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Ur. 576 Zweites dlatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Samstag, 24. Mi 1922

Hessischer Landtag.

23. Sitzung.

St. Darmstadt, 28. Juli.

Am Regierungstisch: Staatspräsident Hl» »ich, Finanzminister Henrich, Wtttschafts- ntinifler Raab und Regierungskommissare.

Präsident Adelung eröffnet die Sitzung Vtn 8,40 Uf>r. Die Beratung des Hauptvor- Umschlages wird mit der Debatte über Kapitel 2

Forst- und Kameralgüter fortgesetzt.

2lbg. vbenauer (Dem.) wünscht eine stär­kere Heranziehung der Privatwaldbesiher zu den Kosten des Waldschutzes. Den Antrag, die Pach­ten der Domanialjagden um das 25fache zu er­höhen, begrübe er. Selbst dieser Sah sei noch nicht unmäßig hoch. Die Pachtsähe sollen nur von zwei zu zwei Jahren festgesetzt werden, das liegt auch im Interesse der Pächter. Die Staats- sagden im eigenen Betrieb haben ihre Vorzüge, <nch wenn dadurch weniger Pacht gelöst wird. Dor allein sollte man dafür sorgen, daß die Jagden nicht in Hände von Wucherern und 'Schiebern fonnncn.

Abg. Anthes (Svz.) möchte die Parzellie­rung fiskalischer Wiesen der Erwägung anheim aeben. Die Oberförstereien feien so klein, daß der Oberförster seine Dienstgänge zu Fuß oder zu Rad machen kann, die Pferdehaltacng ist also über­flüssig. Die Anstellung weiteren Deamtenperso- nals ist unnötig. Die Holzhauerlöhne sollten pünktlicher cmsgezähit werden. Das Forstarbeits- «mt ist ganz gut entbehrlich.

Abg. Sin oll (Ztr.): Was die Abgabe von Rutzhvlz betrifft, so stimme ich im wesentlichen Den 2blsführungen des Abg. Lux zu. Das zu Bauzwecken benötigte Vut.holz sollte direkt an Gemeinden und Baugenossenschaften abgegeben lverden um alle verteuernden Zwischenstellen aus- zusch'i hen. Die vorgeschlagene 25sach? Erhöhung der Pachten können wir nur als Richtlinien be­trachten. Mr irgend einen Wucher der Regie­rung sind wir nicht zu habens Den Anträgen auf _5tel>eriarung Wn Waldstreu möge die Regierung Entgegenkommen, da die Streunot sehr groß sei. Sie Holchauerlöhne möchten doch so festgesetzt teerten, daß sie den heutigen Verhältnissen ent­sprechen. Dankbar sind wir, daß die Regierung zehn neue Förstersteilen (auf Antrag des Abg. Herbert hin) geschaffen hat. Dem Eintrag Sturm- felfl, den Anspruch auf Dienstland zu beschränken auf drei Weizenäcker und zwei Morgen Wiesen, formen wir nicht zustimmen. Ebensowenig dem LAntrag, die Regiejagden zu untersagen.

Abg. Diehl- Hochweisel (Dbd.) spricht sich gegen die Regiejagden aus, zumal wenn man öle Hachten erhöhen will. Das sollte überhaupt nicht so allgemein geschehen, sondern von Fall zu Fall «ntschiet en werden . Die Forstschreiber müssen besser «estellt werten. Die Abgabe von Waldlaubstreu sollte nicht unterbunden sein. Es ist auch in diesem Jahre eine Mißernte an Stroh zu erwarten, so Latz das Stroh verfüttert werten mutz, und für Htreu nichts übrig bleibt. Bei Reuanforstungen sollte man nicht ausschließlich Kiefern anpflanzen, srndern auch Laubholz.

Abg. Dr. Müller (Dbd.) möchte feststellen, daß der Antrag Glaser, die Pachten um das Lfache zu erhöhen, nur eine Richtlinie darstellen soll, daß er nicht bezweckt, jede Pacht nun 25fach erhöhen. Man sollte jeden einzelnen Fall durch öa6 Pachteintgungsamt prüfen lassen.

Abg. Dr. D e h l i n g e r (Dbd.) polemisiert zu­nächst gegen den Abg. Dornemann. Er sei kein Feind der Siedlungen. (Zuruf: Zur Sachei) Er tritt dann für rationellere Ausbeutung ter staat­lichen Wiesen ein.

Abg. Ebner (K.P.D.) begrüßt den Antrag aut Schaffung neuer Forst erstellen. Man sollte aber auch die neuen Stellen alsbald besetzen. Red­ner bespricht weiter die Derhältnisse der unteren Forstbeamten, deren Desserstellung nötig ist und verteidigt dann seine (die sogenanntenEbner- schen") Holzversteigerungen. Man sollte im näch­sten Jahre entweder kein Deamtenholz ausgeben ober auch an Diätare und Pensionäre.

Abg. S t u r m f e l s (Soz.) spricht sich eben­falls gegen die Abgabe von Holz an Deamte aus. Daß durch die Regiejagten das Wildpret ver­billigt werde, ist doch ausgeschlossen. Man könne aus Regiejagten verzichten. Es gibt sehr gute Forstbeamte, die keine Jäger sind. Redner er­örtert dann eine ganze Reihe von Sonderwünschen.

Abg. Di.. Osann (D. Dpt.): Wir werden die Anträge ter Sozialdemokratie ablehnen. Wir sirtd darüber einig, daß die Forst schreibet: eine andere Stellung einnehmen müssen und bitten die Re­gierung, nicht damit zu zögern, sondern die Aente- cung sofort vorzunehmen. Dem Antrag auf Schaf­fung neuer Försterstellen stimmen wir zu. Die An-

Die äMi m Mm.

Roman von Ernst Schertet.

22. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

llnb nun erst hier, wo er Aassichtt hatte, dreimal dieselbe Strecke abzuschreiten, denn die drei Säcke waren zu schwer, als daß man sie auf einmal hätte tragen können.

Zuerst ging es landeinwärts über Ackererde, die mit Kieshalden wechselte. Dann kam ter Eisenbahndamm. Perzelius tat. als wenn er stol­perte und grub dabei mit seinem Absatz eine tiefe Furche in den leichten Schotter, um die Stelle umso leichter wieder zu finden. Dann führte der Weg noch eine Weile geradeaus und bog dann tu stumpfem Winkel nach Süden ab. Auch an diesem Punkt versuchte ter Doktor ein Zeichen anzubringen. Der Boden war aber bereits so sandig, daß es wenig Erfolg versprach. Doch er hatte sich die Schrittzahl vom Eisenbahn» teraun ab gemerkt und so konnte er auch hoffen, sich später wieder zurechtzufrnten. Das Gelände stieg allmählich an und bald watete man in tiefem Sand. Man näherte sich also bereits den Wüsten bergen, die hier aus den Halten fast senkrecht emporwuchsen.

Endlich hielt der Zug. Es war ein ordent­licher Marsch gewesen.

Perzelius hörte, wie Iechiel den Hehud sich entfernte und dann wie aus einer tiefen Höhle heraus rief. Auf dieses Zeichen hin führte Sa­muel Chäjim die beiden Träger weiter.

Perzelius entnahm aus dem dumpfer wer­tenden Knirschen ter Schritte, daß er sich im Innern eines Ganges befand. Rach wenigen

griffe gegen den Forstmeister Hetzer sollten doch auch von ter Regierung zurückgewiesen werden.

Abg. Reiber (Dem.): Es war im Aus­schuß vereinbart worden, alle Besoldungsfragen nicht zu den einzelnen Kapiteln, sondern gemein­sam zu besprechen. Der Abg. Osann aber hat recht, denn wenn man, da die Frage einmal ange­schnitten, dazu schweigt, stellt man sich den Vor­wurf der Interessenlosigkett aus. Wir werden uns später zu den Fragen äußern.

Abg. Hoffmann- Seligenstadt (Ztr.) (schwer verständlich): Bei Abgabe von Dciuge- lände sollte die Regierung erst dann das Gelände überschreiben, wenn wirklich Aussicht besteht, daß auch gebaut wird.

Abg. Dr. Werner (Dtschntl.): 3n der Frage ter Regiejagden möchte ich warnen vor übereilten EntschlüssLN. Die Frage, was hier das Richtige ist, ist durchaus noch nicht geklärt.

Finanzminister Henrich: Mit der Dienst- wvhimngszuweiiüng wird man noch weiter gehen müssen. Man kann einem pensionierten 'Beamten die Wohnung nicht gut nehmen, wenn er keine andere hat. Auf die Holztecsteigerung des Abg. Ebner möchte ich nicht näher eingehen (Ebner: Warum denn nicht.) Wenn das Hebung werden sollte, stünden wir bald vor dem Vichts. Das haben Sie (zu Ebner) einmal gemacht, ein zweites- mal gelingt Ihnen das nicht. Es gibt noch eine Polizei auch für Sie! (Bravo! - Ebner: Wir sprechen uns ja noch!)

Das Kapitel wird dann genehmigt. Die Aus- schußanträge werden angenommen.

Der Antrag des Abg. Widmann und Ge­nossen: Wir beantragen, in Kap. 2 des Staats­voranschlags, Titel 2, Kameralgüter, Ziffer 5, Seite A 17:unvorhergesehene Kosten" den Betrag von 200 000 Mk. auf 50 000 Mk. herabzusehen, wird zurückgezogen. Der Anttag des Abg. S t u r m f e l s u. Gen.: Wir beantragen, unter Aufhebung aller früheren diesbezüglichen Bestimmungen die Ansprüche der Beamten auf Dienstland auf 3 Morgen Ackerland und 2 Morgen Wiesen zu beschränken, wird abgelehnt. Der Antrag des Abg. Widmann u. Gen., die Rationierung des Brennholzes betreffend: Wir beantragen, daß das Gesetz vom 1. Vvvember 1921 vorüberg hend aufgehoben und die Verord­nungen vom 10. Oktober 1919 und 26. Vovember 1919 wieder vollständig in Kraft gesetzt werden, wird zurückgestellt. Der Antrag des Abg. Sturmfels und Gen.: Wir beantragen, alle seitherigen Regiejagden aufzuheben und dieselben in Zukunft im Wege ter öffentlichen Versteige­rung zu verpachten, wird zurückgezogen.

Die Regierungsvorlage zur Veuregelung ter Dienstbezüge der Kommunalforst- warte sowie zur VeueinteUung ter Förstereien vom 30. Juli 1910 wird einstimmig in erster und Atoeitcr Lesung angenommen.

Zu Kapitel 4, Kameralgüter unter Dau Verwaltung, befürwortet Abg. D l a n k (Ztr.) einen Anttag seiner Partei (Knoll und Gen.), die am Rhein gelegenen Wiesen in kleine Parzellen aufzuteilen und an kleine Landwirte und Arbeiter abzugeben, den ter Ausschuß ab­zulehnen beantragt, weil diese Wiesen im Heber» schwemmungsgebiet liegen. Er tritt für Verpach­tung dieser Parzellen auf 912 Zähre ein, und 3toar solle die Regierung sich gegen Reklamationen im Vertrag sichern. Bei Grasversteigerungen, wie bisher, wurden die Preise ungeheuer hvchgetrie- ten und die Wiesen bleiben in schlechtem Zu­stand. Man sollte ferner die Sumpflöcher be­seitigen, die die Brutstätten der berüchtigten Rheinschnaken sind.

Finanzminister Henrich: Die gewünschte Verpachtung dieser Wiesen in kleinen Parzellen ist praktisch unmöglich. Sie liegen direkt im Aeler- schwemmungsgebiet. zu dem die Regierung un­beschränkt Zutritt haben mutz.

Das Kapitel wird genehmigt, der Anttag Knoll und Genoßen abgelehnt.

Zum Kapitel 5, Weingüter, beantragt ter Ausschuß, der Anregung, dem Staats­präsidenten und ten Mitg liedern der Regierung Wein aus dem Betriebe 6er Do­mänenverwaltung für Repräsentationszwecke zu den Gestehungskosten abzulasien, zuzustim­men. Die Frage, ob die Abgabe noch auf andere Beamte auszudehnen sei, soll geprüft werden.

Abg. Hahn (D.Vp), auf der Tribüne schwer zu verstehen, bespricht anerkennend die Weinbau­domäne Oppenheim, die zu einer Musterwirt­schaft geworden setz doch sei die Besetzung des Direktors ter Weinbaudomäne in Mainz durch einen Vichthessen, einen Oesterreicher, zu beanstanden. 3n den Kreisen unserer Weinfach­leute 'herrscht große Erregung darüber, zumal die Stelle ohne Ausschneiden beseht ist.

Abg Blank (Ztr.) unterstreicht sehr scharf die letzte Beschwerde. Es sind vielfache Beschwer­ten an die Regierung gerichtet, aber unbeachtet

Minuten förterte Samuel Chajim ihn und Eduard auf, ihre Last niederzusetzen und auszuruhen. Perzelius versuchte, sich an der Wand anzu­lehnen, tappte aber ins Leere, woraus er auf eine erhebliche Breite des Raumes schloß.

Perzelius hörte, wie sich die beiten Hüten etwas zurückzogen und eindringlich miteinanter sprachen. Dann vernahm er noch in ziemlicher Entfernung das Zuschlägen einer schweren eisernen Tür, und dann war alles totenftill

Das war also die Absicht gewesen. Perzelius riß sich die Binde von den Augen, ohne fedoch dadurch mehr zu sehen, denn undurchdringliche Finsternis umgab ihn.

Da sind wir ja in eine schöne Falle gegan­gen," sagte er zu Eduard, der a ich bereits an dem Tuch herumnestelte, das ihm ter Hute vor das Gesicht gebunden hatte.

Wir sind gefangen?" klang Eduards Stimme fragend Und unsicher aus dem Dunkel.

So bald hatte ich allerdings noch nicht auf ten Streich gerechnet, ter uns von ten beiden Gesellen drohte. Ich glaube auch, daß sie sich erst im letzten Augenblick dazu entschlossen haben." fuhr Perzelius fort und begann zu überlegen, was zu tun sei.

Glauben Sie, daß die zwei Huden noch einmal hierherkommen, um auch die betten an­dern Leichen zu bergen ? fragte Eduard ten Doktor.

Mtt scheint es nicht wahrscheinlich." ent­gegnete dieser,es werten sich noch genug Der- fterte in ten Felsen finden, um die seltsame Ware unterzubringen. Was uns betrifft, werten sie jedenfalls froh fein, uns los zu fein. Wir smd »wirklich in einer schwierigen Sage. Aber wir

geblieben. Diese Stellungnahme ter Regierung sei durchaus unverständlich. Es sind in Rhein- Hessen tüchtige und bewährte Fachleute als Be­werber um diese Stelle vorhanden. Die Regierung scheine nicht zu Wicken, Da; die Verhältnisse in Rheinhessen ganz anders sind, als die österreichi­schen. Sowohl in ter Rebloustekämpfung toi? in ter Tatsache, daß Oesterreich nur Konsumweine erzeugt, Rheinhessen aber Qualitätsweine. Wir verlangen eine offene Erklärung von ter Re­gierung, wie diese Berufung z iftante gekommen ist, ter.nit wir in der Lage sind, wieder beruhi­gend zu wirken.

Abg. Schott (D. Vp.) spricht sich in diesem Sinne aus. Unter allen Umständen hätte die Stelle ausgeschrieben werden muffen.

Präsident Soherr verliest dann einen A n - trag der Deutschen Volkspartei (Hahn und Blank), die Regierung zu ersuchen, dir Stelle eines Leiters der Wnnbaudomäue Mainz vor ter endgültigen Besetzung öffentlich auszu- schreiben und die Stelle tunlichst einem rhein- hessischen Fachmann zu übertragen.

Abg. Fenchel (Dbd): Auch wir stehen auf dem Standpunkt des eben verlesenen An­trages. Man darf die hessischen Fachleute nicht zurückfetzen.

Abg. Reiber (Dem.) hat Bedenken gegen den Antrag. Man könne nicht einerseits die öf­fentliche Ausschreibung and gleichzeitig die Be­setzung durch einen Rheinhessen verlangen. (Zu­rufe links: Manöver! Abg. Dehlinger: Es gibt keine Manöver mehrI Heiterkeit.) Bei ter Besetzung dieser Stelle kommt nur die allertüchtigste Kraft in Frage. (Sehr richtig!)

Finanzminister Henrich: Ich bestätige den verschiedenen Vorrednern, daß sie der Entrüstung im Lande über diese Stellenbesetzung hier schärf­sten Ausdruck gegeben haben. Es ist aber nichts mehr daran zu ändern. Es kam für diese Stelle nur eine vielseitigst durchgebiltete tüchtigste Kraft m Frage. Es kann nicht anerkannt werten, daß die Ändwirtschaftslehrer ohne weiteres An­spruch auf diese Stelle haben. Sie haben keinen Grund, sich zurückgeseht zu fühlen. Der einzige aus Rheinhessen in Betracht kommende Herr Führ hat tatsächlich die Stelle abgelehnt. (Hört! Hört!) Später wurde die Ablehnung allerdings widerrufen, da war es aber zu spät. Auf die Proteste ist kein allzu großer Wert zu legen. Man weiß ja, wie solche zustande kommen.

Abg. Blank (Ztt.) stellt nochmals fest, daß Herr Fuhr nicht abgelehnt hat. Er bittet um Annahme des Antrags.

Abg. Kindt (D. Vp.) fragt, für welcher Art Repräsentationszwecke ter Regierung Wein zu Gestehungskosten überwiesen werden soll.

Ministerialrat Balser: Der Wein ist nur für bestimmte Zwecke ter Repräsentation bestimmt und wttd auch nicht zu Gestellungskosten, sondern zum errechneten Erlöspreis abgegeben. Redner stellt dann fest, daß Herr Fuhr ihm gegenüber tatsächlich die Stelle in Mainz ateelehnt habe, als er sich dann anders besonnen hatte, war es zu spät.

Das Kapitel wttd dem Ausschußantrag ent­sprechend angenommen. Der Anttag ter Deutschen Volwpartei wttd abgelehnt.

Zu ^rpttel 6, Braunkohlenwerke Ludwigshof f nung" Wölfersheim, Wacker sh eim usw., beanftantet A g. Mann (Svz.) verschiedene technische Einrichtungen in Wölfersheim, besonders, daß das Kraftwerk nicht einmal telephonisch angefchlossen ist. Er bespricht den Streit in Wolfersheim und polemisiert in diesem Zusammenhang gegen die Rechte und die Regierung.

Abg. D. Dr. Schian (Dtsch. Dpt.): Es ist gefährlich, über Wölfersheim etwas zu fagen. Die tertigen Arbeiter-Vertreter scheinen sehr ner­vöse Herren zu fein. Ich erinnere an ten Aus­flug des Hauses nach Gießen, wo den Herren das Licht abgestellt wurde. In den Streit mit der Koalttionsregierung will ich mich nicht einmischen. Fälle wie ter Wölfersheimer Streik ereignen sich ja leider öfter. Aber man gewinnt hier doch den Eindruck, als handle es sich um Machtproben. Ich bin 'ter Letzte, ter den Arbeitern nicht ihre auskömmlichen Lohne gönnt, ich bin sogar ter Ansicht, daß ter Staat am besten zahlen soll, da er in sozialer Hinsicht führend fein muß, aber unter diesen zahlreichen Machtproben leidet die Allgemeinheit, und es wäre doch einmal an der Zett, hier Gesetze zu schaffen, die irgendwelche Grenzen festsetzen. (Sehr richttg! rechts.)

Abg. Hoffmann- Seligenstadt (Ztr.) bleibt auf der Tribüne unverständlich.

Finanzminister Henrich: Die Leistungs­fähigkeit der Wölfersheimer Werke ist mehr als verdoppelt worden. Das war natürlich nicht von heute auf morgen zu schaffen. Wenn es also nicht immer wunschgemäß geklappt hat, ist das wohl entschuldbar. Jetzt ist der Ausbau

müssen nun eben sehen, die andern hinters Licht zu führen." Perzelius sagte das mit einer Stimme, aus ter mehr Bert raren klang, als er tatsächlich besaß. Er war sich vollkommen klar darüber, daß er und Eduard in ter größten Lebensgefahr schwebten und mindestens die Baronesse nun ver­loren war. Denn wenn es ihm wirklich gelin­gen sollte, sich und seinen Genossen aus dieser furchtbaren älmklammerung zu retten, so würde das so viel Zeit kosten, daß an eine Befreiung des Mädchens nicht mehr zu denken war.

Er äußerte von diesen trüben Gedanken nichts zu Eduard, aber dieser fühlte selbst deutlich ge­nug, daß die Dinge eine Wendung genommen hatten, die das Schlimmste befürchten ließ. An seinem Leben lag ihm nichts aber Sillh l Seine Knie toantten bei dem Gedanken, daß nun alle Hoffnung vernichtet sei. Sein jugendlicher Mut stemmte sich gegen diesen innerlichen Zusammen­bruch und trieb ihn zum Handeln. Aber dann erlahmte die Kraft wieder und wich ter un­gehemmten, grauenhaften Verzweiflung. Was half alles Tun noch da doch die Zett verstrich. Jede Minute bünftc ihm jetzt ein höchster Wert und wieviele Minuten. Stunden, vielleicht Tage würde es kosten, bis sie wieder die Sonne sahen? And würden sie sie je Wiedersehen? UnZ> selbst wenn das gelungen war, begann erst die eigentliche Arbeit, And für die war es dann zu spät.

Was sollen wir tun?" hauchte er trostlos.

.Ich weiß es nid)t,_ wollte der Doktor ant­worten, aber er unterdrückte es noch. In diesen Katakomben, die ihn so unvermutet in ihren Schoß aufgenommen hatten, war er selbst noch voll­kommen fremd. Die hatte er ja auf dieser Reife erst durchforschen wollen. Vur durch Vergleich­

vollendet. In der Arbeiterfrage waren wir immer bestrebt, in gutem Einvernehmen mit den Arbeitern zu leben. Der Wölfersheimer Streik war tatsächlich eine Machtprobe und wir muhten die Technische Vothilfe einsehen, um den lebens­notwendigen Betrieb aufrechtzuerhalten. Im gro­ßen und ganzen hat die Grube und das Werk eine große Bedeutung für uns, die es rechtfertigt, daß wir unser ganzes Interesse ihnen zuroenden.

Ministerialrat Balser verbreitet sich ein­gehender über die Verwaltung der Werke, be­sonders über die Erbauung von Bergmanns- Wohnungen, die nach Möglichkeit gefördert wer­den. Die Störungen, die mit dem Ausbau ver­bunden waren, sind fast beseitigt.

Das Kapitel wird genehmigt. (Einnah­men 27 666 786 Mk., Ausgaben 26 313 918 Mk.).

Zu Kapitel 7, Bad-Vauheim und Date Salzhausen, regt Abg. Kindt (D. Vp.) eine großzügige Reklame für Bad-Salzhausen an.

Abg. Hoffman n Seligenstadt (Z.) wünscht Herabsetzung ter Taxen für Minderbemittelte.

Abg. Fenchel (Dbd.) fragt wegen ter Ge­ländeankäufe der Firma Megiun in Dunbach.

Sinan m nisttr Henrich: Ta ennäßi.un en für Minder oemtttelte bestehen bereits. Die Ge- länteankäuse stimmen. Es handelt sich um Bau­gelände, das an ten Höchstbietenden abgegeben wurde. Die Anregung des Abg. Kind ist be­herzigenswert.

Abg. Dr. Werner (Dntl.): In Vaüheim sind viele Badegäste abgereift, weil mit Ausschrei­tungen gedroht wurde und Demonstrationen statt- fanden. Die Regierung möge das txj^'üntern. Auch seien die Preise in Vauheim so hoch daß kaum ein Deutscher dort bleiben Fann.

Abg. Rechtien (Soz.): Man sollte Vauheim, da dort nur noch Ausländer leben können, heraushvlen, was möglich ist. Die Demon- strationen haben nichts geschadet.

Abg. Fenchel (Bbd.) fragt nochmals, in welchem Zusammenhänge die Geländekäufe ter A-G. Meguin erfolgen.

Abg. Dr. Werner (Dntl.): Heber die Aus­schreitungen in Vauheim werten noch die Gerichte entscheiden. Die fremden Badegäste haben ftdjer nicht meine Sympathien. Im Interesie ter Hotel­besitzer und ter Regierung liegt es aber, wenn in Vauheim Ruhe herrscht, damtt die Badegäste nicht abreifen.

Finanzminister Henrich: Es wird bereits in Vauheim eine erhebliche Fremtensteuer er­hoben: man darf den Bogen aber nicht über­spannen.

Das Kapitel wird genehmigt.

Vächste Sitzung Dienstag, 8,30 Hfjr. Schluß 1 Ahr.

Sitzung der Stadtverordneten.

Gießen, 28. Juli 1922.

Die heutige Sitzung des Stadtparlaments wurde durch verschiedene recht bedeutsame Geschehnisse erheblich über den Rahmen der üb­lichen Verhandlungen hinausgehoben. In erster Linie war es die Beratung des städti­schen Haushalts für 1922, die ter Sitzung eine besondere Vote gab. Zwar ist heutzutage im Zeichen der sprunghaften Veränderung des Geldwerts und ter bis jetzt leitet noch immer andauernden Entwertung unseres Zahlungsmtt- tels ein Haushaltsplan für ein ganzes Jahr ein recht fragwürdiges Ding, aber zu umgehen ist er deswegen doch nicht, weil auch die Finanz-- gebahrung einer Stadt das Gerippe nicht entbehren farm. Daß die Ziffern dieses Etats, die in den ersten Monaten dieses Jahres unter ganz anderen Verhältnissen entstanden, durch die Angunst ter mittlerweile eingetretenen Entwick­lung heute zu in allergrößten Teil gegenstandslos geworden sind, ist natürlich flar. Man wird alle diese Angaben nur in Verbindung mit einem erheblichen Steigerungsprozen tsah zu werten haben und sich am Schlüsse des Haushaltsjahres auf ein dickes Ente gefaßt machen müssen, wenn unsere gesamtwirtschaftlichen Verhältnisse bis da­hin nicht eine ganz wesentliche Besserung erfahren haben, lieber diesen Stand ter Dinge ist sich auch das Stadtverordnetenkollegium im Klaren, deshalb fügte es sich ergeben in die im ört­lichen Rahmen unabänderliche Situation und genehmigte ten Voranschlag ohne viel gebet» lesens.

Ein interessantes Kapitel entrollte die Rech­nungsablage über die städtischen Kriegs­kostenaufwendungen in den Jahren 1914 19. Daß auch hier ein Zuschuß von mehreren Millionen zu tragen ist, gehört leider zu ten Selbstverständlichkeiten, mit denen sich unsere milliardengewohnte Zett abgefunten hat. Großes Aufheben wird von derartigen Dingen schon gar nicht mehr gemacht, ein Achselzucken ist im besten Falle alles, was dabei zu bemerken ist. Immer­

schlüsse konnte er hoffen, sich einigermaßen zarecht- zufinten. Aber wie, wenn diese 'unterirdischen An- lagen nur ten einen Zugang hatten, ter jetzt verschlossen war? And dabei diese pechschwarze Unsternls!

Er hatte Taschenlampen, Batterien, Meß» apparate usw. mit auf die Reise genommen, aber die lagen jetzt alle im Hotel im Kairo, denn er hatte ja an jenem Tage, als er die Kleidung eines Mattosen anlegte, nicht damit gerechnet, daß er nicht mehr in fein Zimmer zuruckkehren würde.

So hatte er nur einen Revolver in ter Tasche und eine Schachtel Zündhölzer.

Zunächst maßte man also aaf jeden Fall versuchen, das Tor za öffnen. Erst toerm das nicht ging, war die Votwerdigkett gegeben, durch die zahllosen Kreuz- and Quergänge einen an­dern Ausweg za suchen. And wenn aach das fehlschlug, blieb nichts mehr, als gefaßt dem qualvollsten Tode entgegenzusehen. Eine Rettung war dann nicht mehr zu erhoffen.

Perzelius entzündete also eines seiner kost­baren Zündhölzer und leuchtete herum. Er konnte jedoch nicht viel erkennen denn ter Raum war so groß, daß das schwache Licht geradezu von ter Finsternis aufgezogen warte. Er tappte also in ter Richtung zarück, In ter er mtt Edaard gekommen war. Vach etlichen fünfzig Schritten tauchte eine Wand ars ter Dunkelheit and von dem felsigen Gestein hob sich unflar eine schwarze Pforte ob. Ater schon beim Anblick dieser ge­waltigen, eisernen Flügel sank jeter Glaube, hier ten Ausweg erzwingen zr können.

(Fortsetzung folgt)