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Mittwoch, 6. Zum 1923

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

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Zweites Blatt

Oietzener

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(Rachdruck verboten.)

<6. Fortsetzung.

rnskammer.

«Sieben, I 3uni.

laufend zu kaufen: und Blochholz, t und Roller, und Eichen chleishoiz rfchbaum, Ruk- he, Rüstern usw. shöizer. Truden, r jeder Art. t auf laufendes ®e» igebole unter 3822D tr einreichen.

cj uxir umgekehrt von vornherein her Grund­satz aufgestellt, Daß die ReichSgetteidestelle ohne Zuschüsse arbeiten müsse.

Rachbilse für:tlntn Teriian. d. Äymnol v. ein. Primaner ob. Ttud-aef. Cff.u.2815 g.HerMoÄUorfi'tTA1

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Das Mosechaus.

Rmnan von Luise Schulze-Brück.

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General'

Versammlung

CaMan. ben 9, b, M.. addS. 8'/3 Uw ini voolSlianS. tnn^ovbnung:

1. ifiiinmc,

2. Slenntta, 3. ¥eiid)iebene$.

Parstauböllöll« 8llbr._____Ml

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ihm unter die Hände kam, in fernen Koffer und machte ein finsteres Gesicht.Eigentlich hätten wir noch bleiben können," meinte er, während er an einer Rose roch, die in einem Glas auf dem Tische stand. Er hätte sie gestern abend vom Mo­selhause mitgebracht.

(Scicit, eigentlich hätten wir das gekonnt! Aber einmal hristt es doch, sich losreihen, und du weiht ja selbst, dah es besser ist, wenn wir jetzt reifen. Arnolds' Besuch reist ja auch ab, und ich glaube, es ist richtiger, wir gehen bann auch."

Sic hatte in der letzten Zeit wenig mit ihm über Elisabeth gesprochen, es war so recht keine Zeit dazu gewesen und sie erwartete eigentlich, dah Hans Dietrich davon anfangen würde. Auch jetzt glaubte sie, er müsse etwas sagen, aber er gab nur zur Antwort, dah es ja freilich am besten sei, wenn er so schnell wie möglich mit seinen Ar­beiten wieder beginne.

Ein wenig verletzt ging sie in ihr Zimmer zu­rück. Sie formte eigentlich von ihm erwarten, dah er ihr auch mit klaren Worten sage, wir er mit Elisabeth stehe. Sie fing wieder an zu packen. Da­zwischen sah sie zum Fenster hinaus.

Heut war der erste Sag, der wirklich herbst­lich w sein schien. Die Lust wehte kühl, ein schwe­rer Rebel lag um die Bergkuppen und füllte das Mosettal. Manchmal zerriß er einen Augenblick, dann sah sie den Giebä des Mvselhauses, an dem sich der wilde Wein über Rocht rötlich gefärbt hatte.

Aus dem Tische stand ein Teller mit den ersten reifen Trauben, die Maori vorhin heraufgebracht hatte. Eva fröstelte und schlang ein Tuch um die Schullern. Vom Ruhbaume trieb ein gelbes Blatt in das 3immer herein. Erschrocken schaute sie

biet infolge Derkehrsschwier,gleiten sich entschul­digt haben.

Daraus wurde in die Beratung des Bor­anschlags der Evangelischen Landes- | kirche für 1 92 3 eingetreten.

Geh Obertonfiftorialral 1). Bernbeck führte dazu u a. aus: Die Aufstellung eines zu- I verlässigen Boranschlags über Einnahmen und I Ausgaben auch nur ein Jahr ist in der Ge­genwart überaus schwierig. Der vorliegende Vor­anschlag erhebt nicht den Anspruch auf unbedr igle Richtigkeit. Die Einnahmen und Ausgaben für 1923 betragen heute ebenso viele Milliarden als sie vor wenig Zähren Millionen betragen habet. Die eigenen Einnahmen bei Landeskirche h rbt» seit 1922 mit dieser Entwicklung nicht gleid"n Schritt gehalten Als Haupteinnahmen kommen die Kirchensteuern, die Eintünste der Pfarrstellrn und der Staatszuschuh in Betracht. Die Kirchen­steuern gehen verspätet ein und gründen sich bei der gegenwärtig fallenden Valuta auf längst übe. holte Cinkommensveranlagung und tragen daher den Gegenwartsbedürsnissen nicht Rechnung. Die Einkünfte aus Pfarrstellen haben in 1922 mit der Geldentwertung und den gesteigerten Ausgaben nicht gleichen Schritt gehalten. 3n 1923 wird dies durch Reuregelung der Pachtverträge eiageholt werden. Der Staatszuschuh ift noch nicht neu regu^ liert Dagegen hat die Staatsregierung der Lan­deskirche Vorschüsse in Höhe ihres Bedarfs ge­leistet, so dah die Landeskirche in der Lage war, die Geistlichen und deren Hinterbliebenen ange­messen zu besolden. Der Staatsregierung und dem Hessischen Landtag ist der Dank der Landeskirche für diese Hilfe sicher. Alles in allem ift die Fi­nanzlage der Landeskirche ernft und schwierig und fordert gröhte Sparsamkeit ans allen Gebieten: Wünsche nach neuen Ausgaben sind zurückzustellen.

Den Bericht über den Voranschlag erfiattet Geh. Finanz rat E t r o h - Darmstad:. Der Finanz­ausschah stellt den gleichen Antrag wie im Jahre 1922, der Landeskirchentag möge die Kirchu'regre- rung beauftragen, für dringende ^znd kci'neii Auf­schub vertragende Mahnahmen vorbehaltlich der nachträglichen Genehmigung des Landeskirchen­tages die etwa nölige* Kreditmahmchmen zu be­schließen und für die Deckung des Mehrbedarfs

Kein Getreide, Heu usw. t h de r Rähc der Bahn lagern! Bei der außerordentlichen Bedeutung, die der Ernte für die Ernährung xulommt, macht das Kreis- airti Darauf aufmerksam, dah das Lagern von Getreide, Heu, Grummet usw. unmittelbar am Bahnkörper wegen des FunkenauSwursS der Lokomotiven möglichst zu vermeiden ist.

Deutscher Reichstag.

Berlin, 5 Juni 1923.

Bor Eintritt in die Tagesordnung bemerkt Präsident Loe be, der Reichstag werde sich als­bald mit der schweren Rotlage beschäftigen müssen, in die weite Kreise unseres Volkes durch den Markverfall und die Preissteigerung geraten feien und die bereits zu Unruhen in den verschiedensten Seiten des Reiches geführt hätten. Die franzö­sische Regierung hat ihre Erpresseryolittk gegen den wichtigsten Teil des deutschen Wirt- schaftsgebieles sorlgeführt und gesteigert bis zum gesetzlich maskierten Totschlag, jahrzehntelanger Kerkerhaft und Verbannung von Hunderten mse- rer "Landsleute sLebhafte Pfuirufes. Hafer Wi­derstand ist nicht zusammengebrochen: aber der Völlerhotz wird durch das Vorgehen Frankreichs aufs schlimmste enttach'.. Unter diesen Maßnah­men leidet nicht nur das besetzte Gebiet. sondern auch unser ganzes Land, und darum ist es uner­hört, dah es noch Menschen gibt, die in einer sol­chen Lage rücksichtslos ihre Privatin'eressen gel­tend machen und unsere Lage verschärfen durch Wucher und Preistreiberei (Hört, hört!) Wir werden dem mit entschiedenen Maßnahmen entgegentreten müssen. Die Regierung wird der Rot durch Gesehesvorschläge zu steuern versuchen, ober darüber hinaus wird auch den Abgeordneten eine ernste, schwere und verantwortungsvolle Ar­beit erwachsen, wenn es gelingen soll, der Krisis Herr $u werden und dafür zu sorgen, dah E iropa nicht tn Anarchie versinkt. (Lebhafter Beifall.)

Abg. l ler - Franken (Svz.) beantragt schleunige Beratung einer sozialdemokratischen Atterpellatton, die sich mit der durch das Scheitern der Markstützungsaktton herbeigeführten Rollacr beschäftigt und sofortige Maßnahmen verlangt, um eine Anpassung der Sozialrenten, Lohne und Ge­hälter an die gestiegenen Preise zu erreichen und die Entwertung der Besihsteuem durch eine Aen° berung der Steuergesehe auszugleichen. Die Re­gierung soll aufgefordert werden, die Interpella­tion schon am Mittwoch zu beantworten. Rach kurzer Debatte wird der Antrag Müller-Franken angenommen

Der Gesetzentwurf über die Spielkartensteuer geht Vhne Debatte an den Steuerausschuß, der Gesetzentwurf über die Ausgabe wertbeständiger Schuldverschreibungen an den Rechtsausschuh und die Rovelle zur Angestelltenversicherung an den sozialpolitischen Ausschuß.

Es folgt die erste Beratung des Gesetzentwurfs über eine vorläufige Arbeitslosen­unterstützung. Reichsärbeitsminister Braun s begrünbet die Vorlage. 3n dem Entwurf wird die ArbeitSlvsensürforge in enge Verbindung mit dem Arbeitsnachweisgesetz gebracht. Die Aufbringung der Mittel für die Erwerbslosenfürsorge soll nicht mehr allein Sache des Reiches, der Länder und per Gemeinden fein, sondern durch eine Pflichtversicherung zu zwei Dritteln von den beteiligten Arbeitern, Angestellten undArbeit- gebern übernommen werden. Der Kreis der Ver­sicherungspflichtigen wird sich mtt dem der Kran­kenversicherung decken.

Abg. Aus Häuser (603.): Wir müssen un Ausschuß gründlich prüfen, ob die Erwerbs losen- fürforge auf dem Wege einer Versicherung ge­regelt werden kann und ob der vorgelegte Gesetz­entwurf überhaupt mit der Verfassung vereinbar ist. Posittve VorsMage zur wirksamen Hilfe für die Arbeitslosen behalten wir uns für den Aus­schuß vor

Abg. Eichhorn (Korn.) befreitet, daß die jüngsten Arbeitslofenunruhen von den Äommu» Triften an gestiftet worden seien. Die Cofung, die der Gesetzentwurf zur Ginbening der Rot der Arbeitslosen versuche, müsse mindestens der Geld­entwertung Rechnung tragen. - Die Vorlage geht sodann an den sozialpolitischen Ausschuß.

Die vor Pfingsten zurückgestellten Ausschuß- entschliehungen zürn Flüchtlingssiedlungsgesetz werden einsttmmig angenommen. Die Beratung ber Interpellation Müller- Franken wird auf ULunsch des Arbeitsministers Brauns auf die Sitzung am kommenden Donnerstag verschoben. Nächste Sitzung Mittwoch. Strafprozehordnung.

Stundenlang konnte sie so sitzen, em geschlafe­nes Buch und das Körbchen mit einer Handarbett tor sich Ihre Gedanien gingen rackwarts zu allem, was -hinter ihr lag, und vorwärts m eüie unbe­kannte Zukunft, deren Schleier sie nicht heben Kte und wollte. Dann blieben fte tn der Gegen- ttxxrt und gingen vorsichtig und tastend um alles herum was sie jetzt erlebte.

kam wohl Tante Roschen selber ober Elisabeth, um sie zu boten, und nachher machte es No dah meist Arnolds selber kam. Sie gfien bSm zu zweit noch eine Zeitlang unter dem Ruh- Laum Es war seltsam, dast fie nur toentg mehr ton Hans Dietrich und Msiabeth sprachen. Das war Enolds' Art. das Geschehene und Geordnete nicht mehr zu berühren. Sie hatten nun ange- fin hA vieles aus ihren früheren Tagen zu

6= bXm @t>a .«men SmBlid in Mr- tolds' schwere Kämpfe um das Dafem, in das Ringen um feine Erfttenz, das Mutter Haus- n,->nn ibr ja schon angedeutet hatte. Von seiner Krau sprach er wenig und nur mit Zurückhaltung. §5cr Eva merkte doch, dah er auch da viel ge» kämpft haben muhte. .

Sie selber hatte ja so wenig zu erzählen, und während sie erzählte, kam ihr ihr ganzes Dafem !«r wie ein Hinwandern auf breiter, flacher Stabe ohne Hindernis und Ziel, nur immer ge­mächlich voran, einen Schritt wie den anderem Hflnu Arnolds fragte fie auch Ntemals. was

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rechtEtig Sorge zu tragen. e_

Als Landeskirchen st euer für 1923 mird ein Zuschlag zur Reichseinkommensteuer für 1922 von 60 Prozent vorgeschlagen. Vorgesehen surd an Einnahmen und Ausgaben im ganzen ur­sprünglich 3 380 000 000 Mark, auf Vorschlag des Finanzausschusses wurden erhöht Rubrik 25, Außerordentliche Gehalte, von 200 000 aus 400 000 Mark, ferner Rubrik 30. Pfarrei an den Krankenanstalten in Tie­tz en, von 40 000 auf 100 000 Mark.

Im einzelnen sind vorgesehen an Einnahmen: Beittag des Staates a> Staatszuschutz 322OOOMk., b) Vorschub 2903 678 000 Ml., Erttag des Ein­kommens der-Pfarrstellen 105 590 000 Mk.,Kirchen­steuern 318 600 000 Mk., Lieberschüsse verschiedener Stiftungs- und Kirchenkassen 8000 Mk.: Kapital­zinsen 200000 Mk.: Deittäge der Geistlichen zu den Gehalten der Vikare usw. 4 575 000 Mk.; Ver­gütungen der Reichs-, Staats- und Kommunal­verbände für Erteilung von Religionsunterricht usw. 12 300 000 Mk., Ertrag ber landeskirch­lichen Gebäude in Darmstadt 50 000 Mk.; ver­schiedene Einnahmen 34 677 000 Mk. An Aus­gaben: Landeskttchentag 8 000 000 Mk.; Landes­kirchenamt 98 000 000 Mk.: Tagegelder und Reise­kosten 1000 000 Mk-: Gerichtskosten 50 000 Mk.: Predigerserninar 15 000 000 Mk.: Druck- und Ver­kündigungskosten 1 500 000 Mk.: Dekanate 1679000 Mark: Kosten des Pfarrdienstes 2 700 070 000 Mk., Ruhegehalte 155 000 000 Mk.: Unterstützungen für persönliche und sachliche Zwecke 580 000 Mk.; Studienunterstützungen und Reisestipendien 3 OSO 000 QKf.; Landeskirchenkasse 27 000 000 Mk.: Kirchensteuern 63 720000 Mk.: Porto 500000 Mk.: Abgaben aus dem Staatszuschutz ZOOMk.: Witwen- undWaisenversorgung 270000000Mk.: Zinsen von Vermächtnissen 300 Mk.: Llnterstützungen 1 500 000 Mari: Kirchenbauwesen 160 000 Mk.: Kirchenmusik 260 000 Mk; Bewilligung aus Vakmzüberschüssen 50 000 Mk; Beitrag zur Stiftung für Altertums- Wissenschaft des heiligen Landes 11 240 Mk.: Außerordentliche Gehalte 400 000 Mk.: Deutscher Evangelischer Kirchenbund und Eisenacher Kon­ferenz 2 060 000 Ml.: Förderung freiwilliger Unternehmungen für kirchliche Zwecke 12 683 000 Mark: Kirchliche ilrtunbenpflege 120 000 Mk.. Hessische Kirchengeschichte und Förderung der theologischen Wissenschaft 70 000 Mk.. Pfarrei an den Krankenanstalten in Gietzen 100 000 Mk.: Kosten für die landeskirchlichen Gebäude in Darm­stadt 6 040 000 Mk.: unvorhergesehene Ausgaben 11 745 560 Mark.

Die Rubrik 10, Linierstützungen für persön­liche und sachliche Zwecke, wurde vorläufig zu- rückgestellt, ebenso Rubrik 22, Kirchenmusik, Rubrik 27, Förderung freiwilliger Llnternehmun-

ouf. Der Baum war noch ganz grün, die Rüste noch nicht reif, die Schalen noch geschlossen, aber das gelbe Blatt war ihr doch ein Wahrzeichen. Sie fühlte förmlich den schweren Schlag ihres Her­zens. Sie lieft alles stehen wie es stand, und lief hinunter in den Garten. Da war alles feucht vom Rebel. Auf den Resedabeeten tagen die einzelnen Stengel schwer und plattgedrückt.

Plötzlich fiel ihr ein, datz sie doch auch noch iu Mutter Hausmann müsse. Während sie nach dem Fährmannshause ging, fühlte sie, wie sich der Rebel feucht auf ihr Haar legte, sich in ihren Kleidern fest setzte.

Die Tür des Fährhauses war geschlossen, sonst stand sie immer weit auf. Als sie in den Flur trat, sah Mutter Hausmann am Herde. Die nickte nachdenklich, als Eva zu ihr trat Sie sagte nichts, sie sah sie nur aufmerksam an. Lind dann plötzlich, während Eva ganz betrübt dastand, rich­tete die Alle sich auf: .Ihr kommt jo wieder," sagte fie, »Ihr kommt jo et nächst Jaohr wieder."

Frau Eva schüttelte zweifelnd den Kopf.3d) weih doch nicht."

Mutter Hausmann machte ihre listigen Augen:3o. jo, Ihr wißt boot noch net, aatoer Ihr werd' daat siehn. Die Muffel Hot Euch ge* sänkt, die läfjt Euch net nrieh los. Eich Han Euch elo gefoagt, daat mer net alles sohn darf, toaat mer weih. Daat darf eich aoch heut noch net Wään lewt, dään wird et erlewen. Mtt allegvren (zusammen)' werden dat erlewen. Rou hall Euch munter bis dar. Wenn eich den Winter noch über- stöhn, dann erlewen eich daat och noch. Aawer wään weih daat."

(Fortsetzung folgt)

Aus Statt und Land.

Giehen, den 6. Juni 1923.

Die Erhöhung der Brotprcise.

Wolffs Bureau meldet halbamtlich aus Berlin: Am 4. Juni ist in ganz Deutschland die Erhöhung desMarkenbrytprei- e s in Kraft getreten. Wie gelegentlich der Erhöhung des Abgabepreises der Reichsge­treidestelle für Getreide und Mehl bereits in der Oeffentlichleit bekanntgezeben worden ist, hat die Erhöhung als solche eine Steigerung des BrotpreiseS auf reichlich das Doppelte zur Folge. Da aber gleichzeittg entsprechend der allgemeinen neuen GeldentwertungsLelle alle übrigen bei der Brotherstellung entstehenden Ll n k v st e n , nämlich die Kosten des Mahlens, Backens, die Transportkosten usw. anstiegen, so wurde der Preis des Markenbrotes beispiels­weise in Berlin auf etwa daS 23 .fache Les bis­herigen Preises festgesetzt. Aehntiche Vcrhätt- nisse walten in den Übrigen Kommunen. Für die Verbraucher kommt hinzu, dah vielfach ne­ben Markenbrvl f r e i e s D r 0 t verzehr, wird. Dieses freie Brot paßte sich selbstverständlich der gesamten Geldentwertung in voll-m Aus­maße an. Welchen Anteil die BrotpreiSsteige- rung überhaupt im Haushalt des Einzelnen ausmacht, hängt letzten Endes von den ört­lichen Ernährungsbräuchen und den Bedürf­nissen der einzelnen Familien ab. Die Er­höhung des MarkenbrotpreiseS allein bedeutet für den e i n z e l n e n K 0 p f eine tägliche Mehrausgabe von etwa 225 Mk. Hinsichtlich der Löhne, der Gehäller und der sozialen Llnterstützungen wird auf die bisheri­gen Bekanntmachungen der Deichsregierung verwiesen.

Was die Erhöhung des Markenbrvtprei- seS im besonderen anbetrifft, so wurde in der Oeffentlichkeit dieser vom Berbraucherftand- punkt aus so unerwünschten Tatsache im all­gemeinen die klare wirtschaftliche Einsicht entgegengebracht, daß sich um eine durch die Entwicklung der Verhältnisse unvermeidlich gewordene Maßnahme handelt. Die Abgabepreise der Reichsge- treidestelle waren fünf Monate lang nicht erhöht worden, um die so notwendige F e st i - gungderMarkauf einer bestimmten Höhe nicht zu gefährden. Dieser Zustand konnte jetzt nicht mehr beibehalten werden, wenn nicht die bisherigen Vorschüsse an die Deichs­getreidestelle aus Reichsmitteln sich in völlig untragbare Verluste verwandeln sollten. Wäh­rend dieser fünf Monate war der Preis für freies Getteide um das sechs- bis neunfache gesttegen. Die Bezahlung des Llrnlagegettei- des, das etwa die Hälfte des Getteidebedarfs der Reichsgetreidestelle deckt, war demgegen­über zurückgeblieben, aber beim letzten Sech­stel ist auch dieses vervierfacht worden. Die so­mit entstandenen V v r s ch ü s s e an die ReichS- getteidestelle konnten aus Gründen der ord­nungsmäßigen Reichsfinanzwirtschaft nicht mehr getragen werden. Wer auch grundsätz­lich waltete von vornherein im laufenden Jahre nicht die Wsicht ob, auS allgemeinen Reichsmitteln das Brot zu verbilligen, sondern

Tausendfach bewäh**»

Nahrung bei;

r\UfekQ Brechdurchfall,

Diarrhöe.

Evangelischer Landeskirchentag

rm. Darmstadt, 5. Funi 1923.

Der erste Evangelische Landes- kirch'entag begann seine zweite Sitzung unter der Leitung des Präsidenten v. Dr. D i e h l heute norm. 9,15 Llhr im LandeskirchengebäudL Pfarrer A u s f e l d - Gießen sprach das Gebet. Das Ktr- chenregiment war Vertreten durch Geheimrat 0. Dr F l ö r i n g. Geh. Obertonfiftcrialräte Dr. P e- terfen, Dr. Euler. Merck und Oberfonftfto» tialrai Büchler.

3n seiner Begrüßung gab der Präsident be­kannt, daß die Abgeordneten Frau Dr. Lambert, Dr Hakob und Dr. Hnnghk aus dem besetzten Ge-

gen für kirchliche Zwecke, Rubrik 32, unvorhr.- iesehene Ausgaben. 3m übrigen wurden samt- . ch- Rubriken des Voranschlags einsttmmig an- citommen.

Ein Gesuch des H e f f i f d) c n Hauplvcr I eins der Gustav »Adolf-Stiftung um i ihohung des Beitrages der Landeskirche zur | Jcrilenbung des angefangenen Kapellenbaues in Heusenstamm soll mit der späteren Beratung des Ocsarntvoranschlags verbund-n werd.n.

Die Vorlage Petr. Bildung einer Kranken- lassengemcinschaft für die ev. Geist­lichen geht zunächst an den Geseygebungsaus» 'chutz zurück.

Ein Antrag Wagner wurde angc.romm.n, I nach dem die V 0 r p r ü f u n g e n de r a h = > len durch den Gesehgebungsausschuß unter 3'- , chuug der beiden QHUgltebcr der Landeswn>:l- Icmmiffion, D. Hermann und Lauser, vorgenom- meii weiden sollen .

^lachmittags sanden abwechselnd mdriopc:;: liche Sitzungen sowie Gruppenberatungc.i statt, i' denen insbesondere auch die Wahl des neu 1 Kirchenprälaten lebhaft erörtert wurde

Rächste Sitzung- Mittwoch vormittag

«8

Blockstraße 2 Bektr.Koch- ^sämtlicher »ninStark-und eraNieterz.

Ein Kaufmann R. und der Kaufmann Otto Sch in Berlin, die in Gietzen eine offene Han- del'sgestLlsckast betrieben hatten, aber in Schul­ten geraten waren, gründeten Ende 1920 eine G. tn. V H. mit einem Zweiggeschäft in H.llle. ihn die hierfür, sowie zur Zahlung der enntairdene.r Schulden notwendigen Mittel zu erhalten, traten sie mit falschen Vorspiegelungen an vertchiedena Personen in Halle heran, stellten ihre r'?seilfchaft in günstigem Licht dar und-erlangten dadrtrchnam- baftc ?«. träge, die sie in erster Linie zur Deckung <iltcr Schulden verirentetcn; die Geldgeber bert neuen Gesellschaft gingen leer aus. Dte Ange» flagtcn wurden wegen Betrugs und.Untreue, so» ttüe wegen Vergehens gegen das Gesetz, bett, oie Gesellschaft mit beschränkter Haftung, nerurtetlt; R. erhielt fünf Monate zwei Wochen, Sch. drer Monate zwei Wochen Gefängnis, jeder auherdem noch 2000 Mark Geldstrafe Ein früheres Urteil gegen die Genannten itxir vom Reichsgericht we­gen rechtlicher Bedenken teilweise aufgehoben worden, so daß insoweit heute nochmals verhan­delt werden mußte.

In der Rächt zum 20 Januar l I wurde ein schwerer Elinbruch in die katholische Kirche zu Dvinassenheim verübt: den Säterm fielen ein W.ihwasserkessel, eir? Weihrauch^chale, eine seid Altardecke, zwei Handtticher, fünf Leinentttcher. 18 Gegenstände aus Gold, Silber und Messmg in die Hände. Zwei der Diebe erhielten ,ruhev betörte längere Freiheitsstrafen, der dritte stand 1 Tute in der Perlon des bereits schwer vorbe- ftiaften Gelegenhertsarberters Ernst H. in Frank- furt vor Gericht. Seine Aburteilung war bisher nicht möglich, weil er in ber Untersuchungshaft mefrrere Löffel verschluckt hatte imd deshalb ope­riert werden muhte. Sttafe vier Jahre Gefäng­nis, fünf Jahre Ehrverlust.

Am 18. September 1922 fuhr in Hirzenhain ein Personenzug infolge falscher Lage einer Weiche auf brat leere Wagen: Personen wurden nicht Der- dagegen die Wagen und die Lokomotive des Personenzügs gering beschädigt. Der Fahrdienst­leiter G., Streckenwärter B. und ©ttedenarbettec G erhielten deshalb wegen Fahrläsiigkeit un Dienst' und fahrlässiger Transportgefährdung tnäbige Geldstrafen. Aus Berufung der Staats- cuiwaltschaft würden die Sttafen des Fahrdtenst- leiters G. und Streckenwärters V. auf je 10 000 Mark erhöht, G erzielte entsprechend dem An- trag des Staatsanwalts Fveisprechrmg.

Der Landwirt Jakob D. in Hainchen war wegen Diebstahls einer Kiefer aus dem öorhgen Gemeindewald vom Schöffengericht zu einer Geld­strafe von 20 000 Mk. verurteilt worden. Die Do­ru fungs Verhandlung führte zur Freisprechung wegen Diebstahls: dem D. konnte nicht nachge- wissen werden, daß er die Ätefer, die ihm von der FvrstbeHörde bereits zugewiesen war, srch rechtswidrig habe zueignen wollen. Wegen unbe­fugter Holzabfuhr erging eine Geldstrafe von 300 Mark gegen ihn.

Die Kaufleute Ludwig und Karl H. m Bü­dingen hatten im Fusi v. I. 11 Sack Zucker, je 19V3 Mark pro Pfund, gekauft, obwohl sie Großhan- delserlaubnis nicht hatten. 3m August liehen fie ben Zucker an der Börse in Frankfurt a. M. zu 41 Mk. pro Pfund Weiterverkäufen. Sie zogen sich daher eine Verfolgung wegen Preiswuchers zu. Däs Schöffengericht sprach sie frei. Dre De- rufungsverHandlung fand heute statt: das Gerichtz setzte dre Entscheidung aus.

sie beim nun vorhabe, auch wenn sie davon sprach, dah ihr Berlin ganz verleidet sei. Freilich, zu­nächst muhte sie ja wieder dorthin zurück. Aber was später werden würde, schien ihn ebenjo wenig zu kümmern, wie es sie im Grunde jetzt kümmerte.

Wenn sie barm beide schwiegen und über das stille Wasser hinwegsahen, hatte Eva nur den Wunsch, daß es immer so bleiben mochte, so blei­ben könne. Gewöhnlich sprcmg Bürgermeister Ar­nolds plötzlich erschrocken auf, und sie fanden, datz sie schon viel zu lange hier gesest'en hatten. Sie machten sich dann eilig auf den Weg nach dem Moselhaus, ©' man sie freilich nicht cermiftt hatte.

Die jungen Leute spielten Tennis, Tante Röschen und Tante Phllippine ergingen sich in den interessanten Unterhaltungen über die nä­here und entferntere Familie, und Onkel x3ran= Pierre sah seelenvergnügt hinter irgendeiner mäch­tigen Schüssel mit Obst oder Backwerk. Für Eva und Hans Dietrich war an diesen Abenden ein für allemal der Tisch mitgedeckt. Das war gana selbstverständlich geworden. We:m sie ziemlich spät am Abend heimgingen, begleitete ein Teil der Gesellschaft sie noch bis zum Rebstock. Wenn Eva dann oben in ihrem Zimmer aus dem Fenster schaute, hörte sie noch die jungen Mädchen fingen. So glitt Sag für Sag vorbei, scheinbar nur ein Heute, das in blauen und rosigen Schleiern ein­herschwebte, vor dem das Gestern versank und das Morgen keine Wacht hatte.

Aber dann war plötzlich der Tag der Abreise da. 3n Frau Evas Zimmer standen die großen Kvfter. sie ging zerstreut von einem zum andern, legte ein Stück hinein und holte es wieder heraus. Nebenan rumorte Harrs Dietrich. Eva öffnete die , Derbrndungstür. Da stand er, warf waklllvs, was

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