Freitag, 2. Februar 1925
173. Jahrgang
Die Kohlenblockade gegen Deutschland
31-Januar 1923
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ÜMM jerungen zwingen uns zi n Gebühr, und zwar un
Kundgebungen im Reiche.
Frankfurt a. M., 1. Febr. Vor dem Earltonhotel kam eS heute abend gegen die dort wohnende Ententekommission zu einer Kundgebung. Die Demonstranten nahmen eine drohende Haltung ein und versuchten in das Hotel einzudringen. Sin zahlreiches Polizeiaufgebot versucht die Menge abzudrängen.
Königsberg, 2. Febr. (MTV.) Die Demonstrationen gegen die französischen Kontrolloffiziere haben sich nachmittags wiederholt, als die Führer der Abordnung sich im Kraftwagen nach dem Oberpräsidium begaben, um gegen die gestrigen Demonstrationen zu demonstrieren und um Schutz zu ersuchen.
Nr. 28
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Düsseldorf, 1. Febr. (WTB.) General D e g o u t t e hat den Düsseldorfer Regierungspräsidenten Dr. G r ü h n e r davon in Kenntnis gesetzt, daß auf Befehl der französischen und belgischen Regierung die Ausfuhr von Kols und Kohle aus dem besetzten in das unbesetzte Gebiet verboten sei, dagegen die Ein- und Ausfuhr von allen anderen Waren fr.ibleibe und die Einfuhr von Lebensmitteln nicht verhindert werden würde. Hieran hat der General den Befehl geknüpft, diese Ankündigung an dir in Frage kommenden Behörden weitrrzugeben. Die Ausführung dieser Anordnung hat der Regieru'.rgs- Präsident a b g e l e h n t mit dem HiMv.is darauf, daß die deutsche Regierung den Einbruch der fran- zösi ch<n und belgischen Arme: als Vertragsbruch arische und die deutschen Behörden angewiesen hab:, keinerlei Anordnungen, welche eine Folge dieses Einbruches darstellten, auszuführen. Er sähe es für sich und alle deutschm Beamten als Pflichtverletzung an, wenn er diese Anordnung zur Kenntnis der beteiligten Stellen bringen würde. Er erhebe gegen das Kohlenausfuhr'vec- bot entschiedensten Einspruch und sehe darin eine Kriegsmaßnahme, die eine Verletzung des Völkerrechts darstelle. Die Zusicherung der Freiheit im Lebensmittelverkehr werde er den ihm unterstehenden Behörden und der Bevölkerung mitteilen.
Paris, 2. Febr. (WTB) Lieber die Lage im Ruhrgebiet schreibt der „Petit Parisien", seit gestern abend seien alle Kohlen- und Koks- sendungen nach Deutschland amRandedes besetzten Gebietes aufgehalten worden. Diese Maßnahme sei von den Deutschen mit einer Art passiver Ergebenheit ausgenommen worden. Man müsse jedoch hinzufügen, daß nach den aus Berlin eingetroffenen Rachrich'.en diese Resignation noch nicht derartig sei, daß sie die deutsche Regierung zum Rachgeben zwingen werde. Dir Deutschen behaupten, daß sie genügend Kohlenvorrat aufgehänft haben, um es länger als Frankreich und Belgien aushalten zu können. Gestern habe man in Paris beschlossen, e neu Direktorialaussch'uh zu bilden, der gleich eitrg zr- vilen und militärischen Charakter tragen solle und dessen Aufgabe daran bestehen würde das Rader- wert der leitenden Stellen zu vereinfachen. Diese Reuerung sei unerläßlich, um Verzögerungen und das Hin- und Herschwanken zwischen den Dienststellen abzustellen.
Die Wirkungen der Abschnürung.
Berlin, 1. Febr. Die an den Grenzen des Ruhrgebiets von den Franzosen und Belgiern eingerichtete Kohlensperre hat, wie die Blatter melden, bereits große Verkehrs- stockungen zur Folge gehabt. Die Bahnhöfe Vorhalle und Lünen-Süd sind schon jetzt gänzlich verstopft und auf dem Bahnhof Lünen-Rord stehen die Kohlenzüge in langen Reihen und machen jeden Güterverkehr unmöglich. Der Eingriff in den Verkehr kann nach der D. A. Z. nach drei bis vier Tagen zu einer vollständigen Lahmlegung führen. Dann muß die Lebensmittelversorgung durch andere /Verkehrsmittel erfolgen, falls die Franzosen bis dahin nicht einsehen, daß dieser neue Fehlschlag wieder ein Versuch am un- rechten Objekt war. Einer Meldung des Lage-
Spenden für dis Ruhrkämpfer.
Der Berliner Magistrat hat beschlossen, für die Simmlung des Deutschen Städtetages zu Gunsten des deutschen Dolksopfers 2 0 M i l l i o - n e n Mk. zu bewilligen. Der Stadtverordneten- Versammlung ist eine entsprechende Vorlage zugegangen.
Die Abgeordneten des Reichstages und des Preußischen Landtages haben eine ft-annell' B i’;r'n r»-» "n ><r -> S-""m°
lung für da; Ruhrgebiet b:sprochen Dl demo- kraasche.l (jrathvuc.i yaoen l-lui „Voi,. v»ig- ‘ beschlossen, bis auf weiteres monatlich 10 000 QKt. je Mitglied für die Sammlung zu stvenden. Die h idei s zia d mvkiatiscken £raft onen wer.en rach dem „Vorwärts" ebenfalls 10 000 Mk. pro Mitglied an den sozialdemokratischen Parteivorstand überweisen.
Hamburg, 1. Febr. (Wolff.) Die Deutsche Kolonie in Lima hat für die notleidende Bevölkerung des Ruhrgebiets 400 Pfund Sterling gesammelt und dem Reichskanzler zur Verfügung gestellt.
Rotterdam, 1. Febr. (Wolff.) Der „Rieuwe Rotterdamsche Kurant" zufolge sammelte das Personal der holländische nEisen- bahn den Betrag von 6000 Gulden, etwa 120 Millionen Mark, für Kinder deutscher Eisenbahn-Angestellten.
Eine Aussprache in der französischen Kammer.
Paris, 1. Febr. (WB.) Die Kammer hat heute am Schlüsse der Sitzung auf Antrag P o t n- careS mit 485 gegen 81 Stimmen beschlossen, die Erörterung der Interpellationen über die allgemeine Politik der Regierung, die morgen stattfmden sollte, zu vertagen, damit wie Poincare sich ausdrückte, die Regierung in Ruhe ihre friedliche Aktion zur Erlangung von Reparationszahlungen fortsetzen könne.
Paris, 1. Febr. (WTB.) 3tn Laufe der Geschäftsordn ungsdebattc, die sich heute in der Kammer entwickelte, hat der Abg. Herriot namens der Radikalen die Erllärung abgegeben, worin er betonte, die Besetzung des Ruhrgebiets erscheine seinen Freunden als Folge der feit langen Monaten in Genua und auf späteren Konferenzen konsequent durchgeführten Politik.
Der Abwehrplan.
Essen, 1. Febr. (WTD.) Lieber die Fvun der Abwehr gegenüber der französischen Maßnahme der Kohlenblockode gegen Deutschland erfahren wir von gut unterrichteter Seite: Es kann angenommen werden, daß die Franzosen versuchen werden, von den etwa 200 000 beladenen Kohlen waren, die sich z. Z. im Ruh gebiet beftnie i einen T .il nach Frankreich zu schaffen und zwar sollen dazu die beiden im Ruhrrevier militarisierten Strecken der Ruhrtalbahn und die Strecke Düsseldorf—Duisburg—Oberhausen—Lünen dienen. Die Kohlenzüge sollen dann über die militarisierten Strecken des altbesehten Gebietes u. a. über Koblenz—Bonn, Trier—Euskirchen und Aachen—Düren abtransportiert werden. Wie weit es den Franzosen möglich sein wird, die widerrechtlich angeeignete Kohle aus dem Ruhrrevier und dem altbesehten Gebiet hevaus- zubrrngen, muß abgewartet werden. Erlasse des Reichsverkehrsmini teriums haben die Eisen ahner über geeignete Abwch.rnaß .ahmen unterrichtet. 3m Ruhrrevier selbst herrscht das Bestreben, die Wirtschaft soweit wie nur irgend möglich zu erhalten, da deutsches Interesse an der geordneten Fortführung der Wirtschaftsbetriebe im Ruhrrevier unbedingt besteht. Für diesen Zweck werden auch geförderte Kohlen Verwendung finden. Sollten von französischer Seite Versuche unternommen werden, geförderte Kohlen für die Zwecke Frankreichs zu verwenden, so wird die Dergarbeiterschaft des Ruhrreviers geschlossen bestrebt sein, einen derartigen Kohlenraub zu vereiteln. Die für diesen Fall vorgesehenen Maßnahmen werden äußerlich vollkommen ruhig und planmäßig durchgeführt werden. Bei jeder Maßnahme wird sorgfältig' geprüft werden, ob sie fce.i Interessen des deutschen Volles zu dienen geeignet ist und die französischen Raubabsichten wirksam zum Scheitern bringen kann. Rach wie vor steht den wechselnden französischen Gewaltmethvden die gesamte Ruhrbevöllerung ruhig, geschlossen und abwehrbereit gegenüber. Es besteht deshalb die begründete Hoffnung, daß auch der neueste Schachzug Frankreichs nicht zum Erfolge führen wird.
Der Sturz des Franken.
Don einem vvllswirtschafllichen Mitarbeiter wird uns geschrieben:
Die deutsche Währung hat durch den Ruhreinfall der Franzosen trat Todesstoß erhalten. Aber auch der französische Frank macht paeder einen parallelen Sturz durch. Zu Ende des abgelaufenen Monats Januar stieg in Frankreich das englffche Pfund, das anfangs Januar auf 62,80 stand, über 76 und der Dollar erreichte einen höchsten Kurs über 16. Ganz wie in Deuffch- land noch unter der Regierung Wirth sucht die Pariser Regierung die Oeffendlichkeit darüber zu beruhigen. Am Quai d'Orsay wird erklärt, das Fallen des Franken sei nur als vorübergehende Erscheinung aufzufassen. Der Grund: Die internationale Finanz habe große Mengen von fran- zösischen Devisen auf den Markt geworfen, um die gegenwärtige Politik Frankreichs zu diskre- tieren. Das war ein Hieb auch gegen die Freunde, richtiger gesagt früheren Freunde England und Amerika, die den französischen Franken langst als überwertet ansehen. Hat doch kürzlich der Londoner .Economist" seine Verwunderung darüber ausgesprochen, daß der Frank sich überhaupt noch halte, wie es der Fall ist, da London und Reu- york das Vertrauen zu ihm verloren hätten. Tatsächlich ist der Prozeß der Frankenentwertung seit Mitte des vorigen Jahres unverkennbar, und seitdem ist auch eine internationale Baissespekulation in französischer Valuta in Fluh gekommen. Der Sturz des Franken hat nur deshalb noch nicht die Formen des deutschen Währungs- elends angenommen, weil verhältnismäßig wenig Frankenbeträge außerhalb Frankreichs herumschwimmen, während die Mark infolge der Grenzdurchlöcherung nach dem Zusammenbruch und infolge der Lebensmittel» und Rohstoffimporte in katastrophaler Menge ins Ausland abfloß. Trotz dieses Unterschieds läßt sich der Währungssturz auch für Frankreich nicht mehr aufhalten.
Die Gründe für das französische Finanzelend hat soeben der tschechoslowakische Außenminister Denesch in feinem im übrigen so bemerkenswert deutschfeindlichen Parlamentsbericht treffend angegeben. Ja, man kann sagen, er hat in seinen Eifer, Fvcrnkreich zu verteidigen, dem französischen Franken das Todesurteil gesprochen. Denesch nannte Frankreichs innere Schulden am Schluß des Hahres 9.2:300 Mi liarden Fran'en Beinahe die Hälfte des ordentlichen Budgets ist für Zinsen und Tilgung dieser Schulden bestimmt. Erhält Frankreich seine Wiederausbaukosten von Deuffch- land nicht zurück, so wird nach der Ansicht der französischen Finanzleute, auf die Denesch verwies, das ganze französische Dudget bis zum Jahre 1930 durch die Zinsen verzehrt, sodaß für die übrigen! Staatsausgaben nichts übrig bleibt. Run, nach dem Unglück, das Poinears durch den Ruhreinfall angerichtet hat, wird Frankreich auf die Erstattung der Wiederaufbaukosten viel länger zu warten haben, als man bisher schon annehmen mußte. Diese Kosten betragen nach Denesch 90 Milliarden Papierfranken. Der französische Finanzminister de Lasteyrie rechnete schon im Oktober v. I. mit 26 Milliarden und gab in der Kammer zu, daß das unheimliche Defizit der französischen Staatskasse mit gewöhnlichen Mitteln nicht mehr zu decken sei. Beamte kann man nicht mehr entlassen. Es sind schon 50 000 Deamtenstellen gestrichen. Reue Steuern, sagte der Finanzminister, seien nicht mehr zu erfurnen, weil das französische Volk überlastet werde. Mit Sparsamkeitsmahregeln sei man auch schon an die äußerste Grenze gegangen. (Warum fpart Frankreich nicht mit den kostspieligen Sanktionen?) Unter Umständen bleibt nur übrig, die Fehlbeträge durch neue Anleihen zu decken. Da- mit deutete der französische Finanzminister schon im letzten Herbst die verzweifelten Schritte an, die nur immer weiter auf der schiefen Dahn abwärts führen müssen. Offenbar gebricht es den Franzosen an Kraft und Willen, aus sich selbst heraus eine Besserung ihrer finanziellen Lage herbeizuführen. Wie mangelhaft diese Fähigkeit ist, ja, wie wenig die Franzosen imstande sind, ihre eigenen Hilfsmittel auszunutzen, wird eindringlich durch die Gestaltung ihrer Eisenproduk- tion bewiesen. Rachdem sie Deutschland die lothringischen Erzlager genommen hatten und in den Genuß großer deutscher Kohlenlieferungen getreten waren, haben sie in vierjähriger Friedensarbeit noch nicht die Dorkriegsleistung in Roheisen, Rohstahl und Stahlguß erreicht. Indem sie hoffen oder vorgeben, daß Deuffchlands Tribute und Reparationslieferungen das französische Minus aus» gkeichen werden, sind sie ins Ruhrgebiet eingerückt. Sie bohren Deuffchlands industrielle Schlagader an. Aber das Blut flieht nicht in den Körper Frankreichs über. Das weitere Smken der französischen Währung beweist, daß die Welt nicht an das Gelingen des abscheulichen Ruhrexperiments glaubt. _
GieheimAnzeiger
General-Anzeiger für Gberhessen
Vrvck mid Verlag: vrllhl'sche Univerfttälr-Vuch- und Steinörudcrei R. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: 5chulstratze 7-
blatts zufolge haben die Eisenbahner die Forderung der Franzosen abgelehnt, die leeren Kohlenwagen wieder nach dem Ruhrgebiet zurückzutransportieren.
Der Reichsernährungsminifter in Dortmund.
Dortmund, 1. Febr. (WTD.) Reichsernährungsminister Dr. Luther verhandelte heute in Gegenwart von Vertretern des Magistrats mit den Vertretern der Arbeiter-, Angestellten- und Beamtenvrganisationen aller Richtungen sowie mit den leitenden Persönlichkeiten der Großindustrie und des Handels über die Ernährungsfrage des besetzten Gebietes. Alle Beteiligten begrüßten das persönliche Erscheinen des Ministers im gefährdeten Gebiet. Sie entnahmen aus den eingehenden sachlichen Darlegungen die Gewißheit, daß die Regierung die Sorge um das be Letzte Gebiet als ihre wichtigste Aufgabe betrachtet.
Die Stillegung der Eisenbahn.
Frankfurt a M., 1. Febr. (Wolff.) Don unterrichteter Seite wird uns mitgeteilt, daß auf Grund von Verhandlungen der Reichsbahndirektion K ö l n mit der ftanzösischen Unter« kommissron in Köln unter Hinzuziehung der Vertreter der Gewerkschaften und der Organisationen des Eisenbach.rpeifonals nach Maßgabe Eeiimmter Richtlinien der Verkehr am 2. Februar, morgens 6 Uhr, wieder ausgenommen wird. Auf den vom Militär besetzten Bahn ho en und militarisierten Strecken 'ne den die bewaffneten Posten nach Wie^e aufnähme des Dienstes zurückgezogen. Das zur älnterweisung auf den Dienststellen befindliche französische und belgische Eisenbahnpersonal, das nach dem Rheinlandabkommen geduldet werden muß, bleibt auf den Dienststellen zurück, jedoch o^ne Waffen.
Ludwigshafen, 1. Febr. (Wolff.) Die Eiseffbahndirektion Ludwigshafen teilt mit: Gestern abend wurden einige Züge aus dem Reichsbahndirektionsbezirk Mainz durch französisches Personal ohne Mitwirkung deutschen Personals nach Ludwigshafen gebracht. Wegen dieses Eingriffs in den Eisenbahnbetrieb wurde von der Reichsbahndirektion Ludwigshafen mit der ftanzösischen Unterkommission verhandelt. Das Personal der hiesigen Betriebswerkstätten hatte die Arbeit vorübergehend eingestellt, so daß heute vormittag einige Zuge ausfallen mußten. Die Arbeit wurde heute mittag wieder ausgenommen.
B e r l i n, 1. Febr. (Wolff.) Präsident Jahn der Reichsbahndirektion Essen verlegte die Leitung der Direktionsgeschäfte nach seiner Ausweisung aus dem besetzten Gebiet nach Hamm. Die Betriebs- und Verkehrsfragen behandelt bis auf weiteres die Generalbetriebsleitung in Elberfeld. Jahn gibt in einer soeben veröffentlichten Anweisung an seinen Bezirk bekannt, daß auch nach seiner Ausweisung die Leitung der Geschäfte allein durch ihn erfolge und daß auch alle Beamte, die innerhalb des besetzten Gebietes an ihrem Dienstvrt weiterarbeiten, nur seinen Weisungen zu folgen haben.
Französische Brutalitäten.
Bochum, 1. Febr. (WTB.) Bei der Besetzung der Fahrzeugwerke Lueg, die erfolgte, um zwei Privatpersonen-Kraftwagen zu beschlagnahmen, wurde dem S ektriker Schulte und den beiden Meistem Roch und Ernst von französischen Soldaten RevolverundDolche auf die Brust gesetzt. Ein Panzerautomobil richtete seine beiden Geschütze unter Zustimmung der herumstehenden französischen Offiziere und 3n- geniure auf die nur wenige Meter von der Mündung entfernt stehenden Herren der Werksleitung und auf die Arbeiter. Die Straßen waren mit einem großen militärischen Aufgebot von Tanks und Panzerautomobilen abg?fperrt. Die Beamtenschaft weigerte sich, den Anweisungen der Franzosen Folge zu leisten.
Bochum, 1. Febr. (WTB) Die Herren Dr. Lueg, Schwarz und Dahrmann von den Fahrzeugwerken Lueg besinden sich weiter in französischer Haft. 3m Laufe des Vormittags wurde an Dr Lueg das Ansinnen gestellt, das Verhalten feirer Arbeiter bei der Besetzung des Werkes zu mißbilligen und zu ^erklären, daß er damit nicht einverstanden gewesen sei. Das Ansinnen anirbe selbstverständlich abgelchnt. Der Syndikus des Arbeitgele.Verbandes der Hutten und Maschinenindustrie in Bochum, Sander, verlangte nachmittags im Auftrage der Bochumer 3ndustrie die fofortige F eilassung der ai^e rechtlich Ve giftete t. Die b^ab'ich iste mündlich: Erklärung konnte nicht beendet werden, da der General nach den ersten Sähen die Unterredung abbrach. Sander • richtete daher namens des Arbeitgebern.bandes der Hütten und Maschinenindustrie in Bochum an den Gereral ein Schreiben, in dem die sofortige Freilassung der widerrechtlich Verhafte'en verlangt, gegen das unrechtmäßige gewaltsame Vorgehen der fran» zösischen Truppen und das rücksichtslose Verhalten der Offiziere und Mannschaften in den Fahrzeug- tixrfen Lues protestiert und ausdrücklich erklärt
wird, daß alle Bochumer Industriellen ausdrücklich feststellen, daß das Verhalten de «'Belegschaft der Firma Lueg für das einzig richtige gehalten wird, da der requirierte Kraftwagen bereits heute morgen nicht mehr fahrbereit war und von den ftanzösischen Monteuren anscheinend nicht wiederhergestellt werden konnte. Heute nachmittag wurde von Dr. 2ueg verlangt, feinem Wecke die Anweisung zu geben, den Wagen zu reparieren. 3n diesem Falle wurde die Haftentlassung versprochen, die anderen Mitte.hafteten müßten aber weiter in Haft bleiben, da gegen sie ein kriegsgerichtliches Verfahren wegen abfälliger Bemer- runaen über die französische Besahungsarmee ein« geleitet fei. Dr. Lueg hat das Ansinnen abgelehnt.
Berlin, 1. Febr. Wie die Blätter aus Bochum melden, schlug gestern in Weitmar ein französischer Offizier einem deutschen Polizeibeamten ins Gesicht, als dieser dem Offizier den Gruß verweigerte. Aus dem gleichen Anlaß wurde ein anderer Polizeibeamter von einem Offizier Der Desatzungsarmee mit der Reitpeitsche mißhandelt und dann verhaftet. 3n der Polizeibeamtens cha s t haben diese Dorfällc äußerste Erregung hervorgerufen.
Wie die Blätter melden, liehen in Dorsten zwei belgische Offiziere ihre Familien, Ehefrau, Kinder und Dienstboten nachkommen und bestanden darauf, daß ihnen außer den üblichen Haushaltungsgegenständen auch Kinderbadewannen, Kinderbetten und Kinderwäsche geliefert toerben. Sie haben, ohne sich um die Wohnungsnot zu kümmern, in Privat- Hausern drei bis vier Zimmer beschlagnahmt. 3n Duisburg hat ein verheirateter Offizier trotz der großen von der Desatzungsbehörde anerkannten Wohnungsnot herrschaftliche Räume und Küchenbenutzung für sich in Anspruch genommen und hat seine Großmutter, seine Mutter, zwei unverheiratete Schwestern und eine verheiratete Schwester mit zwei Kindern bei sich wohnen.
Direktor H a l ä n d e r von dem Preß- und Stanzwerk in Reviges .hatte auf Do-stellungen des Betriebsrates einer Arbeiterin, die beim Einzug der Franzosen französischen Soldaten Kaffee und Kuchen gereicht hatte, die Kündigung übermittelt Die Anklage erblickt in dieser Entlassung eine Beleidig ung dec sranzösi- schenTruppen. Das Urteil lautete auf 150 000 Mk. Geldstrafe.
Plünderungen.
Berlin, 1. Febr. (Wolff.) Wie den Blättern mitgeteilt wird, hatten in Witten a. d. Ruhr die Konfitürenhändler sich dahin geeinigt, an die Desahungstruppen nicht mehr zu verkaufen und dies bi Plakaten an ihren Geschäften kundgegeben. Die Plakate wurden von den Vesahungs- soldaten abgerissen und die Geschäfte durch Soldaten und Offiziere geplündert Später wurde die Ruhe wiederhergeslelll.
Die Koblenzer Zeitungen (uif drei Tage verboten.
Koblenz, 1. Febr. (WTB.) Die gesamte Koblenzer Presse ist von der Rheinlandkommission ohne Angabe von Gründen auf drei Tage verboten worden.
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