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Nr. 280

Erscheint glich, außer Sonn» und Feiertags, mit derScimstagsbeilage: GiehenerFamilienblätter MonaNichevezuaspreise: Mk. 185.- u. Mk. 15. - Trägerlohn,durch diePost MK.200. - .auch beiNicht- erscheinen einzelner Num­mern infolge höherer Bemalt.- ernsprech- Lnschlüsse: sürdieSchrist- teilung 112; für Verlag mb Geschäftsstelle 51. Anschrift für Druhtnach» richten: Anzeiger Ziehen.

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172. Jahrgang

Dienstag. 28. November 1922

SiehenerAmeigek

General-Anzeiger für Oberhessen

vnlck und Verlag: Vrühl'sche Univerfitätz-Vuch- und Steinbruderei K. Lanze in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstraße 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorhe. ohnejede VerbinblichKcil Preis für 1 mm höhe- Anzeigen v 27 mm Breil« örtlich 8 Mk., auswärts 10 Mk.; für Reklame Anzeigen von 70 mrr Breite 32 Mk. Bei Platz Vorschrift 20" Aufschlag Haupifchriftleiter: Aug. looetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz, für den übrigen Teil. Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen.

Stabilisierung.

llnfer Berliner Mitarbeiter schreibt unS:

Die achttägige Pause der Reichs- tagsverhandlungen bis zum 4. Dezember will dem neuen Kabinett Gelegenheit zum(Sin- arbeiten" geben? Reichskanzler (Suno hat sich entschlossen, von dieser Wachens cist auch nicht eine Stunde zu verlieren, und es ist fern vages Ge­rücht, wenn in der Oessentlichkeit und an der leider so pessimistisch brütenden (und deshalb haussie­renden) Börse behauptet wird, der erste Schritt der Regierung werde dem Stabilisierungsproblem gelten. Dieses Problem ist das Kernstück der Wirth-Rote vom 13. November und die Platt­form des Ministeriums Cuno. 3m Gegensatz zu einigen Ausstreuungen Berliner Blätter ist das Kabinett Cuno über die Notwendigkeit rascher Stabilisierung vollständig einig und es w'rd als Nachfolger des glücklichecw.-ise schnell ausgeschje­den en Ernährungsministers Dr. Müller- Bonn keinen Ersaymarm hereirmehmen, der etwa diese Einigkeit stört. Trotzdem muß zur Vermei­dung von Mißverständnissen folgendes festgestellt werden: Die internationale Stabilisierung der Mark kann nicht über Rächt und durch kein deut­sches Gesetz von heute auf morgen erfolgen. Ohne die verlangten Zugeständnisse per Entente ist die eigeialiche Finanzaktion unmöglich Aber womit die Regierung Cuno vorangehen will, das sind die inneren Maßnahmen, die den Finanzschag vorbereiten sollen. Dr. Cuno hat ja in seiner Antrittsrede am Freitag voriger Woche selbst erklärt, daß die Hergabe deutschen Goldesein schweres Opfer ist, das, nutzlos vertan, die Ver­nichtung der deutschen Währung besiedeln würde". Also auch an die Goldhergabe wird erst dann gedacht, werm die eingeleiteben inneren Maßnah­men in Verbindung mit d:n ausländischen Zusagen einenErsoly d rStabili i rang besprechen. Welches sind nun tue inner c-n Maßnahmen? Die Regierung will anknüpfen an den neuen Tkachtragsetat zum ReichshauZhalt mit seinem allerd ngZ erschrecken­den Defizit von 890 Milliarden Mark. Dieses Defizit hat, als es im Reichsrat bekanntgegeben wurde, an den Börsen zu einer neuen Flucht aus der Mark geführt, und zwar ging die neue Panik wieder einmal von Berlin aus. nicht von Reuyork, wo man ernstlich gewillt war, den Dollar auf der Durchschnittshöhe der letzten Woche zu halten. Die Berliner Spekulation starrte nur auf die Ziffer des neuen Defizits, ohne auf die von der Regie­rung angekündigten Schritte zu achten. Die Regie­rung ist trotz der gewaltigen Schwierigkeiten, die zu überwinden sind, überzeugt, daß das Gleich­gewicht i m Reichshaushalt hergestellt werden kann. Dies soll geschehen durch unerbittlich vorzunehmende Ersparnisse, durch Abbau der Be­hörden, durch Verminderung der Zahl der An­gestellten und Beamten in den verbleibenden Verwaltungen. Mit Hilfe der einig gehenden Privatwirtschaft soll die Arbeitsleistung jedes deutschen Berufstätigen gehoben und der Achtstundentag, ohne i'm gran^sähsich an-u- tasten. veredelt werden. Die drückende Steu.r- last soll nicht durch Ersinnen neu>r Steuern oder Lurch schematische Erhöhungen vermehrt werden, aber die säumigen Steuerzahler sollen künftig keinen Vorteil aus der Geldentwer'ung mehr ziehen. Dies geschieht bis zur e'gentlichen Stabili- fierang durch Einführung e.ner Entwertun gs- klausel. mit der sich Las Reichsfinanzministe­rium bereits beschäftigt. D e Deoiseneindeckung der svliden Kausmannswelt wird geschützt, die De­visenspekulation wirksamer als bisher belämpst. Dies die inneren Maßnahmen. Zsu den äußeren leiten die Verhandlungen über dieDesahungs- k ost en im Rheinland über. Sie führen voraus­sichtlich zu einem deutschen Programm für die Brüsseler Finanzkonserenz. Darüber wird man noch in dieser Woche weiteres hören.

Eine Mitteilung

nn die Repnrntionskoinmission.

B e r l i n. 27. Rov. (WTB.) Der Vorsitzende ber deutschen Kriegslastenkommission in Paris, Staatssekretär Fischer, teilte auf Anweisung ber deutschen Regierung mittags der Repara- tionskommission offiziell mit, daß die neue Regierung entsprechend der Erklärang des Reichs­kanzlers am 24. 11. ohne Einschränkung auf den Boden der Rote vom 14. 1 1. tritt und fest entschlossen ist, das in ihr enthaltene Pro­gramm in vollem Umfange zu vertreten und durchzuführen. Sie hat damit unter Hinweis auf die wirtschaftliche und finanzielle Lage Deutsch­lands die Bitte verbunden, den in der Rote vom 14. 11. gestellten Anträgen mit mög- lich st erBeschleunigung stattzugeben.

Reichskanzler Dr. Cuno, der sich gestern zur Erledigung von Privatangelegenheiten nach Hamburg begeben hatte, kehrt heute nach Berlin zurück und präsidiert heute nachmittag in der Sitzung des Reichskabinetts.

*

Derlin, 27. Rov. Das Reichskabinnett hat in seiner heutigen Sitzung dem Entwurf zur Erhöhung der Abgabe zur Förderung des Woh­nungsbaues für 1923 seine Zustimmung er­teilt; der Gesetzentwurf wird alsbald an den Reichsrat gehen. Weiterhin beshä tigt? sih d e Kabinettssitzung mit einer Vorlage über e;n? Ab­änderung des Zwangsanleihegefehes; Einzelheiten darüber sind noch nicht bekannt. Das Kabinett stimmte auch diesem Entwurf zu.

Ein Dementi Strescmanns.

Berlin, 27. Rov. Abgeordneter Strese- tnann dementiert in derB. Z. am Mittag" den Bericht über die Unterredung, die er, dem Pa­riserJournal" zufolge, mit Barthou während

dessen kürzlicher Anwesenheit in Berlin hatte. Er habe mit Darthou nur unter vier Augen ge­sprochen; von einer Anleihe mit Garantie der Industrie sei nicht die Rede ge­wesen. Wenn also in Unterredungen mit In­dustriellen von einer ersten Ausländsanleihe von 20 Milliarden für die Reparationen gesprochen worden sei, so könne das sich nicht auf seine Unter­redung mit Barthou beziehen

Die Forderungen Rutzlands in Lausanne.

Eine Erklärung Rakowskis.

Lausanne, 27. Rov. (WTB.) Die Rote, womit die russische Delegation i re A t cn in Lausanne einleitete, warve heute nachmittag überreicht. Kurz darauf empfing Rakowski die Pressevertreter und erklärte, Rußland werde sich bei seiner Forderung um die sofortige Zu­lassung zur Konferenz und zu allen ihren Arbeiten auf folgende Tatsachen stützen: erstens auf die Rote Poincaräs, die vorsirht, daß Rußland über alle mit dem Meerengenproblem .u'amir.en- hängenchen Fragen gehört werden soll, zweitens auf die Erklärungen Mussolinis, daß man Ruß­land 4i lullen Verhandlungen in allen Fracien der Konferenz zulassen soll, drittens aus die Er­klärung des amerikanischen Botschafters Child, wonach das Ziel der Konferenz ein stabilerer Friede und größere G rechtigleit in t>»n Beziehun­gen zwischen den Völkern sei. Rakowski fügte hinzu, daß die Meerengenfrage mit allen anderen Fragen eng verknüpft sei; sowohl die Frage von Karagatsch, die Insel,rage un) die E.ttn.i itarftie- rungsfrage, worüber man bisher verhandelt habe, wie alle anderen F agen führten immer wie er , u dem Meerengenproblem, das von jeher die G u fr- lage der Orientfragen gewesen sei Es^sei daher nicht möglich, Rußland nur als Sachverständigen heranzuziehen, um es zu vernehmen. Es mühte vielmehr mit aller Gleichberechtigung an den Ver­handlungen teilnehmen.

Ueber die Aufgabe der rassischen Delegation in Lausanne äußerte sich RakowSti bafyüx. daß sie die wirtschaftlichen und politischen In eressen Ruß­lands zu verteidigen habe. Rach der grafen Revo­lution in Rußland, die jedem Ervberungsdoange Rußlands ein Ende machte, sind die Inter­essen Rußlands identisch mit denen der Türkei. Rußland wurde damit die Stütze und der Freund der Türkei. Weder in den G renzs ragen noch in den Problemen des Schwarzen Meeres besteh« zwischen beiden Ländern ein Miß­verständnis. Das Interesse der Türkei gebiete daher Solidarität mit Rußland. In ber Meer­engenfrage wird Rußland gegen jede falsche Freiheit der Meerengen ankämpsen. Hi r sind die türkischen Interessen mit denen aller Uferstaaten identisch. Rußland hat die Kapitu­lationen seinerseits bereits annulliert. Es be­trachtet die Türkei als souveränen Staat, der sich frei und selbständig zu orientieren hat. Ueber d e anderen zur Erörte ung stehenden Fragen, wie die orientalischen Völkerfundsmandate, erklärte Ra­kowski, daß, da der gesamte Vertrag von Stzvres auf der Konferenz zur Verhandlung stehe, selbst­verständlich auch die Mandatsragen zwischen den interessierten Mächten geregelt werden mußten. Vielbeachtete Erklä-.u'gen gab Rakowski endlich über die Beziehungen zu Italien ab. Ich muß gestehen, so sagte er, daß tyir zunächst gewisse Befürchtungen hegten, da Mu'solini und wir zwei einander entgegengesetzten Parteien an­geboren. Aber nach seinen Erklärungen in der Kammer und in Lausanne wurden unsere Be­ziehungen zu Italien freundschaft­licher, als sie seit langem waren. Das Verhältnis zwischen beiden Landern ist au-ge­zeichnet. Wi' rechn n auf die Unters ü un zIta i rns für unsere Zulassung zu allen Konferenzverband- tungen. Den Zwischenfall wegen der Beschlag­nahme ukrainischer Waren in Rom hält Ra­kowski für erledigt. Rakowski wies dann die rumänischen Anschuldigungen über an­gebliche russische kriegerische Gelüste zurück. Ruß­land habe schon durch die Verminderung seines Heeres auf die Hälfte einen Beweis feiner fried­lichen Gesinnung erbracht. Er schloß mit der Der» sicherang, daß der Friede Europas nach feiner Meinung nicht bedroht sei. Alle Staaten hätten ein Interesse am Frieden Keine Regieruug wolle gegenwärtig den Krieg. Der pazifistische Gedanke mache sichtbare Fortschrit'e. Rakow-ki wies in diesemZusarnrn n'ang- besonder < au die wachsende Dedeu ung der Labour-Party in England als der regel echten Oppositionspartei hin.

London, 28. Rov. (WTB.) Zu der Rote Rakowskis meldet der Reutersche Vertreter in Lausanne, es verlaute, daß die britische Ant­wort dahin gehe, daß Rußland sicher auf ber Konferenz von Lausanne als gleichberechtigt neben fren anderen Mächten stehen werde, wenn Fragen erörtert würden, die Rußland berührten.

Eine Rede

des amerikanischen Vertreters.

London, 27. Rov. (Wolff.) Die Rede Childs in Lausanne, worin Amerika eine Politik der offenen Tür in ber Türkei forbert, die dem Washingtoner Berichterstatter derTi- m -s" zufolge als die wohlerwogene und sorg­fältig oorbeveitete Ansicht der Regierung Har- dings angesehen werden müsse, findet in ber englischen Presse große Beachtung. Der Lausanner EonbSrberichlerstatter desDaily Tele­graph" drahtet, es sei nicht übertrieben, wenn man die Wirkung der Erklärung Childs als auf» lebenerregend bezeichne. Die amerikanischen For- berungen würden in Lausanne als eine unmittel­bare Anfechtung der britischem unb französischen

Mandate in den arabischen Ländern, insbesondere der britischen militärischen Besetzung Mossuls ausgelegt.

Der Sonderberichterstatter desDaily Mail" in Lausanne schreibt, es würde eine ernste Miß­deutung der Ansichten des Amerikanischen Be­obachters sein, wenn man seine Erklärungen so darstellt, als habe er irgendeine Drohung gegen britische kommerzielle Unternehmungen aus­gedrückt. Auf jeden Fall we.Le die amerikanßche Intervention von ber britischen Delegation in Lausanne nicht so aufgelegt. Von Curzon er­fahrt ber Berichterstatter, daß feine Meinungs- ve.schiedenheilen zwischen der britische und der amerikanischen Regierung leüglich der Politik der offenen Tür im nch-en Osten bestehe. Child machte vor der Abgabe seiner Erklärung Curzon vcn ihrem Inhalt Mitteilung und dieser habe seine Befriedigung darüber auzgedrückt. Es be- stl^e fein ©ebeimt-ertrag zwischen England und den Vereinigten Staaten, aber es sei ein end­gültiges und grundsätzliches Uebereinkommen er­zielt worden.

Lausanne, 27. Rov. (WTB.) Lord Cur­zon erklärte, er teile die Auffassung ber Amerikaner in der Frage ber wirtschaftlichen Zone unb der Politik ber offenen Tür. England sei zum Verzicht auf den Vertrag von . San Remo von 1920 bereit. Man sieHt in dieser Erklärung die Antwort aus die Anfrage des Bot­schafters Child vom vergangenen Samstag und ein Anzeichen für eine englisch-amerikanische Eini­gung in ber Konzessionsfrage.

Lausanne, 27. Rov. Wir erfahren aus sicherer Quelle, daß die englische Delegation be­züglich der Frage von M o s s u l kategorisch er­klärt hat, England betrachte diese Frage als endgültig gelöst; das heiße, daß Mvssul eine englische Einflußsphäre bleiben müsse.

Anfragen im englischen Nnterhanse.

London, 28. Rov. (WTB.) Im Unter­laufe wurden gestern zahlreiche Fragen an die Regierung gerichtet. Mac R e l l erhärte, die Frage ber diplomatischen Anerkennung der russischen Sowjetrepublik hänge not­wendigerweise von fren Bedingungen ab, die diese Regierung anzunehmen bereit sein werde. Auf eine Anfrage Kennworthys, ob irgendein Schritt zur Erneuerung der in Genua begonnenen und im Haag fortgesetzten Verhandlungen mit der russischen Sowjetrepublik unternommen worden sei, unb welchen Stand diese Verhandlungen hätten, erwiderte Lord Creame, die Lage sei dieselbe, wie sie bestanden habe. Die Regierung würde nur zu froh sein, wenn sie erfahre, baß die russische Regierung Schritte gemacht habe, die sie damals angekündigt hätte.

Türkische Ungeduld?

London, 23. Rov. (WTB.) Reuters Kor­respondent in Lausanne erfährt aus türkischer Quelle: Rachrichten aus Angora besagen, daß in der Rationalversammlung eine ge­wisse Ungeduld wegen des langsamen Gan­ges bei Friedensverhandlungen herrsche und Sck> ittc in Vorbereitung seien, deren Art jedoch nicht bekanntgegeben werde, um di» Verhandlun­gen zu beschleunigen. Inwieweit dies ernst ge­meint sei ober nur brztr-ecke, die Alliierten an» zuspannen, um den Frieden zustande zu bringen, könne man nicht sagen, aber es scheine sicher, txrß mit Rücksicht auf den schlechten Stand der nationalistischen Finanzen es sehr schwierig sein werde, das Heer noch viel länger zu ballen. Besonders im Hinblick auf den herannahenden Winter sei es nicht unwahrscheinlich, daß das Heer, das bereits einen längeren Feldzug hinter sich habe, durch den Winter aufgerieben werde.

Das englische Ausländergesetz.

London 27. Rov. (Wolfs.) »Daily Erpreß" erfährt, .daß oie britische Regierung nicht die Absicht habe, den Teil 10 des Ausländer- gesehes von 1919 zu erneuern, wonach fein früherer feindlicher Ausländer während dreier Jahre ohne Erlaubnis in England landen darf.

Man erwarte keinen Zustrom deutscher Ein­wanderer, obwohl das Gesetz am 23. Dezember automatisch abläuft, da die Regierung dem Ver­nehmen nach ber Ansicht sei, daß die Bestim­mungen ber Ausländeraerwaltungsve vrdnung von 1920, die^wtziterhin in Kraft bleiben, bieä verhinderten.

Ein Vaterkauhsverratsprozetz in Budapest.

Budapest, 27. Rov. (WTB.) Kvrr.-Bur In der toiefreraufgenommenen Verhandlung des wogen Daterlaiidsverrats an'estrengten Konfiskationsprozesses gegen den Grafen M i cha e l Karolhi hat der Ge­richtshof beschlossen die Beweise für die Angaben des klägerischen Fiskus, mit welchen feindlichen Ländern und deren Spionen Karolyi wachend des Weltkrieges in Verbindung gestanden habe, um den Friedensschluß um jeden Falt herbeizuführen, sowie die Dw.ide zwischen Ungarn und den übrigen Ländern der österreichisch-unga­rischen Monarchie zu lösen und Ungarn dem Bündnis mit dem Deutschen Reiche zu entziehen, unter Ausschluß ber Oeffent- lichkeit entgegenzunehmen.

Deutsch-rumänische Verhandlungen.

Berlin, 27. Rov. (Wolfs.) Wie wir hören, werden die deutsch-rumänischen Ver­handlungen wegen ber noch bestehenden aus dem Kriege herrührenden Differenzpunkte dem­

nächst wieder ausgenommen. Deutsche Unterhänd ler reisen zu diesem Zweck in den allernächsten Tagen nach Bukarest.

Aus dem Reiche.

Die Herausgabe der diplomatischen Akten.

B e r l i n. 28. Rov. Wie dasB. T. mit- teilt, ist die weitere Arbeit an der Herausgabe der diplomatischen Akten des Aus­wärtigen Amtes soweit gefördert wor­den, daß die zweite Reihe des WerkesDie große Politik der europäischen Kabinette 1871 bis 1914 unter dem GesamttitelDer neue Kurs in Stärke von sechs Bänden innerhalb der ersten drei Monate des nächsten Jahres erscheinen wird. Die zweite Reihe des Werkes veröffentlicht das Dokumentenmaterial aus den Jahren 18901897.

Die Preisprüfungsstellen gegen die Teuerung

Die Gesamtheit der in Hannover tagenden Preisprüfungsstellen hat zu dem Problem der Kartellmacht, der Forderung der Wieder- beschaffungskosten unb zu ber Frage der Versorgung der Bevölkerung eine Ent­schließung angenommen, in ber es heißt:

1. Wie in fren anderen Berufszweigen sind auch bei Verbänden (Kartellen) schwere Mißstände hervorgetreten, deren Beseitigung bei der Überwiegenden Bedeutung ber Kartelle für bas ganze Wirtschaftsleben eine Lebensfrage für das ganze Volk unb seinen Fortbestanb ist. Die Reichs­regierung wirb aufgeforbert, darauf zu achten, daß baß Verhalten ber Verbänbe ihrer schweren Ver­antwortung entspricht. Andernfalls sind unverzüg­lich Maßnahmen zu treffen, die die Behörden in- standsetzen, ten Schutz gefährdeter Interessen wahrzunehmen.

2. Die Preisprüfungsstellen lehnen die AnwendungdeS Wiederbeichaffunas- Preises ab. Sie erkennen nach wie vor an, daß die Geldentwertung bei der Berechnung der Der- kaufspreise berücksichtigt werben muh. Der auf nor­maler Marktlage beruhende Marktpreis ist als entscheidender Bewertungsmaßstab für die An­gemessenheit des Gewinns anzuerkennen.

3. Die Preisprüfungsstellen halten die Ent­wicklung der M i l ch p r e i s e mit Rücksicht auf die Volksgesundheit, insbesondere die Gesundheit bei heranwachsenben Jugend für außerordentlich ge­fahrdrohend. Sie erachten es für bringend not­wendig, daß sofort rn Zusammenarbeit mit dem Reichsernährungsministerium Maßnahmen er­wogen werden, welche geeignet sind, diese Gefahr abzuwenben. Die Einfuhr von Gefrierfleisch ist zu fördern, um einer unter dem Einfluß uw- genügenden Angebotes eingetretenen übermäßigen Erhöhung der Inlandfleischpreise eMgegenzu- wirken.

Berlin, 28. Rov. DerLokal-Anzei­ger meldet aus Dresden, daß die sächsische Regierung Milch-undDutter-Höchst- preise festgesetzt hat, um dem Wucher in diesen beiden Nahrungsmitteln entgegenzu­wirken. Das Liter Vollmilch darf beim Erzeu­ger höchstens 70 Mark kosten, die Butter höch­stens 700 Mark.

Fortdauer des Berliner Schaufpieler-StreikS.

Berlin, 28. Rov. Der Streik der Ber­liner Schauspieler dauert weiter an. In eini­gen Berliner Theatern konnte indessen gestern abend gespielt werden. Vor diesen Theatern, an deren Eingängen sich streikende Schauspie­ler Postiert hatten, kam es zu bewegten Sze­nen. Es wurden flammende Anspra­chen an dasPublikum gehalten. Der Präsident der Bühnengenossenschaft, Rickelt, der wohl etwas zu temperamentvoll gesprochen hatte, wurde für kurze Zeit verhaftet.

Der Völkische Rechtsblsck in Bayern.

M ü n ch e n, 28. Rov. Gestern hat die un> ter Führung des ehemaligen Obersten von Tylander von der Mittelpartei ab­getrennte Gruppe in Bayern chre organisatorische Gründung vollzogen. Sie nennt sich Völkischer Rechtsblock in Bayern.

Bayerische Bauern- und Miltelstandspartei.

Nach einer Meldung derDeutschen All­gemeinen Zeitung aus München hat sich der Bayerische Bauernbund auf seinem Parteitag in München der Wirtschaftspartei des deutschen Mittelstands angeschlossen und den Namen Bayerische Bauesrn- und Mittel­standspartei angenommen.

Gegen die Franzosenwirtschaft in der Pfalz.

München, 27. Nov. (WTB.) In einer Landtags-Interpellation sämt­licher bürgerlichen Parteien wird die Regierung auf die fortgesetzten Anforde­rungen von für die Ernährung des Volkes wertvollen Ländereien in der Pfalz durch die französischen Militärbehörden sowie die ständige Beschaffung von Exerzierplätzen, Kasernen und Offiziers- und Mannschafts­wohnungen hingewiesen. Die Regierung wird um die Erklärung ersucht, ob sie bereit sei, mit der Reichsregierung gegen die Bestrebungen der französischen Militärbehörde, in der Pfalz große Heerlager zu schaffen, Stellung 8t* nehmen