Nr. 228 Zweites Blatt Glehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Donnerstag, 28. September 1922
Die Iroangspensionierung älterer Lehrer.
Das Presseamt des hessischen Staatsministeriums veröffentlicht folgende Verteidigung des Landesbildungsamtes:
Mit dieser Angelegenheit hat sich kürzlich ein Teil der rechtsvppositionellen Presse des Landes in einer Art befaßt, die eine Richtigstellung nötig macht.
Zunächst sei darauf hingewiesen, daß von der behaupteten „Erregung in der Lehrer- und Bürgerschaft" über die von dem Landesamt für das Bildungswesen getroffene Maßnahme in Wirklichkeit nichts zu bemerken ist. Es liegt auch gar kein Grund vor, sich zu erregen. Die Sache ist im Landtag wiederholt dargelegt and von der Volksvertretung fraglos gebilligt word«r.
Schon in einer unterm 7. Februar d. Zs. an den Landtag, auf eine Anfrage des Abgeordneten Hofmann ergangenen Antwort kündigte das Landesamt für das Dildungswesen als ein Mittel, mtt denen der infolge des Geburtenrückganges eingetretenen Rotlage der Junglehrer entgegenzuwirken sei, in erster Linie die >Pensionierung der älteren Lehrer an. Der Landtag hat dagegen keinen Widerspruch erhoben. Die Rechtslage ist auch völlig Dar, wie weiterhin im Landtag auf eine kleine Anfrage des Abgeordneten Dingeldeh von der Regierung dargelegt wurde: Die erlassene Verfügung stützt sich auf das neue Ruhegehaltsgesetz, das die Pensionierung der Beamten ohne Angabe von Gründen vom vollendeten 65. Lebensjahr ab zuläßt. Durch Beschluß des Gesamtministeriums vom 19. Mai 1922 wurde dieses Gesetz, das wegen der Beanstandung einzelner Punkte durch das Reichsfinanzministerium noch nicht veröffentlicht ist, in Kraft gesetzt. Aeberdies besteht auch noch die bezügliche Bestimmung des Edikts von 1820 zu Recht, wonach ein Beamter jederzeit unter Gewährung des entsprechenden Ruhegehalts pensioniert werden kann.
Die Opposition im Landtag hat also eine weitere Auseinandersetzung über diese Frage nicht für erforderlich gehalten, weil die Maßnahme des LandesamtS für das Bildungs- ' wesen sich auf gesetzlichem Boden bewegt.
Der spitzfindigen Logik des betreffenden Zeitungsartikels, die eine Anwendung des Edikts von 1820 allgemein auf jüngere Lehrerinnen empfiehlt, kann man nicht folgen, nachdem durch die Entscheidung des Reichsgerichts festgestellt ist, daß auf Grund der Verfassung verheiratete Lehrerinnen im Dienst verbleiben können. Auch von der „großen Erbitterung" über die Anstellung einer verheirateten Lehrerin in Rhein-Dürkheim ist uns nichts bekannt; diese Anstellung ist vielmehr im Einvernehmen und mit Zustimmung der Lvkalbehörden von Rhein-Dürkheim erfolgt.
Unter den 25 Lehrern, die jetzt pensioniert worden sind, hatten zwei am 1. April d. Zs. schon das 74. Lebensjahr vollendet, weitere fünf waren über 70, weitere acht über 69 Jahre alt; zwei weitere haben inzwischen bis zu ihrer Pensionierung das 69. Lebensjahr vollendet. Darf man da, wie es der erwähnte Artikel für gut befindet, das Interesse der Steuerzahler mobil machen, wenn diesen alten Herren der wohlverdiente Ruhegehalt gewährt wird? In Preußen treten die Beamten mit „vollendetem 65. Lebensjahr" kraft Gesetzes in den Ruhestand. Mit Parteipolitik hat diese Sache auch nicht das Geringste zu tun. Der Avt- iwwimh» iimmu-'- twsBMMrw'jaggBCTivi.niMwwrjauiWMwmEi
Die Herrveghs.
Erne rechtsrheinische Geschichte von Liesbet Dill.
2. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)
„Doch, es liegt mir an dem," sagte sie. Sie erhob sich, um das Blatt vom Kalender abzu- reißen, das noch eine feuerrote sonntägliche Zahl vom vergangenen Sonntag trug. Diese Zettel wurden von Trina gesammelt wegen der guten Rezepte auf der Rücksette. Als Frau von Her- wegh am heutigen Sonnabend angekommen war und sie die Zähl dreizehn erblickte, stieß sie einen Laut des Entsetzens aus. „Mein Gott. Ernst, heut ist ja dein Geburtstag!"
Sie stand wie von einem Blitzstrahl bettoffen. Dann kam sie mit ausgebreiteten Armen auf ihn zu. „Mein guter Junge, wir haben deinen Geburtstag vergessen! Ich werde all, wahrhaftig!" Sie umarmte ihn zärtlich.
„Aber Mama," sagte er lachend, „das ist ja nicht so schlimm
„Doch, das ist sehr schlimm." sagte sie, „das hätte mir dein Dater nie verziehen. Ich hatte seinen ersten Geburtstag nämlich auch vergessen, er war wochenlang noch darüber gekränkt, die Rorddeutschen nehmen es mit solchen Gedenktagen genau. Du bist doch mein Bester," sagte sie leise, ihr blondes Haupt, das noch keinen weihen Faden aufwies, an seine Schulter schmiegend. . .
Tlnd er fühlte sich ausgesöhnt. Mit allem.
Er liebte seine Mutter mit all ihren Fehlern and Schwächen, und er zog ihre ringgeschmückte schöne Hand an sich. *
läge der Junglehrer muhte im Interesse des Staates gesteuert werden. Lediglich diebesonderenVerhältnisseinner- halb des Lehrerberufs waren maßgebend für die Anwendung einer für alle Beamten gültigen Gesetzesbestimmung. Von einer Ausnahmebehandlung der Lehrer gegenüber anderen Deamtengruppen kann keine Rede sein.
Das Hinaufzeichnen der Warenpreise.
Bon
Georg Lind, Rechtsanwalt m Grünberg.
Die Verbraucher merken es täglich und führen Klage, daß bei der Knappheit ihrer eigenen Mittel ein anhaltendes Steigen der Preise für alle Gegenstände des täglichen Bedarfs stattfindet. §atujl9 richten sich deshalb Vorwürfe gegen die Geschäftswelt, der man Preistreiberei und wucherische Maßnahmen vorwirft. Für den reellen Geschäftsmann ist es tatsächlich eine brennende Frage geworden, wie er die Wieder- b e sch a f f u n g neuer teuerer Waren bewerkstelligen soll, wenn er die alten Waren noch zu einem Preise verkauft hat, der weit unter dem neuen Wiedereinkaufspreis zurückb:eibt, o h n e mit den Preistreibereivorschriften in Konflikt zu kommen. Die neuen Waren muh er oft zu einem Preise einkaufen, der den vereinnahmten Preis für die alte Ware vielleicht um ein Doppeltes ober- gar Vielfaches übersteigt. Der Geschäftsmann mühte also, toerm er sein Lager für das kaufende Publikum auf dem früheren Bestand erhalten will, den mehrfachen Betrag des Erlöses ausgeben, den er für seinen alten Warenbestand vereinnahmt hat. Hat er keine Mittel zuzusetzen, so kann er nur einen Bruchteil des früheren Bestandes auf Lager halten, and für das laufende Publikum entsteht im Laufe der Zeit zu der schon herrschenden Teuerung ein empfindlicher Warenmangel.
Die Geschäftswelt sucht dem zu steuern, indem sie dazu schreitet, die Ware n mit Rücksicht auf den demnächstigen teuereren Einkauf neuer Waren entsprechend hinaufzuzeichnen
Ter Streit geht nun darüber, ob der Wiederbeschaffungspreis überhaupt zugrunde zu legen ist und ob nicht hierdurch ein Verstoß gegen die Vervrdirung gegen die Preistreiberei vom 8. Mai 1918 vorliegt. Danach macht sich strafbar: „Wer vorsätzlich für Gegenstände des täglichen Bedarfs Preise fordert, die unter Berücksichtigung der gesamten Verhältnisse einen übermäßigen Gewinn enthalten." Rach dieser Verordnung ist durchaus nicht jedes Hinauszeich- neu der Waren als Preistteiberei aufouf affen. Getroffen soll nur der übermäh ige Gewinn werden. Ob ein Gewinn ein übermäßiger ist, soll beurteilt werden unter Berücksichtigung der gesamten Verhältnisse. Der Rück- gang des Markwerts 'hat ganz außerordentliche Verhältnisse geschaffen, die bei der Preisbildung in Rücksicht gezogen werden müssen. Rur wenn das Hinaufzeichnen der Waren trotz der veränderten Verhältnisse als über mäßiger Gewinn anzusehen ist, liegt Preistreiberei vor. Sehr häufig 'wird aber der erzielte Gewinn nur ein Schein- gewinn sein.
Richtig ist, daß mit dem Wiederbeschaffungspreis bei der Preiskalkulation zu rechnen ist, aber ganz allgemein den Wieder- beschaffungspreis der Kalkulation zugrunde zu legen, ist unrichtig und widerspricht auch der Rechtsprechung des Reichsgerichts.
Das Hinaufzeichnen der Waren 'hat nach folgenden Grundsäten ^u er d gen Zugrunde zu legen ist der Gest ehungspreis der alten Ware. Er setzt sich zusammen aus: a) dem Einkaufs- preis der Ware: b) den Kosten für Transport, Standgeld, Versicherung und Lagerung und der Umsatzsteuer: c) den allgemeinen Geschäftsunkosten und einer Sicherung vor Verlusten: d) der Ver-
In diesem Augenblick wehte es kühl zur Tür herein. Liane betrat das Zimmer. 3n einem silbergrauen Abendmantel, den sie über ein tief- ausgeschnittenes Gesellschaftskleid geworfen hatte, einen dunklen Fuchs umgeschlungen Sie schaute mit ihren grauen hellen Augen um sich. „Run, was ist los?"'
„Emst ist heute vierundzwanzig Jahre alt geworden!" rief ihr die Mutter entgegen, „und wir haben seinen Geburtstag vergessen, denk' nur, Liane!"
Liane warf das goldrote Haupt zurück, das mit seinem hochbebauschten üppigen Haar einem schimmernden Helm glich, und sagte mit einem müden Lächeln, während sie den Pelz in den Sessel gleiten ließ: „Run, was ist denn da? Dann feiern wir ihn eben morgen. Man wird doch nicht von mir verlangen, dah ich jemand dazu beglückwünsche, daß er auf die Welt gekommen ist."
Am Sonntagmorgen fand sich die Familie gewöhnlich erst nach zehn Llhr am Kaffeetisch ein. Als Frühstückszimmer wurde, der Bequem- lichkett halber, das neben der Küche gelegene Badezimmer benutzt, ein Heller Raum mit weißgekachelten Wänden, das Morgensonne hatte und durch einen winzigen Gaskamin rasch zu erwärmen war.
Trina pflegte Sonntags die Messe zu besuchen, dann stand der Haushalt solange still.
Der erste, der sich einfand, war Herbert, dann erschien Ernst und nach ihm Liane in einem hellblauen, etwas verschossenen Sarnt- schlaftock.
zinsung des in der Ware steckenden Kapitalwerts, insbesondere dann, wenn es sich um fremdes Kapital handelt.
Auf den so errechneten Gestehungspreis der Ware jjt ein angemessener Gewinn zu schlagen. Bev.^er Frage der Angemessenheit ist auf die heutige Lebenshaltung Rücksicht zu nehmen. Mit Rücksicht auf den höheren Preis der teueren neuen Ware soll dann noch als Sicher- hettskoeffizient ein Zuschlag kommen, der a l s Ausgleich für die Preis st eigung der neu zu beschaffenden Ware zu gelten hat.
Erfolgt das Hinaufzeichnen in d i e s e r Weise, so liegt Preistreiberei nicht vor, und Klagen hierüber sind ungerechtfertigt. Der Geschäftsmann, der in diesem Rahmen das Hinaufzeichnen der Waren dornimmt, 'hat auf einen Ausgleich, der genügende Rücksicht auf die Reubeschaffung der Waren nimmt, phne mit den Vorschriften gegen Preistreiberei in Konflikt zu kommen. Auf diesem Standpunkt stehen auch die meisten Preisprüfungsstellen.
Anders ist der Fall gelagert, wenn ein Geschäftsmann eine Ware f eft verkauft und Anzahlung entgegengenommen hat. Er ist dann an den Kauf gebunden, auch wenn er bei der Preisfestlegung sich verkalkuliert haben sollte. Für Kalkulationsfehler ist allein er selbst verantwortlich. Der Käufer soll in solchen Fällen auf Lieferung 'halten.
Aus SlaM und Land.
Gießen, den 28. September 1922.
Der Poft- und Telegraphenvorkehr in Hessen im Jahre 1921.
Das August-Heft der „Mitteilungen der Hessischen Zentralstelle für die Landesstatistik" gibt interessanten Ausschluß über den P o st - undTelegraphenverkehrinHessen im Jahre 19 2 1. Man findet da die Post-, Telegraphen- und Fernsprechgebühren mit 103 574 000 Mk. verzeichnet. Eingegangene Pakete mit und ohne Wertangabe sind 4 334 000 Stück gezählt worden, die Zahl der aufgegebenen Pakete mit und ohne Wertangabe belief sich auf 4 529 000 Stück. Briefe mit Wertangabe sind 100 000 Stück als eingegangen, 85 000 Stück als aufgegeben angeführt. Bareinzahlungen durch Postanweisungen und Zahlkarten erfolgten im Betrage von 2 841 035 000 Mk.» die Barauszahlungen durch Post- und Zahlungsanweisungen bezifferten sich auf 1 267 660 000 Mk. Bei den Telegrammen zählte man im Eingang 1 220 000 Stück, aufgegeben 1 128 000 Stück. Die Zahl der Fernsprechanschlüsse (Haupt- und Rebenanschlüsse) wird mit 33 386 ausgewiesen.
Die Todesfälle infolge Grippe in Hessen.
(Eine interessanteUebersicht über die infolge Grippe in Hessen in den Jahren 1909 bis 1922 erfolgten Todesfälle enthält bas August-Heft der „Mitteilungen der Hessischen Zentralstelle für die Landes- statistck". Während in den Jahren 1909 bis 1917 die Zahl der Todesfälle im ganzen Jahr durchschnittlich nur zwischen 100 - 200 betrug, fielen in das Jahr 1918 allein 3725 Todesfälle. 1920 wurden im ganzen 800, 1921 1007 Todesfälle erreicht, während tn den den ersten vier Monaten dieses Jahres allein schon 606 Todesfälle gezählt wurden. Die Grippeepidemien nehmen in der Regel im Dezember oder Januar ihren Anfang, erreichen rasch in ein bis zwei Monaten ihren Höhepunkt, um dann wieder in ein bis zwei Monaten zu verschwinden. (Eine Ausnahme hiervon machte die lang andauernde und schwere Epidemie des Jahres 1918, die sich schon im Juli mäßig entwickelte, im August und September zurückging, um im Oktober und November zu ungewöhnlicher Höhe zu steigen und bis zum April 1919 anzudauern. Die letzte Epidemie brach im Dezember 1921 aus, er»
Da Herbert feine Schlafschuhe nicht gefunden hatte, klotzte er in Trinas Holzpantinen umher. „Damit kannst du gleich auf den Heringssang gehen," begrüßte ihn Liane, die sich das Brot mit einer Gabel über dem Gas röstete . . . Ernst hob der Kaffeekanne die Bischofsmütze ab, sie sah bei Tag sehr mitgenommen aus.
„Sehr geschmackvoll, dieses Ding da," bemerkte Liane.
„Dann arbeite du doch etwas Schöneres," erwiderte Ernst.
Liane zuckte die Achseln, es war nicht der Mühe wert, sich schon zu so früher Tagesstunde mit dem Bruder auseinanderzusetzen, er nahm ja doch stets Mamas Partei.
„Ja, tät’fl du mal was Besseres wie Gedichte," mischte sich der Lümmel ein, der hinter Brotkorb und Apfelkrautdose verschanzt saß, „zum Beispiel die Strümpfe dort stopfen," er wies auf einen überfüllten Weidenkorb, der auf dem Plättbrett, das die Badewanne verdeckte und als Tisch für alles mögliche diente, stand.
„An meinen Buxen ist kein einziger Knopp mehr."
Darüber tauchte lautlos der schöne Lutz auf. Er sah bleich und angegriffen aus urtb trug toeber Kragen noch Weste, sein „Morning family“ klang betfer, er streckte die langen Deine stumm unter den Tisch.
„Wie ein Louis sieht er aus," bemerkte der Lümmel, und er nahm einen Chapeau Claque. der auf dem Fensterbrett lag, und setzte ihn auf Lutz' schmalen Kops. 2utj trank seinen schwarzen Kaffee, ohne sich zu rühren. Dieser Zylinder verlieh ihm höchstens etwas noch Derwegeneres, er stand ihm sogar. Selbst in diesem Per Enterten
reichte schon irn Januar 1922 mit 467 Todesfällen ihren Höhepunkt und war bereits im Februar mit 72 Todesfällen im Erlöschen begriffen. Am meisten bedroht sind die mittleren Altersklassen, insbesondere die Altersklasse von 15-29 Jahren, wo rund 9 Prozent aller Todesfälle dieser Altersklasse auf die Grippe entfallen. Von da nimmt der Prozentanteil nach beiden Richtungen hin ab, um bei den Säuglingen auf 2 Prozent und bei den Personen im Alter von 70 und mehr Jahren auf 3 Prozent zu fallen. Was die Lebensgefährdung der beiden Geschlechter anlangt, so macht sich ein Unterschied kaum bemerkbar.
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** Der Exprehguttarif. Da die Drucklegung des neuen Exprehguttarifs, der ebenfalls am 1. Oktober erhöht wird, sich verzögerthat, werden bis zu dessen Herausgabe die am 1. September gültigen Exprehgut- sätze verdoppelt. Dies ergibt für das Expreßgut nur geringe Unterschiede gegen die neuen Sätze, die dann voraussichllich am 10. Oktober in Kraft treten.
Landkreis Gießen.
M. Muschenheim, 25. Sept. Am Sonntag fand hier eine Zusammenkunft der Vorstände der Gesangvereine von Langsdorf, Dettenhausen, Muschenheim. Eberstadt und Dorf-Güll statt. Am die gesanglichen Leistungen zu heben, schlossen sich die genannten Vereine zu dem Sängerverband „W ettertal“ zusammen. Gewählt wurde als Vorsitzender Lehrer Günther, Muschenheim, als Schriftführer Pvstsekretär Bausch, Langsdorf, als Rechner Bäckermeister Leidich, Dorf-Güll. Jedes Jahr, im Frühjahr, soll ein Werkungs- singen, und im Sommer ein kleines Sängerfest abgehalten werden.
Kreis Alsfeld.
' Alsfeld, 27. Sept. Das Kreisamt hat Hilfsmaßnahmen zur Versorgung der bedürftigen Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen mit Kartoffeln und Brenn st offen in die Wege geleitet. Die Bürgermeistereien des Kreises sind angewiesen worden, die entsprechenden Schritte zur Durchführung der Fürsorge zu unternehmen.
Kreis Friedberg.
D a d - R a u h e i m, 27. Sept. Zwei „K u r g ä st e" stahlen ihrem Vermieter, bei dem sie drei Tage wohnten, die gesamte Wäsche im Werte von etwa 100 000 Mark. Von den Spitzbuben fehlt bis jetzt noch jede Spur.
* Friedberg, 27. Sept. Das Kreisamt hat angeordnet, daß die Inhaber und Leiter von Lebens- undFuttermittelge- schäften ein Preisverzeichnis ihrer Waren sowohl im Verkaufsraum, als auch im Schaufenster an einer für das Publikum leicht sichtbaren Stelle zum Aushang bringen müssen. Zuwiderhandlungen sind mit sttenger Strafe bedroht.
Hefsen-Naffau.
* Frankfurt a. M.» 27. Sept. Verlag und Redaktion des „VolkSrecht" geben be- kanitt, daß das Blatt nach der Verschmelzung der beiden sozialistischen Parteien am 1. Oktober sein Erscheinen einstellt. Die Abonnenten sollen.auf die für die einzelnen Orte in igrage kommenden Organe der vereinigten sozialistischen Partei überführt werden.
* Frankfurt a. M., 26. Sept. Rach längeren Verhandlungen kam tn der Frage der Septembergehälter zwischen dem Kartell bei
Zustand sah er aus wie ein vom Pferd gestiegener Velazquez mit seinen Müden, langbewimperten dunklen Augen, dem feingeschnittenen Profil, der gebogenen Rase und dem geschwungenen sinnlichen Mund. Er hatte prachtvolle Zähne und schmale aristokratische Hände. Er sah Liane sehr ähnlich, obwohl die Schwester eigentlich nichl hübsch war, Ernst dagegen sah dem Vater ähnlich mit seiner etwas gedrungenen Gestatt, dem bürstenartigen blonden Haare und dem offenen, versonnenen Ausdruck, über dem es wie leichte Melancholie lag.
Herbert dagegen sah niemand ähnlich, weder Vater noch Mutter, noch einem der Geschwister. Sie nannten ihn das Kuckucksei.
„Weshalb ißt du denn nichts, Lutz?" fragte das Kuckucksei, das ungeheure Mengen von Apfelkrautbroten vertilgte.
„Pfui Deibel," sagte dieser und schob die Marmelade schaudernd zurück.
„Du bist eine Schattenpflanze, Lutz."
..älnd du ein Rachtlicht."
Run begann zwischen den beiden Brüdern das übliche Sonntagsmorgenduett zwischen Kaffee- eingiehen und Brotabschneiden, als Frau Herweg h ein trat. Sie war noch in ihrem türkischen Morgenrock und trug eine Glas schale mit einem warmen Creme in den Händen, Den sie vorsichtig auf das Bügelbrett neben den Strumpfkorb setzte. „Ich habe Werncreme gemacht, Kinder, und Trina bäckt eben Zimtwaffeln, sie sind übrigens abgezählt, Herbert."
„Aber Mama, ich hab' doch heute baber wollen." sagte der enttäuschte Cuty „Run stellst du wieder- alles voll."
(Fortsetzung folgt)
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