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Iliviiuiiiuf« vviuy^pi i lJ^e 60 Mark und 40 Mark Trägerlohn,durch diePost :00 Mark,auch bei Nicht- tlfdjeinen einzelner Num- rnern infolge höherer gewalt.- I ernsprech. Unschlüsse: für dieSchrift, leitung 112; für Verlag vild Geschäftsstelle 51. llnschrift für Drahtnach. lichten: rlnzeiger Siehe«, postschecttonto:

krantsutt a. M. 11686.

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eint ISglich, anfjer

. und Feiertags,

173. Jahrgang

Dienstag, 9. Januar 1923

SiehenerAn;eiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Druck und Verlag: Vrühl'sche UniverfitStr-Vuch- und 5telndruckerei R. Lange in Stehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bi» zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigeno 27 mm Breit« örtlich 20 Mk , auswärts 25 Mk.; für Reklame- Anzeigen von 70 mm Breite 100 MK.Bei Platz» Dor|d)rifl 20 u/0 Aufschlag. Hauptschristleiter: Äug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Ernst Blumichein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen.

Reichskanzler Dr. Cuno über Frankreichs Gewaltpolitik.

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land besetzt, eine Garantie, wie sie ßärker und drückender wohl in kei­nem Friedensvertrag zwischen den Kul­turvölkern festgesetzt wurde. Wenn Frankreich jetzt auf eigene Faust noch weiter gehen will, wenn es im besetzten Gebiet sich nicht in den Schranken, die das Desatzungsrecht regelt, halten oder nun tz sogar seine Hand noch über das Rheinland hinaus auf unbesetztes deutsches Gebiet legen will, so ist das nicht die Ausübung des vertraglichen Rechts, sondern ist Vertragsbruch und Gewalt gegen ein wehrloses Volk.

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lanzler gewahrte dem hiesigen Vertreter der ,T i m e 3" eine Unterredung ü^er den von

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Ein Vertreter der ,.Times" beim Reichskanzler.

Berlin, 8. Han. (Wolff.) Der Reichs

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$<iitf la nb vorgeschlag enen Friedens-« bat t: Auf die Frage, warum in dem Vor­schlag für die Vertragszeit ein Krieg nicht über­haupt ausgeschlossen, sondern von einer Volks- c b st i m m u n g abhängig gemacht wurde, äußerte der Reichskanzler, daß die Abhängigmachung einer Kriegserklärung von der Volksabstimmung richt deshalb vorgesch^aqen sei, weil die deutsche Regiening irgendeine Möglichkeit zu einer Kriegs­erklärung 'hätte behalten wölken, sondern lediglich tarum, weil sie damit die stärkste und zugleich knlgernäßeste Siche.ung gegen jede Krieg s- nöglichkeit zu bieten glaubte. Die Völker selbst sollten zu Garantien deZ Vertrages gemacht werden. Eine festere Verankerung des Friedenscoillens als die Aeberlassung der Ent- shüdung an die Väter, Mütter und Frauen aller lerer, die sich mit ihrem Blut in solcher Stunde füc den Krieg einsetzen müssen, ist undenkbar. - Elcuben Sie nicht, daß eine solche Bestimmung len Frieden mehr sichert, als z. D. ein Urteil les Völkerbundes? Andrerseits hätte die deutsche Regierung nicht einen Augenblick gezögert, einem tzegenvorschlag ihre Zustimmung zu erteilen, der nchach den Regierungen für die Vertragsdauer lie Verpflichtung auferlegt Hätte, keinen Krieg tu erklären, wenn der Gegenseite eine solche Vereinbarung vorteilhafter erschienen wäre.

Dir konnten zunächst nur einen allgemeinen stahnren für das Abkommen anbieten, dessen Gin#?feiten dann in offener Aussprache zwischen len Regierungen hätten geregelt werden müssen. Das Vorhaben der Franzosen.

Paris, 9.''Han. (WTB.) DasOeutae ffteibt, Donnerstag vormittag um 5 Uhr würde tie Vorhut der Armee des Generals D ä g o u t t e tie Grenze der neutralen Zone von Düssel- l»rf, Duisburg und Ruhrort Über­schreiten. Zu der Stunde, zu der der Mi- risterpräsident auf die Kammertribüne steigen beide, hätten die Truppen ihre Gewehre schon aus dem Platz zusammengestellt. Hm die inter­alliierte Zusammenarbeit zu markieren, würden belgische Soldaten die Franzosen begleiten iinb italienische Ingenieure die französischen und belgischen Ingenieure.

B e r l i n, 9. Ian. (WTB.) Die Sonderbericht- rftatter desMalin", desEcho de Paris" und desOourroal sind bereits nach dem besetzten

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Derlin, 8. Jan. (WTB.) Reichskanzler Dr. s'U N v empfing heute vormittag die hiesigen Ver- neter der amerikanischen Depeschen- jgentur und gab ihnen folgende Erklärungen:

Die alliierten Ministerpräsidenten haben bei hven Pariser Beratungen über die Reparations- rage unsere Vorschläge nicht hören wollen und über ihre eigenen Vorschläge sich nicht einigen tonnen. Die Lösung des Problems ist von neuem mfgeschoben. Frankreich scheint sich zu dem Ver» üch anzuschicken, seine Ansprüche im Wege des zwangs und der Gewalt durchzusetzen. Da- >ei hat es den Anschein, als ob man in einigen, Greifen Frankreichs wirklich glaubt, durch einen olchen Zwang die Reparationsleistungen von uns krhalten zu können. Ich sagte schon in meiner Hamburger Rede, daß jede Zwangsmaßnahme ben Tod der wirtschaftlichen Repa­rationen bedeuten würde. Das kann ich freute nur mit größerem Ernst und Nachdruck wiederholen, denn so sehr wir bereit waren, und es auch heute noch sind, frei» Billig und gestützt auf unsere Wirtschaft, bis an bie Grenze unserer wirtschaftlichen und finan- stellen Kraft zu gehen, so wenig find wir villens, uns irgendeinem Zwange zu beugen. Untere Bereitschaft zur freiwilligen Leistung des Möglichen haben wir durch die Tat bewiesen. Wir haben damit das Unfrige getan. D i r sind zum Frieden bereit. Das deutsche Volk wird aber, wenn es sein muh, ebenso entschlossen den Weg des Leidens gehen. Unter Druck und Drohung werden wir nicht handeln. Wir können der Gewalt nicht mit Gewalt entgegentreten. Was wir aber in voller Entschlossenheit und voller Ueber- einstimmig mit dem deutschen Volk tun können, das ist, die wirtschaftliche Unvernunft und die Rechtlosigkeit des französischen Vorhabens der Delt in ihrem wahren Licht zu zeigen, vewalt bleibt Gewalt! Frankreich versucht, die geplante Aktion mit einem Schein des Rechts zu umkleiden, indem es von Sanktionen und Pfändern spricht, die in den Bestimmungen des Versailler Vertrags ihre Stühe haben sollen. Sv ungeheuerlich er auch sonst ist, er geht nicht so --------------- Veit, den Alliierten beliebige Eingriffe auf beut»

IHes Gebiet zu gestatten. Zur Sicherung ihrer I Forderungen aus dem Vertrag, namentlich zur

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Rheinland abgereist. Sie veröffentlichen heute ihre ersten Berichte.

Der Abgeordnete E h r l i ch hat eine Inter­pellation in der französischen Kam­mer eingebracht, um Auskunft über die k o m - rnunist ische Agitation im Ruhrgebiet zu verlangen, die er eine revolutionäre Agitation nennt. Ein neues Kontingent von staatlichen In­genieuren hat gestern abend 9.45 vorn Pariser Ostbahnhof die Reise nach Düsseldorf angetreten. Wie dasPetit Journal" sagt, steht die Bs° schlagnahme von produktiven Pfändern im Ruhr­gebiet unrnittelbai bevor. Es bestätigt sich tat­sächlich, daß die französische Regierung beschlos­sen habe, ihren Plan, unmittelbar nachdem die Reparationskommission die Verfehlung Deutsch­lands bei den Kohlenlieferungen fest gestellt hat, also noch heute, zur Ausführung bringen werde.

Wie dieChicago Tribüne" aus Mainz berichtet, würden 'heute eine Anzahl französischer Offiziere der Desatzungsarmee nach Düsseldorf abreisen, um die Dork-chrungen für die Einrich­tungen des französischen Hauptquartiers zu treffen. General ® eg du t te werde voraussicht­lich von Düsseldorf aus die erforderlichen Be­wegungen dirigieren. Der Plan der französischen Truppenbewegungen sei gestern aufgestellt wor­den. Es verlautet, daß die Desehung deutschen Gebiets Frankfurt nicht ein schließe son­dern sich auf das Rührgebiet beschränken werde. Die Franzosen seien völlig bereit, in Koblenz das Kommando zu übernehmen und alle für die Tlebertragung der Vollmachten von den ameri­kanischen auf die französischen Behörden erforder­lichen Abmachungen zu treffen.

Ein Protest der Handelskammer in Essen.

Essen, 8. Jan. (WB.) Die hier tagende Vollversammlung der Handelskam­mer für die Kreise Essen, Mülheim a. d. Ruhr und Oberhausen faßte nach eingehender Aus­sprache über die drohende Durchführung der fran­zösischen Zwangsmaßnahmen eine Entschließung, worin es heißt: Durch Verwirklichung der an» gedrohten Zwangsmaßnahmen bricht Frank­reich den Versailler Vertrag und das internationale Recht. Durch die militärische oder wirtschaftliche Besetzung des Ruhrgebiets bricht Frankreich bewußt den Frieden und geht unter Ausnutzung der Wehrlosigkit des Deutschen Reiches zum Kriegszustand über.

Eine Beratung der Reichsregierung.

Berlin, 9. Jan. Gestern abend fand unter dem Vorsitz des Reichskanzlers eine Mi­nisterbesprechung statt. Die Rachrich.en, die bis gestern abend an Berliner amtlichen Stellen aus Paris eingegangtzn waren, ließen, wie die Blätter schreiben, kaum mehr einen Zwei­fel darüber, daß die französische Aktion, die zunächst auf die Besetzung von Essen rnd Um­gebung abzielt, tatsäch'ich zur Ausführung kommen werde. Alle Möglichkeiten, die sich für Deutsch­land aus einer Besetzung Essens ergeben, seien in der Ministe.besprechung erwogen worden. Ein­hellig sei die Ueberzeugung zum Ausdruck ge­kommen, daß die von Frankreich vorbereitete Aktion als ein BruchdesVersaillerVer- träges angesehen werden müßte. Welche Maß­regeln die deutsche Regierung treffen werde, bleibe abhängig von dem Umfange des französischen Vorgehens.

Wie die Blätter weiter schreiben, ist sich die Reichsregierung darüber im klaren, daß die näch­sten Tage dem deutschen Volke und seinen Ver­tretern Entscheidungen von a-u her- ordentlicher Tragweite auferlegen wer­den. Sie ist aber durchdrungen von der Heber» zeugung, daß das Einheitsbewuhtsein; und der Opferwille des deutschen Volkes die starke Front im Innern Herstellen werden, die gegen­über den gewaltsamen Uebergriffen Frankreichs notwendig sind.

Hinsichtlich der parlamentarischen Lage scheiben die Blätter, daß die Parteien des Reichstags von rechts bis links bei der Ab­wehraktion gegen das französische Vorgehen ein« .ig hinter der Regierung flehen werden.

Eine Kundgebung der (tzewcrkschafteu gcgeu die ueuc Vergewaltigung.

Berlin, 9. Ian. DemBerliner Tage­blatt" zufolge beschäftigt man sich in den Spitzenorganifativnen der Gewerkschaf­ten mit dem Plane, gegen den Einmarsch der Franzosen gemeinsam große Kundgebungen zu veranstalten, in denen Vertreter aller Gewerk­schaftsrichtungen ohne Unterschied der Partei sprechen sollen.

Gewerkschaftliche und sozialistische Kundgebungen in England.

London, 8. Ian. (WTB.) Gestern abend wurden in London und den Provinzstädten von den Gewerkschaften und Sozialisten große Kund­gebungen veranstaltet. In Zahlreichen Volks­versammlungen wurden Entschii ßurgen angenom­men, in denen die unverzüglich: Einberufung des Parlaments zur Beratung der Arbeitslosen- f rage gefordert wird. In einer Rede in Glasgow sagte Smilli, die Arbeiterpartei müsse, wenn nötig, im Unterhaus Obstruktion treiben, bis die Ar­beitslosenfrage geregelt sei Der>ner sprach die Hoffming aus,"die Regierung würde eine Katastrophe auf dem Kontinent, die das britische Geschäftslecken in Mitleidenschaft

ziehen würde, zu verhindern imstande sein. Thomas wies in einer Rede in Hamp sh ir Frankreich darauf hin, daß Deutschland mög­licherweise in die Hände der Bolschewisten getrieben werde und dann eine Gefahr für die ganze Welt bilden würde.

Ein Glückwunsch Lloyd Georges an Bonar Law.

London, 8. Ian. (WTB.) Lloyd Ge­orge richtete aus Ronda in Spanien ein Tele­gramm an denDaily Chronicle" undDaily Telegraph", in dem er Bonar Law zu seiner Haltung auf der Pariser Konferenz beglück­wünscht und die Gefahr darlegt, der Europa durch die Reparationspolitik Poincares ausgesetzt werde. Es gebe keinen Finanzmann von Ruf in irgendeinem Teile der Welt, der der Ansicht fei, daß die von Frankreich geplante Methode den Alliierten irgend etwas einbringen werde. Diese Methode würde nicht Bargeld, sondern den Zusammenbruch bringen. Die von Poincare geforderten Pfänder würden nichts einbringen, was mit den Kosten der Einziehung vergleichbar wäre. Sie würden Einordnung und Erregung Her­vorrufen und könnten sehr ernste Folgen haben. Die Aussichten auf die Wiederherstellung Eu­ropas würden von neuem verzögert durch die eitle Halsstarrigkeit einiger feiner Herrscher.

Was wird Amerika tun?

Paris, 9. Ian. (WTB.) Wie die (Chicago Tribüne" aus Washington berichtet, wird dort angenommen. Präsident Harding werde es ablehnen, die Truppen amRhein im jetzigen Augenblick zurückzuziehen, weil er befürchte, daß dies eine neue Verwicklung de? R para ionssrage h:rb.i ühren werde solange die endgültige Entsch i)ung Frankreichs über das Angebot des Staates t.etärs Hughes erwartet weide. Die Rachricht, daß die Regierung von Washington offiziös bei Frankreich vorstellig ge­worden sei wegen der Besetzung des Ruhrgebiets, wird vomMatin" nach Auskünften von autori­sierten Kreisen in Paris abgeleugnet. Bis zum Augenblick sei kein Schritt dieser Art von Am«nka bei der französischen Regierung unternommen worden

Aus dem amerikanischen Senat.

Rruyark, 8. Jan. (WTB.) Funkspruch. DieR e u h o r k Times" meldet aus Washing­ton: Einige Senatoren sind der Meinung, Präsi­dent Harding werde die Resolution des Senators Reed aus Missouri zur Kenntnis nehmen; anbere glauben, er werde sie unbeachtet lassen.

Während der Debatte, die der An­nahme der Resolution im Senat vor- ausging, sagte Reed: Rachdem wir den Friedens- Vertrag mit Deutschland unterzeichneten, haben wir mit der bewaffneten Streitmacht auf deutschem Boden nichts mehr zu tun. Senator Wods- Worth sagte, der gute Einfluß der amerikani­schen Truppen in der Rheingegend sei unberechen­bar. Der glücklichste Fleck in Europa sei Koblenz, und wenn Unruhen ausbrächen, so sei die sicherste Stelle in ganz Europa Koblenz und Umgebung.

Senator Reed aus Pennshlvanien sprach die Hoffnung aus, daß die Truppen sehr bald zurückgezogen werden könnten. Er glaube nicht, daß aus der Zurückziehung der amerikanischen Truppen die geringste Gefahr oder irgendein^ Streitigkeit entstehen könne. Bezüglich der Mög­lichkeit des französischen Einmarsches in das Ruhrgebiet drückt Reed die Hoffnung aus, drß es zu einem solchen militärischen Vorgehen nicht kommen werde, da der Friede Europas durch einen solchen Einmarsch aufs schwerste gefährdet würde.

Die finanziellen Beziehungen zwischen Frankreich und England.

Paris, 8. Ian. (Wolff.) Der frühere Fi­nanzminister Klotz hat auf die gestrige Ver­öffentlichung der b.it schen Botschaft betre'fs der Goldreserve erklärt, das Abkommen vom 13. Dezember 1919 sei von der französischen Re­gierung nicht ratifiz'ert worden. E.ne gewisse Klausel habe Frankreich eine Anleihe auf dem englischen GeDmarkt in Aussicht gestellt. Er, Klotz, habe anfragen lassen, ob die Frage des Goldes abhängig sei von der Frage bet Anleihe. Sir Basil Blackett habe am 31. Dezember 1919 geantwortet, daß nach der Ansicht des Schah­kanzlers das Abkommen entweder ganz bestehen bleiben oder aber verschwinden müsse. Die Klau­sel 7 jedoch, die bestimme, daß Frankreich die Rückgabe des Goldes auf Grund des Abkommens von Calais nicht verlangen könne, bevor die fran­zösische Schuld beglichen sei, habe seine Zustim­mung nicht gefunben und infolgedessen sei auch die französische Anleihe nicht zustandegekommen.

Die deutschen Kohlensachver­ständigen vor dem Wiederher- stevungsausschutz.

Paris, 8. Ian. (WTB.) lieber bie heu­tige Verhandlung deutscher Sachverstän­diger vor der Reparationskommis­sion erfahren wir: Herr Wallmichrath hat in längerer durch Akten- und Zahlenmaterial belegten Ausführung barge'ejt, welch: Anstren­gungen die deutsche Regierung gemacht hat, um bas volle Maß der geforderten Koks- und I Kohlenmenge zu liefern, und welche Gründe maßgebend waren, daß eine volle Erfüllung der angefetberten Leistungen nicht stattgesunden habe.

Er 'bat besonders im einzelnen dargelegt, daß die Reparationskommission bei Festlegung le3 Lieser- programms die Leistungssähigksit der deutschen Kohlenzechen überschätzt hake, worauf die deut­sche Delegierte i von vornherein aufmerksam ge­macht hätten, daß aber trotzdem die deutsche Re­gierung alles Mögliche versucht habe, um den gestellten Anforderungen zu genügen. Es könne keinem Zweifel unterliegen, daß die getätigten Kc'hlcnlieferungen die Grenze dessen darstellen, was mit der deutschen Wirtschaft ver­einbar ist. Wallmichvath habe ferner* dargelegt, wie gering der Prozentsatz der Unter- lieferung ist und daß ein großer Teil der Fehl­mengen auf die unberechtigte Zurück­weisung angebotener Kohlenmen­gen von französischer Seite zurückgeführt roer- den muh. Der deutsche Sachverständige hat die offiziellen Ziffern der französischen Delegation an­gezweifelt. Im Augenblick verhandeln die deut­schen-und französischen Sachverständigen, um die Ziffern miteinander zu vergleichen und die Dif­ferenz zu Hären. Auf einzelne Fragen des Vor­sitzenden der Reparationskommission sowie an­derer alliierten Mitglieder wurden die gewünsch­ten ergänzenden Mitteilungen gemacht. Dem An­trag des Staatssekretärs Fischer, die Sitzung bis zum Eintreffen von Direktor L u e b f e n vom Kohlenshndikat zu vertagen, damit auch er in der Lage sei, seinen Standpunkt zu vertreten, wurde battgegeben. Morgen vormittag wird auch der gesamte Tatbestand von deutscher Seite einer jurist ischen Prüfung unterzogen werden.

Paris, 8. Ian. (WTB.) Heute nachmittag 3 Uhr hat die R e p a ra t i o n s k o m m i s s i o n in einer offiziellen Sitzung über die deutsehen Kohlenlieferungen verhan­delt. Ihr wohnten bei unter Führung des Vor­sitzenden der K.irgslastenkommi'sion, Staat-:f' fre- tär Fis cher, die aus Deutschland gekommenen Sachverständigen, die über die Kohlenlie e ungen Auskunft erteilen sollten. Es waren deutsck^r- seits anwesend: Ministerialrat R u p p e l vom Wiederauhauministerium, Legationsrat Fro- w e i n vom Auswärtigen Amt und Geheimrat Richter vom Reichsjustizministerium, sowie für den Reichskohlenkommissar die Herren Direktor Wallmichrath unb Dronikowski; außer­dem von der Kriegslastenkommission Regierungs­rat Dr. Meyer. Von interalliierter Seite waren bie ersten unb zweiten Delegierten anwesend

Die Konferenz von Lausanne.

Edre russische Rote.

Lausanne, 7. Ian. (Wolff.) Die russi­sche Abordnung überre.chte heute dem Präsi­dium der Konferenz eine Rote, in der sie fest­stellt, daß seit dem 20. Dezember keine Lö­sung der Meerengenftage erfolgt und keiner­lei offizielle Mitteilung ausgegeben worden fei. Auf eine Anfrage beim Generalsekretariat habe man zu verstehen gegeben, daß das Ab­kommenprojekt für d'.e Meerengenftage, das gegenwärtig erörtert werde, in der nächsten Woche der russ'.fchen Delegation zugestellt werden solle. Demgegenüber müsse die russische Delegation mit Erstaunen feststellen, daß ihr keinerleiMitarbeitan diesem Abkom­menprojekt gestattet worden sei. Die Rote fährt fort: D'.e russ.sch-ukrainisch-georgische Abord­nung, die von dem Wunsche beseelt ist, in der Meerengenfrage zu einem allgemeinen Ab­kommen zu gelangen, hat von Beginn der Ver­handlungen an auf die Rotwendigkeit einer gemeinsamen und ins einzelne gehenden Prü­fung der Meerengenprojekle h.ngewiesen. Sie hat weiter wiederholt feststellen müssen, daß zu ihrem großen Bedauern die Prüfung der bis heute dem Meerengen.ausschuh übermittel­ten Projekte ohne Tellnahme der russischen Abordnung stattfand und daß durch dieses Vorgehen die russische Abordnung von den Verhandlungen über die Meerengenftage ausgeschaltet wurde. Die obenerwähnte Mitteilung des Generalsekretariats beweise leider, daß man diese Methode weiter verfolge. Die russisch-ukrainifch-georgische Abordnung bewnt infolgedessen, daß, wenn die endgülti­gen Abkommensprojekte über das Meer­engenregime der Konferenz übermittelt wür­den, ohne vorher Gegenstand einer gemein­samen und detaillierten Prüfung gewesen zu sein, es zweifelhaft sei, ob sie die Grundlage für ein Einvernehmen mit Rußland abgeben könnten. Unter diesen Umständen halte es die russ sch-ukrainisch-georgische Abordnung für ihre Pflicht, nochmals zu verlangen, daß jedes Abkommenprojekt über die Meerengenftage im einzelnen unter Beteiligung aller im Meer­engenausschuß verttetenen Mächte diskutiert werde. Die Abordnung hebt hervor, daß jede Verhandlung dieser Frage außerhalb der Vollsitzungen des Ausschusses und der Unter­ausschüsse die bestehenden Meinungsverschie­denheiten erschwere und die Möglichkeit eines allgemeinen Abkommens verringere. Indem sie die Aufmerksamkeit des Präsidiums der Konferenz auf die vorerwähnten Dettachtun- gen lenke, lehne die russisch-ukrainisch-geor- gifche Delegation jetzt die Verantwortung für jeden Mißerfolg der Arbeiten des Meerengen- ausschusses ab, falls die oben gefordette Me­thode nicht angenommen werde.