Einzelbild herunterladen

*«8 U, urib > in ^p[ ;U l « ias

nnen ist sichrer- Miiachst

i, deren darauf nen der Schrei- essenden

i, svlveit it, eben­anderen hen Le­er staat- »gen ju°

Geists, vvember,

.. Oloixm- igen Le* , Lollar, m): Frei­er Stadl-

ämtlichen

rng von

chlietzlich tszimmer ten osjen: 2, .mb

isschlasses i versehen

A0-.

t Kosten' ion über Kosten

stingsze^ meisterer

gestnöte i Oot°r- rüne Da' i mit Kar 1 Wn grobes

Är-A^ r*?

e Olr.50111 stände fr > je-ein

»Ifl01-

nr. 254

'«,ltch, «cher Senn, nnfc 5*i*rtaqs, eil berSamstflqsbeilaqe: Vtetz«nerFam,li«ndlätter «»Rettich« Vezusipreise: MU. 102.- nnöTlk. 8.- rrSgerlohn,durch di.Post Mk 12L.-,avchbeiBicht- er|d)ttn<w einzelner Num­mern infolge höherer Gewalt - Fernsprech. »nschlltsfe^sür die Schrift, letfeng 112; für Verlag »nd Beschüflsstelle 51. Anschrift für vrahtnach- richten Snjeioer Gletze«. pefischecttoRto:

tre*n*ii <L m. 11688.

Erstes Blatt

U2. Iahrgang

Samstag, 28. Oktober 1922

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vnrck tmb Verlag: vrühl'sche Univ. Buch- und Steinöruderei R. Lange. Schriftlettung, Geschäftsstelle und Druckerei: Zchnlstrahe 7.

Annahme von Anzeigen für die Tageonummer bis zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Sreis für 1 mm höhe für nzeiqen v 27 mm Breite örtlich 600 Pf., auswärts 800 Pf.; für Neklam«. Anzeigen von 70 mm Breile2800Ps. Bei Platz. Vorschrift 20 Aufichlag. HauplschrifUeiler: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil- Ernst Blumschein; für den Slnzeigenleil: Hans Beck, sämtlich in Gießen.

Wochenrückblick.

Wir stehen augenblicklich vor vielen Un- gewißhelten in der Außen- wie in der Innen- Politik: KabineNSwechsel in England und Ita­lien, unentschiedene Hemmungsversuche der Poincaröschen Zwangspolitik, und parlamen­tarische Krisis in Deutschland selbst, dem Lande der unmöglichsten Probierkunststücke. Do­nar Law, der Nachfolger Lloyd Georges, hat mit sehr viel gewundenen Sätzen nur be­scheidene Wahrheiten und Dorsätze verkündet. ES bleibt in der englischen Politik im Grunde vorläufig beim alten bis die Wähler dem­nächst, am 20. November, gesprochen haben Verden. Der gerade Weg des Herrn Donar Law fällt nicht weil von der gewundenen Straße des Herrn Lloyd George ab, dem der lonservative Führer in seiner Glasgower Rede, wie wir heute erfahren, in aufrichtigster Weiso Lorbeeren gestreut hat. Seit Ver- saille hat ja die englische Politik seltsame Er- füllungSwandlungen durchgemacht, und Lloyd George, der dem sogenannten Friedensdoku­ment zugestimmt, eS mit harten Reden gerecht­fertigt hat, hat eS späterhin mit Angriffen mancherlei Art belagert und blockiert. Das war seine Politik der Widersprüche, hinter die ein­mal ein Schlußpunkt gemacht werden muhte.

: Die britische Politik will ein neues Leben be- Einnen, so sprach Donar Law. Er fügte hinzu, mservctt ve Grundsätze täten dem Lande not;

1 jedoch l eh er ein markantes Programm durch­aus vermissen. Soweit unser deutsches Inter­esse in Frage kommt, ist es von Delang, dah er die Einigkeit unter den Alliierten wieder fester fügen will, wobei er nicht vergab, hinzuzu­fügen, die gegenwärtige Politik Frankreichs werde hoffen! Ich eines Desseren belehrt wer­den können. LlohdGeorge aber hat bisher im Wahlkampf eine auffallende Mäßigung an den Tag gelegt, sowohl gegenüber den konser­vativen Ministerstürzern, wie gegenüber Herrn Poincarö, seinem alten Gegner. Man sieht eben die Macht der Verhältnisse, das Schreck­gespenst der Erfüllung, die unvermeidliche An­bahnung vollbringen. John Dradburh setzt in der RcparationSlommission das Drängen nach einer Umkehr auf dem bisherigen Wege ziel- bewuht fort. Stimmen und Warnungen aus allen Lagern geben ihm recht; sogar die ge­hässigeTime 6 rät jetzt dringlich an, von weiterem Druck gegen Deutschland zunächst ab- zi'.lasscn weil sonst ein alle Reparationsgelüste illusorisch machender Zusammenbruch die un­mittelbare Folge wäre. Im Chor der Warner trat auch der belgische Ministerprä­sident mit einer bemerkenswerten ilnter- slühung des Dradburyschen Planes hervor, flützung der Dradburyschen Gedankengänge hervor. Don allen Geistern der Dedenklichkeit und Ratlosigkeit gejagt, hat die Repara- lionSkommission ihre neuesteStu- ^enfahrt" nach Berlin angetreten. Pythi- scbe Weisheit sitzt freilich auch dort nicht. Mn» bestätigt ist noch eine Meldung der Eucopa- preh, wonach die Reparationskommission am Donnerstag einstimmig den Vermittlungs- Vorschlag pes belgischen Delegierten Delacroix angenommen habe. Dange bewegten Her- HenS aber blicken wir wieder einmal auf Vie Männer an der Spitze des Reiches, die in der Zusammenrufung aller mahgebenden und einflußreichen politischen Faktoren so ziemlich haben durchblicken lassen, dah ihre Kraft zu Ende geht.

Der Rus nach Zusammenfassung aller tätigen deutschen Volkökraft kommt ziemlich spät von den Lippen des Reichskanzlers Dr. Wirth, der bisher ziemlich unumwunden den Willen verkündet hatte, ausschließlich mit der Linken zu regieren. Was hat hier wohl die Wendung vorbereitet? Wir meinen, die tief bedauerlichen Anzeichen für neue Mord- Pläne gegen Männer an der Spitze der Re­publik noch ist nicht völlig klar nachgewie­sen, daß hier wirklich ernste Gefahren nahe vor uns stehen sind es nur zum geringsten, die das Handeln des Kabinetts beeinflußten. Aber die Symptome allgemeiner Mnzu- friedenheit mit dem Gang der Erfüllungs­politik mag doch mitgewirK haben, dah die Minister im Schoße der Linken aufgeschreckt vurden. Die Teuerungsnot wächst ins Mn- deimliche und Mnerträgliche. Die Erkenntnis, daß dem außenpolitischen Druck bisher in unzulänglicher Weise begegnet wurde, durchschreitet beinahe alle Schichten der Bevölkerung. Die sozialistische Linke aber ' .geht ihre eigenen Wege. Ihr Haß gc- cen die Landwirte, denen sie gerechte Preise für das Mrnlaaegetreide verweigert, ist wahr­lich kein nationales Heilmittel. Die zahlen- ttähige Meberlegenheit der vereinigten Sozia­listen gegenüber den bürgerlichen Gruppen des -Zentrums und der Demokratie in der Koa­lition hat vielfach die Meberzeugung erweckt, bah es so nicht weitergeht. Die Arbeits­gemeinschaft mit der Deutschen Dolkspartei scheint nicht das letzte Ziel der neu einsetzen- ten Besinnung zu sein. Jetzt hat Dr. Wirth

selbst die Zweckmähigkett der Dildung eines I überparteilichen Kabinetts andeu­ten lassen. Man weih es noch nicht, was aus > den Berliner Besprechungen der letzten Tage herauskommen mag. Der Reichskanzler hat zu den Verhandlungen mit der Reparativ nskom- mission auch einen Rat einflußreicher Wirt­schaftssachkenner aus dem Auslande nach der Reichshauptstadt eingeladen, ein Schritt, der lebhaft zu billigen ist. Am meisten aber wird eS jetzt, in der Stunde dunkler Verzweiflung, doch wohl auf die Kräfte des eigenen Volkes ankommen, die zusammengeballt dem Ausbeuterdrang der Entente entgegenzustem­men sind. Das radikale Verbot des Devisen­handels hat sich als ein zweischneidiges Schwert erwiesen; politische Absichten haben es scharf geschliffen, aber wirtschaftliche Einsicht wird eS mit einem zweckmäßiger zu handhaben­den Instrument vertauschen müssen. Den Füh­rern der deutschen Republik drängen sich neu erworbene Erkenntnisse auf. Der demokratische frühere Reichsminister Koch nuschle in seinen imBerliner Tageblatt" erschienenen De- grühungSartikel für die Berliner Gäste manche kalte innerpolitische Wahrheit. Zunächst hält er den sozialistischen Mitkämpfern den von ihnen allmählich als richtig erkannten Satz un­ter die Nase, dah der Sozialismus nicht auf den Trümmern der Kriegswirtschaft errichtet, son­dern nur aus einer wieder erstandenen kapi­talistischen Wirtschaft abgeleitet werden könne. Dann aber legt er den Finger auf die Feh­ler, die gemacht wurden, und die dem Lande zum Mnheil gereichen mußten, indem er wört­lich sagt:

Das Erfordernis m einem Veredlungslande wie Deutschland, dessen Bevölkerung ferne Lebens­haltung dem Werte feiner Arbeit verdankt, die qualifizierte Arbeit des gelernten Arbeiters, des geistigen Arbeiters und des Beamtentums in der Entlohnung herauszuheben über die des Hand­langers, erkannte man nicht hinreichend an und drückte damit die Arbeitsleistung vielfach herab. Die schematische Durchführung des Acht­stundentages verringerte die

krast des Landes. Indem man in dem Irr­glauben an die Allmacht des Staa­tes eine Ausgabe nach der anderen dem Staate übertrug, behinderte man das Wirtschaftsleben und vermehrte die Zahl der Beamtenschaft über das erträgliche Mah. Statt wirtschaftliche Maßnahmen auf dem Gebiete der Produkt! ms- hebung zu treffen, begnügte man sich mit einer Bekämpfung der Symptome des Zerfalls durch polizeiliche Maßnahmen, obwohl man im Kriege die Wirkungslosigkeit solcher polizeilichen Maßnahmen hätte gelernt habm tonnen.

Die Richtigkeit dieser Sätze könnte nun in der Arbeitsgemeinschaftspolitik oder innerhalb einer zu begründenden großen Koalition wei­ter befruchtet werden. Roch v eles andere wäre folgerichttg daran anzuknüpfen. Die einseitige Linkspolitik der bisherigen Regierungskoali­tion war in ihren Grundzügen ebenso falsch wie der Starrkrampf der Erfüllungspolitik. Der nationale Sinn des Volkes, die Entfesse­lung unseres politischen Lebens von allen par- teithevretischen und unpraktischen Tendenzen, die Mitwirkung also auch der gesunden Kräfte der Rechtsparteien, geben allein das Mittel an die Hand, den Miseren dieses Winters ak­tiv entgegenzuarbeiten.

Die politischen Besprechungen in Berlin.

Berlin, dett 28. Oktober 1922.

Gestern nachmittag traten die Vertreter der die bürgerliche Arbeitsgemein­schaft bildenden Parteien zu einer Besprech­ung zusammen, die sich lautBerliner Tage­blatt" um organisatorische Fragen für diege - meinsame Arbeit der drei Par­teien drehte. Dem gleichen Blatte zufolge soll heute nachmittag eine Beratung der Ko- ll l i t i o n s p a r t e i e n und der Deutschen Volkspartei mit dem Reichswirtschafts­minister Schmidt über die Wirtschaftslage stattfinden.

Wie derVorwärts" mitteilt, wird der sozialdemokratische Fraktionsvorstand am Montag zusammentreten, um zu der Lage Stellung zu nehmen, die sich aus den bisheri­gen Verhandlungen mit den Parteien der bür­gerlichen Arbeitsgemeinschaft ergeben haben. Wie eine sozialdemokratische Parteikorrespvn- denz schreibt, kennzeichnet das Zusammentre- ten des Fraktionsvorstandes den Ernst der innerpolitischen Lage. Der Fraktionsvorstand werde darüber beschließen, ob die Situation eine Einberufung der gesamten Fraktion not­wendig macht.

Maßnahmen zum Schutze des Reichskanzlers.

Berlin, 27. Oft. Wie die Blätter mit­teilen, wurden in den heutigen Morgenstun­den vom Polizeipräsidium in und in der Nähe der Reichskanzlei besondere Sicher­heitsmaßnahmen getroffen. Diese seien I veranlaßt worden durch Anzeigen, die von

I einem neuen Attentatsplan gegen den Reichskanzler sprechen. Die sofort eingeleite­ten polizeilichen Nachforschungen ergaben zwar bisher noch keinen positiven Anhaltspunkt, die Behörden hielten es jedoch für ihre Pflicht, besondere Maßnahmen zum Schutze des Reichskanzlers zu treffen, um allen Eventuali­täten vorzubeugen.

Die Reparationskommission.

Paris, 28. Oft. (WTB.) In Erwartung der anzutretenden Reise nach Berlin nahm die R e° pcrrationsf ) rn misst )n in ihrer gestrigen Sitzung die Regelung verschiedener technischen Fragen vor, die in der Schwebe waren. Der erste britische und der belgische Delegierte werden in Berlin mit den anderen Mitgliedern der Kom­mission zusammen treffen, deren Abreise auf Sonn­tag abend festgesetzt worden ist.

Wie dieVoss. Ztg." aus Paris meldet, werden mit der Reparationskommission auch die beiden amerikanischen Delegier- t e n nach Berlin reisen.

Paris, 27. Oft. (WTB.) Havas zufolge war für gestern Abend die Abreise D ra d- burhs nach London vorgesehen. Eine Bestätigung liegt jedoch nicht vor.

Paris, 27. Oft. (WTB.) Rach demOue- vre" wird sich die Reparationskommission in Ber­lin auf die Arbeiten und Vorschläge von Deutsch­land stützen, ko z. B. von Staatssekretär Hirsch und die zur Stabilisierung der deutsche Wäh­rung vorgeschlagenen Maßnahmen prüfen. Der belgische Kompromißvor schlag zielt dem Blatte zufolge auf die Stabilisierung derMa r k ab. Der Ausglcich tes Tubget3 macht die Wiederaufnahme der deutschen Zahlungen von dem Budgetausgleich abhängig, ohne einer Ent­scheidung vorzugreifen, welche die Alliierten in Brüssel zwecks Herabsetzung der deutschen Ge­samtschuld vielleicht treffen werden. Zugleich fügt das Blat hinzu, daß der belgische Vorschlag tech­nisch-politisch die Alliierten zweifellos einer Lö­sung r.äherbringen werde.

Läut , Journal" hat die Kommisswn die Ab­sicht, nicht nur die Mitglieder der deutschen Regierung, sondern auch die Hauptparteiführer, die Großindu­striellen und die Vertreter der Arbeiterverbände zu hören. Der Reichssinanzminister Hermes wurde schon am Dienstag aufgefordert, seinen Plan der Stabilisierung der Mark auseinander­zusetzen.

Der belgische Vermittlungsvorschlag.

Nach demGauloiS" sieht der bel- gischeVermittelungsvorschlag auch die Stabilisierung der Mark vor, jedoch in weit geringerer Höhe als der Vorschlag Brad- burhs, ferner innere und äußere Anleihen, und schließlich das Gleichgewicht des Haushalts durch Kontrolle der Einnahmen und Ausga­ben, für das ein Veto der Reparcttionskvmmis- sion in dem Maße gefordert wird, als es die wirtschaftliche Lage verlangt. Es soll ferner fein vorher festgesetztes Moratorium gewährt werden, dafür sollen jedoch Deutschland ver­nünftige Fristen eingeräumt werden, um lein Budget ins Gleichgewicht zu bringen, damit es so bald wie möglich zur Begleichung seiner Verpflichtungen auf das Reparationskonto aufgeforbert werden kann. Schließlich sollen Maßnahmen ins Auge gefaßt werden, um die Kapitalverschiebung und die Spekulation in Devisen zu verhindern, ohne jedoch den deut­schen Export allzu sehr zu behindern.

Die Devisenverordnnng.

Berlin, 27 O't (Wolfs.) Durch Lio zweite Aussüh unpsv no drung ke5 R ich?p'ä i enten gegen die Spekulation in ausländischen Zahlungs­mitteln vom 12. Oktober ist die Fraee der An­wendung dieser Verordnung auf lau'ende Ver­träge dahin entschieden worden, daß die Gültig­keit lausender Verl Lge unberührt tl'ibt, und daß die vereinbarte Zahlung in ausländischen Zahlungsmitteln zulässig ist, sofern sie bis zum 15. Dezember zu erfolgen hat. Hat sie in einem späteren Zeitpunkt zu erfolgen, so ist sie in Reichswährung zum Kurse des Fällig­keitstages zu leisten. 3ft die Zahlung bereits in Reichswährung erfolgt, so hat es habet sein Be­wenden. Erleichterungen sind Im Hinblick auf Geschäfte mit dem Ausland insofern beschaffen worden, als einmal Geschäfte über Lieferungen von im Ausland befindlichen Waren und der erste Timsatz von aus dem Auslande eingeführten Waren von dem Verbot der Bezahlung in aus­ländischer Währung ausgenommen worden sind. Desgleichen sind Prvvisionsgeschäfte beim Export und gewisse Dienst- und Werkverträge, bei denen die Erfüllung im Ausland zu erfolgen hat, weiter Frachtgeschäfte über im Auslande befindliche oder zwischen dem In- und Ausland zu befördernde Waren und gewisse Bersiche- rungsgeschäfte von dem Verbot des 8 1 der Ver­ordnung ausgenommen worden. Firmen, die Zah­lungen auf Grund solcher Geschäfte zu leisten haben, kann auch dir Handelskammer besondere Bescheinigungen ausftellen, so daß sie von einer Vorprüfung des Finanzamtes freigestellt sind. Ein weiterer Ausbau der Devisenvervrdnung und ihre baldigste gesetzliche Regelung sind in Vor­bereitung.

Eine Rede Donar Laws.

London, 27. Oft (Wolfs.) In einer Rede Iin Glasgow, die sich größtenteils mit seinem veröffentlichten Manifest deckt, erllärte der neue Premierminister Donar Law, die wirkllchen

Schwierigkeiten hingen mit den Reparatio­nen zusammen. Er liebe es nicht, darüber zu sprechen, aber jedermann wisse, daß nach dein Ton der französischen Presse das Gefühl der größten Bitterkeit gegenüber England entstanden sei. Seiner Ansicht nach sei dies nicht gerechtfertigt. Es geschehe niemandem unrecht. Amwenigsten sei dies bei Lloyd George der Fall, der der glänzenden Opfer gedenke, die Frankreich im Kriege gebracht habe, und der bestrebt sei und dies gelte auch von ihm selbst, das alliierte Frankreich ehrenhaft und fair zu be­handeln. Bei den Wahlen in England habe jedermann und nicht nur Lloyd George und seine Anhänger gesprochen, als wenn sie dächten, Deutschland werde die ganzen Kriegs- schulden bezahlen. Bonar Law sagte, er habe dies niemals geglaubt. Er sei außer Fühlung mit seinen Anhängern im Unter­hause gewesen bei der Aussprache seinerzeit, als der Vertrag von Versailles vereinbart worden sei. Er sei nicht allzu zuversichtlich gewesen. Er habe von Anfang an gewußt, daß diese große Summe unmöglich sei. Er könne ehrlich sagen, er habe niemals die Hoff­nung gehegt, daß sie bezahlt werde. Richt nur das britische Volk, sondern auch das ftanzöfische Volk und die französische Regierung müßten einsehen, dah die gesamte zukünftige Wohlfahrt Europas und damit der Welt von den gemeinsamen Aktionen abhänge.

Heber die Beziehungen zu Amerika sprechend, erklärte der Redner, er hoffe, dah die Zeit kommen werde, wo auf die eine oder andere Weise die Vereinigten Staaten mit dem Völker­bund vereinigt sein würden. Dadurch würde sein Wert ungeheuer vermehrt werden. Der Ansicht eines italienischen Blattes entgegentretend, daß Grohbritarmien die Meerengen und Konstanti­nopel zu einem zweiten Gibraltar zu machen ge­dächte, erllärte Bonar Law, dies sei lächerlich. Der Himmel wisse, daß die Verantwortlichkeiten Englands groß genug seien. Man werde sie nicht noch mehr vermehren. Das werde sich bei dem demnächst abzuschl testenden Vertrag jelgew, nach welchem die britischen Truppen aus der ganzen Linie wieder zurückgezogen werden könnten

Im wefteren Verlauf der Rede nannte et Lloyd George zweifellos die größte Persönlichkeit der heutigen eng­lischen Politik und sagte, als demokratischer Führer sei Lloyd George der größte Mairn, den England je gehabt habe, Gladstone nicht aus­genommen. D>nar Law gab der Hoffnung Aus­druck, die 'unionistifche Mehrheit im zukünftigen Unterhaus zu erhalten. Er schloß die Rede mit den Worten: Was auch immer geschieht, und welche Regierung auch immer ans Ruder kommt, nach meiner Ansicht werden Enttäuschungen entstehen. Wir können sie nicht verhindern. Die Problems sind da; wir werden ihnen entgegentreten.

Die Konferenz von Lausanne.

Konstantinopel, 28. Oft. (WTB.) Die ersten Dragomanen der alliierten Gesandtschaften übermittelten der Hohen Pforte und dem Ver­treter der Rationalversammiu g von Angora die Einladung zur Konferenz von Lausanne.

Paris, 28. Ott. (WTB.) Rach einer Havas- meldung aus Athen wird Griechenland auf der Orientfriedenskonferenz von Lausanne durch Veniselvs vertreten fein.

Paris, 28. Oft. (WTB.) Rach einer HavaS- meldung aus Konstantinopel ist Ismid Pascha zum Kommissar für auswär­tige Angelegenheiten ernannt worden.

Paris, 28. Oft. (WTB. i Rach einer Mel­dung desReuyork Herald" au3 Washington ver­lautet offiziell, daß die Vereinigten Staa­ten einen Vertreter nach Lausanneent­senden werden, der der Konferenz als Beob­achter beiwohnen wird.

Paris, 28. Oft. (WTB.) Havas berichtet aus Mudania von einem wichtigen Kriegs- rat, der unter dem Vorsitz von Mustapha Kemal Pascha in Tschekerh abgehalten wor­den sei.

Bern, 27. Oft. (WTB.) Auf eine Anfrage der diplomatischen Vertreter Frankreichs, Eng­lands unb Italiens wegen der Zustimmung der Schweiz aur Abhaltung der Friedens­konferenz über den Orient in Lau sänne antwortete der Bundesrat zustimmend.

($tn türkischer Minifterwechsel.

Paris, 27. Oft. (Wolff.) Nach einer Havasmeldung aus Angora hatIussufKe- mal, der Minister für auswärtige Angele­genheiten der nationalistischen Regierung, aus Gesundheitsrücksichten feine Demission ein­gereicht.

Die Debatte in der französischen Kammer.

Paris, 27. Oft (WTB.) Die Kammer setzte heute nachmittag die Interpella­tionsdebatte über die allgemeine Po­litik der Regie.ung fort Erster Interpellant ist der Abgeordnete Bonnet, der über die Kriegsbeschuldigtenfrage spricht und von der Regierung Festigkeit bei der weiteren Be­handlung der Angelegenheit verlangt Rach ihm spricht als zweiter Interpellant der 2llg-ordnete Soulier über die Orientfrage. Er steht in Opposition zu der französischen Orientvolirik und beschuldigt in ferner Rede die Türken der Brand­stiftung m Smyrna,

Ministerpräsident Poincare und ein kürz­lich aus dem Orient zurückgekehrter Beamter der Kammer traten ihm entgegen.