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Nr. 24

Zweites Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen) 8mnstag. 28. Januar 1922

Toffeln und

(Nachdruck verboten.)

15. Fortsetzung.

Die Blüchernichten.

Roman von HannsvvnZobeltitz.

Rüben und Rüben und Toffeln. Bei dem Herrn Feldmarschall auf den Gütern gibt'« gewiß noch Fettlebe, denk' ich. Man gönnt'« ihnen Tie gnädige Frau sind ja manches Mal sauertöplllch Aber die gnädigen Fräulein haben immer freund' licke Worte und liebes Lächeln auch für unser­

eins."

Wie lang denn wohl die Herrschaften fort­bleiben würden?

^Tie Leute reden, die Demoisellen wären auf der Freite" Der Weister zieht die Ach el hoch und zieht dem Kunden die alten Stiefeletten wieder an. .Weiter weiß ich nichts, Herr Ti- contte. Aber die neuen Stiefel will ich schnell­stens liefern. Wohin daN ich sie schicken 7"

Mit leisem Erröten hat der Dicomte ein kleines billiges Dorstadtgastbaus genannt, draußen nach Schöneberg zu. wo sich die Füchse gute Rächt sagen.

.Oh." macht der Alte bedauernd. .Run, ich schick' sie recht bald. Lind wegen der Strümpfe und was der Herr sonstens brauchen, so empfehle ich den gnädigen Herrn an meinen Echvxrger Tutcuque, nicht weit von hier, in der Drake» gasse 3|r ein solider Mann . . .

Run war der Dicomte Montauban wieder draußen im blendenden TageSiicht. Er sah auf die alten Stiefel Herab. Sie waren wirtlich in einer jamm eiwollen Derfassu ig. Wahrhaftig, der Weg von der Wolga diS Bersin war toat ge­wesen und schwer. Staat war mit den Dingen nicht mehr zu machen.

Aber das schadet nicht«. Es gab letzt neue. Tanl Monsieur Lacroix.

(Fvryeyung folgt)

Geschäftliche».

Die Begleiterscheinungen oer Grippe sind außerordentlich vielfältig. Zur Stärkung der Köcperkcäfte und zur Lieberwindung de'' Reben- und Rachkrankheiten ist dec elekrcv- galvanische Schwachstrom des Wohlrnuth-Appa- rales Marke .Gewecv" ein bewährtes Mittel.

Tas Auge schweifte wieder über die Häuser­reihe auf der andern Seite, blieb auf einem Lärchen haften. Lieber der Tür stand auf seinem Schilde nichts alS .Charles Lacroix" in goldenen Buchstaben. ,

SyA der Fremde einen Pfiff getan, fröhlich fast, und schnell die Straße überquert, die Laden- tür ausgestoßen, Daß die Schelle laut anschlug. Bonjour, eher compatriote! hat er 8*sagt

Dämmerig war es im Lärchen trotz des Hellen Tageslichts draußen. Aus der Dämmerung aber leuchtete die Schusterkugel, und vor ihr saß in Hemdsärmeln und blauer Schürze ein alter Mann, hämmerte unbarmherzig auf einer Stieselsohle und grölte, ohne sich umzuwenden, nach rückwärts. .Hat sich was mit den Compatriotenl Ich vm ein Preuße, will ein Preutze sein, Gey er zum Teufel I

.Aber, Monsieur Lacroix

Ach was! Erst hat man willig die Bor-e gezogen Liber jetzt kommen sie zu Dutzende^, zu Hunderten und betteln. Wo soll das hm f Er tat ein paar besonders kräftige Schläge. .LInS Emigranten hat die Droste Armee auch nicht geschont, als sie nach Rustland zog. Ru sollen wir helfen ... 3« - - - und haben selber schwere Rot, uns durchsuschlagen. Geh Ec nur gch Erl Das Hemd ist einem naher als der Rock!

Aber, Monsieur Lacroix, kennen Sie mich denn" nicht' mehr7 Hoben mir doch manch Paar eleganter Stiefeletten gefertigt"

Aus Stadt und Land.

G i e st e n, den 23. Han. 1922.

Wo wohnt Frau Holle?

Aus Cassel wird unS geschrieben:

Es gibt in diesem Winter bei aller Launen­haftigkeit wenigstens Schnee und allen Winter­sportlern schlägt das Herz höher. Wenn nun die weihen Flocken durch die Lüfte segeln, dann jauch' I zen die Kinder: .Frau Holle schüttelt die Betten!" Frau Holle . . .7 Uralter Zauber wird bei die­sem Ramen lebendig. Wir denken an den alten Kinder verS:

denn noch bitten.

»Verächtlich? O nein. Herr Vicomte. Mag ja gewih ein groher Mann sein. Uns hat er nur Unglück gebracht. Die langen Kriege und jetzt nach dem Frieden, die Teuerung, die Teuerung! Es ist schwer, sehr schwer ist es. Aber wenn ich dem Herrn Dicomte vielleicht mit einem kleinen Darlehen dienen dürfte, so mit hundert Talerchens Kurant etwa, steh ich doch gern zu Diensten. Wird mir sogar eine besondere Ehre sein. Der Herr Dicomte sind mir sicher wie Gold

Er schwatzte, der Alte, und milchte nach Emi­grantenart das halb vergessene Französisch mit deutschen Sätzen und Brocken. Ee schwatzte wie eine Elster, während er Mast nahm, und mit Mühe brachte dec Dicomte das einseitige Gespräch endlich aus den Gegenstand, der ihn eigentlich in das Lädckxen geführt hatte obwohl auch die neuen Stiefeletten bitter rot taten

3a . . . Madame de Giese! Und hübsche Töchter, schöne Mädchen, eine immer hübscher als die andere! Das findet, sagt man, auch der Herr Feldmarschall, Du-chlaucht Blücher"

»Laht den aus dem Spiel!"

»Wie der Herr Dicomte befehlen. Obwohl es nicht so recht geht Rämlich, nachdem die Aelteste, Demviselle Luise, nach Wien zum Kon- grest gereift, sind der Fürst von Wahlstatt eineS schönen TageS vorgefah en gekommen, mit einer groben Karosse, und haben die gnädige Frau und die übrigen Töchter mit sich aufs Land ge­nommen. Mag die Herrschaften bast erfreu: habem Denn da oben ist. mit Permission zu sagen, meist

Hetzt ist der Alte hochgefahren, hat sich um­gedreht, steht starr:Mon dieu. der Herr Dicomte! Wo kommen der Herr denn her?"

»Sie sagten eS ja selbst, mein Lieber. AaS Rustland. Genauer von der Wolga. Ist ein ziemlich weiter Weg, und auf ihm reiben die Sohlen mächtig."

Eifrig hat der Meister einen Stuhl heran« geschoben.

Belieben der Herr Dicomte nur Platz zu nehmen. Das wollen wir gleich besorgen. Danz hohe Stiefeletten sind neueste Mode zu dienen. Er hat schon das Meßband zur Hand.

Aber die Dicomte Montauban legt ihm die Rechte auf die Schulter. »Bedenken Sie, mein Lieber, ich hab' fast gar kein Geld. Ich hab ge­hofft, hier au* der Post Wechsel t»n meinem Intendanten vorzufinden. Es ist nichts ange* kommen, nichtSI"

»Herr Dicomte dürfen mich nicht verletzen Unbeschränkten Kredtt haben der Herr Dicomte bei mir. Solch alter Kunde. 3ft mir eine be­sondere Ehre."

Und er kniete nieder, knöpfte die verschlisse­nen Schube auf, betrachtete schier andächttg und kopfschüttelnd die Dohlen und die schiefgetretenen Absätze, sieht verächtlich aus die zerschlissenen Strümpfe, aus denen die Zehen hervorgucken. Man sieht's, Herr Dicomte. ein weiter, schwerer Ja . . . warum mutzte der Rapoleon auch nach Moskau marschieren ? Ha . . . und dann ist ihm hier unser Marschall Dorwärts, dec alte Blücher auch mein Kunde aufs Dach ge­diegen . .

Abg. Plettner (Klomm.) eingegangen.

Abg. Hergt (Tntl): Wir betrachten durch die von mir verlesene Erklärung die Frage des Deittrauens- oder Misttrauensvotums für end­gültig erledigt. Den von kommunistischer Seite gestellten Antrag lehnen wir ab.

Das Misstrauensvotum wird gegen die Stim­men der beiden kommunistischen Parteien ab- gelehnt, wobei sich die Unabhängigen dec Stimme enthalten und die Deutschnatwnalen den Saal verlassen.

Morgen, SamStag mittag 12 Uhr: Fortsetzung der Beratung über die Wagenmangel-Interpella- tion und kleinere Dorlagen.

Schluß nach 8 Uhr.

. 1

Berlin, 27. Han. (WTB.) Dr. Peter­sen (Deutsch-Dern.) und Genossen haben im Reichstag folgenden Antrag eingebracht: 1. die Reichsregierung zu ersuchen, dem Reichstag alSbald den Entwurf eines Gesetzes voi^ulegen, nach welchem allein der 11. August zum Rationalfeiertag des deutschenDob kes erklärt wird, 2. wird festgestellt, daß der gesetzliche Schuh des Artikels 139 der Reichs­verfassung allen Feiertagen zu werden hat. die zur Zeit des Erlasses der Reichsvcrsassung als staatlich anerkannte Feiertage zu gelten hatten.

Steuern, vor allem aber die Zwangsanleihe, be­deuten eine schwere Last für die brutsche Wirt­schaft. Wir haben in den seitherigen Verhand­lungen mit aller Klarheit und Schärfe erklärt, daß wir diesem ganzen Kompromiß nur zustimmen können, wenn wir die Gewähr dafür haben, bah die Ertragnisse der zu beschließenden Mastnahmen sorgfältig verwaltet und eine Sanierung der Wirt­schaft im Reiche erfolgen werde. Wir haben des­halb unfe.e Zustimmung an die Bedingung ge­knüpft. daß uns persönliche und sachliche Gewähr für die richtige Verwendung der Reichseinnahmen gegeben wird. Ich darf annehmen. dah sich die Reichsregierung ihrer vollen Derantwortung be- wubt ist, wenn wir uns en schlossen haben, dieses letzte Opfer denn ein letztes muh es sein nicht abzulehnen, so haben wir uns davon leiten lassen, daß wir unS eine Dolkspartei nennen. (Beifall.)

Deutscher Neichstaq.

161. Sitzung, nachmitiags 1 Uhr.

Berlin, 27. Januar 1922.

Präsident Löbe widmet der verstorbenen Abgeordneten Frau Zieh (UEP.) einen warm empfundenen Rach ruf, den die Antvesenden stehend anhören.

Sodann wird die

Aussprache über die Regierungserklärung fortgesetzt.

Abg. Müller- Franken (®.) polemisiert gegen den Gra en Westarp, dessen Derhalten zu den anerkennenden Worten des Reichslanzlers über die Tätigkeit des Papstes und über seine Bezugnahme auf das Wort .. Friede auf Erden" beweise, dah ihm wahres Christentum fernliege. Sonst hätte er wohl schon über die Kriegspolitik seiner Freunde endlich nachgedacht, durch die Mil- lionen von Arbeitern Geben und Gesundheit ein- aebüht haben. Unsere Politik seit Mai vorigen Jahres war ein Erfolg, der, wenn auch nicht überschätzt, so doch auch nicht unterschätzt werden kann. Es ist eine bessere Atmosphäre für Europa geschaffen worden, namentlich durch die Tätigkett Rathenaus. Daraus ändert auch dos Gekeife des deutschna i: na.en RadauantisemitiSmus nichts. Auf den 9. Rovember wird lein 18. Oanuar folgern, höchstens ein neuer 9. Rovember. Die Dectreter dec breiten Massen haben das grösste Interesse daran, die Regelung unseres inneren Haushalts zu fordern, denn niemand hat mehr Schaden durch die Geldentwertung als die breiten Massen. Die Veranlagung für 1920/21 muh selbst­los ducchgeführt, die Umsatzsteuer gründlich ersaht und die Derkehcsanstalten in Ordnung gebracht werden, bamit das Defizit verschwindet. Die Be­sitzenden können und müssen Opfer bringen. Dazu ist die statistische Erfassung der Auslandguthaven nötig. Auch die .Landwirtschaft kann Zwangs- anleihen zahlen. Hätte der Reichskanzler den Reichstag aufgelöst hätten Ardei er, Angestellte und Beamte einen anderen Reichstag gewählt, der ein gerechteres Kornprornih gemacht hätte. Aber wir haben erreicht, was in diesem Reichs­tag zu erreichen war. Frankreich versteht es, England zu suggerieren, dah Frankreich dauernd mit einem Angriff Deutschlands zu rechnen hat. Deshalb muh jedes Gerede über Revanche und 3rrebenta vermieden werden. Rachdem der Red­ner noch die Frage der Kriegsverbrechen ge­streift und betont hat, dah bei einem Gerichts­verfahren jetzt nach 7 Jahren nicht Justiz, son­dern Rache die Urteile diktieren würde, fordert er von der Konferenz in Genua die allseitige

noch mehr Sommerfrischler und Wanderer an­ziehen werde als bisher. Beigeordneter Kübel übernahm das elektrische StationShaus. Dann be­wegte sich der stattliche Festzug, in dem auch der Krieger- und Gesangverein marschierten, zur Feier in den »Hessischen Hof". Deiaevcdneter Kübel begrüßte die Gäste namens der Stadt und der Rachbarorte. Prvvinzialdireakwr Dr. U s i n g e r kam auf die hohe Bedeutung zu spre­chen. welche die Elektrizität für den DogelSberg hat, und schilderte Plan und Ausführung der Lichtversorgung OberhessenS, die vor 11 Zähren in Angriff genommen, aber durch den Ärieg verzögert wurde. Dem DogelSberg galt sein Hoch Kreisrat von Werner hofft, dah innerhalb eines Jahres auch das letzte Dorf deS DogelS- becges seine elektrische Beleuchtung und Kraft haben werde.

Starkenburg und Rheinhessen.

S.z. Aus demrheinhefsischenWein- baugebiet, 26. Han. 3m Wein ges chäf t, das in letzter Zeit etwas ruhiger war, seht jetzt wieder eine starke-Rachsrage, besonders nach 1921er ein. Der neue Wein ist zum größten Teil durchgegohren und die ersten Abstiche fanden zumeist schon statt. Für kleinere Mengen guter Lagen, wie Oppenheimer und Riersteiner wurden pco Stück 60 000 bis 85 C00 OKI. bezahlt. In weniger bevorzugten rheinhcssischen Orten wurde für 1921er bezahlt in Bodenheim 38 000 bis 42 000, Mommenheim 35 000 bis 38 000, Sprend­lingen 23 000 bis 26 000, ÖL Johann 24 000, Gensingen 30 000, Biebelsheim 27 000 Dolxheim 23 500, Wörrstadt 25 500, Spiesheim 25 500, Sulzheim 25 000. Sehr gesucht sind auch zur Zeit die Rotweine, die 18000 biS 20 000 Mk. das Stück erzielen.

Hessen-Nassau.

Kassel, 26. Ian. Hier hat sich ein Kon- sortium gebildet, das bezweckt, auf dem Platze der ehemaligen Garde-du-Korps-Kaerne einen Wol­kenkratzer zu errichten. Es soll, um der Woh­nungsnot zu steuern, ein Turmbau entstehen, der die Bureaus aufzunehmen haL Die Baukosten sind mit 50 Millionen Mark veranschlagt Mehrere Großindustrielle haben bereits ihr Interesse fest­gelegt. Die Stadt Kassel, der BezirkSverband für den Regierungsbezirk Kassel und verschiedene Korporationen des Handels und des Handwerks bewilligten Beiträge zu den Entwürfen. Tater des Gedankens ist der bekannte Wohnungsprak­tiker Professor Sautter von hier. Das Unterneh­men ist, wie verlautet, gesichert.

- Die ehemaligen Offiziere des Beurlaubten st andes (auch die ehem. aktiven mit weniger als 10jähriger Dienst­zeit), denen nach Of.--Pens.-Ges. 06 eine Pen­sion nicht bewilligt wurde, weil sie noch gar­nisondienstfähig waren, müssen bis 31. März 1922 erneut Antrag nach ReichS-Vers.-Gef. 20 auf Versorgung stellen, wenn sie glauben, dah ihre Erwerbsfähigkeit auf Grund einer Dienst- oder Kriegs dienstbeschädigung um mehr als 15 Prozent herabgemindert ist. Rur bei rechtzeitigem Anträge kann die Rente von dem frühest zulässigen Zeitpunkte, 1. April 1920 ab, bewilligt werden. Später können An­träge nur vorgelegt werden, wenn sich das auf D. B. beruhende Leiden erst nachträglich bemerkbar gemacht oder verschlimmert hat, oder andere gesetzlich zulässige Gründe für den verspätet eingereichten Antrag geltend gemacht werden. Auch in Fällen, in denen eine Rente nicht zuerkannt wird, weil die Erwerbsminderung unter 15 Prvz. ist, ist eS von Bedeutung, dah die Dienstbeschädigung von der Versorgungsbehörde anerkannt wird. Die Anerkennung der D.B. bildet nicht nur die Grundlage für eine etwaige Rente auch bei späterer Verschlimmerung des Lei­dens sondern auch für freie Heilbehand­lung. Besonders erscheint eine rechtzeitige Prüfung der bei der Umanerkennung erteilten Bescheide nötig. Berufungsfrist: 1 Monat nach Zustellung.

** Der Fabrikneubau der Firma Georg Philipp Gail A.-G. (Rauch-, Kautabak- und Zigarrenfabriken) dahier, der im Januar 1920 in Angriff genommen wurde, ist soweit fertiggestellt, dah mit der Ver­legung deS Betriebes in fein neues Heim in diesen Tagen begonnen werden konnte. Die mit einer einfachen, auf den Kreis der Mitarbeiter und der Familienangehörigen be­schränkten Feier verbundene Schluhsteinlegung wird heute nachmittag 3 Uhr stattfinden.

Der Uhrmacherverein Gießen und Umgegend feierte am vergangenen

Abg. Dr. Petersen (Dem.): Wir sind be­reit, die Regierung au schützen. Wenn Graf Westarp die Politik Der Regierung als unzu­treffend hinstellt, so ist bi» bedauerlich, aber auch unwahr. Die Crllärung über die Zahlungsunfähig­keit Deutschlands muhte im richtigen Moment ab­gegeben werden. Das hat Dr. Rathenau in Lon- iton getan und die Kreditablehnung durch die Dank von England war der beste Beweis für die Un­möglichkeit der Ententeovlitik. Wir begrüßen den Zusammenschluß der Parteien als einen großen Fortschritt des Parteiwesens und als Stärkung des Derantwortlichkeitsgefühls für Volk und Vaterland. Der jetzt schon stark belastete Besitz wird auch diese Belastung vertragen. Der Redner schließt mit einer Warnung vor dem Streik der Beamten, Kvalitionsrecht sei nicht identisch mit Vertragsbruch. Die Demokraten wollten nicht d.e Diktatur des Proletariats, sondern des ganzen Volkes. (Beifall.)

Abg. Leicht (Bahr. Dpt): Die französische Politik muhte bedenken dah es sich hier um wirt- chastliche Fragen handelt, nicht um Fragen des politischen Prestige. Sic würde viel weiter kom­men, wenn Frankreich nicht so von Haß und Furcht gegenüber Deutschland erfüllt wäre. Da bei der Anleihe das mobile Kapital nicht so leicht faßbar ist wie das immobile, mühten Mahnahmen ge­troffen werden, die ins Ausland gebrachten oder dort versteckten Kapitalien zu erfassen.

Abg. Dr. Levy (Komm Arbeitsgemeinschaft) bedauert, dah die Regierung den Fehler gemacht habe, nicht rechtzettig mit Rußland zusamrnen- zugehen.

Abg. Köhnen (Komm.) wendet sich gegen die Geheimdiplomatie, die nun auch von der So­zialdemokratie befolgt werde. Die Regierung stehe vor der entscheidenden Wendung nach rechts. Dem­gegenüber müsse seine Partei ihr den schärfsten Kamps ansagen.

Abg. Hergt (Dtschntl.) gibt eine Erklärung ab, in der es heißt: Die Regierung habe sich nun endlich unter Dem Druck Der Valuta und des Auslandes zur Erkenntnis der Llnerfüllbarkeit dec Verpflichtungen Durchgerungen, die von den Deutschnationalen von Qlnfana an vertreten wor­den sei. Auch jetzt versuche sie, das Unmögliche möglich zu machen. Die ®eutfd) nationalen seien zu Opfern bereit, setzen aber in der geplanten Form der Zwangsanleide die Gefahr einer Ece- kution am eigenen Volke. Wir mißbilligen Die politische Aktion der Regierung, die von Der Mehrheit gestützt wird, und lehnen jede Verant­wortung ab.

Inzwischen ist etn Mißtrauensantrag DeS

Sonntag im GasthofHindenburg- fein 30. Stiftungsfest. RachmittagS 3 Uhr fand die Januar-Hauptversammlung statt, an der etwa 100 Personen aus Oberhessen. Kurhesscn, Waldeck und dem Lahn-Dill-Bezirk teilnah- men. Rach Erledigung der Tagesordnung folgte Dann um 7,8 Uhr die offizielle Feier, beginnend mit einem gemeinsamen Abend­essen, an das sich eine Abendunterhalkuna anschloß, wobei die Vereine aus näherer und weiterer Umgebung ihre Glückwünsche über­brachten. Die Festrede wurde vom Ehren­vorsitzenden Otto Schmidt, Gießen, ge­halten. Die Mitglieder Gg. SpieS aus Gießen und Karl Mehring aus Schotten, die als Mitbegründer dem Verein ununter­brochen angehörten, wurden äu Ehrenmitglie­dern ernannt; der Ehrenvorsitzende, der den Verein in mustergültiger Weise seit seinem Bestehen leitete, wurde durch Ueberreichung eines Pokals geehrt. Der Abend wurde wei­terhin durch Musikstücke sowie durch humo­ristische und gesangliche Darbietungen der Söhne des DereinSmitglieder ausgefüllt.

Kreis Lauterbach.

A Herbstein, 25. Ian. Ein Abschluß» fest für Die Stromversorgung des öst­lichen DvgelSbergS fand hier statt, zu dem sich auch Provinzialdirektoc Dr. U s i n g e r und Direktor v. Stadler von der Lleberland- zentrale Wölfersheim cingefunden hatten. Auch die Vertreter deS Kreises Lauterbach und Der auS- fühcenden Firma Rhein-Elektra nahmen an Der Feier teil. Direktor v. Stadler begrüßte die Vollendung DeS Werkes alS einen neuen Zeit­abschnitt f ür Den VogelSberg, Der jetzt

Ausschreibung von Reuwahlen in Frankreich, England unD Deutschland, Damit sich Die Völler über ihre Haltung zum Frieden äußern können.

Abg. Marx (Ztr): Wir stehen geschlossen hinter dem Programm des Reichskanzlers. Tie Vllkskreise mehren sich, die einse'-en, Dah Die konsequent durchgeführte Politik Wirths zur Zeit Die einzig mögliche ist, wenn Das Wohl von Voll und Vaterland gewährleistet werden soll. Aus der Rede des Grafen Westarp geht hervor, daß Die Teutschnationalen einsehen, daß die negative Politik nicht national und richtig ist. Auch weite Kreise Der Landwirtschaft sind bereit, Opfer auf sich zu nehmen. Alle Bedenken muffen zurück- treten vor dec Rot des Vaterlandes. Tas Wort Westarps, das Steuerkompromiß sei ein Skandal, wird nicht verstanden werden. Wenn er von einem selbstmörderischen Vorgehen der Kornprv- mihbarteien sprach, so weile ich Daß mit Ent­rüstung zurück. Wir hoffen von Der Politik Wirths, daß wir in absehbarer Zell wieder zum Aufstieg kommen. (Beifall.)

Ak^. Tr. Breit scheid (L1SP.) weist Du seiner Partei gemachten Vorwürfe, im Solde Frankreichs zu stehen, mit Entrüstung z »rück Wäre Gras Westarp unser Zugführer inD Heis­se cich sein Heizer, so toürDen wir nicht an Die südlichen Gestade von Genua gelangen. Dir □Re­gierung darf nach Genua nicht nur Vertreter des Kapitalismus entsenden, sondern auch ter Ar­beiterschaft. Wir verkennen nicht, daß unter Poin- carö die Gefahr gestiegen ist. Den dauernden Frie­den hintanzuhalten. Aber Poincare ist nicht Frankreich. Mit Der auswärtigen Polllik Der Re­gierung sinD wir einverstanden, nicht aber mit Der Finanzpolitik. Wir treiben stets eine Po­litik Der letzten Minute. Daher tragen Die Kom­promisse immer den Stempel des Dilettantismus an sich. Wir lehnen das Steuerkompromiß ab, Da es finanzielle Erfüllung Der Reparationen nicht gewährleistet. Es bringt keine Sanierung Der Reichsfinanzen unD hat nicht den Stillstand der Rvtenpresfe im Gefolge.

Abg Dr. Beck er-Hessen (D. Dpt.): In unserer Mitarbeit ist keine Wandlung unserer An­schauung Dem Kabinett Wir'.d gegenüber zu sehen. Das Steuerkompromiß ist lediglich ein Vergleich. Die Zwangsanleche ist schon früher von uns als das kleinere Liebel empfohlen worden. Die neuen

Ringel, ringel, reihe. Wir sind der Kinder Dreie. Tanzen um den Holler busch. Machen alle husch. husch, husch.

Frau Holle, die Holde, die Gate, liebte die Kinder. Sie war wie die ihr identische Hertha oder Freya die Göttin der Hausarbeit. Besonders bekannt ge­worden ist sie aber erneut durch das Märchen Goldmarie und Pechmarie" Der Brüder Grimm, und die Quelle aus der die beiden Sprachforscher und Märchensammler schöpften, läßt auch die Heimat der Frau Holle erkennen.

Die Grimmschen Märchen entstammen sämt­lich dem Hessenlande um Kastel herum. Die meisten wußte noch eine Frau Viehmann von Fuhrleuten, die in der elterlichen Wirtschaft Knallhütte" an der großen Heerstraße von Thü­ringen über Cassel nach Frankfurt einkehcten. In dem Märchen von der Frau Holle aber sind Die letzten Erinnerungen an die Gottheit erhalten, die unsere Vorfahren auf dem höchsten hessischen Berge, dem Meißner zwischen Eschwege und Cassel verehrten. Auf diesem gewaltigen Hoch­plateau gibt es noch einen Hollenteich und unweit davon eine Hollenhöhle, die ehedem Kultstätte war. Hier wie Dort brachte man Der Frau Holle Blumen und Früchte zum Opfer dar.

Reuerdings ist Der Meißner als Wintersport­gebiet in Aufnahme gekommen und alle Anzeichen sprechen Dafür, dah er über kurz oder lang mit den berühmtesten Wintersportplätzen in schürfen Wettbewerb treten wird. Seine landschaftliche Schönheit die Ruhe der ZugendburgLudwig- stein" und seine Beschaffenheit selbst sprechen für ihn. Hinzu tritt nun noch Der Rimvus, daß dieser König der hessischen Berge ', Der früher Wifsener (Der Weihe) hieß, die Heimat Der Wintergöttin ist, Der guten bettenschüttelnben Frau Holle!

»Sprechen Die nicht so verächtlich von meinem Knapphans Küchenchef ^grtoefen. Emp'rieur, Monsieur Lacroix! Darum muß ich