Ausgabe 
28.3.1922
 
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tot. 7$ Zweites Blatt Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Dienstag, 28. März |922 «nBBaaa-Ma,--bm^wihmiw .rnmbwaitwMW|"11*11 mi mnymni

ForLbLldungs-, Berufs- und Fachschulen.

Don Georg G r ü n i g, Techniker in Gießen.

Die gesetzliche Regelung der Berufsschulpflicht fm ganzen Reich steht bevor. Damit hängt zu­sammen die Frage der Lehrerbildung, und der Kostendeckung, die Abgrenzung der Schulgruppen, die Llebergangsmöglichkeiten, die Berechtigungen usw. Zwischen den Volksschulen und den Hoch­schulen darf es neben den allgemein bildenden Lehranstalten nur noch die Berufsschule und Fachschulen geben. Aus der seitherigen Fortbil­dungsschule muß die Berufsschule hervorgehen. Sie hat nach der Vollendung des schulpflichtigen Alters unentgel tich Lehrlinge, angelernte und un­gelernte jugendliche Arbeiter usw. weiterzubilden. Sie soll im Anschluß an die Einheitsschule freien Aufstieg dem Tüchtigen ermöglichen, besonders befähigte, strebsame und tüchtige Schüler sind schon 'während des Besuches der Berufsschule durch vermehrten Unterricht in freiwilligen Lehr­gängen, in Förderkursen weiter zu ertüchtigen für den ^lnterfüHrerberuf oder den nachfolgenden Fachschulbesuch. Auf die Berufsschule ist das vielfach zu gliedernde Fachschulwesen aufzubauen. Voraussetzung für die Aufnahme in die Fachschule muß Berufspraxis und Berufsschule sein. Es darf keine Fachschule mehr geben, die erleichterte Auf­nahmebedingungen stellt, denn jeder von der Einheitsschule entlassene Schüler ist verpflichtet, die Berufsschule 3 Jahre lang zu besuchen und sich in freiwilligen Lehrgängen oder Förder­kursen für die Aufnahmeprüfung zur Fachschule vorzuberciten. Auch von allgemein bildenden Lehranstalten abgehende Schüler müssen die zur Aufnahme in die Fachschule erforderlichen beruf­lichen Kenntnisse, wie sie in der Berufsschule gelehrt werden, nachweisen.

Wie die Berufsschule zu gliedern ist, hängt davon ab, wieviel Schüler eines einzelnen Be­rufs oder einer Berufsgruppr vorhanden sind. UnterAmständen müssen benachbarte Schulen zu Schulgemeinschaften zusammengeschlvssen, oder es muffen Wanderkurse abgehalten werden, da in kleineren und abgelegenen Orten nicht die er­forderlichen Lehrkräfte zur Verfügung stehen. Wie in der Berufsschule, so müssen auch in den Fach­schulen Aufstieg- und Hebergangsmöglichkeiten durch Förderkurse für Befähigte und Tüchtige geschaffen werden. Die Fachschulen werden Meister, Techniker, Ingenieure, Kaufleute, Land­wirte usw. heranbilden und je nachdem mit zwei Semestern abschließen oder weitere Semester an­gliedern. Eine weitgehende Fachschulausbildung mutz der Allgemeinbildung gleich gewertet wer­den und zum Llebergang auf eine Hochschule be­rechtigen Rur so wird die in der Verfassung verankerte Zusicherung des freien Aufstiegs dem Tüchtigen verwirklicht. Selbstverständlich gehört dazu auch, dah die Lehrpläne einheitlich so ge­staltet werden, dah mit dem Abgang von der er­weiterten Fachschule auch eine Allgemeinbildung erreicht wird, die auch ohne fremdsprachliche Kenntnisse das Weiterkommen auf der Hochschule gewährleistet. Um dieses Ziel zu erreichen, ist es erforderlich, daß in jedem Land das gesamte Schulwesen einem Landesbildungsamt unterstellt wird. Wenn für das Fachschulwesen besondere Dezernenten bestellt werden und die verschiedenen Berufsvertretungen, Arbeitgeber wie Arbeit­nehmer, ein Mitwirkungsrecht erhalten, liegt durchaus keine Gefahr vor, daß d-r berufliche und Fachunterricht stiefmütterliches Behandlung erfährt. Handel, Gewerbe und "Landwirtschaft werden durch ihre Vertretungen schon genügend auf die richtige Gestaltung der Organisation und auf die Lehrpläne einwirken können. Die Be­rufsvertretungen müssen im Reich, in den Län­dern, Kreisen und Gemeinden vorhanden sein, denn deren lebendige Fühlungnahme mit den Schulen wird nur von größtem Ruhen sein.

In den Berufs- und Fachschulen muh eine Erziehung von Menschen erreicht werden, wie wir sie zum Wiederaufbau unseres zertrümmerten Wirtschaftslebens nötig haben. Dazu gehört ein ausgezeichneter Lehrkörper. Der seitherige Fort- bildungsschullehrer genügt nicht mehr, wir müssen beruflich tüchtig geschulte Lehrkräfte heran­ziehen, denn einer beruflich tüchtigen Persönlich­keit ist wohl ein weit höherer erzieherischer Ein­fluh zuzuerkennen, als der Anwendung allgemein erzieherischer Grundsätze. Es ist nicht zu ver­kennen, daß wir in Hessen bereits eine Anzahl Lehrkräfte in Gewerbe-, Handels-, kaufmänni­schen, landwirtschaftlichen und sonstigen Schulen besitzen, diese reichen aber nicht aus. In dem Uebergangsstadium werden wohl noch Kräfte herangezogen werden müssen, die für die ihnen obliegenden Aufgaben nicht das Ideal darstellen. Es kann von einem VoskZschullehrer nicht verlangt werden, daß er beruflichen Unterricht erteilt in einem Beruf oder in einer Derufsgruppe, worin er selbst Laie ist. Ebensowenig kann man von einem Techniker oder Fachmann verlangen, daß er den Unterricht ohne weiteres nach pädagogischen Begriffen emtixmb frei erteilt. Dem kann nur abgehvlfen werden, wenn ein besonderer Fach­lehrer herangebildet wird. Richt jeder Techniker usw. wird ohne jeglichen Anreiz einer solchen Ausbildung sich unterziehen .ebensowenig auch jeder Dolksschullehrer. In Hessen haben wir für gewerbliche Fachlehrer derartige Aus­bildungsmöglichkeiten noch nicht, dagegen hat man in Preußen und Sachsen z. D Seminarkurse für Ausbildung hauptamtlicher Gewerbelehrer, die den Pädagogen das ihnen fehlende gewerbliche und technische Fachwissen und dem Praktiker die pädagogischen Lücken für seine Lehrerbefähi' gung ausfüllen sollen. In Württemberg und 'Baden ist schon lange die Ausbildung so, kmh die Anwärter für den Gewerbelehrer beruf sich In demselben Lebensalter entscheiden können, in dem ander- normalerweise die Ausbildung als Tech­niker oder Lehrer beginnen. Gemäß dem Bestre­ben der Lehrerschaft, eine einheitliche, der aka­demischen Bildung gleichgestellte Berufsausbil­dung zu schaffen, erzieht Württemberg nun schon seine Gewerbelehrer an der technischen Hoch­schule. Abgesehen von Vorteilen und Rachteilen der in Deutschland vorhandenen Ausbildungs- Möglichkeiten erscheint es einzig und allein richtig, trenn Praktiker und Pädagogen eine weitere Ausbildung für ihren Gewerbe- und Fachlehrer­beruf in besonderen Kursen in mehreren Se­mestern an einer höheren Bildungsstätte erhal­ten. Dazu müßte der Staat eine wesentliche Bei» Hilfe leisten, zumal die Berufs- und Fachschulen sowieso staatliche Einrichtungen werden müssen. Im Uebergangsstadium wird man Techniker, tüch­tige Fachleute und Lehrer nebenamtlich heran­

ziehen müssen, soweit keine Fachlehrer vorhanden sind, die schon durch ihre seitherige Betätigung ihre Befähigung nachgewiesen haben, wie auch diesen bei voller Beschäftigung Uebernahme als Gewerbelehrer, Fachlehrer im Hauptamt in dieser Uebergangszeit ermöglicht werden kann. Daß auch in Zukunft für die allgemein bildenden Fächer Lehrer ohne Fachausbildung tätig sein können, ist einleuchtend. Erstrebenswert ist es, dah an den ge­werblichen Fachschulen, Berufsschulen usw. nicht nur allein das Jachzeichnen, sondern auch das Linear- und geometrische Zeichnen foi i: das Rech­nen, die Berufskunde und die fachlicyen Aufsätze, Geschäftsbriefe u. dgl. von einem fachlich gebilde­ten Lehrer erteilt wird. Der zum Gewerbelehrer ausgebildete Techniker wird hauptsächlich in den Berufs- und Fachgruppen der Berufsschule und an der Fachschule des Gewerbes den Uorzug ver­dienen. Da wo in Hessen schon Gewerbeschulen be­stehen, wird besten Lehrpersonal wohl in erster Linie für die gewerblichen Berufsschulgruppen und für die gewerblichen Fachschulen zu verwenden sein. Die seitherigen dreifemestrigen Gewerbeschulen wer­den zweiserneftrige Meisterschulen, nach Bedarf mit aufbauenden Maschinenbau- und Baugewerbfchulen werden.

Daß für Grohbetriebe auch Werkschulen ein­gerichtet werden, wird nicht ausbleiben. Diese mästen nach anzuschreibenden Lehrplänen unter­richten und der Aufsicht wie alle anderen Berufs­schulen unterstehen, sowie eine - Mitwirkung .der Arbeiter und Angestellten gewährleisten.

Werden Berufs- und Fachschulen in der ge­schilderten Weife gestattet, so wird vorwärts stre­benden Schülern in bestem Mähe gedient, es wird ein Rachwuchs herangebildet, wie er für unser neu aufzubauendes Wirtschaftsleben erforderlich ist. Die Rotwendigkeit, mehr wie seither die im Volk vorhandenen geistigen Kräfte in stärkerem Maße zu wecken und heranzuziehen, wird wohl niemand mehr verkennen.

Schlichtungsausschutz der Provinz Dberhesscu.

Sitzung vom 24. März 1922.

Dem Deutschen Dekleidungsarbei- terverband und den Damenschneidereien Gebr. Im Heuser, Gerstenhauer. Kugel- m a n n Rachf. und Herr & Egly in Gießen wurden folgende S'undenlöhne vvrgeschlagen: vom 1. April 1922 sollen erhalten selbständige Ar­beiterinnen 5 und 4,50 QK! vorgeschrittene Zu­arbeiterinnen 3,75 Mk.. Zuarbeiterinnen nach drei­jähriger Lehrzeit im 1. Hahr 2,80 Mk.. im 2. Jahr 3 Mk. und nach zweijähriger Lehrzeit im 1. Fahr 2,25 Mk. Vom 1. Mai an sollen diese Löhne sich erhöhen auf 5,50. 5,25, 4, 3. 3,30 und 2,45 Mk. Die Reuregelung der Aufwandsentschädigung der Lehrmädchen wurde zunächst der Verhandln'>g der Parteien überlassen. Die Lvhnregelung soll mit einmonatiger Frist erstmals zum 31. Mai kündbar sein und von da an laut Vereinbarung der Parteien zum 15. Juni, 30. Juni usw. Die bisherigen Löhne (3.60, 3,25, 2,15, 2, 1,80 und 1,45 Mk.) gelten seit dem 1. Rovember 1921.

Die Lederfabriken L. L o tz und K. Decker rn Gießen sollen den Stundenlohn der gelernten Arbeiter von bisher 9,60 Mk. von der höchsten Lohnzahlungsperiode an auf 12 Mk. und vom 16. April an au) 12,50 Mk. erhöhen, den Lohn der angelernten Arbeiter von 8,50 auf 11,20 und 11,70 Mk. Die bisherigen Löhne galten seit dem 16. Januar 1922.

Die »Hessische H u t st o s f i n d u st r i e" in Lauterbach soll ihre gegenwärtigen Zeitlöhne von der nächsten Lohnperiode an um 33r/z v. H. und vom 1. Mai an um 50 v. H. erhöhen, äleber- stnnden mit 25 v. H. Zuschlag vergüten und die Akkordentlohnung so gestalten, daß bei durch­schnittlicher Arbeitsleistung 20 v. H. über den Stundenl^hn verdient werden. Diese Lohnrege­lung soll erstmals am 1. Mai kündbar sein. Ar­beiter über 21 Jahren erhielten bisher 7,50 und 6,50 Mk., Arbeiterinnen 3 Mk. Stundenlohn.

Dem Einspruch eines Schlossers des Schweihwerks Samesreuther & Co in Butzbach gegen fristlose Entlassung konnte nicht stattgegeben werden.

Kirch» Schule.

* Rödgen, 27. März. Die Weihe der beiden durch die hiesige Gemeinde bezogenen neuen Glocken fand gestern in feierlichem Gottesdienst vor einer zahlreichen Gemeinde statt. Die erste Schulklasse und die drei bieigen Gesangvereine wirkten dabei mit. Der Predigt des Ortsgeist­lichen tag Hesaias 52, Vers 7 zu Grunde. Die beiden neuen Glocken erklingen in den Tönen g und b, während das ältere, von dem früheren Geläute verbliebene Glöcklein den Ton d hat.

lo. Kesfelbach, 26. z Gestern wurde, durch schönes Wetter begünstigt, das Fest der Glockenweihe gefeiert. Eine große Zahl der hiesigen Gemeindemit l eder versammclte sich aus diesem Anlasse im alten Schulhofe. Pfarrer Hof­mann aus Londorf hielt die Festrede, der er die Worte des Evangelisten MarttisWer Ohren hat zu hören, der höre" zugrunde legte. In seiner eindrucksvollen Rede sprach der Geistliche den Wunsch aus, daß es mit Gottes^ Segen und zürn Segen der Gemeinde geschehen möge, wenn die Glocken zur Arbeit, zur Ruhe, zur Andacht und zum Gottesdienste nfen. Schul Inder aus Kessel- bach trugen die schönsten Stellen aus Schillers Glocke" vor. Es folgten Liedervorträge des Männergesangvereins und der Schülerchöre aus Kesselbach, wobei dem Dirigenten Lchrer Z i c g - l e r hohe Anerkennung gebührt.

X Büdingen, 23. März. Aus dem so­eben gedruckt erschienenen Rechenschafts­bericht des Dekanatsausschusses Büdingen über den religiös-sittlichen Zu­stand der Dekanatsgemeinden im Jahre 1920 ist teilweise allgemein Interessierendes her- vorzuheben.- Kirchenvisitationen wurden durch den Superintendenten in den Pfarreien Eckartshausen und Hainchen, durch den Dekan in Gelnhaar und Ortenberg abgehalten. An Stelle des am 27. August 1920 verstorbenen Pfarrers Wilhelm-Bleichenbach über­nahm das Amt des Erziehungsvereins Pfar­rer Werner-Usenborn; die im Krieg ab­gelieferten Kirchenglocken wurden in Aulendiebach, Glauberg und Staden durch neue ersetzt, ebenfalls die Orgelpfeifen in Wenings und Orlenberg. Die Kirchen in Stammheim und Pfarrhaus samt Kirche in Wenings wurden an das elektrische Licht an-

geschlvssen. In den 21 Pfarreien des Deka­nats mit ihren 46 Gemeinden lebten 227 Per­sonen von der Landeskirche getrennt, es fan­den zwei Liebertritte von der katholischen Kirche, einer aus einer Sekte, statt, 407 Paare wurden getraut, es kamen drei Trauungsver­weigerungen vor, 605 Kinder wurden getauft, bei zwek Kindern unterblieb die Taufe, 488 Kinder wurden konfirmiert, die Zahl der To­desfälle ging erheblich zurück, 279 Verstorbene wurden kirchlich beerdigt; die Zahl der erwach­senen Kirchenbesucher betrug an den drei Zähl- svnntagen (1. Ostern, 12. n. Tr., 3. Advent) 10013 Erwachsene oder 22,2 Prozent im Durchschnitt. An Liebesgaben gingen ein 85 547 Mk. gegen 31 850 Mk. in 1919, oder 3,75 Mk. auf den Kopf der Bevölkerung.

Aus dem Amtsverkündigungsblatt.

Das Amtsverkündigungsblatt Rr. 41 vom 27. März enthält: Dirigen tenkursus. Abhaltung von Amtstagen in Grünberg und Hungen. Ergänzungswahlen für den Gesellen- ausschuß der Handwerkskammer im Jahre 1921. Verlosungen. 2. Rachtrag zmn Ortsbau­statut der (Semeinben Watzenborn-Steinberg.^ Feldbereinigungen Lich und Lumda. Belästi­gung des Publikums durch Fußballspiele usw. auf der Straße. Straßensperre.

Dirigentenkursus. Die Zentralstelle zur Förderung der Volksbildung und I'-tgend- pslege in Hessen veranstaltet in den Tagen vom 18. bis 23 April 1922 in Darmstadt einen Diri­gentenkursus für Vereinsdirigenten und Lehrer. Vorgesehen sind u. a. Vorträge übet Orchester­dirigieren, Chordirigieren, musikalische Ausdrucks­lehre, Stilkunde und Hygiene, sowie Hebungen in Chordirigieren und Orchesterdirigieren. Ar­beitspläne können von der Zentral« teile in Darmstadt, Wtthelmi renstraße 3, bezogen wer­den. Die Teilnei-merzahl ist beschränkt and für die Provinz Oberhessen vorgesehen auf 15 Per­sonen.

Ergänzungswahlen für den Ge- sellen-Ausschuß der Handwerks­kammer im Iahte 1921. Zu Ver­tretern derjenigen Gesellen, die von den wahlberechtigten Mitgliedern der Ortsgewerbc- veieine oder sonstigen gewerblichen Vereinigun­gen beschäftigt werden, sind folgende Gesellen ge­wählt worden: Mitglieder: Ludwig Engel, Steindrucker, Griesheim; beschäftigt bei der Firma Otto Markus, Lith. Anstalt, Darmstadt. Franz Kemmetet, Glaser, Offenbach a M; bech.f- tigt bei Samuel Hartwig, Glasermeister, Offen- k-ach. RikolauZ Mannebach, Schreiner, Worms; beschäftigt bei der Firma Gebt. Müllet, Daa- und Möbelschteinetei, Worms. Fritz Stein, Spengler, Worms; beschäftigt bei Wil'.elm K. Muth, Spenglermeister, Worms. Ersatz­männer: Wilhelm Fischer, £a4r vierer, Darm­stadt; beschäftigt bei L. Atter, Möbelfabrik, Darm­stadt. Konrad Müller, Maler, Offenbach: be­schäftigt bei Ludwig Hahn, Male m i.ier, Offen­bach. Karl Heißer (geb. 25. 4. 1869), Schreiner, Mainz; beschäs igt bei Heinrich Rauh, Möbcl- fabrilant, Mainz. August Lösche, Bildhauer, Mainz; beschäftigt bei A. Demde, Möbelfabrikant, Mainz.

üerbroirtfdmff.

Vorträge über die Siedlungs­fragen wird ter Dundesvorsitzende des Reichs­bundes für Siedlung und Pachtung Hoeft am Samstag, dem 1. April, in Friedberg, Saal­bau, Dismarckstraße, am 2. April in Alsfeld, Hotel Deutscher Kaiser und am 3. April im Fürstenhossaale in Büdingen halten.

Ganvel.

Frankfurter Getreidemarkt.

Frankfurt, 27. Marz. Die Schwankungen der Devisenpreise, bewirkten, daß am heu­tigen Getreidemarkt die Umsätze bescheiden blieben, und größere Zurückhaltung geübt wird. Die Preise, welche vormittags genannt wurden, stellten sich ge­gen die amtlichen Rotierungen der Vorwoche höher. Das Angebot war in allen Artikeln gering. Stär­kere Rachfrage bestand wieder für Futterartikel. Begehrter Kleie. Weizen, Roggen und Hafer fest. In Gerste bleibt die Rachfrage dringender. Hafer ebenfalls stark gesucht. Speise-Erbsen sind nur we­nig am Markt. Oelfaaten ruhiger und behauptet. Heu und Stroh fest.

Berlin, 27. März. Dörsenstim- mungsbild. Der Rückgang der Devisen­preise am SamSlag wurde heute bereits wie­der ausgeglichen. Am Bormittag setzten sie höher ein und erhöhten ihren Kursstand wei­terhin in raschen Sprüngen derart, dah sich bei der amtlichen Festsetzung zum Teil neue Höchstkurse ergaben. Die Rückwirkung hiervon auf die Börse blieb nicht aus. Die in den letz­ten Tagen der Borwoche zu beobachtende feste Grundstimmung setzte sich nachdrücklicher durch. Sowohl die Spekulation als auch das Prlvat- publikum, das übrigens in Erwartung einer Anpassung des Kursstandes an die Wäh- rungsentwertung seine BerkaufsordreS zurück­gezogen hatte, kaufte in größerem Umfang. Das Geschäft war daher ziemlich angeregt. Für die meisten Papiere ergaben sich Kurssteige­rungen von 30 bis 50 Prozent und vereinzelt 80 Prozent. Kattowitzer, Laurahütte, Rheinstahl, Gebr. Böhler, Hammersen, Rordd. Wolle und Stöhr erzielten Kursbesserungen von 100 bis 130 Prozent. Auch Schiffahrts- und Bankaktien unter Bevorzugung von Hansa, Rordd. Lloyd und Berliner Handels­anteilen waren fest. Am Rentenmar't herrschte für alte Reichsanleihen Kaufinteresse, vor­nehmlich des Auslandes. Bon ausländischen Renten stiegen Mexikaner, Türken und Oester­reicher weiter. Eine größere Beteiligung des Publikums machte sich namentlich auf dem Einhei.skurSmarkte bemerkbar, wo die Kurse zumeist uxiter stiegen. Im Großverkehr wurde das Geschäft späterhin bei unveränderter Festigkeit ruhiger.

Frankfurt a. M., 27. März. Dörsen- ft immun bi Ib. Die Börse bot bei Beginn wieder das gleiche Bild wie in der vergan­genen Geschäftswoche; Geschäftsstille am Ef­fekten-, Schwankungen am Devisenmarkt. Der Dol­lar bewegte sich auf 328, 330, 334340. Am Markte der uimotierten Werte überwogen Kurs­befestigungen. Deutsche Petroleum 22252250. Gebr. Fahr 760. Entreprises 4150. Benz 690. Che­mische Rhenania 1190. Für Kaliwerte bestand regere Kauftätigkeit. Auf dem Montanaktienma rkte vermochten sich verschiedentlich leichte Kursertzö- bungen durchzufetzen. Attowerte mäßig erhöht. Elektrowerte gebessert. Chemi.che Aktien hatten ruhiges Geschäft. Am Einheitsmarkt war das Ge­schäft entschieden belebter und bie Stimmung besser. 3proz. Reichsanleihe lebhafter gefragt Der Schluß gestaltete sich ruhig bei vorwteFnQ- festerer Ten­denz. Privatbiskont 4y2 Prozent

Frankfurt a M., 28. Marr Börsenkurse.

Frankfurt Berlin

Schluß- Schluß- Schluß- Schluß» Kurs Kurs Kurs Kurs

Datum: 24.3. 27. 3. 24.3. 27.3.

5"/.Dtsch.Kriegsanl. 77,50 77,50 77,50 77,50

4°/oDtsch. Reichsanl. 94.25 94,50 94 75 95, 0

3°/oDtfch. Reichsanl. 129,- 130,25 129,50 130 78 4"/o Preuß. Konfols 75 20 75,- 75,70 7 ,75

Hamburg-Pakets.. . 513. 519 511 520 - RorddeutscherLloyd 391,- 400,- 387 - 39984 Comm.u.Privatbank 338,- 333,- 334,- 335'- Darmstädter Bank . 335, - 335,- 335,- 33 5, Deutsche Bank . . . 594,75 600,- 600,- 599,- Disconto-Gesellschaft 492, - 492 50 493,75 494,75 Dresdner Bank. . . 361, 360,50 367, 367,-. Mitteid. Creditbank. 303,- 307,- 306,- 337,- Rationalbank f. D. . 343,- 344,- 346,- 346,- Boch. Gußstahlwerke 1253, - 1280,- 1275,- 1825,- Bud.-Eisenw.-Akt.. 985,- 1100,- 1005,- 1065,- D.-Luremb. Bergw.. 1165,- 1180,- 1150,- 1181,- Gelsenkirch. Bergw.. 11 0,- 1220 - 1197,75 1230,- Harpener Bergbau . 1880,- 19JO,- 1866,- lt>92,- Oberschl. Eisenb.-B. 1180,- 1150,- 1165,501183,- Oberschief. Eifenind. 946, 975 - 9-8, - 940,- Phönix-Bergb.-Akt. 1285, 1305,- 1255,- 1305,- Bad.Anilin-u.Soda 785,- 7t8,- 7GO,- 799,75 Höchster Farbwerke. 729,- 7 45, - 727,- 750*- Allg. Elektr.-Ges. . . 830,- 881,- 835,- 890,- Felten L Guilleaume 1060, - 1075,- 1050, - 1078,« Schuckert-Werke. . . 775,- 800,- 780,- 796,

Adler werke 575,- 535,- 578,- 600,-

Daimler 558,- 568,- 553,- 567,-

4° Hess. Staatsanl. 75, - 77,25 74,75 74,25 Electron Griesheim S34,- 945, - 940,- 950,- Dtfche. Dereinsbank 244,-

Berliner Devisenmarkt.

Geld Bries Gelb Dri^

Datum: 25. Marz. 27. Marz?

Amiw.- Rotterd. 12187,80 12212,20 12 62.20 12787,80 Brüssel-Antw. . 2 0 ,25 2713 75 2 8 37,15 2842,85 Christiania . . . 5779,20 579».80 6018 95 6üol 05 Kopenhagen . . 6823 15 6816 35 716/ö0 7182,20 Stockholm. ... 841(,55 8133 45 88 1 15 884ö,86 Helsingfors. . . 669,30 670,70 695 25 696,70 Italien 16 8, 0 1661,70 172., 75 1724,25 London 141i,C5 1413,95 1 1ö3,o0 1486,50 Reuyork 321,17 321,83 338,16 338,64

Paris......2917, 5 2922,-5 30.6, 5 3048,35

Schweiz 6283,7' 6296^33 6568,4) 6581, 0

Spanien 5024,95 5030,05 5254,70 5285,30

Deutsch-Oesterr. 4,28 4,32 4,48 4^2

Prag...... 569,10 570,60 615,35 606^65

Budapest .... 36,36 36,44 37,46 37,5k

Buenos Aires . 117,35 117,65 122,60 122,90

Bulgarien . - ,

Züricher Devisenmarkt.

27. 3. 28. 3.

Wechsel auf Schweizer Franken

Holland 100 Fl. = 194.50 194.25

Deutschland 100 Mk. --- L58 1.54

Wien 100 Kr. 0.U7 0.0 G

Prag 100 Kr. ----- 9.15 9.25

Paris 100 Fr. = 46.45 46.15

London 1 £ = 22.39 22.46

Italien 100 2. = 26.30 26-05

Brüssel 100 Fr. 43.45 43.10

Budapest 100 Kr. 0.59 0.57

Reuyork 100 $ = 514.25 516.-

Agram 100 Kr. ---- 1.60 1.56

Warschau 100 Är. = 0,135 0,13

Marknotienmgea.

Für 100 deutsche Mark wurden gezahlt:

Datum: 1.7.14. 25.3. 27.8

Zürich Fr. 125.40 1,58 1,52

Amsterdam Fl. 59.20 0,82 0,76

Kopenhagen Kr. 88.80 1,50 1 42

Prag Kr. 117.80 16,62

Stockholm Kr. 88.80 -,- 1,16

Wien . . Kr. 117.80 -,-

London Eh. 97.80 7 07 7,04

Paris Fr. 125.40 3 50 3,28

Reuyork $ 23.80 -.31,39

(3n einem Teil der Auflaae wiederholt)

Don der Londoner Sachverständigenkonferenz.

London, 27. März. (WTB) Laut -Daily Telegraph" bildete auf der Sitzung der S a ch verständigenkonferenzam Samstag vor­mittag das wichtige Memorandum Str Basil Dlackettes über die allmählich: Wiederherstellung des Gold st an« dards die Haaptgrundlage der (Srörterungen. In der Damsragnachmittagssi')ung unterbreitete ein ülnterausschuß von Zu misten den Entwirf eines Berichts über die Frage der r u f f 11 d) en Schulden. Das hervorragendste Merkmal Dieses Berichts sei der Vorschlag, daß eine Kommstsion für die russischen Schulden gefchasfett werden folU Gestern morgen erhielten lautDaily Chro- nicke" der allgemeine Bericht und die Vorschläge des Ausschusses, insbesondere über Rußland, ihrr endgültige Gestalt. Heute wird sich der 2lus> schuß mit der Frage der ©tabilifierung der Währungen und der internationalen Korporation für den Wiederau,bau Europas de fassen.

Frankreichs Vertretung in ©erntet

Paris, 27. März. (WTB.) Das3out» nal" berichtet, Finanzmtnister de Lasteyri^ habe gestern abend dem Mi i 'e Präsidenten Poincare erklärt, das die Vordereitangen für das nächstjährige Budget ihm nicht gestatteten; die ftanzöfische Delegation für G e n u a zu führen. Das Blatt fügt hinzu, wenn Barthou auf feiner ablehnenden Absicht bestehe, werde matr sich tW großer Verlegenheit befinden, eine Person« lichkeit ausfindig zu machen, die mit den Re« gierungschefs fast aller Länder Europas aus gld' Ochern Fuße verhandeln könne.