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Zweiter Blatt
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)
IHontag, 5. März 1923
liefern. Er hatte einmal ehren Deserteur erf (Rieften sehen — ach, er kam dann nimmermehr heilt zur Mutter! So flickte er denn Wämser und Hosen und war der geduldige Prügeljunge.
Hier spielte er ater auf einmal eine CRofle. Dückler bediente sich feiner als Dolmetscher, denn es haperte mit seinem Französisch ebenfo sehr wie mit dem Deutsch der Französin. 2lur !beider Augen sprachen verständlich und als die ‘Dame ihn ums Kinn streichelte und mißbilligend dabei den Kopf schüttelte und das Ruschen rihiDfte, beorderte er sofort Jean-Claude, ihm den ‘Bart ratzekahl abzuscheren. Als er bann mit feinem glatten hübschen Gesicht vor die Dame trat, spitzte sie die Lippen: er erlaubte sich's, einen Kuh darauf zu drücken.
Des Hannes leicht entzündliches Herz briante lichterloh: so etn Püppchen hatte er noch nd malS unter den Fingern gehabt. Roch war er behutsam, solch eine, schön wie etn gemaltes Alta 'bild, muhte man mtt Vorsicht anfaffen. Er tat sich an, so fein er konnte: der hellblaue Rock hatte zwar Flecken, und die gestreifte seidene Weste schlottert« ihm ein wenig — die merkte den hungrigen V Inter — aber die schmiegsame gelbe Hose sah ihm noch um die Deine wie eine Haut. Er betrachtete sich wohlgefällig Den Brillantring des d"Aubry konnte er leider nicht mehr an den Finger st-cken, den hatte er verkaufen müssen, als die Juli« niederkam, aber er hatte noch eine Chatelain«, die bammelte ihm jetzt auf dem Dauch und s» konnte er sich wohl sehen lassen als Kavalier. Er machte lange Toilette in der Schlafiammer, die einen Spiegel am Mauerpfeiler enthielt und das Ehebett, in dem der Edinger, trotzdem es sehr weich und bequem war, wohl nicht allzu ent* genehme Stunden hinter dem rosengeblümten Vor» hang verlebe« mochte. (Fortsetzung IdLäLI
Ein wichtiges Reichsgerichtsurteil.
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die und
werden keiner Cöfung zu stimmen, die nicht Rheinlande m ihrem ganzen territorialen staatlichen Bestände ungeschmälert Iaht.
Grünberg B.- u. R -Gemünden Alsfeld Lauterbach Fulda Lich Hungen Ridda Stockheim
Büdingen
Die Eisenbahnfahrpreise nach der Erhöhung am I.Marz 1923
(Eigene Information des .Giehener Anzeiger-'.)
Die Bahnsteigkarte kostet BOTEL, die Fahrradkarte 320 Mk.
Die Gepäckfracht ist auf 4 Mk. für 10 Kg.
und 1 Kim., mindestens aber auf 400 Mk festgesetzt.
Die Erprehgutsracht ist um 60Proz. erhöht.
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mit dem Auszug im Verzüge ist.
Der Umftanb, dah der Beklagte nach der Verfügung des Oberbürgermeisters nicht gezwungen werden kann, die bisher innegehabte Wohnung zu verlassen, da das Wohnungsamt bescheinigt, dah der Beklagte obdachlos werden würde, kann den obigen Erwägungen nicht entgegengehalten werden, denn die Beifügung des Oberbürgermeisters, die im allgemeinen öffentlichen Interesse erlassen worden ist, kann nicht als geeignet erklärt werden, in das Zivil- recht einzugreifen und die Begriffe .Verzug" und .Verschulden" zu beseitigen. Der Mieter, der im Hinblick auf die Verfügung des Oberbürgermeisters in der Wohnung verbleibt, tut dies auf feine Gefahr und Kosten, da er in der Lage ist, sich eine ander- weite, wenn auch unbequeme, Unterkunft zu verschaffen."
Aus Stadt und Land.
®t«6en, den 5. März 1923
Eine wichtige Entscheidung des Oberlandcsgerichts, in gewissen Fällen für das Wohnrecht von
standspreis nach amtlichem Taaeskurs der ausländischen ‘Währung vom Tage des Verkaufs festgesetzt werden. Der preuftische Iustizminister hat die Strafverfolgungsbehörden angewiesen, in allen derartigen Fällen mit möglichster Beschleunigung und grösttem Nachdruck wegen Preistreiberei einzugreifen. Wenn durch Qlbrebc von Verbänden oder Vereinigung einem Sinken der Preise entgegengewirkt wird, kommt eine strafbare Handlung m Frage.
Oef fentl iche Dücherhalle. Im Februar wurden 2151 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 1258, Zeitschriften 142, Iugendsch, iften 258, Literaturgeschichte 19, Gedichte und Dramen 37, Länder- und Völkerkunde 83, Kulturgeschich'e 37. Geschichte unb Biographien 109, Kunstgeschichte 8, Naturwissenschaft und Technologie 121, Haus- und Landwirtschaft 15, Religion und Philosophie 32. Sprachwissenschaft 23, Fremdsprachliche '4 Bände. Vach auswärts kamen 36 Bände.
** In der Gesellschaft für Erd - und Völkerkunde sprach am. Dienstagabend Dr. jur. et phil. Alfredo Hartwig über: .Chile, Land unb Leute". Der Staat Chile hat bei einer mittleren Brette von 180 Km. eine Längs er streckung, die der Entfernung ‘Berlin— Tschadsee in Afrika gleichkommt. Dabei reicht er von der südlichen gemäßigten Zone durch das Steppengebiet in das Gebiet der Salpeterminen im Vörden. An Hand einer großen Zahl aus- gewählter Lichtbilder führte der Vortragende die Zuhörer von Süden durch das Land bis nach Vörden. In den bewaldeten Fjorden der Magal- lanesstrahe, in denen die Gletscher das Meer erreichen, beginnend, zu den großen Schaffarmen im Innern, durch das Inselaewirr der Westtüste bis zum schöngelegenen Hafen von Valparaiso
Der Reichskanzler über die nationale Abwehr.
Berlin, 3. März. (WT2.) Reichskanzler Dr. Cuno empfing einen Vertreter der .Kölnischen Volkszeitung" zu einer Unterredung, in welcher der Kanzler unter anderem sagte:
DaS ganze deutsche Voll unb die Reichsregierung bringen den Deutschen am Rhein mb an der Ruhr das Gefühl tiefsten und herzlichsten Dankes entgegen für ihre Standhaftigkeit unb Treue, die sich in dem schweren Abwehrkampf, in dem wir stehen, jeden Tag aufs neue zeigen. Wir kennen alle die Opfer wohl, die das deutsche Volk tm Westen bringen muh, wir fermen auch die Leiden, unb wir fühlen sie mit. Wir sind aber willens, alle Vot zu linbern, so- wett wir nur irgend dazu in der Lage sind.
unb der höher gelegenen Hauptstabt Santiago. Schöne Kirchen unb Bauten im Barockstil zeichnen die Stadt aus, in der viele Deutsche leben und tätig sind. Das Militär ist nach deutschem Vorbild ausgerüstet unb auÄgebilbet Der nördliche Teil des Landes ist Wüste. Hier befinden sich die Salpeterlager, die häufig weihen Eisschollen ähnlich das Land bedecken. In einer groben Zahl Fabriken wird dieses für die Landwirtschaft so wichtige Düngemittel abgebaut. Trotz der Schwierigkeit, tn der Wüste für Lebensmittel unb Wasser zu sorgen, sind bie Fabriken gut mit allem ausgerüstet. Die Lager liegen in einem gewaltigen Längstal, ber Atacamawüste, das ber Küste parallel verläuft und von ihr durch bie Vorkordilleren getrennt ist. Dieses Tal wirb auch von der Bahn benutzt, die den Salpeter zur Küste bringt und bie Lebensrnittel zu den Vlinen. Antosagasta unb Iquique finb bie HauptauL- fuhrhäfen. Diese Teile Chlles werden häufig von Erdbeben heimgesucht, so dah die Häuser auS Holz gebaut werden, um vor Zerstörung gesichert zu sein. Doch nicht allein die Erschütterungen des Bebens wirken hier zerstörend, vor allem warf das Meer beim letzten Erdbeben mächtige 3 luten
Wenn man in Paris geglaubt hat, dah die vier Jahre Fremdherrschaft oas rheinische Volk mürbe gemacht haben, so mühte man erkennen, wie bitter man sich in dieser Annahme getäuscht hat. Wan hat den friedlichen Sinn ber Rhein- länber für Vachgiebigkeit gehalten. Das waren Illusionen unb werden Illusionen bleiben. Man man Mahnahmen treffen, welcher Art man will, sie alle werben stets am deutschen Sinn ber Rheinländer scheitern. Man hat in Paris soviel von der Rheinischen Republik gerebet unb glaubt vielleicht, nun drrch bie zahlreichen Beamtenausweisungen bie Vorbedingungen bafür geschaffen zu haben Herr Dariac hat ja vorgeschlagen, die .preuhischen" Beamten durch rheinische zu ersehen. Die übergroße Mehrzahl der Ausgewiesenen sind aber geborene Rheinländer, die fest in ihrer Heimaterve wurzeln, und wenn man nun hofst, dah sich Deutsche finden werden, die sich den französischen Wünschen gegenüber willfährig zeigen werden, so wird man abermals eine bittere Enttäuschung erleben. Vach solchen Männern wird man im Rheinland vergeblich suchen, und wenn es Verführer und Verführte gibt: die Kraft des einigen Willens wird sie hrnwegheben wie Staub vor dem Winde. In Paris sprach mann soviel davon, dah die deutsche Regierung liefen Abwehrkampf entfacht habe. Die Abwehr aber wuchs im Volk, wurde stark am Voll, und wird noch täglich stärker. Die Franzosen und Belgier haben in vielen Fällen deutsche Beamte, well sie den deutschen Gesehen getreu waren, von Heim und Herd vertr.eben. Diese Männer haben c ft keine Zeit gehabt, ober sie sind daran verhindert worden, ihr Hab und Gut mitzuneh- men. Diese Vertriebenen sind in Berlin gewesen -'nb hab.-n uns getagt: .Veh-rnt feine Rüksichi auf uns, einmal muh nun dieser Kamps gekämpft ., >ca, einmal mutz i sich nun ettscheiden, ob Vernunft oder Gewalt herrschen sollen, ob der Rechtsbruch und der Vernichtungswille liegen werden, oder ob eine freie, ehrliche Verständigung möglich ist. bie uns in Freiheit leben läftt.“ Solche Stimmen ‘haben wir gehört, so haben auch die Arbeiter und die Arbeitgeber gesprochen. Dah das die wirklich währe Volksmeinung ist, beweist ■»er Welt täglich das Dechalten der ganzen Be° olferung am Rhein und an ber Ruhr. Aus clcher Dvlksgesinnung holen wir uns im unbesetzten Gebiet, holt sich auch bie Reichsregierung die Kraft zu neuer Abwehr der neuen französisch- belgischen Pläne. Wir mögen bie Safloren unserer Ab wehr wohl, und unser stärkster Faktor ist ber unerschütterliche Fve?hrttswille des Volkes, das jetzt unter den französischen und '»elgischen Bajonetten rechtlos und unfrei zu leben gezwungen ist. — Untere bedrängten Volksgenossen sollen aber auch wissen, dah wir nicht untätig sind. Wer ist ‘heute in Deutschland, ber, an verantwortlicher Stelle stehend, anders gehandelt haben würde, als wir eS getan haben? Wir provozieren nicht, arir prahlen nicht, totr wollen keine großen Worte gebrauchen. Wir wissen genau, warum dieser Einbruch unternommen worden ist. Deshalb muh unsere Abwehr fest bleiben. Wir geben uns keinen Illusionen hin und verhehlen uns nicht, dah wir vielleicht noch eine längere Zeit hindurch in diesem bitteren Abwchrkampse auszuharren haben werden. aber wir wissen auch, dah wir ausharren müssen, wenn wir nicht alles verlieren wollen, und wir wissen, daß wir ausharren können. Wir versäumen nichts, um unseren Volls- genossen vorne int Schützengraben das Ausharren zu ermöglichen, wie gleichzeitig auf allen gangbaren Wegen eine Lösung vorzuberetten. Wann tiefe Lösung kommt, wissen wir nicht. Unser Ziel ist klar vor aller Welt: Wir wollen die Freiheit des wider.'echt sich besetzten deutschen Landes, wir wollen unser Recht auf Leben, wir wollen ein freies, einiges Deutsches Reich und
weittragender Bedeutung ist, bringt die „Darm- , städter Zeitung" zur öffentlichen Kenntnis. Das Blatt berichtet: ,
Der Mieter, der sich verpflichtet hat, zu einem bestimmten Zeitpuntt auszuziehen, macht sich, wenn er nicht auszieht, sondern im Hinblick auf die Bescheinigung des Wohnungsamts, dah er im Falle der Vollstteckunq obdachlos werde, in der Wohnung weiter verbleibt, unter ümftänben dem Vermieter gegenüber entschädigungspflichtig. (Entscheidung des Oberlandesgerichts in Darmstadt vom 13. Februar 1923, U 10 23.)
Der Beklagte (Mieter) hatte sich, nachdem er seine Hofreite an den Kläger (Vermieter) veräuhert hatte, durch schriftliche Erllärung verbindlich gemacht, am 1. April 1922 auszuziehen. Don dem Zeitpunkt der Veräußerung ab bis zum l.Aprll 1922 bestand unter den Parteien ein Mietverhältnis, da der Beklagte in dem verkauften Hause noch einige Räumlichkeiten als Mieter inne hatte. Der ‘Benagte zog am 1. April 1922 nicht aus, da er eine andere Wohnung nicht finden konnte, er wurde durch Urteile des Amts- und Landgerichts zur Räumung verurteilt: die Vollstreckung konnte nicht erfolgen, da das Wohnungsamt bescheinigte, dah der Mieter obdachlos werden würde. Der Vermieter hat deshalb eine Klage gegen den Mieter erhoben, in der er beantragt, den Beklagten zu verurteilen, den durch den Verzug entstandenen Schaden, mindestens 100 000 Mark, zu zahlen. Das Oberlandesgericht hat den Antrag dem Grunde nach stattgegeben aus folgenden Gründen:
„3ür das unter den Parteien bestehende Verhältnis ist davon auszugehen, dah in Ansehung der von dem Beklagten bisher benutzten Räume ein Mietvertrag bestanden hat, und dah dieser Miet- verttag nach der Erklärung des Beklagten im Schein vom 2. Februar 1922 am 1. April 1922 fein Ende erreicht hat. Der Beklagte war verpflichtet, am 1. April 1922 auszuziehen, und von einer still- I schweigenden Fortsetzung des Mietverhältniffes kann bei der hier gegebenen Sachlage keine Rede sein (§ 568 BGB ). Es ist vielmehr für die Parteien vom 1. April 1922 ab die Bestimmung des § 557 BGB. mahgebend, wonach, wenn der Mieter die gemietete Sache nicht nach Beendigung des | Mietverhältniffes zurückgibt, der Vermieter für die Dauer der Dorenthaltung als Entschädigung den : vereinbarten Mietzins verlangen kann: dabei ist die Geltendmachung eines weiteren Schadens nicht ausgeschloffen. Der vereinbarte Mietzins ist hiernach der Mindestbettag der dem Vermieter zukommenden Entschädigung, die sich aber bei Verschuldendes Mieters entsprechend erhöhen kann. 3m gegebenen Falle liegt ein Verschulden des Beklagten vor: er war verpflichtet, am 1. April 1922 auszuziehen: er hat diese Bei pflichtung vorsätzlich unterlaßen und keine Anstalten getroffen, seinen Auszug zu bewerkstelligen. Der Bellagte kann sich nicht darauf berufen, dah er nach der Bescheinigung des Wohnungsamts eine andere Wohnung nicht habe erlangen können, denn er war in der Lage, seinen Auszug insofern zu bewerkstelligen, dah er für seine Hausmöbel einen Raum behufs Unterstellung suchte und für sich und seine Familie einzelne möblierte Zimmer mietete. Dah diese vorübergehende Mahnahme nicht durchzuführen gewesen wäre, ist von dem Beklagten in keiner Weise nachgewiesen worden. Von einer Llnmöglichkeit der Leistung im Sinne des § 285 BGB. kann daher keine Rede sein: es liegt vielmehr ein vorsätzliches Verschulden des Beklagten vor, für das er nach § 286 BGB. einzutreten hat, da er seit dem 1. April 1922
Rach bet neuesten GisenbahnsahrpreiSerhöhung kostet eine Fahrkarte (die Preise nach L, 1L, 111. IV. Klaffe berechnet) von Giehen nach
< ülmgeleitete Schnellzüge. Die Trier ........
feindlichen Mahnahmen im Einbruchsgebiet ha- Dillenburg den weitere Zugumleitungen erforderlich gemacht. Saiger........
Seit Freitag berühren folgende umgeleitetc Betzdorf Schnellzüge unseren Bahnhof: D 207 Frankfurt— Eitorf.........
Siegburg, Giehenan 3.20 nachts, ab 3.28 nachts: Siegburg D 208 Siegburg— Frankfurt, Giehen an 3.13 Köln.........
nachts, ab 3.23 nachts: D 47 Frankfurt—Siegen- Aachen. - . . - - • Hagen (Anschluhzug von Siegen nach Siegourg Stegen über Betzdorf im Plan 81), Giehen an 8.33 vormittags, ab Hagen........
8.41 vormittags; D 270 Siegburg—Frankfurt, Dortmund Giehen an 12.21 nachmittags, ab 12.31 nach- Lollar........
mittags: D 58 Hagen—Siegen-Frankfurt, Marburg Giehen an 12.57 nachmittags, ab 1.05 nachmit- Treysa taget; D 57 Frankfurt—Siegen—Hagen (hält in Kassel Dillenburg), Giehen an 631 abends, ab 6.44 Hannover abends: D 269 Frankfurt—Siegburg, Giehenan Braunschweig .... 7.16 abends, ab 7 26 abends: D 48 Hagen-Siegen Hamburg.......
— Frankfurt (Anschluhzug Siegburg-Siegen im Magdeburg Plan 82), Giehen an 9.53 abends, ab 10.06 Bersin .......
abends. Zwischen Köln und Porh-älrbach ist für Leipzig über Fulda Reisende von und nach Siegburg Pendelbetrieb Dresden.......
eingerichtet. Erfurt.........
** I n Preistreiberei ftrafsachen Weimar soll nach einem Rundschreiben des Reichswirt- Breslau schaftsmrnisters an die Spihenverbände des Er- Die Schnellzugzuschläge stellen sich: werbslebens auch die Verbesserung der Mark in ffa 1— 75 km (1. Zone) in 3. Klaffe vollem Umfang berücksichtigt werden. Selbst bei 2.
bereits hereingenommenen Waren soll der Ein- „ 1. „
für 76—150 km (2. Zone) „ 3.
„ 2. „ über 150 km (3. Zone) „ 3. „ 2. „
In Rr. 55 der .Mitteilungen des Deutschen Industrieschutzverbandes", Sitz Dresden, wird auf ein Reichsgerichtsurtett verwiesen, das für wette Kreise von Bedeutung sein dürfte. Es handelt sich um die Frage, ob etn Arbei tnehmer, dessen Einspruch gegen ferne Kündigung vom Schsichtungsäussc^ist als gerechtfertigt bezeichnet wurde, und dem für den Fall, dah der Arbei gebet seine Weiterbeschäftigung a b I c b n t, eine Entschädigung zugesprochen worden ist (§ 87 BRD.), auch noch Anspruch aus Entlohnung biszum Ablauf der Kün - digungszeit hat. Die Gerichte, die sich mtt der Frage zu befassen hatten, haben diesen Anspruch teilweise zuerkannt, teiltoetfe abgesprochen. Das Reichsgericht hat sich nun auf den Standpunkt gestellt, dah neben ber Entschädigung fein Anspruch auf Ent lohnu ng bestehe, da die nach 8 87 des BRG. zuaebilligte Entschädigung den Charakter einer Avgel!u..g . aller Ansprüche habe, nicht etwa den einer Art Schmerzensgeld für bie ungerechtfertigte Ent- Bad-Rauheim. '. [G||unQ. I
Sn derselben Stummen der „Mitteilungen" Qjilbel B ist auherdem noch ein Urteil des La n d g e r i ch t s ^ranffurt /mfainx l Berlin enthalten, das sich edenfaL mit der (-UCam)-
Entschädigung auf Grund des § 87 des BRG. Darmstadt ..... befahl und entscheidet, dah nur derjenige Arbeit- nßoring nehmet überhaupt erst einen Anspruch auf Ent- ny»-nn6e;m' ' schädigung hat, ber ein volles Jahr in d«n Ä -
Betriebe beschäftigt gewesen ist. Das BRG. habe München die Vorteile des Einspruchsverfahrens nur solchen —
Arbeitnehmern zugute kommen lasten wollen. Limburg . '
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Unter dem greiheitsbcrum.
Roman von Clara Viebiz,.
55. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)
.Haalt, noch ’n Momang!" Der Dückler warf einen Blick m den Wagen. Da sah noch eine drin, die Kammerfrau, und zitterte. Sie hatte den Mantelzipfel fallen lassen und lächelte süh — es war am besten, sich mit diesem Räuber gut zu stellen — sie machte Miene herauszukrabbeln. Bleibt nur sitzen," sagte der Dückler trocken und schob sie wieder zurück. .Euch brauchen mir hier nit Der Kleine da, der kann sich noch bei Sie sehen" Er schubste den Diener au ihr hinein. Unb bann: „Allez wit, abgefahren!'
Der Wagen rollte davon.
„Erlaubt schone Dame!" Sorgsam legte Johannes Dückler der Veslris den Reisemant^ der tbr herabgeglitten war. fester um ihre Blöhe. ,Dat Ihr Euch nit verkühlt!" Galant bot er ihr den Arm. „
Sie nahm den. sie sagte kein Wort-^Das war hoch die merkwürdigste von all den merkwürdigen Situationen, in benen sie sich schon befunden hatte! Ihr war gar nicht so angst, wie es vielleicht anderen Frauen in gleicher Sage gemefen wäre. Der Mensch sah durchaus nicht übel aus! Sie warf einen schnellen Blick auf ihn von der Sette, bann vertieften sich Grübchen in ihren zart gepuderten und getuschten Wangen. Em bildhübscher Wann! Run hatte sie die Abwechslung, nach ber sie sich gesehnt hatte, ein Abe.r- teuer, aber etn gar nicht so kleines. Ihr Herz flobfte nun doch Ihr Gesicht rötete sich von der frischen Luft, sie We tapfer die Füha
ork>r sehr ball» wurde sie raube. Ihre Atlas-
schuhe hielten dem Weg nicht stand. Ein Gehen auf einem Weg war es ohnedies nicht, es war nur ein Klettern über Wurzeln und Felsen- fchctter. Sie fliegen geradeaus einen Berg hinan. Wett unten verschwand die Strafte. Wald. Felsen und wieder Wall» und weiter gar nichts.
„Wohin führen Sie mich?" Sie sagte es auf Französisch
Er verstand sie nicht ganz, aber er druckte ihren Arm: „Et geschieht Euch nix."
Hinter ihnen keuchten die beiden anderen, sie hatten die Koster sich aufgeladen.
Es wurde noch rauftet und steiler, für die zarten Schuhe noch unwegsamer. Die Vestris strauchelte, sie tonnte nicht mehr, obgleich sie die Zähne zusammenbift: sie (lieft einen tiefen Seufzer aus und blieb stehen. Da hob der Räuber sie auf und trgg sie. Leicht legte sie den Arm im feinen Racken und lieft, lächelnd, sich tragen: ch, es gab doch Kavaliere hier!
Das Sommerhaus des Edinger war auch jetzt schon behaglich, obgleich es noch nicht einmal FÄHling war. Placken-Klas hatte mit Buchen- lloben den Kamin vollgestopft, es war so warm im Raum, daft Cecilie Vestris das Schaudern verging. Das hatte sie doch angeweht beim Eintritt in dies einsame Haus, in dem außer ihr keine Frau war. Rur lauter Männer. Aufter dem hübschen Schlanken gingen noch zweie ab und zu, die sahen aus wie borstige Eber, die die Zähne (letschten. Ihre Augen schielten sie an aus verwüsteten. lange nicht vom Bartbaar befreiten Gesichtern. Hab da war auch noch ein Dritter, der sah nicht so schlimm aus, obgleich er noch armseligere Äletbung trug als die anderen zwei. । Er hatte sogar ein gutmütiges Gesicht, mit den I Augen eines verdutzten Hammels
Die Tänzerin war sich vollkommen ihrer Lage Bctouftt Was würden ihre Verehrer in Parts sagen, wenn sie dieses Qlbenteuer zum besten gab! Es gehörte wirklich Mut dazu, hier nicht zu Hagen und zu weinen. Die Vestris war ein Kind der Pariser Gusse, sie erinnerte sich auch als groste Dame sehr gut daran, wie man mit dergleichen Leuten umgeht. Sie zeigte ihr gefälliges Lächeln und touftte es dem Anführer bald flar zu machen, daft sie nicht von den borstigen Ebern bedient sein wollte, sondern den nerbuftten Hammel vorzöge. Unb siehe da, der sprach besser französisch als deutsch.
Dieser Junge mtt der dummverwunderten, geduckten Miene war der Bursche Jean-Claude, der damals den Kapttän d'Aubry begleitet hatte auf feinem Ritt über den Reifer Hals. Er hatte feinen Herrn fortschleppen sehen und tonnte ihm nicht helfen, selbst wenn er's geawllt hätte. Aber er wollte es gar nicht: d'Aubry war ihm kein guter Herr gewesen, und der Räuber waren sehr viele. Ihm taten sie weiter nichts, sie nahmen ibn aber in ihre Mitte, unb er nuiftte mit, obgleich er ihnen. tDcinenb erzählte, baft er zu feiner Mutter nach Haufe wollte. Sie lachten ihn aus. Sie da 5 ?n gar nicht daran, ihn laufen zu lasten: ber tö.i c sie ja verraten. Unb dann: etn gelernter Schneider, ei. den konnten sie gut gebrauchen! Selbst als bie anfangs ständige Bewachung sich S' fert hatte, tarn Jean-Claude nicht der ®e- e an Flucht. Wohin sollte er auch bei diesem grausamen Winterwetter? Verschnett unb verfroren würde er sich verirren auf unbekannten Wegen. Entweder ber Dückler fing ihn wieder ein, und er nuiftte bann schreckliche Martern erdulden, ober er fiel streifenden Gendarmen in die Hände, lind davor hatte ex die gröftte Angst: die würden ihn der französischen Militärbehörde aus-


