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Nr. 5

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Krantsnrt a. M. 11686.

Erster Blatt

173. Jahrgang

Samstag, 6. Januar 1923

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhefsen

Annahme von Anzeigen für di« Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejede 'Uerbmt)lid)heiL Preis für 1 mm Höhr für Anzeigen o 27 mm 'Breite örtlich 20 Mk, auswärts 25 Mk.,- für Reklame- Anzeigen von 70 mm Breite 100 Mk.Bei Platz- vorfchrift20"/,Auf chlug. ^auptschristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für den

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Dor großer Entscheidung.

Die Uneinigkeit zwischen England und Frankreich, die auf der kurzen Pariser Ta­gung in der Wiederherstellungsfrage formell festgestellt wurde, der R.h in der Entente cor- diale, wird eine Wende in der Polirik der Nachkriegszeit herbeiführen, die auch in die Tiefe geht und Umstellung m allen wich­tigen Lebensfragen erfordert. Die deutsche Regierung hat nicht gesäumt, vor aller Welt alsbald zu verkünden, was ihr die Pariser Er­eignisse bedeuten und was der Ernst der Swnde vom deutschen Volke verlangt. Cs ist für den Zeitungsleser eine mühselige, kaum noch sich recht lohnende Arbeit, ganz im ein­zelnen sich in die Entwürfe der streitenden Parteien zu vertiefen; nur ihre Grundgedan­ken werden fortwirken, neue Gestaltungen hervvrbringen, Mittel und Wege suchen, sich durchzusetzen.

Der WiederherstellungSvor- schlag des englischen Mini st er- präsidenten bedeutete, wie leicht zu erkennen war, noch immer eine äußerst ge­fährliche, wahrscheinlich nicht durchführbare Belastung Deutschlands. Er war auch nicht lediglich eingegeben von gerechter Sachlich­keit, sondern er war darauf bedacht, der star­ren Haltung Frankreichs entgegenzukommen, die Erwartungen einigermaßen zu erfüllen, die eine verkehrte Gewaltpolitik in den Köp­fen unserer westlichen Rachbarn bisher ge­nährt hatte. 50 Milliarden Goldmark sollte die ruinierte deutsche Volkswirtschaft in der Zu­kunft noch an die Sieger entrichten, neben den ungeheuren Opfern an Land, Gut und Geld, die uns durch den Waffenstillstand und die nachfolgenden Diktate, sowie durch Will­kür und Verschwendung in den besetzten Ge­bieten bisher bereits entrissen worden sind!, Und weil Herr Bonar Law, wie erden Fran­zosen erklärte, den Grundsatz verfolgt, aus Deutschland herauszupressen, was von dem Londoner Zahlungsprogramm nur irgend zu verwirklichen ist, hält er noch eine zweite Serie von Schuldverschreibungen Deutsch­lands nn Gesamtbetrags bis zu 17 Milliarden Goldmark bereit, falls die erste nicht hinge­recht hadert soll'.e, Deutschland inlOZahren der Verarmung auSzul'.esern.Wir sollen uns damit trösten, daß dies allesnur einen Gegen-! wartswert von 40 Milliarden Goldmark aus­mache ! Indessen, der engl sche Plan verwarf die drängende Pfänderpolitik Poincares und schlug einen vierjährigen Zahlungsaufschub vor, damit Deutschland überhaupt wiederauf die Deine komme. Späterhin sollte das Damoklesschwert der Pfandnahme über uns schweben, falls wir nicht erfüllten, und wir sollten uns einer Finanzkontrolle unterwer­fen, die, wie die Engländer selbst versichern, bestimmt war, die demokratische Selbstver­waltung wesentlich zu beschneiden.

Die Rechenkunst Donar Laws war also hart und ängstigend genug für uns. Deutsch­land hätte immerhin darüber verhandeln mö­gen, und Staatssekretär Dergmann, der den neuen Vorschlag des Kabinetts Cuno in der Tasche trug, hätte bei seiner von Deutschland beantragten Zulassung zu mündlichen Erläu­terungen ganz gewiß manche rein wirtschaft­liche Auffassung der Engländer zur älnterstüt- zung seiner eigenen Darlegungen h.'rangezo- gen. Aber nun steht es unumstößlich fest: Frankreich will keine wirtschaftliche Lösung der schwierigen Aufbaufragen, sondern es will politischen und territorialen Machtzuwachs auf Kosten des deutschen Rhe nlandes. Keine äleberredung gelingt, das ist die Erfahrung, die auf der Pariser Konferenz gewonnen wurde. Auch die Weisheit Lloyd Georges, der da meinte, nur etappenweise, mit Hilfe noch mancher Konferenz, werde das Z'el einer ver­nünftigen Einigung zu erreichen sein, hat fort­an 'keine Geltung mehr. Frankreich sucht seinen Willen allein, oder mit dem Dei- stand Belgiens und der Zustimmung Italiens, durchzusetzen. Wann, wo und w'e das sind Fragen, über die wir im Dunkeln schweben, die aber schon in einigen Tagen beantwortet sein werden. Am 15. Januar hätten wir nach dem Londoner Zahlungsplan 500 Millionen Goldman abzuführen; vorher kann eigent­lich einevorsätzliche Verfehlung nicht fest­gestellt werden, und zu einer Beantwortung der deutschen Rote vom 14. November wird sich Herr Poincare doch wohl entschließen müssen, bevor er die Handlungen vollzieht, die ein Zerreißen des Versailler Vertrages be­deuten.

Die Schlußworte, die in Paris zwischen Donar Law und Poincarö gewechselt wurden, geben auch keinen Aufschluß darüber, was England demnächst unternehmen wird. Der englische Ministerpräsident prophezeit zwar infolge derunversöhnlichen Meinungs­verschiedenheit in einer so ernsten Ange­legenheit"ernste und unheilvolle Folgen für die wirtschaftliche Lage Europas aber er

blieb gemessen und verbindlich und kündigte an, daß diefreundschaftlichen Gefühle zwi­schen hüben und drüben unverändert blieben. Vielleicht war dies nur eine vorsichtige und beschwichtigende Haltung gegenüber der über­hitzten Polemik einesTemps, der erklärt hatte, die Dande, die während des Krieges vorhanden gewesen seien, seien verschwunden; der neuen Entwicklung sei sich nicht nur das englische Schatzamt, vielmehr auch die englische Diplomatie, der englische Generalstab, die eng­lische Admiralität, bewußt. Die ernste Sach­lichkeit Donar Laws ruft demgegenüber zur Besinnung auf: noch ist es nicht so weit, noch können freundschaftliche Deziehungen sort- bestehen, wenn Ihr keine Eigenmächtigkeit und Herausforderung begeht! Die Schlußwendun- gen des britischen Kabinettschefs sind ein Siegel für das Heute und eine Verwarnung für das Morgen. Darum glauben wir nicht, daß nun etwa sogleich die englischen Truppen aus Köln zurückgezogen würden; höchstens wird Herr Dradbury dem Wiederherstellungs­ausschuß fernbleiben, der damit eigentlich keine Existenzberechtigung hat und die Funk­tionen nicht erfüllen kann, die ihn jetzt be­schäftigen sollen. Das heute gemeldete Pariser C-eschwätz über Donar Laws Verabschiedung mit seinem angeblichen Wunsche für einen guten Erfolg Poincares wird auf einer Ver­stümmelung und Verdrehung beruhen und weder in London noch irgendwo sonst ernst ge­nommen werden. England wird zunächst ver­mutlich noch friedliche und freundschaftliche Konsequenzen ziehen. Könnte es nicht die Völkerbundsentscheidung Vorschlägen oder den Präsidenten Harding, der ohnedies in Be­reitschaft steht, vermittelnd einzugreifen, zu bestimmten Schritten veranlassen?

Wichtiger, als müßigem Rätselraten sich hin- zugeben, ist die genaue Fixierung der Rechts­lage, wie sie die Pariser Konferenz geschaffen hat. Wir haben allen Anlaß, die amtlichen Sätze zu unterstreichen, die von der Reichs­regierung gestern durch das Wolff-Bureau veröffentlicht worden sind. Deutschland ist in Paris trotz des Angebots bestimmter, sorg­fältig ausgearbeiteter Vorschläge nicht ge­hört worden, obwohl es nach dem Friedens­vertrag einen Anspruch darauf hat. Derselbe Poincare, der den Vorschlag eines Friedens­paktes mit Beleidigungen beantwortet, will deutsche Zahlungsangebote nicht einmal entgegennehmen, geschweige denn prü­fen. Das ist ein so ausgeprägter Geist offener und hartnäckiger Feindseligkeit, daß ihm das deutsche Volk schon in diesen Stunden die unmittelbaren Folgen seiner älnbesonnenheiten vorhalten muß: der Versailler Ver­trag, wenn er nicht schon ungültig geworden ist durch die Weigerung, Deutschland Gehör zu schenken, wird zu einem Fetzen Papier, wenn Frankreich selbständig, ohne die anderen Vertragsmächte zu Gewalttätigkeiten schreitet. Dann gewinnt auch Deutschland volle Hand­lungsfreiheit zurück. Cs ist bemerkenswert, daß auch derVorwärts ein eigenmächtiges Vorgehen Frankreichs völkerrechtlich als Frie­densbruch und kriegerische Gewalthandlung bewertet wissen will und, als die Würfel in Paris noch nicht gefallen waren, weiter dazu schrieb:

Richt nur wäre von da ab allem Denken und Fühlen des deutschen Volkes die zwangs­läufige Dahn zum Ziel der Befreiung gewiesen, auch andere Völker wären dadurch in schärfsten Gegensatz zum französischen Volk gebracht, denn auch ihnen gegenüber wäre Frankreich vertrags­brüchig und auch ihre Interessen wären aufs schwerste verletzt.

Wir tooLen vor dem Dunkel der Zukunft nicht verzagen, denn auf alle Fälle steht eines fest: Frankreich erhält bei seinen Er- drosselungsmahnahmen nicht mehr die eng­lische Unterstützung. Sein Militär- und Er­oberungsgeist ist gebrandmarkt und wird viel­leicht noch drastischer sich gebärden, wenn eine amerikanische Vermittlung in Aussicht stehen sollte. Die innere Wehrkraft des deut­schen Volkes muh aus Zuversicht und Stolz erwachsen, sie darf aus der völligen Wandlung in den Auffassungen der Völker Wurzeln und Rahrung ziehen und sie muh sich geloben, innerpolitisches Gezänk fortan zu verpönen.

Eine Sitzung des Wiederherstellungsausschusses.

Paris, 5. Jan. Havas. Die Repara­tionskommission hielt hcu.e morgen eine Sitzung zur Regelung der laufenden Angelegen­heiten ab. Man erwartete mit einer gewissen Neugier, ob die englische Delegation trotz des Fehlens Bradburys der Beratung bei­wohnen werde. Sie war heule morgen durch den Beigeordneten Cook vertreten. Der Vorsitzende Bart Hou bat die Kommission, morgen zur Prüfung der Frage der deutschen Verfeh­lungen bei den Kohlenlieferungen» wieder zasammenuztreten. Die englische Delegation wird dieser Sitzu ig beiwohnen. Unter den laufen­den Angelegenheiten, die heute morgen erörtert

wurden, ist besonders die italienische For­derung auf deutsche Schiffe hervorzu­heben. Die Kommission nahm Kenntnis von der Auslegung des Artikels 3 des Zir.anzübereinlom- mens vom 11. März bezüglich des Ausgleichs für die Sachlieferu igen im Jahre 1923 und von der Tatsache, daß diese Auslegung von den Dele­gierten einmütig gebilligt worden war, sowie von dem Bericht des Sachlirferungsausschusses bezüglich der Restitutionskosten für 1923. Die Kommission prüfte schließlich noch die Frage der Schulden Danzigs und der Frage der Durchführung des Vertrages von T r i a n o n sowie noch einige andere minder wichtige Ange- legenheilen. Außer morgen vormittag wird die Kommission auch am Dienstag nachmittag zu­sammentreten. Cs ist wenig wahrscheinlich, daß die Frage des Moratoriums in der morgigen Sitzung aufgeworfen wird, die von der Kohlenfrage völlig in Anspruch genommen sein dürfte.

Wie Deutschlandgehört" werden soll.

Berlin, 5. Jan. (WB.) Der diplomattsche Mitarbeiter derAgence Havas" tfl zu der Mit­teilung ermächtigt, daß die Reparattons- k o m m i s s i o n (die eigentlich, nach dem Aus­scheiden Englands, gar nicht mehr besieht), int Ein­klang mit der Vertragsbestimmung der deutschen Regierung Gelegenheit geben werde, von der Kommission über die angeblich n i eutschen Te « fehlungen bei den Kohlenlieserungen für 1922 gehortzu ttxrie i. Die Verhandlung über diese Frage würde morgen vormittag in der Re- parationskommission beginnen, wobei auch dre englische Delegation re t eien sem werde. (?) Die Repa alio.iskommisston werde die deutsche Regierung au fordern, ihre Bemerkungen vor der Kommission an einem nahe bevorstehen­den Tage, etwa am Montag oder Dienstag, münd­lich vorzubringen. Die Entscheidung über diese Frage werde demnach wahrscheinlich erst Mitte nächster Woche fallen.

Die weiteren Schritte Frankreichs.

Paris, 5. Jan. (WTB.) DieLiberty schreibt, man habe den Eindruck, daß PoincarS keinen großen Streich vollsühre, sondern nur schrittweise vorgeHn werde. Es ver­laute, daß er zunächst bie Pfänder auf dem linken Rheinufer in Besitz nehmen und etwas später nach dem Ruhrgebiet gehen werde. Auf alle Fälle werde er abwarten, bis der Termin des 15. Januar verstrichen und das Versagen Deutschlands festgestellt sei.

Parlamentarische Interpellationen.

Paris, 6. Jan. (WTB.) Der Abgeord­nete Albert F a v r e, ehemaliger Staatssekre­tär im Ministerium Clemenceau, hat eine Interpellation eingebracht über die Be­dingungen, unter denen der Bruch zwi­schen Frankreich und Großbritan­nien auf der Reparationskonferenz erfolgte. Es wird angenommen, daß am kommenden Mittwoch, spätestens am Donnerstag Poin - care Erklärungen über die Pariser Konfe­renz geben wird. In der Kammer wird dieser Erklärung die Debatte über zwei bereits vor­liegende Interpellationen folgen. Von In­terpellationen im Senat ist bis jetzt nichts be­kannt geworden.

Poincar^ an feine Trabanten.

Paris, 6. Jan. (WTB.) DerMatin schreibt, Poincare habe gestern nach War­schau, Bukarest, Prag und Belgrad telegraphiert, um die befreundeten Regierungen über die durch die Konferenz geschaffene Lage zu unterrichten. Sie könnten aber beruhigt sein, man werde von ihnen nicht verlangen, zwischen den beiden Mächten zu wählen, die die hauptsächlichen Gründer dieser neuen Staaten seien. Sie wüß­ten, daß Frankreich mit ihnen sei. Es sei unwahrscheinlich, daß Eng­land, durch seine Schonung Deutsch­lands vorangetrieben, soweit gehen könnte, ihre wesentlichen Interessen zu vergessen. DerMatin" sagt weiter: Die Rheinarmee ist in Bereitschaft. Die Urlaube sind aufgehoben, die Urlauber find aufgefordert wor­den, zurückzukehren.

Poincare und Donar Law.

P a r i s, 5. Jan. (WB.) Dieäl nterredung, die heute vormittag Poincare und Bonar Law miteinander hatten, ist nach Havas rn le­bendiger und freundschaftlicher Form verlausen, u. a. habe Donar Law tie lebhafte Hoff­nung ausgesprochen, daß die Entente fvrtdaure und sich wieder festige.

Paris, 6. Ian. (WTB.) Rach demPetit P a r i s i e n" sagte Donar Law, als er sich gestern von Poincare verabschiedete: Ich wünsche Ihnen höchst aufrichtig Erfolg, denn wenn Sie keinen E -folg hätten, würde die französische öffent­liche Meinung es uns sicher zur Schuld unrecht nen. Sie würde glauben, daß die Dinge anders verlaufen wären, wenn wir Engländer mit Ihnen gegangen wären, was der Freundschaft bei­der Länder nur Abbruch tun könnte, während wir doch beide wünschen, daß sie unverändert er­halten bleibt.

Paris, 5. Jan. Ministerpräsident Poin­care stattete heute vormittag dem Präsidenten der Republik, M i l l e r a n d, im Elysee einen Be­such ab. Dieser hatte eine cklnterredung mit dem Ministerpräsidenten über die Lage nach dem Fehl- I schlagen der Konferenz. 3m Anschluß hieran be» I

sprach sich Poincarö mit dem Vorsitzenden der R> parationskommission, D a r t h o u. Hieraus slaitcte er dein englischen P r e m i e r in i n i si c r in seinem Hotel einen Besuch ab. Ferner batte er eine cklnlerredung mit dem italienischen De!c-per­len della T o r r e 11 a. Heute abend emofungl er den belgischen Präsidenten Theunis. Boiwa Law hat heute mittag Paris verlassen. Am D .hn-- hof war der Ministerpräsident Poincare erschie­nen, um sich von ihm zu verabschieden. Der ita­lienische Delegierte verläßt Heu c abend Paris, während die Belgier erst morgen abreijen werden

Englands Entschlüsse.

L o n ö o n , 5. Jan. (WTB.) Reuter. Bis ­her sind noch keine endgültigen Vorberc-ii-an- gen dafür getroffen worden, daß das b r i t i -- s ch e Kabinett morgen zusammcntreten und die Reparationskrise beraten wird. Die Zu­sammenkunft werde vielleicht bis zur nächsten Woche aufgeschoben werden, wo es dem Kabi­nett möglich sein werde, die Lage vollständig zu prüfen, wenn bekannt sein werde, welche- Vorgehen die ftanzösische Regierung gegen Deutschland ins Auge fassen werde.

London, 6. Jan. (WTB.) DemStar' zufolge wird die britische Regierung, falls dir französischen Truppen das R u h r g e b i e t be­setzen, formellen Protest erheben, der, wie von besonderer Seite verlautet, vollkommen (lac machen werbe, daß Großbritannien nicht nur der Aktion nicht zustimmt, sondern daß es auch keinereli Verantwortung für die Folgen übernimmt. Wie in London geglaubt werde, bestehe eine Gefa :r darin, daß die französische öffentlich- Meinung, wenn sie einmal ohne die Zurückhaltung handle, mit der Großbritannien ober auch die Vereinigten Staaten handeln, eher früher als später eine Gelegenheit benutzen werde, den Rhein zur Grenze zu machen, und entsprechend han­deln werde.

Die Haltung Amerikas.

London, 5. Jan. (WTB., Reuter mel­det aus Washington, das Staatsdeparle ment dementiere die Meldung, wonach die Vereinigten Staaten auf Ersuchen Gro:; britanniens einen internationalen Kongreß zur Erörterung der Reparationö- frage einberufen werde. Offiziell werde erllärt, die Vereinigten Staaken hätten bereits alles getan, was chnen möglich sei, um auf die Lösung des Problems hinzuwirken. Die A n - regung des Staatssekretärs Hug­hes, eine Finanzkommission für Beurteilung der Reparations­frage zu ernennen, fei der fran­zösischen Regierung unterbreitet worden. Jede Alnon wegen einer solchet- Kommission müsse notwendigerweise von Frankreich ausgehen.

Washington, 5. Jan. (WTB.) 3n seiner im Senat gehaltenen Rede erhärte Robinson bei Besprechung seiner Reso­lution über die Ernennung eineß amerikani­schen Vertreters für die Reparationskomm's sion, die heutige amerikanische Politik dec DeiseitestehenS habe Mißtrauen in der West hervorgerufen. Amerika wäre jetzt durch das amerikanische Interesse dadurch cetriebcn, eine hilfsbereite Haltung einzunehmen. Senator Lodge sagte, er sehe leine Bedenken, die Resolution Robinson an die Kommission für auswärtige Angelegenheiten zu verweisen Diese wird morgen zusammentreten.

London, 6. Jan. (WTB.) Wie aus Reu. York berichtet wird, schreibt dieNeuyot.' World" zu dem Abbruch der Pariser rifcre j,

die Grundursache sei die Frage, ob Deutschlandr Industrie im 'Namen der Reparationei zerstör, oder im Interesse des europäischen Handels wie de hrrgesiellt werden sollte. Die Engländer ' .i. heimgegangen und hätten es Franl.ri.ch übe lasen, seine Politik auszuführen Eine furch, bare Verantwortung liege auf der französischen Regierung. Sie sei Maßnahmen verpflichtet, die so gut wie d Gesamtheit der Neutralen gefährlich und störend seien. Frankreich sei frei zu handeln. sei ft'»i durch die Erfahrung zu lernen. Cs sei zu wünschen, daß diese Erfahrung nicht so fr f'uellg «ein würde, wie bie meisten Neutrast,- befürchteten.

DerNeuhork Herald" schTeibt, Ame­rika sei es sich selb st und der Weit schuldig, zu fordern, daß an die Stelle des Kampfes ein Schiedsgericht trete.

DieNeuhork TimeS fragen, ob die amerikanische Regierung die gegenwärtige Ge­legenheit ergreifen werde, um auf einen a n d c re n Plan für die Lösung der Repa rationsfrage zu bringen

London, 6. Ian. (WTB.) Reuter be­richtet aus Washington, es bestehe weinz G.und zu der Annahme, daß irgend eine Aende- mng brzüg ich dec amerikanischen Trup­pen am Rhein statt,inden weide selbst wenn F ankteich zur Durchführung seines Repa.ations- planes übergehen sollte. Es werde erklärt, dnß es nicht notwendig für Frankreich fein würde, die Erlaubnis zu erhalten, Truppen durch die amerikanische Zone zu bewegen, auch könnten sich sich die Vereinigten Staaten dieser Bewegung nicht widersetzen, es sei denn auf diplomatischem Wege.