Nr. 25 Zweites Statt Sregener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderhessen)Montag, 3V Januar (922
Aba. Schumann (©.): 3n die vernichtende Kritik der Reichseisenbahnverwallung kann ich
Aus Hessen
16. Fortsetzung.
(Nachdruck verboten.)
^chu'hnuS in ;j errichten.
Die Blüchernichten.
Roman von HannsvvnZobeltitz.
lvren zu haben. Wo kommen Sie her, wenn ich fragen darf?" x
Sie tauschten einen kurzen Handdruck, srno dann nebeneinander weiter gegangen auf das Brandenburger Lor zu.
„Wo ich herkomme, lieber Freund?" sagte der andere. Es war mehr ein Flüstern, als ein Sprechen. „3m alten Vertrauen gesagt: aus dem Süden unsres herrlichen Vaterlandes, das Gott behüten möge." Er senkte den Ton noch tiefer. .Vicomte, Frankreich braucht Sie. Der Kaiser “
Meister Lacroix hat vergeblich seinen Laufburschen nach der Schenke zum „Schöneberger Krug" hinausgeschickt mit den schönen Stiefeletten. Er fluchte bitter, halb deutsch, halb französisch, auf die Unzuverlässigkeit der einstigen Evmpatriotetz. Doch dabei ist er trotzdem geblieben: der Viconrte würde wiederkommen und das Konto ausgleichen. So wurden die fernen Stiefeletten sauber eingepackt und ins Regal gestellt. Sie konnten warten.
Das Hilsswerk der deutschen Landwirtschaft.
Dresden, 28. Ian. 3m Anschluß an die sächsische landwirtschaftliche Woche traten heute sämtliche landwirtschaftlichen Organisationen Deutschlands mit dem Reichsausschuß der Deutschen Landwirtschaft an der Spitze zu einer großen Kundgebung für das Hilfswerk der deutschen Landwirtschaft zusammen. Dieses Hilfswerk soll nach den Ausführungen des Hauptreferenten Edler v. Braun in einer bis zur Unabhängigkeit vom Ausland getriebenen Steigerung der Produktion bestehen. Das sei keine Phrase, sondern ein echter und klarer Entschluß. Die auf Wissenschaft, Technik und Praxis sich aufbauenden Methoden der besten Betriebe sollen auf die ganze Landwirtschaft bis auf den kleinsten Bauernhof ausgedehnt werden. Die zu dieser Produk- tronssteigerung nötige Summe werde die Landwirtschaft aus eigener Kraft durch Gründung öffentlich-rechtlicher Kreditgemernschaften aufbringen. Es würden 20 Milliarden notwendig sein-.
Hauptversammlung des Hessischen Dauern* ■ bundes.
rm. Darmstodt, 29. .Ian. Der Hessische ' Bauernbund hielt am Samstag im großen Börsensaale in Frankfurt unter dem Vorsitz des Abg. Dr. von H e l m o l t seine zweite Generalversammlung ab, die von mehreren lausend Landwirten aus dem ganzen Hessenlande besucht war. 3n einem ausgezeichneten Vortrage verbreitete sich der bayerische Geschäftsführer Brügel. Nürnberg, über die politische Lage und das Hilfswerk in der Landwirtschaft. Dec Vortrag soll im Druck erscheinen. Der Reichstagsabgeordnete Dorsch- Wölfersheim behandelte in scharf kritischer Weise die Steuerfragen: Generalsekretär Landtagsabg. Dr. Müller erstattete den Geschäftsbericht. Cs schloß sich eine längere Aussprache an, an der sich u. a. auch fast alle Mitglieder der Landtagsfraktion, viele Kreisvor- sihende usw beteiligten. — Bei der Abstimmung wurde dem Vorstand einstimmig Entlastung erteilt. Es wurde dann beschlossen, den Jahresbeitrag in derselben Höhe wie im Vorjahre in bar zu erheben: der Vorstand wird aber ermächtigt. falls cs notwendig werden sollte, einen weiteren Betrag in Form einer Getreideumlage nach der Ernte zu erheben.
Einstimmig angenommen wird sodann eine Entschließung, in der es u. a. heißt: „Die Versammlung erhebt erneut Protest gegen die unerhörte Belastung der hessischen Landwirtschaft durch die Getreide umlagen und fordert wiederholt dringend erhebliche Herabsetzung mit Rücksicht auf die geringen Ernteerträgnisse, insbesondere aber im Hinblick auf die vollkommene Mißernte in Futtermitteln und Hackfrüchten. Die Umlage bedeutet für den hessischen Bauernstand eine gewaltige Sondersteuer, sie bedroht die Fortführung unserer Wirtschaft und untergräbt für das neue Jahr die Möglichkeit vermehrter Produktion. Die Versammlung fordert für das neue Wirtschaftsjahr endlich restlose Beseitigung jeder Form der Zwangswirtschaft. Gegen eine Wiederholung der Getreideumlage wird sich die hessische Landwirtschaft mit allen Mitteln zur Wehr sehen."
Cs wird weiter ein Antrag der Kreisgruppe Darmstadt angenommen, von jetzt ab sich in keinerlei Verhandlungen mit dem Städtebund wegen der Milchfrage mehr einzulassen, sondern ohne weiteres den Stallpreis für Milch selbständig sestzusehen.
Es wird schließlich noch ein Antrag betreffend die Millionenverluste der Landwirt- s ch a f t s l a m m e r einstimmig ohne große Debatte angenommen, in der sich der Bauernbund gegen die Regierungsvorlage, die den Verlust durch eine Llmlage bei den Landwirten erheben will, ausspricht, und verlangt, daß der Verlust, der nicht durch die Landwirtschaftskammer, sondern letzten Endes durch das Reich verschuldet ist, ähnlich wie in den anderen Staaten durch die Allgemeinheit getragen werde. Mit einem Schluß- und Danteswort durch den Vorsitzenden wurde die sehr anregend verlaufene Versammlung. der auch der- Vorsitzende der Land- wirtschaftskammei'. Geh. Rot Walther, wre auch der Generalsekretär Dr. Hammann beiwohnten. gegen 4 Ähr geschlossen.
Latz das jüngste Giesemädel ein Tunichtgut war. die Lore nämlich mit dem stupsnäsigen Pvrzellanköpfchen. das hat ihr die Frau Mutter so oft gesagt, daß sie's schließlich 'elber glaubte. Aber golfen Hot s wenig oder nich:s. Mutter Giese konnte schimpfen, schelten, predigen, drohen, hat es sogar <rn Dachteln und Katzenkopfen nicht fehlen lassen: Racker bleibt Racker. Auch noch mit siebzehn Jahren, wo junge Mädchen a rs gutem Hause sonsten doch nicht nur die kurzen Kleider sondern auch die Unmanieren ausgezogen haben sollen. Das heißt: unmanierlich war die Lore nun gerade nicht. Denn sie wollte, wußte sie sich schon in Gesellschaft zu benehmen.
lenen des We llrieges vor den der Brunostraße ein Denkmal
Tie Mittel sollen durch eine öifentliche Sammlung ausgediacht werden.
e. Ober-Widdersheim. 28 Ian. Die hiesige G e m e i n d e j a g d, die seither für 1600 Marl verpachtet gewesen war. lam bei der Neu- Verpachtung aus 8000 Mark, doch soll sie zu dielem Betrage noch nicht genehmigt werden
Xlrcie Schotten.
e. Schotten, 29. Ian. Das erstmalig wieder eingerichtete Winlertreffen des Vogelsberger Höhen-Clubs auf dem Hoherodskopf war bei dem herrlichen Winterwetter von vielen Zweigvereinen gut besucht. Die Teilnehmer wurden von Lehrer Karl Sind- Rudingshain im Namen des Vorstandes begrüßt. Die Festrede zur Reichs - gründungöfeier hielt der Vorsitzende Haas des Orlenberger Zweigvereins. Die guten Schneeverhältnisse ließen vor allem die zahlreichen Skiläufer auf ihre Rechnung kommen.
Kreis Friedberg.
4 Dom hessischen Taunus. 29. Jan Auch in den großen Waldgebieten des nordöstlichen Taunus haben sich in den Jahren nach dem Kriege die Wildschweine eingenistet und nun so stark verbreitet, daß sie in den Feldmarken schon zu einer lästigen Plage geworden sind. Besonders in den hessischen Gemarkungen Dodenrod. Mai bach, Hausen und Ziegenberg-Langenhain hatten die Iagdpächter bereits hohe Summen von Schadenersatz zu zahlen. Der Schnee der letzten Wochen war zum Glück den Jägern äußerst günstig: sie tarnen den Schwarzkitteln auf die Spur und konnten in den letzten drei Wochen deren nicht weniger als 1 7 zur Strecke bringen. Um die Erlegung hat sich vor allem der Jäger Ernst S o m- merlad vom Jagdhaus »Hubertus" verdient gemacht.
Starkenburg und Rheinhessen.
Kreis Büdingen.
X Büdingen. 27. Jan. Die hiesigen Vereine beschlossen, zur Ehrung der Gesas -
21115 Stabt und Land.
Gießen, den 30. Ian. 1922.
'Triefausschristen. Man sch eibt uns: Im Bestelldienst der PostanstaUen wirken Mängel in der Aufschrift der Postsendungen i ungenaue Bezeichnung des Empfängers. Fehlen der Angabe von Straße, Hausnummer. Gebäudeteil. Stockwerke usw. auch bei wenig bekannten Personen oder Geschäften) besonders erschwerend auf den Betrieb und verursachen nicht selten erhebliche Verzögerung in ihrer Bestellung Richtig.eit D.u> lichkeit und Vollständigkeit der Aufschrift sind die unerläßlichen Vorbedingungen für die ordnungsmäßige Beförderung und Zustellung der Postsendungen. Bei Driesen nach Berlin macht es der Massenvertehr unbedingt erforderlich, in der Aufschrift außer dem Postbezirke (E, N, O, W usw.) auch die Nummer des Postamts anzugeben, von dem die Sendung bestellt oder abgeholt wird (z. B. Berlin S 42; Berlin 017). Selbstverständlich darf aber auch die Angabe der Straße, der Hausnummer, des Gebäudeteils und des Stockwerks in der Aufschrift nicht fehlen.
Nachdem noch mehrere landwirtschaftliche Führer und Vertreter anderer ErwerbSstänüe gesprochen hätten, wurde einstimmig eine Entschließung angenommen, in der sich die Tagung zu dem vom ReichSausschuh beschlossenen HilfSwen der Landwirtschaft belenii. 3n der Erkenntnis, daß die in dem Ultimatum übernommenen Verpflichtungen ein unüberwindliches Hindernis für die Aufrechterhaltung und Vermehrung der landwirtsck)aftlichen Erzeugung und für die Durchführung des großen: Hilfewerkes bilden, fordert die Landwirtschaft den zielbewussten Abbau der Repara- tionsforderungen und deren planmäßige Anpassung an die Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Das Gelingen oeS Hilfswerks sei die Voraussetzung für die Gesundung deS deutschen Wirtschaftslebens, die nur durch Zusammenarbeit aller BerusSgrup- pen und unter der Mitarbeit des ganzen Volles erreicht werden könne. Seine Inan- grifftrahme und Durchführung würde unmöglich. wenn die Maßnahmen der Regierung der Landwirtschaft die 'Betriebsmittel entzögen und ihr die Kraft nicht liehen, die Volksernährung aus eigenem Boden sicherzu- ftellen. (Frkf. Ztg.)
nicht einstimmen. Die Eisenbahn ist durch den Krieg und in erster Linie durch die Kreise der Interpellanten heruntergewirtschaftet worden. Die Eisenbahn ist als Reichseisenbahn beizubehalten und zu verwalten, Lleberzentralifation ist zu vermeiden. Die Verwaltung muß modern und zweck-
Deutscher Reichstag.
162. Sitzung, mittags 12 ilbr.
Berlin, den 28. Januar 1922
Die Aussprache über die Interpellation hcir. den Wagen mangel bei der Reichs- eisenbayn wird fortgesetzt.
Abg. Pieper (U©.): Das Minislerrum s >llte alles tun. um den Wagenmangel abzuschassen, denn die Industrie und ihre Presse hat ein Interesse daran, die Reichseisenbahn zu mißkreditieren und die Entstaatlichung herbeizusühren.
1; Alu m i nium ist kein Silber. Ein Nassauer Blatt erzählt folgendes: Erschien da vor einigen Tagen mit bedächtigem Schritt im Schalterraum der Post eine Frau, auf dem Arm ein Körbchen tragend. Nach scheuem Umsehen nahte sie sich dem Schalterbeamten, der sie nach ihrem Begehren fragte. „Tauscht Ihr noch Silbergeld um?", wurde ihm zur Antwort. Auf die Bejahung fragte die Frau weiter: „Was gebt Ihr denn für das Silber?" „Heute noch 12 Mark für die Silbermark. Sie hätten früher- kommen müssen, da gab es 20.“ Nach kurzem Bedauern und Besinnen erklärte sie sich auch mit 12 Mark einverstanden, der Beamte ersuchte sie darauf, das Silbergeld aufzuzählen. Bedächtig wurde der Korb geöffnet, und was kam zum Vorschein? Für etwa 300—400 Mark lauter funkcl- nagclneuc Fünfzigpfennigstücke aus Aluminium. Für dieses Silber, erklärte der Beamte, habe er keine Verwendung. Uebercascht schaute die Frau auf und konnte nicht begreifen, daß dieses brillante Geschäft einen so raschen Dämpfer erhalten hatte. — Leute, die 50-Pfennigstücke aus Aluminium Hamstern, soll es auch in Gießen geben! Natürlich ist das ein höchst unfruchtbarer Sport.
•• 3 in Gemeindefrauenverein
sprach im Iohannessaal Pfarier D. Cremer- Potsdam über eine Organisation der evangelischen Hausfrauen. Er führte aus, daß die einzelne Frau machtlos, durch einen Zusammenschluß jedoch viel zu erreichen sei. Der Redner begegnete mit aller Entschiedenheit der vielleicht im ersten Augenblick begreiflichen, aber irrigen Ansicht, als ob beabsichtigt sei, den schon bestehenden Hausftauenvereinen eine Konkurrenz zu schaffen, im Gegenteil erwartet er durch die Gründung einer Hausfrauen-Abteilung innerhalb der evangelischen Vereine eine Stärkung und ein weiteres Gedeihen der bisherigen gemeinsamen Arbeit der Frauenvereine. Es muß auch die Stimme der evangelischen Hausfrau gehört werden bei den Verhandlungen, bie in das Gebiet der Frau eingreifen, wie z. B. über das Hausangestellten recht. über die Wohnungsfrage und bei den wirtschaftlichen Fragen, die im Reichswirtschaftsrat verhandelt werden. — Pfarrer Aus seid dankte dem Redner für feinen interessanten Vortrag. Eine lebhafte Aussprache schloß sich an, die noch manche Anregung brachte. Die Anwesenden beschlossen, der Angelegenheit näherzutreten und die Gründung von Hausfrauen- Abteilungen in den evangelischen Frauenvereinen anzuregen.
Landkreis Gießen.
—o— Grvßen-Linden, 29. Januar. Gestern abend hielt im Saale von Philipp Schaum IV. der ehemalige Burenkommandant Koos Ivo st e auf Einladung unseres Volkshochschulvereins einen öffentlichen Vortrag. 3n fesselnder Sprache erzählte der wertgereiste Mann aus dem reichen Schatze seiner Erlebnisse in seiner südafrikanischen Heimat und fremden Ländern, besonders in Deutschland. Eigenartig beleuchtet hob sich dabei unsere Kultur, Art und Sitte von dem ursprünglichen, einfachen Leben im Burenland ab. Der Redner wußte in äußerst anschaulicher Weise für Heimatliebe, gesundes Selbst- bewuhtsein und natürliche Lebensführung zu begeistern. Meisterhaft verstand er es, seine aufmerksamen Zuhörer durch feinen Humor zu beleben und sie gleichzeitig den tiefen Ernst seiner Gedanken im Herzen fühlen zu lassen. Lebhafter Beifall dankte dem trefflichen Mann.
Noch einen langen Blick hat er zu dem schmalen gelben Hause hinaufgetan, ist dann lang« fam dem Königlichen Schlosse wieder zugeschrttten, mit seinem müden Gange und dem em wenig gebeugten Rücken. Wie einer, der eine lange, mühsame Wanderung hinter sich hat- Aast tote cm alter Mann, der junge Vicomte Montauban. Rus» fische Gefangenschaft lastet schwer.
lieber den Schloßplatz ging er über die Schloßbrücke, die Straße Unter den Lrnden hm- UnlC2ln der Ecke der langen Friedrich straff fühlte er plötzlich eine leichte Hand auf ferner Schulter, hörte seinen Namen: .Montauban — sind Sie es wirklich?"
Er sah sich um.
Dor ihm stand em hagerer, hochgewachsEr, älterer Herr. Sehr vornehm, im dunkeln Dey- pelz und funkelnagelneuen Lackschuhen. Oy. oer Vicomte hatte jetzt das rechte Auge für gutes Schuhwerk!
Aber in dem Gesicht des andern konnte er sich nicht zurechtfinden. Es kam ihm wokü ve- lannt vor: zu erkennen vermochte er den Herrn nicht. Er sah fast wie ein Engländer aus mit dem kurzgeschnittenen grauen Bart.
„Zum Teufel! Hab' ich mich denn so verändert, lieber Montauban? Ja, diese Jahre wogen doppelt. Ihnen sieht man den eleganten Montauban von ehedem auch nicht an Erinnern Sie sich gütigst an Ihren alten Kollegen von ber hiesigen Gesandtschaft, aus der schönen Zett, wo wir noch die Herren von Berlin waren Virolad^t^ .^rcta6c? Entschuldigen Sie mich, bitte" ich scheine meine Augen in Rußland ver-
mäßig vervollkommnet werden und die bureau- Irakischen Grundsätze müssen zu Gunsten der tauf- männischcm verschwinden
Ministerialrat Sommerlatte: Eine Beschleunigung des Wagenumlaufes ist dringend nötig. Dazu muh eine schnelle Entladung und Beladung treten. Die Interessenten dürfen sich aber nicht schematisch an den Achtstundentag klammem, wenn es heißt, die Waggons zu entleeren.
Abg. Merk (Bah. Dpt.): Gerade Bayern leidet unter dem Wagen mangel besonders. Die Kleinbauern und die kleinen Gewerbetreibenden sind gar nicht in der Lage, einen Waggon an einem Tage auszuladen.
Abg Dr. Kilh (Dem.): Wir erkennen an, daß die Verwaltung bemüht ist, Besserung zu schassen. Es fehlt aber der forsche Zug infolge zu arDher Zentcalifatton. Wilde Streiks müssen verhindert werden. Beim wilden streik in Dresden hat der dortige Präsident der Generaldirektion Maßnahmen ergriffen und Entlassungen an- gedroht. Diese Maßnahmen sollen aber vom Minister niedergeschlagen worden fein.
Reichsverkehrsminister @ r Öner: Im Dresdner Streik sind von mir klare und scharfe Anweisungen ergangen, sie sind aber in Dresden weiter eigenmächtig erheblich gemildert worden. Ich wollte, daß die Entlassungen aufrechterhalten bleiben, doch wurde die Entscheidung vom Präsidenten verlängert.
In seinem Schlußwort verteidigt Abg. Schroter (D.-N.) die Landwirtschaft gegen den Vorwurf, den Wagenmangel verursacht zu haben.
Damit schließt die Besprechung.
Es folgt der Bericht des Beamtenausschusses betreffend die Grundsätze für die Beamten- I a u f b a b n. Eine Entschließung des Ausschusses dazu, daß der Entschließung des Reichstages über die Aufstellung von Grundsätzen für die künftige Laufbahn d r Beamten aller Reichsverwaltungen und der Länder schleunigst Folge geleistet werde, wird angenommen. Ferner wird eine Empfehlung des Ausschusses für Bildungswesen angenommen. die Reichsregierung zu ersuchen, mit den Ländern darüber zu verhandeln, daß in den höheren Lehranstalten die Sprachen der Nachbarländer gepflegt und namentlich der Pflege der spanischen Sprache an den höheren Lehranstalten besondere Aufmerksamleit bereitet werde.
Nächste Sitzung. QHontag 2 Ahr. Erste Lesung des Etats.
Schluß V22 ä.lhr.
2kV, du liebe, liebe Julie! dachte der Vicomte weiter Keine Nachricht von dir, keine Nachrich von mir. Getrennt durch Jahre, getrennt durch wüste, wilde Steppen. Diese verfl- Moskowfter . . .
Ob sie meiner wohl gedacht hat? Oft und viel? Ob ihr Herz mir treu blieb?
(Sr hat wieder hinübergesehen nach der Giese- schen Wohnung, auf die gelben Roul^us, und hat leise geseufzt. Leise und schmerzlich.
Wo sind die schonen Stunden geblieben, die Tage, an denen wir uns heimlich trafen, mal hier, mal dort, bald im sandigen garten, den du immer so spaßhaft schön fandest, bald draußen am Potsdamer Tor?! Wo du dichso hmter- listig fortstahlst aus dem strengen Mutterhaus, mit schlechtem Gewissen, und ankamst mit roten Wangen, die Brannten vor Scham. Ach. du xiebe Gute, wir waren ja so artige Kinder. Jede Mutter hätte uns sehen können, zu jeder Stunde. Mademoiselle de Giese!" — .Monsieur le Vi- cvrnte!" Ganz feierlich. Bis auf die letzte Stunde, bis zum Abschied, wo ich flüchtig deine ohrn küssen durfte. Flüchtig, so flüchtig, zu flüchtig — fort warst du wie ein Husch, und nur deine goldigen Locken sah ich noch im Winde flattern. alS wollten sie mir zuwinken: Auf Wiedersehen!
Ach, du geliebte Julie, es hat grausam lange gedauert, bis auch nur die Hoffnung auftauchte auf ein Medersehen. Aber die Stunde wird *ommen — sie muh kommen —
Darmstadt, 28. Ian. (Wolff.) Die Stadtverordneten - Versammlung bewilligte zur Errichtung von 300 Woh nungen 18 Millionen Mark.
e. 0 ssenbacha. M., 28. Ian Entsprechend der Verbesserung der Deamtengehälter durch dar Reich hat die hiesige Stadtverordneten Versammlung auch die Bezüge der städtische" Beamten in gleicher Weise erhöht. - Mit den Gemeindearbeitern schweben noch Verhandlungen- wegen Lohnerhöhung. - Das Gesuch der Thea terdirektion Haas-Gräf um einen Zu schuh von etwa 3000 Mark für jede Vorstellung wurde dem betreffenden Ausschuß überwiesen. Lehrlinge im Verwaltungsdienst erhallen lünftig vom 1.-3. Lehrjahr 2400 3600. 4800 Marl, und zwar rückwirkend vom 1. Ottobcr 1921. Die Errichtung e i ne s Main- strandbades mit einer Strandlänge von 10C Metern wird im Bau- und Finanzausschuß wette' beraten. — Der Sonntagsdienst bei der Verwaltung des Stadtkrankenhauses, des Vestal tungsamts und des VersorgungshauseZ wird rud- ttitfenö vom 1. April 1920 besonders vergütet. - Für die Technischen Lehranstalten wird für 1920 ein Zuschuß von 76 485.98 Ml. nach bewilligt und außerdem der Fehlbetrag vor 164 068 07 Mark vorbehaltlich des Ersatzes durch den Staat vorlagstveise übernommen. — Fw die Unterhaltung der Münzgasmesser werden 150 000 Mk., jur Unter ft ütjung begab ter Schüler 1900 Mk. nachbewilligt - Im nächsten Winter wird voraussichtlich ein stadt, s ch e r H o l z v e r k a u f nur für Mtirderbemittelte stattfinden können. — Die Forderung von 150 0i£ Mark für die Herrichtung von Sch lacken steinen aus den im neuen Schlackenverbrem nungsofen ausgeglühten Schlacken wurde dem Bauausfchuh überwiesen. — Der Straßen babntarif soll demnächst eine wettere Er Höhung erfahren, obwohl die kürzeste Strecke schon jetzt 1 Mk. kostet.
* Oppenheim, 28. Ian. Eine neue Art, Schulferienzumachen, haben die hiesigen Fortbildungsschüler sich erdacht. Med rere Schüler durchschnitten, wie der „Mainz. Anzeiger" berichtet, an einem der letzten Abende, als sie eben zur Fortbildungsscbul' gekommen waten, in den Schulsälen den elek krischen Leitungsdraht, so daß bald alle ^alc in Finsternis lagen. Cs blieb keine anderc Wahl, als den Unterricht auszusetzen. Dir Täter sind ermittelt.
Lind höchst manierllch sah sie auch aus: fvzw sagen zum Anknabbern. Wan konnte ihr au* nichts Böses vorwerfen. Silberne Löffel hatte sie noch nicht gestohlen, sondern höchstens versteckt: auch hat sie bis dato keinem Mann einen Kuß gegeben, außer dem Kadettenbruder und dem Onkel Blücher, was bei dem ersteren der Bruderschaft und der Jugend wegen, bei dem letzteren des Alters wegen nichts ausmachte. Nicht zu leugnen ist freilich, daß der alte Blücher das Mädel sehr gern beim Schopf nahm und ihr einer tüchtigen Schmatz aufbrannte, der. wenn der Herr Fürst, Durchlaucht, gerade nicht seinen Rasier- tag gehabt, höllisch kratzte.
Item: die von Gieses hatte sich der Alte nach feinem schlesischen Kriedlowitz geholt. Das ist wohl eine kleine List von seiner Frau Ge mahlin, seinem geliebten Malchen, gewesen, sintemalen ihr Leberecht eine Weile hindurch gar zu grimmig auf Mutter Giesen geschimpft, sic sogar eine verbohrte, eigensinnige Tante genannt hat, tizül sie sich nicht in ihre Tochtings hatte .hineinmanschen" lassen wollen. Die Frau 5ürfhn ist nämlich sehr milden Herzens gewesen und hat immer Frieden stiften wollen, gar nun, wenn der Gestrenge tüchlig loswetterte.
Daß die Gieses gern nach K^icbluwitz gegangen das fonirte man ihnen nicht verdenken. Denn in Berlin war die Teuerung rach dem Kriege groß, und die Frau Mutter mußte noch , mehr knapsen als sonsten, zuma t auch Lust es Aus fiat Lung für Wien trotz aller Zuwendung der Humboldts einen Batzen Geld gekostet hatte. Dte - Töchter aber jubelten, selbst die stille IuUe in- belle mit. Am lautesten freilich das Nestkuken, Vie Lor^ (Fortsetzung folgt)


