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Erstes Bitti . 173. Jahrgang Samstag, 2. Juni 1923
GietzeimAnzeiger
General-Anzeiger für Gberheffen
Wochenrückblick.
QBenn etwas an den feit Sagen sich hin- schleppenden Berliner Beratungen des Reichskanzlers mit den Faktoren unserer Wirtschaft und Politik beängstigend ist, so ist eS nicht die lange Dauer dieser Borbereitungen und der Schleier des Geheimnisses, der darüber liegt, sondern die starke Möglichkeit und Gefahr, daß sich daran ein neuer Parteihader entzünden könnte. 3n der Tat vollzieht sich so etwas wie ein Lrup- penaufmarsch, wenn die industriellen und landwirtschaftlichen Körperschaften chre Entschließungen verlegen., wenn die Gewerkschaften und Eisenbahner dagegen protestieren und sogar Herr Cuno, der Reichskanzler selbst, dem Wolff-Bureau zur Beröffentlichung eine Willenskundgebung überwies, die alle Zeichen einer gewissen unmutigen Abwehr an sich trug. Daß eingehende Beratungen gepflogen werden, ist durchaus natürlich und unvermeidbar, und über die Schwierigkeit der folgenschweren Feststellungen, die zu einem deutschen Ergänzungsangebot an die Entente führen sollen, gibt es reinen Zweifel. Bor allem ist eins freilich unerläßlich: daß die Reichsregierung selber ein sicheres Ziel vor Augen hat, das sie als Führerin über den Volksvertretungen mit Festigkeit verfolgt. Die Art, wie der Reichsverband der deutschen Industrie eine förmliche Rote an das Kabinett richtete, war nicht gerade ein Meisterstück politischer Weisheit, was schon bar an zu erkennen ist, dah seine Wirkung nach verschiedener Richtung hin weniger als positiv fördernd, denn als unnütz alarmierend sich herauSstellre. Da hat der Reichskanzler zweifellos recht, wenn er die neben ihm auftretenden strategischen Eigenmächtigkeiten zu korrigieren sucht. Zn der Sache selbst sind die Vorschläge der Zndustriellen zum größten Teile einwandfrei, verständlich und auch verständig : sie bestätigen die Opferbereitschaft bei dem zur Lösung stehenden Reparationsproblem. An dem Grad des Beitragswillens der Zndustriellen, die ein Pfand von 200 Millionen Gvldmark jährlich anbieten, womit bei der Kapitalisierung dieses Betrages die Hälfte aller ihrer Sachwerte verpfändet ist, gibt es nichts auszusetzen. Es handelt sich um die treffendste Widerlegung feindlicher Ausstreuungen, als wolle der deutsche K.apitaliS- muS bei den Wiederherstellungspflichten des Reiches sich drücken und die Regierung in ihren Schritten hemmen. Man kann es daneben kaum befremdlich finden, daß die Zn- bufttie zugleich auch Wünsche äußert, um der anbrechenden Zeit harten Mühens und schwerer Bedrängnis die Spitze bieten zu können. Rur die Form des Vorgehens war nicht klug bedacht, denn sie erregte die Mißdeutung, als wolle der industrielle Reichsver- band der Regierung Anweisungen erteilen und heikle politische Stteitigkeiten durch Machtworte lösen. Schließlich hat ja die Regierung nicht nur die Aufgabe, Vorschläge \an die Entente auszuarbeiten, sondern auch die sekbst- verständliche Pflicht, auf das Sorgfältigste Aus- und Tlmschau zu halten, um durch zweckdienliche Maßnahmen der deutschen Wirtschaft die Wege neu zu bahnen. Das Sesamtinteresse des Volkes ist dabei entscheidend. 'Bei der Heranziehung der Landwirtschaft und der Berücksichtigung chrer weiteren Pflege zum Gedeihen des Ganzen verhält es sich nicht anders.
Die deutsche Regierung braucht in so kritischer Stunde das Vertrauen des ganzen Volkes. Herr Cuno besitzt dieses Vertrauen im allgemeinen; er kennt innen und außen die Schwierigkeiten, mit denen er zu kämpfen hat, und banrm soll man ihm sein Amt erleichtern, wenn er nach parlamentarischem Brauch die einzuschlagende Politik den Kriegsgegnern gegenüber gewissenhaft zu fundieren sucht. Da können keine einseitigen Methoden zum Ziele führen. Dir hörten es, daß deutsche Politiker und Sachkenner in London wieder Fühlung suchen, und schon aus diesem Grunde wäre es thöricht, ungeduldig auf Entscheidungen zu drängen. Die außenpolitischen Zeichen erheischen keineswegs überstürzte Schritte. Herr Poincarö hat sich mittlerweile zwar in der Kammer das kaum zweifelhaft gewesene Vertrauensvotum geholt; allein seine Position wird sichtbar schwächer. Seine Meinungsverschiedenheiten mit Belgien, das von dauernder Gewalt an der Ruhr nichts mehr erhofft und dies der Welt gegenüber offen ausgesprochen hat, berechtigen zu der Annahme, daß eine annehmbare Lösung langsam sich anbahnen könnte. Richt als ob die belgischen Einschätzungen der deutschen Leistungsfähigkeit, die Monopolvorschläge, die Pläne der Gläubigerbeteiligung an deutschen Unternehmungen und die Unterstellung der großen deutschen Staatsbetriebe unter fremde Hörigkeit und Willkür der Weisheit letzter Schluß sein sollten — ein Fortschritt ist es immerhin, daß Belgien an der Seite Englands
nunmehr überhaupt eine Lösung ohne gewaltsame Pfändungen sucht. Die Pariser nativ* nalistische Presse steht im Kampfe nach allen Fronten hin. Die Scharfmacher in der französischen Kammer, die sich wie gierige Raben heißer schrieen nach der Tln.erjvchung Deutsch- landS, haben keine allzu große Bedeutung mehr.
Wir stehen fteilich in einer zunehmenden Verelendung unserer deutschen Finanzen. Die Beendigung der Stteikbewegung im Ruhrgebiet hinderte es nicht, daß der Dollar auf über 70 000 gestiegen ist! Aber das gibt den gestern veröffentlichten Warnungen der ^T i • meS" recht, die der brittschen Politik^ Eile anrät in der Regelung der deutschen Schuldverpflichtungen! ES wird da nicht mehr verlangt, daß die deutsche Regierung höhere finanzielle Angebote mache, sondern das Blatt beschränkt sich auf die Mahnung, Deutschland solle seinen Antrag widerholen, die Entscheidung an einen internationalen Ausschuß von Sachverständigen zu überweisen. Enttäuschungen Frankreichs seien nicht mehr zu umgehen. Die neuen Griffe und das Tempo des Kabinetts Baldwin liegen noch im Dunkeln; eS ist noch nicht ganz gewiß, ob Mac Kenna, den die Franzosen mit mißfälligen Ausrufen begrüßten, der aber auch bei den englischen Rechtskonservativen auf Widerstand stößt, den Posten des Schatzkanzlers definitiv übernimmt. Erfreulich aber ist es, daß die noch nicht weit dunuüiegenbe Kritik des englischen Unterhauses an den Verhältnissen im Saar- gebiet von der neuen Regierung in Taten umgesetzt wird. Die amtliche Ankündigung eines englischen Vorschlages, über die Tätigkeit der Regierungskommission des Saar» gebieteS einen TlnterfuchungüauSfchuß des Völkerbundes einzusetzen, bedeutet eine offenkundige Zurückweisung der französischen Rechtsbeugungen. Wird vielleicht auch der Tag kommen, wo Herr Baldwin mit einer Geste des Widerwillens gegen die französischen Schandtaten in den übrigen besetzten Gebieten sich wenden wird? Das Wott „Wiedergutmachung" hat keinen Klang mehr, wenn die gesittete Welt den verächllichen Handlungen Frankreichs „unparteiisch" sich gegen» überstellt! Wenn eine deutsche Rote in naher Aussicht steht, so hoffen wir, daß sie nicht etwa wieder kleinlaut die Schande im Westen übergeht, sondern unbekümmert um „feiger Gedanken bängliches Schwanken- dem gemeinen und gehässigen Rachbar deutsche Würde und Selbstbehauptung gegenüberstellt!
Die Polemik gegen die Vorschläge des Reichsverbandes der deutschen Industrie.
Berlin, 1. Zuni. (WTD.) Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund, der Allgemeine Freie Angestelltenbund, ter Allgemeine Deutsche Deamtenbund und der Gewerkschaftsring Deutscher Arbeiter-, Angestellten- und Deamtenverbände haben eine Denkschrift an den Reichs stinzler gerichtet, in der sie anerkennen, daß die Stellungnahme des ReichSverband^ der Deutschen Z n d u st r i e zur Frage der Heranziehung der industriellen Wirtschaft als Garant für den Anleihedienst die grundsätzliche Zustimmung zum GÄXmkeu der Sachwerterfasfung bringt. Diese Zustimmung weide aber, so führt das Schreiben aus. durch die daran geknüpften außen- und innenpolitischen Voraussetzungen nahezu wirkungslos. Die Industrie versuche, mit dem Staat als unabhängige Macht zu verhandeln und stelle Forderungen, wo es gelte, die Bürgerpflichten gegen den Staat zu erfüllen. Die Haltung der Industrie lasse den Schluß zu, daß sie das Gesamtpcoblem der Reparationen über den Staat hinweg von Industrie zu Industrie lösen wolle. Die Sachwerterfassung könne nur auf dem Wege gesetzlicher Erfassung ermöglicht werden. Unmöglich sei es, der organisierten Arbeiterschaft über die Preisgabe tes Achtstundentages und über die anderen erhobenen Forderungen des Reichsverbandes zu verhandeln. Eine Privatisierung der Reichs - und Staatsbetriebe halt die Denkschrift für ausgeschlossen. Selbst die Verwirklichung dieses Verlangens dürfte die Erzielung der von der Industrie angenommenen Erträgnisse dieser Betriebe für absehbare Zeit unmöglich machen. Andererseits werde in dem Schreiben des Reichsverbandes der Wille zur ausreichenden Steuerbelastung vermißt. Schließlich erwartet die Denkschrift eine gerechtere Verteilung der Reparationslasten seitens der Regierung und des Reichstags; vor allem sollen die gut fundierten Vermögen zur Deckung herangezogen werden. Die Denkschrift ist von einer Anlage begleitet, die sich im einzelnen mit dem Schreiben des Reichsverbandes der Deutschen In- kustrie auseinandergestcht, um zu erklären, daß in ihm die Gr.ndlage für di- Lösung des Repa- rationsprvblemS nicht gegeben ist.
Die Fortführung des passiven Widerstandes.
Essen, 1. Zuni. (Wolff.) Sine Konferenz von Führern der Freien Gewerkfchafteu
und Bezirksleitungen hat nach Vorträgen des Dergarbeiterführers Mart müller unb^ des Reichstagsabgeordneten öollmann eine Entschließung angenommen, in der sie betont, daß der von den Organisationen der Arbeiter, Ange- teilten und Beamten geführte passive Widerstand auch während der beginnenden Verhcurdlungea mit der bisherigen Energie fortgesetzt werden müsse. Ein vorzeitiger Abbruch des Widerstandes würde eine Unterwerfung unter den französischen Imperialismus bedeuten. Die Arbeiterschaft führe den Stampf nicht für die Reichs- tegievung und nicht für die deutsche Kapitalisten- llasse, sondern für die Zukunft der deutschen Wirtschaft, also für sich selbst und für das internationale Proletariat. Rach dem Marksturz müsse von der Reichsregterung und dem Tlnternehmertum alles getan werden, um sofort die Gehälter, Löhne, Er- werbslvsensätze und Renten den veränderten Verhältnissen anzupassen und die Teuerungswoge zu hemmen. Zur Bekundung des Erfüllungswvllens und zur wirklichen Erfüllung der Reparationsverpflichtungen seien ganz andere Leistungen der deutschen Kapitalistenllasse erforderlich, als sie in dem Angebot der deutschen Wirtschaft zum Ausdruck kämen. Zede irgendwie geartete Antastung der deutschen Souveränität in tem bedrohten westlichen Gebiet würden die Arbeitermassen entschieden bekämpfen, sie würden sich auch mit einer internationalen ®e;xbarmerie niemals abfinden.
Die neue Neparatiousuote der Rcichsregiernng.
Berlin, 2. Zuni Die neue Repara- tionsnote der Reichsregterung an die Alliierten wird einer sozialdemokratischen Korre- fpenbens zufolge nicht vor Mitte der kommenden Woche überreicht werden. Die Korrespondenz will wissen, daß eine feste Summe im Gegenwortswerte Angeboten werden soll. Roch ungelöst sei die Ga- xaiitiefiage.
Eine aktive Reparationspolitik Englands?
London, 1. Juni. (WTD.) Dem Londoner Berichterstatter des „Manchester Guardian" zufolge befaßt sich das britische Schatzamt augenblicklich damit, die britische Reparations- Politik zeitgemäß zu.gestalten. Baldwin sei entschlossen, eine Regelung der Probleme der Reparationen und der interalliierten Schulden zu versuchen. Aus einer unformellen Zusammenkunft von Ministern sei beschlossen worden, die dem Plan Donar Laws vom letzten Zanuar zugrunde liegenden Prinzipien aufrechtzuerhalten, zugleich mit der nötigen Revision der Zahlenwerte. Das Schatzamt prüfe die Gesamtftage von neuem, um abzuschätzen, welchen Einfluß die Ruhrbesetzung auf den britischen Plan habe. Die einzige Aenderung, die in diesem Plan gemacht werde, werde die Einsetzung abgeänderter Summen sein, wo dies bet den augenblicklichen Bedingungen notwendig sei.
Die Saarfrage.
Paris, 2. Juni. (WTB.) Der Londoner Berichterstatter des „Petit Parisien- glaubt zu wissen, dah die Grundlage für ein Arrangement zwischen der englischen und der französischen Regierung in der Saar frage so gut wie gefunden ist. Der ftanzösische Botschafter habe gestern abend Lord C u r z o n die Gründe auseinandergesetzt, die die französische Regierung hindern, dem englischen Vorschlag einer Slnlersuchungskvmmission ihre Zustimmung zu geben, und habe mit ihm die Abänderungen ins Auge gefaßt, die an der Rvtverordnung vorgenommenwerden könnten. Aus diesem Meinungsaustausch gehe hervor, daß keine ernstlichen Schwierigkeiten sich einer französisch-britischen Verständigung entgegenstellten, und man könne erwarten, daß die englische Regierung ihren Vorschlag beim Völkerbund zurückziehen werde.
- Die Ursachen der Unruhen im Ruhrgebiet.
Essen, 1. Zuni. (Wolff.) Die Konferenz des Zentralvorstantes der FreienGewerkschas- ten des Ruhrgebiets mit te.i Bezirksleitungen hat ehren Aufruf an die Mitglieder der Freien Gewerkschaften gerichtet. Der Aufruf erklärt, daß die älnru ben der letzten Zeit durch unverantwortliche Elemente herbttgesührt wurden, und baß die Gewerkschaften nichts damit zu tun haben. In geradezu verbrecherischer Weise sei die Rot des Volkes ausge- n u tz t worden, um unter dem Schuhe der Franzosen politische Ziele zu erreichen. Durch die Lahmlegung ter deutschen Wirtschaft, durch den Ruhreinmarsch und durch fottteaernte Geldentwertung, so führt ter Aufruf cms, hat sich eine katastrophale Verschlechterung ter Lebenshaltung der breiten Massen ergeben, ter auch das Unternehmertum absolut nicht Rechnung getragen hatte. Statt die Macht der Gewerkschaften zu stärken, um die eingeleiteten Lohnverhandlungen zu einem günstigen Ausgang zu bringen, entfesselten die Kommunisten unter dem Deckmantel berechtigter Lohnforderungen politische Kämpfe, die zahlreichen Proletariern Leben und Gesundheit kosteten. Die Rot wurde dadurch nicht vermindert, sondern erschreckend gesteigert. Alles, was für die Arbeiter erzielt wurde, ist durch die Verhandlungen ter Gewerkschaften herbei- geführt Worten, welche die Arbeiter auch fernerhin
nicht im Stich lassen werden. Es soll versucht teerten, die durch unverantteortliche Schädlinge vermehrte Rot in den Arbeiterfamilien zu lindern. Entsprechende Verhandlungen, die auch bc- rechtigte Lohnansprüche befriedigen sollen, sind e in g c le i te t worden. Die Arbeiter müssen aber aus den letzten Vorgängen lernen und alles daran sehen, die Gewerkschaften zu stärken.
Ein junges Mädchen durch ein französisches Auto getötet.
Bochum, 1. Zuni. (WTB.) Heute nachmittag fuhren französische Panzer - und Lastautos in schnellem Tempo durch die Hochstraße. Beim Einbiegen in die Borgardstrahe verlor der Führer eines Lastkraftwagens die Herrschaft über den Wagen und fuhr auf ten Bürgersteig und in die dort stehende! Menge. Ein junges Mädchen wurde getötet, ein zweites erlitt eine s chwere Quetschung. Eine französische Kommission besichtigte ten Tatort und stellte Rachforschungen an.
Französische Justiz.
Landau, 1. Zuni. (WTD.) In ter gestrigen Sitzung des Mililärpvlizrigerichts wurden folgende Fälle verhandelt: 1. Lorenz Derberich, Polizei- Wachtmeister aus Mannheil.l, ter glaubte, im unbesetzten Mannheim französische Offiziere nicht grüßen zu brauchen. Er erhielt 6 Monate Gefängnis und 50 000 Mk. Geldstrafe oder weitere 3 Monate Gefängnis. In ter Begründung heißt es, daß überall, wo französische Offiziere im Dienst erscheinen, ter Boten als besetztes Gebiet zu betrachten sei. 2. Hermann Münch wurde im besetzten Hafengebiet verhaftet, weil er seinen Dienst in Zivil versehen hatte. Gr erhielt die gleiche Strafe, weil ein Befehl bestehe, daß deutsche Pvlizeibeamte im Dienste die Uniform zu tragen haben. 3. Anna Lindberg, Lebensmittelhändlerin aus Ludwigshafen, verweigerte den Berkaus von Rotkraut an das Personal eines französischen Offiziers unter dem Vorwand, daß das Kraut für den eigenen Bedarf bestimmt sei und wurde deswegen zu 5 0 0 0 0 M f. Geldstrafe ober drei Monaten Gefängnis verurteilt.
Das Vorgehen gegen die Presse.
Landau, 1. Zuni. (WTD.) Der Redakteur am „Rheinpfälzer", Karl Detzel, ist vvn ter Be- sahungsbehörte wegen einer ihm unterstellten Falschmeldung über einen angeblichen Sabotageakt an beschlagnahmtem Eisenbahnmaterial verhaftet und sein Blatt auf drei Tage verböte^ worden. Wegen Weitergabe derselben Meldung sind auch die „Pfälzische Presse" und die „Pfälzische Volkszeitung" in Kaiserslautern auf drei Tage verboten worden.
Die beschlagnahmten chemischen Produkte.
Paris, 2. Zuni. (WTD.) Wie das „Echo de Paris" mitteilt, sind im ganzen besetzten Gebiet durch die Desahungsbehorten für 200 Millionen Franken chemische Produkte beschlagnahmt worden.
Französische Flugzeuge auf deutschem Boden.
München, 1. Juni. (WTB.) Zn den letzten Tagen erfolgten in der Nahe von Nürnberg zwei weitere Notlandungen f r a n z ö s i s ch e r F l u g z e u g e, die der gleichen Gesellschaft wie die kürzlich bei Schwaig gelandeten angehören. Die Flugzeuge wurden samt den Ladungen in vorläufige Verwahrung genommen. Die Flugzeugführer, von denen der eine bei der Landung verletzt worden war. wurden einstweilen festgehalten.
Neue Hetzreden Millerands.
Paris, 1. Zuni. (WTD.) Während bet gestrige Tag, ter .> PräsidentderRepu - blik in Straßburg verbrachte, der Feier eines Gelehrten (Pasteur) gewidmet war, scheint der heutige Tag in geschickter Weise vorbereitet zu sein, um propogandistisch in ganz Frankreich ausgebeutet zu werten. Der Präsident der Republll wurde am Vormittag in ter Handelskammer empfangen, und mittags hat ter Generalrat im Prä- fetturgebäute ihm ein Frühstück gegeben. Beide Anlässe benutzte der Präsident ter Republik, um politische Reden zu halten.
In ter Handelskammer antwortete er dem Vorsitzenden, ter ihm die Wünsche ter Straßburger Wirtschaftskreise borget ragen hatte: Seit vier Zähren macht das angeblich ruinierte Deutschland beträchtlich; Qtufga e.i tür i? enb liche Arbeiten, um seine Konkurrenz in ter ganzen Welt zu erdrücken. Von gewisser Seite wolle man das nicht sehen. (Nach dem „3ntcanfigeanl‘‘ erwähnte Millerand im Zusammenhang mit dieser „Verblendung", wie er sich ausdrückte, über die sich die Geschichtsschreiber wundern würden. England. Das Blatt bemerkt, da hdieser Satz Sensation hervvrgerufen habe.) Dieselben Leute, die Deutschland vor dem Kriege als Konkurrenten zur Sse hmstellten, ter von Tag zu Tag bedrohlicheren Aufschwung nehme, hätten ihm gestattet, die Bestimmungen des Versailler Vertrags und seine Worte zu verletzen, das Geld, dos zur Zahlung heiliger Schulten verwendet werden sollte, dadurch diesem Zweck zu entziehen, eine Handelsflotte zu bauen und Hafeneinrichtungen zu schaffen die in unerhörter Blüte ständen. Sind was Deutschland aus dem Gebiete des Hafen- und Schiffbaues durchges-ührl habe, habe es aus allen Gebieten bewerkstelligt, so daß man die Achseln zucken müsse, wenn Deutschland fern Glend bejammere und behaupte, daß es aus Armut seine Schulten nicht bezahlen fösner Es sei,


