Ausgabe 
28.7.1922
 
Einzelbild herunterladen

Nr. \X5 Zwettes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen) Freitag, 28. Juli (922

Hessischer Landtag.

St. Darmstad t, 27. (Zuli.

Am Regierungstisch: Staatspräsident Ul­rich, Fmanzmlnister Henrich, Wirtschafts- Minister Raab und Regierungskommissare.

Vizepräsident S o h c r r eröffnet die Sitzung um 9.40 Hhc. Auf eine kleine Anfrage des Abg. Ebner, ob es zulässig war, in Eberstadt eine Anzahl Iugeadlicher tn Verbindung mit den Darmstäd-er Vorgängen ohne Haftbefehl zu ver­haften, erwidert

Staatsrat Lorbacher, daß es sich bei dieser vorläufigen Inhaftnahme Jugendlicher um eine gesetzlich durchaus zulässige Maßnahme handelte. Im übrigen seien diese Jugendlichen alsbald wieder entlassen worden.

Das Haus letzt die Debatte über das Kapitel Siedlungswesen

fori Abg Dr. Müller (Bbd.): Auf die gestri­gen Angriffe des Abg. Schildboch werden wir zurücKommen bei Veratung des demokratischen Antrages. Die Entschließung der Bauernschaft, die der Abg. Schildbach vorführte, sollte keine Aufforderung zur Sabotage sein, sie sollte nur auf die ungeheure Gefahr Hinweisen, die darin liegt, wenn die Getreideproduktion zurückgeht. Ich frage Herrn Abg. Schildbach, wie es möglich sein soll, daß der Weizenanbau zunehmen soll, wenn für die Hmlagemenge 70 Mark pro Zentner gezahlt werden. Das ist das 37fache des Friedens­preises, während aber der Stickstoffdünger das 67fache kostet. Die Wichtigkeit der Siedlungs- fvage erkennen auch wir an, wir wissen, daß die Rotwendigkeit, mehr Menschen auf dem Lande an­zusiedeln, sich wieder ergeben wird, wenn die Industrie zurückgeht. Das wird kommen, denn jeder Einsichtige weiß, daß das Blühen der Industrie nur ein Scheinblühen ist. Die Sied­lungsfrage muh aber anders gelöst werden. Es handelt sich darum, neues Siedlungsland zu schaffen und auf die Anliegesiedlungen sich zu beschränken. Die Zuweisung von notwendigem Er­gänzungsland wäre möglich gewesen auch ohne das Siedlungsgesetz. Daß die Durchführung des Siedlungsgesetzes nur sehr langsam vorgeht, be­dauern wir auch. Man darf aber den Beamten nicht den guten Willen absprechen, ihre Tätigkeit ist schwierig. Gegen die Parzellenbesiher ist aNer- dings manchmal viel zu weit gegangen. Wenn man einen Betrieb von 35 auf 21 Morgen verkleinert, so entspricht das nicht dem an sich guten Grund­gedanken des Gesetzes. Die Dedarfsprüfung muß noch sorgfältiger geschehen. Es ist vorgekommen, daß Leute, denen Land zugewiesen wurde, von ihrem eigenen verwüst haben. Daß das Sied­lungsamt nicht rechtzeitig zugriff, als das Gut Bayerseich zum Verkauf stand, ist sehr bedauer­lich. Das Gut war billig #ü -haben und jetzt herrscht in Egelsbach Landmangel. Wir haben an einer planmäßigen und sachlichen Durchfüh­rung des Siedlungsgesehes alles Interesse. Was wir noch zum Siedlungsgesetz zu sagen haben, wird geschehen bei der Beratung des demokratischen Antrages. Wir weisen es aber zurück, daß wir dieses Gesetz rrgendwie sabotieren. Wir sind über­zeugt, daß das Siedlungsgesetz auch Ihren (zur Linken) Weizen zum Blühen bringt. (Bravo rechts.)

Abg Obenan er (Dem.): Es ist verkehrt, wenn ber Abg. Müller meint, das Siedlungs­gesetz sei entstanden um den Arbeitern beim Riederbruch der Industrie Existenzmöglichkeiten z i geben. Das Gesetz ist entstanden aus der Er­kenntnis einer fundamentalen sozialen Gerechtig­keit, die gereift ist durch das große Erlebnis des Krieges. Die Viedlungsfrage ist ungeheuer wichtig nicht nur für Großbesitz, sondern auch für P^r- zellenbesitz. Aber auch für die Landarbeiterfrage. Die Landwirtschaft kann unmöglich mit den Löh­nen der Industrie Schritt halten. (Sehr richtig rechts.) Sie kann sich nicht so schnell mit ihren Ausgaben und Einnahmen den tatsächlichen Ver­hältnissen anpassen wie die Industrie, weil sie nur Saisoneinnahmen hat. Die Landarbeiterfrage ist nicht anders zu löfen als durch die Siedl ing. Ich sehe in dem Achtstundentag der Industrie­arbeiter ein Glück für die Landwirtschaft. Denn der Arbeiter wird sich gezwungen sehen. dem Bauer, der ihm sein Feld bestellt hat, nach Feier­abend zu h.'lfen. Den Großgrundbesitz a rs un­serer Landwirtschaft au'zischlie! er ist u meglich, weil wir heute noch keinen klein- und mittel- bäuerlichen Musterbetrieb haben. Zur Hebung dec Produktion der Landwirtschaft, die doch das Endziel aller Bestrebungen auf diesem Gebiete ist, müssen alle Mög ichkeiten herangezogen wer­den. Für den Staat sind die Klein- und Mittel­besitze wichtiger als die großen, aus steuerlichen und politischen Gründen.

Abg. Hahn (D. Vpt.) ist im Gegenteil zu einigen Vorrednern der Ansicht, daß die Sied­lung schon ersreuliche Fortschritte in Hessen ge­macht hat. Er spreche den Beamten des Sied­

lungsamtes Anerkennung aus. Die Landwirt­schaft hat keinen großen Einfluß auf das Sied­lungswesen, sie ist im wesentlichen dazu da, zu überwachen, daß durch die Siedlung nicht Betriebe gefährdet werden. Sicher ist, daß die Landwirtschaftskammer nicht siedlungsfeindlich ist. Es ist aber falsch, wenn der Landwirtschaftskam­mer immer der Vorwurf gemacht wird, daß sie die großen Betriebe bevorzuge. Man solle nur einmal Sie Verteilung der Preise für Zucht usw. nachprüfen, dann werde sich ergeben, daß die mittleren und kleineren Betriebe besser abschnei­den als die großen Mit Ausnahme bei Pferden. Das liegt einfach daran, daß die Großbetriebe eben mehr Pferde haben. Wir habmu in der Landwirtschaft die kleinen Betriebe so nötig wie die großen, daß aber Großbetriebe intensiver bewirtschaften können, besonders das Saatgut, ist nicht zu bestreiten. Von den landwirtschaft- lichen Fortbildungsschulen, die ganz gut gemeint sind, verspreche ich mir nicht viel. Wenn bie Lehrer selbst Laien sind, kann Ersprießliches nicht dabei hcrauskommen. Ein Segen ist aber schon, wenn sie die Erkenntnis verbreiten, daß inten­sivere Bodenbewirtschaftung für uns Lebensnot­wendigkeit ist. Das Genossenschaftswesen ist in Hessen sehr weit fortgeschritten und entwickelt sich weiter. Schon die Hmlagegesehgebung des Reiches, das kleine Betriebe frei läßt, hat ja dokumentiert, daß die Kleinbetriebe nicht so lei­stungsfähig sind wie die großen. Wenn Sie die paar Großbetriebe noch zerschlagen, gibt es ja überhaupt keine Umlage.

Abg. Bornema nn (Soz.) Das Bild, das uns die Geschichte des Landgesehes zeigt, darf nicht verwischt werden. Ich erinnere daran, wel­chen Widerstand die Herren von rechts dem Land- und Siedlungsgesetz entgegengesetzt haben. Die Agitation draußen ist auch schuld an der Verschlechterung des Gesetzes. Redner gibt dann eine eingehende Wiedergebung der Kämpfe um das Gesetz im Landtage und draußen in Ver­sammlungen. Das geschichtliche Verdienst an dem Gesetz hat die Sozialdemokratie.

Finanzminister Henrich: Ich freue mich, feststellen zu können, daß über die Bedeutung und Rotwendigkeit des Siedlungsgesehes jetzt Einheit­lichkeit im Hause herrscht. Rur mit der Durch­führung ist man nicht einverstanden und nicht zu­frieden. Wir auch nicht. Vielfach liegen die Wider­stände bei dem Reichsgeseh. Eine erhebliche Rolle spielt die Preisfestsetzung. Diese muh natürlich der Geldentwertung Rechnung tragen. Der damals ge­forderte Preis von 850 000 Mark für Dahersaich war reichlich hoch. Darum haben wir davon ab­gesehen. Der heutige Besitzer ist als Landwirt in keiner Weise zu beanstanden. Besonders schwierig waren die Siedlungsarbeiten im Kreis Büdingen. Hier mußte die Behörde erst einmal feststellen, wieviel Boden überhaupt zur Verfügung stand, be­vor an die Zuwe fung gedacht wurde. Zugegeben ist, daß die Organisation noch der Verbesserung be­darf. Daß bei der Landzuteilung ausschließlich Ar­beiter bevorzugt werden, ist nicht richtig. Reben dem sozialpolitischen Gedanken darf der rein wirt­schaftliche nicht außer Licht gelassen werden. Wir mußten verhüten, daß ein wirtschaftlicher Schaden eintrat. Hnser Domanialbesitz ist zum weitaus größten Teil bereits in Parzellen aufgeteilt. Wenn auch zugegeben werden iyuß, daß das Interesse an eigenem Grund und Boden größer ist als an gepachteten, so muh doch Zurückhaltung im Ver­kauf geübt werden, soweit es sich um Eigentum des Staats handelt. Zum mindesten muh hier scharf überwacht werden, daß kein Geschäft mit dem Weiterverkauf gemacht wird. Rur wenn es sich um Ausgleich oder dergleichen handelt, wird auf diesen zurückgegriffen. Bei der Organisation liehen wir uns vielleicht zu sehr von dem Ge­danken der Sparsamkeit leiten. Wir haben ver­mieden, einen Stab von neuen Beamten anzu­stellen. Sachkundige Beamte waren ja für die ganz neue Materie nicht vorhanden. Die größte Sach­kenntnis war noch bei den Forstbeamten vorhan­den. Die Beamten hatten keine leichte Arbeit und haben ihre Schuldigkeit getan. Gegen die Unter® siellung des Siedlungswesens unter ein anderes Ministerium habe ich nichts' einzuwenden.

Abg Fenchel (Dbd.): Es ist bedauerlich, daß der Herr Abg. Bornemann wieder hier Dinge in die Debatte warf, die dir Einmütigkeit stören, die klar auch nicht zttresfen. Wir srnd nie prinzipiell gegen das Siedlungsgesetz gewesen, nur gegen den ersten Entwurf. Sehen Sie sich bitte diesen einmal an und vergleichen damit, was heute aud diesem Entw rrs geworden ist. (Sehr richtig! rechts.) Damit schließt die Debatte. Das Kapitel wird genehmigt.

Liach der Pause teilt Präsident Ade lang mit, daß der Aeltestenrat beschlossen hat, zur Erledigung des Voranschlages za bestimmen, daß zu jedem Kapitel der erste»ner jeher Partei höchstens eine halbe Stunde, ;eber weitere Redner 10 Minuten Redezeit Haden soll.

Die RegterringZvorlage betr. die weitere C r- streckung des Zinanzgesehes für 1921 au) d i e Monate 21 a g j ft and Septem­ber 1922 wird ohne Debatte angenommen.

Es wird dann das Kapitel 2, das znrück- gestellt war,

Forst- und Äomeralgütcr unter F o r st v e r wa 11 u n g beraten. Abg. Glaser (Bbd.) erstattet Ansschaßbericht über die neu vorliegenden Anträge, besonders den. die Pachten um das 2 5 f a d) c za erhöhen.

Abg. Lu x (Soz.) bespricht zunächst die Holz- rationierung für Minderbemittelte. Wie alle Rationierungen hat auch diese ihre Schwierig­keiten. Der Finanzausschuß hat die Schwierig­keiten erkannt und will die Frage der Brenn- holzrativnierung in einem besonderen Kapitel er­ledigen. Die andauernd fortschreitende Geldent­wertung macht es notwendig, das Quantum von 1 _ Festmeter auf -5 zu erhöhen. Auch die Taris- holzabgade an Beamte muß ausgedehnt werden auf Pensionäre und Anwärter. Die Ruhholz- abgabe müßte sorgfältiger geprüft werden. Es wird behauptet, daß dieses Ruhholz von ober­hessischen Sägewerken ins Ausland verschoben ist. Ich kann das nicht nachprüfen, doch möge die Regierung ein wachsames Auge haben. Ratsam wäre es, das ans den Staatswaldungen abge­gebene Ruhholz in eine Hand zu geben, um Kon­trolle zu haben, daß es rrichtig verwendet wird. In Oberhessen ist vielleicht ein Sägewerk dazu zu haben. Bon der Regierung fordert Redner die Einbringung einer Vorlage, die es ermöglicht, noch im laufenden Wirtschaftsjahr die Iagd- pachten zu erhöhen. Es konnten hier erhebliche Mehreinnahmen erzielt werden. Die Regiejagden sollen erst aufgehoben werden, wo es angängig ist, wenn sich nicht ergeben sollte, daß das Regie- jagdensysteni besser ist als die freie Verpachtung. Eine ganze Reihe von Ländern hat das Regie­system restlos eingeführt. Auch die Hofgüter bringen viel zu wenig Pacht ein. Redner er­wähnt dazu einen Fall, in dem 30 Morgen Staatsbesitz 1800 Mark Pacht einbringen, wäh­rend für 4 darangrenzende Morgen Privatbesitz 3000 Mark Pacht gezahlt wird Die Regierung muß aus dem Staatsvermögen unbedingt mehr herauswirtschaften. Sin Pächter zahlte im Frie­den einen Pachtpreis gleich 9 Ztr. Weizen. Heute nach der Erhöhung zahlt er 88 Pfd. Weizen. Das ist ganz unhaltbar. Redner führt noch eine ganze Reche von ähnlichen Beispielen an. Man sollte natürlich nicht die Pachtsummen überspannen, aber der goldene Mittelweg muß doch überall eingehalten werden. Dem Antrag Osann, betr. Erhöhung der Pferdeaelder, stimmen wir nicht zu. Wir bitten, den Anträgen, die wir im Fi­nanzausschuß gestellt haben, zuzustimmen.

Abg. Fuller (D. Vp.) auf der Bühne unverständlich bemängelt die Holzabgabe. Die Termine waren so kurz, daß man kerne Gelegen­heit hatte, Angebote abzugeben. Wrr wollen keine Kostgänger der Großhändler fein. Es rst sicher, daß eine Menge Holz ins Ausland geht. Der Grotzholzhandel verdient heute am Festmeter über den 15prozentigen Verdienst 1718 000 Mk. Das ist zu hoch.

2Ibg. Herbert (Ztr.) bespricht die Versor­gung der Beamten mit Holz. Es bestand früher das Privileg für die Beamten, ihr Holz aus den Staatswaldungen zu beziehen, ohne auf die Versteigerungen zu gehen. Das soll geändert werden. Gegen die Preiserhöhung nach Maß­gabe des Durchschnittserlöses ist nichts einzu­wenden. Wohl aber müssen wir uns gegen die Absicht wenden, die Reichsbeamten von dem Holzbezug auszuschließen, das um sy mehr, als die Menge des Holzes kaum sehr ins Gewicht fällt. Richtig ist, daß heute mehr als früher auf dieses Holzprivileg durch die Beamten mehr zurückgegriffen wird. Trotzdem ist die Menge nicht so, daß andere dadurch benachteiligt wer­den. Redner bittet, es bei dem früheren Brauch zu belassen.

Adg. Glaser (Bbd.): Aus dem vorliegen­den Kapitel sind noch erhebliche Einnahmen für den Staat zu erzielen. Man sollte es darum mög­lichst intensiv bearbeiten. Wir sind dagegen, daß den Forstdeamten das Dienstland entzogen wird oder auch nur die Obstnutznießung. Die Pacht­zinsregelung sollte den Pachteintgungsämtrrn überlassen bleiben. Für eine Verminderung der Oberförstereien sind wir nicht zu haben, sir würde die notwendige intensive Bearbeitung der Wal­dungen hindern. Durch die Regiejagden werden viele Mißstände vermieden. Der schlechten Siroh- eraten sollte man nach tote vor Laub zu Stre t- zwecken abgeben. Für die staatliche Wtesen- düngung müssen mehr Mittel eingestellt werden. Wir haben beantragt, den Betrag hierfür von 200 000 Mk. auf 2 Mill. Mk. zu erhöhen. Hier muß auch der Staat intensiver arbeiten. Es ist bedauerlich, daß die Linke diesen Betrag gestrichen bat. Es handelt sich hier um Anlagekapital.

Die

M MU

Roman von Ernst Schertet

21. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

Etwas hatte ihm davor gebangt, daß der Raub der Baronesse ruchbar werden konnte und man durch ungeschickte Verfolgungsmaßnahmen die beteiligten Kreise warnen würde, so daß der letzte entscheidende Schlag nicht zu führen wäre. Jetzt konnte alles verloren fein denn im Rotsatt würde man natürlich mit der Opferung der Ba­ronesse nicht lange zögern, man würde sie noch vor Ablauf der drei Wochen abschlachten, um sie nur nicht lebend tn die Hände der Polizei ge­langen zu lassen. Die düstersten Erwägungen drängten sich im Hirne des Doktors und er brachte es nicht über sich, Eduard etwas von seinen Befürchtungen mitz Heilen.

Der gute Zunge, welcher dir Unterhalt ing der beiden Zuden nicht verstanden zu haben schien, lag in einer Ecke, erschöpft, nicht von der körperlichen Anstrengung der halb durch­wachten Rächte, sondern von dec nagenden Angst Wozu diese vergrößern, noch ehe es nötig war?

Perzelius verließ auf kurze Zeit den Unter® stand, angeblich um noch einmal nach dem Doot zu sehen, was Zechiel ben Iehud sehr befriedigt vermerkte. Tatsächlich aber lief der Doktor land­einwärts, um genauere Kenntnis der Deutlich­keit zu getoirmen. Er erstieg eine erhöhte Kies- Halde und blickte 'im sich.

In der Ferne glitzerten die schmalen blaß- weißen Linien der Eisenbahnschienen, die den Rillauj begleiten, ilnb dahinter stiegen die Felsen empor.

Perzelius verfolgte genau die ilmriffe der Landschaft und da bemerkte er oben auf der Höhe, begraben in Bergen von Sand, die Trüm­mer eines Tempels. Diese Säulen kannte er. Sie stammten aus der letzten Periode ägyptischer Macht. Aber an ihrer Stelle hatte schon Zahr- tausende vorher ein Heiligtum gestanden. Er konnte sich nicht täuschen: es waren die Ruinen Ombos.

Siebentes Kapitel.

Soweit also stimmte die Vouausberechn ung des Doktors genau. Es handelte sich nun darum, zu der plötzlichen Wendung der Dinge Stellung zu nehmen und über die Trogs weite der unvorher­gesehenen neuen Tatsachen Klarheit zu gewinnen.

Perzelius kehrte vorläufig wurder nach der Lagerstelle der andern zurück und zwar so, daß es aussah, als käme er vom Ufer heraus.

Iechiel ben Zehud befand sich in eifrigem Gespräch mit Samuel Chcujirn, toobei sich die zwei Zuden nicht einmal besondere Mühe gaben, ihre Mitteilungen vor Per elius und Eduard zu ver­bergen. Vertrauten sie so fest auf die Unver­ständlichkeit ihrer Sprache oder schützten sie die beiden Pseudoknechte so gering ein, daß es ihnen nicht der Mühe wert erschien, ein Geheimnis vor ihnen zu hüten?

Tatsächlich war es selbst für Perzelius nicht leicht, aus dem raschen und fremdartigen Rede­schwall die wesentlichen Punkte herauszuhören. Er verstand mir, daß Samuel Chajim demOber­hirten" bereits Mitteilung von dem Verrat ge­macht habe, daß alles schon auf den Beinen sri und man die Vorbereitungen zu demMa- tummropfer" soweit abkürzen werde, als es der

Rttus nur irgend gestatte. Die drei Leichen, welche Iechiel ben Iehud verfrachtet hatte, foU- ten dabei verbrannt werden. 2luch ein lebendes Opfer sei bereite gebracht. Samuel Chajim schloß seinen Bericht mit einer Formel in alter demo- tifcher Sprache, welche Perzelius bekannt war 'und soviel hieß wie:Tötet die Wissenden."

Da sind wir ja in eine angenehme Lage geraten flüsterte der Doktor Eduard zu, der schon fast in Schlaf gesunken war.Wir müssen die, nächste GelegenhÄt ergreifen und die zwei Juden unschädlich machen. Trotzdem halte ich es für tätlich, ihnen vorher noch so viel Zeit als möglich zu gewähren, um sie von ihren Geheim­nissen erzählen zu lassen."

Eduard fand sich nicht gleich zurecht. Per­zelius hatte ihm bis jetzt noch keine Mitteilung davon gemacht daß sie verraten seien und alles auf dem Spiele stehe. Run aber konnte dieser nicht mehr länger damit zurückhalten.Irgend jemand hat uns einen großen Strich durch die Rechnung gemacht," erklärte er,ich stehe vor­läufig vor einem Rätsel und kann erst weitere Maßnahmen treffen, wenn ich mehr Tatsachen­material in Händen habe."

Wenn nur keine Verzögerung daraus er­wächst," entgegnete Eduard hastig und erregt flüsternd.

Ich hoffe ja nicht," suchte der Doktor ihn zu beruhigen. Er sagte ihm jedoch nichts davon, bafr et weniger eine Verzögerung von seiner Seite als vielmehr eine Beschleunigung auf Seite der andern befürchtete.

Es blieb ihm auch nicht viel Zeit zu wei­teren Gesprächen und Betrachtungen, denn so­bald das geringe Abendessen eingenommen war,

das dec 2II[gcmctnl;eit zugute kommt. Ein Ge­such der Forstschrcibcr um Cinroih ung m eine höhere Gehalt Hasse befürworten wir.

Finanzminister Henrich verweist bezüglich der Holzverteuerung und der.damit zusammen­hängenden Fragen aus die vorliegende Denkschrift. Die Frage der Regiejagden muß noch geprüft werden Man soll hier nicht kleinlich fein, wenn auch die Iagdpachten eine verhältnismäßig kleine Summe im Etat bedeuten. Hiergegen ist bedeutend die Holzfrage, die mit über 140 Millionen Mark einen wichtigen Bestandteil des Etats bildet. Daß von dem Ruhholz ein erhebliches Quantum aus­geführt worden ist, ist kaum anzunehmen. Große Quanten wurden an Einzelne gar nicht abgegeben. Für die Anregung des Abg. Glaser, für die staat­lichen Wiesen mehr zu tun, sind wir dankbar. Es hätte dazu aber nicht des Antrages bedurft, der Staat hat hier ja Vollmacht, Betriebsgelder ein­zustellen. Die Frage der Forstschreiber wird von uns loyal geprüft und evtl, einer Reuregelung unterzogen werden.

Daraus tritt Vertagung ein Rächste Sitzung Freitag 8' _ Uhr. Schluß V12 Hhr.

Schlichtungsausschuß der Provinz Oberhessen.

Verhandlung vom 2 7 Iuli.

Die Lohnstreitsache des Deutschen Land­arbeiter verbandes gegen den Landwirt Karl R u l l m a n n in Rodheim v .d. H. wurde zur unmittelbaren Verständigung der Parteien über die etwa noch nicht vollständig erledigten Streitpunfte ausgesetzt.

In der Entlohnungssache des Personals der 2lrbeitslehrkolonie und Beobach­tung s a n st a l t Steinmühle bei Ober- erlenbach ist an die Stelle der bisherigen Qlrbeit- geberpartei, des VereinsKupferhammer" in Frankfurt a M., durch Kaufvertrag der unter der Verwaltung des Landeshauptmanns in Wies­baden stehende Rassauische Ze ntral- w a i s e n f o n d getreten. Hm dem Käufer Ge­legenheit zu geben, die aus der Hebernahme etwa übergegangenen Verpflichtungen, auch soweit eine Besserstellung des Personals in Frage kommt, auszuklären und zu regeln, wurde die Verhand­lung auf Antrag vertagt.

Ebenso wurden auf Wunsch der Parteien in drei Lohnstreitsachen des Bergarbeiter- verbandes gegen Bauxit A. G., Vereini­gung hessischer Bauxitgruben und Gewerkschaft Rabenau zunächst von einer Entscheidung ab­gesehen, da die Parteien noch einmal versuchen wollten, durch unmittelbare Verhandlung selbst zu einer Verständigung zu gelangen.

Die Gewerkschaft HessischerGemeindc- beamten, 'Frankfurt a. M., hatte gegen dir Stadt Friedberg den Sch'ichtungsateschlß wieder angerufen, da wegen eurer Anzahl An gestellten die Eingruppierung and die Rück- Wirkung auf 1. 4. 20 nvch nicht erledigt fet Dec Schlich tu ngsa r sschuß trat in eure materiell Prüfung der Frage noch nicht ein und .rahm zunächst nur Stellung zr der Frage der Zustän­digkeit. Die betr. Antragsteller sind von der Stadt Friedberg vom 1. 4. 22 an als außer­planmäßige Beamte geführt und bis dahin als vorübergehend Angestellte nah dem Tciltarif für die Angestellten bei den Reichs- und preußt- schon Staatsverwaltungen vom 4. 6. 1920 be­trachtet worden. Die Einstufung ist mit Wirkung vom 1. 4. 1922 geregelt, die Frage der Erledigung der Ansprüche vor dem 1. 4. 1922 jedoch streitig geblieben. Der Schlichtungsateschuß entschied daß die Angestellten, tixrrn sie im Privat­dienstvertrag der Stadt Friedberg früher ge­standen haben, der Gewerkschaft Hessi­scher Gemeindebeamten nicht ange­hören können, daß sie aber für die betr. Zeit der Dchiedsstelle des Hess.-Rafs. Wirtschafts­verbandes, dem die Stadt Friedberg seit ihrer Gründung angebört, unterstehen. Der Schlich­tungs-Ausschuß hat sich daher für un­zuständig erklärt, gemäß §20 Abs. 2 und §21 der Verordnung über Tarifverträge vom 23. De­zember 1918 die Parteien angewiesen, wenn sie in den unverzüglich aufz mehmenden Verhandlun­gen nicht selbst zu einer Verständigung kommen, die Shiedsstelle des Hess.-Rass. Wirtschafts-Ver­bandes in Marburg zunächst anzurufen.

Kirchliche Nachrichten.

Israel. Religionsgerneinde. Gottes- dienst in der Synagoge (Sudanlage). Samstag, den 29. Juli 1922. Vorabd. 7.45. Morg. 8.30. Abds. 8.25 und 9.05 Hhr.

Israel. Religions - Gesellschaft Sabbatfeier den 29. Juli 1922. Freitag abd. 7.15. Samstag vorm. 8.00. Rachm. 4.30. Sabbataus- gang 9.05. Wochengottesdienst: morg. 6.00, aMte. 7.30 Hhr.

erhaben sich die beiden Huden und bedeuteten Eduard und Perzelius dasselbe zu tun.

Ihr müßt euch lassen verbinden de Aug^l for e halbe Stunde," sagte dabei Iechiel den Iehud zu ihnen,da mer gehen an en Ort, den niemand ders wissen außer den Eingeweihten. Hnd ihr seid nur Knechte."

Perzelius schwankte einige Sekunden, ob er gehorchen oder den Versuch machen soltte, mtt Hilfe Eduards seine beiden Gegner zu über­wältigen. Er entschloß sich jedoch zu dem erste­ren. Er hoffte auf diese Weise rascher und sicherer ans Ziel zu gelangen, als wenn er jetzt schon seine Maske abtoarf.

Er erhob sich als), während Eduard feinem Beispiel folgte. Iechiel ben Iehud wand ihnen je ein langes, schmutziges Tuch um den Kopf und vetzknotete es s) fest, daß auch nicht der kleinste Spalt blieb. Dann führte er sie zu den Säcken, in welchen die Leichen staken, und die sie unter Führung der beiden Iuden toegtragen sollten.

Es war nicht das erstemal, daß PerzeNuS in die Lage kam, sich bet verbundenen Augen dennoch Rechenschaft abzulegen über den Weg. den er ging. Er vermochte es einfach durch daS Tastgefühl in seinen Füßen, genau den Boden 51 beurteilen, über den er kam, und sede Wen­dung seines Körpers, jeden Schritt, den er vor­wärts oder seitwärts tat, vermerkte er s) sicher in seinem Gedächtnis, daß er am Ende eines solche» Weges ein treues Bild der gamsit Marsch­richtung im Kopfe trug.

(Fortsetzung folgt)