Zweiter Blatt
Nr. 18
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- Marz 1923
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(Rachdruck verboten.)
19. Fortsetzung.
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träge cs, der durch die Ereignisse der letzten 13 Wochen auch unter seinen bisherigen eifllgsten
Fd mit Sessel,Stüble, und itnmeaiii iu rfr. in b. Geschcislö- ner Anzeigers.
Unter dem KreiheitZbaum
Roman von Clara Liebig.
bähen umionitbieSro^ üüre. „Tic Ursache des -lotterns nnd Beseitig Mgobne Arzt «.ohne ohne 9lnftflltdbeiad)N, selbst ein sehr fintier be mich nach vielen oct« selbst geheilt. ,U,A rnnover, üriesenstr. 33.
Freunden und in großen Teilerr des französischen Volkes selbst schon schwere Einbußen crlit- icn hat, durch Jahrzehnte, vielleicht I-rh.hunderte hinaus in das Gegenteil verwandelt hat.
Ich betrachte es schließlich nicht als das Walten des blinden Zufalls, sondern als Fügung einer'höheren Gewalt, daß sich am Karsamstag die Ermordung und Derwundung zahlreicher treuer Söhne der katholischen Kirche gerade m
!; dem Augenblick ercigrete, wo der beglaubigte . Vertreter 6r. Heiligkeit des Pap - st es, des unentwegten treuen Hüters und Förderers der Menschlichkeit, Milde und Gerechtigkeit, in den Mauern Essens weilte.
Sie. Herr General, und die französische Regierung haben durch Havas eine Meldung verbreiten lassen, wonach Ihre Truppe durch Ge- > tvolttaten der Kruppschen Arbeiter zu tiyrem 4 mörderischen Dorgehen veranlaßt worden sei. Schon jetzt iveise ich diese vom französischen Standpunkt aus Wohl verständliche Fälschung des Geschtl-er.en und der Geschichte entschieden zurück: Wenn Kruppsche Arbeiter sich spontan der Dersuchc, sie ih.er Produktioiismittel zu berauben, durch Massenansammlungen mitten aus 1 der Werkstatt heraus und durch Worte berechtigter Entrüstung zu erwehren suchen, wenn sie (es fertig bringen, diszipliniert, wie sie es als qualifizierte deutsche Arbeiter des Ruhrbezirks sind, durch ihren Betriebs rat der Truppe un- gesä'hrdeien Rückzug und Abmarsch zu sichern, so entfällt damit aber auch der leiseste Borwand' für die Truppe und ihre Führung für : ein MaIsenverbrechen der Feigheit.
Die sie es begangen haben.
Ich ftoffc. so schließt der der Sozialdemokratie angehörige Regierungspräsident, von Ihnen. Herr General, un er ausdrücklicher ‘Betonung, daß der Essener Arbeitermassenmvrd das gesamte besetzte Gebiet und besonders den Ruhrbezirk zur Siedehitze erregt hat. das) Sie unverzüglich alle Maßnahmen ergreifen, die 1 wenigstens Ihre Absicht erlernen lassen, daß Sie sich nicht mit jenem Massenmord iden-
Die Fima 5eu= Hng & Co., ®. w. b. H, Fabrik buch litbcr Saumotenalier in Gießen,ist lauiD«. fammlungsbeW am l. November 1921 in Liquidation Yb lrel«n. 3“ 2* bat« P 5" Ol*
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„Warum läufst du fort vor mir?" fragte Marlin. „3d> lauf dir doch nach, ülird wenn Da bis dahin läufst, wo die Welt ’n End hat."
Sie rührte sich nicht.
Er sprach Wetter: „Ich hab dat Aufgebot gestern bestellt. Rächsten Sonntag hängen wir aus an der Kirch Heber vier Wochen bist du meine Frau."
Rein," sagte das Mädchrm. Es sah nicht auf.
"Doch" sagte der Bursche. Fester drückte er ihre "Haiti) und sah sie liebreich an. »Hast du mich denn nit e bißchr lieb?^' ., , ,
.Doch doch" schluchzte sie plötzlich, „ich hab dich sehr lieb, aber gerade darum will ich dich i nit. Du sollst keine Frau haben aus die alle Leut mit Singern zeigen: Dat is dem Hans Bast seine Tochter, der war en Räuber und — , he schrie auf, riß sich los und verbarg ihr Gesicht ilt den Händen. „Martin, und wenn et oazu noch wahr wär, dat eine Kugel vom Hans Bast deinen Bat ter getroffen hat — o, Oesus Marra, dat wird doch nit auch noch wahr sein?!
„Sei ruhigI" Der Martin sprach zuversichtlich „Ich glaub dat nit. 11 nb dat ich et nit glaub, bat is doch die Hauptfach Und wenn et war. kennst du dafür? Ich lieb dich ich will dich, und alles andere geht mich nif anl“
2wami wunderte sich über den Mullerssohn — so jung noch und soviel Energie! Und eigentlich nur ein einfacher Mensch, ein Ganbftnb, und d. so viel Feingefühl. Und vor allem so große Ciebe! Es wurde ihm plötzlich heiß, es stieg ihm wie Scham zu Kopf: War denn auch er dieser * Unbekümmertheit fähig, die alles andere bewerte läßt und einzig und allein dem Trieb folgt, der den Daum blühen läßt und die Frucht reifen/I Dein Gesicht war sehr ernst. Er beneidete diesen
Ein wuchtiger Anklagebrief an General Degoutte.
E l b e r f e l b, 31. März. (Wolff.) Regierungspräsident G r ü h n e r uvcrsaiidte dem lominan- dierenden General der Rheinarnwe. D e g o u l i c, ' durch die Hand des Generals Denoignes in Düsseldorf folgendes Prolestschreibrn:
Am 31. März 1923 haben Ihnen unterstellte Truppen bei dem icchtswidligen Versuche, in den Kruppschen Werken in Essen Werksautomobil e z u entwenden, unter den Arbeitern, die sich in vorbildlicher Entschlossenheit dem Dor- lxrben, sie dieser wichtigen Produktionsmittel zu berauben, widersetzten, ein Blutbad angerichtet, tag den Tod von 9 und die schwere Derwundung von mindestens 30 tüchtigen Arbeitern und Familienvätern zur Folge balle. Don den Schwer- verwundeten ringen zur Zeit 3 mit dem bc- slimmten Tode Die Zahl der Leichtve letzten übergehe ich in diesem Falle als unwesentlich. Ich habe.in den letzien Tagen im unbesetzten Deutich- land m öffentlichen Versammlungen das Derhal- ten Ihrer Truppen seit dem 11. Januar 1923, dem Tage der llebeinabme ihrer Aufgabe, eine fricb- z liche Ingenieurkommission zu schützen. wiÄ>erholt zusammensassend dahin geschildert, daß es fein Verbrechen und Vergehen des deutschen Strafgesetzbuches, ja der Kriminalgesctzgeburg der gesamten Kulturwelt gebe, das Ihre T r l p - pen auf deutschem Boden seit dem 22 Januar 1923 nicht begangen hätten. Ich hätte nicht geglaubt, daß diese meine Worte durch den Arbeitermassenmord des Essener Dlulsams- tags, begangen an Arbeitern jeder politischen Rlch- tung, einschließlich der Kommunisten, eine derart rasche und fürchterliche Bestätigung finden würden. Ich beschränke mich diesmal nicht darauf, Ihnen in meiner Eigenschaft als verantwortlicher G.'tter des Regierungsbezirks Düsseldorf den benibar schärfsten Protest wegen der Bluttat zu übermitteln, sondern spreche Ihnen diesmal als Wort- Halter der Ermordeten. Scbtrer- und Geicbtrertoun- belen und künftigen Krüppel, sowie deren Witwen und Waisen, Frauen und Kindern, meinen tief- ’ ft e n Abscheu über das Wüten Ihrer Ihnen unterstellten Soldateska, besonders deren Of- fixiere, aus. Ich bin überzeugt, daß mein Urteil die Billigung aller Dölker haben wird, denen das menschliche Geben noch ein Heiligtum ist und glaube, daß der Essener Blut- samstag den Ruf Frankreichs als eines Kultur-
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Mittwoch, 4. April (923
Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
tifizieren. Das schwere Unrecht wird auch die strengste Sühne nicht unce.chehen machen. Zum Scl-luß seien Sie versichert, daß ich die charse Sprache dieses Schreibens nicht spreche, wril ich zur Zeil im unbesetz en Deutschland weile. 3d) erkläre mich ausdrücklich bereit, für das'elbe Vor jedem französischen Kriegsbericht mit meiner Person einzuslehen, sofern mir dieses im vollen Umfange die Erbringung des Wahr- h.itsbew-rises für meine Behauptungen zusichrrt. Wenn Sie und die französische Regierung die Wahrheit nicht zu fürchten brauchen, dann wählen Sie diesen W-eg.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 4. April 1923.
Die Ncich,?-Tcttcruttgsziffcr.
Rach den Feststellungen des Statistischen Reichsamts beträgt die Reichsinderziffer für die Gebenshal.ungskvsten (Ernährung. Wohnung. Heizung. Beleuchtung und Bekleidung) im Durchschnitt des Monats März 2854 (1913/14 — 1) gegenüber 2643 im Februar. Die Ziffer zeigt demnach im Vergleich zu den sprunghaf en Steigerungen der letz.en Monate eine verhältnismäßig geringe Erhöhung um 8v. H. Die Indexziffer ohne D.kieidungskosten flieg um 9.1 v. H. auf 2627. Die Emährungskosten erhöh en sich gegenüber dem Februar um 4.1, auf das 33!5fache, Dekleidungskoslen um 3.8 v. H auf das 4323fache der Dorkilegszeit. Das in der zweiten Hälfte des Monats Februar einsetzende Stocken in der Auf- wärlsbewegung der Preise setzte sich im März fort. Eine Reihe von Gebensmitteln hat sich nicht unwesentlich verbilligt, vor allem ausländ.sche Fette, Fleisch und Fische: auch Reis. Hülsn ftüch e.Rähr- miltel und Kartoffeln gingen fast überall im Preise zurück. Andererseits wurden Bitter, Milch und Eier teuier; besonders haben sich die Kosten für Wohnung, Heizung und Dcleuchung erhöht.
•
** Den ZOOObrojentlgen Zuschlag z u den Schorn st einsegergebühren, dm die hessische Regierung kurz.ich angrovdnet ba‘, macht ein Geser unseres Blat es in einer Zuschrift an uns Aum Genenstand ernster Kritik. Er schreibt, über diese Festsetzung herrsch: bei den Bewohnern i.t Stad: un? Gan) allge.ne.nes Kopf- schutteui un) große Ilnzu.riedenhe.t. „Ei> Beispiel", so heißt es in dem Briese, „mag beweis n, wie sich das Hmaufaeiben der Kann ifege- gebühren in Mark und Pfennigen äußert, weiche Last jetzt gegen früher den In.-ader einer Wv)- nung trifft. An sang Dezember v. I. wurden für ein vieritöck ges Gebäude an Fegelohn in Gi ß n 414,20 Mk, oder für jeden Mle.er im Hause 69 Mark bezahlt. Ende März d. I. betrug-der Fege- lohn desselben Hauses 5014 Mk. oder für jed.n der 6 Mieter im Hause 833 Mk. D.e Arbeitszeit, während welcher die Kamine gereinigt wurden, betrug rund eine halbe Stunde. Der Fegelohn im Stieben betrug für das ganze HiuZ 10.60 Mk. resp. 18,50 Mk. für beide D,erteljahre. E'< ist an der Zeit, den 7000prozentigen Zusch ag der Scho n- steinfeger auf ein erlrägnches Maß herunter u- sehen. Hier könnten sich dir Hausbesitzer- and Mietervereine die Hand reichen und sich gemeinsam ordentlich ins Zeug legen, un in Darmstadt eine Verbilligung der Kammretnigung für alle Wohn lnzsin aber herb'izuführen." cine Acu e- rung der maßgebenden R g emngZstelle zu dtcser Beschwerde dürfte u. E. ie.jr angeorachl sein.
** Oeffentli che Dücherhalle. Im März wurden 2051 Bände au giie'cn. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 1229, Zeit- sch isten 153, Iug ndschristen 189, Gitera Urgeschichte 5, Gedichte und Dramen 2u, Gä der- u id Völkerkunde 121, Kulturgeschichte 32. Geschichte und Biographien 124. Kunstgeschichte 5. Ratur- wissenschasl und Technologie 111, Hau?- und Gandwirtschaft 5. Gesundheitslehre 2. Religion und Philosophie 33. Staatew ll nschaft^4, Cprach- wissenschast 2, Fremdsprachliches 11 Bände. Rach auswärts kamen 44 Bände.
e* Dom Schlafwagenverkehr. Die seither 5 v. H. des Dettkartenpreises betragende Dv' merkgebühr ist vom 1. April ab auf 10 v. H. erhöht worden. Die Bettkarte ipreise stellen sich infolgedessen vom 1. AprU ab w.e folgt: für die 1. Klasse 44 000 Mk., für die 2. Klasse 22 000ML und für die 3. Klasse 8300 Mk.
Landkreis Gics;cn.
• Klein-Ginden, 3. April. Am 1. April waren es 40 Jahre, daß der Ci enbahnsekretär
jungen Menschen und bewunderte ihn zigleich. Ülnd mit dieser Dewundetung tarn ihm auch eine Beruhigung. Ach, was hatte er sich so oft um des Gundes Schicksal gegrämt und um des Dolles Seele gebangt! Wozu das Bangen, wozu die Trübseligkeit? Aus dem Dolk selber kam doch die Erneuerung, das fand sich zurecht wieber ganz allein. So wie diesen hier gab es noch manchen, viele, und ihnen tourten Sohne geboren — nein, ihm brauchte nicht bange zu sein um ein Dolk, das im tiefsten Kern voller Kraft war und gesund!
Freundlich sah er den jungen Mann an und nickte ihm zu. Dann drückte er Maria sanft nieder auf ihren Stuhl: „Du sollst ihm folgen, getrosten Mutes. Du hast vielleicht an ihm gutzamachen, was, weiß ich jetzt noch nicht. Wir werden es erfahren, wenn Hans Bast seinen Mund auftut. Aber wartet nicht, K.nder, werdet schon eher Mann und Frau: ihr kommt sonst nicht zur Ruhe. Heutzutage muh man Mut haben — der Martin hat ihn. Willst du dich so von ihm beschämen lassen, Maria? Mich dünkt, es ist Feigheit von dir, wenn du nicht seine Hand nimmst. Halle dich fest an ihr!"
Damit ging er hinaus und ließ die beiden
allein.
21.
Der Frühling regierte im Mosellamd, es war eine Pracht, die Obst bäume zu sehen. Ginfd und rechts des Flusses blühten sie wie Sträuße, rosa und weiß. Ein Aufatmen ging durch die Statur, der der starke eisige Winter eine Kappe übergezogen hatte, unter der sie scher erstickt war. Jetzt atmete sie auf, und. mit ihr befreit, atmeten die Menschen. Aber nicht mir froh über bie wärmere Gull und den Sonnenschein, man toar auch e uer Gast lebig gern».ten, deren Schwere man jetzt erst, da man sie los war, so rech! ermessen konnte. Run konnte man doch ruhig wieder seines Weges gehen, der Wanderer hatte mckü nötig, angstvoll zu laufen. we-,m's im Gebüsch raschelte, die Juden tonnten zu Markt ziehen 4ne eine Eskorte von Gendarmen, die Bauern
Fr. G o h als Schreibgehilfe bei der damaligen Bauabteilung für den Umbau des Dahn Hof S Gießen eintrat. Der Teamte yat den größten TeU feiner Dienstzeit auf dem Dahn Hof Gießen zurückgelegt.
Hcsscu-Nassan.
spd. F r a n k s u r t a. M., 3. 2lpril. Unter mehr als einem Dutzend verschiedener Rumen ist der angebliche Chemiker Herber kB iltz aus Dresden in fast allen süddeutschen Städten aufgetreten und hat sich hier als ein Verbrecher von seltener Vielseitigkeit betätigt. In Frankfurt verübte er einen großen Drillantendiei:stahl, in Meil-Kreuzlin- gen unterschlug er sehr bedeutende Posten Schuhe; überall, wohin er kam, knüpfte er Beziehungen au ganz jungen Mädchen an und betrog sie. lieber seine ungezählten Straftaten hat Diltz selbst Tagebuch geführt, und zwar in einer Geheimschrift, die jetzt entziffert werden kvnn.e. Die Angabe des Diltz, er selbst sei nicht mehr in der Gage, aus dem Gedächtnis heraus über die Fülle seiner Verbrechen Auskunft zu geben, erscheint durchaus glaubhaft. Diltz leidet an ausgesprochener Grvh- mannsucht und legte sich öfter den Doktorgrad
Die Morbe und Gewalttaten öer §ranzosen bringen täglich neues großes Elend über unsere Volksgenossen im Ruhrgebiet und am M>em £W Bit !W.
MM
Sss vkilW Doltoopfer!
bei. Den meisten süddeutschen Dehorden ist er unter folgenden Ramen bekannt: Dock, Durg, Bertram, Dörner, Denkenhörner, Block, Deermann, von Ehampignon, Derg, Dr. Dinger und Dr. DoSler. Jetzt, nach vielen Monaten, gelang es, den gefährlichen Menschen in Berlin sestzunehmen.
Kirche unb Schule.
Die nassauische Mundart.
spb. F r a n k f u r l a. M.. 3. April. Don jetzt ab totrb in den Schulen Rassaus bie nassauische Mundart mehr berücksichtigt werben als bisher, b asie ein zweckmäßiges Hllss- mittel ist, b?n Schülern das Derstänb.ns und den Gcfühlsinhall des Hochdeutschen zu erschließen. In der ersten Schulzeit werben die Gebier nicht nur den Gebrauch der heimischen Mundart durch die Kinder zulassen, sondeim auch sel-ast sich häufig derselben bedienen, um sich den Kindern verstäridlich zu machen, ihr Dertrauen zu gewinnen und den Schüchternen den Mund zu offnen. B im Gele- und Anschauung u ter richt auf der ülnterstwe werken neben den hochdeutschen Ausdrücken oft auch die plattdeutschen Bezeichnungen angetoenbet werken. In der Sprachlehre, im Rech schreib- und Aufsatz- unterricht findet auf allen Stufen in höheren wie in Dolks- und Mittelschu e i bie na.sau.sch-e Mu d- act zur Dergleichung und Erklärung hänsii OLi» Wendung. Auch plattdeutsche Sprichwörter, Kinderreime und Gedichte werden an geeigneten Stellen des älnterrichts benutzt.
Eine Tagung deS evangelischen Reichseltern- bundeS.
Braunschweig. 3. April. (WTD ) Unter starker Beteiligung aus dem ganzen Reiche ist heute abend der evangelische Reichs- elternbund zusammengetreten, um zu der gespannten schulpolitischen Gage Stellung zu nehmen. Hauptgegenstand der von Oberpräsibrnt a D. Dr. von Hegel geleiteten Der Handlungen ist das Re.chäschulgeseh und der Schulkampf in den milleldeutschen Staaten.
Turnen, Sport und Spiel.
* Das nationale Schwimmsest des Gießener Sportklub 1 900 findet wie jetzt endgültig festgestellt wurde, am 10. 3un’ statt.
Vermischtes.
Die Gruft des Freiherrn vom Stein erbrochen.
fpd. 6 L Goarshausen. 3. Avril. Die Familie ngruftds Mmisters Freiherrn vom und zum Stet n zu Frücht ist, wie erst jetzt festgestellt wurde, in d.r Zeit -to.schen dem 7. und 14. März von Einbrechern erbrochen worden. Die Täter öffneten die Särge der Ellern, der Gattin und der Tochter des Ministers und durchwühlten die Knochenreste. Sa gegen gelang es den Sieben nicht, drn Sarg des Ministers zu öffnen. S^w bis z >r ©tuib' *e tgeste lt werden fo nt -, cntjxnb.'t.m die Einbrecher nir 5 M ssing» gäffe. Auf bie Er.Ntlllu.ig v.r Täter hat die aBiedbabener Oberstaalsanwaltschafl eine Belohnung von 100 000 Mark ausgesetzt.
Schwere Aulounsälle.
R e u st a d t i. Sa.. 3. April. (WTD.) Gestern nachmittag fuhr ein einem Heidenauer Fabrikanten gehöriges Auto auf der Straße Rcu tadt bis Stolpen, als es einen anderen Wagen überholen wollte, über einen Stein Haufen und prallte gegen einen Straßen bäum, wodurch da« Auto völlig zertrümmert wurde. Don sechs Insassen des Kraftwagens wurden drei, und zwar zwei Geschäftsleute aus He.denau sowie bie Frau des Autrnobiib s Hers sofort getötet u d eine andere Frau schw.c verletzt Sie Schuld an dem Unfall soll den Führer und Besitzer des AutoS selbst treffen.
Berlin, 3. Avril. Wie daS „B. T." au« Augsburg meldet, überfuhr was der Qanb- ftrafre nach dem Qager Gechfe.d bei Königsbrunn ein Automobil ein Motorrad, aus dem sich ein praktischer Arzt und fein Assistent befanden, die von einer Operation in GandSbeig am Gech nach Augsburg zurücklehrten. Sei eine der beiden Aerzle war sofort tot, der andere wurde schwer verletzt,
SchifsSunfalle auf der Elbe.
Berlin, 3. April. AuS Hamburg meldet ter „Lokcllanzeiger" Schiff Sun- fälle auf der Unterelbe. Der Dampfer „Heddernheim" erlitt bei eitern Zusammenstoß so schwere Desch-ädigungen, daß er seine Reise aufc eben und nach Hamburg zurückkehren mußte. Auch der norwegische Dampfer „Je- thow" mußte infolge einer Kollision mit einem unbetonten Dampfer die Weiterfahn einstellen und in den Hamburger Hafen zurückfahten. Der englische Dampfer „Samtou", mit einet Kohlentodung aus Hüll, hatte bei dem dichten Rebel einen Zusammenstoß mit einem noch unbekannten Dampfer, wobei er Havarie erlitt Der britische Dampfer „Cano" wurde gleichfalls bei einer Kollision schwer beschädigt. Alle diese Dampfer muß.en in Hamburger Werften zur Reparatur gebracht werden.
Großer Plat'ndiebstahl
Berlin, 3. April. Aus dem Gaboratoriunt der technischen Prüfungslehranstalt in Moab.t wurden Platingeräte im Welle von zwökf Mill Mark gestohlen. Insbesondere handelt es sich um einen Ptatinkessel und eine Platinweinschale.
Schwedisches LleleSwerk an deutschen Kindern.
Berlin, 3. April. Rach einer Mitteilung des „Roten Kveuzes" ist in Berlin eine M i t- tagsspeisung für 300 Kiirber e.öffnet worden, für welch? d.e Mittel vom schwedischen Roten Kreuz aufgebracht wurden. Gleichzeitig erhallen auch in Köln 300 und in Rürn- ber g und Saarbrücken je 200 Kinder täglich ein solches Mtttages>i. An bie Städte Essen und Bochum tonnte das deutsche Rote Kreuz bis jetzt je 500 schwedische Gebensrnlltelpakele verteilen.
Siu Dampfer auf dem Meere in Flammen.
Marseille. 3. April. (Wolfs.) Die hiesige Funkenslalion nahm um Mitternacht S. O. S.- Ru,e von dem kanadischen Kämpfer „E i t y of Dictoria" auf, an decken Bord ein s ch wereS | Feuer ausgebrochen ist Das Schiff befindet
men zu Mainz. Unter ihnen auch Weiber: Julie Dläsius, Buzl e'en-Arnie und noch ein paar Mädchen, die Giebchen des Dückler gewesen waren. Stoße von Akten wurden gLfchrieben, sie wurden gedruckt: jedes kleinste Detall mußte berücksichtigt werden. E.n Spcz algericht war eingesetzt worden. Seine Advokaten hallen dem reuigen und fleißig betenden Bückler geraten, die Gnade des ersten Konsuls anzur-ufen.
Es würde sicherlich Herbst darüber werden, bis die Anllageakt.n verlesen werden konnten und ein Prozeß, auf dm Tausende begierig wie auf ein Schauspiel warteten, zu Ende ging. Die Der- Handlung sollte im Marmorsaal des ehemals kurfürstlichen Schlosses stattfinden. Das Rheinland harrte voller llngeduld und fieber aber Reagier.
Zwei Mitglieds der Bande, Iltis-Jakob und der Schwarze Peter, bie Bückler in seinen Aussagen besonbers belastet hatte, waren aber noch nicht eingefangen. Der Hauptmann wußte auch nicht, wo diese b.iden geblieben waren. Er schlug vor, man sollte über sie ben HanS Bast einmal befragen, vielle cht wußte der Bescheid. Aber Hans Bast Ritolai wußte nichts über sie: er wußte über gar nichts Bescheid und über keinen.
Als man den Bruttig ihm gegenüberstellte, der zu Koblenz saß, kannte er den — ja. er hatte Fleisch bei ihm in Bertrich gekauft, zuweilen auch einen Schnaps getrunken — aber er wußte nichts von einem Streit des Bruttig mü dem Händler Mangel. Wußte auch nicht, bah Bruttig sich gerühmt hatte, es sei ihm ganz gleich ob er einen Kalbskopf abschnitte ober einen Menschenkopf.
„Betrunkenen-Geschwätz!" Hans Bast lächelte.
Dieses Geschwätz von dem Kalbskopf toar es, das gegen den Bruttig zeugte. Jetzt bei dem allgemeinen Aufräumen hatte man ihn oerbafteL Der Ermordete in der Gmnich hatte den Kops nicht mehr auf gehabt, sondern neben fiQ hegen. Das würde dem Dinittig den Kopf kosten! Wieder lächelte Hans Bast. ,
Er saß nun schon feit Monaten Im Militär*
brauchten nachts nicht ihre Ställe zu verrammeln, die Einwohnerwehren nicht Pulver und Blei zu verknallen: die Dörfer lagen wieder dunkel in friedlichem Schlaf, und bie Städtchen schloffen ihre ?ore nicht schon bei Dämmerschein. Gott sei Dank, der Bückler saß gefangen zu Mainz und der Ritolai zu K)blenzl
Sie Geliebte des Bückler, die Hulie Dlästus. hatte es versucht, ihn zu befreien, aber es war ihr nicht geglückt. Als er transportiert wurde nach Mainz, begleitet von einer ganzen Kompagnie Fußsoldaten und noch von berittenen Chasseurs dazu, waren viele Geilte zusammen- gelaufen, um zu gaffen. Da machte sich an den Sergeantmajor, der den Transport kommandierte, ein Frauenzimmer heran, das toar hübsch und so freundlich daß sich der Sergeantmajor schon den Bart strich und sich etwas versprach. Aber als sie ihm drei Kaiclin anbot, wenn er ihr erlauben würde, ein Wortchm mit dem Bückler zu parlieren, da witterte ec etwas. Keine Btteuerungen halfen und auch kein Gantertiieren, er nahm die freundliche Schone fest, und Iulchen Bläsius kam auf den gleich.n Wagen mit ihrem Hannes.
Auch andere wurden nach und n"h aifge» griffen, binnen einer Woche schon allein sieben Stück. Es war, als ob die Mitglieder der Bande den Kopf verloren hätten. And eine Mutlosigkeit war über sie gekommen: Was nützte nun auch alles Geugnen und Wehren, wenn zu Mainz ihr Hauptmann sah, und die Richter, die so schlau waren und so auszuqaetschen verstanden, ihm nach und nach einen Ramen nach dem anderen abpreßten.
Johannes Bückler nannte seine Genossen alle und bekannte freimütig, welche Taten er mit ihnen begangen hatte. Ein ellenlanges Protokoll war aufzunehmen, die Unterf ichung war von einer WeHäufigkeit ohne Grenzen. So viele Diebstähle, Straßenräubereien, Üleberfälle, Brände, Der- brechen aller Art. And so viele Teilnehmer! Siebenundsechzig Angeklagte waren nun beifam-


