Nr. 82
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173. Jahrgang
Montag, 9. April 1925
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Eine englifch-französifche Einigung in Sicht?
Loucheur ist sowohl von Poincars als auch von Millerand empfangen worden, um über seine Londoner Reise zu berichten, und eS werden im Anschluß daran von der Pariser Presse offiziöse Mitteilungen über die Möglichkeit eines neuen Einvernehmens mit London gemacht. Es ist kaum noch daran zu zweifeln, daß das offizielle Frankreich, um aus einer heiklen Lage herauszukommen, Verhandlungen anknüpfen wollte, und es steht fest, daß schon zu Beginn dieser Woche die Kabinette wieder direkt Fühlung nehmen werden. Wir haben keinen Grund zu triumphieren, so lange wir nicht wissen, zu welchen Zugaben auf unsere Kosten die Engländer geneigt sind. Die Pariser Bemäntelungen der W e n d u n g ihrer Politik braucht man nicht ernst zu nehmen; die Franzosen fühlen sich nicht mehr wohl in der Isolierung und in der wirtschaftlichen Bedrängnis, zu der sie das Ruhrabenteuer geführt hat. Die deutsche Regierung wird sich cm besten zu keinen voreiligen Schritten oder gar Zugeständnissen drängen lassen. Das deutsche Volk will die Früchte seines passiven Widerstandes in der Gestalt eines wirklichen Friedens und des sofortigen Rückzuges der Franzosen aus dem Ruhrgebiet sehen. Mit Geduld und starkem Einheitswillen wird dieses Ziel hoffentlich erreicht werden!
Paris, 8. April. (WB.) Der „Matin" schreibt, es seien ernste Aussichten vorhanden, daß der englrsche, französische und belgische Standpunkt sich einander nähern und daß em Meinungsaustausch zwischen den vier interessierten Mächten mit Aussicht auf Erfolg schon zu Beginn dieser Woche eingeleitet werden kann.
Havas veröffentlicht über die Londoner Reise Loucheurs folgende offenbar inspirierte Aeuherung:
In den Wandelgängen der Kammer fanden sich gestern trotz der Ferien zahlreiche Deputierte zusammen, um sich über die Londoner Reise Loucheurs unterhalten. Seine Initiative wurde durchaus gebilligt; man kritisierte jedochallgemein dem Besuch 6ei 2Io t)dG eorge, dessen frankreichseindliche Artikel die französische öffentliche Meinung in den letzten Monaten lebhaft erregten. Immerhin war es für Loucheur schwierig gewesen, den englischen Staatsmann, mit dem er während des Krieges jahrelang zusammen gearbeitet hatte, völlig zu ignorieren. Die Aussprache bewies Lloyd George jedenfalls, daß Frankreich geschlossen hinter der Ruhr- Aktion st e h t. Auch mit den Mitgliedern der jetzigen englischen Regierung sprach Loucheur sich über diese Frage aus. Die Herzlichkeit der Aufnahme, die er dort fand, bezeugt, daß die Gesinnung der englischen Regierung gegenüber Frankreich nach wie vor freundlich ist. Mit Befriedigung kann man eine Tendenz feststellen, den französischen und den britischen Standpunkt einander a n z u n ä h e r n. Es erscheint gewiß, daß die britische Regierung an dem Tage, an dem die Verhandlungen wieder ausgenommen werden, .Frankreich loyal zur Seite stehen wird.
London, 8. April. (WB) Reuter. Der Besuch, den Loucheurin England abgestattet hat und' ber dem er Unterredungen mit Bonar Law, Lloyd George und anderen hervorragwden Persönlichkeiten hatte, hat in politischen Kreisen zu politischen Mutmaßungen Anlaß gegeben. Man glaubt allgemein, daß trotz der gegenteiligen Erklärungen Loucheur als offizieller Vertreter der französischen Regierung gehandelt hat und daß die ihm an- vertraute Aufgabe darin bestand, bie Frage der Reparationen und der englisch-französischen Beziehungen zu erörtern. Diese Auffassung wird durch den gestrigen Besuch Loucheurs beim Präsidenten Millerand bestätigt. Es verlautet, daß die britischen Staatsmänner Loucheur davon verständigt haben, daß Großbritannien jederzeit bereit sei, die Erörterungen, die infolge der Ruhrbesetzung aufgeschoben seien, wieder zu eröffnen. Es wurde betont, daß Großbritannien die Organisation eines von Deutschland abzutrennenden Rheinlandstaates, in welcher Form auch immer, nicht dulden könne. Die Hauptsache ist daß sich aus Loucheurs Besuch ergeben hat, daß er sich bereit erklärt hat, einer Summe zuzustimmen, die sich der (im Januar von den Franzosen abgelehnten) im britischen Reparationsplan genannten Summe annähert. In Erwiderung dieses Zugeständnisses wird Großbri'anmen, wie man glaubt wahrscheinlich irgendeiner Form von Reu- tralität des Rheinlandes, die aber Seine Loslosung mit sich bringe, zustimmen, damit Frankreich gegen einen Angriff geschützt ist.
Belgisch-sranzösischeUnterhandlungen.
Berlin, 8. April. (WB.) Havas benchtet, die belgischen Minister T h eu n is und Jasv ar würden bald, spätestens am kommenden Freitag oder Sams lag, nach Paris kommen, um mit Pomcare über die Lage im Ruhrgebiet zu verhandeln. Diese Zusammenkunft, die die normale Kurve der verschiedenen französich-belgiichen B-ratungen sei, werde zu einer Aussprache üoer verschieoene Fragen wie die Verteilung der beschlagnahmten Kohlen,' der Besahungskvsten usw. führen.. Sehr wahrscheinlich werde Loucheur von Pomcars aufgefordert werden, den belgischen Ministern über die Eindrücke zu berichten, die er während feiner
Verhandlungen mit politischen Persönlichkeiten in England gewonnen hat, Eindrücke, über die übrigens das Wesentliche bereits der belgischen Regierung durch eine offizielle französische Mitteilung bekannt ist.
Eine neue Schmährede des französischen Finanzministers.
Paris, 8. April. (WTB) Finanzministrr de Lastehrie hat heute in Taren ne ars Anlaß der Enthüllung eines Kriegerdenkmals eine Rede gehalten, in der er sich auch über de Reparationsfrage ausgesprochen hat. Er sagte, die deutsche Propaganda habe die Ruhrbesetzung zum Vorwmide genommen, um Frankreich angebliche imperialistische Absichten zu unterschieben. Das sei eine verabscheuens würdige Verleumdung. Frankreich habe niemals versucht, im Ruhrgebiet Eroberungen und Annerionsziele zu verfolgen. Es habe niemals daran gedacht, nur die geringste Parzelle deutschen Bodens sich anzueignen. Es wünsche nur die Reparationszahlungen zu erlangen, auf die es ein Anrecht habe und Deutschland zu zwingen, daß es seine Der- pflichlungen erfülle. Vier Jahre habe Frankreich Geduld gehabt, in dem Wunscha, z i freundschaftlichen Lösungen zu kommen. Es habe an einer unendlichen Serie von Obersten Räten teilgenommen und sich zu zahlreichen Konzessionen verstanden. Das sei verlorene OMHe gewesen. Vier Jahre hindurch habe Deutschland nur Zeit gewinnen und das Einverständnis unter den Alliierten lockern wollen. Miemals, keinen Augenblick habe es die Absicht gehabt, zu bezahlen. Um seinen Verpflichtungen zu entgehen, habe es die Komödieder Verelendung gespielt. Aber es habe Milliarden genug gehabt, seine Wirtschaft weiter auszudehnen, seine Handelsbeziehungen wieder aufzubauen, Eisenbahnlinien u.id Kanäle zu schaffen, seine Städte zu entwickeln und zu verschönern. Ende vorigen Jahres habe es die Maste fallen lassen und unter dem Vorwande, seine Finanzen in Ordnung zu bringen, habe es ein Moratorium für viele Jahre gefordert, ohne auch nur den Alliierten das geringste Pfand and tue geringste Garantie anzubieten. Unter dem Deckmantel dieses Moratoriums würde Deutschland sich wieder erhoben haben. Welche Lage wäre geschaffen worden, wenn der deutsche Plan gelungen wäre? Deutschland hätte durch den Zusammenbruch der Mark seine innere Schuld beseitigt und durch den Bankrott der Reparationszahlungen auch seine äußere Schuld gestrichen. Frankreich hätte während dieser Zeit seinen Verpflichtungen nachkommen müssen Sei das Recht, sei das Gerechtigkeit? Um dieser unmöglichen Situation ein Ende zu bereiten und um zu verhindern. daß das siegreiche Frankreich ruiniert werde, sei man gezwungen worden, in das Ruhrgebiet einzumarsch ieren. Das Ruhrgebiet sei das einzige wirkungsvolle Druckmittel, das man Deutschland gegenüber besitze. Man wolle sich nicht mehr mit Worten und inhaltlosen Unterschriften begnügen, man halte ein Pfand fest und sei entschlossen, es in Händen zu behalten, bis man Befriedigung erlang t h a b e Frankreich werde das Ruhrgebiet nur nach Maßgabe der Erfüllung der deutschen Reparationsverpflichtungen räumen. Sie können sicher sein, so schloß der Finanzminrster, an dem Tage, an dem die Regierenden in Deutschland herausfühlen, daß der Entschluß Frankreichs unabänderlich ist, wird Deutschland nachgeben und die finanziellen Mittel zur Zahlung finden.
Die Nachklänge
zu den Essener Vluttalen.
Amsterdam. 7. April. (WB) Die Vorkommnisse in Essen haben den Internationalen Gewerkschaftsbundin Amsterdam veranlaßt, die angeschlvssene Landesorganisationen zu ersuchen, bei Pvincar 6 gegen das Vorgehen des französischen Militärs und die Beschießung friedlicher Arbeiter zu protestieren, um so den französischen Machthabern die einmütige Auffassung der Arbeiter der ganzen Welt zur Kenntnis zu bringen.
Das Protokoll des Kruppsche» Betriebsrates.
D er l i n, 7. April. (WTB.) Die vor einigen Tagen in Berlin eingetroffenen Betriebsratsmitglieder der Firma Krupp A.-G. in Essen, August Kaehnen, Franz Müller und Bernhard Schlüter berichteten dem Reichspräsidenten, dem Reichskanz- l e r, dem preuß schm Innenminister Severing und' dem preußischen Wohlfahrtsminister eingehend über das von den Franzosen am Karsamstag in Essen angerichete Blutbad Ihre Aussagen wurden von der zuständigen Stelle in einem Protokoll niedergeleg t. Dieses bestätigt vollinhalllich die bisher deutscherseits über den Vorfall gegebenen Darstellungen. Rach- dem die Detriebsratsmitglieder in dem Protokoll eingehend schilderten, was sie alles taten, um ehren Zusammenstoß zwischen den Franzosen und der Menge zu verhindern, fahren sie fort:
Die Kommission drängte sich, indem sie sich einen Gang bahnte, durch die Menge. Schlüter betrat als erster der Kommissionsmitglieder die Toreinfahrt, um sich zu dem Offizier zu begeben. Der Offizier winkte ab. Trotzdem versuchte Schlüter voranzugehen, und kam auch bis zur Hälfte des Torwegs, wurde dann aber von dem Offizier energisch abgemirft. Gleichzeitig richteten s i ch die Gewehrläufe der im Anschlag liegenden Franzosen auf ihn. Er sprang jetzt bi eine im Torweg befindliche Rische und versuchte durch die Zeichensprache dem Offizier verständlich zu machen, daß er mit ihm ver
handeln wolle. Ein in der Halle befindlicher Chauffeur, den die Franzosen bis dahin hatten frei hei umlaufen lassen, kam jetzt au Schlüter. Dieser sagte dem Chauffeur, er solle dem Offizier mitteilen, daß der Betriebsrat von ihm Auskunft wünsche, ob er gewillt sei, mit seinen Leuten abzuziehen Alsdann würde der Betriebsrat dafür sorgen, daß die Straßen frei würden. Die Antwort des Offbuer» lautete: „Ich werde hier bleiben, bis die Beschlagnahmekommission erscheint." Die Kommss'.onsmitglieber des Betriebsrats mußten sich resultatlos zurückziehen. Die steigende Tlnruhe der Masse veranlaßte das Detriebsratsmitglied Müller, nochmals kurz vor 11 Tlhr zu dem Offizier zu gehen und ihn dringend zu bitten, abzuziehen. Der Offizier lehnte das entschieden ab und betonte nochmals, daß. wenn die Masse den Eingang in die Halle überschreiten würde, er Feuer geben lasse. Müller stieg auf den Rücken eines Arbeiters und versuchte den Anwesenden den Ernst der Situation und die Worte des Offiziers llarzulegen, konnte sich jedoch bei der großen Unruhe kaum verständlich machen. Rachdem er wieder abgestiegen war. sah er, wie ein junger Mann mit einer Latte in der Hand, die etwa 1 bis 2 Meter Länge und 20 Millimeter im Querschnitt hatte, vom linken Flügel aus sich an der Wand aufstellte und ruhig stehen blieb. Darauf beugte der Offizier sich zum Maschinengewehr und drückte den Lauf desselben etwas herunter. Anschließend hieran entstand in der Menge wieder eine Bewegung, die die Wirkung hatte, daßetwazehn Mann des äußeren Flügels etwa einen halben Meter in den Toreingang vorgerückt wurden. Hierauf ließ der Offizier Feuer geben.
Das Detriebsratsmitglied Müller nahm zunächst an, daß es sich um Schreckschüsse handelte. Im selben Augenblick sah er aber, was um ihn herum geschehen war. Außer den Getöteten Zander und Göllmann lagen links und rechts Menschen aufgeschichtet in etwa 3/i Meter Höhe, worunter Blut hervorquoll. Die Masse war im Zurückweichen und befand sich in wilder Flucht bereits hinter dem Hausen der Gefallenen. Die Franzosen kamen jetzt in einer Schützenlinie stets feuernd aus der Halle heraus und schossen > a uf die flie hen de Menge AufderStraße stellten sie das Schießen ein und zogen nach der Stadt ab. Es liegen uns keinerlei Meldungen vor. daß danach noch geschossen wurde. Bezüglich des getöteten Zander steht fest, daß er sich unter den Augen des Offiziers die ganze Zeit bemühte, beruhigend auf die Menge einzuwirken. Wir stellen fest, daß von uns aus alles geschah, um das Blutbad zu verhindern. Die Frage, ob der Essener Zwischenfall vom 31. März, wie die französische Darstellu.rg behauptet, nach ihrer Meinung aus eine Provokation der Werkleitung oder auf einzelne Direktoren zurückgesührt werden könne, beantworteten die drei Detriebsratsmitglieder, wovon einer der Zentrumspartei. der zweite der Sozialdemokrafischen Partei und der dritte der Kommunistischen Partei angehört, wie folgt: Die von den Franzosen behauptete Provokation durch das Direktorium von Krupp ist durchaus unzutreffend. Die Maßnahmen der Arbeitsniederlegung und des Heulens der Sirenen wurden von dem Direktorium und dem Detriebsrat gemeinsam getroffen und bezweckten lediglich eine Demonstration gegen eine etwa beabsichtigte Störung der Arbeiten und der Lebensbedingung des Werkes. Die bei den Verhandlungen mit der Werksleitung anwesenden Ar- beiteroertreter wurden in keiner Weise von der Werlleitung in ihrer Haltung beeinflußt und lehnen überhaupt die Zumutung des französischen Propagandadienstes ab, als ob die Kruppschen Arbeitervertreter sich in ihrer politischen ober wirtschaftlichen Haltung von der Werlleitung beeinflussen ließen, als entwürdigend. Die Direktoren tragen ebensowenig eine Schuld an dem Dlutbad wie der Betriebsrat. Die Schuld trägt allein der französische Militarismus, der widerallesRechtinun- feren Betrieb eindrang und uns in unserer friedlichen Arbeit störte.
Die Tranerfeier für die Ermordeten.
Berlin, 7. April. (WTB.) Am Dienstag früh zur gleichen Stunde, in der die O p f e r des Essener Blutbades beerdigt werden, findet im Reichstag eine Trauerfeier statt, wobei in Anwesenheit des Reichspräsidenten der Reichskanzler die Gedächtnisrede halten wird. An der Feier werden die Vertreter sämtlicher gewerkschaftlichen und Beamtenverbände, die Spitzen der Berufsstände, sowie Vertreter der Länder, Kirchen, Parlamente und Behörden teilnehmen. Die Feier beginnt pünktlich vormittags 10 Mr. Anläßlich der Beisetzung werden am Dienslag zum Zeichen der Trauer im ganzen Reiche die Glocken läuten.
Der Prozeß
gegen die Kruppschen Direktoren.
(Berlin, 7. April. Rach einer Meldung der „Vossischen Zeitung" aus Essen findet der Prozeß gegen die K rup p d ir ekt oren im Laufe der nächste^ Woche vor dem Kriegsgericht in Werden statt. Die Franzosen wollen warten, bis die Hauptzeugen der blutigen Vorfälle auf dem Kruppwerk, die Mitglieder des Kruppschen Betriebsrates, die gestern und vorgestern in Berlin waren, zurückgekehrt sind.
lieber die Stadt Essen eine Geldbuße verdangt.
Bochum, 7. April. (WB.) Für die Ermordung des französischen Soldaten Schmidt, der am
18. März im Keller des Hauptbahnhofes erschoß fen wurde, wurde der Stadt Essen eine Geld» buhe von 105 Millionen Mark auferlegt, die in 10 Tagen zu zahlen ist. Für den Eingang des Geldes werden haftbar gemacht die Beigeordneten Bode, Kueppers. Dr. Huettner.
Die Gewaltmethoden.
Berlin. 9. April. Wie der „Cofalan.v* meldet, haben die Franzosen am Sonntag die alte Emschertalbahn von Dortmund nach Herne beschlagnahmt. Den Eisenbahnern wurde ein Ultimatum bis Montag gestellt, wo sie zu erklären haben, ob sie in französische Dienste treten wollen, widrigenfalls sie des Dienstes verwiesen und auch ihre Dienstwohnungen zu räumen hätten. Dem „Lokalanz." zufolge kommt es den Franzosen bei dieser Aktion darauf an, eine Linie, die durch die Mitte des Ruhrgebiets geht und an der zahlreiche Zechen liegen, zur Verfügung zu haben, um von hier aus eine Ueberleitung zur militarisierten Strecke nach Recklinghausen zu haben.
Einer Dortmunder Meldung des „Lokalanz. zufolge haben die Franzosen am Sonntag morgen die Zeche „Dvnifazius" des Offener Bergwerksvereins beseht. Am Kvkslager stellten sie ein Maschinengewehr mit Schußrichtung auf die Kokerei auf. Darauf legte die Arbeiterschaft sofort die Arbeit nieder. Man rechnet damit, daß heute auch die Belegschaft der Grube in den Streik treten Ard.
Auf der Zeche „CBe r g mann 8 g lü cF sind zur Zeit etwa 100 bis 150 französische Zivilarbeiter .mit dem Ausladen der Koks- Vorräte beschäftigt. In den ersten drei Tagen haben fie etwa 980 Tonnen Koks aufgeladen und zum Teil auf die militarifierte Rordstrecke über- gcleitet. Trotz der geringen Menge sind aber die Eisenbahnen der Regie schon in solche Verwirrung und Verstopfung geraten, daß das Auf- (aben auf der Dergmannsglück-Zeche eingestellt werden muhte. Angeblich sollen Anfang der nächsten Woche neue Arbeitskräfte kommen.
Rohheiten der Massenausweisung.
Trier, 7. April. Die Dewohner der Eisenbahnerkolonie Euren bei Trier-West find tycute, Samstag, 7. April, von französischer Militärgewalt aus ihren Behausungen verjagt worden. Gegen 8 Ufa: vormittag erschien afrikanische Kavallerie (Spahrs) und forderte die Koloniebewohner auf, ihre Wohnungen innerhalb 10 Minuten zu räumen. Als man zur Räumung nicht unmittelbar Anstalt traf, griffen die Spahls sofort mit rohester Gewalt ein schleppten Leute aus den Häusern, warfen Möbel stücke aus den Fenstern und gaben sonstige widerliche Schaustellungen von Roßrit und Grausamkeit. Angesichts dieser Ge- walt begannen die zahlreich aus dem benachbarten Euren 'berbrigeeilten Dorfbewohner die Räumung in die Hand zu ne!hmen. Allmählich griff man allgemein zu und schasste ten notwendigsten Hausrat heraus, ihn unterschiedslos auf freiem Felde zusammentragend. Spahis ritten mit gespannten Karabinern und gezogenen Säbeln in dem Wirrwarr herum, tobten und mißhandelten Leite und hetzten zur Eile. Den vereinten Kräften der freundlichen Helfer gelang es schließlich, den gesamten Hausrat aus den Häusern 'herauszuhvlen. Don hilfreicher Seite alsbald herbeigeschafftes zählreiches Fuhrwerk konnte dank des guten trockenen Wetters schließlich auch die Bergung der Habseligkeiten einigermaßen ordentlich bewirken. Von der Vertreibungstottwut der F.-anzosen sind lu der Kolonie Euren bei Trier-West 106 Familien betroffen. Rach den auf französischer Seite gefallenen Andeutungen steht den Eisenbahnerkolonien in Trier-St. Pauli und in Ehrang die gleiche Hölle für kommenden Montag bevor. Hier werden alsdaim 98 bzw. 500 Familien obdachlos.
Wie die Franzosen Geiseln seftnehmen.
Köln, 7. April. (WTB) 2luf der Eisen- bahnstrecke in der Rähe von Kettwig wurden nach französischen Angaben die Schienen aufgerissen. Deshalb wurden in Kettwig als Geiseln festgenommen: Zeitungsverlcger Festmann, Hauptmann Westfall, Peter Riederdorf und m Werden der Bürgermeister Drever. Die Herren befinden sich unter ständiger Kontrolle, müssen mit französischen Zügen auf der Strecke Werden- Düsseldorf hin- und herfahren und haben keine Gelegenheit, ihr Essen einzunehmen ober des nachts zu schlafen. Das Rote Kreuz hatte ungebeten, Betten und Essen *ur Verfügrng zi stellen, was aber der Kommandant mit dem Bemerken ablehnte, die Deutschen verübten Sabotageakte, deshalb könne keine Rücksicht auf Geiseln genommen werden.
Französische Lügen.
Berlin, 7. April. (WTB) Die meldung aus Riga, nach der sich Feldmarschall Mackensen in Moskau befinden soll, um über den Abschluß einer Militärkonventton zu verhandeln, ist unrichtig. Der Feldmarichall befindet sich in Fallenwalde bei Stettin.
Essen, 7. April. (WTB.) Der Essener Polizeipräsident Dr. Melcher teilt mit: Die französische Presse verbreitet die Rachricht, es sei em Brief von mir an einen Hauptmann der Schutzpolizei gefunden worden, worin ich angeordnet hätte, die Schutzpolizeibeamten auf die Werke des Ruhrgebiets zu verte i l e n, um bei Besetzung durch die Franzosen die Arbeiterschaft aufhetzen zu können. Ich habe einen solchen ober


