Ausgabe 
30.3.1922
 
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Lehren von der (Sntcnte über Sparsamkeit. Zu diesen Lehren zwingt uns schon Die eigene 71dl De» Heer und Marine sind Ersparnisse nicht zu machen. TDtr können aus diesen kleinen Schutz gegen nachbarliche Bedrängnife nicht verzichten Auch wir wünschen die allgemeine Olbnifiung Lasst sich aber Frankreich nicht dazu herber, so ersehne ich den Tag, an dem Deutschland wieder dasselbe Recht haben wird wie die anderen 7361* (er. Deshalb wollen wir die Reichswehr und die Marrne erhallen Mit der Erklärung der Rcmierung sind wir einverstanden und hassen, dass sie uns dem Ziel ein kleines Stück näher­bringen werde. (Dettall.)

Daraus wird die Wette, brratung abgebrochen.

Rach Annahme des Geseyentwuries ür die 73erlängerung der Geltungsdauer der Demobil- machungsoerordnungen wird die Sitzung aus Don­nerstag mittag 1 Uhr verlagL

Schluss 3/<Z Uhr.

Schlichtungsausschutz der Provinz Lbcrhcssen.

Sitzung vom 2 8 März 1 922.

Dem Einspruch eines PosthcllerS des Post­amtes Gichen gegen Kündigung infolge des Derkehrsrückganges konnte nicht stallgegeben werden

Auch der Weiterbeschäftigungsantrog des Lagerhalters des Landwirtschaftlichen Konsumvereins in Grohen-Duseck aus der Demobilmachungsverordnung hatte keinen Erfolg, weil nicht zur Derminderung der Arbeit­nehmerzahl gekündigt ist, sondern die Stelle wie­der beseht werden soll Die strittige Entloh­nung wurde für die Zeit vom 1. Januar 1922 bis zum Ablauf des Dienstverhältnisses wie an- geboten aus 2*/? v H des Umsatzes und freie Wohnung festgesetzt. Dazu sollen aber noch mo­natlich 500 Ml feste Vergütung und einmal 500 Mk für Heizung, Beleuchtung und sonstige Rebenleistungen kommen.

Acht *Aufseher und der Wiegemeister der Gewerkschaft Luse und Ilsdorf, Draunsteinbergwerk in Weickartshain, die als Angestellte entlohnt und versichert werden, wurden der unteren Entlohnungsklasse C des Kollektivvertroges zugeteilt, der zwischen dem Arbeitgeberverband der Industrie in Oberhesfen und dem Deutschen Werkmeisterverband besteht. Die Arbeitgeberin betrachtete diese Angestellten alS sogenannte Kolonnenführer, die nicht unter den Vertrag fallen. Für den Maschinenmeister wurde der höchste Gehaltssatz der mittleren Klasse B festgesetzt anstatt des zugestandenen Mindestsatzes.

In mehreren LohnforderungSsachen verstän­digten sich die Parteien.

Kirche und Schule.

** Grohen-Ltnden, 30. März Eine musikalische Meisterbilder-Andacht wird Richard Jordan aus Siutigart am näch­sten Sonntag auch in unserer Kirche veran takten, und zwar zum Vesten unseres Orgelvfcifenfonds. In der Zohanneskirche zu (Ziehen haben in der vorigen Woche vier solche Vilder-Andachten statt- aefunden und groben Beifall gefunden Morgen (Freitag) um 7 Ufrr abenbs wird eine besondere Meisterbilder-Andacht für Schüler zum halb n Preise vvrousgehen (Räheres m der heiligen Anzeige.)

rr. Sch l i tz, 27. März. Am Sonntag fand hier ein vom Kurhessischen Missionsverein veranstaltetes landeskirchliches öe» meinschafisfest statt. Am Abend war das DotteShauS überfüllt. Reben den beiden OrtSpfarrern sprachen die Prediger R o t h - HerSfeld und Stange« Rieder-Aula. Bor- träge eines Posaunenchors und einer gemisch­ten Gesangsabteilung umrahmten die ganze Feier, die einen erhebenden Verlauf nahm.

Turnen, Sport und Spiel.

De Zeutsch-» Billa dmeister Erich Hagenlocher, der an der Wel.meistei- schäft in Chicago teilnehmen wollte, infolge Krankheit aber erst später die Decetmgten Staa­ten aufsuchen konnte, spielte in R e u y o r k gegen den Amerikaner Cutler über 3000 Punkte und schlug diesen überlegen, da Cutler nur 1930 er­reichte. Der von dem Deutschen erzielte Durch­schnitt von 53'/» bei einer Höchstserie von 385 be­deutet für Deuyorl einen Rekord Als nächsten Gegner hatte H^gtrnlvcher den Dritten aus der Weltmeisterschaft W. Cochran. Auch dieser muhte sich vor dem deutschen Gegner beugen und er­zielte nur 1959 Punkte gegen 2400 von Hagen­locher.

Eröffnung der Leichtathletik» Saison. Als erste diesjährige Dahn-eranstal- tung geht das Junioren- und Anfängersvortfest des Verein f. Leibesübungen 58-6ha r- lottenburg am 23 Avril in Etchkamv vor sich. Die Ausschreibung hierzu umfasst 18 Wett­bewerbe. Als Einladungswett'ewerb ist erstmalig für Berlin eine 10mal 1000-Meter-Stasfel für Junioren ausgeschrieben. Meldeschluß ist am 12. April bei Rud. Ressel, Charlottenburg, Dis- marckstr. 57.

Berliner Automobil-Rennen. Die Rennen des Allgem. DL Automobil-Cl. auf der Grunewaldrennbahn sind auf den 10. und 11. Juni festgesetzt worden. Am ersten Tag» kom­men die Motorräder, am zweiten die kleinen Wagen zu Wort. Am 24. Sevtember veranstaltet der Automobil-Club von Deutschland inter­nationale Rennen für 2- und 3-Liter- TDtigen.

Sandel.

Berlin, 29. März. Börsenstim­mung S b t l d. An der Börse setzte der Ver­kehr bei ziemlich lebhaftem Geschäft in fester Haltung ein. Ausgiebigen Gesprächsstoff gab natürlich die gestrige Regierungserklärung. Sie hatte aber, da sie den Erwartungen entsprach, keinen besonderen Einfluh auf die Kursbil­dung. Kursbesserungen im Ausmaße von 20 bis 30 Prozent überwogen, wenn auch in ein­zelnen Werten ebensolche Kursnachlässe fest­zustellen waren. Bald nach den ersten Kursen lenkte daS Geschäft wieder in ruhige Bahnen, und da noch manche Position wegen der noch

immer nicht ganz glatten Geldversorgung an- lählich des TluimoS gelöst werten mich. blödel­ten die Kurse mäßig ab. Lebhaftere Umsätze sanden lediglich in Phönix-, Kattowiyer und einigen Textil- und Maschinenfabrikaktien statt. Mit starken Kurssteigerungen sind zu er­wähnen Gebr. Böhler plus 200, Stöhr plu. 1 100, Staatsbahn plus 80 Prozent. Dagegen lagen Kali und der größte Teil der oberschle- s'.schen Papiere, namentlich Kattowiyer und, Laura, schwächer. Westeregeln verloren 150 Prozent. Jin Gegensatz h erzu stand der Ein- heiislursmarkt, an dem die Beteiligung des Publikums ziemlich erheblich blieb, und an dem ! daher die Kursbesserungen überwogen. Am Anlagemarkt veränderten sich heimische Pa-. Piere nicht wesentlich. Bemerkenswert bleiben | die fortgesetzten starken Kurserhöhungen für österrc.chische, ungarische, bosnische und ferner türkische und bulgarische Werte, zu denen in den ersten Werten anhaltende starke böh­mische Käufe beitrugen, dies umsomehr, als das noch vorhandene Material wegen der

(In einem Teil der Auflage roteberbolt) Das (?dio der Kanzlerrede in (England und Frankreich.

London, 29 März iWTB) Die Rede des ReichSlan^lers W 11 t 0 Im Äei-fr t ge wr Re- pararionsncte wird von de, B.ätt rn xx aus­führlicher Zas'u g verofsent.lchl i her nehmen nur ein Teil der Blatter da u Stellung. 5>xe ,W e st minster Gazette f.t>v ibt, die A t- vort Wirths, dass die Sri ul u ig der Forte ung nach 60 Milliarden neuen Steuern vol k mm en unmöglich sei, und dal die Ko trole de. deut­schen Finanzen mit d-r Eh e der deu ' en Ra­tion unvereinbar fei, fei unverrnetdlich ge­wesen. Deutschlan) sei ni hl (n der La re. Die an es gcflcll.cn Fordern gen vnll zu crful en. Der Geldmaekl lasse sich nicht durch Gefühle be­wegen, und die Ansich' der Finanzw.Ir über Die Leistungsfähigkeit Deutschland fei In der Ab- t.dewegu g der Rkarl sofort -ach den Be- tar.nmv den e Forderungen ier Re a attt S- lommisiion zu n Au: Duck bekomm n. F üher o -er später wurden die Rationen zu der E nsch kom­men, da') der Do'say, grotze und u.ibe imrnte Summen von Deulschla .d zu verlangen, von An-

bereits zur Anmeldung gelangten Stücke zicm° i lich knapp ist. Am Devisenmarkt erfolgten bei! stillstem Geschäft mäßige Kursschwankungen.

Frankfurt a. M., 29. März. Börsen- st i m m u n g s b i l d. Die gestrige Erklärung des Reichskanzlers über die Reparationsnvte sand oebührenbe Beachtung Aber die Unficherheit de Aufnahme feilend der Entente ries Zurückhal­tung hervor Bemerkenswert war, dah die feste Grvndstimmung anhielt. Deutsche Petroleum 2450, plus 100 Proz. Benz 700, Rastatter Waggons | 830 Becker-Stahl 610. Julius Sichel 760, Brock- f;ued ca. 1410, Mansselder Äu;e 30 75031 000. 72(ontanaflien waren im allgemeinen weniger beachtet, Maschinen- und Metallaklien vorwiegend fest. Autvwerte lagen ruhiger, Anilinwerte still Clektrizitätspapiere stellten sich etwas niedriger Im weileien Verlaufe wurde der Verkehr ruhi ger. Der Einhellsmarkt bewahrte seine feste Hal tung. Die Börse schloh ziemlich ruhig bei be­haupteter Tendenz. Der Dollar bewegte sich zwi­schen 337, 333, 331. Privatdiskont 41/. Prozent

fpd. Friedberg, 29. März. Die Brauerei Steinhäuher wurde unter Mitwirkung des Frankfurter Bankvereins und der Deutschen Vereinsbank in Frankfurt a. M. in eine Aktiengesellschaft umge- wandelt. Das Grundkapital beträgt Mark 2 600 000.

Frankfurt a M., 30. März

Börsenkurse.

Frankfurt Berlin

Schluh- Schluh- Schluh- Schluss-

Kurs KurS Kurs Kurs

Datum: 28.3

5°/ Dltch. KriegSanl. 7'-,50 4'Dtsch. Reichsanl. 66 1C 3"»Dtsch.Reichsanl. 13 ,50 4e/0 Preuh. Konfols 76, - Hamburg-Patetf.. . 524,- Rorddeutscher Lloyd 400, - Comm.u.Privatbank 333,- Darmstädter Bank . 335, - Deutsche Bank . . . 604,- Disconto-Gesellschaft 494, - Dresdner Bank. . . 369, Mitleid. Kreditbank. 307, - Rationalbank f. D. . 344,-

Boch. Gußstahlwerke 130a,- Bud.-Eisenw.-Akt.. 1115, - D.-Luxemb. Bergw.. 1185,- Gelsenkirch. Bergw.. 12^7,- Harpener Bergbau . 1 10,- Oberschl. Eisenb -B. 1180, - Oberschles. Eisenind. 950,- Phönix-Bergb.-Akt. 1460,- Bad.Antlin-u. Soda 800, - Höchster Farbwerke 750,-

Allg. Glektr -Ges. . . 900, - Selten & Guilleaume 1070,- Schuckert-Werke. . . 800, Adlerwerke 605,-

Daimler 570,-

4° 0 Hess. Staatsanl. 75, - Electron Griesheim 955, - Dtsche. Vereinsbank

2d. 3. 28.3. 29.3.

77,63 77,50 77,60 97.60 96 75 97 .

133,- 131,- 132 50 75,- 75,50 75,60 520.- 525, - 617,75 396.- 393 - 391,- 333,- 331,- 333,- 335, 335, 334,75 602, - 603, - 607, - 497, » 496'- 499*- 363,- 367,- 319,- 3u7,- 308,- 337, - 344, - 347, - 347, -

- 1315,- 1808,-

1105,- 1088,- 1075,- 1195,- 1190,- 1190, 1239 - 1238,- 1210,- 1930,- 1920,- 1900,- 116j,- 1170,- 1120,- 942 - 940,- 920,- 1440; - 1425,- 1433,- 80 ,- 799,- 7j9,75 '«59,- 759,- 747,- 876,- 889,- 855,- 1070,- 1080, - 1092,- 800,- 801,- 805, 614,- 619,- 606,- 585, - 5bO, - 574, -

75,- 74,60 74.60 955, - 960,- 950,- 243,

Berliner Devisenmarkt.

fang an z u einem Fehlsch 1 ag verur­teilt war - ..Daily Herald' schr ib, die Rede des deutschen Reichsla -z'ers leite Ne Al­liierten am Vorab?nb von Genua einer neuen Reparationek isis gegenüber Fu bie sich immer wiederholenden Krisen gebe es keinen anderen Ausgleich als die Revision der F r i e d e n s v e r t r ä g e.

Poris, 2'. z (Ha a Aa^ ^ei heu­tigen Mcrgcnblättcrn g ben wir so', c iDe Pr s e- siimmen über die ge.irige Re e des da ch-n Re.ch?!a-zlerS wt de : Das ,3 0 j r n n ( 11.11t fest, es fei offcfi-ch lich. i1 le Red', ic en Wortlaut im Ci Verständnis mit den leitenden ©taatömärmern der Länder fe tgettcllt worden sei, sich besonders an England wende. Mar. befinde sich einem 01 f t der Agitation ge­gen übet. de, weit über die Grenzen D a'schlcinds hincrusgehe, und noch weit mehr bedeute als ein banales rhetorisches Dokument. Den Haurt or- derungen Der Entente stelle der Rrichstanzlcr ein kategorisches Retn g geaübec.

Rach demG a u l 0 i s" e weckt die Rede des Kanzlers sehr stark den Eindruck, dah es sich um einen unversöhnlichen Zwei- kamps handele, der sich von nun an zwischen dem der Versprechungen müden Frankreich und einem entschlossenen Deutschland abspiele, das keinen Pfennig aus seinen Taschen hergeben wolle, auch nicht unter Bedingungen und in Fristen, die man ihm auszuerlegen beabsichtige. Das Cch 0 de Paris" meint, es unterliege keinem Zweifel, bah das deutsche Kapital noch eine größere Abgabe als durch die vorgesehene Zwangsanleihe entrichten könne. Es sei keinerlei Abgabe auf Kriegsgewinne erhoben worden. Gerade auf diesem Wege hätte eine energische Regierung das Gold finden können, um die Fi­nanzen des Reiches zu verbessern. Das 0 u t> r e" meint, aus der Rede gehe klar her­vor, dah sich die Reichsregierung für den Augen­blick damit begnügen werde, der Reparations- kommifsion mit Gegenvorschlägen zu antworten, dah sie aber Mf entschlossen sei, bad ganze Reparationsproblem der Konferenz von Genua zu unterbreiten. Meh­rere Zeitungen behaupten, die Reg crung Wirth fei niemals eine politische Grunotage gewesen für die Ausführung der Vorträge. DerR a - dika l" meint im Gegenteil, die deutschen Staats­männer hätten mit mehr oder weniger gutem Glück versucht, s i ch ihren Verpflichtun­gen zu entziehen. Wirth lege augenschein­lich Wert darauf, die Stinnespartei zu schonen, aber er werde sich sehr schnell zu ge­sünderen Ansichten bekennen müssen.

Für denHomme l i b r e" ist Wirth nur ein Strohmann der pangerma- nistiscken Reaktion, die glaube durch Heberreoung wirken zu können. Frankreich könne nicht mehr nachgeben: selbst wenn Deutschland eine neue Revolution machen solle, werde mar darauf bestehen, dah es bezahle. Deutschland widersehe sich nicht mehr der Forderung Frank­reichs, sondern dem Deschluh der Reparations­kommission, also einem Organ der gesamten En­tente. Wenn diese Angelegenheit auch, im Gegen­satz zu den eingegangenen Verpflichtungen in Genua zur Sprache kommen solle, so könnten die

Geld Brief Geld

Brief

6J05.90

30.3.

Fr. Fl. Kr. Kr. Kr. Kr. Sh. Fr.

$

1.7.14.

125 40

59.20

88.80

117 80

88.80

117.80

97.80

125.40

23.80

Darum: Zürich . . . Amsterdam Kopenhagen Prag.... Stockholm . Wien.... London. . . Paris. . . . Reuyork . .

28. 3.

1,52

0,78

1,44

16 32

1,17

Christiania . . . Kopenhagen . . Stockholm. . . . Helstngfors. . . Italien London . . . .. Reuyork. . . , . Paris Schweiz Spanien Deutsch-Oesterr. Prag Budapest . . . . Buenos Aires . "Bulgarien . . .

29.3.

1,57

081

1 46

16,45

1,16

7127 15

8838 85

685,70 1694,20

148 ,50

3)9,34

3035,55 6591^0 5230,25

4,52

614,65

37,64

122,05

227,25

7012,05 865 ,65

669,70 1686,70 1452,50

33 1,08

2.98,-

645 >45

5135,15

4,42

606,65

36,74

118,90

224,25

3,3)

-,30

600 ,96 7112,85 882 ,15

684,30 169",80 1478,50

338,66 3029,45 6578,10 6219,75

4,48

613,35 37,56

121,75 226,75

3 33 -.29

6997 95 8641 5

660 30 1683 31 1U9,oO 329,42 2392 -

6 443,55 6124,85

4,38 615,35

36,66 llv,62 22.1,75

Züricher Devisenmarkt.

2 . r.

2782,20 2787,89

6394)0 r-----

Marknotierungea.

Für 100 deutsche Mark wurden gezahlt:

Datum: 28. März. 2 ). Marz.

Amstd.-Rotterd. 12837,15 12862,85 12547,40 12557,60

Brüstel-Antw. . 231 .15 2822,85 ------------

" ------60 6.05

Wechsel auf Schweizer Franken

Holland 100 Fl. 19^60 194.25 Deutschland .... 100 Mk. L55 1» 8 Wien 100 Kr. 0.06 0.G6

Alliierten doch dieses Organ, das sie auf der Grundlage der Friedensverträge vertreten, nicht verleugnen. Man muffe sich daraus beschränken, fest zu bleiben und keinerlei Verhand­lungen anzunehmen.

Darthou ftanzös'scher Führer für Genua.

Parts, 28. Marz. (WTB.) Heute vormittag wurde im Ministertat beschlossen, dem Iustiz- minifter und stellvertretenden Ministerp äsidentea Darthou und neben ihm dem ilnterftaatd» fefretär beim Ministerpräsidenten Go trat die Leitung der französischen Delegation für Genua zu übertragen. Es sollen drei weit e r e Delegierte in einer besonderen Sitzung des Ministerrates am Mittwoch abend bestimmt werden, die aus wirtschaftlichen Kreisen gestellt werden sollen. Der Ministerpräsident hatte, tote Havas mitteilt, ursprünglich die Abiicht und den Wunsch, Viviani als Vertreter Frankreichs im Völkerbundsrat die Leitung der Delegation zu übertragen Viviani berief sich darauf, dah er, toenn er nach Genua gehe, es für seine Pflicht halten würde, dort zu bleiben, bis die Konferenz zu Ende fei, und dah seine derzeitigen Obliegen­heiten ihm eine derartige Abwesenheit unmöglich machten.

Der Landesparke'tag

der Deutsck>en DolkSparlei in Giehrn.

Darmstadt, 28. Mär-z De Ab'iHt Den diesjährigen Landcsparteltag der DealschenVolks­partei am 29. und 30. April in Mainz abzu­halten, stöht auf Schwierigkeiten, die in den Ver­hältnissen im besetzten Gebiet begrünDct liegen. Der Geschäftsführende Ausfchuh der Deut chen Volksparei Hessens ljat deshalb in. 1 einer letzten Sitzung beschlossen. Den Parteitag am Samstag, 6. und Sonntag, 7. Mai in (Ziehen abzuhalten

Prag 100 Kr. 9.30 9. <7

Paris ........ 100 Fr. 46.50 46.25

London ....... \ £ 22.51 22. 0

Italien 100 2. = 26.10 26.15

Brüssel 100 Fr. «= 43.30 43.10

Budapest 100 Är. 0.575 0.57

Reuyork 100 $ = 514.- 515.12

Agram 100 Kr. 1L5 1.53 Warschau 100 Kr. = 0,13 0,12

Glänzt im Nu

underhälf dieSthuh

Nr. 76 Zweites Blatt

Deutscher Reichstag.

197. Sitzung, mittag- 12 Uhr

Berlin. 29 März 1922

Die Besprechung der Erklärung der Reichs, regierung

wird sortgesetzt.

Rachden Präsident Lobe daS Mihtr.iuens- Votum tec Deutfchnationalen befanntge;e6en hatte, führte Avg Marr (Zentr.) aus Sin Siezec hat das Recht, Schadenersatz von dem Be:iegten zu fordern, aber er darf nicht in demselben Auaen- blicke, in Dem ec sein Recht geltend macht. Dem besiegten Volke Den Todesstoss verletzen Das tut die ReparationSnote Die Kontrolle u seres Haus­halts können wir der Entente nicht zugestehen Gerade die Entente treibt mit dem deutschen G<lde eine unsinnige Verlchwenduna Wir teilen bie Hoffnung des Kanzlers auf Genua, wenn dort nich: der Hass Frankreich-, sondern die Klug- freit Englands und der ru .ige kaufmännische Geist Amer.üis fretrschen werden

Abg Strefemann (D Vpl.) Die Reva- rationurtolc wirft uns völlig auf den Geist des Versailler Vertrages zuruck Sie kann nicht erfüllt werden Wenn der grösste Teil der deutschen Prvduktim zur freien Verfügung der Entente gestellt wird, wird es uns immer weniger mög­lich werden, durch günstigen und vermehrten Er- pvct unsere Wirifchasl zu heben Jlnfere ver­hältnismässig geringe Arbeitslofigteit beruht darauf, dass unsere Arbeiter für die Reparationen arbeiten Die Ve.elendung Europas wird auch in den anderen Weltteilen fehl stark gespurt toc den. Das 6teuerfompt oml9 einsch ie ilip der Zwangs­anleihe stellt das Höchitmass dessen dar, was Deulfchland leisten kmn Wir haben aus den Äussühl-ungen deS Reichskanzlers das Rein heiausgehört. Mögen alle Parteien, die sich hin:er dieses Rein stellen, auch bei öie|em Rein bleiben.

Minister des Reichern Rathenau:

3d) lytbe schon in Cannes darauf bingetoiefen, hat; Die Dekadenzahlun^en nur kurze Zeit wür­den geleistet toerDen können, weil sonst eine Zer­rüttung unserer Valuta eintreten würde Das ist geschehen Die Entscheidung Der Reparations- lommission hat alle Welt enttäu cht. PotncareS Politik l-atte überall Erfolg. In Der Weichsettrage l-aden wii wenigstens erreicht, dah E>ie Botfchafter- trnftreTiz iltzie Entscheidung zurückgestelit hat. Die stärkste Militärmacht der 'Deck. Frankreich, wird in ihrem Vorgehen bestimmt durch die Furcht vor einem Angriff seitens Deu schlands, welches so DDl.tommen entwaffnet ist, dah eS kaum im Innern Ruhe halten kann Darum brauchen wir mit unlerer geschwächten Staatsgewalt eine Schutz­polizei, die imstande ist, Die Ruhe im Innern aus rechtzuerhalten.

Die BehtUiptuTig, Deutschland habe nicht be­zahlt und wolle nicht zahlen, ist ebenso falsch,

tote dah Deutschland nicht entwaffnet habe und nicht entwaffnen wolle Deutschland hat bisher 45,6 Milliarden Doldmark gezahlt, mit Hmza- red/nung des Länberverlustes sogar weit über 100 Milliarden Auch diese Abrüstung ist eine Leistung von ungeheurer Gröhe. Wenn noch hier und ho Waffenfunde gemach! werden, so sind tas ledig!ich Reste, mit denen aber kein Krieg »u führen ist. Alle Bemühungen sind vergeblich, Die Darauf hinauslaufen, Kriegsgefahr z \ wit­tern, weil vielleicht ein Viertel der l&affen noch nicht abgeliefert ist. Deutschland ist letzt aufs äusserste geschwächt, während es bisher das Land war, das Europas Zstriltsatton erhalten Hal. De­rma wird zweifellos für Ruhland manches iSnt- fch idende bringen. Wir werden an dem Wieder­aufbau Russlands mttarbeiten. Deutschland be­darf aber, um seine Aufgabe des Wiederaufbaus erfüllen zu rönnen, einer Atempause, Die durch eine auliere Anleihe geschaffen werden kann.

Der Wiederaufnahme der diplomatischen Be­ziehungen sehen wir mit Hoffnung entgegen. Der Osten Europas ist ntedergebrochen und mit ihm das unglückliche Land Oesterreich, dem wir herz­liche Teilnahme entgegenbringen Deutschland muh mit aller Kraft feiner Stellung und seiner

Arbeit gegen den eigenen Riederbruch ankämp- fen. Deutschlands Riederbruch wäre auch das Ende Frankreichs DeutseUand verlangt von den Rationen der Welt desbalb die Möglichkeit der Ausstellung eines Arbeitsplanes und einer Mit­wirkung an dem gemeinsamen Wiederausbau. Das Zlctt ,Unverbrüchliche Einheit des Reiches und Kamps für Frieden und Aufbau" ist unS allen gemeinsam Hallen wir unS dieses Ziel der Einig­keit vor Augen. (Beifall.)

2lbg. D» "Breit fdfreiZ) (USP ) warnt da­vor, auch In so bewegter Stunde wie die jetzige, .Konzessionen an bad deutschnationale Helden­tum zu machen Auch er verurteilt den Ton der ReparationSnote aufs Schärfste, genau wie er seinerzeit den Ton von Drestlitowsk gegeißelt habe, und weist daraus hin, dah Erleichterungen des Friedensvertrages nur In Genua erfolgen könnten und dah eine grundsätzliche Revision des Friedensvertrages nach einer dreivierteijährlichen Ersüllungspolitik noch nicht zu erwarten war. Wir heissen bie Ersüllungspolitik gut, weil wir nur aut diesem Wege zu einer Revision kommen formen. Die Ren wählen deS Reichstages, welche die Rechte angeregt hat, können uns feinen Vor­teil bringen. Wir sind mit dem Reichskanzler einverstanden, dass er an dem System seiner bis­herigen auswärtigen Politik nichts ändern will. Unsere bisherige Unterstützung seiner Steuer­politik wird uns aber erschwert, wenn er in der Ausübung dieser Politik Wege einschlügt, die wir nicht zu gehen vermögen. Das Steucrfom-

prvmih kann das bestehende Defizit nicht be­seitigen, deshalb fordern wir die Erfassung Der Sachwerte und vor allem Sozialisierung des "Bergbaues. Zudem kann bei Heer und Marine noch gespart werden, desgleichen durch Beseiti­gung des ganzen Dundesstaatenwesens mit den

einzelnen Regierungen und den einzelnen Parla- lamenten. Auch richten wir uns gegen den Unfug, dass in Berlin allein vier ^irlamenie sitzen Die Ersüllungspolitik muh fortgesetzt und die innerpolitischen Zustände so fundiert werden, dass nicht mehr die arbeitenden Klassen die find.

welche die Lasten zu tragen haben.

Abg Haas (Dem.): Wenn der Zweck der Wiedergutmachungskommiffion der sein sollte, unsere Wirtschaft noch heilloser zu verwirren, so ist diese Rote ein Meisterstück. Zunächst muss, wollen wir zahlungsfähig bleiben, der Kredit Deutschlands gestärkt werden. Mit Drohungen fördert die Reparationskommission Die Steuer­freudigkeit bei uns nicht, und Frankreich mag uns endlich mit den Arbeiten in den zerstörten Gebieten beginnen lassen. Wir brauchen keine

Siebener Anzeiger (SenerLl-Anzeiger für Vberhefsen)

Donnerstag, cU. IHärj 1922