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Erster Blatt
175. Zahrgang
Mittwoch, 7. Mär; 1923
GiehemrAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Die richtige Rechnung.
Die Franzosen machen, so wieder In der neuen amtlichen Note PoincaröS, vor der Welt eine Rechnung auf über die „ungenügenden Leistungen" Deutschlands. Die Schäden in den zerstörten Gebieten belaufen sich auf 102 Milliarden Franken. Frankreich hat 46 Milliarden vorgeschossen, von Deutschland aber bis jetzt an Barzahlungen und Lieferungen nur 4 Milliarden Franken erhalten. Die Rechnung, die w i r aufmachen, lautet ganz, ganz anders. Die französischen Rechenkünstler und Minister haben einiges vergessen, einige 5 0 Milliarden Goldmark; rechnet man die Verluste Deutschlands durch den Friedensvertrag hinzu, rund 100 Milliarden Gvld- mark.
Wir wollen nur einige nackte Zahlen in Erinnerung rufen. 3n der französischen Rechnung der deutschen Leistungen fehlen beispielsweise die Saargruben, die in französischen Staatsbesitz Übergegangen sind. Wert: über eine Milliarde Gvldmark. Die französischen Berechnungen verschweigen auch die nichtmilitärischen Rücklaßgü- ler in den geräumten Gebieten der Westfront im Werte von 1,9 Milliarden Goldmark. Auch von dem Eisenbahnmaterial einschließlich der Fahrzeugersatzteile und Lastkraftwagen, die Deutschland gemäß dem Waffenstill- standsabkvmmen liefern muhte, ist nirgends etwas erwähnt. Ohr Wert beläuft sich auf 2,23 Milliarden Gvldmark. 3n der französischen Leistungsberechnung fehlen auch die abge - lieferte deutsche Handelsflotte, die Seeschiffe, die Fifchdampfer, Binnenschiffe, Hafenanlagen und Flußschiffe. 3hr Wert allein, mit über 6 Milliarden, ist höher, als die von Frankreich und England berechneten deutschen Leistungen zusammen. Von den 861 Millionen Goldmark, die Deutschland für innere Besatzungskosten (ausschließlich der,4,5 Milliarden Gvldmark für äußere, d. h. für die von den Besatzungsmächten selbst bestrittenen Ausgaben) zahlen mußte, wird nirgends etwas erwähnt. Und dann die Kosten der Repa r a t i o n s k o m m i s s i o n und der übrigen zahlreichen interalliierten Kommissionen. Sie haben bis jetzt über eine Milliarde verschlungen. Von den abgelieferten Kriegsschiffen, ohne die bei Scapa Flow versenkten, wollen wir nicht reden, obwohl ihr Wert fast ll/8 Goldmilliarden erreicht.
Aber auf eine besondere Art der deutschen Leistungen sei hier noch hingewiesen: auf die von der Entente befohlene militärische und industrielle Abrüstung, wenn man will: Zerstörung. Sie hat Deutschland den Verlust von Werten von über 9 Milliarden Goldmark verursacht. Außerdem hat der Friedensvertrag in verschiedenen Grenzgebieten Abstimmungen erzwungen. Die Kosten dieser Abstimmung, der Grenzregulierung, der Ueberleitung, der Flüchtlingsfürsorge und alles, was damit zusammenhängt, belaufen sich schätzungsweise auf V2 Milliarde Goldmark. Dazu kommt noch der Wert des nichtmilitärischen Rücklasses der deutschen Truppen an der Ostfront mit Über eine Milliarde Gvldmark. Alles in allem muh Deutschland auf dieses Konto der Abrüstung und Verluste 1 0,482MilliardenGvld- mark verbuchen.
Den Wert Elsah-Lothringens nimmt Frankreich natürlich in die Berechnung der deutschen Leistungen nicht auf, nicht einmal das deutsche Staatseigentum, obwohl der Wert Elsah-Lothringens nach amerikanischer Berechnung 20 Milliarden Goldmark Übersteigt. Die deutschen Kolonien sind in der Rechnungen der Alliierten ebensowenig aufgeführt.
Es genügt nicht, dah wir diese Zahlen der deutschen Leistungen und Verluste kennen. Der Welt müssen sie bekannt werden, damit die Lüge oon den „ungenügenden Leistungen" und dem „bösen Willen" Deutschlands endlich zerstört wird, damit die Gewaltpolitik Frankreichs an Rhein und Ruhr als das erkannt wird, was sie ist, als eine gemeine Raub- und Vernichtungspolitik. Gegen eine vernünftige Regelung der Reparationen wehren wir uns nicht, wohl aber gegen die uns drohende Vernichtung.
Neue französische Gewalttaten.
'Buer, 6. März. (WTD.) Als gl rote ft gegen Hie neuerliche Verhaftung des Oberbürgermeisters Zimmer mann haben die städtischen ‘Beamten am Montag nachmittag von 4—6 Uhr die Arbeit eingestellt.
Sechs Eisenbahnbeamtenfamilien sind aus ihren Dienstwohnungen vertrie b e n worden. Die Stadt hat sie bereits anderweitig untergebracht.
Bielefeld, 6. März (WTB) Aus Essen wird gemeldet, dah an den General Degr> u11e vvm Eisenbahnerverband ein Schreiben abgegangen ist. in dem es u. a. Heidt: Am Samstag, dem 3. Marz, wurde der AushilsS-
ekretär Franz Herold von einem Trupp französischer Soldaten getötet. Rach unseren Informationen muhte Herold, als an diesem Tage die Da n!ofsanlagen um den Hauptbahnbof Essen militärisch bc etzt wurden, seinen Posten an einem Wärterhause verlassen, ohne dah ihm Zeit zum Umz chen gelassen wurde. Rachmittags ging Herold zurück, um seine Suchen aus der Wärterbude zu holen. Auf dem Wege dahin wurde er von fünf bis sieben Soldaten verhaftet und abgeführt. Es wurde beobachtet, dah er beim Abtransport seinen Gummimantel ausziehen muhte, den ein Soldat an sich nahm. Einen Augenblick später fielen sechsbissiebenG eweh r- sch üsse. Wir haben später festgestellt, dah die Leiche in der Baracke der Schupo in der Hammer- Ira hr untergebracht ist. Der ganze Vorgang stellt sich uns als ein ganz unerhörter A k t von überlegtem Mord dar. Wir fragen Sie, ob eber französische Soldat das Recht hat, einen wehrlosen Menschen zum Tode zu verurteilen und dieses Urteil zu vollstrecken. Wir protestieren gegen diesen unerhörten Fall, der unsere innere Menschenwürde verletzt hat und verlangen, daß dieser Vorfall genau untersucht wird, und er- uchen um Mitteilung, was Sie in diesem Falle zu tun gedenken.
Mainz, 7. März. (WTB.) In den letzten Tagen sind von den Franzosen mehrerePost- beamte derHastet und ausgewiesen worden, heute morgen auch der Obertelegraphensekretär Hager, der mit einem Auto abtransportiert wurde. Die Familie muh am Donnerstag Mainz verlassen.
Täuschungsversuche mit Eisenbahner-Uniformen.
Köln, 7. März. (WTB.) Aus Mainz geht die Meldung ein, daß aus den auf dem Bahnhof befindlichen Packwagen unter anderem auch Unt- fcrmflücte von den französischen Soldaten deraus- geholt und abtransportiert worden sind. Auch in Düren sind die Spinte in den Aufenthollsrättnen der Eisenbahner erbrochen und die darin befindlichen Arbeits- und Uniforntttelber durch die Franzosen weggeschafft worden. Diese Rachricht erklärt das Ersch.inen von Eisenbahnern auf den Bahnkörpern. Französische Soldaten sind nämlich in die Uniformstucke der deutschen Eisenbahner gesteckt worden, um dem Publikum und den deutschen Eisenbahnbeamten vrrzutäefch-.e. dah deutsch? Eisenbahner sich in den fremden Dienst gestellt hätten. In Trier beschlagnahmten d.e Franzosen das ganze Kleiderlager von vielen Hunderten von Uniformstücken. Sie werden denselben Gebrauch davon machen wollen, wie von den aus den Spinten in Düren und Mainz entwendeten Uni- fvrmstücken.
Neue Kriegsgerichtsurteile.
Bochum, 7.März. (WTB ) Aus Essen liegt folgende Rachricht vor: Vor dem französischen Kriegsgericht fand gestern dte Verhandlung gegen den in Hast befindlichen Deigeordnet n Bolstorff und seine (Sattin statt, dte sich 2'/z Wochen lang standhaft weigerten, die Fran- zosen an die Telephonstangen auf ihrem Hause zuzulassen. Frau Bvlstorff wurde zu einer halben Million Geldstrafe verurteilt. Der Beigeordnete und seine Gattin wurden sofort aus der Haft entlassen. ®er Film- operateur Rauch von der Firma Scherl in Berlin ist am 5. März vormittags im Eisenbahndirektionsgebäude von sechs französischen Soldaten und zwei Zivilisten verhaftet und m der Richtung Kettwig abtransportiert worden. Eine Angestellte der städtischen Gas- und Wasserwerke wurde in Werden zu s e ch s M v - naten Gefängnis verurteilt, weil sie ein Plakat, das die Franzosen angebracht hatten, abgerissen hat.
Der Hauptschriftleiter der Mainzer Volkszeitung zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt.
Mainz, 6. März. (Wolff.) Das französi-• sche Militärpolizeigericht verurteilte heute den Hauptschristleiter der sozialdemokratischen Mainzer „Volkszeitung" Obing im Abwesenheitsverfahren zu sechs Monaten Gefängnis und 30000 Mark Geldstrafe. Die Anklage lautete auf Veröffentlichung von Artikeln, die geeignet seien, die Arbeiterschaft aufzuhetzen, sowie auf Verweigerung der Aufnahme einer Bekanntmachung der Rheinlandkommission. Von dem Angeklagten war heute früh ein Schreiben eingegangen, wonach er eine Stellung im unbesetzten Gebiet angetreten habe.
Gin deutscher Arzt
vor einem französischen Militärgericht.
Berlin, 6. März. (Wolff.) Rach einer Meldung der „B. Z." wurde der deutsche Arzt Dr. LipS vvm französischen Militärgericht zu einer Million Mark Geldstrafe verurteilt, weil er einer französischen Militärperson, zu der er gerufen worden war, für die Behandlung eine Liquidation von 80 Franken übersandt hatte, worin das französische Gericht eine Verhöhnung und Beleidigung der Besatzungsmacht erblickte.
Die Abschnürung der Kölner gone.
Münster, 6. März. (WTB ) Die Truppenbewegungen bn Raume südlich von El
berfeld dauern fort Wipperfürth ist batte morgen von französischer Kavallerie besetzt worden, die mit anderen Abteilungen in der Richtung auf Gummersbach wettergerückt find. Es handelt sich bei der Bewegung argen» schünlich um die Abschnürung des von den Engländern besetzten Brückenkopfes Köln nach Osten.
Haussuchungen in Offenburg.
Karlsruhe. 6. März. (WTB.) 3n Offen b u r g w irden von den Franzosen bei mehreren Eisenbahnbeamten Haussuchungen vcrgenommen und dabei vor allen nach Akten, Stellwerkplänen, Üohnrechnungen usw. gesucht.
Die Franzosen habrn heute das deutsche Eisenbahnpersonal, das auf der bisher von deutscher Seite betriebenen Strecke Kehl— Regelhurst den Dienst versah, abgelöst, da es sich geweigert hatte, unter französischen Befehlen zu arbeiten.
Die französische Zollkontrolle Griesheim Frankfurt.
Frankfurt a. M„ 6. März. (Wolff.) Die französi) che Zollkontrolle Griesheim-Frankfurt a. M. ist außerordentlich verschärft worden. Insbesondere wird auf Ware und Geld ein Zoll erhoben, weshalb die meisten Leute unverrichteter Sache wieder umkehren.
Frankfurt a. M., 6. März. (Wolff.) Die Franzosen haben in Griesheim a. M. und in Goldstein Verschärfungen eintreten lassen. Auf ihre Anordnung wurden die Bahnhöfe der beiden Orte für jeden von der Reichseisenbahndirektion Frankfurt a M. geführten Verkehr gesperrt. Das Personal ist also aus dem Dienst verdrängt worden. Die Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. hat einen Pendelverkehr Frankfurt am Main—Riederrad und Frankfurt a. M. bis zu dem Vorsignal des Bahnhofes Griesheim eingerichtet.
Die Verkchrslage iii Essen.
Berlin, 6. März. Die „DossischeZtg." meldet aus Essen: Gestern wurde die Fernsprechzentrale der Reichsbahndirek- tion von den Franzosen besetzt. Der gesamte Dienst an den Klappenschränken wurde von den Franzosen übernommen. Der Leiter des Fernsprechwesens der Reichsbahn Regierungsrat 3rmer wird in dem Dienstzimmer fest geb alte n. Die Reichsbahn!) Sektion ist ohne jede telephonische Verbindung mit den einzelnen Statiynen des Direktionsbezirks. Die Oberzugleitung muhte infolgedessen ihre Tätigkeit vollständig einstcllen, was einen schweren Schlag für den gesamten Eisenbahnverkehr des ganzen Bezirks bedeutet.
Gine Gntschlieftung des Gcwerkschaftsbuttdes der Angestellten.
Berlin, 6. März. (Wolff.) Am 4. März fand in Essen eine (Bertreteutagung des Ge - werkschaf tsbundes der Angestellten statt, in der folgende Entschließung angenommen wurde: Die zur Dezirkstagung in E'sen vollzählig erschienenen Vertreter des Gewerkschastsbundes der Angestellten erneuern das Treugelobnis zum Reich und geloben, den Abwe' kämpf gegen den geiraltfamen Einbruch der Franzosen und Belgier in friedliches deutsches Land für Recht und Freiheit mit aller Kraft fortzusetzen.
Die Rückgabe der beschlagnahmten Druckplatten.
Berlin, 6. März. (WTB.) Das Reichs- banfbirettorium teilt uns mit: Die französische Militärbehörde hat der ReichSbankstele in Düsseldorf am 5. März die am 24. Februar beschlagnahmten sechs Koffer mit Druckplatten und Klischees unversehrt ausgeliefert und deren Weiterbeförderung nach Köln ermöglicht.
Der Preisabbau und die Maßnahmen der Reichsregierung.
"Berlin, 6.März. (WTB.) Gegenüber den mehrfach in der Presse geäußerten Zweifeln, ob es möglich sein würde, den durch die Markbesserung eingeleiteten Preisabbau trotz äußerer und innerer Hemmungen erfolgreich weiter durchzuführen, muß mit aller Bestimmtheit betont werden, dah die Reichsregierung baj einmal beschrittenen Weg entschlossen weiterverfolgt. D i e befürchtete Drotpreiserhöhung wird n ixb t eintreten. Von der zunächst in Aussicht Mnommenen weiteren Erhöhung der Frachttarife auf den Reichsbahnen wird abgesehen. Untersuchungen sind im Gange, welche eine Verbilligung der wichtigsten industriellen Grundstoffe zum Ziele habm. Die bisherigen Ergebnisse lassen erkennen, daß eine weitere Erhöhung der Kohlenpreise nicht erfolgt. Die für die landwirtschaftliche Erzeugung notwendigen Düngemittel wie Superphosphat und Natronsalpeter wurden in diesen Tagen um zehn Prozent herabgesetzt. Mit der Verbilligung weiterer Düngemittel ist zu rechnen. Für den durch öffentliche Mittel geförderten Wohnungsbau ist eine Senkung der Daustoffpreife durchgeführt worden. Unter diesen Umständen ist zu hoffen, daß der mit der Festigung der Mark eingetretene Preisrückgang der Einfuhrwaren nach und nach auch zur A rswirkung auf dem Warenmarkt Im übrigen gelangt Soll dieses Ziel erreicht und festgehallen werden, dann ist es freilich auch dringend nötig, daß die Preiswelle nicht durch Lohnerhöhungen neuerlich in Bewegung gesetzt wird. Erfreulicherweise wächst die Erkenntnis, daß höhere Papiergeldlöhne nicht ohne weiteres eine Verbesserung der Lebenshaltung zur Folge haben.
wohl aber immer die Warenpreise weiter steigern Mögen alle an der Regelung der Lohnverhältnissc Beteiligten daraus die richtigen Lehren ziehen.
Kinder aus dem Ruhrgebiet.
Braunschweig, 6. März (WTB.) Wst wir hören, sollen in diesem Monat noch etwa 15 000 Kinder aus dem Ruh rgebiet nach Braunschweig kommen Die Flüchtlingsfürsorgestelle vom Roten Kreuz wird bie Unterbringung der Kinder auf dem Lande übernehmen. In den Ortschaften be? Kreises Gandersheim sind schon feit einiger Zeit Kinder auS dem Ruhrgebiet in Pflege.
Eine Erörterung der Nuhrfrage im englischen Unterhaus.
London, 6. März. (WTB) Heute nachmittag fand im Unterlaufe eine Erörterung der Ruhrfrage statt. Ramsah Macdonald brachte kurz nach 4 Uhr den Antrag der Arbeiterpartei ein, in dem das ganze Haus ersucht wird, zunächst die Kammern Fran kreichs und Belgiens aufzufordern, einen Au s kchuß aus allen Parteien zu ernennen und ntit einem gleichen Ausschuß des Unterhauses wegen der Besetzung des Ruhrgebietes im Zusammenhang mit den Fragen der Sicherheit und der Wiederherstellung Informationen auszutauschen und zu beraten. Ramsay Macdonald erflärie, Deutschland fei heute weniger imstande, Reparationen zu leisten, als zu der Zeit, als Frankreich ins Ruhrgebiet ging, um sie zu holen Wenn man beginne, Ta I che n mit den Bajonetten zu durchsuchen, s o stoße man leicht Löcher in bie Taschen. Das Geld fiele her- <rus und tzinge verloren. England könne nur einen Erfolg haben, wenn es seinen Standpunkt darlege und zu khrn stehe. Der allernächste Zug in dem Spiel müsse sein, Deutschland zu veranlassen, sich zu erklären. England sei in einer besseren Lage, dies tun zu können, als irgendein anderes Land. Rach Ramsah Macdonald sprach Lord Robert Eecil. der sich gegen den Antrag der Arbeiterpartei wandte.
Donar Law erklärte in seiner Erwiderung auf die Ausführungen Ramsah Macdonalds, in der Politik der Regierung sei keine Aenderung eingetreten. Wörtlich fuhr er fort: Wir glauben in diesem A'igenblick nicht,, daß ein Eingreifen nützlich wäre. Es würde von Frankreich als eine feindliche Handlung auf- gefaßt werden. Wir sind nicht bereit, einen solchen Schritt zu unternehmen Sodann wieS ■Senat Law daraufhin, daß die Frage der Reparationen keine Frage sei, an der nur Frankreich und Belgien beteiligt sei. Es sei eine europäische Frage, an der England interessiert sei und in der es Einiges zu sagen habe. Die Besorgnisse, die der Einmarsch ins Ruhrgebiet im Unterhaus hervorgerufen habe, würden von der Regierung geteilt. Die französischen Staatsmänner seien des Glaubens, daß der Druck auf Deutschland seine Wirkung ouSüben werde. Solange sie an diesem Glauben festhiellen, wäre es nach Auffassung der britischen Regierung nutzlos, eine Vermittelung anzubieten. Daraus wurde die Erörterung auf unbestimmte Zeit verschoben Das französische Militärrcformgesctz.
Paris, 5. März. (WTB.) Der Senat ist heute in die Einzelberat utg des Militär- reformgesehes eingetreten. Er hat den Antrag des Senators Levy, eine zweijährige Dienst, zeit festzusehen, abgelehnt.
Harbins über den internattonalen Gerichtshof
London, 7. März. (WTB.) Reuter meldet aus Washington: In einem Brief an den Unter- gouverneur von Ohio bezeichnete Harding den internationalen Gerichtshof als den größten Schritt auf den Zustand, bei dem anstatt der Macht das Recht die Herrschaft habe. Harding sagt, er begreife nicht, daß das amerikanische Volk, da s doch seit langer Zeit nach Idealen gefragt habe, sich weigere, seine Zustimmung zu einem Institut z u geben, wie es der internationale Gerichtshof darstelle.
Fritz Thyssen Ehrendoktor der Rechte.
Freiburg i. Dr.. 6. März. (WTB.) Die rechts- und staatswrssenschastttchr Fakultät der hiesigen Universität hat dem Fabrikbesitzer Fritz Thyssen an der Ruhr wegen srines mannhaften Eintretens für daS durch gallischen Ueber- mut mißachtete deutsche Recht die Würde eines Ehrendoktors der Rechte verliehen.
Ium Tode des Botschafters Dr. Mayer.
Berlin, 6. März. (Wolff.) Der bei Beginn des Ruhreinbruchs, wie erinnerlich, von Paris abberufene Botschafter Dr. Mayer ist in München. wohin er sich von Paris zur Behanolung eines in akuter. Form auf getretenen, schon feit langem an feiner Gesundheit zehrenden fdjtoeren Leidens begeben hatte, in der vergangenen Rächt gestorben. Durch feinen Tod erleidet das Auswärtige Amt einen schweren Verlust. Erst verhältnismäßig spät, nach langer erfolgreicher Tätig- fett hn wirtschaftlichen, polnischen und besonders im, parlamentarischen Leben, das ihn zuletzt an die Spitze des Reichsschanministeriums brachte, trat er, 1874 in Enkenbach (Pfalz) geboren, in den Dienst des Auswärtigen Amtes ein, um den


