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Nr. 35
Erscheint tSglich, außer Sonn» und Feiertag«, mit derSomstagsbeilage: GiebenerFamilienblätter Monatliche vezuorprelse: 1325 Mark und 75 Mark Trügerlohn,durch diePost 1400TRarh,aud) deiNicht» erscheinen einzelner 71 um- Hern infolge höherer Gewalt.- Iernsprech. Anschlüsse: fürdieSchrift. Itthing 112; für Derlao und Geschäft«stelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten. Lnzetoer-tetzr». pofffchecttonta-.
$r<mttnrt a. m. 11686.
Erster Blatt
173. Jahrgang
Samstag, 10. Zedruar 1923
siehenerAnMger
General-Anzeiger für Oberhessen
Ütttd und Verlag: vrühl'sche UnlverfitSt5-vuch- und Steindruckerei R. Lange in Gießen. Schriftleitnng und Geschäftsstelle: §chulstraße 7.
Annahme von Anzeigen für bie Tagesnummer bis zum Nachmiltag vorher ohnejede berdmüllchkeit. Dreis für 1 mm höhe für Anzeigeno 27 mm Breite örtlich 46 Mk., auswärts 50 Mk., für Reklame- Anzeigen von 70 mm Breite 180 MK.Bei Platz- Vorschrift 20 u/0 Aufschlag. Hauplschristleiter: Äug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz, für den übrigen Teil: Ernst Blumlchein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in (Bicken.
Wochenrückblick.
Wenn wir den Dollar etwas fallen sehen, die englischen Zeitungen mustern, wie sie die schließlichen Mißerfolge der Franzosen prophezeien, die vormals so mißgünstige „Times" ihre diplomatisch gefiederten, aber um so spitzigeren Pfeile auf Poincarg abschiehen sehen — Da ergreifen wir den Schild des Widerstandes in diesem Völkerkampfe ohnegleichen wieder mit freudigerem Mute. Die Geister der Freiheit feuern uns an, und was die tapferen Kämpfer des Ruhrlandes und der Rheingebiete vor den Augen der Welt leiden und leisten, das ist Deutschlands Ruhm mitten in Erniedrigung. Frankreich häuft Untat auf Untat Die Proteste aus der ganzen Welt gegen sein Gebaren mehren sich. Die Besetzung der badischen Städte und Bahnstrecke, als „Sanktion" für mangelnde Erfüllung von Fahrplanwünschen, reiht aus dem Versailler Vertrag neue Fetzen. Jede weitere Besetzung deutschen Landes bedeutet für die „Times" die Aufhebung des Friedensvertrages — als ob nicht schon genug geschehen und das Flüßchen Rubikon nicht längst überschritten wäre!
Das große Inselreich wägt das Recht mit einem eigenen Gewichtssystem. Die Städte Offenburg und Appenweier — pah, was bedeuten die auf der Landkarte angelsächsischer Berechnungen! Die Londoner Diplomatie bemißt die Vergehungen Frankreichs nicht nach den Schmerzensrufen deutscher Mißhandelter! Sie bewahrt nach wie vor ihre Geduld, und sie würde vieles von dem Regiment der Reitpei.sche am deutschen Rhein nicht als ganz unverzeihlich behandeln — wenn die politischen Geschäfte in Asien nach ihrem Sinne erfolgreich abgeschlossen würden. Die laute Lektion der „Times" war in der Hauptsache eine Musterung der Lausanner Störungen und ihrer Folgerungen. Und auch die deutsche Politik hat allen Anlaß, das Spiel der Kräfte sorgsam zu bewachen, das im Osten mit der Unterbrechung der Lausanner Konferenz eine neue Lage gestaltet hat.
Die Türken zogen bei den Verhandlungen aus der Rivalität zwischen England und Frankreich und aus der diplomatischen Hilfe der russischen Sowjet-Republik mancherlei Ruhen. Lord Curzon, der für Großbritannien die Oelquellen im Irak gewinnen will, hatte es in Lausanne wahrlich nicht leicht. Er mußte von dem ursprünglichen britischen Programm manches preisgeben. Der Landbesitz und die Militärkraft der Türken in Europa wurden nur in dem Maße eingeengt, wie England durch Kompromisse sich festlegte. Rach langem und schwierigem Schoch?r wurde ein Vertrag vereinbart, aus dem die Hauptfrage von Mossul einstweilen ausscheiden mußte, da der Völkerbund sein Votum darüber abgeben sollte. Die englische Politik dachte der Schwierigkeiten am besten etappenweise Herr zu werden. Aber Ismed Pascha hatte bei der Schlußbetrachtung keine Freude mehr an dem Kompromißwerk und verweigerte die Unterschrift. Wie weit ihn französische oder russische Einflüsse dazu ermunterten, ist noch, unklar. In kritischer Stunde erfolgte das bekannte französische uco- tenspiel mit einem Sonderfrieden, das in London höchst mißfällig vermerkt wurde. 3n- dessen, Ismed Pascha scheint m die Welt-, politische Kraft Poincares kein besonderes Vertrauen zu setzen; es ist ihm an einem Sonderabkommen mit Frankreich offenbar nicht viel gelegen. Der nach London abgereiste Lord Curzon konnte bekunden, daß er fetp Werk noch nicht verloren gebe. In der ^at, trotz des einstweiligen Abbruchs der Lausanner Konferenz trachtet Ismed Pascha schwerlich nach Krieg. Es scheint daß er durch allerlei Schachzüge und Ueberraschungen die Ewigkeit der früheren Alliierten sprengen will. Lord Curzon durchschaut dies und hat die Genug- tuung, daß Frankreich enttäuscht wurde. In Smyrna machen die Türken ganz eigentümliche Kraftanstrengungen. Sie stellten den Krieasschiffen der Alliierten ein Ultimatum, alsbald den Hafen zu verlassen. Dies deute weniger auf Kriegsabsichten als vielmehr auf die Neigung der Angora-Regierung, darzuwn, tmb sie unter dem Druck militärischer Kund- gedungen feinen Fliedensvertrag abschlichen wolle, und in dem noch nicht unterzeichneten Friedensentwurf von Lausanne schönen sich Vorschriften zu befinden, wonach fremde Kriegsschiffe in türkischen Häfen"Ai ohne weiteres aufhalten dürfen. Moskauer Emst ss sind bei dieser Gebärde unverkennbar
Der französische Luftballon nn Orient ist etwas zusammengeschrumpft, die englisch StaatSkunst sieht sich vor Gefahren und W derstände gestellt, bei denen ihr d e Mei landpolitik Frankreichs noch um einige GraDe unbernünftiger erscheinen muß als orsyer. Poincarä selber spürt nun auch Widerstände m seinem eignen Volke. Der KammerauSschuß für
Auswärtiges hat ihn zur Rede stellen wollen, I und er hat es abgelehnt, zu erscheinen und Rechnung abzulegen. Es wird ja allmählich I Har: Unsere westlichen Nachbarn vergeuden in Ost und West ihre Kräfte, ohne bleibenden Rutzen zu ernten. Jetzt sprechen die Rechtsradikalen von noch verstärkten Gewaltstreichen gegen die widerstrebenden Deutschen, während auf der linken Seite die Gegnerschaft wider die Säbelpolitik wächst. Mit der Wirtschaft und den Finanzen geht es abwärts...
Die deutsche Bewegung in den ge- ährdeten Landen ebbt nicht ab, sie chwillt vielmehr, von den Unterdrückern hoch- gepcitsch:, immer Wei er an. Dtr nkte.ei Brutalität der Welschen gegenüber heben sich die Beispiele und Vorbilder deutschen Mannesmutes ruhmvoll ab. Es herrscht ein stolzer Rationalwille. Wir sind eine Faust geworden, ind nicht mehr die listig vom Feinde auseinandergestückelten Fingerchen, so könnte man mit Grabbes Cheruskerfürst wieder triumphieren. Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei hat einen zeitgemäßen Aufruf erlassen, der die gleisnerischen Umbuhlungen der Arbeiterseele zurückweist und die Notwendigkeit ungeschwächten Wide.standes hervvrhebt. Von ganz besonderer Wirkung war es, daß unter der Feindesknute alle politischen, und wirt- chaftlichen Verbände, alle Berufsgruppen und Organisationen jeglicher Art fid) zusammenfanden, um gemeinsam die in der Kampfront stehenden Beamten und Eisenbahner zu kraftvollem Widerstand zu verpflichten und anzuspornen. Möge nun auch der Strom der Nächstenliebe und Opferbereitschaft nicht beriechen, sondern mit dem täglich vermehrten Elend in den Rhein- und Ruhrgebieten weiter anschwellen, denn dieser Strom durchbricht allein die Abschnürung und schwemmt die nicht gerade wirkungsvollen Umwerbungen und Intriguen der Feinde aus dem Lande!
Eine neue Note an Frankreich.
Berlin, 9. Febr. (WB.) Der deutsche Geschäftsträger in Paris wurde angewiesen, der französischen Regierung folgende Note zu überreichen:
Mit der Note vom 4. Februar hat die französische Regierung die Note der deutschen Botschaft vom 31.1. zurückgesandt und zugleich angekündigt, daß sie zukünftig keine Schreiben mehr entgegennehme, die dem Wortlaut oder dem Sinne nach irgendeine Kritik der Feststellungen der Reparationskommission oder der infolge dieser Feststellungen getroffenen Maßnahmen enthielten.
Die deutsche Regierung weist demgegenüber zunächst darauf hin, daß die zurückgesandte Note der deutschen Botschaft die Antwort auf mehrere Noten enthielt, worin die französische Regierung ihrerseits der deutschen Regierung verschiedene Verstöße gegen den Vertrag von Versailles vorqewvrfen Halle. In der Antwort der deutschen Botschaft wurde der Sachverhalt aufgeklärt und der Vorwurf der Vertragsverletzung entkräftet. Dabei ist der Beschluß der Reparationskomm.s.ivn überhaupt nicht erwähnt, vielmehr nur hervorge- hoben, daß das französischerseits beanstandete Vorgehen Deutschlands eine unvermeidliche Folge des Vertragsbruches sei, den Frankreich und Belgien durch die militärische Besetzung des Ruhrgebiets begingen. Wenn die französische Regierung in diesem erneuten Hinweis auf den begangenen Vertragsbruch nicht nur eine Kritik der eignen Maßnahmen, sondern auch eine Kritik der Maßnahmen der Reparationskommission sieht, so will sie sich damit anscheinend letzthin die in Frankreich laut gewordene Auffa sung zu eigen machen, daß die Reparations'ommissivn durch ihren Beschluß vom 26.1. den deutschen Rechlsstandpunkt hinsichtlich der Ruhraktion als unbegründet verwarf. Die Reparationskommission hätte danach mit der Feststellung einer allgemeinen Verfehlung Deutschlands in Ansehung seiner Verpflichtungen gegenüber Frankreich und Belgien zugleich die Rechtmäßigkeit der Ruhraktion festgestellt. Die deutsche Regierung teilte ihre S ellungnahme zu dem Beschluß der Reparationskommission dieser selbst mit und hat keinen Anlaß, sich hierüber mit der ftan- zösischen Regierung auseinanderzusetzen; nur muß sie der französischen Regierung das Recht Eeftrei e >, seren Be ch uß a s authentische Bi.- ligung des eigenen Standpunktes zu bewerten. Eine solche Bewertung ist schon deshalb verfehlt, weil die Auslegung der Bestimmungen des Vertrags von Versailles, worauf die französische Regierung ihr Vorgehen stützen will, von der Reparationskommission, wenn überhaupt, so nur einstimmig hätte beschlossen werden können. Diese Voraussetzung war bei dem Beschluß vom 26. Januar nicht gegeben.
Davon abgesehen, muh die deutsche Regierung feststellen, daß die französische Re- gterung es jetzt ein- für allemal ablehnt, deut
sche Vorstellungen gegen die von ihr gehobenen oder noch beachbsichtigten Maßnahmen) auch nur anzuhören. Die französische Regierung erhebt damit den Anspruch, daß alles, was sie nach ihrem beliebigen Ermessen tat oder tut, von Deutschland stillschweigend hin- genommen werden muß. Die deutsche Regierung kann in diesem Verhalten, das allen. Regeln friedlichen internationalen Verkehrs widerspricht, nur Anzeichen dafür sehen, daß sich die französische Regierung im Bewußtsein der Schwäche ihres Rechtsstandpunktes der Notwendigkeit zu entziehen wünscht, in eine sachliche Erörterung des deutschen Vorbringens einzutreten. Die deutsche Regierung kann und wird sich hierdurch nicht hindern lassen, den französischen Maßnahmen auch zukünftig das entgegenzuhalten, was ihnen nach Recht und Gerechtigkeit entgegengehalten werden muß."
Die Lage im Ruhrgebiet.
Dortmund, 9. Febr. (WTB.) Der Per- sonenzugverkehr über Wanne — Gelsenkirche n ist wieder in Betrieb. Die Nachricht, daß ein Zugführer an den Folgen eines Kolbenschlages gestorben sei, bestätigt sich erfreulicher Weise nicht.
Düsseldorf, 9 Febr. (WTB) Der Nachschub französischer Truppen hält unvermindert an. Dir Stadtverwaltung Düsseldorfs hat Befehl erhallen, für htute abend wieder Quartier für 160D Mann bereit zu halten.
Am 25. Januar hatten die Franzosen anläßlich der großen Kundgebungen eine Reihe Düsseldorfer Bürger fest genommen und ins Gefängnis geworfen. Der General gibt jetzt eine Reihe Bestrafungen bekannt. Die Bestraften werden beschuldigt, aufrührerische Rufe ausgestoßen zu haben. Drei Leute wrrden zu 30 Tagen fünf zu 15 und sechs zu 3 Tagen Gefängnis verurteilt.
Die Kohleuabfuhr für Frankreich.
Berlin, 9. Febr. (Wvlft.) Wie von zuständiger Stelle nniqcte.lt tvird, betrug, vor bcm Einbruch in das Ruhrgebiet das monatliche Liese- rungssvll an Reparationskohle 1,6 Mill. Tonnen, d. h> arbeitstäglich 64 500 Tonnen. Zieht man havon 4500 Tonnen als Kohle für Italien ab, so müßten die Franzose« und Belgier, nur um das Lieferungssoll des letz'en Dezember zu erreichm, täglich 60 OOO Tonnen absah en. Da nach dem bisher igen Ver'e lungsschlüssell hiervon ein Drittel auf dem Wasserwege, und zwei Dattel auf den Bahrw^q entfallen, so sind zur Beförderung ber 40 000 Tonnen mit de Bahn zu befördernder Kohle 50 schwer ausgelastete Güterzüge nötig, d.'h alle 23 Minuten must ein Zug über die französische oder le'aische Grenze rollen und ebensooft müßten Lce.^üge in der Gegenrichtung zurückgekommen. Man kann also daraus ermessen, wie teeitg es bedeutet, wenn die Franzosen und Belgier gestern drei ganz kleine Züge abfckhren, die übrigens völlig wild. d. h. ohne einen Fahrplan gefahren wurden. Um die Zahl der Züge wesentlich zu steigern und auch ben Rücklauf der Wagen ordnungsmäßig abzuwickeln, must man über ehren tadellosen Betrieb verfügen, den die Franzo'e^. selbst, '.vrnn sie noch so viel französische E'llenbah.eer ins Ru^e'iet schicken, nicht ferttgbekommen, weil zur Einspie, hing eines solchen Betriebes ni^t Monate, sondern .Öa’bre gebraucht werden.
Ein nnertörtcs Ansinnen des französischen (Generals in Essen.
Essen, 9. Febr. (Wolff.) Der Divisionsgeneral Fournier erließ an den Oberbürgermeister von Essen einen Befehl, worin der Essener Stadtverwaltung auferlegt wird, im städtischen K r a n k e n h a u s e zu Rüt ensch ist 2 1 5 D e 11 e n für verwundete oder kranke französisch: Soldaten und Offiziere zur Verfügung zu stellen, sowie von der französischen Militärbehörde auszuwählende Räume alZ Küche, Lebcnsmillella^er, Waschräume und Apotheke vollständig einzurichten. Der Befehl enthält ganz genaue Vorschriften über dre von der Stadtverwaltung zu liefernde Ausstat- t u n g der Krankenzimmer und verlangt ferner die Bereitstellung von zwm Baracken mit zur Unterbringung von 70 Sanitätssoldaten erforderlichen Möbeln und Schlafgelegenheiten. Ferner hat bie Stadt ihre Einrichtungen für chirurgische, radiologische und mechano-therapeu'ische Behandlung, sowie eine Kapelle und eine Leichenhalle zur Verfügung zu stellen und für genügende Beheizung und Beleuchtung sämtlicher arg forderten Räumlichkeiten zu sorgen. Angefordert werden weiter 450 Paar Bettücher, 450 Kissenbezüge und 500 Servietten. Die angeforderte Ausstattung ist in» standzuhalten, den Bedürfnissen entsprechend zu erneuern und das Nlaterial zum Reinigen der Räume und Möbel zu liefern. Auch für die Des» inf ekt ion der Kl-eider und des Bettzeuges der Kranken hat die Stadt zu sorgen und für die Beerdigung der verstorbenen Kranken alles Erforderliche zur Verfügung zu stellen. Als Entschädigung wird der Stadt, falls sie es wünscht, dieSummevondreiMarkpro Tag und pro eingerichtetes Bett einschließlich der in dem Befehl spezialisierten Liese.ringen und Möbel gewährt, die mit dem von dem französischen Armeearzt monatlich seslzusehenden Koeffizienten multiplizrert wird. Die radrologische Behandlung, die chemisch-bakteriologische Analtzse, die Deslnsek- tionskosten, die Kosten für Waschen und dergleichen, sowie Beerdigungskosten sollen nach den städtischen Tarifen vergütet werden.
DerOberbürgermeister von Oberhausen verhaftet unb an den Händen gefesselt.
Oberhausen, 10. Februar. (WTB.) Gestern mittag */312 Uhr erschien im Dienstzimmer des Oberbürgermeisters der hiesige Ortskommandant, ein Major, In Begleitung eines weiteren französischen Offiziers. Die vom Kommandanten gestellte Forderung einer weiteren Lieferung von Heu und Stroh muhte vom Oberbürgermeister abgelehnt werden, worauf er sofort verhaf lei und trotz seines entrüfteteten Protestes an den Händen gefesselt wurde. Da die anwesenden Beamten sich dem Protest anschlossen, wurden die Fesseln wieder abgenommen. Mit den Worten: „Ich bin ein Deutscher und tue als solcher meine Pflicht", worauf die Franzosen erwidetten: „Und wir sind Franzosen", wurde der Oberbürgermeister abgeführt. — In einer bald darauf ab gehaltenen Versammlung der gesamten Angestellten, Arbeiter und Beamten der Stadtverwaltung Oberhausen wurde gegen die Verhaftung des 'Oberbürgermeisters schärfste Verwahrung eingelegt* und beschlossen, sofort in den Proteststreik einzutreten.
Ein Gelöbnis der Sozialdemokraten in Gochnm.
Berlin, 9. Febr. Der „Vorwärts" meldet aus Bochum: Die Vereinigte Sozialdemo- kratischePurtei Bochums unb Umgegend hielt gestern im Rathaussaale eine stark besuchte Mitgliederversammlung ab und nahm eine Entschließung an, die u. a. besagt: Die Versammlung gelobt, am gewaltlosen Abwehrkampf gegen die unrechtmäßige militärische Gewalt unbeugsam fest zuhalten mit dem Ziel bei Siche' rung der Einheit der deutschen Republik gegen imperialistische Absichten, bis zum Zustandetom- men einer rechtmäßigen wirtschaftlich vernünftigen Verständigung über die Reparationen.
Die Reitpeitsche als Erziehungsmittel.
Die Reichsbahndirektion Essen veröffentlicht durch das WTB. das folgende Proto- koll des Lokornottvführeranwärters Bär:
Sonntag, 28. Januar, nachmittags 3 Uhr, funktionierte ich als Vertteter für den von der Besatzung geforderten Herrn Cisenbahninge- nieur Momberg. Nach Ablauf einer halben Stunde wurde ich von zwei Wachtposten vor drei Offiziere der Besatzungstruppen geführt. Einer der Offiziere forderte mich auf, die Wasserentnahmestelle zum Füllen der Lokomotiven anzugeben. Auf meine Antwort, hierüber Feine Auskunft geben zu können, eröffnete er mir, daß er mich im Weigerungsfälle innerhalb zwei Minuten erschießen werde. Da diese Drohung ohne Erfolg blieb, ergriff er die Reitpeitsche und versetzte mir in brutaler Weise mehrere schmerzhafte Schläge. Etwa viermal wiederholte er den Befehl und schlug auf meine Antwort: „Ich weiß es nicht!" immer wieder auf mich ein. Darauf verlangte er, die Stelle anzugeben, wo die Venttle, Schläuche und sonstigen Ersatzteile der Lokomotiven verborgen seien. Da ich wieder antwortete: „Ich weiß es nicht", wurde seine Wut noch gesteigert, und von neuem sauste die Reitpeitsche auf meinen Rücken nieder. Darauf begann die Durchsuchung sämtlicher Räumlichkeiten. Mit Kolbenschlägen wurden die verschlossenen Türen zertrümmert. Mit Hieben trieb man mich in die Räume. Sämtliche Gebrauchsgegenstände, die vorgefunden wurden, wie Seife, Scheuerlappen, Bindfaden, Streichhölzer usw., nahm man mit. Als auch dieses Bemühen ohne Ergebnis verlaufen war, ließ man mich an meinen früheren Aufenthaltsort zurückkehren. Nach kurzer Zeil erschien der Offizier noch einmal und befahl, anscheinend, weil chm sein barbarisches Benehmen jetzt klar zum Bewußtsein gekommen war, dem Wachtposten, mir ein Glas Wein zu reichen, das ich natürlich mit Entschiedenheit und Entrüstung zurückgewiesen habe. Mm 9 Ahr wurde ich von einem anderen Beamten abgelöst. Ich kann meine vorstehen-- den Angaben eidlich bekräftigen, gez. Bar.
Ausweisungen.
Ems, 9. Febr. (WTB) Don der ftanzöll« scheu Desatzungsbehörde sind heute der Buch- druckereibesiher Fritz Sommer (Verlag der „Emser Zeitung" und der „Sieter Zeitung ) sowie der Schriftleiter dieser Blatter, Norbert Druchhäuser, nebst ihren Famtlren aus- gewiesen worden.
Kriegsgerichtsurteile in Mainz.
Mainz, 9. Febr. (WB) Dor dem ftanzd- sischen Kriegsgericht wurde heute gegen den Staatsanwalt am Landgericht der Provinz Ryem- hessen Dr. Albert Schröder, der am Tage des Thyssenprozelles, als in der Mittagspause dre An- geHagten abgeführt wurden, einen Hochruf hmen lieh, wegen feindseliger Kundgebung gegen das französische Kriegsgericht, verhandel'. Der Anne- üagte, der sich durch Heber tritt ins unbesetzte ©e*


