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5tndte$ Blatt Gieyener Anzeiger (General-Anzeiger sür Gberhessen) Samrtag, (0. Zebruar 1923
Unter dem ZrelheitZbaum.
Roman von Clara D i e b i
36. Fortsetzung. (Rachdruck v^öoten.)
Ob sie die Tauben fliegen lieb, dab Tie Martin kündeten: ich bin allein — ?! So gern hätte sie seine Hand aehalten, in sein ®cM>t gesehen, das so gut lächelte. Gern besvrl^en was jetzt alle sprachen: ob die Herbst sonne^so viel Dauer verhieß dab man noch emmal beucn konnte and ob die Kartoffeln sich lohne ». in diesem 3af>r? 8« Mle ihr ™6to=ian. ruhig-freundlich mit ihm za bereden, was> oas Leben des Landmanns bewegt. 2lch. wie giluG ch die, die von nichts muhten alsvon ihrem Acker ihrer Wiese, ihrem Rieh und dem Mühlbach rauschend das Wasser über die Rader trewli Sie sehnte sich nach dem Martin den ganzen einsamen Tag Und^ch hatte sie die Tauben nicht liegen lassen aus ihrem Gllteriastchen amHerd damit sie schwebten über der groben Tannein «reifen ihre Flügel erprobten und dann davon Igelten, klein und kleiner wurden.
w?ihe Punkie im Luther die über te™ 'Kalb dahinschwand in, hinabstrebten auf das Dach ihre ^^hre Hand hatte sich schon ausg^treckt, das Türch.m des weideng.Noch enen Käfigs aitfyt-in, Aber He hatte sie wieder zuruckgezogen. Ach. sie ba ^ den Mut nicht, ihn he Ue z. sehen er wurde 4^ iraaen: »Was ist dir?" Unb was sollte sie ihm antworten? Konnte sie ihm «Avas sagen Unruh, die ihr das DIU za Kopf steigen liest und ihr's dann wieder zuruchagte. dah sie M wurde? Durfte sie ihm etwas verraten von
Gemeinwirlschast Oberhessen.
Siesten, 10. Febr. 1923.
Die oberhessische Provinzialrermaltuna hat in einem Rundschreiben an die Bürgermeistereien der Provinz Oberhessen die Schaffung eines groß» zügigen sozialen Fürsorge-Unternehmen s für die ganze Provinz angerezt. Das Werk soll den Ramen „Gemeinwirtschaft Ober- Hessen' führen. Ueber seine Organisation, seine Aufgaben und die Beschaffung der erforderlichen groben Geldmittel wird in dem Rundschreiben u. a. gesagt.
Die »Gemeinwirtschaft Oberhefsen" wird zunächst in der Form eines rechtsfähigen Vereins des bürgerlichen Rechts er» richtet. Sie hat die Aufgabe, in freiwilligem Zusammenarbeiten der obei'hessischen Selbstver- waltungsköcper (Stadtgemeinden, Landgemeinden, Kreise, Provinz)
1. Mittel für die einheitliche Bekämpfung der Skrophulvse und Tuberkulose bei Kindern zur Verfügung zu stellen,
2. den Selbstverwaltungskörpern der Provinz Betriebsmittel auf kurze Frist bereitzuhalten,
3. den Selbstverwaltungskörpern der Provinz Darl^en in erster Linie für werbende Anlagen und, soweit noch Mittel vorhanden, für Wohnungsbauten zu gewähren.
Die beitret en ben Stadt- und Landgemeinden sollen verpflichtet sein, aus den Erträgen ihrer Waldgüter in den beiden Rechnungsjahren /1923 und 1924 jedesmal ein Zwölftel än die Gemeinwirtschaft darlehensweise abzusühren. Der sich hiernach für den Gemeindewald errechnende Betrag soll nicht kleiner fein, als der Erlös für 1 Festmeter vervielfältigt mit der Hektarflächr des Gemeintewaldes. Gemeinden ohne Wald verpflichten sich durch die Beitrittserklärung, tn den Rechnungsjahren 1923 und 1924 an die Gemeinwirtschaft diejenigen Beträge darlehensweise zu zahlen, die von einem Ge'amtausschust der Gemeinwirtschaft unter dem Vorsitz des Prv- vinzialdirektors festgesetzt werden. Die Darlehen sollen verzinst werden. Die Zinsen sind am 1. Oktober und am 1. April jeden Jahres in Höhe der Hälfte des durchschnittlichen Reichsbankdis- kvnts des rwrhergehenden Halbjahrs zu zahlen. Darlehen, die den Se'bstvrrwaltungskörpern zu den Zwecken des Lln'.e.nehmens aus der Gemeinwirtschaft gegeben werden, sind mit 2 Prozent über dem durchschnittlichen Reichsbankdiskont zu verzinsen. Die aus der Zinsspannung erübrigten Beträge sollen nach Abzug der Kosten der Verwaltung der Memeinwirtschaft zu den Zwecken des Unternehmens Verwendung finden.
Der Sitz der Gemeinwirts hif' soll in Gießen bei der Provinzialdirektion sein. Ein Gesamtaus- schust unter dem Vorsitz des Brovinziachirektors svll über die Verwendung der aufkommenden Mittel beschliehen. Unterausschüsse sollen über Darlehensan träge von Stadt- und Landgemeinden, von Kreisen oder der Provinz Entschliebung fassen. Andere Grohwaldbesiher der Provinz können von dem Gesamtausschub In die Gemeinwirtschaft ausgenommen werden.
3n einer eingehenden Begründung wird nach- gewiesen, dab die weitere Durchführung der sozialen Fürsorge für die Heranwachsende Jugend mit den bisher üblichen Mitteln unmöglich ist. Es wird betont, dab die Tuberkulose erschreckend junimmt, auch auf dem Lande. Es mühten Mittel bereit sein, die für viele Jahre eine sorgfältige und umfassender Kinderpflege ermöglichen. Die Kreise und Gemeinden würden durch die geplante Veranstaltung auf diesem Gebiete völlig entlastet. Weder das Reich, noch die Länder, weder die einzelne Gemeinde, noch der einzelne Kreis können Helsen, sondern nur der Zu» sammenschluh aller unter bei Voraussetzung, dah durch diesen Zusammenschluß genügende Mittel zusammen kämen. Diese Möglichst bestehe in Oberhessen mit seinem Waldbesih von rund 35 000 Hektar. Die vorgesehenen Anteils-Darlehen der waldbesihenden Gemeinden liehen bei den außerordentlich hohen Holzpreisen allein schon einen grohen Betrag erwarten. Die übrigen Gemeinden, die keinen Wald haben, mühten entsprechende Summen besteuern. Eine Prüfung der Frage, ob den Gemeinden diese Zumutung gestellt werden könne, habe zu einem bejahenden Ergebnis geführt. Man hockt, durch die Gemeinvxrischaft etwa 1 000 ober» hessische Kinder jahraus, jahrein in Fürsorge nehmen zu können.
Jeder Leser wird wohl mit uns der Ansicht sein, dad die Schaffung dieses Werkes als eine soziale Grohtat bezeichnet werden muhte. Möge daS dankenswerte Beginnen der Provinzialverwaltung in allen Teilen der Provinz
eifrige und kühn entschlossene Förderer finden.' baldige Zustandekommen dieses gern ein» 071^10x1 ft lüften Unternehmend wäre im Hinblick auf das grvhe Elend unter unserer heranwachsen- ben Jugend doppelt begrüßenswert.
Die Biebertalbahn.
Zil den ErNärungen der Dirterial- bahn-Verwaltuna, die wir am d Drigen «SamStag zugleich mit zwei Einsendungen aus dem £eferEreife ateruckten, wird uns von Iustizrat Dr. Grünewald, tem Derfo-s er des Gießener Eingesandts in bi^srr Angelegenheit, geschrieben:
Gießen, den 6. Februar 1923.
Die Dietertalbahnfrage im Wege der Zeitungspolemik zu lösen, wird nicht möglich sein. — Es war lediglich meine Absicht, die Sache ins Rollen zu bringen: die preußische, die hessische Regierung, die Gemeinden von Heuchelheim bis Königsberg, Frankenbach, Ecda, Ober» und Rieder-Weilbach, diejenigen des Verstales bis tief hinauf ins vormalige hessische Hinterland, vor allem aber die S.adt Gießen, das Kreisamt, den Oberbürgermeister und die Handelskammer wollte ich wachrufen mit dem Hinweis, daß schwer verstoßen wird gegen vertragliche Uetereinfünfte, und daß aufs schwerste die Interessen dec Bevölkerung gefährdet sind.
An einer Legitimation hierzu fehlt es mir nicht. Mein Kampf für die Errichtung einer Rollbahn Gießen—Hinterland und gegen das Kon- kurrenzprosekt Wetzlar—Gladenbach aus den Jahren 1911 bis 1912 als Beigeordneter der Stadt Gießen und im hessischen Landtag ist noch in der Erinnerung Aller, die an dieser Frage Interesse nahmen.
Ich will dem Einschreiten der verantwortlichen Instanzen nicht Dorgreifen, sondern nur aus» sprechen, daß die Deutsche Kleinbahn-Gesellschaft in einem grun^ählichen Irrtum sich bewegt, wenn sie die Entscheidung auf die Frage abstellt, ob die Diebertalbahn gut rentiert — daß sie erträglich rentiert, gibt die Verwaltung zu. Die Dahn hat gute Zeiten gehabt, sie war, wie may hörte, die bestrentierende ter Unternehmungen der Gesellschaft, und wir haben, als die Bahn seitens der Stadt käuflich erworben werden sollte, hören müssen, wie große Gewinne sie erzielt und wie hvch infolgektessen der Kaufpreis zu bemessen sei. Die Akten der BürgerTneisterei müssen dies ergeben.
Der Dahn ist das Gelände zur Verfügung gestellt, die Lahnbrücke und die ßanbftrafte sind ihr in einer für den übrigen Verkehr sehr lästigen Weise überlassen, — nicht um der Kleinbahngesellschaft eine gutrentierenbe Linie zu verschaffen, sondern um das Hinterland für Gießen zu erschließen, den Dewohnern dieses Landesteiles, die sich, wie sie früher auch politisch zu uns gehörten, wirtschaftlich mit Gießen noch heute verbunden fühlen, Gelegenheit zum Verkehr mit Gießen zu gewähren. Gewib sollte auch der Transport der Dodenschähe des Diebertales und anderer Distrikte ermöglicht werden, für uns tn Gießen aber war der Personenverkehr die Hauptsache. Fällt dieser weg. beschränkt die Dre- vertalbahn sich im wesentlichen auf den für fie großen Gewinn bringenden Gütericansport vom Diebertal nach Abendstern, fo ist für den hessischen Staat und für die (Stabt Gießen jeder Grund beseitigt, den Herren in Derlin daZ Gelände zu überlassen. Der Gedankeng-ang der Dahnverwal- tung, aus dem Betrieb dm für fie lukiallvsten Teil, den Güterverkehr, heranszuschneiden, auf- rechtzuerhalten und den Perfonenverkehr aufzugeben. ist total abwegig. Der Betrieb der Balm ist vielmehr als ein Ganzes aufzufassen und als fvlckies enttoober aufrechtzuerhalten oder aufou- geben, nicht aber kann daran gerächt werden, dab die Dahn ihre Konzession behält und sie nur soweit ausübt. als es ihr nützlich erscheint, im übrigen sie aber ohne Rücksicht auf die Interessen der Bevölkerung aufgibt. Es ist die alte Klage, daß die Diedertalbahn den Personenverkehr in aller und jeder Hinsicht veimachlässigt, keinen Wert darauf legt, ob die Passagiere einigermaßen bequem unterg- bracht sind, Heizung und Deleuch- tung auch nur in primitivster Form existieren, ob nicht bas Rangieren auf Ab.mdstern allzuviel Zeit in Anspruch nimmt, ob nicht beim An» und Abhängen der Wagen die Passagiere durcheinander- gerüttelt werden wie ein Sack voll Rüsse — alle diese Vernachlässigungen werden jetzt beleuchtet durch die flar heiworiretende Absicht, den Personenverkehr überhaupt einzustellen. Eine Ahnung, daß die Dahn gegen vertragliche Verpflichtungen verstößt, scheint die Verwaltung noch zu haben, indem sie davon erzählt, daß sie bei dem
dem Argwohn, der sie peinigte? „Du hast geträumt," hatte der Vater gesprochen. Rein, nich. geträumt und nicht sich geirrt: er wac's doch! Und wenn der Vater nun mit ihm zog auf einsamen Wegen? Ob der Vater es wirklich glaubte, bah sie den Fremden irrig für den angesehen hatte, der sie — o Jesus Maria, hätte sie doch an sich gehalten, geschwiegen und verschwiegen.
Rein es war besser, sie sah den Martin heut nicht. Desser vielleicht, sie sah ihn gar nicht mehr, fie taugten doch nicht zueinander! Tränen traten ihr in die verfinsterten Augen, in traurigen Ge- danken verloren stand sie auf der Schwelle.
Der Abend dunkelte ftar^ Sie erschrak, ein Schritt kam ihr näher. ,Wer ist da?" rief sie
beklommen.
Hans Dasts tiefe Stimme fragte: „Seit wann fürcht'st du dich dann?" t _
Eie lief ihm entgegen. Wie ein Kind faßte fie des Vaters Hand. Ja, fie hatte sich gefurchet. Vor was eigentlich, wußte f:e nicht. Doch dav sie sich gefürchtet hatte, das fühlte fie an bei Freude, endlich nicht mehr allein zu sein. Aber ihres Vaters Hand war kalt.
„Ich bin müd," sagte der Schmied, „bring die Supp'!" Er aß nur ein paar Löffel. Den Ellbogen ausgestützt und die Stirn in der Hand saß er finster vor der Schüssel.
Maria konnte seine Augen nicht sehen. Was erblickten die? Sacht trat sie zu ihm und legte ihre weiche Wange auf sein buschiges Haar.
Da fuhr er auf: „Wat willste?'
Mx " stotterte sie. erschrocken über den Klang seiner Stimme. Und sie erschrak noch mehr über den Blick seiner Augen: der bohrte sie durch und durch Sie wagte nicht, sich zu rühren.
Kohlcnkommissar unter Hinweis auf „vertragliche Verpflichtungen" vorstellig getoorben fei. Diese vertraglichen Verpflichtungen bestehen darin, dah ihr semeizeit die Benutzung des Geländes seitens der Stadt Gießen und wohl auch seitens des Kreises nur unter ter Bedingung gewährt worden ist, daß jeden Tag (auch Sonntags) 4Perfvnen- züge von Gießen nach Bieder und 4 Personenzüge von Bieber nach Gießen geleitet werden müßten, linier der Hand wurden diese Züge auf drei reduziert, und gerade der Abendzug von Dieder nach Gießen, der für die in der guten Jahreszeit im ‘Siebertat erholungßichende Gießener Devölkerung wichtig war, Ium in Wegfall. Im Winter 1921/22 tourte, soweit ich weiß wegen eines Streik.s, der Dahn von sei en der S.adt Gießen die vorübergeh.mte Genehmigung zum Wegfall einiger Züge erteilt, aber nur vorübergehend, und da° Derlange-n der Dahn, daß dieser Zustand dauernd fein solle, wurde abgelehnt. Es erfolgte die Einstellung des Sonntagsverkehrs, eine Maßnahme, die außerordcn sich peinlich empfunden wurde von der gesamten, in Dttracht kommenden Devölkerung. Erwägt man, daß die Personenbeförderung durch Autos oder Fuhrwerke anderer Art außerordentlich erschtoert ist, dah für Frauen, Kinder und Kranke die Drnuhung von Fahrrädern, auf welche die Dahnvertoaltung freundlichst vertoeist, nahezu ausg.fchlossen ist, so bedeutet die Einschränkung des Personentransportes durch die Dahn bAto. die in Aussicht gestellte totale Einstellung cesselben eine Abschnürung der gesamten Dcvöllerung des Dieber- und DerStales von der Stadt Gießen. Die Kleinbahn- Gesellschaft wird sich wohl nicht einbilden, daß die für das Wohl der Devölkerung und für deren wirtschaftlichr Eriftmz vecantwo tl/chm Insta. z^n sich eine solche Willkür, einen solcher Vertragsbruch ruhig gefallen lassen werden! Man muß schon sagen, daß uns die Kleiabahn-Gckellfchaft brifer nicht beglückt hätte mit ih er Dieberlalbahn und nicht die Erteilung der Konzession erstrebt hätte, — wir hätten dann längst eine Rollbahn von Gießen über Heuchelheim, Rodheim, Frankenbach, Rerstal nach dem nördlichen Teil des Kreises ‘SietenEobf und voraussichtlich damit auch
eine Rerbindung mit den weiter nördlich gelegenen Teilen des Reiches.
Die Absicht der Dahn, auf den großen Gewinn bringenden Güterverkehr sich zu beichlänken, die Rosinen aus dem Kuchen herauszupicken, un- eingedenk der Pflicht eines öffentlichen Unternehme n£, allen Rücksich en gerecht zu werden und das minder Gute mit dem ‘Scfferen zu vergleichen, wird nicht verwirllicht werden dürfen. — Man wird fragen: Was wird bann, wenn man der Diebertalbahn die Konzesfion wegen ihres Ser» tragsbruches entzieht? Meiner Ansicht nach ganz einfach dies: Preußen und Hessen, die in Del rächt kommenden Gemeinden und in erster Linie die Stadt Gießen, die industriellen Institute, die an der Gewinnung und Sertoertunq der Dvden- schätze interessiert find, die SZaldbesitzer und die Gewerbetreibenden werden sich vergesellschaften und eine Rollbahn erbauen müssen, dies zwar trotz der hohen Kosten und trotz der gegenwärtig schwierigen Zeit. Geld ist genug da, wenn es auch nur Papiergeld ist: aber auch mit Papiergeld kann man bauen.
Wie die Redaktion mit Recht annimmt, kommt es zur (Beurteilung ter Rentabilität des Unternehmen« auf die Reserven usw. an. Ich kann heute nur die Ziffern angeben, welche die finanzielle Lage ter Kleinbahn-Gesellschaft Ende 192 1 ausweisen.
Das Aktienkapital beträgt 12 Millionen, ter Reservefonds rund 550 000 Mk., das Abschrei- bungskvnto 2 810 000 Mk., A^erterhaltungskonw 50 000 Mk., Sonderrücklage 133 000 Mk., Erneue- rungskon'o 533 000 Mk.. Riickslellungslonto 694 000 Mk., Schah zur Erneuerung 767 000 Mk., ‘Bant- gut hoben 4 200 000 Mk. Die Dahnen stehen xum Herstellungspreis zu D ich mit 4 727 483 Mark |Goldwert!) An Aktien und Geschäftsanteilen sonstiger Gesellschaflcn waren vorhanden 1 97 1 4725 M k. (wie diese Werte heute stehen, mag die Gesellschaft angeben). Diese Ziffern sprechen für sich. — Die Gesellschaft wird angesichts derselben keinen Anspruch ei heben können, borj man ihr aus Milleid die Einstellung eines weniger gut rentierenden Teils ih.es Betriebes gestatte. Zunächst aber wäre f.stzustellen, in wel»
Das Ziel der französischen Ruhrpotttik.
Die Pariser Zeitung „Le Journal" veröffentlichte am 28. Januar 1923 die unten toiebergegebene Zeichnung. In unserer Wochenschau vom vorigen Samstag haben wir diese Leistung der französischen „Kultur“ schon in kurzen Worten beschrieben. Wenn wir uns heute entschließrn. dieses widerliche und von beispielloser Roheit zeugende Machüverk unseren ßefern
„Der Zollgürtel. Wenn Ihr es wollt . . lagt, will Frankreich mit dec Zollgrenze gegen das unbesetzte Deutschland ten auf der Zeichnung bargeftellten „Sklaven Deutschland" erdrosseln. Wenn wir uns vor diesem Schicksal bewahren wollen, das uns vmi dem „menschenfreundlichen" Frankreich Poincares zugedacht ist. |o dürfen wir nicht im Hoffen und Harren auf
t-e CORL)exx DOUANIER
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auch im Bilde vorzusühren, so geschieht es in der Erwägung, dah man aus dieser Pariser Offenherzigkeit am besten ten wirklichen Sinn und Zweck der „friedlichen" Ruhr-Aktion des brutalen Gewaltmenschen und Friedensbrechers Poin- car e erkennen kann, soweit man ihn nicht schon durch die Grausamkeiten ter zügellosen französischen Soldateska im Ruhrgebiet erkannt hat Wie die Llnterschrift ter Zeichnung (zu deutsch:
England oder Amerika blicken, sondern müssen uns auf uns selbst verlassen, in Einigkeit und Treue zusammen st ehen zu geschlossener Abwehr, alles beiseite lassen, was die Ansichten sonst trennt stets und überall mir das eine in ten Rorterarund stellen, dah wir alle Deutsche sind und unser Rater- länd mit allen Kräften gegen die feindliche Raubgier zu verteidigen haben!
Er legte die Hand auf ihr Haar: sie fühlte sie schwer.
„Sollst mir Dank sagen," murmelte er, „hab et für dich getan.“
„Für mich" murmelte sie nach, scheu und entsetzt
„llnb et reut mich ntt Das kann ich vertreten." Er verschränkte die Arme.
Das Entsetzen würgte sie schier: was konnte sie tun, um bie Tat zu sühnen? „Ich will hin- gehen und ihn begraben,“ wimmerte sie, „bat die Fuchs ihn nit fressen. Gib mir Geld" — sie hielt beite Hände hin —. „ich will Messen lesen lassen für ferne Seel!"
.Bist wie deine Mutter." sagte et. „Die hat sich auch an so wat gehalten. Laß Messen lesen — metnswegen, ich hab nix bergegen.“
Es wollte sie bedünken, seine Stimme wäre weicher als sonst. Aber sie hörte nicht alles, was noch in der Stimme war. In ihren Ohren war ein ständiges Sausen, und durch d:es Sausen, weit a>elt, horte fie einen Totesschrei. Sie_ sah auch nicht flar, ihre Augen waren von Tränen umflort. t .
Er zog sie auf, drückte sie nieder auf die Dank und setzte sich neben sie. Lange sprach er auf sie ein. , . , , _ 3
Worüber er nie sprach, davon sprach Hans Bast heute Sie hörte zu wie in tiefer ‘Betäubung. Er sprach von seiner Jugend. Eines Grobschmieds Sohn im Mosrldörfchen. Ein Haufen Kinder, Dettelbrut, die vor Hunger tem Dauer Kartoffeln aus bem Acker stiehlt und Pferderüben.
(Fortsetzung folgt)
„Wat stehste, wat kuckste? Drauchst keine Angst zu haben, dir tu ich nix."
Ater wem denn, wem denn? Dir tu ich nichts — aber anderen? Hatte er anderen etwas getan? Jenem, dessen Pferd er am Zügel gepackt hielt mit seiner eisernen Faust? Sie zitterte. „Was hast du getan?“ stieß sie plötzlich heraus: sie tonnte die Aage nicht länger zurückhalten.
Er lachte kurz auf, und dann sah er sie wild an in einem plötzlich lodernden Zorn, der fein Gesicht zu einem ganz anderen machte. Dies axir ter Schmied von Krinkhof nicht mehr. „Plarr nit!" schrie er sie an. ilnb bann mit gebauten Fäusten: „En End hab ich gemacht mit tem Kerl, so wie der ’t verdient hat. Lauf nach dem Reiler Hals und bann die Schlucht rechts abwärts b.im Dach liegt er. Unter ben Farnkräutern und tem Reisig. Dlut, ‘Blut!" Er spreizte die Finger ter ausgestreckten Hände. „Dieses klebt mir nit an, et is nil zu Unrecht vergossen. Mädchen — er packte die Toch.er bei beiden Schultern und rüttelte sie — „freu dich et is ihm vergolten!"
„Rater. Rater," wimmerte sie. Sie war in die Knie gesunken. Ihr angstentstelltes Gesicht drückte sie in seinen Kittel. Sie hätte sich von ihm losreißen mögen, ihn niemals Ehr sehen, den anspeien, ter ihr Rater war bec war ja ein Mörder — und sie vermochte es doch nichtz Etwas zwang sie zu ihm. Sie konnte nur tiefgebeugt weinen.
Er lieh sie seufzen und fchluchzen. Hoch- aufgerichtet stand er über ihr, die Auaen lagen ihm tief in ten Höhlen, blicklos. Er brütete m sich hinein. Sein Mund war grausam. Endlich sah er auf die Tochter nieder, und es zog ein Schimmer vpn Mitleid über sein hartes Gesicht.


