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Erscheint täglich, anher Sonn- und Feiertags, mit derSomstagsbeilage: GiebenerFamilienblätler Ronattlchevezuarprelse: 6000 Ulark etnschliehttch 2rägtrlobn,burd) diePost 6000Mark,auchbeiNich1. erscheinen einzelner Rum- mern infolge höherer Gewalt. - Fernsprech. Anschlüsse: für dieSchrist» leitung 112, für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Lintiger Siegen.
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Zrettag, 8. Zuni 1925
173. Jahrgang
Annahme von Anzeigen für bie lagesnummcr bis zum Nachmittag vorher ohnejebe Verbmblichkeit. preis für 1 mm hohe iü. Anzeigenv 27 mm 'Breite örtl. 120 Mk., auswärts 150 Mk.; für Reklame- Anzeigen von 70 mm «Breite 600 MK.Bei Platz- vorfchrtft20"/gAufichlag Hauptschriftleiter: Aug Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz.- für den übrigen Teil: Ernst Blumichein; für ben Anzeigentetl: Hans ’Bedt, sämtlich in ©teßen.
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
vnick Mld Verlag: vrühl'sche UniverfilLls-Vuch' und Stetnörutferel B. Lange in Gießen. Zchriflleitung und Geschäftsstelle: Schulftrahe 7.
Eine neue deutsche Note
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zu vereinbaren.
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sollen. Zur Lösung aller dieser Fragen mündliche Verhandlungen nötig.
Deutschland erkennt seine Verpflichtung Reparation an.
Die deutsche Regierung wiederholt ihr
Cin neuer Mord.
Köln. 7. Juni. CIBoIff.) Die „Kölnische Ztg." nteldet aus Trier: 3n der Rächt zum Sonntag wurde auf dem Bahnkörper Trier -Kuerenz der Ortsfremde Eilens .der den Anruf nicht beachtete. von einem französischen Posten erschossen.
Der Sonderbündler Reuder gibt zu den Schuß getan zu haben, dem in der Fronleichnamsnacht der Pförtner D i tz zum Opfer fiel. Er will in Rctwrhr gehandelt haben, was durch Zeugen widerlegt wird. Die Franzosen lassen seine Verhaftung nicht zu.
Eine französische Parade in Essen.
Essen. 7. Juni. (Wolff.) Sie Defahangs- truppcn machten dem Besatz angsamt Essen in einem Schreiben die Mitteilung, daß am Donnerstag von morgens zehn Uhr ab der Verkehr im Stadtzentrum gesperrt würde. Ein Grund zu dieser Maßnahme war nicht angegeben, jedoch tnuibc er durch die nachfolgenden Ereignisse der Oefsentlichkeit bald bekannt. General P e - tain hielt heute morgen aus ctem Huysfenplah eine Parade ab. Die Franzosen hatten ein grobes militärisches Schauspiel in Szene gesetzt.
suchen, eine Konferenz zu berufen, um besten Weg zur Erfüllung seiner Verpflichtungen
Die Brüsseler Konferenz.
P a r i s, 7. Juni. (Wolff.) Lieber die gestrige Konferenz berichtet der „Reuhork S>eraU>“ aus Brüssel: Die Ablehnung des belgischrrt Vorschlags, die Reparationen durch deutsche Monopoleinnohmen zu decken, sei von entscheidender Bedeutung gewesen. Dir Franzosen behaupteten, da die Einnahmen nur in Papirr- mark bestehen würden, verdienten sie keine weitere Beachtung. Der belgisch: Premierminister habe, wie verlaute, lange u tb ernst dafür plädiert, daß Möglichkeiten ausfindig gemacht würden, um England in das alliierte Konzert zu- rüazusühren. Aber die Franzosen betanden darauf, daß in dieser D^irhuag nichts geschehen könne, bis England selbst sich rühre. ES fei_ vor- geschlagen worden, eine gemeinsame französisch- belgisch: Rote nach London und Washington zu übermitteln, in der noch einmal die alliierten Forderungen an Deutschland präzisiert würden. in der Hoffnung, d:-,ß dies eine Antwort Baldwins zur Folge haben werde. Frankreich berufe sich indessen darauf, daß dies ein Anzeichen von Schwäche wäre, wenn rnchk England zunächst das Prestige des Schuldenausgleichs und den Grundsatz der Dauerbesetzung des Ruhrgebiets bis zur Dezci^ung des letzten Pfennigs akzeptiere. Es verlaute, daß Belgien möglicherweise in aller Kürze den englischen Anregungen nach geben und ft Ute Verhandlungen auf nehmen werde, um klarzustellen, was England eigentlich wolle. Das sei nicht nur nötig, well Belgien zur Ergänzung seiner Allianz mit Frankreich eine englische Allianz wünsche, sondern auch, weil die sozialistische und katholische Mehrheit in^ der belgischen Kammer eine sofortige alliierte Regelung der Reparativ ns frage verlangen. Belgien, das ouf sofortige Aussöhnung mit England dränge, schlage jetzt vor, daß durch den Ertrag der Ruhr- besehung die deutschen Jahreszahlungen zw«ks Deckung der englischen Verpflichtungen gegenüber Amerika in HöA von 600 bis 700 Millionen Gold- mort garantiert uürfcen. Das werde sicher auf noch stärkere frcnuzosische Opposition stoben, da Frankreich verlange, daß das Ruhrgebiet besetzt gehalten werde, um die Zahlungen an Frankreich und Belgien sicherzustellen, die nach französischer Auffassung vor den Kriegsschulden die Priorität haben.
Die „Chicago Tribüne" berichtet, es sei Theunis und Jaspar gelungen, von Poin- cor£ das Versprechen zu erlangen, daß auf das kommende deutsche Angebot keine separate Antwort erteilt werde, solange nicht ernstliche Bemühungen unternommen werden, um ein einheitliches Vorgehen der Alliierten zu erzielen.
Englisches Entgegenkommen.
Paris, 7. Juni. (WTB.) Der Sonderberichterstatter der „Information" in Brüssel melbei, er habe vorgestern den Leiter des Sol- vah-Jnstituts Barn ich gesehen. Dieser habe ihm versichert, daß die höchstgestellten englischen Persönlichkeiten zu großen Opfern zur Streichung der interalliierten Schulden und zur Ermäßigung des englischen Anteils an den deutschen Reparationen bereit seien, um der Repara- tivnSfrage ein Ende zu machen und daß in dieser Beziehung der neue Premierminister die Zustimmung Lord Robert Cecils, Mac Ken- nas, Sir John Bradburys und der meisten Liberalen und Mitglieder der Arbeiterpartei hätte, die stets mehr als die Konservativen für die Streichung der Schulden gewesen seien. Rach Ansicht von Barnich wäre ganz Groß- britannien bereit, eine endgültige Regelung der Frage schon morgen beifällig aufzunehmen.
D e r k i n, 7. Juni. (WTB.) Wie bekannt, sind der Reichsregierung auf ihre Rote vom 2. Mai von den alliierten Regierungen verschiedene Antworten zugegangen. Um alles zu vermeiden, was die Fortsetzung des Gedankenaustausches erschweren könnte, hat die Reichsregierung sich in ihrer Rückäußerung auf hie Puntte beschränkt, die den Antworten der Alliierten gemeinsam sind. Demgemäß ist heute den Regierungen in London, Rom, Paris, Brüssel, Washington und Tokio zur Erläuterung und Ergänzung der Rote vom 2. Mai folgendes Memorandum übermittelt worden:
1 Die deutsche Regierung hat nach sorgfältiger und gewissenhafter Tlntersuchung ihre ehrliche Ansicht darüber zum Ausdruck gebracht, was Deutschland an Reparationen zu leisten fähig ist. Sie würde nicht aufrichtig handeln und das Problem seiner wirklichen Lösung nicht näher bringen, wenn sie, nur um die politischen Schwierigkeiten des Augenblicks vorübergehend zu erleichtern, mehr versprechen wollte, als nach ihrer aieberzeugung das deutsche Volk bei Anspannung aller seiner Kräste zu halten imstande ist.
Die Frage nach der deutschen Leistungsfähigkeit ist jedoch eine Tatsachensrage, über die verschiedene Meinungen möglich sind. Deutschland verkennt nicht, tof£ es unter den augenblicklichen Verhältnissen ungemein schwer ist, zu einer sicheren Schatzung zu gelangen. Aus diesem Grunde hat die deutsche Regierung sich erboten,
die Entscheidung einer unparteiischen internationalen Instanz über Höhe und Art der
Zahlungen <
anzunehmen. Ein stärkerer Beweis für den Reparationswillen Deutschlands ist nicht denkbar.
Die deutsche Regierung ist bereit, alle Unterlagen für eine zuverlässige Beurteilung der d«itschen Leistungsfähigkeit beizubringen. Sie wird auf Erfordern dollen Einblick in die staatliche Finanzgebarung gewähren und alle gewünschten Ltuskünste über die Hilfsguellen der deutschen Volkswirtschaft erteilen.
2. Die deutsche Regierung hatte bie Ausgabe grober Anleihen in Aussicht genommen, um ben reparationsberechtigten Mächten baldmöglichst erhebliche Kapilalbeträge zuzuführen. Sotenge sich die Ausgabe von Anleihen in groben Beträgen als undurchführbar erweist, tst die deutsche Regierung auch damit einverstanden, dab an Stelle der Kapitalsummen ein System von Jahresleistungen tritt.
3. Da die alliierten Regierungen Wert darauf legen, schon jetzt genauere Angaben über die Auswahl und die Ausgestaltung der von Deutschland ins Auge gefaxten Sicherheiten zu erhalten, schlägt die deutsche Regierung folgende Varantien für dir Durchführung des endgültigen ReparationsplaneS
s) Die Reichsbahn wird mit allen Anlagen und Ci trick.t rng'n von dem sonstigen Reichsvermögen losgelöst unb in ein Sondervermö » gen umgewandelt, das in Einnahmen und Ausgaben von der allgemeinen Finanzverwaltung unabhängig ist und unter eigener Verwaltung steht. Die Reichsbahn gibt Goldobligationen in Höhe von 10 Milliarden Goldmark aus, die alsbald als erststelliges Pfandrecht auf das Sondervermögen eingetragen werden und vom 1. Juli 1927 ab mit 5 Prozent verzinslich sind, also eine Jahresleistung von 500 MillionenGold- mark sicherstellen.
b) Um eine weitere Jahresleistung von 500 Millionen Goldmark vom 1. Juli 1927 ab stchrr- zustellen, wird die deutsche Regierung alsbald bie gesamte deutsche Wirtschaft, Jn- d u st r i e, B a n ke n, H a n de l, V e r k e h r u n d Landwirtschaft zu einer Garantie heranziehen die als erststelliges Pfandrecht in Hohe von 10 Milliarden Goldmark auf dem gewerblichen, dem städtischen und dem land- und forstwirtschaftlichen Grundbesitz eingetragen wird. Die 500 Millionen G oldmark Jahresleistung werden entweder mittelbar im Rahmen einer allgemeinen, auch den übrigen Besitz erfassenden Steuer oder unmittelbar von den belasteten Objekten aufgebracht.
c) Außerdem werden die Zölle auf Genuhmittel und die Verbrauchssteuern auf Tabak, Bier, Wein und Zucker sowie die Erträge des Branntweinmonopols als Sicherheit für die Jahresleistungen verpfändet. Der Rohertrag dieser Zölle und Verbrauchsabgaben, der sich im Durchschnitt der letzten Vorkttegsjahre auf rund 80 0 Millionen Mark belief, ist zwar seitdem infolge des Verlustes von Land und Volk und infolge des verminderten Verbrauchs auf etwa ein Viertel zurückgegangen: mit der Gesundung der Wirt- febaft wird er jedoch automatisch wieder steigen.
4. Zum Schluh glaubt die deutsche Regierung folgendes betonen zu müssen: In einer so großen und so verwickelten Frage können entscheidende Fortschritte nicht durch schriftliche Darlegungen, sondern nur durch mündlichen Gedanken- ' austausch am Verhandlungstisch erzielt werden. Deutschlands Zahlungsvermögen hängt von der Art der Lösung des Gesamtproblems ab. Die Zahlungsmethode kann nur in unmittelbarer Aussprache mit den Empfangsberechtigten geregelt werden. Die Festlegung der Garantien in ihren Einzelheiten bedarf der Mit- wilckung derjenigen, denen die Garantien dienen
An der Parade nahmen Angehörige allerWaffen- gattungen, außerdem auch Tanks und Panzerwagen teil. Aus dem Gebäude des Kohlensyndikats sowie aus den in der Rähe liegenden Hotels, welche die verschiedenen Desahungsorgane und Offiziere beherbergen, waren neue französische Flaggen gehißt. Der Straßenbahn- sowie der gesamte Straßenverkehr erlitten nährend der Dauer der Parade eine empfindliche Störung: gegen mittag verlieh General Petam das französische Hauptquartier, das durch mrlrtärische Maßnahmen außerordentlich gestchert war.
Die Ausweisungen.
Mannheim, 8. Juni. (WTB.) Wie aus Kaiserslautern berichtet wird, sind gestern wieder sieben Eisenbahnerfamilien ausgewiesen worden. Die Möbel mußten zurückgelassen werden. Aus dem Bezirk Ludwigshafen sind gestern 33Eisenbahner ausgewiesen worden.
Französische Bahnbcamte.
K ö l n. 7. Juni. (Wolff.) Auf dem Dahnbof Diez (Lahn) wurde der Dienst des Oberbahnhofsvorstehers einem Steinbrucharbeiter übertragen. Sein Sohn, von Dwuf Schneider, versieht den Dienst eines Detricbskontrolleurs. Ein ehemaliger Schuldiener erhielt Anstellung als Ober- bahnhofsvorsteher in Fachingen.
Die Toten von Leipzig.
Leipzig, 7. Juni. (WTB.) Das Polizeipräsidium teilt mit: 3n hiesige Krankenhäuser wurden gestern 51 Verwundete und ein Toter eingeli.'fert. Don dm Verwundeten wurden 20 nach ambulanter Behandlung wieder entlassen. Von dm 31 Zurückgebliebenen starben in der Rächt drei, darunter ein Polizeibeamter. Schwerverletzt sind etwa 6 bis 7 Personen.
Leipzig, 7. Juni. (WTB.) Die Stadtverordneten, die in der gestrigen Sitzung zu den Unruhen Stellung nahmen, stimmten dem sozialdemokratischen Dringlichkeitsantrag zu, der den Rat ersucht, von der Reichsregierung eine den Teuerungsverhältnisien entsprechende sofortige Verdoppelung der seit 14. März gültigen Arbeitslosenunterstützung zu fordern.
Der Münchener Hochoerrats- prozetz.
Dor dem Münchener Dolksgericht begann Anfang der Woche der Hochverratsprozeß gegen Fuchs. Machhaus usw. Der Angeklagte M a ch h a u s wurde erhängt in seiner Zelte aufgefunben. Aus demselben Anlaß hat bereits der Münchener Rechtsrat K u e h l e s Selbstmord begangen. Aus drr Anklageschrift geht hervor, daß Aichs, Machhaus usw. seit Herbst 1922 den Entschluß verfolgten, Bayern unter Annäherung iin Frankreich und die Tschechoslowakei vom Reich loszulösen. Die Verwirklichung,^ die nicht ohne militärische Gewalt möglich war, würde zunächst die Absperrung Bayerns von Rord- deutschland und weiterhin die Zertrümme- rungdesReiches bedeutet habm. Eine große Rolle spielte in der Anklageschrift der offiziöse französische Sendling Major Richert. Als Generalstabsollizier stand Richert, der auch die Stellung als französischer (Gesandter in München anstrebte, in enger Fühlung mit den höchsten französischen Regierungsstellen.
Der bisherige Verlauf des Prozesses ergab ungefähr folgendes Bild: Die Verhandlungen mit Richert führte in der Hauptsache Machhaus. Außer Geldmitteln sicherte Richert den Verschwörern auch Ausrüstungsgegenstände und Waffen zu. Richert gestand unumwunden die französischen Absich'sn auf das linke Rheinufer zu, gab aber keine bindenden Zusagen über das Verbleiben der Pfalz bei Bayevn, wohl aber sicherte er Bayern für den Fall, daß eine Verschwörung gufloebe käme, die Mainlinie zu. Richert sprach die Erwartung aus, daß der Rücktritt des Kabinetts Cuno die Folge des Putsches sein müßte. Eine extrem linksradikale, den Absichten Frankreichs willfährige Reichsregierung sollte ans Ruder .gebracht werden.
Die Betätigung Munks, der tschechischer Staatsangehöriger ist, bestand darin, daß er mit einer Reihe leitender Regierungsmänner der Tschechoslowakei in Fühlung trat. Die militärischen Maßnahmen von Fuchs und Machhaus erstreckten sich auf die Bildung einer für den Umsturz erforderlichen bewaffneten Macht, welche sie in dem Bund „Treuoberland", jetzt „Blücherbund" gefunden zu haben glaubten. Ihre innerpolitische-n Maßnahmen zielten auf die Schaffung eines Regentschaftsrates mit dikta- tc rischer Macht, sowie auf die Verhaftung der Reg'evung und Parlamentarier hin. Diese Plane entwarf Fuchs, der politische Kopf der Verschwörung. Als Zeitpunkt der Aktion war die Zeit zwischen dem 13. und 20. Februar festgesetzt. In wirt» schafllicher Beziehung war Machhaus mit Ungarn und der verstorbene Dechtsrat Kuehles mit italienischen Beamten ins Benehmen getreten. Bei dem Verhör behauptete Fuchs, lediglich eine Abwehr gegen den Bolschewismus beabsichtigt zu haben. Richert hätte man in Bayern viel zu verdanken. er hätte in der Frage der Entwaffnung stets zu Bayerns Gunsten geredet und viel erreicht.
Aus dem Reiche.
Die Feier- und Gedenktage.
Berlin, 7. Juni. (Wolff.) 3m Rechtsausschuh des Reichstags wurde ter Gesetzentwurf über dieFeier-undGedenktage behandelt. Die
Reichsregierung begründete das Gesetz nach Artikel 139 der Reichsverfassung. Es hänge von der cinzelstaatlichen Anerlennung ab, für welche Feiertage neben den Sonntagen die reichsgesetzlrchen und landesrechtlichen Drrschriflen über den Schuh der Feie.tagsruhe gelten. Rach § 1 des Gcsehent- Wurfes soll der Dersassungstag, das ist der 11. August, als Ratwnalfeiertag des deutschen Volkes gefeiert werden. Der Ausschuß schloß sich diesen Ausführungen m ferner Mehrheit an. Desgleichen wurde § 2 angenommen, der als Gedenktag für die Opfer des Krieges den sechsten Sonntag vor Ostern festseht. Der § 3 des Gesetzentwurfes zählt die Feiertage auf, die als reichsgesehlich anerkannt gelten sollen, d. h. die hohen christlichen Feiertage, die im Gefühl des ganzen Volkes als die Feiertage verankert sind: Weihnachten, Reujahr, Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten. Der Reichs- Minister des Innern, O e f e r, führte hrei'zu aus, daß der Karfreitag und der Fronleichnamstag, die bisher nur in einzelnen Teilen des Reiches auf Grund des Landesrechts staatlich anerkannte Feiertage seien, reichsgesehlich insoweit anerkannt und festgelegt sein sollen, als sie nach dem gegenwärtigen Landesrecht staatlich anerkannt seien. Das gleiche solle hinsichtlich des Herbst buh tag es und des Bußtages am Mittwoch vor dem lehten Trinitatissonntag gelten. Als Stichtag werde der 1. Januar 1923 vorgesehen. 3n welchem Umfang weitere religiöse Feiertage anerkannt werden füllen, werde wie bisher der Landesgesehgebung überlassen. Es erscheine nicht gerechtfertigt, über das angeführte Maß hinaus die Land^gesehge- bung zu binden. In der Abstimmung wurde der von der Regierung eingesetzte Stichtag des 1. Januars 1923 abgelehnt und statt dessen der 11. Aug. 1919, der Termin des Inkrafttretens der Verf is- fung, als Stichtag für die drei Feiertage: Bußtag, Fronleichnam und Karfreitag festgesetzt. Damit werden also diese Feiertage für den Fall, daß sie in einigen Ländern nach dem Inkrafttreten der Verfassung nicht mehr staatlich anerkannt worden sind, wieder reichsrechtlich anerkannt.
Aus Hessen.
AuS dem Finanzausschuß.
rm. Darmstadt, 7. Juni. Der Finanzausschuß des Landtags erledigte heute eine Anzahl noch rückständiger Vorstellungen, die k^r Parade eine -'mpsindliche Störung: gegen Mtt- erflärt gelten, nachdem die Regierung baAU Stellung genommen hat. Die Vorstellungen der Po- ligeibeamten finden Ablehnung. Die Vorlage betr. die Festsetzung der Altersgrenze der Staatsbeamten auf 68 Jahre findet mit dem Zusatz Annahme, daß der Beamte nach Ablauf des 68. Lebensjahres und nach Verlauf eines weiteren Vierteljahres feine Verabschiedung beantragen muß.
Deutscher Reichstag.
359. Sitzung vom 7. Juni.
Zur Beratung steht die sozialdemokratische Interpellation über
Teuerungsmaßnahmen infolge der Mark- entw^rrtung,
Einschreiten gegen die Devisenspekulation usw.
Abg. Oluf Raufer (Soz.) begründet die In- terpellcttrvn. Die französische Regierung habe mit ihrer Ruhraktion das deutsche Volk den Kreisen ausgeliefcrt, die aus der Markentwertung Profit ziehen wollten. Wir mühten nicht nur mit den Franzosen, sondern auch mit diesen Kreisen abrechnen. Die deutsche Arbeiterschaft habe feine Reigung zu Unbesonnenheiten und zu Putschen. Was sich an llnruhen zeige, sei die aufgespeicherte Erbitterung gegen die Ruhnieher unserer Rotlage und der ehrliche Zorn gegen die Passivität der Regierung und gegen die Aktivität und Raff- sucht weiter kapitalistischer Kreise. (Beifall und Unruhe.) Wir sähen jetzt das Fiasko rein bürgerlicher Kapitalistenwirtschaft. Seit dem Kriegsende fei keine produktive Wirtschaftspolitik mehr betrieben worden. Die Sabotage der Stützungsaktion sei von den maßgebenden Wirtschafts- kreisen ausgegangen, wie Reichspräsident Horden- stein das unzweideutig erklärt habe. Wenn er im Untersuchungsausschuß dann nicht zu seinen Worten gestanden habe, so beweise das, daß er nicht der geeignete Mann zur Durchführung einer Markstühungsaktron fei. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Reichsbank ermögliche mit ihren Krediten den Dollarfpekulanten große Gewinne auf Kosten der Maffe des Volkes. Der Untersuchungsausschuß müsse prüfen, wie hoch die Devisenbestände deutscher Industrieller und Kapitalisten im Auslands seien. Das gelte besonders für Hugo Stinnes.
Der in dem Garantieangebvt der Industrie verlangte Wegfall der Ausfuhrabgabc würde mehr ausmachen als das ganze Angebot der Industrie. Ebenso steht es mit der Opfer- Willigkeit der Landwirtschaft. Wir verlangen Beteiligung des Reiches an den Sachwerten der Industrie und Milderung der Lohnsteuer der Arbeitnehmer sowie Anpassung der Löhne und Gehälter an die Preise. Das Einzige, was bei der MarkstabilifierungLakttvn stabil.siert wurde, waren dank der Bemühungen des Ministers Becker die Löhne. Wo aber bleibt die Senkung der Preise? Und wo bleibt bei dem Steigen des Dollars die Aufforderung des Ministers Becker, die Löhne entsprechend zu erhöhen? Gehälter und Löhne müssen endlich auf eine wertbe ständige» Grundlage gestellt werden. Auch ist die auto- matifche Anpassung der Erwerbslofenunterstühung dringend notwendig. Es liegt an der Regi?''ung und an den bürgerlichen Parteien, die Lösung der Krise innerhalb des Parlaments zu ermöglichen, bevor die Mobllisierung der Massen außer-


