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Die Wirkung der Lunoschen Rede.

Ein Berliner Mitarbeiter schreibt uaS:

Gegen die Strasverordnungen der Interalliierten Rheinland- Kommission.

Die Dlostftellunq des Dr. Hretor.

Saarbrücken, 8. März. (Wolff) Das ehe-

9. Mär; 1923

Annahme oon Snjeigta für die lagesnummer bis zum Nachmittag vorher obnejebe 8erbint>lid)kt-it. preis für 1 mm hohe ult Anzeige" o 27 mm Breite örtlich 70 Ulk , auswärts 80 Ulk.; für Reklame- Anzeigen von 70 mm Breite 300 Mk.Dei Platz. Dor|d)rijt20u ,Auf>chlag. Hauptjchriftleiter: Aug. (voetz Verantwortlich für 'Politik: Aug. Goetz, für den übrigen Teil: Ernst Blumlchein; für den Anzeigenteil: Hans BeJtr sämtlich in Biegen.

Ur. 58

Erschemt täglich, außer Sonn» und Feiertags, mit berSomstagsbeilage: GietzenerFamilienblälter Monatlich« öezuorpreise: 2850 Mark unblSOUlark Trägerlohn,durch diePost 3000Ularh,aud) beiNicht« erscheinen einzeiner Rum» mem infolge höherer Gewalt. - Fernsprech. Anschlüsse: für dieSchrist» leitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 5L Anschrist für Dr^htnach» richten: Anzeiger Liehea.

Postscheckkonto: $rantfurt a. M. 11686.

land zu beteiligen.

Die deutsche Regierung hat in ihren Protesten wiederholt Las Bestreben der Interalluerten Rtzeinlaubkornrnisfion blobgestellt, gegen Deutsche einen selbst in Kriegszeiten verbotenen Zwang zur Dienstleistung gegen Las Da! erlaub auszuu^en.^n der vorliegender! Verordnung erreichen diese Be­strebungen ihren Gipfel. Jetzt werden dre Deut­schen, die ihre gesetzlich: Pflicht gegen das Vater­land erfüllen, mit btm Tode bedroht. Die Leicht­fertigkeit, mit dec die Interalliierten Rheinlano- kommission über Tod oder Leben befindet,^ geyt soweit, daß sie die Todesstrafe an Tatbettande knüpft, deren Dehnbarkeit der WtIItur Tür und Tor öffnet; Handeln und Rtcyt- bandeln, Versuche und Taten werden völlig glcrch- aestellt, Absicht, Urlach?, Erfolg und hypothetische Möglichkeit des Erfolges werden miteinander ver­mengt. Was der Beamte auch tut oder lägt, er schwebt ständig in Gefahr, sich in den Maschen dieser Gesetzgebung zu fangen.

Der gleiche Geist sprich: aus der Verord­nung 14 5, die die Interalliierte Rheinlandkom­mission am gleichen Tage erlassen hat. Sie gibt jedem Armeeoberbefehlshaber das Recht, zu bestimmen, dah die von den alliierten Militärgerichten verhängten Strafen, soweit sie 5 Hghre überschreiten, nicht in Deutschland, fon- i dern in dem Heimat st aat des betreffenden Militärgerichtesab.zubühen sind. Fer- ner gewahrt sie jedem Armceoberbefehlshaber volle Freiheit, über Zeit, Ort und Art der Boll­streckung der Todesstrafen zu verfügen. Durch diese Bestimmungen wird die Vollstreckung im be­setzten Gebiet jeder gesetzlichen und gerichtlichen Sicherung entzogen und der Willkür der Militär­befehlshaber überliefert. Den Generälen steht es künftig frei, verurteilte Deutsche in die Gefäng- niste fremder Länder zu verschicken, wodurch die Strafe den Charakter einer regelrechten Deporta­tion erhält. Dah in die Hand der militärischen Oberbefehlshaber auch die Bestimmung über die Art der Vollstreckung der Todesstrafe gelegt wird, kann nur dahin ausgelegt werden, dah die Ere- tjiion von all den Rücksichten befreit sein soll, die

der den ihm von einem französ:schen Offizier über­mittelten Befehl, den lelegcaphtschen und tele­phonischen Dienst in feinem bereich aufrecht zu erhalten und den Ort mb bte Art Cxr Mc° bindurigszentrale- des ^011^18 Bcsahungstruppen nutz stellen, nicht befolgt hatte, zu einem Jahr Gefängnis.

Auswci ungen.

Wiesbaden 8. März. (Wolfs) Heute mor­gen finh b o n den Franzosen ausge w i e -- e n worden: Landesrat und Stadtverordneter Otto Witte, Geschäftsführer und Stadtverordneter Linde, und Parteisekretär Paul Sabelin. Alse drei Ausgewiesenen gehören der Sozialdemo- kratischen Partei an.

Belgische Richter.

Köln, 9. Marz. (WTB.) Aach dek Kölnischen Volkszeitung" ist in Erefeld ein neues belgisches Kriegsgericht eingerichtet worden, das am ersten Tage 20 Deutsche vor seine Schranken rief und sie zu hohen Strafen verurteilte.Die Zeit der Milde ist vorbei", sagte ein belgischer Richter. In der Vvrmittagssitzung kamen acht Fälle zur Erledigung.

Der Hanptschristleiter desMainzer Anzeigers" verhaftet.

Mainz, 8. März. (Wolfs) Der 69jähriyL Hauptschristleiter desRlainzer 01^10^8 , Karl Rohascheck, wurde heute nachmittag durch französische Gendarmerie verhaftet.

gestellt. t t

Berlin, 8. März, lieber die Besetzung Dortmunds melden die Blätter: Mit der Be­setzung des Hauptbahnhofs Dortmund wurde der wichtigste Eisenbahnknotenpunkt, der für i»rn Ver­kehr von und nach dem unbesetzten Deutschland noch in Frage kam, stillgelegt. Heute mittag zogen die in Dortmund eingezogenen französischen Truppen in Richtung Scharnhorst wieder ab. Rach der Vertreibung ober Festnahme der Dort­munder grünen Polizei ist die Stadt ohne jeg­lichen Schutz. , . .

Regierungsrat Thielmann, der in Ver­tretung des verhafteten Polizeipräsidenten gegen dis Verhaftung dec Polizei protestierte, wurde

Das2.T." meldet: Gestern ist in Bochum eine Kompagnie Marokkaner eingerückt. Der Magistrat dec Stadt Bochum, die nunmehr seit über einer Woche durch Sttahenabspercung von der Auhenwelt abgeschlossen ist, proMtierte an General Ory gegen die Hungerblockade. Der Magistrat will sich ferner an den amert- kanischen Botschafter in Berlin mit einem Pro-

eile

London, 8. März. (Wolff.) Lord Robert Cecil erklärte gestern in einer Rede in Ste- venage, die Zeit sei für England gekommen, zu Frankreich zu sagen: Bis hieryer und nicht weiter! Wir können euch bis zu einem gewi'sen Punkt unterstützen, wir können es uns aber nicht leisten, ganz Europa in Verwir­rung stürzen zu lassen für irgendeine Sache, so gerecht sie auch sein mag. Wir und das Voll I)ieses Landes sind vor allem für den Frieden. Wir müssen Frieden haben, was auch immer die Folge sein möge." Cent gab der Ueberzeugung Ausdruck, dah dies die Aktion fern werde, die die Regierung unterrehrnien werde, wenn sie eine gute Gelegenheit dafür sehe. Die Regierung müsse es jedoch in der Weise tun, die mit der Freund­schaft und mit dem Wohlwollen für den fran­zösischen Alliierten vereinbar sei.

Vorstellungen bei Frankreich.

L o n d o n, 9. März. (WTB.) Reuter er­fährt, es sei nicht richtig, dah ein for­meller britischer Protest bei Frankreich wegen der Besetzung des Ge­bietes zwischen den rheinischen Brückenköpfen erhoben wurde. Die britische Regierung hat aber V o r st e l l u n g e n bei Frankreich erho­ben und auf die ernsten Unzuttä-glichkeiten hin­gewiesen, die den britischen Behörden im Rheinland infolge des französischen Vor­gehens, welches das von den Engländern be­setzte Gebiet vollständig abschlieht, erwachsen sind. Cs ist nachdrücklich betont worden, dah der britische Oberkommiisar für das Rheinland keinen Anteil an den Beschlüssen des franzö­sischen und des belgischen Oberkvmmissars ge­nommen habe, wodurch die Rheinlandkommis­sion die Autorität in diesen Gebieten für sich in Anspruch nimmt und dah der britische Oberkommissar jede Verantwortung für diese Haltung ablehnt.

Der Aufstand in Irland.

London, 9. März. (WTB.) In den schweren Gefechten um die Höhen von Cahersiveenin (Irland) zwischen den Auf- ständischen und den Regierungs­truppen verloren die ersteren 21, die Ae- gierungstruppen 9 Tote. Außerdem gab eS auf beiden Seiten zahlreiche Verwundete. Die Aufständischen traten den Rückzug an.

Die laue Haltung Englands.

London, 8. März. (Wolff.) Die .Ti­mes" schreibt in einem Leitartikel, die Stellung her Engländer in ln, die in gewissem Sinne ein Svmbvl des britischen Interesses an den europäischen Angelese rfpiten geworden sei. stelle ein sehr ernstes Problem,dar. Durch die letzten Bewegungen dec französischen Truppen scheine Köln jetzt vollkommen vom nichtbeseyten Deutschland abgeschnitten worden zu se.n. Die zu­nehmenden Schwierigkeiten der Engländer in Köln und die Rotwendigkeit immer weiterer Kom­promisse in jeder Richtung führten da­zu dah die britische Politik den Eindruck ber Llnentschiedenhel mache. Dies fei eine ernste Sache für die Regierung. Keine der un­zähligen F>agen, die die Regierung jetzt zu be­handeln habe, könne an Bedeutung mit der Lö­sung der augenblicklichen ernsten europäischen Krise verglichen werden. Das Gefühl, dah mitten im Laufe katastrophaler Ereignisse Grvßbritam nien zur Passivität und zu der Haltung des Ab­wartens verurteilt sei, sei tief beunruhigend Das Blatt fragt, wie lange Großbritannien auf Gnade oder ^lngnade den Ereignissen ausgeliefert sein

test wenden.

DecVorwärts" meldet aus Herne: Seit 17. Januar war das Volksbaus, das schönste und größte Versammlungsheim der sozialdemokrati­schen Arbeiterschaft im westlichen Westfalen, von französischen Automobiltruppen in Starke von etwa 120 Mann beseht. Am Sonntag wurden die französischen Truppen in andere Quartiere ver­legt Sie liehen das Volkshaus als eine Stätte der Verwüstung und Trostlosigkeit zurück. Aus dem großen Saal ist alles Inventar verschwunden. Es >ehlen 63 große Saaltische, 43 Saalstühle, 24 Stühle mit Ledersih und 138 andere Stühle. Weiter verschwanden 427 Stück Dierkrüge und 26 Licht- birnen. Die Franzosen machten durch ständiges Brennen die Gasöfen vollständig unbrauchbar. Die Prüfung der Licht- und Gaszähler ergab einen Verbrauch von über fünf Millionen Mark an Gas und elektrischem Licht. Der große Saal befindet sich in einem kaum vorstellbaren verschmutzten Zu st and. Den noch vorhan­denen Stühlen wurden die Armlehnen oder die Beine abgesägt und jedenfalls in der d^loruche verfeuert. Auch die Klappsitze wurden größtenteils zum Heizen gebraucht. Der Bühnenraum wurde vollständig ausgeplündert, alle Kulissen und son­stigen Bühnenutensilien sind verschwuiwen. Die Bühnenbeleuchtung wurde demoliert. Photo­graphische Aufnahmen werden die Zrr- slörungsakte der Franzosen bildlich darstellen und zeigen, daß ein Zeitungsbericht den Vandalismus der französischen Truppen gar nicht wiedergeben kann.

Die Besetzung des Hanptzollamts Mnunheim.

Mannheim, 8. März., IWolff.) Heute morgen 8 Uhr erschienen französische Ostiziece im Hauptzvllamt Mannheim, das gestern besetzt worden war, und erklärten dem Vor­stand der Dienststelle, daß alle deutschen Beamten abgeseht seien und ihnen der Zutritt zu den Sienfträumen unterlagt sei. Aa die Anfrage des Vorstandes der Dienststelle, auf welche Anordnung hin die Besetzung des Zoll­amts erfolgt sei. wurde erwidert: Auf Befehl der Jnteralli erten Rheinlandskommis ion. Daraufhin erklärte der Vorstand, daß ec lediglich den Wei­sungen seiner Behörde folge und nur der ©email weiche. Das Gebäude wurde sodann nut Be­schlag belegt. Am Hause brachten die Franzosen einen Anschlag an, der den Zusatz enthält, daß deutsche Beamte, die bereit seien, in französische Dienste zu treten, sich beim Vorstand des franzo» scheu Zollamts melden sollten.

rung ihn gehen."

Die erste englische Pressestimme, die in | Berlin bekannt wurde, die LondonerTimes", glaubt, dah nach Cunos Ansage des fort­gesetzten passiven Widerstands Der Ruhrkon­flikt sich ins Anendliche hinziehen könne, sie schreibt jedoch:Es ist wahrscheinlich, dah der Versailler Vertrag revidiert werden wird, aber dieser grohen, komplizierten Operation muß eine Diskussion auf breiter, inter­nationaler Grundlage vorausgehen." Die Times sind nicht BonarLaw-offiziös, etwa wie dasDaily Chronicle" das Sprachorgan Lloyd Georges gewesen ist. Wer hier liegt doch schon ein wichtiges Wort der öffentlichen Meinung in England vor, mit dem die bri­tische Diplomatie etwas anfangen könnte.

Viel hängt noch von den Stimmen ab, die aus Paris kommen. Die französische Regie­rungspolitik hat noch jedesmal eineDis­kussion" auf internationaler Grundlage, wie sie von derTimes" angeregt wird, so oft sie auch versucht wurde, zunichte gemacht. Aber es scheint doch, dah nach dem ersten Gezeter der Pariser Boulevardpresse (Matin:Lage durch Cunos Rede in keinem Sinne geändert", Pe­tit Parisien:Ebenso leeres wie nichtiges Plädoyer") der Umschwung naht und die Vernunft schüchtern anklopft. Hält es doch so- <jar der chauvinistischeGaulois" fürwahr-

Dvr trnu n d, 8. März. (WTB.) Heute früh rückten starke Truppenmassen aus der Richtung Dorstfeld und Herten In die Stadt ein. Hier umstellten sie die Schule, in der die Schutz­polizei untergebracht ist, und entwaffneten die Beamten. Dann wurden Beamte und Offiziere mit unbekanntem Ziel abtransportiert. Das Stadthaus und die Polizeiwache in der Stein- straße sind von den Franzosen beseht.

Dortmund, 8. März. (WTB.) Bei den Verhandlungen mit dem Bürgermeister erklärten die französischen Offiziere, daß der Einmarsch m Dortmund der Entwaffnung und Ver­haftung der Schuhpolizeibeamten gelte. Die Franzosen suchen im Stadthaus einen bestimmten Schuhpoli-übeantten, der sich angeb­lich dort versteckt hält. Im Bureau der Polizei- verwaltung und im Stadthause durchsuchten die Franzosen die Akten. Zur Zeit findet eine Sitzung des Bürgermeisters mit den Fraktionsfuhrern des Stadtverordnetenkollegiums statt. Vor dem Stadt­haus steht ein Panzerwagen, an der nächsten Straßenecke sind mehrere Maschinengewehre auf-

die Humanität und das Gerechtigkeitsgefühl der modernen Zeit auch dem schwersten Verbrecher tn seiner letzten Stunde gewährt.

Die deutsche Regierung legt gegen Diele jeder Menschlichkeit Hohns prechen- den Verordnungen feierlich T er - Wahrung ein. 'Dec Reichskomnnsfar für die De­fekten rheinischen Gebiete in Koblenz ist gleich­falls beauftragt worden, der Interalliierten Rhein- landkommisfion eine Abschrift dieser Rote zu über­reichen.

Die Besetzung von Dortmund.

scheinkich", dah bald offiziöse Unterhaltungen beginnen.Frankreich müsse sich darauf vor­bereiten, indem es ein klares Programm aus- arbeite." Das ist schon allerhand, und man darf der weiteren Auseinandersetzung der in­ternationalen Presse getrost entgegensetzen.

Die Kriegsqerichtsurteile.

Mainz, 8. März. (Wolfs ) Das franzo-

ffir al» r" 1 malig«" faÄf^anugnä'b« Wng»

Berlin, 8.März. (WTB.) Die deutschen Vertreter in Paris, London und Brussel haben den Regierungen, bei denen sie beglaubigt sind, weisungsgemäß folgende P r o t e st n o t e gegen die Verordnungen der Interalllierwn Rheinlandkommission Rr. 145 und 147 übergeben.

Die Interalliierte Rheinland» komm iss ion hat unter dem 26. Februar eine Strafverordnung bett, die Eisenbahnen erla fen. Von welchem Geiste die Verordnung beherrsch wird, zeigen folgende Bestimmungen:Wer durch vorsätzliches Handeln oder Richthandeln euum Eisenbahntransport gesahrdet, tmr£ wenn diese Handlungen einen Unfall mit löb­lichem Ausgange verursacht haben, oder wenn sie ihn hätten verursachen können, mit dem Tode bestraft. Wenn diese Handlungen unter Berücksichtigung der begleitenden Umstande nicht geeignet waren, einen Unfall mit tobllchem Ausgange zu verursachen, aber den Erfolg hattni oder den Erfolg hätten haben können, den Ver­kehr in empfindlicher Weise oder für lange Dauer zu unterbrechen oder die Sicherheit und den Unterhalt dec Armeen oder die Versorgung der Bevölkerung oder die öffentliche Ordnung zu gefährden, wird der Täter mit lebenslänglicher i oder zeitiger Zuchthausstrafe ober mit einer Frei­heitsstrafe nicht unter 10 Jahren ^straft. Wenn die Handlungen lediglich aus Unachtsanckeit oder Fahrlässigkeit begangen worden, smh wtrd ber Täter mit Gefängnis bis zu

mit einer Geldstrafe bis zu fünf Millionen Mark oder mit einer von diesen beiden Straf^i brstratt Jeder Leiter eines Dienstzweiges, innerhalbdessen irgendwelche Akte einer Transportgefährdung vorgenommen werden, soll dieselben halten wie die Täter selbst, wenn er nich alles netan bat, was in seiner Macht " - * Handlung zu verhindern. .Der Berfuch de- Be­gehung einer dieser Handlungen, her Versuch der Anstiftung und Beihilfe zu ihrer Begehung und desgleichen jede vorbereitende Handlung zur, Tat oder zur Beihilfe wird in gleicher Werse bestraft wie die Tat selbst."

Die Verordnung wird u. a. mit der Er­wägung begründet, daß die Gesetzgebung m den meisten Ländern für ^schlage gegm Eisenbahnen die schwersten Strafen vorsreht. Selbstverständlich enthält auch die deutsche Strafgesetzgebung solche Bestimmungen, so daß einer Verordnung Interalliierten Rheinlandkommi slon nicht erst be­durft hätte, wenn es wr lediglich darauf ange­kommen wäre, daß der Eisenbahnverkehr rm be» fehlen Gebiet gegen Transportgefährdungen in gleicher Weise geschützt werde, wie dies in an­deren Ländern der Fall ist. Der ^nholl ocdnung zeigt, daß sie etwas anderes bezweckt. Sie will durch Strasbestimmungen von unerhörter Grausamkeit dre deutschen Eisenbahnbediensteten zwmaen, sich m Wiver spcuch mit ihrem Diensteid, ihrem vaterlandi- I schein Gefühl und ihrem Gewissen aktiv a n Iber rechtswibrigen Aktion Frank- reichs unb Belgiens gegen Deutsch-

* *

Während die deutschen Parteien Im Reichstag zu der Ruhrkriegsrede des Kanz­lers Stellung nehmen, erwartet man in wet­teren politischen Kreisen gespannt die Wir­kung der RegierungSaktion auf das Aus­land, sowohl auf das am Ruhrüberfall und an der Reparation beteiligte, als auch ganz besonders auf das neutrale Ausland. Denn um dieser Wirkung willen wurde der Reichs- g vorzeitig einberufen und die Kanzler- ^de gehalten. ES ist am ersten Parlaments­lage peinlich aufgefallen, daß in derDiPlo- m a t e n l o g e des Reichstages außer dem österreichischen Gesandten Dr. Riedl keiner I der Botschafter und Gesandten an­wesend war, die sonst an großen Tagen sich vollzählig einzufinden pflegen. Ein bekann­ter Berliner Politiker, der viel in ausländi­schen Diplomatenkreisen verkehrt, Übernimmt es, die auSgebliebenen fremden Herren zu entschuldigen, indem er darauf hinweist, daß der Reichskanzler statt wie Üblich um die Mittagsstunde erst abends zwischen 5 und 7 Uhr gesprochen habe, zu einer Tageszeit, für hie vielfach bereits Wochen vorher gesell­schaftliche Verabredungen getroffen sind. Außerdem befinde sich eine Anzahl von Ge­sandten derzeit auf Urlaub. Verfrühte Oster­ferien und gesellschaftliche Verpflichtungen mögen immerhin als Erklärung gelten. Je­denfalls war die internationale Diplomatie nicht dal Und wenn auch einzelne Botschaf­ter und Gesandten sich bereits am Abend vor | der ersten Reichstagssitzung durch ihre Sekre­täre und Attaches über den Inhalt der Kanz­lerrede unterrichten liehen, so weih man doch nicht, wie der Schritt des Kabinetts Cuno von ihnen ausgenommen wurde. Sie warten wohl selbst eine Entschliehung ihrer Regierungen ab. Dah der Sachverhalt des Ruhrkrieges und die Absichten der deutschen Regierung bisher im Auslande vollständig unbekannt waren, das zeigte sich schon in dem starken Echo der Aeuherungen, die der Reichstagsabgeordnete und Parteiführer Dr. Stresemann gegenüber demManchester Guardian" über die tätige Bemühung des Kabinetts Cuno um einen Ausgleich mit Frankreich getan habe. Un­glücklicherweise lag eine Erklärung von amtlicher britischer Seite in dem Augenblick vor als die Kanzlerrede im Reichstag gehal­ten wurde. Bonar Law hatte in Erwide­rung auf eine Rede Ramsah Macdonalds da­ran fcstgehalten, im Ruhrstreit nicht zu inter­venieren. Frankreich habe zwar, so betonte der englische Ministerpräsident, durch seine Ruhr­operationen schwere und dauernde Verluste er­litten (also nennt man das Kind beim rechten Ramen), aber er, der britische Premier, sei Überzeugt, dah die französische Regierung eine englische Vermittlungsaktion sehr ubel- nehmen würde. Kann Donar Law diese Ab­wehrgeste angesichts der Cunoschen Darle­gungen wiederholen oder auch nur stillschwei­gend aufrecht erhalten? Der Reichskanzler hat zwar unter dem Beifall aller Parteien, mit Ausnahme der ewig verneinenden Kommu­nisten, erklärt:Angebote zu machen, ist nicht an uns!" Und:Mahnungen zur Verstän­digung wären nicht an die deutsche, sondern an die französische Adresse zu richten . . . Aber er sagte auch:Wenn uns ein Weg ge­öffnet wird, der frei von äuherem Druck uns gleichberechtigt in offener Aussprache zu Recht und Vernunft zurückführt, so wird die Regie-

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GietzennAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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