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zu erkennen, was bei sorgfältigem Studium aus einer banlbaren Rolle hrrausgeholt werden kann. Doch auch unsere (Siebener Kirnstler brauchten sich wahrlich nicht zu schämen. Sie gruppierten sich alle so vorteilhaft um die Hauptperson, bah man der Darstellung mit voller Befriedigung folgte. Damit ist auch die gebührende Anerkennung für den Spielleiter Oskar Feigel ausgesprochen, der als Dr. Gehring den zielbewussten Gegen­spieler des Herrn Senators überzeugend toteöer- gab. Ihm muhte man eS glauben, bah er Agathe, die anfangs so folgsame und echte Tochter ihres Vaters, zu einer wirkliche Gattin ihres Mannes machte. Rose Rubner arbeitete diese ®nt- wickiung mit feinem Verständnis heraus. Ebenso selbstverständlich erschien es, bah Frau Helene (Auguste Marckst ihrem würdigen Eheherrn in 27 Jahren niemals widersprochen habe. Als allzugehorsamer Ehemann und Schwiegersohn war Wolf Leutheiser am rechten Platze. Der eben ausgekrochme Backfisch in'seiner schwärme­rischen Verliebtheit gelang G i s a Iven erfreu­lich echt und ansprechend. Karla Keller zeigte als Sophie PeNold die gewinnenden Eigenschaften, die auch dasNiemals eines Senators Andersen besiegen muhten. Die übrigen Rebenpersonen taten das Ihrige, um dem bekannten Schwank der nicht minder bekannten Firma Schönthan und Kadttburg zu einem vollen Erfolg zu verhelfen, der sich hoffentlich dahin auswirkt, dem heutigen letzten Abend des Gastspiels Efarl William Bül­lers eine gröbere Zuschauermenge zuzuführen, tr.

Heutiger Stand des Dollars

10 Uhr vormittags:

Berlin 8350, Frankfurt a. Dl. 8400»

Metzener Äcadrryearer.

Der Her? Senator.

Schwant in 3 Auszüge', von 5 anz von Schön­than und Gustav Kadelburg.

(Stehen, fcen 28. Rov. 1922.

Lachen wird doch in der Regel für eine Ge- - fühlsäußerung angesehen, die man eher erstrebt als zu verm üoen fuc; . Man konnte gestern abend beim Anblick des Zuschiucaraumes zweifelhaft werden, ob diese alte Weisheit noch zu Recht besteht. Es ist allerdings i i unserer Zeit schon so manches unnatürlich geworden was früher als natürlich galt, und umgekehrt, aber dieses Zeit- charatt .iüi'um dürste doch kaum eine erschöpfende Erklärung sein für dm außerordentlich spärlichen Besuch *-? gestrig en Aucku.hcu.ag. Denn sicher wi-.d verhältnismrhig noch mi bestens ebensoviel C-.'ld aufi3<*äxtnbt, um sich einige Stunden er» heiternder Unterhaltung zu verschaffen, wi: früher, meist ohne bar) dec Zweck wirklich erreicht wird.

Daß l iese letztere Gefahr gestern abend nicht in Frage kam, bewies der stürmische Beifall, der bei qebamu:tem Licht leicht ein volles Haus hätte Vortäuschen können. Wenn auch der Herr Senator Andersen wünschte, bah über feine Person nicht mehr als nötig gelach' werde, so zwang doch die unvergleichliche Verkörperung des selbstbewußten Mannes durch Carl William Büller dazu, bah man lachte, bis die Tränen kamen Man kann alle Feinheiten dieser bis aufs kleinste abgerun­deten Leistung nicht beschreiben. Man muh den Künstler in seinen Charaktertypen sehen, um

(Sammlung vom Sonntag dienstbar gemacht werden. Bei dieser Gelegenheit sei un­serem gestrigen Bericht über die Gedenkfeier nachgetragen, daß Herr Moll im Auftrage des Reichsverbandes der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen gleichfalls eine Kranzspende zu Ehren der gefallenen Kame­raden niederlegte.

** Amtliche Personalnachrichten. Ernannt wurden am 22. Rooember die Ober­assistentin Elisabeth Melior auZ Gießen mit Wirkung vom 1. April 1922 an zum Sekretär an der Ülniversitäts-Diblio.hek in ®ie ,en; am2).Ro- vember der Oberassistent Gustav S ch a f e r bei der Landes-Hypothekenbank vom 1. Oktober d 3 an ou-n Banksstkretär: - Oberzollinspeltor Heinrich B i e g e r in Darmstadt lFinanzamt ©labt), zum Obersteuerinfpektor: Steuer, ekretär Heinrich Herbert bei der Oberfinanzkasse in Darmstadt zum Obersteuersekretär. Aus dem Staatsdienst entlassen wurde am 23. Rooember der Polizei- Wachtmeister Jakob Scho p dach au 8 Alsfeld auf sein 2lachsuchen mit Wirkung vom 1. Dez. 1922.

* 3n drei Polizeirevier bezirke wird unsere Stadt nach einer Bekanntma­chung des Polizeiamtes vom l.Dezember ab eingeteilt sein. Das erste Revier (Weiden­gasse 5, Fernsprecher 24) leitet Polizeikom- missar K i m m e l, das zweite Revier (Liebig- straße 18, frühere Ohrenklinik, Fernsprecher 1257) untersteht dem Polizeikommissar

Adert: 3. Polonaise Rr. 6 Fr. Chvpw: 4. 3nter» i nationale, historische Märsche, Potpourri A. Doettge: 5. »Pro gloria et patria"! Marsch W. Rumohr. -

** Die Kraftpost Wetzlar Gie- ) e n verkehrt zur Verminderung der zur Zeit außerordentlich hohen Betriebskosten vor­mittags nur noch zwischen Wetzlar und Hochelheim, ab Wetzlar 7.40 an Hochel­heim 8.27 ab Hochelheim 8.30 an Wetz­lar 9.15 Uhr. Die Rachm ittagsfahrt wird mit folgenden Fahrzeiten ausgefuhrt: ab Wetzlar 12.45, an Gießen 2.30; ab Gießen 4.30, an Wetzlar 6.15 Ahr.

** Die Ermäßigung der Marga­rinepreise, von der wir gestern berichteten, ist inzwischen, wie wir von zuständiger Sette er« obren, schon wieder durch eine Erhöhung überholt. Sämtliche Sorten sind gestern um 10 Mk. für das P.und im Preis gestiegen, so das) die geringste Qualität nun 860 Mk. kostet.

** Roch eine hochherzige Spende. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, Orts- gi-uppe Gießen, stiftete für die bedürftigen und in Rot geratenen Mitglieder des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen in Gießen die Summe von 20 000 Mk.

" Diebstahl. 3n verflossener Rächt wurden aus einem hiesigen Alteisen-Lager etwa 20 Zentner Drandguß (Rost- täbe) im Werte von 10 000 Mk. gestohlen. Dor Ankauf wird gewarnt.

"Die Zahl st undenbeider Finanz­kasse erfahren nach einer Bekanntmachung in unserer heutigen Ausgabe eine Veränderung.

** Die Einreise nach England. Dom 1. Dezember ab werden In England Deutsche wieder gleich den übrigen Auslän­dern behandelt. Die Einreise nach England ist von diesem Tage ab also erleichtert worden.

Bornotizen.

Tageskalender f ü r Dienstag. Stadttheater, 7 Uhr:Dr KlauZ". Lichtspiel­haus, Bahnhofstraße: .Der Graf von Monte Chrisw", »Die Totenhand" undKnoppche.i.

Wettervoraussage

f ü r M i t t w o ch:

Bedeckt, Schneefälle, Frost, leichte Rordwest« toinbe. Das Hoch im Westen und das Tief im Osten liegen merkwürdig fest. Abwechselnd gewinnt das eine oder das andere Druckgebiet großen Einfluß auf unsere Wetterlage, (sine Änderung ist zunächst nicht zu erwarten und mit Aufklärung noch nicht zu rechnen. Heute morgen um 7 ülhr wurden folgende Temperaturen fest- gestellt: Siehrn3, Darmstadt5, Lauterbach 12 Grad.

Landkreis Gictzen.

rt. Sich, 27. Rov. Am Rachmittag deS Totensonntags hielten die Vereine der Stadt am Kriegerdenkmal vor der FriedhvfShalle eine Gedächtnisfeier für die Ge­fallenen. Ansprachen der beiden Geist­lichen wechselten mit Vorträgen der Gesang­vereine, derCäciiia", des Roihschen Män- nerchorS und der Gesangsabteilung derGe­mütlichkeit-. Der gemeinsame Gesang deS al­ten SterbeliedeSJesus, meine Zuversicht-, machte den Schluß. Am VormittagSgotteS- dienst nahmen die Vereine teil, die Gesang­vereine verschönerten die Feier durch Ehor- gelang. 3m Nachmittagsgottesdienst wirkte die Ehorschule mit. Eine Sammlung für die hessische evangelische Kriegshilfe ergab 1000 Mark.

ch Grüningen, 26. Rov. Die hiesige Orts­gruppe der Liga zum Schuhe der deut­sch e n Kultur begann ihre Winterarbeit mit einem Vortrag überD tedeutscheHeirnat . 3n etwa 102 Lichtbildern wurden Raturschön­heiten, Denkmäler, Burgen, Städte usw. aus fast allen Gegenden unseres Vaterlandes gezeigt.

Holzheim, 28. Rov. Das Fest der silbernen Hochzeit feiern heute die Ehe­leute Ioh. Heinr. Keller und Frau Marie geb. 3ung. , r

in. Hungen, 25. Rov. 3m benachbarten Steinheim wurde heute eine kleine, nicht in bestem Zustand befindliche Ho freite zum Preise von« 1 300 000 Mark verkauft.

Kreis Büdingen.

)( Ortenberg, 27. Rov. Die hiesige Pfennigsparkasse, die über 30 Jahre be­standen und den Sparsinn der Bevölkerung ge­pflegt hatte, wurde in der letzten Generalver­sammlung wegen der durch die Zeitverhältnisse bedingten geringen Benutzung und der zu hohen Verwaltungskosten zum 1. Januar 1923 auf­gelöst.

Kreis Friedberg.

Sf. F r i e d b e r g, 25. Rov. Die abgetan» fene Woche war für unsere Stadt besonders reich an schauspielerischen Genüssen. Am Mon­tag und Dienstag waren es die Volksspiele des Malers W. Dlache tta, welche den Be- weis lieferten, daß wahre und reine Kunst immer noch befähigt ist, einen tiefen Eindruck auf das Volk auSzuüben. Sowohl die Abend­vorstellungen, die einen Märchen- und einen Hans-3ache-Alend b ach en, w ea chN.Kia- dervorstellungen fanden ungedeckten Beifall und vollen Erfolg. Am Donnerstag, Freitag und Samstag erschien als stets willkommener Gast wieder einmal die Landeswander­bühne, die mit 3bsensDer Volksfeind", LejsmgSEmilia Galotti" und Shakespeares Was ihr wollt" ebenfalls ein besetztes Haus und ein dankbares Publikum fand. Der Aus­schuß für Volksbildung hatte auch in diesem Falle durch einleitende Vorträge des ' Herrn Oberlehrer Dr. Weiner für ein tie- > feres Verständnis der dargebotenen Bühnen- stücke gesorgt.

' Starkenburg und Rheinhessen.

fpd. Rüsselsheim, 26. Rov. 3n den Opelwerken explodierte aus bisher

nicht ermittelten Ursachen ein Sauerstoff- rohr. Dabei wurden sieben Arbeiter schwer verletzt, so daß sie sofort dem Mainzer Krankenhause zugeführt werden muhten. Einer der Verwundeten erlag bereits seinen Verletzungen.

Kreis Wetzlar.

ra. Kinzenbach, 27. Rov. Der Gesang­vereinFortuna" beging am gestrigen Totensonntag zu Ehren seiner im Weltkriege ge­fallenen Mitglieder eine würdige Gedenk' feier. Eine Ehrentafel wurde enthüllt, auf der die Ramen von 15 Gefallenen aus den Reihen des Vereins enthalten sind. Ansprachen, Chor­gesänge und Gedichtvorträge wiesen auf die Weihe der Stunde hin.

Hessen-Nassau.

fpd. Frankfurt a. M., 26. Rov. Aus einer Brikettsabrik in der Daimlerstrahe wur­den in der vergangenen Rächt ein Elektro- m o t o rim Werte von 1 500 000 Mark und ein Treibriemen für etwa 500 000 Mark gestohlen. Aus einer Waschküche im Sandweg wurde nachts die gesamte Wäsche entwendet. Wert: 500 000 Mark. Aus einem Lager im Osthafen holten Diebe in einer Rächt mehr ab? 3000 Weinflaschen für rund 150 000 Mk. Wert weg. Bei der Kriminalpolizei laufen jetzt täglich etwa 25 Anzeigen wegen Einbruchs- diebstähle ein.

fpd. Frankfurt a.M., 27.Rov. Der nean- zehnjährige Pole 3 f i Sch inorr stahl aus einem Bekleidungsgeschäft an der Mainzer Landstraße, bet dem er angestellt war, mehr als 400 Hosen und veräußerte sie an seinen Freund, den 23jährigen Trödler Maier Silbermann in Offenbach. Beide wurden festgenommen.

Ein neuer Roman von Clara Diebig

dessen Erstabdruck vor wenigen Wochen in einer namhaften Familienzeitschrift beendet wurde, ist zum Zweitdruck

im (Siebener Anzeiger von uns erworben worden. Der Roman der beliebten, hier persönlich bekannten Verfasse­rin (betitelt:Unter dem Freiheits­baum") entrollt in der bekannten fesselnden Schreibweise Elara DiebigS ein ungemein packendes Zeitbild.

3m Hinblick auf die Tatsache, daß für viele Familien der käufliche Erwerb von Tüchern namhafter Au o en immer schwieriger wird, haben wir für den Abdruck dieser Arbeit ein ganz besonders großes Opfer gebracht. An­seren Lesern wollen wir auf diesem Wege die Möglichkeit bieten, das neueste Werk der her­vorragenden Schriftstellerin, das wir im An­schluß an den jetzt laufenden Roman abdrucken werden, kennenzulernen.

Es empfiehlt sich, im Bezug des Gießener Anzeigers keine Unterbrechung eintteten zu lassen.

Verlag und Redaktion des Gießener

Anzeiger-.

Der Darmstädter Landsriedens- bruch vor Gericht.

rm. Darmstadt, 27. Rov. Ohne Unter» brechung werden heute die Verhandlungen gegen weitere neun Angeklagte, die sich am 27. Juni d. 3 an den Folgen des Demonstrattons- zuges beteiligt haben, fortgesetzt. Die Strafkammer hat es heute nur mit drei 3ugendlichen zu t in, wahrend als Hauptbeschuldigter sich der 1882 $u Heppenheim a. d. B. geborene Schreiner Ludwig Ährhan hervorgetan hat. Der Tag der Demon- tration sollte bestimmungsgemäß dazu benutzt werden, die Hoflieferantenabzeichen, die sich noch an den einzelnen Läden und Geschäftshäusern bet Stadt befanden, gewaltsam zu beseitigen. Einer der älrheber war ckl h r h a n, der als Vorsitzender des Holzarbeiterverbandes einen Aufruf folgenden 3nhalts verfaßte:Achtung, Kollegen! Beteiligt euch heute restlos an der Kundgebung für die Republik gegen die Mordgesellen. Zwinat eure Arbeitgeber, daß alle früheren Hohe! s^bzeicher sofort verschwinden müssen. Rieder mit der tionl Hoch die Republik! Die Kollegen wollen heute Werkzeuge mitbringen, damit die noch tiov ha n denen Hoheitsabzeichen entfernt toerben. Keiner darf fehlen. Deutscher Holzarbeiterverband. Verwaltungsstelle Darmstadt, älhrhan." Er hat diesen Aufruf in mehreren Exemplaren dem An geklagten Schreiner Jak. Pollack, 33 Zähre al!, aus Darmstadt, der stellv. Obmann des Betriebs rat es in der Alterschen Fabrik ist, zugesand ?, wo sie angeschlagen wurden. 3nfolgedessen wurde.! in der Stadt an einer ganzen Reihe von Häuser»; die Hoflieferantenschilder zertrümmert oder mit Farbe überstrichen. Hierbei wurden auch mehrfach Polizeibeamte mißhandelt, in einem Falle txe.- Gewehr abgenommen und entzweigeschlagen. Ei; zelne der Angeklagten haben dabei mit toiföcci Geschrei die Menge aufgereizt und gegen bic Polizei gehetzt.

Staatsanwalt Dr. Langenbach verurteile wieder scharf die hinter den Kulissen stehender'. Drahtzieher, welche die Arbeiterschaft auf reizen und dann im Hintergründe zusehen, wie die von ihnen gesäte Frucht reift. Die Mehrzahl der Angeklagten habe es diesen Hetzereien zu ver­danken, daß sie heute aus der Anklagebank sitzen. Er beantragt gegen cklhrhan to.gen der Schwere des Vergehens zwei 3ahre Gefängnis, gegen P. zehn Monate und gegen die übrigen Angeklagten ein 3ahr acht Monate bis herunter zu einem Monat Gefängnis.

Das Gericht, anscheinend wegen der schweren gegen Ü. beantragten Strafe im Zweifel, erließ nach dreistündiger Beratung folgendes Urteil Der 18 Jahre alte Arbeiter Rudolf Schulz aus Darmstadt erhält drei Monate Gefängnis, der gleichaltrige Schreiner Friedrich Adolf aus Rödelheim 3 Monate, der ebenso alte Hilfst arbeitet Georg Honig aus Darmstadt 1 Monat. Georg S e i h, 19 Jahre alt. Arbeiter aus Hew bad), 10 Monate, Fickedr. Kuhlmann, Arbeiter, 19 3ahre alt, aus Erzhausen, 1 3ahr Gefängnis abzüglich 6 Wochen Haft, der Schreiner 3oh. D i 11 in a n n, 43 Zähre alt, aus Oberramstadt, 5 Monate, und der 33 3ahre alte Schreiner I. Pollack 4 Monate Gefängnis, ckl h r h a n und der 20 Zahre alte Schlosser Fr. Dächert aus Eberstadt werden mangels ausreichenden Beweises freigesprochen.

3n der eingehenden Urteilsbegrün­dung weist der Vorsitzende wiederholt darauf hin, bah sich alle Teilnehmer der, Züge strafbar gemacht haben, welche nach dem eigentlichen 'De­monstrationszuge noch in den Straßen cklnr chen verursachten und Gewalttaten verübten. Zu ihren Gunsten sprech? aber sehr der Umstand, daß sie durch die Eewerkschafts- und andere Führer aufgereizt, sich der Menge anschlossen, während die eigentlichen Urheber wohl die Ventile öff­neten, aber nicht mehr in der Lage waren, diese ccdcber zu schließen. Ebenso wird der mangel­haften Leitung der Polizei gedacht. Verur­teilt wird auch in dieser bewegten unruhigen Zeit das Veranstalten dieser unglück­lichen Demonstratilvnszüge über­haupt. Die Organisationen haben versagt.

S ch w i n n, das dritte Revier (Kirchstrahe 11» Fernsprecher 54) führt als Stellvertreter der Polizeioberwachtmeister Hau. Näheres über die Zugehörigkeit der Straßen zu den einzel­nen Revieren und über die Zuständigkeit bei der Erledigung von Dienstgeschäften ist aus der amtlichen Bekanntmachung in unserer SamS- tagausgabe zu ersehen.

** Zuckerausgabe. 3m Anzeigen­teile unseres heutigen Blattes gibt das Le­bensmittelamt bekannt, daß der HaushaltS- zucker für Oktober und November vom 30. No­vember bis zum 9. Dezember in den Geschäf­ten abgeholt werden kann. Näheres in der Be­kanntmachung.

** Die Teuerungszuschläge zu den Schornsteinfegergebühren sind mit Wirkung vom 20. November ab wie folgt festgesetzt worden: für die Kehrbezirke der Städte Darmstadt, Mainz, Offenbach und Gießen auf 3700 v. H., für die übrigen Kehrbezirke des Landes auf 4800 v. H.

** Anlagen konzert findet morgen Mitt­woch, mittags 12 cklhr, am Liebig-Dentmal (nur bei günstiger Witterung) durch das Musikkorps des I. Bataillons, 15. 3nf.-Regts. statt. Die Musik­folge ist: 1.Huldigungsmarsch" R. Wagner: 2. Große Fantasie a. d. Oper:Ekkehard" W.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 28. November 1922.

Vorbildliche Liebestätigkcit.

Dom (Siebener Rentnerbund wird uns geschrieben:@in großartiges Hilfs- werk zugunsten der in höchster Rot sich befinden­den Kleinrentner hat der Bauern­verein des Kreises Gießen durchgeführt, indem er den Mitgliedern der hiesigen Ortsgruppe des Deutschen Rentnerbundes die Winter- rar löffeln es handelt sich um etwa 1100 Zentner k o st e n l o s geliefert hat. Hiesige Firmen stellten bereitwilligst und gleichfalls kosten­los Autos zum Abholen der Kartoffeln zur Ver­fügung. Unter Führung von Vorstandsmitgliedern wurden die Spenden auf dem Lande abgeholt und den Mitgliedern des Rentnerbundes direkt zu­geführt."

'Der Bauernverein des Kreises Dießen reiht sich mit diesem lobenswerten Werke der Nächsten- li.be würdig der großzügigen Liebestätigkeit an, die auch schon an anderen Stellen unserer engeren Heimat von der Landbevölkerung geübt wurde. So berichteten wir erst kürzlich, daß der R e - formbund der Gutshofe große Kartoffel- spenden für die Rolleidenden in der Stadt gleich­falls kostenlos gegeben und weitere Gratisliefe­rungen im Gange hat. Der Reformbund der G u t s h ö f e und der Bauernverein des Kreises Gießen haben auch für die not­leidenden Stände unserer Stadt noch größere Rkengen Kartoffeln zur Verfügung gestellt.

Ein weiteres schönes Beispiel praktischer Hilfe der Landbevölkerung wird uns soeben aus Mar­burg berichtet. Die dortige Studenten­schaft erhielt vom Bauernbund des Marburger Bezirks ihren gesamten Äartoffelbebarf kostenlos -,ul Verfügung gestellt, daneben wurden ihr noch erhebliche weitere Lebensrnittel gratis gegeben, so daß die Studentenschaft die Möglichkeit hatte, aus dem Erlös der überschüssigen Zufuhr die Gastwirtschaft Lederer zu kaufen und in dieser ein Studentenheim einzurichten, an dem gegen­wärtig die erforderlichen baulichen Einrichtungen getroffen werden.

Die selbstlose Opferfreudigkeit des Land­volkes und die gleichfalls uneigennützige älnter- stützung, die die Geschäftswelt den Sammlern durch die Bereitstellung von Autos unb. Fuhr­werken zuteil werden ließ, verdienen vollste An­erkennung. Mögen diese vortrefflichen Beispiele, die beweisen, daß man auf dem Lande und auch vielfach in der Stadt das Herz auf dem rechten Fleck hat. auch bei anderen Berufsständen Nach­ahmung finden.

Einspruch der Hausbesitzer gegen die sr äL ti s cln! M i etzusch! ag-F-eftsetznn g.

Man schreibt und:Der HauSbesit° zerverein hat gegen die von der Stadt­verwaltung beim Kreis amt eingereichten Mietzuschläge Einspruch erhoben, da die Satze Len heutigen Verhältnissen keinesfalls entsprechen Auch stehen die Sätze in Gießen bei weitem hinter den von anderen hessischen Städten zurück. Diese künstliche Nieder­haltung der Zuschläge bedeutet eine ilm- aehung des Gesetzes, in dem es ausdrücklich ge ht,die Zuschläge müssen so bemessen sein, daß sie ausreichend sind".

'* Be i der Gefallenen-Gedenk- f^ier am Sonntag mittag wurde am Aus­gange des Friedhofes durch Mitglieder des WartburgvereinS eine Sammlung zum Besten d^s Vol'ksbundes Deutsche Kriegs- aräberf.ürsvrge durchgeführt. Eine dem gleichen Zwecke dienende Sammlung fand auf dem Alten Fr.edhofe statt. Beide erbrachten den stattlichen Gesamtbetrag von 18 16 0.60 Mark. Der Vvlksbund Deutsche KriegS- gräberfürsorge, dessen h efige Ortsgruppe un­ter dem Vorsitz des Beigeordneten Dr. Frey arbeitet, h.at es sich bekanntlich zur Aufgabe gemacht, Ermittelungen über unbekannte Krie­gergräber anzustellen, die Verbindung zwi­schen den Grabern im Auslande und den deut­schen Angehörigen zu vermitteln und aufrecht- zuerhalten und für d e regelmäßige Unterhal­tung und gelegentliche Schmückung der Grä- 5er"im Auslande auf Wunsch der Angehöri­gen Sorge zu tragen. Zur Förderung dieser Ausgaben ist dem Voltsbuno jetzt eine Geld- sammlung für das ganze Re chsgebiet geneh- migr worden, und diesen Zwecken soll auch die

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