Ausgabe 
29.3.1922
 
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Nr. 15 Zweites Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)Mittwoch, 29. März (922

Hessischer Landtag.

7. Sitzung.

St. Darmstadt, 28. Würz.

Am Äegieuungätifd): Minister bei Innern o. Brentano, Arbeitsminister Raab

Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 10.10 Ülhi Dor Eintritt in die Tagesord­nung gibt Präsident Adelung Kenntnis von einem Ersuchen des Landwcrtschaitsministeriums. auch sür dieses Jahr einen parlamentarischen Beirat 4U wählen. Das Ersuchen geht an den Aeltesten» «at. Auf eine kleine Anicage des Abg. Sturm- sels (00.5.) wegen Zuteilung von Dienstbrand cn Forst beamte gibt Landessorstmeister Dr. Cffie- der Auskunft.

Gs wird dann zunächst die Angelegenheit des Ankaufes eines Hauses in Giehen für dringlich erklärt und beraten. Abg. Brauer iBbd./ erstattet Berichte Durch die Derstaatlichung der städtischen Polizei ist die alsbaldige Errich­tung des 3. Polizeireviers in Gießen zur Ver­besserung des polizeilichen Schuhes daselbst drin­gend notwendig geworden. Räume für die Unter­bringung des Reviers sind aber nicht vorhanden. Io daß an deren Beschaffung herangetreten wer­den muh. Rach der vorgesehenen Reviereintei­lung würde das Revier am zweckmäßigsten in der Rahe des Oswaldgartens, d. h. inmitten des 3. Bezirkes, untergebracht Es bietet sich jetzt Ge­legenheit, das dem Geheimen Kommerzienrat Gg. PH. Gail gehörige, in der Kirchstraße 11 belegene Anwesen für den Staat käuflich zu erwerben. Es liegt ziemlich in der Mitte des 3. Polizeibezirks und wird sich daher für das Polizeirevier sehr gut eignen. Der Kaufpreis für das. vorbehaltlich der Genehmigung durch den Landtag, angekaufte Anwesen ist auf 140000 Mark festgesetzt- außer­dem hat der Käufer sämtliche Kosten zu tragen. Der Wert vor dem Kriege betrug nach ausge­stellten Berechnungen rund 47 500 Mark. Für bauliche Instandsetzung der Gebäude und Der- besferungen. sowie Stempelkosten usw. werden weitere 33 000 Mark benötigt. Der Vorlage wird zugestimmt.

Dann wird die Besprechung der Millionenschuld der Landwirtschaftskammer fortgesetzt. Abg. Rink (KPD.) wünscht nicht, daß die Sache hier so schiedlich und friedlich geregelt wird. Wenn man diese Angeleg.nheicen nicht auch politisch behandelt, fallen wir in po­litischen Sch'as. Das Volk und tee Kleinbauern müssen aufgeklärt werden. Redner legt dann seinen Standpunkt zu der Angelegenheit dar und stellt fest, da; der Vorstand der Landwirtschafts- tammer schuldig sei. Er ift gegen die Umlage und gegen den Anina z des B'uernbundeZ.

Abg. Schott (D. Vp.): Aus den AnS- iührungen des Vorredners war dar zu ersehen, daß er kein Freund und Förderer der Landwirt­schaft ist. Die Hessische Landwirtschaftskammer Hai durch die Angelegenheit einen schweren Schlag erlitten, und wir sollten alles daran wenden, zu helfen im Jnlereffc der Landwirtschaft. Die L.K. hat auf Anregung des Ruches im In­teresse der Allgemeinheit das Vieh cingefübrt und das vereinnahmte Geld b?i der Darmstädter Bank hinterlegt. Der einzige Vorwurf, den man der L.K machen könnte, tft der, (daß sie sich beim Reich nicht selbst unb sofort gegen bie Ver­luste vertraglich gesichert hat, als sie das Vieh einführte. Es gab auch eine Zeit, in der mit 400 fetten Ochsen bie Schulb abgetragen werden konnte, aber unser eigener Viehmangel gestattet das nicht. Pflicht des Reiches ist es, die Schuld mit tilgen zu helfen. Es ist nicht richtig, daß der Vorstand der L.K. niemals reinen Wein über die Angelegenheit eingeschüntt hche. Die Schulb war als Frankenschuld in der Bilanz enthalten. Wir feilten h ute t ine Vorwür e erl eben, son­dern nur nach Mittel und Wegen suchen, wie bie Schuld bezahlt werden kann. Vom Reich haben wir leider kein Entgegenkommen zu erwarten. Mit Beunruhigung hat es uns erfüllt, daß der hessische Landwirtschastsminister Raab sich in Ber­lin für bie Beibehaltung der Getreideumlage aus­gesprochen hat. Wir sind in der D. Vp. für die freie Wirtschaft und können dem Landwirlschasts- mintfter kein Vertrauen cn tgegenbnr.gr n.

Abg Glaser (Bbd.): ES hantelt sich im wesentlichen um zwei große Fragen. Wie ist die Schuld entstanden und wer ist verantwortlich und haftbar au machen? Wenn man die ganze Sache ruhig betrachtet kann die Antwort immer nur lauten: das Reich und danach der hessische Staat. Der Landwirt an sich hat keine Verpflich­tungen, denn ter hat ja das Vieh befahlt. Wir sind nicht mit ter Landwirtschaftskammer durch eine G. m. b. H verbunden, fontem gesetzlich nur zu einem Beitrag von 1,50 Mark pro Tausend verpflichtet. DaS kann nicht einseitig geändert werten, wir sind jedenfalls nicht geneigt, uns

das gefallen zu lassen. Wir sind gern bereit, unseren Anteil zu tragen, aber die ganze Schuld auf bie Landwirtschaft abzuwälzen, ist ungerecht. Wir bitten, dem Antrag auf Ueternahme durch Staat und Reich zuzustimmen.

Abg. Hoffmann- Seligenstadt (Ztr.) be­spricht zunächst die Stellung der Bauern, be­sonders ter Kleinbauern zur Landwirtschafts­kammer. Gerate die Kleinbauern sind über bie Lanbwirtschaftskammer und die Mittel des Staa­tes, bie durch die Landwirtschaftskammer flössen, nicht genügend unterrichtet. Die Erbitterung unter den Tauern auch über die Erklärung des Mi­nisters Raab zur ©ctreiteumlagc ist begreiflich Jedenfalls mutz aber die Schuld abgetedt wer­ten. Der Abg Obenaucr hat davon gesprochen, daß der Staat die Schuld übernehmen inüsse. Ich nehme an, daß dieser Standpunkt der ter demo­kratischen Fraktion ist und also auch des Herrn Finanzministers. Wenn dem so ist, wird das Pentium ihm keine Schwierigst i.en mach n, wenn ter Staat die Schuld übernimmt Au, icten Fall muß bie Schuld schnellstens bezahlt werden, denn sonst kann es vielleicht passieren, daß wir dereinst auch noch die Schuld m Goldmark bezahlen müssen

Abg. Sturmfels (Sozi Der Teruch, bie Millionenschuld aus bie Staatslaße zu ü ertragen, gab uns Veranlassung, bie Frage eingehend zu prüfen. Daß bie Einfühlung im Interesse de. Allgemeinheit geschehe, dem muß wider piochen werten. Es war wohl von ter Regie.ung nur Stimmungsmache. Eine Schuld trifft die Land- wirtschaftskammer insofern als sie nicht die so­fortige Bezahlung energisch versuchte, daß sie nicht die Zinsen tilgte und keinerlei Rüclst.Hun­gen machte, sondern sich ganz aus den Vater Staat verlieh. Die Schuld trifft ater njch nur den Vorstand, sondern sämtliche Mitglieder der Landwirtschastslammer. Scll stiebend I autelt es sich um fein krimiml.es Verschulden. Diese Frage geht uns auch nichts an. Wenn die Schuld in einem Jahre abgetragen wird, beträgt die Be­lastung bei 542 ter hessischen Landwirteqanje 120 Mark. F-ür den Großbesih freilich ist es etwas anderes.

Minister Raah- Ich habe bas 38-Mll- lionenprojekt bereits fertig angetroffen, als ich das Ressort mit übernehmen mußte. Der Stand­punkt ter Regierung ist ter, daß, je mehr über die Sache geredet wird, je fataler sie wird Rach eingehender Prüfung hat die Regierung festgestellt, daß von einem eigentlichen Verschul­ten überhaupt nicht die Rete sein kann. Was hier vorliegt, liegt bei einer ganzen Reihe Privater ebenfalls vor, die sich ebenfalls hilfesuchend an bie Regierung gewandt haben. Die Regierung tann unter keinen Umständen bie Schulb auf die Staatskasse übernehmen. Wir haben die Pflicht, bie Möglichkeit zu schaffen, bah die Abtragung ter Schuld bald erfolgen kann und empfehlen bie Annahme teS Ausschuhantrages.

Minister des Innern von Brentano: Es ist von Herrn Abg. Glaser ter Wunsch nach einem juristischen Gutachten geäußert worden. Wenn diesen Wunsch die Majorität des Hauses hat, wirb ihm selbstredend entsprochen werten. Ich persönlich teile den Standpuntt des Mi­nisters Raab. Es steht fest, daß sowohl die hessische wie bie Reichsregierung ehrlich helfen wollen, das sollten auch die Herren des Bauern­bundes anerkennen.

Abg. Blank (Ztr.): Wir können nicht ter Landwirtschaft im allgemeinen die Schuld auf- bürten, und müssen andere Mittel und Wege finden, bie Dumme abzutragen.

Abg. Ki nb t (D. Dpt.): Die Debatte ist nicht immer von großen Gesichtspunkten auS geführt worden. Ich freue mich, daß bie Regierung fest­stellt, daß bie Lanbwirtschaftskammer lerne Schuld trifft. Der Auffassung tes Abg. Sturmfels ist durchaus entgegenzutreten. Es wäre Verbrechen am Voll gewesen, wenn man die Valuta noch mehr beeinflußt hätte durch Bezahlung der Schuld. Diele Ausführungen hätten bewiesen, teb h-c> Redner von der Landwirtschaft keine Ahnung haben. Die Einführung von <)ua)tvie./ g?f .ja., t. i * Interesse ter Allgemeinheit. Die Landwirtschasts- kammer ist nicht nur eine Einrichtung der Land­wirte, sie ist eine solche des ganzen Volkes. Wir müssen auch heute noch Milliarden ins Ausland schicken, weil die deutsche Landwirtschaft bas Volk noch nicht allein ernähren kann. Man barf bie Freute in ter Protektion nicht töten durch ein­seitige Belastung unb burch Zwangswirtschaft. Man tut den Dauern Unrecht, wenn man ver­langt, sie sollen die durch einen unglücklichen Zufall entstandene Schuld allein tragen. Das ganze Doll muß zur Deckung herangezogen werten.

Abg. Dr. Müller (Bbd.) weist wiederholt auf die Regelung hin, die Baden in gleicher Frage gefunden hat. Es ist unbedingt richtig, daß die Einführung des Viehes im Interesse der All­gemeinheit erfolgt ift Eine moralische Verant­wortung hat das Reich immerhin anerkannt Der

hinterschied zwischen Baten und Bayern gegen­über Hessen ist darin begrüntet daß die Darm- städie. Bank unsere Frankenschuld in eine Mark- schuld umgcnxmtelt hat in einem Augenblid, da bie Mart am schlechtesten stand. Die Bank hat nach dem Standpunkt tes übelsten Halsabschnei­ders gehandelt. (Hort! Hört!) Sie weigert sich immer noch, bekanntzugeben, wann und von wem sie die Franken gekauft hat Vielleicht überlegt sie sich bai noch. Das Reich kommt mir denen zu Hilfe, die DalutasHulbner sind, nicht aber denen, die die Valuta- in Markschuld umgewandelt haben. Redner erörtert bann das badisch-bave- rische Abkommen, daS eine burchaus gerechte Regelung bedeutet Der Abwälzung ter Schulb auf bie Landwirtschaft noch ter Hälfte können wir grundsätzlich nicht zustimmen. Auch ter Ver­buch, die kleinen Landwirte gegen uns auszu- sptelen, kann uns darin nicht beirren. Wir sind auch gegen bie Staffelung, gerade weil diese wieder durch Pachterhöhung usw. bie kleinen Besitzer trifft. Aus den gleichen Gründen müssen wir uns dagegen wehren, daß durch die Getreide­umlage wieder allein die Landwirtschaft die Kosten für die Verbilligung des Brotes für Minderbemittelte tixigen soll.

Abg. Kaul (Soz.) beantragt Schluß ter Debatte. Der Antrag wird angenommen. Es sind noch 5 Redner unb einige Regierungsvertreter ge­meldet

Abg Schaub (Ü.1SP.) ist gegen bie ileber- nahme bei Schulb auf den Staat. Wenn bie Landwirtschaftskammer mit ihrer Spekulation viel Geld verdient hätte, hätte bie Allgemeinheit sicher nichts davon gesehen.

Abg. Wünzer (D. Vp.) unterstreicht das, was ter Abg Köhler bereits gesagt hat. Er müsse nur daran erinnern, daß das, was die Regierung vv'schlägt, gerate bie kleinen Land­wirte schützen soll. Dem Vorstand ter Land- trirlsfammer wird ter Vorwurf ter Spekulation gemacht. Das ist unrecht und unbegründet. Die LandwirtschaftSlammer hat das Vieh gekauft und oerfauft und das Geld bei der Dank deponiert. Es ist überhaupt noch nicht zur Sprache ge­kommen, daß die Lanbwirtschaftskammer bie Schulb überhaupt gar nicht bezahlen konnte, weil die Bezahlung vertragsgemäß erst nach Kriegsende erfolgen konnte. (Hört! hört!) Von Spekulation kann also gar keine Rete sein. Auch aus der Tatsache, daß in ter Bilanz bie Schulb der Landwirtschaftskammer nicht als Mark-, son­dern als Frankenschulb figurierte, ist kein Ver­schulden zu konstruieren. Man sollte das alles unterlassen, die Schuld wirb badurch nicht ver­ringert, nur bie politischen Gegensätze werden verschärft. Wir werten für das unbeschränkte hlmlageverfahren stimmen unter ter bestimmten Voraussetzung, daß vorher alles geschieht, um die Schulb abzutragen ober zu vermintem. Die Regierung möge darüber wachen.

Abg. Hahn (D. Vp): Die Landwirtschafts­kammer hat durchaus ihre Schuldigkeit getan. Ich bitte, den Antrag tes Ausschusses anzu­nehmen.

Darauf tritt Vertagung ein. Rächste Sitzung Mittwoch 9 Uhr. Schluß/22 Uhr.

Kirche und Schule.

e. Der Hessische LandeS-Lehrer- berein, ber am 10. unb 11. April zu Frieb- berg seine biesjährige Vertreter- unb Hauptversammlung abhalt, schließt feine Rechnung für bas letzte Geschäftsjahr mit einer Einnahme von 271 412.88 Mk. ab, ber eine Ausgabe von 264 077 Mk. gegenüber» steht. Rach ber Mitteilung eines Gießener Vorstandsmitgliedes ist ein Privatdozent ber Universität Gießen bereit, in ben Lehrerver­einen Vorträge über betriebene Kapitel aus ber Päbagogik unb ber Psychologie zu halten.

Hochschulnachrichlen.

Studenten als Bergarbeiter.

Frankfurt a. M., 28. März. Ungefähr 2 00 Studenten ter Universitäten Frank­furt a. M., Heidelberg, Marburg, Köln und Göttingen arbeiten seit einigen Tagen in ver­schiedenen Bergwerken tes Ruhrgebietes, um sich aui diese Weise die Mittel zur Fortsetzung ihrer Studien zu verdienen.

»

Berlin, 27. März. (WTD.) Letzte Rächt ist Professor Alfred D1 a s ch k e, ter bedeutende Berliner Demcttologe, einem langwierigen Leiten erlegen.

Berlin, 29. März. Der langjährige Ver­treter ter römischen Geschichte und ter Inschrif­tenkunde an ter Berliner Universität Geh. Rat

Pros. Dr. Otto Hirschield ist gestern In Berlin im Alter von 79 Jahren gestorben. Der Verstorbene ist als RachfolHvr Tb Momm­sens seit 1885 an der Berliner Universität tätig.

Aus dem Amtsvcrkünviftungsblatt.

* Das AmtSverkündigungsblatt Rr. 42 vorn 28. OHöta enthält Reparationsliefe­rungen. Die deutschen Aufbauschulen. Die Ausführung tes Besoldungsgesetzes für die Leh­rer. Einsendung ter Hand- und Tagebuch­auszüge. Erwerbslosenfürsorge. Abgabe von Krankentragen aus den Beständen deS hessi­schen Lantesvereins vorn Roten Kreuz. Hunte­steuerveranlagung. Viehseuchen. Straßen­sperre.

Holzverdingung AIS Reparationslie­ferungen sollen für England, Frankreich und Italien Schwellen, Schnittholz and Parkettstädc beschafft werden. Die Verdingungsunterlagen sind bei dem LantesauftragSamt einzusehen und können von dort bezogen werten.

Die Deutschen Aufbau schulen. Zu Ostern des IahreS werden zu Alzey, Denshelm unb Friedberg Schüler in die unterste Klasse der deutschen Aufbauschule ausgenommen: auch an dem Lehrerinnenfeminar zu Darmstadt wird eine Aufbaullasse für Mädchen eingerichtet. GS ist zu wünschen, daß möglichst viele Schüler angemeldet werten, damit eine geeignete Aus­wahl für die neue Schule getroffen werten kann. Die Anmeldung ist nur wirklich Begatten und tüchtigen Schülern zu empfehlen. Für jedes Kind, das sich meldet, ist neben dem Schulzeugnis eine genauere Würdigung seiner Veranlagung, seines Charakters und seiner besonderen Fähigkeiten auözustellen, die erkennen läßt, ob e$ für die Aufbauschule besonders geeignet erscheint oder nicht. Diese Würdigung ist unmittelbar an die Direktion zu senden.

Turnen, Sport und Spiel.

16. Rhönturntag. Dieser Tage tourte ter 16. Rhönturntag in der Hauptwache zu Fulda abgehalten. Eine Anzahl Turnvereine hatte Vertreter hierzu entsandt. 'Der 2 Vorsitzende Milker eröffnete in Abwesenheit des 1. Vor­sitzenden den Rhönturntag und begrüßte die An­wesenden. Das diesjährige Rhönturnfest wurde auf den 13. August festgesetzt. Dem Kassierer Eduard Kaufmann tourte Entlastung erteilt Mit einemGut Heil" auf gutes Gelingen tes Rhönturnfestes wurde ter Rhönturntag be­schlossen.

11 m die Mitteldeutsche Fuß­ballmeisterschaft fanden am Sonntag drei Spiele statt. In Mittweida fchlug der Chem­nitzer Dallspielverein die Spieloereinigung Erfurt 6:3: in Magdeburg blieb Ring-Dresden gegen Fortuna-Magdeburg 2: 1 erfolgreich und in Plauen behielt die Spielvereinigung Leip­zig gegen Concordia-Plauen 3:0 die Oberhand.

Deutsche Fußballer in Böh­men Am Sonntag weilten die Würzburger Kicket, ter M.T. V München 1860 unb Ale­mannia, DreSlau in Böhmen unb trugen dort verschiedene Wettspiele auS. Die Würzbur­ger Kickers traten in Prag gegen ben tschechischen Meister Sparta an und unterlagen vor 10 000 Zuschauern mit 1:4. Die Bres­lauer Alemannen wurden am Samstag von dem Sportclub Königgräh mit 6:2 unb am Sonntag von tem gleichen Verein sogar mit 9:0 besiegt, während der M.T.V. Mün­chen gegen den Fußballclub in Teplitz mit 1:4 den Kürzeren zog.

Trainer-, Jockey- unb Herren - reiter-Lizenzen für bleses Jahr ftnb bis jetzt in folgender Anzahl ausgegeben worden: Trainer 175, Jockeys 137, Herrenreiter 172. Unter den Letzteren befinden sich auch die auf tem Reit- unb Springturnrer im Berliner Sport­palast stark in den Vortergrunb getretenen Lt. Andreae, v. Homeyer, Lt. v. Hülsen, Lt. v. Dy- dvw, Graf Trautvetter usw. Bei len Jockeys vermißt man noch die Lizenzerteilungen für Rastenberger, Danek unb Kaiser. F. Kasper unb H. Blume sind außer Landes gegangen.

Aufgehobene Rennen. Dw Han­noversche Rennverein hat je zwei Hindernis­rennen am 9. unb 11. April wegen zu schwacher Beteiligung aufgehoben und bafür Flachrennen neu ausgeschrieben. Der Magbebu rger Rennverein hat das mit nur sechs Renningen bedachte April-Jagdrennen aus tem Programm am 2. April gänzlich gestrichen. Der Kölner Frühjahrs-Ausgleich b eibt bage e i auf­rechterhalten. ob-whl er die in ter Au schrer- bung verlangte Anzahl von Unterschriften ntcht erlangt hat.

Die Pforte öes Paradieses.

Roman von Ingeborg Vollquartz.

Berechtigte Uebertetznng au8 d m DLnischen.

21. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

.Unb boA Gell», das frei wird, kommt in eine Dank," erklärte Rora weiter.Unb das verwaltet Herr Flint-Hensen für uns auf die beste Weise."

Hat das einen Vorteil, wenn das Geld an verschiedenen Orten angelegt ist?" erkundigte sich Frau Inger.

Ha: wenn man Geld in ter Bank stehen hach dann kann man Kapital ausnehmen," be­lehrte sie ber Hauptmann.Das kann man nicht, wenn alles m einem Harts angelegt ist."

»Ja, habt ihr denn die Absicht, Kapttal avfzu nehmen?" fragte Frau Inger erstaunt.

Rein, nein," wehrte ter Hauptmann ab. Richt, wenn es nicht nötig ist. Ater Rora hat recht, es ist ein unbehagliches Gefühl, so viel Geld zu besitzen unb zu wissen, daß man nur an die Zinsen gelangen kann."

Du sagst das so, al£ ob ich es wäre, bie ans Kapital gehen will," flagte Rora unb warf ihrem Brüter einen bösen Blick zu.

Aber das willst du doch auch, Rora!" sagte ber Hauptmann gerad. heraus unb sah sie ver­ständnislos an.Du hast mir doch eben auf dem Heimweg ausc-inanterg setzt, daß du dreitausend Kronen haben möchtest."

Deshalb brauchst du nicht so erregt auszu- sehen, liebe Rora," warf Frau Inger gelassen ein.Datei ist doch nichts Unrechtes, wenn da

gern eine kleine Summe von deinem eigenen Gelte haben möchtest."

Rein, das ist es nicht," sagte Rora mit rotem Kops:aber es sieht so aus."

Ach du meinst, weil Tante Ellinor bie Kinder als bet ne Erben eingesetzt und dir in ihrem Testament nur die Zinsen tes Kapitals ver­macht hat?" sagte Inger mit verständnisvollem LächelnWir finden es gewiß alle ganz na­türlich, wenn du gern eine Summe dieses Geltes für dich nehmen möchtest."

Wirklich, Inger wirklich?" rief Tante Rova und blickte ihre Schwägerin unsicher an. Ich tollt dir sagen, ich habe mir seit so vielen Jahren eine Reise m den Süden gewünscht, u,td ich meine, sie wäre mtr auch zu tzönnen, und des­halb habe ich habe ich"

Ja, deshalb wolltest du bas Gelb so an­gelegt haben, daß du über einiges davon ver­fügen toimteft, vollendete ter Hauptmann, als ob dies gaiu selbstverständlich wäre,Inger hat daS gewiß längst eing. sehen."

Ater Inger muß auch wissen, daß ich die dreitausend Kronen zurück.ahlen werte," e klärte Rora eifrig.Flint-Jensen hat gerate verschie­dene gute Geschäfte in Aussicht, und er hat tns versprochen, wir würden viel Geld verdienen nicht wahr, Jens, dir hat er es auseinanter- gesetzt"

Jawohl," bestätigte ter Kapitän lebhaft. Ich muß sagen, es Ebing ausgezeichnet, wie er es erklärte. Ich bin ja kein Geschäftsmann, aber soweit ich begreifen konnte will Herr Flint-Jen­sen das Geld sehr vorteilhaft anlegen. Ein er­staunliches Leben und ein Eifer ist in tem Mann"

ter Hauptmann seufzte leiseman könnte ihn beneiden!"

Ja, nicht wahr?" fiel Tante Rora begeistert ein.Der Mann hat etwas Hinreißendes, etwas Siegesbewußtes, man meint, man habe Flügel, trenn man von ihm kommt nicht «wahr, Jens?"

, n3a, Herr Flint-Jensen hat wirllich etwas Aufmunterntes," gab ter Hauptmann zi.Man hat nicht nur Vertrauen zu ihm, sondern aich zi sich selbst gewonnen, wenn man von ihm geht. Er ist eben ein ungewöhnlich tüchtiger junger Mann."

Das muß er Wohl sein," sagte Inger warm. Ich hätte große Lust, diesen Zauberer auch ein­mal zu sehen. Rach dieser Beschreibung kann ich es nun besser begreifen, daß ihr ihn gewählt habt."

Ach. Jens, du hättest selbst Geschäftsmann werden sollen," rief Rora begeistert.

Mnfmn, Rora." sagte ter Hauptmann und schüttelte abwehrend ten Kopf.

Es könnte wohl sein, daß Rora recht hat," sagte Frau Inger.Wir Menschen irren uns io oft, sowohl in Beziehung auf uns selbst, als wenn wir andre leiten sollen."

Aber wenn du das meinst, Inger, wir kannst du dann mit Orla so eigensinnig fein," fing Tante Rora an.Jens hat mir erzählt, daß du immer noch darauf bestehst, er solle zu Ionas Thystrup gehen. Der Junge hat doch gar keine Lust dazu

Man kann nicht immer nur das tun, wozu man Lust hat, liebe Rora," wandte Inger etwas müde ein.

Ra. Inger, du brauchst dich doch wahr- haftig nicht au beklagen!" rief Rora vorwurfs­voll.Das Leben ist ja für niemand von uns ein Rvsentanz, aber dir hat es mehr Rosen vor dir

Füße gestreut, als ten meisten von uns. Du warst noch keine zwanzig Jahre alt, als du dich mit dem Mann verheiratetest, den du haben wolltest. Ja, lieber Jens" Rora wandte sich an ihren Bruder, ter einen schwachen Ein­spruch erheben wolltees ist kein Geheimnis, daß Inger dich durchaus haben toollte. Du hast eine Heimat gehabt, Inger, In ter du nach Be­lieben schalten unb walten konntest ja, selbst solchen Bestrebungen, wie deinem Musikunterricht, durstest du ungehindert nachgehen. So selbständig können nicht alle Hausfrauen fein.

Ich habe mich auch noch nie beklagt," sagte Inger sanft.

Rein!" rief Rora mit großem Ra Zurück. Tas hast du allerdings nie getan, ülnd wenn ich etwas an dir nicht leiten kann du mußt mich entschuldigen, aber Wahrheitsliebe ist ein Charakterzag bei mir, auf den ich stolz bin so ist es das, daß du dich niemals bellagst. Du willst immer so viel besser sein als alle andern, so anmutig und verständnisvoll und nach ichtig an allen Ecken und Kanten, und was ist die Folge davon? Daß alle wirllich tiefen Raturen sich von dir ab wenden."

Rora!" rief ter Hauptmann heftig aus.Das ertrage ich nicht, daß du in dieser Weise zu Inger sprichst. Du verstehst sie gar nicht, du kennst sie kaum, niemand außer mir weiß, was sie wert ist."

Liber Jens!" sagte Ineer lächelnd mit einem dankbaren Kopfnicken.Deine A sicht zählt da doch nicht mit. Lasse Rora nur reden."

(Fortsetzung folgt)