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Mittwoch, 7. Februar 1923

Erster Blatt

1Z3. Jahrgang

Eine Aufhellung der Lage in Lausanne?

Varls, 6. Sehr. «Wolfs.) Der diploma. tische Mitarbeiter der Havasagentur will aus autorisierter Quelle erfahren haben, der fran- -ösische Delegierte Vompard habe vor Iei­ner Abreise aus Lausanne eine Unterredung mit ISmet Pascha gehabt, in deren Ver­lauf Ismet den vorgeschlagenen Text über die Kapitulationen angenommen habe. Die

Nr. 32

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Die Petroleumkonserenz.

Die Tagung von Lausanne war kein Frie- benskongreh, sondern eine Petroleurnlonferenz. Der Friede zwischen Griechenland und der Türkei ist nicht geschlossen worden. Er kommt vielleicht in zehn Tagen zustande, vielleicht in drei Wochen, vielleicht gar nicht. Der Punkt, um den sich im Grunde aller Streit hinter den Kulissen drehte nämlich die Mossulfrage, wurde bei den Schluß- ver Handlungen vollständig ausgeschaltet. Man verwies sie xur Entscheidung an den Völkerbund, wogegen sich aber die Türken, gewitzigt durch das, was man bisher in Genf erlebte, mit Händen und Füßen wehren, so daß es voraussichtlich zu einer Rückverweisung an die Beteiligten, d. t England und die Türkei, zur gesonderten Er- ledigung kommt. Frankreich ist fei diesem Petroleumstreit ganz beträchtlich ins Hinter­treffen geraten. Es hat sich dafür gerächt, indem es die ganze Lausanner Konferenz auf­fliegen lieh Aber damit kommt es erst recht nicht zum Petroleum. England hat der französischen Diplomatie nach Abschluß des Weltkrieges den Verzicht auf das Wilajet Mvssul mit seinen Petroleumschähen im Austausch gegen gewisse Zusicherungen hinsichtlich des syrischen Man­dates abverlangt. England stützte sich dabei, auf die Tatsache, dah die im Iahrq 1914 von der türkischen Regierung hervusgegebe- nen Oelkvnzessivnen zu Dreiviertel ohnehin in englischen Händen, nämlich im Desih der Royal Dutch (Shell-) Company und der Anglo-Persia Oil Company, der Rest aber in Händen der Deut­schen Vanlgruppen waren. Frankreich muhte in­folgedessen in San Remo einen Vorschlag an- nehmen, der von seinem Petrvleumlommissar- renger schon int Jahre 1919 nach englischen An- goben im wesentlichen gutgeheißen worden war. Danach sollte Frankreich 25 Prozent des mesopo­tamischen Petroleums zum Marktpreise erhalten, wenn die englische Regierung selber die Quellen ausbeutet, und 25 Prozent Beteiligung am Ka­pital, wenn - sie (was dann geschah) die Aus­beute Privatgesellschaften überträgt. Aber jener Pakt ist heute hinfällig. Frankreich hat unter» dessen seine Militärmacht bis zum Platzen aufge­blasen, es dehnte seine politische Hegemonie über Kontinentaleurvpa aus, es bricht immer weiter in Deutschland ein und siegt sich bei sinkender Valuta zu Tode. Was sind ihm noch die Pe- trvleumlöcher von Mvssul? Ferne Träume! Es hat gar nicht mehr die wirtschaftliche Kraft, um sich an finanziell« Riescntransaktionen heranzumachen. Das besorgt jetzt England, der militärisch zurück- gedrängte, der politisch eingvschüchterte Verbündete ganz allein, ilnb wer zuletzt lacht, lacht am besten.

Der industrielle Kapitalismus Englands geht von dem Gedanken aus, daß das nächte Kapitel der Weltgeschichte nicht von der Kohle, sondern vom Erdöl beherrscht wird. Die Erfindung des Motors in allen seinen verschiedenen Typen, d^e Entwicklung des Autos, des Flu^Lags, der 11= Doote, der Oelfeuerung in Schissen führt einen Umschwung der industriellen Verhältnisse and damit der internationalen Politik herbei. Es gilt die Kontrolle über die Oelreserven der Welt oder doch einen Anteil an ihnen zu sichern. Rord- amerika verdankt seinen beispiellosen Awschwung der Motorenindustrie und dem Aatomobckismus. England fühlt die Kraft in sich diese Entwicklung mitzumachen. Es strebt nach dem Desih der asiatischen Petroleumquellen.

Das gesamte Erdölgebiet an der türkisch-per­sischen Grenze hat «ine Länge von 2000 Kilo­metern. Hiervon liegen 1700 Kilometer auf per­sischem, 300 auf türkischem Geb.el Dte Qualität ist vorzüglich und gleicht der des Petroleums von Baku. Deherrfcht England das turttsch Petro­leum so ist ihm auch der Weg nach Persten frei. Die Petroleumgebiete Mesopotamiens h^n m Den Wilajets Bagdad und Mvssul. Sn Mvssul, gegenüber den Ruinen von Rinive, am Tigris, sind außerordentlich reiche Funde gemacht wor­den An der Mesopotamischen Oelkompante, dte hier ihre Snteressen hat, sind dte Gebrüder Lynch, deren Dampfer seit Jahrzehnten den Tigris befahren, hervorragend beteiligt. Sre stellt eine Erweiterung der von der britischen Ad­miralität übernommenen Anglo-Persien Oil Com­pany dar, deren gewaltige Tankanlagen in Abadan am Persischen Golf fast die ganze Flotte des Sn- dischen und Stillen Ozeans mit Brennstoff aus dem Decken von Schustehr speisen. Denn: zu einem Teil wenigstens ist die Forderung Lord Fischers, der alle kohlenbeheizten Schiffe versauft wissen wollte, schon verwirklicht. Um die Sichtung und Erweiterung der Herrschaft über die türkisch-persi­schen Oelquellen handelt es sich also, und wenn nicht alle Zeichen trügen, wird England mit den Türken schneller ins Reine kommen als Frank­reich. Dieses ist an Erdöl arm Obwohl es De cksch- Ian& die bescheidenen Quellen von Pechelbronn im Elsaß abgenommen hat und obwohl es kn Algier und auf Madagaskar unerschlossene Destande an Petroleum besitzen soll, wird es di« nächsten zeyn Jahre von England abhängig sein. Hi^rn u^t ein europäischer Machtausgletch, gegen den Frank- reich durch Sprengung der Lausanner Konferenz vergeblich anzukämpfen suchte.

Englands Rolle im Kölner Wirtschaftsbezirk.

Köln, 6. Febr. (WTD.) Rach derRheins- chen Zeitung" erhoben die Vertreter sämtlicher Gewerkschaftsorganisationen des Kölner Wirtschaftsbezirkes bei der britischen Dehörde Einspruch gegen die Ausweisungen und Verhaftungen von "Beamten im altbesetzten Gebiet, insbesondere gegen die zuletzt erfolgte Ausweisung des Oberpräsidcnten der Rheinprooinz Dr. Fuchs. Weiter wurde auf die Empörung der gesamten "Bevölkerung hinge- wiesen, die über die Art der "Behandlung der Ver­hafteten und die Ausdehnung der Ausweisungs- mahnahmen auf die Familienangehörigen ent­standen ist. Die Einschränkung der Versammlunas- und Pressefreiheit im nicht britisch besetzten Ge­biet des Kölner Wirtschaftsbezirkes mache die gewerkschaftlichen Arbeiten in diesem Gebiete un­möglich und berge die Gefahr in sich, daß die Ruhe und Ordnung im gesamten Wirtschaftsbezirk Köln nicht mehr aufrechterhalten werden könne. Die Vertreter der britischen Desatzungsbehörde erklärten sich bereit, die erhobenen Einsprüche an die interalliierte Rheinlandkommission weiter­zuleiten.

Reichsfinanzminifter Hermes im Ruhrgebiet.

Dortmund, 6. Febr. (Wolff.) Gestern abend traf hier ReichZfinanzministL.-r Hermes in Begleitung einiger "Beamter seines Ressorts ein. Vormittags hatte er in Elberfeld em- gehende Dclpvr-chungen mit den Vertretern der Reichsfinanzverwaltung im besetzten Gebiet ge­pflogen und zusammen mit dem Retchslanz- [ e r und Minister Severinanden Beratungen in Därmen teilgcnommen. Rachmittags fanden Besprechungen mit den Vertretern der Deamten- fchaft und der verschiedenen Devöllerungskreise in Essen Bochum und Dortmund statt. Die Probleme des Zahlungsmittelumlaufs, der Währung. Preis­steigerung, Sicherstellung der Löhne, der Fürsorge für die Beamten usw. wurden eingehend erörtert. Die vertraulichen Erklärungen des Ministers wirk­ten beruhigend. Der Minister sogte weitestgehende Berücksichtigung der wertvollen Anregungen zu, die sich aus der persönlichen Aussprache ergaben und betonte die große Bedeutung des ständigen unmittelbaren Kontattes mit den Vertretern des besetzten Gebietes.

Ausdehnung der Bcsatzungszone im Ruhrgebiet.

Düsseldorf, 7. Febr. (WTD.) Lennep und Krebsoege sind gestern beseht wordm. Die Truppen scheinen auf Radevormwalde vorzugehen.

Einstellung des Telephonbetriebs in Essen.

Essen, 6. Febr. (WB.) Da das Tele» phvnpersonal des hiesigen Telegraphen­amtes sich nach wie vor weigert, telephonische Verbindungen für die Franzosen herzustellen, ruht auch yeute der Telephvnbetrieb in Essen vollständig.

Die Voykottbewegung.

In Witten hat die Kaufmannschaft be­schlossen, von 36 Uhr nachmittags, wahrend der Ausgangszeit der Franzosen, ihre Läden zu schließen. Die Kaufmannschaft in Wattenscheid hat ferner beschlossen, an die Franzosen nichts mehr zu verkaufen.

Neue Aeuherungen des Reichskanzlers.

Berlin, 6. Febr. (WB.) Der hiesige Ver­treter derAssociated Preß'" hatte Gelegenheit, den Reichskanzler kurz nach seiner Rückkehr zu sprechen. Der Reichskanzler stand unter den fri­schen Eindrücken der zweitägigen Snformattons- reise, die ihn durch alle Zentren des Ernbruchs- gebiets führte. Er hatte mit allen Kreisen der De völkerung in zahlreichen Besprechungen Fühlung genommen und überall dieselbe Entschlossenheit auf der Linie des passiven Widerstandes gegen den französischen Rechtsbruch festgestellt. Gerade aus Arbeiterkreisen wurde chm diese entschlos­sene Stimmung mit besonderem Ernst entgegen­getragen. Der Reichskanzler äußerte sich se)r bc- ftiedigt über die Ergebnisse der Retse. Die Unter­redung wandte sich danach der Rede zu, die der französische Ministerpräsident anläßlich des B.rn- ketts der Vereinigung republikanischer Jour­nalisten gehalten hat. Zu der Rede äußerte sich der Reichskanzler etwa folgendermaßen: Wenn Poincare davon spricht, dah er nicht freudtgen Herzens zu der Politik des Zwanges gegen Deutsch­land schreite, so frage ich: War die französische Politik, seitdem Deutschland dte Waffen weder- legte, anderes als eine Politik des Zwanges, aus­geübt mit allen Mitteln der wirtschaftlichen und politischen Tortur gegen ein erschöpftes Volk, das sich bemühte, seine Wirtschaft wiederherzustellen und' den Verpflichtungen des verlorenen Krieges nachzukommen? Auf jedem Meilenstein des deut­schen Leidensweges seit 1918 stehen die Worte: Zwang und Diktat. Unter Zwang sind deutsch« Gebiete vom Mutterland losgerissen worden unter Zwang wird die rheinische Bevölkerung gehalten, unter Zwang gegen einen wehrlosen Rachbam überschritt die französische Regierung wiederholt die in Versailles festgesetzten Grenzen des Olku- pationsgebietes. Diese Zwangspolitik baute Poin­care dann mit dem Beginn seiner Ruhraktion in einer Weise aus, die sich die Welt nicht träumen lieh, als sie den Abschluh des Krieges als dre Wende einer neuen Zeit begrüßte.

Eine Kabinettssitzung in Berlin.

Berlin, 6. Febr. (WTD.) Der Reichs­kanzler machte in der heutigen Kabinetts- sitzung Mitteilungen über seine Reise in das ver­gewaltigte Gebiet. Als Ergebnis seiner Bespre- chungen mit den Vertretern aller Devölkerungs- kreise stellte der Reichskanzler den festen Willen zum Beharren im Widerstand fest. Er wies unter Zustimmung des Kabinetts eindringlich auf die Rotwendigleit hin, die im Kampfe stehende Be­völkerung mit allen wirtschaftlichen Mitteln zu stützen und insbesondere der Ernährungsfrage größte Umsicht und Energie zuzuwenden. Die weitere Beratung des Kabinetts galt, von den laufenden Fragen abgesehen, dem neuen fTanwli- schen Gewaltakt gegen Offenburg und Ap­penweier.

Eine ungeheuerliche Anmaßung der Rheinlandkommission.

Berlin, 8. Febr. Rach einer Meldung der Voss. Ztg. aus Köln hat die Rheinland­kommission gestern eine Derordnu n g er­lassen, in der es heißt: Jedes deutsche Gericht oder jede Behörde, die eine Person bestraf, oder ihr Strafe androht, oder durch irgendein Manöver auf sie einzuwirken sucht, den Befehlender Rheinlandkommission in Angelegenheiten der Pfänderpolitik zu widerstehen oder ihr ent­gegenzuarbeiten, wird mit Geldstrafen dis gu 50 Millionen Mark °r G °! S n g - nis bis zu 5 Jahren bestraft. Kerne Person oder Firma, die den entsprechenden Dohlen dm Rheinlandkommission nachkommen will, darf daher von den deutschen Gerichten oder durch em Diszi­

plinarverfahren gemaßregelt werden. Ist eine solche Person oder Firma angeflagt, so hat he der Anklagebehörde zu melden, daß sie sich unter den Schuh der Rheinlandkommission stelle. Sn die­sem Augenblick ist das betreffende Gericht oder die Dehörde verpflichtet, die Anllage sofort dem Kreisdelegierten zuzustellen.

Das Dlatt bemerkt dazu: Diese Rheinlands­ordonnanz ist gegen die deutsch« Oustizfreihett ge­richtet. Die Ordonnanz ist ein Gewaltakt, dem jede Rechtsgrundlage und Rechtsverbindlrchkett fehlt. Die Rheinlandkommission ist auf Grund des Rheinlandabkommens lediglich berechtigt, diejeni­gen Maßnahmen durchzusühren, die für den Unter­halt und die Ehre der Desahungstruppen notwen­dig sind. Srgendwelche Defugnisse, die sich auf die Pfänderpolitik beziehen, hat sie überhaupt nicht. Alle Maßnahmen, die auf Grund dieser neuen Verordnung getroffen werden, stellen eine krasse Verletzung des internationalen Rechts dar und sind nichts weiter als Gewaltakte, verschärft durch den geborgten Schein des Rechts.

Was die Franzosen bis jetzt erreicht haben.

Entgegen den Mitteilungen der französischen Presse, daß die Franzosen bisher 64 000 Tonnen Kohlen nach Frankreich geschafft haben, stellt derBerl. Lok.-Anz."" fest, daß seit dem 15. San. von den Franzosen insgesamt rund 22 000 Tonnen Kohlen und 17 000 Tonnen Koks über die fran­zösisch belgische Gren,« gebracht worden sind. Vor dec Besetzung des Rihrgebiets eryielten Frank­reich und Belgien arbeitstäglich 45 000 Tonnen Kohlen. Das bisherige Ergebnis der Ruhraktion ist also, daß die Franzosen int Verlauf« eines halben Monats nicht einmal die Hälfte der Koh­lenmengen erzielt haben, die sie von Deutsch­land freiwillig an einem einzigen Arbeitstage erhielten.

Die Besatzungslasten.

Essen, 7. Febr. (WTD.) Die Lasten der De° satzung machen sich in der Stadt Essen immer drückender bemerkbar, obwohl die Stärke der hier liegenden Truppen, die kurz nach dem Ein­marsch 594 Offiziere und 10 025 Mann betrug, neuerdings auf 446 Offiziere und 4663 Mann herabgesetzt wurde. Zur Zeit sind noch 3 S ch u - len sowie 3 Turnhallen mit Truppen belegt. Bemerkenswert ist auch, daß auf der Villa Hügel, dem Wohnsitz der Familie Krupp, 3 Generäle, 17 Offizier« und 82 Soldaten mit insgesamt 67 Pferden unteegebracht sind. Er­schreckend sind die Zahlen, die nach den Feststel­lungen der zuständigen S eilen die Einquartierung an Kosten verursacht. Don den Hotels werden bisher 24 300 000 Mark angefordert. Die Kosten für die Privatquartiere stehen zur Zeit noch nicht fest. Für die erst« Ausstattung der Massenquar­tiere wurden rund 1200 Zentwer Stroh, die ins­gesamt einen Wert von 12,5 Millionen Mark haben, gelies.rt. Für die Beheizung mußten Koh­len, Koks und Holz geliefert werden, die einen Wert von 6 448 000 Mark haben. Auf Requi- tion der Desatzungstruppen hin mußten eine groß» Anzahl von Gegenständen geliefert werden; besonders zu erwähnen sind 500 'Betten, 4000 Strvhsäcke, 760 Matratzen. 1000 Bettdecken, 1500B«ttbezüge, 750Pol- sterbezüge, 750 Bettücher, 440 Tische, 41 Schreibtische, 630 Stühle, 30 Schil­derhäuser und 190 Wegeschilder. Die Gegenstände kosten rund 300 Millionen Mark.

Neue Gewalthaber.

Paris, 6. Febr. (WTD.) Minister Le Trvcquer und General W e y g a n d sind gestern abend ins Ruhrgebiet abgereift. Der Hauptzweck der Reise des Ministers ist, Havas zufolge, im Einvernehmen mit den Generälen Degoutte und Pahott die Grundlagen für die Transporte zu Wasser und auf der Eisenbahn aufzustellen, die erlauben sollen, allen Möglichkeiten zuvorzukommen und mit oder ohne Hilfe deutschen Personals an erster Stelle die Transporte für die Armee und bie Kohlenförderung sicherzustellen, die für die En­tente bestimmt sind. Der Minister wird weiter mit Degoutte und Coste weitereSank­tionen" erwägen, die derdeutsche Widerstand gegen die Ausführung des Derttages von Der- sailles" (!) erforderlich machen könnte.

Tapfere deutsche Männer.

Hamm, 6. Febr. (Wolff.) Wegen des Streikes der Eisenbahner sind die Stell­werke des Bahnhofes Friemersheim, Krers Moers, unbrauchbar gemacht worden. Franzö­sische Soldaten unter Führung eines Offiziers woll­ten von den Eisenbahnern die Durchführung des geregelten Betriebes erzwingen. Als diese sich weigerten, wurden einzelne von ihnen mit den Köpfen gegen die Weichenblöcke gestoßen. Sie be­harrten auch bei weiteren Mißhandlungen hei ihrer Ablehnung. Dann wurden sie an die Wand gestellt und mit Erschießen bedroht Schließlich wurde der Stationsvorsteher mit au die Brust gesetztem Revolver aufgefordert, den Be­fehlen der Franzosen Folge zu leisten oder sich er­schießen zu lassen: Der Stationsvorsteher antwortete:Sch bin deutscher Beamter, Soren Befehlen gehorche ich nicht. Ditte erschießen Sie mich!" Darauf zogen die Franzosen unverrichteter Dinge davon.

Harte Strafen gegen Mainzer Presseleute.

Mainz, 6. Febr. (Wolff.) Das französische Militärgericht hat den Direktor desMailte..- Anzeigers", Will, sowie den verantwortlichen Redakteur des "Blattes, Rohascheck, «u je 50 000 Mark Geldstrafe und den Direk­

tor WM außerdem zu acht Tagen Gefäng­nis verurteilt Die Anklage lautete, einem Befehl« der Rheinlandkommif sivn, die die Ver­öffentlichung einer Wvlffmeldung über das Ver­bot von Kohlenlieferungen an die Entente unter- agte, nicht nachgekommen zu sein, sondern die Wolfsmeldung dennoch veröffentlicht zu haben. Das Gericht hat dadurch dem Antrag« des An­klagevertreters entsprochen, obschon die Vertei­digung nachwies, daß eine Verfehlung der An­geklagten überhaupt nicht vorliege, da sie nicht gegen den Befehl verstoßen hätten, dieser Be­fehl vielmehr aus einem Srrtum beruhte, insofern, als es sich bei dem verbotenen Artikel, wie sich päter hrrausstellte, gar nicht um eine Wolfs - ineldung 'handelte, sondern um die Meldung eines anderen Depeschen bureaus.

Eisenbahnerstreik in Trier.

Frankfurt, 6. Febr. (WTD) Sm^Bezirk der Reichsbahndirektion Trier ist wegen Gesät c- dung der Sicherheit durch französische Eingriffe in den Betrieb der Verkehr von den Beamten mit sofortiger Wirkung auf den Strecken Trier- West-Perl und Trier-West--Ferrig eingestellt worden. Der Trierer Hauptbahnhos ist ebmfalls nicht im Betrieb. Der Zugverkehr auf der Strecke Srrel-Bitburg muß von nun von Erbach aus bis Mesenich und zurück geführt werden.

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Essen, 6. Febr. (WTD.) Die Eisenbahv beamten im Byirk der Eisenbahndirektton Köln ausgenommen die in der engltschbesehten Zone sind angewiesen worden, Posten, ^elst^ sich iur Anlernung auf den Stellwerken Wink ; Verlassen derselben aufzufordern und andernfalls die Arbeit niederzulegen. Der Betrieb des ae- famten Kölner Bezirks kommt infolgedessen wahr­scheinlich heute zum Stillstand.

I Seit gestern nachmittag werden auf dem Bahnhof Scharnhorst sämtliche Zuge an- | gehalten und die Reisenden sowie das Gepäck

Vorbehalte der Türken in den anderen Fra- I gen blieben aber bestehen. Ismet Pascha habe In der Unterredung darauf hingewiefen, dah, wenn er sich nach Angora begebe, und un-' mittelbar darauf wieder zurückkomme, in der Zwischenzeit der Waffenstillstand von M u - dania die Wiederaufnahme der Feindselig­keiten verhindern werde. Rach den letzten Nachrichten sei es sogar möglich, daß Ismet Pascha Lausanne gar nicht verlassen werde. Es werde infolgedessen bereits von einer Auf­heiterung des diplomatischen Horizonts ge­sprochen.

Lausanne, 6. Febr. (Wolff.) Die Pariser Havasdepesche über den günstigen Stand der Verhandlungen und die bevorstehende älnter- zeichnung des Friedensoertrages hat hier be­trächtlich äleberraschung hervorgerusen. lieber den ersten Teil der Havasdepesche, worin mitgeteilt wird, bah Ssmet Pascha vor der Ab­reise Dompards die Bestimmungen über die Ka­pitulationen angenommen habe und daher kein Grund mehr bestehe, nicht zu unterzeichnen, be­wahrt die türkische Delegation absolutes Schwei­gen. Man nimmt heute mittag hier allgemein an, dah die Havasdepesche in erster Linie als eine politische Handhabe zu bewerten ist, die die Bereitwilligkeit der franzö­sischen Regierung darlegen soll, trotz des Bruches, der sich vorwiegend infolge Frankreich betreffenden Fragen vol^og, für weitere Ver­handlungen geneigt zu sein. Man will außer in anderen aus Paris hier emgetroffenen Meldungen eine Bestätigung für diese Auffassung in der Tatsache sehen, daß heute zwischen Ssmet Pascha und Bompard ein Depescl^nwech^sel stattgefun­den hat.

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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