Ausgabe 
27.5.1922
 
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Erster Blatt

Samstag, 27. Mai 1922

172. Jahrgang

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Nr. 125

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Druck anö Verlag: vrühl'sche Univ.-Vuch- unö Steinbrndcrei R. Lange. Schnstlettvng, Sefchästrstelle und vruckerei: Zchulstratze 7.

Wochenrückblick.

Zwei einander scharf widerstrebende Strömungen beherrschen nach wie vor die politische Lage in der Welt, drucken allen Maßnahmen der Regierungen und den Reden ihrer Vertreter sowie den Stimmungen der Völker der Erde ihren Stempel auf, einer­seits der ehrliche Wille der großen Mehrzahl, nach Zähren beispielsloser Verwirrung und Feindschaft wieder zu einer Verständigung, zu einem Reuaufbau der zer­rütteten Wellwinsck>aft und damit zu einer wirksamen Bekämpfung der in fast allen Ländern immer akuter werdenden Mtfen zu kommen, auf der anderen Seite der aus fanatischem Haß geborene DernichtungSwille einer Minder­zahl von Hetzern, die zur Erreichung ihrer Ziele kein Mittel scheuen, um immer von neuem Anruhe in die Welt zu tragen. Von Vertretern beider Richtungen sind in den letzten Tagen bedeutsame Zeugnisse abgelegt worden.

In seiner AnterhauSrede, deren Gedankengänge er in seiner heute gemeldeten neuen Rede vor seinen Parteifreunden und Anhängern noch einmal unterstrich, hat Lloyd George zunächst in treffenden Wor­ten die fortdauernde Gespanntheit der Lage, dieKriegsatmosphäre", wie er sagte, ge­kennzeichnet. Er hat weiter ebenso gelungen, die Stimmung in Genua geschildert, den dort zum Prinzip erhobenen Gegensatz der .Höheren und niederen Rationen", aus dem sich für Rußland und Deutschland eine Ge­meinschaft des AnglückS ergab. Alles, was der leitende Staatsmann Englands über den aus dieser Gemeinschaft entsprungenen deutsch-russischen Vertrag sagte, ist zwar und wie könnte es bei einem Briten anders sein durch die englische Brille ge­sehen, zeugt aber erneut davon, daß Lloyd George wohl weiß, was Europa und der Welt wirklich not tut, daß er gewillt ist, auf feiner einmal für richtig erkannten Politik zu beharren, und stellt vor allem wiederum, wenn man eS versieht, zwischen den Zeilen zu lesen, eine Absage an die dar, die durch­ausam Tische oberhalb des Salzfasses sitzen" wollen, und an die seine mit beson­derer Betonung ausgesprochene Warnung gerichtet war, von der er sagte, er hoffe, nicht in einigen Jahren an sie erinnert zu werden.

Wo diese Leute sitzen, die immer und immer wiedergewarnt" werden müssen, ist nicht zweifelhaft, und wer ihr Führer ist, darauf gibt am besten ein Aufsatz des ehe­maligen amerikanischen Oberkvmmissars in der Rheinlandkvmmissivn, P. D. Rohes, Ant­wort, den er in der ReuyorierWorld" ver­öffentlichte und den er überschreibt:Pvin- car6, eine Gefahr für Europas Frieden." Rohes sagte in diesem Auf­sätze (nach einer von demGrenzboten" ge­brachten Aebersetzuna) u. a.:

Der Sieg der Alliierten über Deutschland wurde von Poincare als willkommene Gelegen­heit zur Verwirklichung von Plänen begrüßt. Seinen Zynismus alten Stils hat er sich nie umnebeln lassen von dem Traume, man dürfe Frankreichs Sicherheit irgendeinemSystem von Weltfrieden" anverlrauen. Sein Auge blieb fest gerichtet auf die eine große Möglichkeit, Deutschland zu ruinieren. Aber so wie sich die Verhältnisse entwickelten, ergab sich für den scharf beobachtenden Poincare in seiner einfachen FormelDelenda est Carthago" doch ein kleiner verhängnisvoller schwacher Punkt. Sechzig Millionen Deutsche können wirklich nicht so ohne weiteres und mit Aussicht auf Erfolg zum Ruin geleitet oder dauernd niedergehalten werden in einem Europa, in dem die Streitig­keiten und Eifersüchteleien von Dutzenden von alten oder neu erstandenen Rationen Verbrüde­rungen und Verbindungen aller Art möglich machen. Wenn die Sicherheit Frankreichs und der Friede Europas sich wirklich und aus­schließlich auf militärische Grundlagen stützen sollen, dann gibt es nur eine Antwort, nur eine Formel: Frankreich muh herr­schen; herrschen nicht bloß über Deutschland, sondern über ganz Europa."

Man kann die verhängnisvolle Politik Pvincar^s kaum treffender kennzeichnen, als es so dieser Amerikaner tut. Das linke Ryeinufermit Frankreich wieder zu ver­einigen",Deutschland seinehistorische Zerrissenheit wiederzugeben, und vor allem die Besetzung des Ruhrge­biets, das sind PoincaröS Ziele, Über die auch seine vor einigen Tagen in B a r- le-Duc gehaltene Hetzrede geaen Deutschland wiederum Aufschluß gibt. Ihre Erreichung würde die Vorherrschaft Frankreichs in Europa bedeuten, England wäre aus diesem Europa herausgeworfen. Da­her Lloyd Georges fortgesetzteWarnungen", daher auch die offen gegen Poincarss Politik gerichteten Aeußerungen der englischen Blät­ter, von denen beispielsweise derMan- ,chester Guardian" in einem ausführ-

führlichen Leitartikel, in dem er sich mit der Frage befaßt, ob Frankreich nach dem Friedensvertrag das Recht zu einer Sonderaktion gegenüber Deutsch­land zustehe, wenn Deutschland feine Repa- vationsverpflichtungen nicht erfülle, zu dem Schluß kommt, daß der Anspruch Frank­reichs unhaltbar sei.

Zur Anterstühung dieser Ansicht führt der .Manchester Guardian" das Urteil des hervor­ragenden französischen Iuristen C l u n e t an, der kurz nach der Unterzeichnung des Versailler Vertrages imTemps" in einer sehr wichtigen Darlegung der Vertragsbestimmungen die An­sicht vertrat, daß eine kollektive Schuld ge­meinsam eingezogen werden müsse. Als noch wichtiger bezeichnet das Blatt das Urteil Bar­th o u s , der als Berichterstatter des Aus­schusses der französischen Kammer vor Ratifi­zierung des Versailler Vertrages bezüglich der Klauseln 17 und 18 des Anhanges II feststellte, daß, wenn sich Deutschland seinen Verpflich­tungen entziehe, die Reparation kommisswn dies den interalliierten Mächten mitzuteilen habe und dann die alliierten und assoziierten Mächte in Uebereinstimmung prohibitive und regressive Maßnahmen ergreifen könnten, Vie sich Deutsch­land verpflichtet habe nicht als feindliche Akte anzusehen. DerManchester Guardian" fragt ironisch, was Poincar 6 zu den großartigen Worten Barthous:die alliierten und assoziier­ten Mächte in gemeinsamer Uebereinstimmung" zu sagen habe, und hebt hervor, daß noch ein anderer Umstand der von Poincare geplanten, jedoch vom Friedensvertrag nicht sanktionierten Attion widerspreche: Die Richterfüllung von feiten Deutschlands müssevor­sätzlich" sein. Wer solle entscheiden, ob sie in diesem Falle vorsätzlich sei? Etwa Poincarö?

Die Gründe, die derM a n cf) e ft e r Guardian" hier gegen die französischen Desetzungsabstchten anführt, sind fast genau die gleichen, mit denen der deutsche Außen­minister Dr. Rathenau die Argumente PvincarsS in seiner bereits gemeldeten Unter­redung mit dem Berliner Vertteter derKöl­nischen Zeitung" zurückwies. Man wird ab­warten müssen, ob sich die Meldungen eng­lischer Zeitungen, nach denen Frankreich keine Besetzungsabsichten habe (oder sie verschoben habe?), beftätigen werden.

Ein Mittel, Frankreichs Absichten auf eine Sonderaktion zu verhindern, sollte wohl die Schaffung des GotteSfriedens in Genua bilden, nach dem alle Mächte sich verpflichten sollten, gegenseitig auf 10 Jahre ihre Grenzen zu respektieren. Dieses Mittel schlug fehl. Jetzt wird es in anderer Weise ver­sucht, Frankreich zu beeinflussen. Dieser Tage ttat in Paris die Konferenz der Welt- b a n k i e r s zusammen, zu der auch der ame­rikanische Finanzgewaltige Morgan persön­lich erschienen ist. Er hat als Bedingungen für eine Anleihe an Deutschland verlaut­baren lassen, daß einmal die deutsche Kriegs­entschädigung auf ein vernünftiges Maß her­untergesetzt werden müsse, daß ferner Frank­reich und Belgien sich verpflichten sollten, kei­nerlei neue Gebiete zu besehen, und daß schließlich die Besatzungskvsten auf ein Mini­mum beschränkt werden sollten. Poincare und seine Leute haben nun die Wahl. Einerseits würde eine internationale Anleihe an Deutsch­land dieses befähigen, seinen übernommenen Verpflichtungen besser oder überhaupt nach­kommen zu können, andererseits mühten dann die Imperialisten an der Seine ihre Vvrherr- schastspläne aufgeben. Werden sie dazu be­reit sein, ehe sie nach völliger Isolierung zu einem Verzicht auf ihre Politik des Hasses von der Mehrheit der Völker gezwungen werden?

Ob die internationale Anleihe an Deutschland tatsächlich zustande kommen wttd, ist nach wie vor zweifelhaft. Minister Hermes ist aus Paris zurückgekehrt und hat im Kabinett wie im Auswärtigen Ausschuß des Reichstages über die Ergeb- nisse seiner Pariser Verhandlun­gen Bericht erstattet. Darüber, was er erreicht oder auch nicht erreicht hat, verlautet noch nichts Desttmmtes. Es scheint, als ob wegen einiger Punkte der Pariser Abmachungen des Finanzministers zu Meinungsverschie­denheiten im Kabinett gekommen ist, die nach neueren Meldungen jedoch ohne Gefahr einer weiteren Zuspitzung beseitigt sein sollen. Es wird berichtet, daß die Reichsregierung voraussichtlich am Montag auf Grund der Pariser Formel die Rote an die Reparativnskommis- sivn richten wird, die von ihr gemäß der Rote vom 21. März erwartet wttd. Die Repa- rativnskommission ihrerseits wird dann noch Zeit "haben, vor bem 31. Mai ihre Ent­scheidung zu treffen. Wahrscheinlich wird der Inhalt Der Rote am Montag vom Kanz­ler oder vom Minister Dr. Hermes in der politischen Aussprache im Reichstage mit­geteilt werden. Erst dann ist eS möglich, ein abschließendes Urteil zu fällen.

Berliner Beratungen über das Neparationsproblem.

Berlin, 26. Mai. (WTD.) IMerdieDor- gänge des heutigen Tages, die in der Presse als krisenhaft bezeichnet und in verschiedenen Va­riationen kommentiert werden erfahrt der Son­derberichterstatter des Wolif-Bureaus folgendes: Der heutige Tag war mit Besprechungen aus- gefüllt, die sich m erster Linie mit den Ver­handlungen des R e ichs f i n a n z rn i n i- st e r s D r. Hermes in Paris beschäftigen. Am Vormittag fand zunächst eine Aussprache zwischen dem Reichskanzler Dr. Ra­thenau. Dr. Hermes und Dr. Brauns statt, um die durch die Besprechungen des Reichs­finanzministers in Paris geschaffene Lage und die aus den gestrigen Verhandlungen der Kabi­nette noch zurückgebliebenen ulnklarh.iten zu be­handeln. Heute nachmittag erschienen der Reichskanzler Dr. Rathenau und Dr. Hermes im Auswärtigen Ausschuß des Reichstages. Hier gab Dr. Hermes eine ausführliche Darstellung der Pariser Der- banblungen, die sich als Fühlungnahme mit ein­zelnen Mitgliedern der Reparativnskommission darstellen und darauf hinzielten, ein tatsächliches Dild der schlechten finanziellen Lage Deutsch­lands zu geben. In der sich anschließenden De­batte, in der die Redner der einzelnen Parteien das Wort ergriffen, nahm Dr. Hermes Ver­anlassung, den Charakter seiner Darlegungen noch­mals dahin zu präzisieren, daß die in Paris ge­pflogenen Verhandlungen die Grundlage für die am 31. M a i fällige Entschei­dung in der Reparationsfrage und für die be­ginnenden Anleiheverhandlungen in Paris bilden sollen. Alsdann vertagte sich der Ausschuß auf Samstag vormittag 10 llhr, um sich zunächst den Beratungen über die Reparationsverhandlungen zuzuwenden. Die Vorschläge, die aus den Be­sprechungen des Reichsfinanzministers hervorge­gangen waren, bilden gegenwärtig noch den Gegenstand von Verhandlungen des Reichskabinetts Es ist daher falsch von gefaßten Entscheidungen oder eingetretenen Krisen zu sprechen. Die endgültige Entscheidung deS Ka­binetts wird zweifellos in kürzester Frist er- svlgen, da die Reichsregierung schon am Montag mit ihren Erklärungen zur politischen Gesamtlage vor das Plenum desReichs- tages treten wird.

Daß in Berlin zum mindesten die Gefahr einer Krise tatsächlich bestanden hat, geht aus folgenden Mel­dungen hervor:

Berlin, 16. Mai. DieGerma n ra" gibt heute zu, da)) tatsächlich Meinungsverschre- den heilen innerhalb des Kabinetts vor­handen seien, betont aber, daß, sie durchaus mcht persönlicher Statur sind, und daß von allen Be­teiligten mit Sachlichkeit an ihrer Beilegung her­an getreten «und ein Ausgleich gesucht werde. Die Frage, die zur Erörterung steht, ist die: Was ist an die Reparationskommission auf Grund der Verhandlungen, die Hermes in Paris gepflogen hat, nunmehr sachlich für eine Antwort zu geben?

Wie die Blätter melden, ist der Gegen- stand der Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Reichskanzler und dem Reichs­finanzminister Dr. Hermes der Punkt der von Dr. Hermes in Paris vereinbarten Antwort auf die Rote der Reparationskvmmission, die den 31. März als Stichtag für die Festsetzung des Umfanget der schwebenden Schuld Deutschlands vorsieht. Reichskanzler Dr. Wirth äußerte da­gegen schwere Bedenken, besonders für den Fall eines weiteren Sinkens der Mark. DemLokal- Anzeiger" zufolge soll nun durch Vermittlung des Reichspräsidenten eine Formel gewählt wor­den fein, in der erklärt wird: Deutschland ist bereit, den Papiergeldumlauf mit dem 31. März a l s Stichtag einzu stellen unter der Voraussetzung, daß nicht weiter ein katastrophaler Rückgang des Kurses der Reichs­mark erfolgt. Dieser Kompromißvorschlag soll eine Rückfrage nach Paris veranlaßt haben. Staatsscttetär Bergmann soll den Auftrag erhalten haben, bei der Reparationskommission anzuftagen, ob Deutschland bei Annahme des Punktes über den Papiergeldumlauf die Erlaub­nis erhalten würde, neues Papiergeld auszu­geben, wenn es fein Versprechen, die Inflation einzustellen, unter dem Druck einer höheren Ge­walt nicht halten könnte.

Defprechnngen mit den Fraktionsführern.

Berlin, 26. Mai. Der Reichskanzler hatte gestern nachmittag die Fraktionsfüh- rer der Regierungsparteien in die Reichskanzlei gebeten, um ihren Standpunkt zu der Reparationsfrage kennen zu lernen. Die F«lktionsfüh.er erstatteten darauf im Laufe des Wends ihren Fraktionen Berichte. Die Fraktion der Deutschen Volkspartei beschloß ge­stern abend, die Beschlußfassung über die Kon­ferenz von Genua und die Reparationsverhand- lungen in Paris so lange auszusetzen, bis das Ergebnis der Beratungen des Auswärtigen Aus­schusses dazu vorliegt.

Ein (Eommuniqu6 der Reparationskommission.

Paris, 27. Mai. (WTB.) Die Repara- tionskomm^ssion hat gestern folgendes (Kommunique ausgegeben: Das mit der Prü­fung und einem Bericht über die Bedingungen einer der deutschen Regierung zu gewährenden Anleihe beschäftigte Komitee hat heute drei Sitzungen abgehalten, in deren Verlauf die Prü­

fung verschiedener, den Gegenstand der Diskussion betreffender Fragen vorgenommen wurde. Don dem Wunsche beseelt, persönliche Studien vor­zunehmen, die technischen Informationen zu er­öffnen und evtl. Fühlung zu nehmen mit den in Frage kommenden Regicrungstteisen, haben ge­wisse Mitglieder die Unterbrechung der Sitzungen um einige Tage vorgeschlagen. Der Ausschuß hat infolgedessen beschlossen, die Beratungen bis zum kommenden Mitt­wochnachmittag 4 Ahr zu vertagen. Es wird von der letzten Sitzung keine Mittellung ver­öffentlicht werden. Alle Mitglieder haben den aufrichtigen Wunsch, zur Lösung eines Problems zu gelangen, das einmütig für die wirtschaftliche Erhebung Europas als vital Anerkannt wurde.

Paris, 27. Mai. (WTB.) DasEcho de Paris" stellt fest, daß es in der Gewohnheit der Reparationskommission läge, Deutschland.im Rotfall einen Derzug von 14 Tagen zu gewähren. Es könne also nicht direkt nach dem 31.Mjai nöttgenfalls derdeutscheDerstoß festgestellt werden, sondern erst nach dem 15. ßum Eine neue Rede Lloyd Georges.

London, 26. Mai. (WTD.) Bei einem Frühstück im Hotel Cecil zu Ehren Lloyd Ge­orges hielt der Premierminister vor ungefähr 300 seiner Anhänger aus dem Ober- und Unter­haus eine Rede, in der er erklärte, er behaupte keineswegs, daß das Werk von Genua be­endet sei. Es fei begonnen, und einmal begonnen, werde es zu Ende geführt. Eine Riesenaufgabe sei unternommen worden, die in jeder Ecke auf Schwierigkeiten stoße. Es sei jedoch eine Aufgabe, die lebenswichtig für die Wohlfahrt der Mensch­heit fei. Richt nur im britischen Reich und auf dem ganzen Kontinent in Europa, sondern in der ganzen Welt. Rachdem einmal dieser Schritt getan sei, müsse er bis zu Ende durchgeführt werden, bis Friede und Wohlgefallen unter tc/i Menschen hergestellt sei. Europa fei so überzeugt von der Rotwendigkeit des Friedens, daß der Geist, der durch die Erörterungen in Genua bezeichnet wurde, den Wagen des Friedens schließlich durch das Ziel führen werde. Man könne nicht erwarten, daß innerhalb von sechs Wochen die Schwierig­keiten überwunden, alle Vorurtelle beseitigt und der Argwohn niedergeschlagen werde. Wenn man jedoch ausharre, werde manches sich ändern. Der in Genua begvnneneKampf müssebis zu Ende weitergehen. Das sei eine Auf­gabe,bei der das Britische Reich die führende Rolle übernommen habe. Lloyd George fuhr fort: Groß­britannien hat im größten aller Kämpfe, den die Welt je gesehen hat, 9,5 Millionen Mann mobilisiert. Haben wir kein Recht, etwas darüber zu sagen, wie der Friede in der Welt erreicht werden soll? (Beifall.) *56 Millionen dieser Menschen gingen nach Frankreich; die Donn- nions entsandten 1 600 000 Mann in den Krieg. Haben sie kein Recht zu erklären, welcher Friede in der Welt pergestellt werden soll', Indien entsandte 1679 000 Mann. Hat es kein Recht, seine Dertreter auf 'Die Versammlung von 33 großen und Heineren Rationen zu entsenden? Die Briten verloren im Krieg 3 266 000 Mann. Das sind unsere Verluste. Dies ist unser Recht; dies ist unsere Pflicht; dies ist es, was uns zwingt. Daher gingen wir nach Genua und daher finb meine Freunde und ich "ber Ansicht, daß wir recht tun, wenn wir zu allen diesen Mil­lionen sprechen, die gekämpft haben, für alle bte Millionen, die gefallen sind, und zu den Krüppels, um ihnen zu sagen, daß in der Welt Fried; herrschen muh. Orobbritannizn, das seine Macht in den Kampf einfetzte, wird nunmehr feine ge­samte Macht einfehen, um den F: ieden in der Welt zu schaffen und das Wohlwollen rnter den Menschen her zustellen. Unter großem Bei­fall schloß Lloyd George: Großbritannien ist nicht außer Gefahr; die Welt ist nicht außer Gefahr; die Menschheit ist nicht außer Gefahr. Es bestehen Ge­fahren in der Ferne; es gibt Gefahren näher an unfern Küste. Es gibt Gefahren außer unseren Inseln. So wollen wir auch jetzt den Geist des Zusammenwirkens zeigen, bis die letzte Gefahr vorbei ist und Großbritannien der Welt gegen- übertritt und ihr bis zu Ende dirchhelfen kann.

Poincar^s Steife nach London.

London, 27. Mai. (WTB.) Im Gegensatz au Pariser Zeitungsmeldungen meldet6 t a r", daß Poincare am Samstag, dem 17. Iuni, in Begleitung des Marschall P e t a i n nach Lon­don kommen wird. Zu Ehren beider werde im Hotel Eecil ein großes Bankett veranstaltet, an dem der Herzog von Bork, Lloyd Ge­orge, Lord Balfour, Asauith, Chur­chill und etwa 500 Gäste tellnehmen werden. Diese Gelegenheit werde zu einem Meinungs­austausch zwischen dem britischen und dem französischen Premierminister über die Frage der Reparationen und die Haager Konferenz aus- genutjt werden.

Der Wirtschaftsausschuß gegen die grvangsanleihe.

Köln, 25. Mai. Der Wirtschaftsaus­schuß für das besetzte Gebiet hat gestern folgende Entschliehlung zu dem Entwurf eines Gesetzes über die Zwangsanleihe angenommen:

Der Wirtschaftsausschuß für das besetzte Ge­biet, in welch m außer sämtlichen Handelskammern, Handwerkskammern und Landwirtschaftskammem auch die führenden privaten Verbände von In-