5—6 Millionen Mark. — Im nahen Bischofsheim sperrten die Franzosen den Oberbahn- meister Rückert, einen der tüchtigsten Beamten, drei Tage in seine Wohnung ein und hielt ihn hier unter strenger militärischer Bewachung. Heute früh ist der wackere Mann infolge der see- lischen Aufregungen einem Herzschlage erlegen.
Entsendung von französischen Poft- beamten nach Essen?
Paris, 12. Febr. (WTB.) Rach der ^Chicago Tribüne" werden lOOfranzösischeTe- legraphenbeamten nach Essen geschickt werden, um in der dortigen Zentrale an Stelle der ausgeschiedenen deutschen Beamten Dienst zu tun.
Der frühere Kultusminister Hönisch aus dem besetzten Gebiet ausgewiesen.
Frankfurt, 11. Febr. (Wolff.) Der vom preutzischm Ministerium einstimmig zum Regierungspräsidenten von Wiesbaden ernannte frühere Kultusminister H ä n i s ch wegen dessen Amtsantritt die Rheinlandkommis ion bekanntlich ein vorläufiges Beto eingelegt hatte, weilte in den letzten Tagen im besetzten Gebiet, um als Kommissar der preutzischrn Regierung Informationen über die wirtschaftliche und politische Lage einzuziehen. Am Samstag nachmittag wurde er aus einer Besprechung mit den Landräten und Bürgermeistern des Rrgierungsbez'rcs Wiesbaden heraus durch einen französ.schsn Beamten zu dem Oberdelegierten Marguis de Lillers genötigt, der ihn ehrenwortlich verpflichten wollte, noch vor Mitternacht das besetzte Gebiet' zu verlassen. Herr Hänisch lehnte dieses Ansinnen ab und erklärte, er würde nur der Gewalt weichen. Daraufhin wurde er in das französische Dolizeikommisfa- riat geführt und dort einer gründlichen Durchsuchung unterzogen, gegen dir er unter Berufung auf seine Immunität als preußischer ßanb- tagsabgeordneter entschieden Protest einlegte. Ebenso verweigerte er die Unterzeichnung des von dem französischen Polizeikommissar aufgenommenen Protokolls. Gegen 1/210 Ufrr wurden Herrn Hänisch seine Papiere zurückgegeben und bald darauf wurde er in einem französischen Militärautomobil an d i e Grenze des besetzten Gebiets gebracht.
Die Boykottbewegung.
Essen, 11. Febr. (WTB.) Wie unS mitgeteilt wird, haben die Verbände der Essener Kaufmannschaft und der Wirte einmütig beschlossen, an die Angehörigen der Bes a h u n gs t r upp en keine Waren bzw. Speisen mehr zu verabreichen.
PoincorL und Iaspar verbieten den Reichsmmistern den Besuch im Ruhrgebiet.
Paris. 10. Febr. (Wolff.) Havas. P 0 i n- c a r e hat heute vormittag von 10 bis 12 Uhr eine Befprechung mit dem belgischen Minister des Acuhrrn Iaspar gehabt, der außerdem beiwohnten der belgische Gesandte in Paris, der Kriegsministec Maginot, Arbeitsminister Le Trocquer, Finanzminister de Lastehrie und der Minister für die befreiten Gebiete, Reibel. Rach Schluß der Sitzung ist folgende Rote veröffentlicht worden, die an die deutsche Regierung gerichtet werden soll:
Die belgische und die französische Regierung haben festgestellt, daß der B e s u ch d e s Reichskanzlers Eunv und seine dort ausgeübte Tätigkeit einzig und allein den Zweck gehabt haben, gefährliche Erregungen, besonders unter den Großindustriellen, Angestellten und Staatsbeamten, hervorzurufen. Unter diesen Umständen sehen sich die französische und die belgische Reg erung im Interesse der Bevölkerung selbst genötigt, um Zwischenfälle zu vermeiden, die einen blutigen Verlauf nehmen könnten, der Reichsreg'.erung und den Regierungen der Länder mitzuteilen, daß es den Reichsministern und den Ministern der Länder nicht mehr gestattet ist, das Ruhrgebiet zu betreten.
Diese Rote wurde alsbald dem deutschen Botschafter in Paris übergeben.
Die Zurückweisung der deutschen Roten.
Berlin, 10. Febr. (Wolff.) Der französisch e M i n i st e r des Amßercn fr.it der beut- Td)en Botschaft in Paris die R01en, die sie nm 1 und 4. Februar überreicht hatte, und die sich auf rechtswidrige Anordnungen der Rhein- landkvmmission und die Abschnürung des Ruhr- gebieted beziehen, zurückgesandt. In einer D'pteitnvte teilt er mit, er könne bei dieser we- leaenheit nur seine Erclärung-m vom 3. Februar wiederholen. Die französische Regierung könne kein Schreiben annehmern, das ausgesprochen oder zwischen den Zeilen irgend ehre Kritik sr den von ber Reparationskommissivn regelrecht feftgefteLL- ten Versäumnisse ober an den infolge dieser Feststellung und gemätz den Bestimmungen des Ver- sailer Vertrags getroffenen Maßnahmen
Die deutsche Regierung kann und wird sich, wie in der Rote vom 9. Februar festgestellt wurde, hierdurch nicht hindern lassen, den srcmzösischen Maßnahmen auch in Zukunft das entgrgenzuhaltcn, was ihnen nach Recht und Gerechtigkeit entgcgengehÄten werden muß.
Kardinal Schulte über den nationalen Widerstand.
Köln, 11. Febr. (WTB.) Der Sonderberichterstatter mehrerer großer Organe der italienischen Vvlkspartei, Gustavo T r a g l i a hatte nach der „Kölnischen Volkszeitung" vor einigen Tagen eine Unterredung mit Kardinal Schulte. Der Kardinal evtlärte: „Das deutsche Volk wird Widerstand leisten, sein Opfermut und sein Heroismus sind wirklich bewundernswert. Wir wollen keine Zwischenfälle Hervorrufen, aber wir wollen uns auch ungerechter Unterdrückung nicht beugen. Bei meinem jüngsten Besuch in Essen konnte ich sest- tellen, datz der Geist des Widerstandes unter den Arbeitern täglich stärker wird." Aus die Frage, ob dieser Geist der Gesinnung nur der einer Klasse oder des ganzen deutschen Volkes barfteHe, antwortete bei Kardinal: „Er stellt die Gesinnung des ganzen deutschen Volkes dar. Das deutsche Volk hat keinerlei Kriegsgedanken. Deutschland ist heute friedlich, keinerlei Entfaltung militärischer Kräfte kann freute Eindruck auf uns machen. Im Bewußtsein seines guten Rechtes ist Deutschland bereit, in seinem passiven Widerstand auszuharren. Die Franzosen behaupten, datz die Arbeiter auf ihrer Seite und die Bergarbeiter gegen die Eisenbahner feien; das ist nicht wahr. Unsere Arbeiter, welcher Kategorie auch immer sie angehören mögen, sind vor allem anderen Deutsche. Sollte durch einen Eisenbahnerstreik in der Rheinprovinz Knappheit an Lebensrnitteln hervorgerufen werden, würden die Bergarbeiter allein den Streik fortführen. Die Eisenbahner müßten und würden dann die Arbeit wieder aufnehmen, um der Bevölkerung die Lebensmittellieserungen zu sichern. Aus die Frage, welche die Taktik der Franzosen sei, ob sie eine rheinische Republik proklamieren, antwortete er: „Sicherlich wird irgendein Versuch in dieser Richtung gemacht werden, aber er wird nicht gelingen, well hier niemals ein Gedanke an den Separatismus bestand und alle sozialen Klassen deutsch fühlen. Die Ausrufung einet rheinischen Republik würde auf den Widerstand aller Parteien stoßen. Die Massen sehen auf die Separatisten mit ungeheurer Verachtung herab. Wir empfehlen unserem Volke," so schloß der Kardinal, „die Verwerfung jedes Gedankens an Rache und jedes kriegerischen Widerstandes."
Das deutsche Dolksopser.
Berlin, 10. FBr. (Wol f) Der Geschäftsstelle des Deutschen Volksopfers stehen bis zur ©tunte neben einer Anzahl Devisen rund 1,6 Milliarden Papiermark zur Verfügung. Richt einbegriffen tznd in diesen Betrag die bei den wammelstellen und vielfach gebildeten Landesausschüssen noch vorhandenen Beträge. Ebenso stehen Sendungen aus dem Ausland noch aus. Die Franzosen haben in dem besetzten Rhcknlannd den Aushang des Aufrass der Reichsregierung und der Regierungen der Länder verboten. Die Mittel sind n'cht nur dem Ruhrgebiet, sondern auch dem attbefesten Gebiet am Rhein zugute zu kommen bestimmt, wo nach den bisher vorliegenden Mitteilungen die durch den Einbruch der Franzosen and Belgier entstandenen Röte zur Zeit vielfach größer sind als im eigentlichm Ruhrgebiet. Der in dem Aufruf erwähnte Vertrauensausschutz deS Deutschen Volksopfers wird in den nächsten Tagen zusammentreten und endgültige Beschüsse über die Verwendung der Mittel fassen. Erhebliche Mittel sollen zur Ergänzung der sehr weitherzigen öffentlichen Hilfe in den Fällen dienen, in denen diese nicht ausreicht. Zwischen dem Deutschen Vo'.ksopfer und der R u h r h i l s e, die die Wirtschaft geschaffen hat, und welche auch die freiwillig in Abzug gebrachten Löhne and Gehälter in sich begreift, ist enges Einverständnis hergestelll worden. Von der Landwirtschaft sind bis Mittwoch 400 Waggons freiwillig gespendeter Lebensmittel nach der Ruhr abgervllt worden.
Die Lage in Offenburg.
Offenburg, 10. Febr. (Wolff.) Der Straßenverkehr ist nunrn.hr wieder ganz freigegeben. Die Wirtschaften können bis zehn Uhr cck>endS offen bleiben.
Danderveldes Reparationsvorschlag.
Paris, 10. Febr. (WTB.) Der belgische Sozialistenführer D ander velde hat dem Korrespondenten der „Oeuvre" gegenüber sich über die Kundgebung ausgesprochen, die der französische Soziallstenkongretz in Lille unter Mtt- teiilung ausländischer Sozialisten verunstaltet frU. Vandervelde legt dem Eingreifen des Völkerbundes Bedeutung bei. Sein Reparation s- Programm sei folgendes: Es müsse zu einet Festsetzung der deutschen Schuld tommen, wobei diese auf das herabgemindert werden müsse, Das die Reparationsanträge der verwüsteten Gebiete erforderten. Dann sei die deutsche Auslandsschuld auf ein vernünftiges Matz zurückzuführen. Dte deutsche Inlandsschuld sei infolge der Entwertung I der Mark so gut wie auf nichts frerabgefunten.
Die Industrie Deutschlands sei nach wie not mächtig. Sein Kredit werde nach dieser Regelung mit einem Male wieder her gestellt sein und fo- ortige Zahlungen an Frankreich und Belgien seien möglich. Solange dagegen die deutsche Schuld praktisch unbegrenzt bleibe, weil sie auf die exorbitante Ziffer von 132 Milliarden Gold- mark festgesetzt sei, würden die Deutschen alles Erdenkliche tun, um sich ihrer Zahlungspflichk zu entziehen. Werde die deutsche Schuld dagegen herabgesetzt, beispielsweise auf 50 Milliarden Goldmark, dann hätten sie das stärkste Interesse daran, ihre Verpflichtungen zu erfüllen, um die militärische Besetzung loszuwerden. Vandervelde beruft sich auf das Programm des Frankfurter Sozialiftenkvngresses für den Wiederaufbau. Wenn dieses Programm angenommen und durch- gefüfrrt werde, so hätte sogar die deutsche Industrie ein Interesse daran, zu zahlen.
Poincar^, der Völkerbund und Deutschland.
P a r i S, 10. Febr. (Wolff.) Der Präsident der Liga für Menschenrechte, Ferdinand B u i f s 0 n, hatte kürzlich an P 0 i n c a r e die schriftliche Anfrage gerichtet, welches die Haltung Frankreichs sein würde, wenn der Völler- bundSrat beschließen würde, Deutschland zuzulassen. Der Ministerpräsident hat wie folgt geantwortet:
Die französische Regierung war immer der Ansicht, datz der Völkerbund feine Ausgabe nur unter der Bedingung, datz er' universal wird und infolgedessen auch Dcutsch'anb au,nimmt, erfüllen kann. Aber die Aufnahme eines Staates, der nicht Urmitglied ist, in den Völkerbund ist den Bedingungen unter a?or,e 1. die der Vertrag aufstellt: außerdem muß ein solcher Staat nach den Bestimmungen des Ve träges greifbare Sicherheiten von feiner Absicht, seine Internationalen Verpflichtungen zu erfülle r, geben. Oesterreich Bulgarien und Ungarn, die fix dem Völkerbund gegenüber in der glexfrm Lage befanden w-se Deutschland, sind diesen BedingunLen nachgekommen und zugelassen worden. Dor allem Ungarn hat feierlich die Annahme des Artikels 1 des Vertrages ausgesprochen und die Pflichten übernommen, die daraus entspringen. Deutschland jedoch hat bis freute die Forderung noch nicht erfüllt. Es hat durch seine Handlungscoeise bewiesen, bat es noch nicht gewillt ist. sich den Verpflichtungen zu unterwerfen, die es unterschrieben hat. Dis jetzt konnte daher noch keine Rede von seiner Zulassung fein. Die Franzosen müßten sich als erste beglückwünschen, wenn eine Aenderung in der Haltung Deutschlands eintreten würde, die diesem erlaubte, neben den Mächten, die ihren Verpflichtung ei nachkommen, in dem Völkerbund vertreten zu sein.
Hierzu bemerkt das Wolffbureau: Die französische Regierung, die sich durch ihren Einbruch in deutsches Gebiet vor der ganzen Welt ins Unrecht gesetzt hat, scheut sich in diesem Augenblick wohl, der Zulassung Deutschlands zum Völkerbund offen zu widersprechen, wie sie es vier Jahre hinourch getan hat. Dafür sucht aber Poincare trotz unseres praktisch erwiesenen Crfüllungswillens die deutsche Vertragstreue zu verdächtigen. Die Unaufrichtigkeit seiner Erklärung liegt auf der Hand, im Völkerbund wird offenoar mit zweierlei Maß gemessen, denn von seinen Begründern wird bekanntlich nicht gefordert, daß sie ihre VertragSpflicht einhalten. Diese Tatsache hat die Welt mehrfach erfahren, und die jüngsten Ereignisse haben das System ungleicher Behandlung besonders deutlich offenbart. Der Rat deS Völkerbundes hat soeben in Paris getagt. Er hat sich mit allen möglichen Tagesfragen beschäftigt, hat eS aber nicht für nötig befunden, zu den französisch - belgi'chen V.rt.agsbcüchen Stellung zu nehmen. Die ursprünglichen Mitglieder des Völkerbundes können also unter seinem Schutz Vertragsverletzungen begehen, gegen Staaten, die ihm nicht angehören, soll er dagegen als Exekutor der Friedensdiktate dienen.
Französische Machtansprüche in Tanger.
Madrid, 11. Febr. (Wolff.) Wie die Zeitungen mclfren. hielt der französische Abgeordnete Fribourg in Tanger eine Rete, worin er zum mindesten unter der Souverenität des Sullans li> französische Vorherrschaft in Tanger verlangte und erflärte, die Internationalisierung Tangers würde nur Deutschland nütz m. Dem Vortrage wohnte der französische Gesandte in Tanger bei, der den Redner lebhaft beglückwünschte.
Völkerbund und Rüstungsbeschränkungen. Genf, 10. Febr. (Wolff.) Der Völker- bundsausschutzsürRüstungsbeschrän- fungen beriet freute über den ®arantiefcrtrag, den die Völkerbundsversammlung tm Jahre 1922 auf Lord Robert Cecils Antrag anregte. Im Abschnitt 1 verpflichten sich die S^natarmächte zu einer später festzutetzenden Beschickung der Streitkräfte Die Abschnitte 2 und 3 te.tunmen die Jlatzna'frmen, die zu ergreifen fmb mn in Friedenszeiten eine der ©ignatarmacfrte fufr be- btofri fühlt, und sich sonst auf die Ausarbeitung von neuen Verträgen zum Schutze der Bedrohten und auf Mahnungen an den bedrohten Teck durch


