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Nr. 77

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Erster Blatt

173. Jahrgang

Dienstag, 3. April 1923

GiehenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Vrvck vnd Verlag: Srühl'sche Unlverfitat§-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange in Gketzen. Zchristleitung und Geschäftsstelle: Zchulftrahe 7.

Annahme von Anzeigen für die lagesnummcr b.s zum Nachmiltag vorher ohnejede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe lür Anzeigeno 27 mm Breite örtlich 80 Mk, auswärts 100 Mk.; für Re kl ame» Anzeigen von 70 mir Breite 400MK.VeiPlah. Vorschrift 20tf/o Ausichlag. Hauptschristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für 'Politik: Aug. Goetz; sirr den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: Hans Leck, sämtlich in (Biegeit

Massenmord der französischen Soldateska in Essen.

Maschinengewehrseuer gegen friedliche Arbeiter der Kruppschen Werke.

Essen, 31. März. (WTB.) Heute oormlttag zwischen 7 und 8 jl6t bescHte ein Kommando Franzosen die Inmitten der Kruppschen Werke gelegene Kraftwagenhalle und vertrieb die dort befindlichen Arbeiter. Als daraufhin die Sirenen im Werke ertönten, sammelte sich eine große Menge Arbeiter und Angestellte vor dem Gebäude. Die Mitglieder des Betriebsrats versuchien, die Ordnung vor der Halle aufrechtzuephallen und das Kom­mando zum Abzug zu bewegen. Sie erboten sich mchrsach, die Sicherheit dec Franzosen beim Ab­zug zu gewährleisten das französische Kom­mando erklärte aber, daß es auf die Kommission warte, die weitere Maßna'hmen bestimmen solle. Als diese Kommission gegen 9 Tlhr vormit­tags .eintraf, Chatte sich bereits eine derartige Anzähl Arbeiter versammelt, dah sie es porzog, weiterzufahren, ohne sich ntit dem fran­zösischen Kommando in Verbindung geletzt zu. 'haben. Gegen 11V4 Tlhr drangen die Fran­zosen plötzlich gegen die Menge vor und schossen mit einem Maschinen­gewehr in sie hinein, obwohl die ver­sammelten die Straße freiaa^en. Tote und eine groste Anzahl Verwundete die fast sämtlich S ch ü s s e v o n hinten aufweisen, blie­ben auf dem Platze. Aach dem Vorfall "passierte ein Auto der Interalliierten Kommission die Straff. Die Insassen des Autos wurden von der erregten Menge aufgesordert, auszusteigen und das Auto für den Transport der Ver­wundeten freizugelen. Als die Insassen dies ablehnten, bemächtigten sich die auf das äuberste erbitterten Massen des Autos.

11 Tote und 32 Verwundete.

Essen, 31. März. (WTB.) Dem Feuer der Franzosen gegen die Kruppschen Ar­beiter sind bis Samstag abend 6 Tlhr 11 Ar­beiter zum Opfer gefallen. Unter den Toten befindet sich auch das Mitglied des Betriebsrats Zander, der in Erfüllung seiner Pflicht ver­suchte, die Arbeiterschaft zu beruhigen und die eingedrungenen französischen Truppen zum ruhi­gen Abzug zu bewogen. Weitere 32 Verwun­dete wurden in die Kruppschen Krankenanstal- -ten gebracht. Davon ringen mehrere Leute noch mit dem Tode.

Zum Zeichen der Trauer und des Protestes wurde die gesamte Kruppsche Guß stahl- fabrik geschlossen.

Was und wer auch zu den Zusammenstösten schuldhaft beigetragen haben mag, der Ursprung war ein französischer Rechts- und Friedens­bruch. Die französische Armee ist im Ruhrgebiet eingefallen angeblich, um die Kohlenentnahme durch französische Ingenieure zu überwachen. Was hat die Guhstahlsabrik von Krupp, QL-®., in Essen mit den deutschen Kohlenli.eferungen an Frankreich zu tun? Die Fabrikhallen an der Kruppstraße, die nach Kriegsende an die Stadt Essen vermietet waren, sind von der Akti mgesell- fchaft Krupp längst wieder in Gebrauch genommen. Welches Recht hatte die fran­zösische Kommission, die ein Kommando von zwölf schwei b:w..fineten Soldaten vorausschickte, zu dem Besuch einer privaten Maschinenfabrik? Die Entente kommissivn, die für Kontroll­besuche allein zuständig wäre, (f>it ih.e Arbeit dort länast getan. Sie wohnte seit Herbst 1920 im . Essener Hof", dem Privathotel ter Firma Krupp. Don ihrer ..verdienstvollen" Tätigkeit zeugen die zerstörten Fundamente der ehemaligen Panzer­turmwerkstätten, die zahllosen Maschirenleichen, die heute noch zum Teil in len Anlagen verlassen und verrostet 'herumstehen, und die vielen un­nötigen Vermauerungen, für die das teuere Ze­ment (statt für Arbeiterwohnungen) verbraucht werden muhte. Rach Erledigung jener Schikanen und Demütigungen 'hat j^enfalls keine fran­zösisch: Sonderkommission in dem privaten Fne- densbetineb von Krupp in Essen etwas zu suchen. Die 5000 Arbeiter und Arbeiterinnen der Guh- stahlfabrik verfertigen heute Lokomotiven, Durraurnuschinen, Kinoapparate, Gebihplat- ten aus nichtrostendem Stahl, Frinmestgeräte usw. Wollten die Franzosen technische Ge­heimnisse ausfpionieren? Vielleicht! Vor allem wolllen sie Automobile stehlen! Dn Offizier, der mit s:inem Kommando von zwölf Mann anrückte, befchsagnahmte die Autohallen gegenüber dem Derwaltangsgebuude u id e-griff Besitz von den für die Franzosen so wich'igen Kraftwagen. Dies ttxir der Anfang, ein wider- rechllicher Eingriff. Er wurde, wie seh' im Ruhr­gebiet stets üb.ich, beantwortet durch das ®cf eul der Sirenen, das die Arbeiter aufforderte, ihre Werkstätten zu verlassen. Die Direktoren waren zur Morgenstunde (8 ilfjr) noch nicht anwe end, konnten also dieSchlacht" gar nicht geleitet haben. Alles llnglüi ist durch das wid:rrechtliche und fe'geDorgehen der Franzosen heraufbeschworen worden.

Weitere Besetzung bei Krupp.

Essen, 31.März. (WTB.) Im Laufe des .^Nachmittags rückte in die Kruppschen Werke eine weitere französische Abteilung in Kompagniestärke mit zwei Panzerau tos ein und nahm den Brandinspektor I n g e l von der neben der Qlutohalle befindlichen Feuer­wache fest.

Essen, 2. Qlpril. (Wolff.) Mittags. Der gestrige und heutige Tag verliefen in der Stadt Essen trotz der großen Erregung, in die die Be­völkerung durch das von den Franzosen angerich­tete Blutbad versetzt ist, bis jetzt ruhig.

Die Ramen der Toten sind: Franz Oell- mann, Joseph Zander, Qlrtfjuc Blum, Hermann Hoegemeier, Fritz Pieper, Walther Schweers, Ka­sim.r Janick, Helmuth Seel, Willy Wicharh, Hans Müller, Ernst Mannertz Die ersten zehn sind sämtlich 'Bureaubeamte, Qlrbe.ter oder Lehrlinge der Kruppwerke, der Letztere ist ein Bergmann. Im Krankenhaus befinden sich noch zehn Schwer­verletzte. Es steht zu befürchten, daß noch einige von ihnen sterben. Ferner 11 Personen leicht verletzt.

Am Sonntag früh sind vier Direktoren der Kruppwerke, Brun, Hartwig, Oesterle und Ritter, von den Franzosen verhaftet worden. Zwei weitere, die ebenfalls verhaftet werden soll­ten, waren nicht in Essen.

Lieber den Vorfall vom Samstag vormittag geben Augenzeugen folgende Darsiellang: Kurz nach 11 Upr hörten die Sirenen auf zu heilen. Es war dies das Zeichen für die Arbeiter, in die Werkstätten zurück'ukehren. Die Vertreter der Arbeiter und Angestellten hatten das erreicht. Kurz nach 11 LIhr fielen dann die ersten Maschi- nengewehrschüsse. Sie waren auf das dem Tor­emgange gegenüberliegende Dach gerichtet. Es gab gkech Verwundete, wahrscheinlich auch Tote. Die Menge stob auseinander.

Rachdem die Menge geflohen war, kamen die Franzosen aus dem Toreingang und schossen auf die Fliehenden mit ihren Gewehren. Daraus erklärt sich, daß die meiflen Schustverletzungen von hinten erfolgten, was durch ike leitenden Aerzte des Krankenhauses festgestellt worden ist. Rach der Flucht der Menge zog der Offizier mit sei wen elf Mann in der Rich­tung zum Limbecker Platz ab. Vorher hatte et immer wieder erklärt, er könne nicht abziehen und müsse auf die Kommission warten. Er ist unge­hindert abgezogen.

Gegen 12 Ähr hat die QHenge ein franzö­sisches Auto, in dem außer dem Chauffeur, der in Tlnifvrm war, zwei Zivilisten ein fran­zösischer und ein belgischer Ingenieur sah^nj angep halten. Der Chauffeur wurde stärker, die In­genieure leichter verprügelt. Ungefähr um dieselbe Zeit wurde ein f r a n z ö fischet Kri­minalist in Zivil von der Menge bedroht. Arbeiter und Angestellte haben dajür gesorgt, daß ihm nichts geschah. Der Kriminalist hat sich hier­für bei den Deutschen bedankt.

Diese Schilderung bestä igt in allen Punkten die bisher von deutscher Seite über den Vorfall veröffentlichten Berichte. Die französische Presse unterschlägt natürlich die deutsche Dar­stellung und veröffentlicht wahrheits­widrige Essener Meldungen, wobei sich insbesondere die Agentur Havas hervortut. Selbst der Berliner Vertreter der Havas-Agentur glaubt die Berichte der Berliner Zeitungen als tendenziös und lügenhaft hinste.len zu m".fieit, ob­wohl ihm alle Unterlagen für ein derartiges Urteil fehlen. Die Pariser Presse behauptet. daß die Zwischenfälle durch gewisse ehemalige Angehörige der Schutzpolizei, die in den Kruppwerkm verteilt worden feen provoziert und geleitet worden wären, und daß die Direktion der Krupp- Werke dadurch sich verantwortlich gemacht habe, dah fte die Sirenen in Tätigkeit gesetzt hätte und gewisse älmstände daraufhindeuteten, dah die Ar­beiter Aufreizungen, wenn nicht gar Befehlen ge­horcht hätten.

Es ist begreiflich, dah der französischen Regierung dieses neue Blutbad, das fte in Essen angerichtet hat, außerordentlich unangenehm ist. Weder die deutsche Regierung noch d.e Di eT» tion der Kruppwerke haben ein Interesse an dem Hervorrufen derartiger Zwischenfälle Die Re­gierung und die verantwortlichen Leiter der In­dustrie und den Gewerkschaften im Ruhrgebiet ta­ten im Gegenteil bisher alles, um die Arbeiter zur Ruhe und Besonnenheit gegenüber allen Pro­vokationen des französisch-belgischen Militärs zu mahnen. Die Behauptung, dah die Zwischenfälle durch ehemalige Angehörige der Schutzpolizei ge­leitet worden seien, ist zu sinnlos, um einer Widerlegung zu bedüifen. 5>ie Berichte der fran­zösischen Presse widersprechen sich im übrigen selbst. So widerlegt Havas seine Behauptung, daß Ar­beiter auf die französischen Soldaten Steine ge­schleudert, mit Revolvern gedroht hätten usw., durch die Feststellung, dah auffranzösischer Seite keine Verluste zu verzeichnen feien. Alle Lügen der französischen Presse werden dies­mal an der nackten Wahrheit der Tatsachen nichts ändern und die französische Regierung von der schweren Verantwortung, die sie vor der ganzen Well auf sich geladen hat, nicht reinwaschen können.

Eiue Darstellung des Betriebsrates der Firma Krupp.

Essen, 3. QlpriL (WTB.) Der Betriebsrat der Firma Krupp in Essen veröffentlicht ein: Darstellung der Detriebsratsmit- glieder, die Qlugenzeugrn der Vorkommnisse am Samstagmorgen waren, die die letzten Be­richte über Das Blutbad bestätigt. Anschließend an diese Darstellung erhebt der Betriebsrat schärfsten Protest gegen das gewaltsame, rohe Vorgehen des französischen Militärs, und erhebt gegen das Kommando, das dieses Blutbad an- gerichtet hat, den Vorwurf, durch beharrliches Ablehnen aller Derständigurgsversuche die Situa­tion heraufbeschworen zu haben, die bis zam Augenblick 11 ArbeiterndasLeben kostete und viele andere schwer beschädigte. Der Be­

triebsrat appelliert an das Solidaritäts­gefühl der internationalen Arbei­terschaft, nichts zu untertaffen, um das Ruhr­gebiet von dem Alpdruck des französischen Mili­tärs zu befreien. Der Zusammenstoß französifchen Militärs und friedlich demonstrierender Arbeiter fei geeignet, eine Hah-Atmofphäre zu schaffen, die dem Verständigungswlllen aller Völker gröhten Abbruch tue. Zugleich wird gegen die Verhaftung der Leiter der Firma protestiert.Als Vertreter der Arbeitnehmer eines Werkes," fo schließt die Erklärung,das bis zum Ausgang des Weltkrieges vorwiegend als Waffenschmiede galt, heute aber der fried­lichen Arbeit dient, erklären wir, dah die gesamte Belegschaft sich zur friedlichen Verständigung drr Völler bekennü"

Französische Verdrehungen.

Essen 3. Qlpril. (WTB.) Von der Firma Krupp wird mitgcteilt: In den Havasberichen über die Essener Ereignisse am Ostrrsamstag. die sich zwischen einem französischen Kommando und Kruppschen Qlrbeitem abgespielt Haben, wird be­hauptet. das Kommando fei von der Menge m i t Revolvern bedroht und unmittelbar, be­vor die Soldaten gefchossegn hatter, angegrif- f en worden. Diese Behauptung steht mit den Tatsachen in direktem Widerspruch Wie alle Augenzeugen berich'en, hat keiner der anwesen- ben Arbeiter drei Revolver gehabt. Während des ganzen Auftritts, der etwa zwei Stunden dauerte 'hat die Menge trotz der begreiflichm Erregung die Soldaten in Feine: Form bedroht oder angegriffen. Im Gegenteil wurde der Raum vor der befehlen Halle während der ganzen Zeit von den Führern der Qlrbei e;- und Angestellten­schaft. den Betriebsratsmitaliede.m, srelgechalten. Dreimal ist von den Führern der Arbeiter Iber Versuch gemacht worden, das Kommando unter Gewährleistung seiner persönlichen Sicher­heit zum 015*8ug zu bewegen, aber immer vergeblich Wenn bei1 Havasbe richt weiter behaup­tet die Soldaten seien mit 'heißen Dämpfen angegriffen worden, so fei demgegenüber fest- gestellt dah es sich lediglich um Lokomotiv- Abdämpfe 'handelte, die zum Fenster der besetzten Halle 'f^reintamen. D.ese Dämpfe kamen von den Lokomotiven, die sich auf dem unmittelbar hinter der Halle liegende i Gleis befanden. Der Bericht macht ferner'das Kruppsch: Direktorium verant­wortlich für den ganzen Vorfall, weil es durch den Sirenenruf die Arbeiter zum Verlassen der Werkstätten und zu Ansammlungen veran­laßt Habe. Es muh aus diesem Anlaß erneut betont werden, dah für das ganze EinbruchZ- gebiet zwischen den Werkleitungen und der Ar­beiterschaft die Vereinbarung betroffen ist, keinesfalls unter französis chen Bajonetten zu arbeiten und dah beim Eindringen von Soldaten sofort durch Sirenenruf dgs Zeichen zum Riederlegen der Qlrbeit gegeben wird. So ist auch In diesem Fille das Sirenen­zeichen in vollkommener Alebereinftintmung zwi- schrn dem Direktorium und den Vertretern der Arbeiterschaft gegeben worden. Rein phanta­stisch ist die Behauptung des Havasberlchts, die Firma Krupp habe entlassene Schuhpoli - zeibeamte in ihren Ve'rieb eingestellt, um vrrkornmendenfalls gegen die Franzosen provo­zierend aufzutreten. Diese Unterstellung ist selbst­verständlich gänzlich aus der Luft gegriffen.

Telegramme des Reichspräsidenten

' und des Reichskanzlers.

Berlin, 1. April. Der Herr Reichs­präsident hat ans Anlaß der Vorgänge in Essen an Herrn Krupp von Dohlen und den Be­triebsrat der Kruppwerke in Essen folgendes Tele­gramm gerichtet:

Doll Entsetzen über die Meldung von dem ungeheuerlichen Blutbad, das französischer Militarismus unter friedlichen wehrlosen Arbei­tern angerichtet hat. bitte ich Sie, den Hinter- bliebenen der Opfer dieses Massenmordes und den vielen bei dieser ruchlosen Schandtat Qkrtounbeten meine herzlichste Teilnahme auszusprechen.

Reichspräsident Ebert."

Reichskanzler Dr. Cuno hat an das Direktorium der Friedrich Krupp A.-G. in Essen folgendes Telegramm gerichtet:

Tieferschüttert erhalte ich die Meldungen von dem entsetzlichen Dlutkad, das ein Kommando der französischen Einbruchsarmee geftern unter Len Angehörigen der Kruppschen Werke angerichtet hat. Die französischen Soldaten haben es. fertig- gebracht, auf die Arbeiter, bte lediglich geg:n das gewaltsame Eindringen in ihre Arbeitsstätte fried­lich und ohne Drohung protestierten, Maschinen- gewehrfeuer zu richten. So ist Leben und Gcsund- heit einer großen Anzahl von Deutschen mit ruch- loser Frivolität vernichtet worden, inmit­ten einer Bevölkerung, die angesichts aller Provo­kationen der fremden Soldateska eine beispiellose Selbstbeherrschung bewiesen hat. äleberall wird sich das menschliche Empfinden gegen diese furcht­bare Untat empören.

Es drängt mich, den Angehörigen der Gefal­lenen und den Verwundeten das tiefste Mitgefühl der Reichsregierung auszusprechen. Sie können versichert fein, dah dieses schwere Opfer für die gemeinsame Sache aller Volksgenossen unvergessen bleiben und nicht vergeblich fein wird.

Cuno."

Das Protestschreiben der Stadtverwaltung.

Essen, 2. Qlpril. (WTB.) Die Stadt- Verwaltung Essen richtete an den General Iacquemot, Kommand.int der 77. Division in Essen, folg indes Protestschreiben:

Durch einen Vorfall, der mit der rechtswidri­gen Besetzung des Ruhrgebietes in Zusammen­hang steht, ist erneut schweres Unheil über die Bevölkerung der Stadt Essen hereingebrochen. Am 31. März find im Bereich der Kruppschen Fabrik durch Waffengewilt französischer Sol­daten 11 Bürger zu Tode gekommen, 32 teils schwer, teils leicht verwun­det, so daß die Stadt Essen zum Osterfest: in diesem Jahre in tiefe Trauer versetzt ist. Gemein­sam mit der Firma Krupp muh ich gegen das Vorgehen der französischen Truppen strengste Anklage erheben. Die Truppenabteilung ist, ohne daß eine Ankündigung bei der Werksleitung erfolgte, in einen Teil der Kruppschen Fabrik eingebrungen. Die Arbeiterschaft muhte hierin den Anfang der Besetzung des ganzen Werkes erblicken und damit eine Störung der geordneten QIrbeit in dem Betriebe befürchten. Der vielen taufenden Arbeitern Befchäftlgung und Platz gibt. Es war deshalb natürlich, dah die Arbeiter der nächstgelegenen Betriebe in berechtigter Erregung ihre Arbeitsplätze verliehen.

Rach den Mitteilungen von Augenzeugen wandte sich die versammelte Menge nach der Abgabe von Schreckschüssen zur Flucht. Die Tat- fadje, daß eine große Zahl der Erschossenen und Verwundeten Schüsse von rückwärts erhalten haben, bringt auch den Beweis, dah diese im Begriff waren, fortzueilen, oder, was in b«ug auf einen Erschossenen als zuverlässig berichtet ist, die Menge zum Abziehen au ver­anlassen. Der Gebrauch der Schuhwaffen gegen unbewaffnete Menschen war also durch die Ilmstände in keiner Weise geboten. Daher ist ins» besondere das Hineinschießen in die Menge als gewaltiger Mißbrauch der Waffe gegen­über der Bevölkerung anzufehen.

Die Kunde von dem entsetzlichen Blutbad, das französische Soldaten unter friedlichen Ar­beitern anaerlchtet haben, wird in diesen Tagen die ganze Welt durcheilen. Der Vorfall fordert strengste älntersuchiung und Bestrafung der Schul­digen. Ich ersuche Sie, schleunigst Qhwrbmmgert zu geben, die einen ähnlichen Mißbrauch der Waffengewalt ausschliehen.

Es sen, 2. Qlpril.

Oberbürgermeister i. V. B a a f e l.

Die Stcllnnanahnie der Handelskammer.

Essen, 2. April. (WTB) Die Handels­kammer für Effen, Mülheim unb Oberbau'"en hat an den kommandierenden General in Essen ein Protestscbreiben gerichtet, in dem sie die Fr ila fin] be3 stell ertretenb n Ees ä t rci8 sowie des verhafte:en Beamten Cchzai fordert. Weiterhi i n mml das Pro e'tschreilen Be ug auf die Vorgänge in d:n Knappf-h^n Werken. Es heißt darin u. a.: Wir stellen erneut fest, dah die Taten des französischen Kommandos in krassem Widerspruch z>u den Worten des Obe befehls- habers stehen. Eingriffe in das Privateigen- tum sind norgenommen w.rden, wie fl: die Ge­schichte bisher noch nicht gekannt hat. Darüber hi aus hat der gestrig: Vor'a'.l gezeigt, dah sich der französische Angr ff nicht, toi: so oft ver­kündet wird, gegen das deutsche Kapital oder die deutsche Wirtschaft richtet, sondern gegen d i e Gesamtheit des Volkes, ge^ei das Geben und die Sicherheit jedes Ein­zelnen. Anders wäre das unmenschliche Vor­gehen dieser Trippe gegen die wehrlose und fried­liche Arbeiterschaft der Kruppschen We ke nicht zu erklären. Fast hat es den Anschein, daß man die deutschen Arbeiter, die cin starkes so iales Gefühl besitzen und in ihrer toirtschastlichen Tätig­keit auch seelisch mit ihrer QIrbeit verknüpft sind, zuunbesonnenenTaten reizen toll. In dem Schreiben wird sodann d.e Erwartung ausge- sprochen, dah die gestrigen Vorgänge nah den Grundsätzen der Gerechtigkell und Menschlichkeit aufgcf .ärt und die Schuldigen zur Rechen­schaft gezogen und volle Genugtuung gegeben werde.

Ferner hat die Handelskammer auch wegen der Verhaftung der Kruppschen Diretto.e:i ein Protestschreiben an General Iacquemot gerichtet. Protest des Kruppschen Direktoriums bei dem französischen Kommando.

Essen, 31.März. (WTB.) Anläßlich der Vorgänge von heute vormittag auf dem Krupp­schen Werk hat das Direktorium an den Divisionskommandeur in Essen folgendes Schrei­ben gerichtet:

Heute morgen drang ein bewaffnetes sran- zösisches Kommando in unsere mitten in Der Fabrik gelegene Kraftwagenhalle ein. Gemäh den zwischen der Werlsleitung, drm Detriebsausschuh der Arbeiter- und Beamtenschaft getroffenen Ver­einbarung wurde das Zeichen des Sirenen- rufs für die Arbeit sein stellun g des be­treffenden Werkteiles gegeben. Größere Arbeiter, massen versammelten sich darauf vor dem Ein­gang der von dem Kommando besetzten Halle, um gegen den militärischen Eingriff zu demon- fhvren. Die Mitgliebe: des Bet rieb saus- schusses traten mit dem Kommando in Ver­bindung und boten sich an, dafür zu sorgen, dah das Kommando ohne Zwifchensalle die Halle verlassen könne. Das Anerb'^ten wurde abgelehnt. Rach einiger Zeit