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Freitag, 2. Februar 1925

173. Jahrgang

Die Kohlenblockade gegen Deutschland

31-Januar 1923

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Annahme von Anzeigen für die lagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Sreis für 1 mm höhe für nzeigen v 27 mm Breite örtlich 40 Mk., auswärts 50 MK.; für Reklame- Anzeigen von 70 mm Breite 180 MK.Bei Platz- Vorschrift 20Aufschlag. Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen.

ÜMM jerungen zwingen uns zi n Gebühr, und zwar un

Kundgebungen im Reiche.

Frankfurt a. M., 1. Febr. Vor dem Earltonhotel kam eS heute abend gegen die dort wohnende Ententekommission zu einer Kundgebung. Die Demonstranten nahmen eine drohende Haltung ein und ver­suchten in das Hotel einzudringen. Sin zahl­reiches Polizeiaufgebot versucht die Menge abzudrängen.

Königsberg, 2. Febr. (MTV.) Die De­monstrationen gegen die französischen Kontroll­offiziere haben sich nachmittags wiederholt, als die Führer der Abordnung sich im Kraftwagen nach dem Oberpräsidium begaben, um gegen die gestrigen Demonstrationen zu demonstrieren und um Schutz zu ersuchen.

Nr. 28

Erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertag«, mit derSamstagsbeilage: GießenerFamilienblätter Monatlichevezuaspreife: 1325 Mark und 75 Mark Trägerlohn,durch diePost 1400Mark,auchbeiNicht. erscheinen einzelner Num­mern infolge höherer Gewalt.- Fernsprech- Anschlüsse: für dieSchrift- leitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach­richten. Arneiger Siehe«.

Postscheckkonto:

Frankfurt a. M. 11688.

Düsseldorf, 1. Febr. (WTB.) General D e g o u t t e hat den Düsseldorfer Regierungs­präsidenten Dr. G r ü h n e r davon in Kenntnis gesetzt, daß auf Befehl der französischen und belgischen Regierung die Ausfuhr von Kols und Kohle aus dem besetzten in das unbesetzte Gebiet verboten sei, dagegen die Ein- und Ausfuhr von allen anderen Waren fr.ibleibe und die Ein­fuhr von Lebensmitteln nicht verhindert werden würde. Hieran hat der General den Befehl ge­knüpft, diese Ankündigung an dir in Frage kom­menden Behörden weitrrzugeben. Die Ausfüh­rung dieser Anordnung hat der Regieru'.rgs- Präsident a b g e l e h n t mit dem HiMv.is darauf, daß die deutsche Regierung den Einbruch der fran- zösi ch<n und belgischen Arme: als Vertragsbruch arische und die deutschen Behörden angewiesen hab:, keinerlei Anordnungen, welche eine Folge dieses Einbruches darstellten, auszuführen. Er sähe es für sich und alle deutschm Beamten als Pflichtverletzung an, wenn er diese Anordnung zur Kenntnis der beteiligten Stellen bringen würde. Er erhebe gegen das Kohlenausfuhr'vec- bot entschiedensten Einspruch und sehe darin eine Kriegsmaßnahme, die eine Verletzung des Völker­rechts darstelle. Die Zusicherung der Freiheit im Lebensmittelverkehr werde er den ihm unter­stehenden Behörden und der Bevölkerung mit­teilen.

Paris, 2. Febr. (WTB) Lieber die Lage im Ruhrgebiet schreibt derPetit Parisien", seit gestern abend seien alle Kohlen- und Koks- sendungen nach Deutschland amRandedes besetzten Gebietes aufgehalten wor­den. Diese Maßnahme sei von den Deutschen mit einer Art passiver Ergebenheit ausgenommen wor­den. Man müsse jedoch hinzufügen, daß nach den aus Berlin eingetroffenen Rachrich'.en diese Re­signation noch nicht derartig sei, daß sie die deutsche Regierung zum Rachgeben zwingen werde. Dir Deutschen behaupten, daß sie genügend Kohlenvorrat aufgehänft haben, um es län­ger als Frankreich und Belgien aushalten zu kön­nen. Gestern habe man in Paris beschlossen, e neu Direktorialaussch'uh zu bilden, der gleich eitrg zr- vilen und militärischen Charakter tragen solle und dessen Aufgabe daran bestehen würde das Rader- wert der leitenden Stellen zu vereinfachen. Diese Reuerung sei unerläßlich, um Verzögerungen und das Hin- und Herschwanken zwischen den Dienst­stellen abzustellen.

Die Wirkungen der Abschnürung.

Berlin, 1. Febr. Die an den Grenzen des Ruhrgebiets von den Franzosen und Bel­giern eingerichtete Kohlensperre hat, wie die Blatter melden, bereits große Verkehrs- stockungen zur Folge gehabt. Die Bahn­höfe Vorhalle und Lünen-Süd sind schon jetzt gänzlich verstopft und auf dem Bahnhof Lünen-Rord stehen die Kohlenzüge in langen Reihen und machen jeden Güterverkehr un­möglich. Der Eingriff in den Verkehr kann nach der D. A. Z. nach drei bis vier Tagen zu einer vollständigen Lahmlegung führen. Dann muß die Lebensmittelversorgung durch andere /Verkehrsmittel erfolgen, falls die Franzosen bis dahin nicht einsehen, daß dieser neue Fehlschlag wieder ein Versuch am un- rechten Objekt war. Einer Meldung des Lage-

Spenden für dis Ruhrkämpfer.

Der Berliner Magistrat hat beschlossen, für die Simmlung des Deutschen Städtetages zu Gunsten des deutschen Dolksopfers 2 0 M i l l i o - n e n Mk. zu bewilligen. Der Stadtverordneten- Versammlung ist eine entsprechende Vorlage zu­gegangen.

Die Abgeordneten des Reichstages und des Preußischen Landtages haben eine ft-annell' B i;r'n r»-» "n ><r -> S-""m°

lung für da; Ruhrgebiet b:sprochen Dl demo- kraasche.l (jrathvuc.i yaoen l-luiVoi,. v»ig- beschlossen, bis auf weiteres monatlich 10 000 QKt. je Mitglied für die Sammlung zu stvenden. Die h idei s zia d mvkiatiscken £raft onen wer.en rach demVorwärts" ebenfalls 10 000 Mk. pro Mit­glied an den sozialdemokratischen Parteivorstand überweisen.

Hamburg, 1. Febr. (Wolff.) Die Deutsche Kolonie in Lima hat für die notleidende Bevöl­kerung des Ruhrgebiets 400 Pfund Sterling ge­sammelt und dem Reichskanzler zur Verfügung gestellt.

Rotterdam, 1. Febr. (Wolff.) Der Rieuwe Rotterdamsche Kurant" zufolge sammelte das Personal der holländische nEisen- bahn den Betrag von 6000 Gulden, etwa 120 Millionen Mark, für Kinder deutscher Eisen­bahn-Angestellten.

Eine Aussprache in der französischen Kammer.

Paris, 1. Febr. (WB.) Die Kammer hat heute am Schlüsse der Sitzung auf Antrag P o t n- careS mit 485 gegen 81 Stimmen be­schlossen, die Erörterung der Interpel­lationen über die allgemeine Politik der Re­gierung, die morgen stattfmden sollte, zu ver­tagen, damit wie Poincare sich ausdrückte, die Regierung in Ruhe ihre friedliche Aktion zur Er­langung von Reparationszahlungen fortsetzen könne.

Paris, 1. Febr. (WTB.) 3tn Laufe der Geschäftsordn ungsdebattc, die sich heute in der Kammer entwickelte, hat der Abg. Herriot namens der Radikalen die Erllärung abgegeben, worin er betonte, die Besetzung des Ruhrgebiets erscheine seinen Freunden als Folge der feit langen Monaten in Genua und auf späteren Konferenzen konsequent durchgeführten Politik.

Der Abwehrplan.

Essen, 1. Febr. (WTD.) Lieber die Fvun der Abwehr gegenüber der französischen Maß­nahme der Kohlenblockode gegen Deutschland erfahren wir von gut unter­richteter Seite: Es kann angenommen werden, daß die Franzosen versuchen werden, von den etwa 200 000 beladenen Kohlen waren, die sich z. Z. im Ruh gebiet beftnie i einen T .il nach Frankreich zu schaffen und zwar sollen dazu die beiden im Ruhr­revier militarisierten Strecken der Ruhrtalbahn und die Strecke DüsseldorfDuisburgOberhau­senLünen dienen. Die Kohlenzüge sollen dann über die militarisierten Strecken des altbesehten Gebietes u. a. über KoblenzBonn, TrierEus­kirchen und AachenDüren abtransportiert wer­den. Wie weit es den Franzosen möglich sein wird, die widerrechtlich angeeignete Kohle aus dem Ruhrrevier und dem altbesehten Gebiet hevaus- zubrrngen, muß abgewartet werden. Erlasse des Reichsverkehrsmini teriums haben die Eisen ahner über geeignete Abwch.rnaß .ahmen unterrichtet. 3m Ruhrrevier selbst herrscht das Bestreben, die Wirtschaft soweit wie nur irgend möglich zu erhalten, da deutsches Interesse an der geordneten Fortführung der Wirtschafts­betriebe im Ruhrrevier unbedingt besteht. Für diesen Zweck werden auch geförderte Kohlen Ver­wendung finden. Sollten von französischer Seite Versuche unternommen werden, geförderte Koh­len für die Zwecke Frankreichs zu verwenden, so wird die Dergarbeiterschaft des Ruhr­reviers geschlossen bestrebt sein, einen derartigen Kohlenraub zu vereiteln. Die für diesen Fall vorgesehenen Maßnahmen werden äußerlich vollkommen ruhig und plan­mäßig durchgeführt werden. Bei jeder Maßnahme wird sorgfältig' geprüft werden, ob sie fce.i Inter­essen des deutschen Volles zu dienen geeignet ist und die französischen Raubabsichten wirksam zum Scheitern bringen kann. Rach wie vor steht den wechselnden französischen Gewaltmethvden die ge­samte Ruhrbevöllerung ruhig, geschlossen und ab­wehrbereit gegenüber. Es besteht deshalb die be­gründete Hoffnung, daß auch der neueste Schachzug Frankreichs nicht zum Erfolge führen wird.

Der Sturz des Franken.

Don einem vvllswirtschafllichen Mitarbeiter wird uns geschrieben:

Die deutsche Währung hat durch den Ruhr­einfall der Franzosen trat Todesstoß erhalten. Aber auch der französische Frank macht paeder einen parallelen Sturz durch. Zu Ende des abge­laufenen Monats Januar stieg in Frankreich das englffche Pfund, das anfangs Januar auf 62,80 stand, über 76 und der Dollar erreichte einen höchsten Kurs über 16. Ganz wie in Deuffch- land noch unter der Regierung Wirth sucht die Pariser Regierung die Oeffendlichkeit darüber zu beruhigen. Am Quai d'Orsay wird erklärt, das Fallen des Franken sei nur als vorübergehende Erscheinung aufzufassen. Der Grund: Die inter­nationale Finanz habe große Mengen von fran- zösischen Devisen auf den Markt geworfen, um die gegenwärtige Politik Frankreichs zu diskre- tieren. Das war ein Hieb auch gegen die Freunde, richtiger gesagt früheren Freunde England und Amerika, die den französischen Franken langst als überwertet ansehen. Hat doch kürzlich der Londoner .Economist" seine Verwunderung darüber ausge­sprochen, daß der Frank sich überhaupt noch halte, wie es der Fall ist, da London und Reu- york das Vertrauen zu ihm verloren hätten. Tat­sächlich ist der Prozeß der Frankenentwertung seit Mitte des vorigen Jahres unverkennbar, und seitdem ist auch eine internationale Baisse­spekulation in französischer Valuta in Fluh ge­kommen. Der Sturz des Franken hat nur deshalb noch nicht die Formen des deutschen Währungs- elends angenommen, weil verhältnismäßig wenig Frankenbeträge außerhalb Frankreichs herum­schwimmen, während die Mark infolge der Grenz­durchlöcherung nach dem Zusammenbruch und in­folge der Lebensmittel» und Rohstoffimporte in katastrophaler Menge ins Ausland abfloß. Trotz dieses Unterschieds läßt sich der Währungssturz auch für Frankreich nicht mehr aufhalten.

Die Gründe für das französische Finanzelend hat soeben der tschechoslowakische Außenminister Denesch in feinem im übrigen so bemerkenswert deutschfeindlichen Parlamentsbericht treffend an­gegeben. Ja, man kann sagen, er hat in seinen Eifer, Fvcrnkreich zu verteidigen, dem französischen Franken das Todesurteil gesprochen. Denesch nannte Frankreichs innere Schulden am Schluß des Hahres 9.2:300 Mi liarden Fran'en Beinahe die Hälfte des ordentlichen Budgets ist für Zin­sen und Tilgung dieser Schulden bestimmt. Erhält Frankreich seine Wiederausbaukosten von Deuffch- land nicht zurück, so wird nach der Ansicht der französischen Finanzleute, auf die Denesch verwies, das ganze französische Dudget bis zum Jahre 1930 durch die Zinsen verzehrt, sodaß für die übrigen! Staatsausgaben nichts übrig bleibt. Run, nach dem Unglück, das Poinears durch den Ruhreinfall angerichtet hat, wird Frankreich auf die Erstattung der Wiederaufbaukosten viel länger zu warten haben, als man bisher schon annehmen mußte. Diese Kosten betragen nach Denesch 90 Milliarden Papierfranken. Der französische Finanzminister de Lasteyrie rechnete schon im Oktober v. I. mit 26 Milliarden und gab in der Kammer zu, daß das unheimliche Defizit der französischen Staatskasse mit gewöhnlichen Mitteln nicht mehr zu decken sei. Beamte kann man nicht mehr entlassen. Es sind schon 50 000 Deamtenstellen gestrichen. Reue Steuern, sagte der Finanzminister, seien nicht mehr zu erfurnen, weil das französische Volk überlastet werde. Mit Sparsamkeitsmahregeln sei man auch schon an die äußerste Grenze gegangen. (Warum fpart Frankreich nicht mit den kostspieligen Sank­tionen?) Unter Umständen bleibt nur übrig, die Fehlbeträge durch neue Anleihen zu decken. Da- mit deutete der französische Finanzminister schon im letzten Herbst die verzweifelten Schritte an, die nur immer weiter auf der schiefen Dahn ab­wärts führen müssen. Offenbar gebricht es den Franzosen an Kraft und Willen, aus sich selbst heraus eine Besserung ihrer finanziellen Lage herbeizuführen. Wie mangelhaft diese Fähigkeit ist, ja, wie wenig die Franzosen imstande sind, ihre eigenen Hilfsmittel auszunutzen, wird ein­dringlich durch die Gestaltung ihrer Eisenproduk- tion bewiesen. Rachdem sie Deutschland die loth­ringischen Erzlager genommen hatten und in den Genuß großer deutscher Kohlenlieferungen ge­treten waren, haben sie in vierjähriger Friedens­arbeit noch nicht die Dorkriegsleistung in Roheisen, Rohstahl und Stahlguß erreicht. Indem sie hoffen oder vorgeben, daß Deuffchlands Tribute und Re­parationslieferungen das französische Minus aus» gkeichen werden, sind sie ins Ruhrgebiet eingerückt. Sie bohren Deuffchlands industrielle Schlagader an. Aber das Blut flieht nicht in den Körper Frankreichs über. Das weitere Smken der französi­schen Währung beweist, daß die Welt nicht an das Gelingen des abscheulichen Ruhrexperiments glaubt. _

GieheimAnzeiger

General-Anzeiger für Gberhessen

Vrvck mid Verlag: vrllhl'sche Univerfttälr-Vuch- und Steinörudcrei R. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: 5chulstratze 7-

blatts zufolge haben die Eisenbahner die For­derung der Franzosen abgelehnt, die leeren Kohlenwagen wieder nach dem Ruhrgebiet zu­rückzutransportieren.

Der Reichsernährungsminifter in Dortmund.

Dortmund, 1. Febr. (WTD.) Reichs­ernährungsminister Dr. Luther verhandelte heute in Gegenwart von Vertretern des Ma­gistrats mit den Vertretern der Arbeiter-, An­gestellten- und Beamtenvrganisationen aller Richtungen sowie mit den leitenden Persön­lichkeiten der Großindustrie und des Handels über die Ernährungsfrage des be­setzten Gebietes. Alle Beteiligten be­grüßten das persönliche Erscheinen des Mini­sters im gefährdeten Gebiet. Sie entnahmen aus den eingehenden sachlichen Darlegungen die Gewißheit, daß die Regierung die Sorge um das be Letzte Gebiet als ihre wichtigste Auf­gabe betrachtet.

Die Stillegung der Eisenbahn.

Frankfurt a M., 1. Febr. (Wolff.) Don unterrichteter Seite wird uns mitgeteilt, daß auf Grund von Verhandlungen der Reichsbahn­direktion K ö l n mit der ftanzösischen Unter« kommissron in Köln unter Hinzuziehung der Ver­treter der Gewerkschaften und der Organisationen des Eisenbach.rpeifonals nach Maßgabe Eeiimmter Richtlinien der Verkehr am 2. Februar, morgens 6 Uhr, wieder ausgenommen wird. Auf den vom Militär besetzten Bahn ho en und militarisierten Strecken 'ne den die bewaff­neten Posten nach Wie^e aufnähme des Dienstes zurückgezogen. Das zur älnterweisung auf den Dienststellen befindliche französische und belgische Eisenbahnpersonal, das nach dem Rheinlandab­kommen geduldet werden muß, bleibt auf den Dienststellen zurück, jedoch o^ne Waffen.

Ludwigshafen, 1. Febr. (Wolff.) Die Eiseffbahndirektion Ludwigs­hafen teilt mit: Gestern abend wurden einige Züge aus dem Reichsbahndirektionsbezirk Mainz durch französisches Personal ohne Mit­wirkung deutschen Personals nach Ludwigs­hafen gebracht. Wegen dieses Eingriffs in den Eisenbahnbetrieb wurde von der Reichsbahn­direktion Ludwigshafen mit der ftanzösischen Unterkommission verhandelt. Das Personal der hiesigen Betriebswerkstätten hatte die Ar­beit vorübergehend eingestellt, so daß heute vormittag einige Zuge ausfallen mußten. Die Arbeit wurde heute mittag wieder ausgenom­men.

B e r l i n, 1. Febr. (Wolff.) Präsident Jahn der Reichsbahndirektion Essen verlegte die Leitung der Direktionsgeschäfte nach seiner Ausweisung aus dem besetzten Gebiet nach Hamm. Die Betriebs- und Verkehrs­fragen behandelt bis auf weiteres die Gene­ralbetriebsleitung in Elberfeld. Jahn gibt in einer soeben veröffentlichten Anweisung an seinen Bezirk bekannt, daß auch nach seiner Ausweisung die Leitung der Geschäfte allein durch ihn erfolge und daß auch alle Beamte, die innerhalb des besetzten Gebietes an ihrem Dienstvrt weiterarbeiten, nur seinen Weisun­gen zu folgen haben.

Französische Brutalitäten.

Bochum, 1. Febr. (WTB.) Bei der Be­setzung der Fahrzeugwerke Lueg, die erfolgte, um zwei Privatpersonen-Kraftwagen zu beschlagnahmen, wurde dem S ektriker Schulte und den beiden Meistem Roch und Ernst von französischen Soldaten RevolverundDolche auf die Brust gesetzt. Ein Panzerautomobil rich­tete seine beiden Geschütze unter Zustimmung der herumstehenden französischen Offiziere und 3n- geniure auf die nur wenige Meter von der Mün­dung entfernt stehenden Herren der Werksleitung und auf die Arbeiter. Die Straßen waren mit einem großen militärischen Aufgebot von Tanks und Panzerautomobilen abg?fperrt. Die Beamten­schaft weigerte sich, den Anweisungen der Fran­zosen Folge zu leisten.

Bochum, 1. Febr. (WTB) Die Herren Dr. Lueg, Schwarz und Dahrmann von den Fahrzeugwerken Lueg besinden sich weiter in französischer Haft. 3m Laufe des Vor­mittags wurde an Dr Lueg das Ansinnen ge­stellt, das Verhalten feirer Arbeiter bei der Be­setzung des Werkes zu mißbilligen und zu ^erklä­ren, daß er damit nicht einverstanden gewesen sei. Das Ansinnen anirbe selbstverständlich abgelchnt. Der Syndikus des Arbeitgele.Verbandes der Hut­ten und Maschinenindustrie in Bochum, San­der, verlangte nachmittags im Auftrage der Bochumer 3ndustrie die fofortige F eilassung der ai^e rechtlich Ve giftete t. Die b^ab'ich iste münd­lich: Erklärung konnte nicht beendet werden, da der General nach den ersten Sähen die Unter­redung abbrach. Sander richtete daher namens des Arbeitgebern.bandes der Hütten und Ma­schinenindustrie in Bochum an den Gereral ein Schreiben, in dem die sofortige Freilassung der widerrechtlich Verhafte'en verlangt, gegen das unrechtmäßige gewaltsame Vorgehen der fran» zösischen Truppen und das rücksichtslose Verhalten der Offiziere und Mannschaften in den Fahrzeug- tixrfen Lues protestiert und ausdrücklich erklärt

wird, daß alle Bochumer Industriellen ausdrück­lich feststellen, daß das Verhalten de «'Belegschaft der Firma Lueg für das einzig richtige gehalten wird, da der requirierte Kraftwagen bereits heute morgen nicht mehr fahrbereit war und von den ftanzösischen Monteuren anscheinend nicht wieder­hergestellt werden konnte. Heute nachmittag wurde von Dr. 2ueg verlangt, feinem Wecke die An­weisung zu geben, den Wagen zu reparieren. 3n diesem Falle wurde die Haftentlassung ver­sprochen, die anderen Mitte.hafteten müßten aber weiter in Haft bleiben, da gegen sie ein kriegs­gerichtliches Verfahren wegen abfälliger Bemer- runaen über die französische Besahungsarmee ein« geleitet fei. Dr. Lueg hat das Ansinnen abgelehnt.

Berlin, 1. Febr. Wie die Blätter aus Bochum melden, schlug gestern in Weitmar ein französischer Offizier einem deutschen Polizei­beamten ins Gesicht, als dieser dem Offizier den Gruß verweigerte. Aus dem gleichen Anlaß wurde ein anderer Polizeibeamter von einem Offizier Der Desatzungsarmee mit der Reitpeitsche mißhandelt und dann verhaftet. 3n der Polizei­beamtens cha s t haben diese Dorfällc äußerste Erregung hervorgerufen.

Wie die Blätter melden, liehen in Dor­sten zwei belgische Offiziere ihre Familien, Ehe­frau, Kinder und Dienstboten nachkommen und be­standen darauf, daß ihnen außer den üblichen Haushaltungsgegenständen auch Kinderbade­wannen, Kinderbetten und Kinder­wäsche geliefert toerben. Sie haben, ohne sich um die Wohnungsnot zu kümmern, in Privat- Hausern drei bis vier Zimmer beschlagnahmt. 3n Duisburg hat ein verheirateter Offizier trotz der großen von der Desatzungsbehörde anerkann­ten Wohnungsnot herrschaftliche Räume und Küchenbenutzung für sich in Anspruch genommen und hat seine Großmutter, seine Mut­ter, zwei unverheiratete Schwestern und eine verheiratete Schwester mit zwei Kindern bei sich wohnen.

Direktor H a l ä n d e r von dem Preß- und Stanzwerk in Reviges .hatte auf Do-stellungen des Betriebsrates einer Arbeiterin, die beim Einzug der Franzosen französischen Soldaten Kaffee und Kuchen gereicht hatte, die Kündigung übermittelt Die Anklage erblickt in dieser Ent­lassung eine Beleidig ung dec sranzösi- schenTruppen. Das Urteil lautete auf 150 000 Mk. Geldstrafe.

Plünderungen.

Berlin, 1. Febr. (Wolff.) Wie den Blät­tern mitgeteilt wird, hatten in Witten a. d. Ruhr die Konfitürenhändler sich dahin geeinigt, an die Desahungstruppen nicht mehr zu verkau­fen und dies bi Plakaten an ihren Geschäften kund­gegeben. Die Plakate wurden von den Vesahungs- soldaten abgerissen und die Geschäfte durch Soldaten und Offiziere geplündert Später wurde die Ruhe wiederhergeslelll.

Die Koblenzer Zeitungen (uif drei Tage verboten.

Koblenz, 1. Febr. (WTB.) Die ge­samte Koblenzer Presse ist von der Rheinlandkommission ohne Angabe von Grün­den auf drei Tage verboten worden.

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