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Nr. 227

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172. Jahrgang

Mittwoch, 27. September 1922

GietzeimAnzeiger

General-Anzeiger für Gberhessen

vrvS mrö Verlag: Vrühl'sche Univ.-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange. Schristleitung, Geschäftsstelle und vruSerei: Schulstrahe 7.

Annahme von Anzeige-, für die Tagesnummer b... zum Nachmittag oorhec ohne jede Verbindlich!:-!-. Preis für 1 mm lföhe für Anzeigen v. 27 mm Breite örtlich 300 Pf., auswärts 400 Pf.; für Reklame- Anzeigen von 70 mm Breite 1200Pf. Bei Platz­vorschrift 20 °/0 Aufschlag. Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für den Anzeigentetl: Hans Beck, sämtlich in Bietzen.

Aus den Erinnerungen Kaiser Wilhelms 11

Fürst machte taube Ohren und gebrauchte sein be­liebtes Motto:Wenn die Engländer bei uns landen sollten, würde ich sie arretieren lassen"; die Kolonien würden zu Haus verteidigt. Der Fürst legte keinen Wert darauf, dah schon die blohc Annahme, die Engländer könnten inDeutsch-

lichen Gefühle Englands vergessen werden. Tc- deutsame Mahnahmen gäben England das Recht, die Welt zu ähnlichen Mahnahmen aufzufordern

Ein interessantes Dementi.

Berlin. 26. Sept. (QBolff.) Zu den Pressemeldungen über Verhandlungen betref­fend eine russisch-chinesisch-deutsche A l l i a n z, die angeblich zwischen einem Ab­gesandten der früheren südchinesischen Regie­rung und dem ehemaligen deutschen Gesandten in Chino, "v. Hintze, gepflogen worden sein sollen, wird amtlich mitgeteilt, daß der deut-

Kaiser Wilhelms II. Erinnerungen werden selbstverständlich die Kritik nur zu häufig zu Einwendungen herauSfor- dern, aber sie sind literarisch zweifellos so bedeutungsvoll und interessant, daß ihr Inhalt dem deutschen Volk bekannt

dacht hat.

Das Auswärtige Amt war äußerlich diszipli­narisch durch Graf Herbert, dessen Grobheit gegen seine Beamten mir auffiel, sehr scharf auf­gezogen. Die Herren flogen, wenn sie gerufen oder entlassen wurden, vor denn Grafen so, dah, wie man damals scherzhaft sagte,ihnen die Rockschöße wagerecht vom Körper standen". Die

Die ReparaLLonskommMon.

Paris, 26. Sept. (WTB.) Die Repara­tionskommission nahm nach einer Havas- meldung in ihrer heutigen Sitzung die Erklärung des belgischen Delegierten zur Kenntnis, worin dieser offiziell mitteilt, dah seine Regierung sich mit der deutichen Regierung über die Garantie. hinsichtlich der Schatzscheine geeinigt habe. Danach beschloß die Kommission 1. einen Brief kn die Kriegslastenkommission zu senden, worin der Emp­fang der Schahscheine bestätigt wird, 2. die Schatze scheine der belgischen Regierung zuzustellen und 3. die nominellen Beträge der Schahschrine für fccn 15. August und 15. Dezember Belgien zu Lasten Und Deutschland gutzuschreiben. Der belgische Dele­gierte teilte der deutschen Regierung mit, l seine Regierung sich die Zählung der Zinsen für sechs Monate bei jeder Fälligkeit der Schahschein: gesichert 'habe.

zu werden verdient. Der Gießener Anzeiger, der aller wichtigen Pflichten der Berichterstattung sich an- nimmt, hat daher durch einen Vertrag mit dem Verlag Koehler in Leipzig das Recht erworben, umfangreiche Ab­drucke aus dem Kaiserbuche fortlau­fend vorzunehmen. Wir beginnen heute mit dem Anfangsabschnitt und bemer­ken dazu, daß es sich um den unverän­derten Wortlaut der Schrift des Kaisers

land ungehindert landen' Helgoland war englisch, für Deutschland unerträglich war, und daß wir, um eine Landung von vornherein auszu- schließen, eine genügend starke Flotte und Helgo­land brauchten.

(Fortsetzung folgt)

Winnen wollte.

Ich persönlich habe die Genugtuung, dah Bismarck mir 1886 die recht delikate Mission nach Brest anverlraute und von mir gesagt hat:Der wird einmal sein eigener Kanzler sein." Der

oder ausgelöscht werden. *

In der ersten Hälfte der 80er Zähre war ich auf Antrag des Fürsten Bismarck in das Aus­wärtige Amt kommandiert worden, das pom Grafen Herbert Bismarck geleitet wurde. Der Fürst gab mir bei meiner Meldung bei ihm eine kurze Skizze der Persönlichkeiten im Amt. Als er dabei Herrn v. Holstein nannte, der damals einer der hervorragendsten Qllitar beiter des Fürsten war, klang es mir durch die Worte des Fürsten wie eine Warnung vor diesem Manne.

Ich erhielt ein eigenes Zimmer und zum Studium die ganzen Akten über die Vorgeschichte, die Entstehung und den Abschluh des Bündnisses mit Oesterreich (Andrassy). Ich verkehrte viel im Hause des Fürsten und beji dem Grafen Herbert. Als ich in dem Bismarckschen Kreise ver­trauter geworden war, wurde über Herrn von Holstein offener gesprochen. Gr sei sehr gescheut, eine gute Arbeitskraft, maßlos eitel, ein Sonder­ling, der sich niemals irgendwo zeige und keinerlei gesellschaftlichen Verkehr habe, voller Mißtrauen und sehr von Schrullen beherrscht, dabei cm guter Hasser, also gefährlich. Der Fürst nannte ihn denMann mit den Hyänenaugen", von bem mich fernzuhalten ich gut tun wurde. Offenbar reifte schon damals die herbe Kritik, mit der der Fürst später seinen früheren Mitarbeiter be-

,»Ereignisse und Gestatten" aus den Jahren 18781918.

Fürst muh also etwas von mir gehalten haben. Ich bin ihm wegen des dritten Bandes feiner Erinnerungen nicht gram: ich habe diesen frei- gegeben, nachdem ich mein Recht gesucht und gefunden hatte. Die weitere Zurückhaltung des Bandes hatte keinen Zweck, weil der Hauptinhaft I durch Indiskretionen schon bekannt geworden war. Sonst hätte man über die Zweckmäßigkeit der Erscheinungszeit wohl verschiedener Meinung sein können. Bismarck würde sich im Grabe um-, drehen, wenn er wissen könnte, zu welchem Zeit­punkte der dritte Band herausgekommen ist und welche Wirkung er ausgelöst hat. Ich würde es aufrichtig bedauern, wenn der dritte Band dem Andenken des großen Kanzlers geschadet haben sollte, beim Bismarck ist eine der Heroengestalten, die das deutsche Volk zu seiner Aufrichtung braucht. Meine Dankbarkeit und Verehrung für den grohen Kanzler farm weder durch den dritten Band noch durch irgend etwas anderes angefochten

mann-Hollweg mit seinen Worten vom Fetzen Papier" und auch Riehsche vertreten hätten. Es mühten daher auch die Be- griffe vernichtet werden, die die In­vasion herbeigeführt hätten; aber es genüge nicht, nur künftige Invasionen zu verhindern, sondern es mühten auch die Spuren der letzten Invasion be­seitigt werden; dieser Absicht dienten die französi­schen Resolutionsanträge, sowohl der, die Heeres- ausgaben auf den Stand von 1913 zurückzusehen, als Äich die Resolution des Redners, worin eine gemeinsame Lösung der Reparationsschulden und der interalliierten Schulden geordert wird. Frankreich sei glücklich, in diesem Sinne sich den Kommissionsarbeiten anschliehen zu können. Seit seiner nationalen Einigung wisse es, dah es seine Mission fei, v on einem Konti­nent zum andern zwischen den Kul­turen zu vermitteln. Es müsse eine Atmo­sphäre schaffen, deren der moderne Mensch be­dürfe. Frankreich hasse den Krieg, denn es könne ihn weniger als ein anderes Land vergessen, weil es der Hüter der Gräber Englands, der Do­minions, Italiens, Belgiens und der Freiwilligen sei, die aus fast allen im Völkerbunde vertretenen Ländern ihm zugeströmt sind. Daraus erwachse ihm eine Pflicht gegenüber der Menschheit, die es nicht vergesse. Houvenel schloh mit der Erklärung, dah während des Krieges Frankreich die Deckungsgruppe für die Kultur ab­gegeben habe, dah es das Recht verkörpert und daß es den Frieden gerettet habe. Hetzt müsse die Menschheit Frankreich zurufen: Frankreich, ich bin zur Stelle! Starker Beifall begrüßte die Schlußwendung der oft von Beifall unterbroche­nen Ausführungen Houvenels.

Da sich noch verschiedene Redner zum Worte 'gemeldet hatten, wurde die Fortsetzung der De­batte auf heute nachmittag verschoben.

Genf, 26. Sept. (WTB.) In der Rach- mittagsfitzung setzte die Dölkerbundsverfammlunz die Aussprache über die Anträge des Abrüstungs­ausschusses fort, ohne zu einem Abschlüsse zu gelangen. Fisher (England), der wie Houvenal an die Invasion Belgiens durch Deutschland er­innerte, erklärte, wie bereits in der Kommission, dah Deutschlands Mitarbeit an der Lösung des Reparationsproblems wünschenswert sei. Er teilte seine Zustimmung zu einer gemein­samen Behandlung der Frage der Repara­tionsschulden und interalliierten Schulden mit Wenn der Völkerbund sich auch ohne Wunsch der Regierungen nicht in die Frage einmischen dürfe, so sei doch zu hoffen, dah, falls die Regierungen zu keinem Ergebnis kämen, der Völlerbund sich mit der Frage befassen würde.

Hymans- Belgien griff ebenfalls und zwar sehr lebhaft auf Kriegserinnerungen zurück und hob nachdrücklich das unbestreitbare Recht Bel­giens hervor, durch seine Angreifer entschädigt zu werden. Er warnte ferner vor einseitiger Abrüstung und betonte, dah trotz allen Willens, zur Beruhigung der Geisler zu gelangen, die

handelt.

Die Redaktion des Gießener Anzeigers.

Die ftaatsmäTmische Gröhe des Fürsten Bis­marck und seine unvergänglichen Verdienste um Preuhen und Deutschland find historische Tatsachen von so gewaltiger Bedeutung, dah es wohl in keinem politischen Sager einen Menschen gibt, der es wagen könnte, sie anzuzweifeln. Deshalb schon ist es eine törichte Legende, dah ich die Gröhe Bismarcks nicht anerkannt hätte. Das Gegenteil ist richtig. Ich verehrte und vergötterte ihn. Das konnte nicht anders sein. Man bedenke, mit welcher Generation ich groß geworden' bin. Es war die Generation der Bismarckverehrer. Er war der Schöpfer des Deutschen Reiches, der Paladin meines Großvaters, wir alle hielten ihn für den größten Staatsmann seiner Zeit und waren stolz darauf, dah er ein Deutscher war. Bismarck war der Götze in meinem Tempel, den ich anbetete. Aber Monarchen sind eben auch Menschen aus Fleisch und Blut, deshalb sind auch sie den Wir­kungen ausgesetzt, die sich aus den Handlungen anberer ergeben. So wird man wohl menschlich verstehest können, dah Fürst Bismarck durch seinen Kampf gegen mich mit wuchtigen Schlägen selbst den Götzen zertrümmert hat, von dem ich vorher sprach. Meine Verehrung für den groben Staats­mann Bismarck ist davon unberührt geblieben.

Die Antwort Bernal Paschas.

Paris, 26. Sept. (Wolff.) Rach einer Meldung derChicago Tribüne" aus Kon- stantinvpel hat Kemal Pascha den Vor­schlag, Thrazien bis zur endgültigen Ent­scheidung unter die Verwaltung des Völ­kerbundes oder Frankreichs zu stellen, abgelehnt. Er bestehe darauf, daß die Ra­tionalisten sofort Thrazien übernehmen.

Englische militärische Vorbereitungen.

London, 26. Sept. (WTB.) Morgen werden drei Bataillone Infanterie nach dun Orient abgehen. Die Hochsee-Zerstörer- f l o t t i l l e ist zurückgerufen worden und wird gleichzeitig in das östliche Mittelmeer gesandt werden.

Türkische Kavallerie in der neutralen Zone.

London. 26. Sept. (WTB.) Rach eine, Reutermeldung aus Konstantinopel ist noch eint zweite türkische Kavallerieabtei lung in die neutrale Zoneeingedrun gen, und zwar in der Gegend von Bigha.

Ein .russisch japanisches Abkommens

M os ka u, 24. Sept. (WTB.) Aus Tschita wird gemeldet: Rach Mitteilungen deSRishi- RM" hat die japanische Delegation ihrer Regie­rung vorgeschlagen, die vereinigte russische Dele­gation, die ganz Ruhland vertritt, anzuerkennen, nach Klarstellung der fernöstlichen Fragen zur Erörterung von allgemeinen Problemen zu scheten und ein wirtschaftliches Abkommen mit Rußland zu schließen. Wie dieRishi- Rishi" weiter mitteilt, wurden die Vorschläge der japanischen Regierung erörtert, die einwilligte ein wirtschaftliches Abkommen mit Sowjetrußland zu schlichen und Zoffe als Vertreter Tschitas und Moskaus anzuerkennen. Rach der Ansicht der Zeitung ist dies als ein Schritt zur de Facto- Anerkennung der Sowjetregierung durch Zapar anzusehen.

nr1l<= Xam <nS1horhliltthc6s I Erinnerung an die Toten und an den Heldenmut "US oer XJOlHerOUnus- der Krieger sowie an den Sieg des Rechtes Wei- Versammlung. tetleben würde.

ns c, n c ftoht tTBnTff 1 Die Völker- I Loudon- Holland wies auf das Interesse buÄr2t6aMt Ä toÄ hm bie unter tzr D-luta-

fbrcfötnnn hör OfntrnnP her dritten Kommission knse leidenden Reutralen an der Losung der (Abrüstung) darunter der Resolutionsanträge sinanziellen Probleme und der Beruhigung der

-----

&>vb Robert Stell begrünbete meiner Ian. den Werken ber Dersöhnung nicht »et-

gen Rede den Kommissionsbericht, indem er einen 'a9e" weroe. .

ausführlichen lleberblick über die bisherige- S s;? (SnHnXnG

tigleit des Völkerbundes in der Abrüstungsfrage fürbi^^^anbTun^ bei Äri'

gab und vor allem für die Garantieverträge em- «n«. ^onfereittA '

trat, die allerdings nicht zu Desensidbündnissen A^Wob^ms forderte, auf _ bei bie:3c-

SBBäs s

toa0fen muhten zwischen ßeben unb ~ob; interparlamentarischen Konferenz auf Abschaffung

Scialo 1 a (Italien) begrüßte bie einzelnen ^er allgemeinen Dienstpflicht cingctrcten war. Resolutionen, vor allem ben Pakt, unb toarnte bie vertagte bie Versammlung die weitere Debatte Mitglieder der Kommission vor zu großen Kampe- auf mDrgen

lenzen des Völkerbundes in der Frage der mter- Nus Fishers Rede ist folgende Stelle von gouvemementalen Schulden. besonderem Interesse. Fisher erklärte wörtlich

CSrnittniifrfied iLelbstlob Frankreich war eine äußerst friedliebende Rat.on

-franzoftfcyes ^eivftiov. unb Ut mit Ectncm Nachbarn Streit gesucht

Iouvencl (Frankreich), von ftartem 25ei= I Nichtsdestoweniger setzte sich die deutsche Kriegt- fall begrüht, trat in einer langen, sehr pathetisch maschine zu Frankreichs Zerstörung in Bewegung,

gehaltenen Rede für den Garantievertrag und Daraus ist England m den Krieg cingctrcten. Ich

für ferne Reparationsresolution eüv Er warnte vor b[n ber ehrlichen Auffassung les ist bie; meine Skeptikern, bie bicse Erfolge für Illusionen halten, persönliche Auffassung), daß, wenn sich die Er Es wäre verkehrt, zu glauben, dah nur bie □216100® eigniffe wieberholen sollten, wenn also Frankreich ben ber Inbustrie, ber geistigen Arbeit usw. sich I UTt^ Belgien wiederum ©egenftanb eines nicht andern könnten, nicht aber die der Pvltttt und provozierten Angriffs seitens einer anderen Ratio der menschlichen Beziehungen. Wie Ne Gesell- h>erden sollten, sich die letzte Geschichte n^ schäft allmählich ben Schutz bes 'vnbividuums einmal wiederholen würbe. Großbritannien und übernahm, bas zunächst feine Sicherheit nur in ^ie Tochterstaaten würben Wieberum zur Hilfe seiner eigenen Kraft sah, so organisiere jetzt Rechtes und ber Gerechtigkeit eilen. Aber die Gemeinschaft ber Rationen ben nationalen ebensowenig wie diese Tatsac^n dürfen di: fri?b Schutz. Die von ben lateinischen Staaten und 1 ------ ~ ~ ~

auch von Polen vertretene These wolle sich aber nicht ausschließlich an ben allgemeinen Pakt hal­ten, sonbern erwarte ben wirksamen Schutz von Sonberabkommen. Denn diese Völker wüßten, daß eszweiMächte gebe, deren Einvernehmen die größte Gefahr bleibt: bie eine, geheimnis­voll unb unkontrollierbar, bie vielleicht künftige Angriffe vorbereitet, unb bie anbere, bie ihr die Kobres bazu liefern könne. Die Invasion Bel­giens unb bie jüngste Invasion Polens seien noch in aller Erinnerung. Die Mächte muhten also besondere Abkommen schlichen, damit die Schwachen nicht auf die Gnade und Ungnabe imperialistischen unb abenteuerlichen Regierungen ausgeliefert blieben. Iouvenel stellte bie Ideale der französischen Revolution den machtpolitischen Auffassungen Deutschlands entgegen, wie sie D i s- m a r d mit dem WortMacht vor Recht", Bcth-

Als ich noch Prinz von Preuhen war, habe ich oft gedacht: Hoffentlich lebt der große Kanzler noch recht lange, denn ich wäre geborgen, wenn ich mit ihm zusammen regieren könnte. Meine Verehrung für den grohen Staatsmann konnte mich indessen nicht veranlassen, als ich Kaiser ge- , f(.n i

worden war politische Pläne oder Handlungen auswärtige Politik wurde ganz allem vom Fürsten des Fürsten' die ich für Fehler hielt, mir zu gleitet und bittiert,<1^ CRixdlpra^j SnnUeiS eigen zu machen. Schon ber Berliner Kongreh Grafen Herbert, der bie Befehle bes Kanzlers 1878 war meines Erachtens ein Fehler, ebenso weitergab unb m Instruktionen umrebigleien lieh, der Kulturkampf. Außerdem war bie Reichsver- So war das Auswärtige Amt safsung auf Bismarcks ungewöhnliche Maße zu- des groben Kanzlers m auf dessen Weisung geschnitten, die grohen Kürassierstiefel paßten nicht 8carbeitet wurde- m !

jedem andern. Dann tarn bie Arbeiterschuhgesetz® selbständigen Ideen m nicht geschult

gebung. Ich habe den daraus zwischen uns ent- und ausgebildet. Im Gegensatz dum ©60^001^ Üanbenen Konflikt aufs tiefste bedauert, aber ich unter Rloltkc. Hier wurde nach Giundsahen, die muhte damals den Weg des Ausgleichs gehCi, sich bewährt batten,^uwer Wahrung ber überhaupt in ber inneren wie in ber äußeren bütonen unb unter ^^ElchtiMNg all^ Eifah Politik mein Weg gewesen ist. Deshalb konnte 1 der Reuzett der Rachwuchs sorgfältig aus ich den offenen Kampf gegen die Sozialdemo- gebildet und zu selbständigem Denken und Handeln

tratic, ben der Fürst wollte, nicht führen. Diese erlogen. Im Auswärtigen Amt hingegen befanden

Differenz über politische Maßnahmen kann aber M) swr ausfuhrende Organe e i n e s llvillens

meine Bewunderung ber staatsmännischen Größe ßte, über die großen Zusammenhänge ber ihtzei^

Bismarcks nicht schmälern. Er bleibt der Schöpfer zur Dearbelttlng überwiesenenfragen niast

des Reiches, mehr braucht wahrlich ein Mann orientiert, keme selbfttatige Mitarbeit lei ten tonn-

feinem Lande nicht geleistet zu haben. ten. Der Fürst lagerte wie ein mächtiger ©ranit®

t , sindling auf der Wiese: walzt man ihn fort, so

Weil mir bie große Tat ber Hreichscmigung man hauptsächlich Gewürm unb abgestor-

immer vor Augen staub, habe ich mich burch 5^ Wurzeln darunter.

S-tz-r-i-n dir damals <m ta Saaeäotbnuns n mir öa8 Q3ertrauLn 6« Fürsten,

waren, Nicht beemflussen lassen. Auch daß man . m:r pefvrach Als « B ber Fürst

Dismarck at« ben bet Me erftto Sotontale^rbungcn (®ro6-unb Slein-

b^eidjnete, M mein vertrauen Sum FuistNi ^po, Togo usw.) veranlahte, orientierte ich ihn I'.A hielleicbt rtPhnAf auf seinen Wunsch fiber bie Stimmung, bie im

t ^masücklick darübe^daß^seb! Publikum und in der Marine dadurch ausgelöst

P für Äif fiat?e unb wurde, und schilderte bie Begeisterung, mit ber

r SSerbert überleiten^ das deutsche Volk bie neue Bahn begrüßte. Der

wollte seine Macht auf, Serbert überleiten. Mrst meinte, bas sei bie Sache wohl nicht wert.

Meine Tragii im Falle Risrnarck liegt darin, I Späterhin habe ich noch öfters über die dah ich der Rachsolger meines Großvaters wurde, Kolonialfrage mit dem Fürsten gesprochen und also gewissermahen eine Generation uberfprang. stets mehr die Absicht vorgesunden, die Kolonien Das ist schwer. Man hat immer mit alten ver- a[g Handels- oder Tauschobjekte zu benutzen, als bienten Männern zu tun, bie mehr in ber Ver- ste |ür das Vaterland nutzbringend zu verwerten gangenheit als in der Gegenwart leben und in oder zur Rohstofflieferung zu gebrauchen. Ich die Zukunft nicht hineinwachsen können. Wenn machte pflichtgemäh den Fürsten darauf auf® ber Enkel auf den Großvater folgt und einen von merksam, daß ber Kaufmann und der Kapitalist ihm verehrten, aber alten Staatsmann von der I energisch anfingen, die Kolonien zu entwickeln, Gröhe Bismarcks vorfindet, so ist das nicht em und demgemäh wie ich aus Hansakreisen Glück, wie es scheinen könnte unb wie ich ge® wuhte auf Schutz burch eine Flotte rechneten, dacht hatte. Bismarck selbst beutet bas in famem I Daher müsse man für ben rechtzeitigen Ausbau britten Bande (S. 40) an, als er im Kapitel über einer Flotte sorgen, damit deutsche Werte im Bötticher von der greisenhaften Vorsicht pes Auslande nicht schutzlos blieben. Die deutsche Kanzlers und dem jugendlichen Kaiser spricht. Flagge habe ber Fürst nun mal in ber Fremde älnd der Fürst hat, als Dallin ihn einen Blick auf I entfaltet; hinter ihr stehe das Volk; cs müsse ben neuen Hamburger Hafen werfen lieh, selbst aber auch eine Flotte bahinter stehen Allein der empfunden, bah eine neue Zeit herangebrowen war, bie er nicht mehr völlig verstarb; ber Fürst sagte damals staunend:Eine andere Welt^ eine neue . Welt!" In ähnlicher Weise zeigte sich diese Erscheinung bei dem Besuche des Admirals v. Tirpitz in Friedrichsruh, als dieser den Alt­reichskanzler für die erste Flottenvorlage ge®