«vietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
toütbe es daS nie bezahlen können. Wenn das Reich die Hälfte übernimmt, so karrn man sich darüber freuen. Der D.schtuh 'Batt -ns i t nichts als eine Demonstration. Das sollte man nicht tun, sondern pralli ch suchen, die Schuld zu bcdcn Die Dank hat nun zu eurem sehr ungünstigen Zrit- punkt die Schuld aafgckiffen, d. h. alS der Fran- len sehr schlecht stand, solche angekuust. Redner verliest hierzu zwer Schreiben der Dank, und fügt hinzu, tah er sich eines Urteilt hierüber enthalten wolle. Rach meiner Arsicht fch de L.K. die Schuld von 19 Millionen üb rnehmen Die Regierung hat, da sie eine Sicherheit für diesen Bankkredit nicht übernehmen kann, sich bereit erklärt, der L.K. das unbeschrunlte Umlageret- fahren für diesen Fall zu crLilen. Rach einer Denkschrift der 2.5t. sind in etwa 20 Jahren pro Mitglied 4000 Mk. c-uszubrtngen. Dieses Umlage- recht soll zunächst nur eine Sicher heitsmast- nahme sein. Es ist nicht gesagt, da ; die Schalü dadurch ganz aufgeb acht werden soll. Ich vite, dem Antrag der Au.schuhmehrheit zuzuftimmen, der die Reinen Betrag: bis zu 5000 Ml. freilassen will. Unsere Fraktion stellt den Zu'atzantrag. bah der Rest der Umlage erst dann in Anspruch genommen werden wird, toeiui al'.e anderen Wege sich als ungangbar ernx-i’en. (Bravo!)
2lbg. Obena uer (Dem.): An der Beunruhigung in der Bevölkerung ist der Borstand der 2 K feQrft schuld, weil er es unterlaflen hat. alsbald nach Belanntwerden der Ang.lege h it für die erforderliche Aufklärung zu forg n. An der Schuld,rage darf man nicht vor B:rgehe i. Man muh doch fest stellen, bah tatsäch.i ch das Resch der Staat und auch der L.K.-Vorstand schuld sind. Danach must Me Berpslichiung der Schuld en- tilgung beurteilt werden. Wenn das Reich die Bezahlung verhindert hat. so hat es spekuliert. Diese Spekula ion ist allerdings mißglückt. Dus Reich ha« unbedingt eine moralische De Pflichtung, zur Tilgung b.izut.agen. Der Staat hat eben- salls eine dahingehende Pflicht, weil er es unterlassen hat, sich um die Rechnungen und Sitzungen der Landwirtschattskammer zu kümmern. Den Dorstand der 2.5t. trifft insofern eine Schuld, als er im geeigneten Augenblick, als das Reich Devisen für die Zwecke der Ablösung solcher Derpslichtun- gen zur Dersügung stellte, die Schuld nicht aif das Reich übertrug. Auch die Anlegung des Geldes aus dem Erlös des Vie!)es bei (der Bank war falsch. Die Schuld hätte sofort in Franken umgewandelt und als solche b i der Dank hinterlegt werden müssen. Rechtlich ist natürlich der Dorstand der 2.5t. nicht verantwortlich zu machen. Dem Recht der Sonderumlage kann ich nicht zustimmen und bitte, dem Antrag v. Helmolt zu- zustimmen.
Die Wetterberatung wtrd alebunn auf Dienstag, 10 Llhr vormittags, vertagt. — Schluh nach 1 illjr.
Gießener Strafkammer.
Diesten, 21. März 1922.
Der Hetzer Wilhelm M. von Saasen hatte Geld nötig. Er bearbeitete daher den Hetzer Wilhelm W. von Calbach so lange, bis dieser ihm das Haus emes reichen Calbacher 2and- wirts zeigte und ihn über die Verhältnisse im Innern des Hauses genau unterrichtete. Der Einbruch selbst sollte am Tage der Calbacher Kirch- weihe stattfinden. M. zog noch den oft vorbestraften Maurer Eduard P. von 5tleinwalde hinzu und beide brachen dann am 4. 9. 21 tn der geplanten Weise ein. P. erhielt wegen schweren Diebstahls im Rückfalle 2 Jahre Zuchthaus, M., der ebenfalls vorbestraft ist, 2 Jahre Gefängnis. W. wegen Beihilfe 6 Monate Gefängnis. Den beiden ersteren wurden auch die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren abgesprochen.
Der ehemalige Wachtmeister der Schu Polizei Sch. hatte am 3. 11. 21 den Strafgefangenen St. von Buhbach nach Darmstadt und zurück zu transportieren. Entgegen den ihm bekannten Bestimmungen fuhr er mit St. (beide trugen Zivil) 2. Klasse, rauchte selbst und lies) St. rauchen, liest sich von ihm Zigaretten schenken, duldete, dast der Strafgefangene einen Derwandten besuchte und Bekannte telephonisch an die Dahn bestellte, besuchte mit ihm Wirtschaften und versuchte schliestlich auf Grund einer von St. ausgestellten Bescheinigung von der Strafanstalt 253 Mark zu erhalten, während seine Auslagen höchstens etwa 216 Mark betrugen. Das Gericht erblickte hierin den Tatbestand der Beamtende st echung und verurteilte Sch. zu 3 Monaten Gefängnis und St. zu 1000 Mark Geldstrafe.
Der 23jährige Schneiderlehrling Friedrich Sch. von Einartshausen stand am 24. 11. 21 vor dem Schöffengericht 2aubach unter der A klage, zusammen mit seinen 2 Brüdern mit Explosivstoffen gefischt zu haben. Als er sah, dast fein
I 2eugnen gegenüber den bestimmten Angaben des Fvr>lwarts M., der sie erui-cht hatte, zweckl. s , war, äusteile er, gerade als ».as Gericht in das j Bcratungszimmcr cinketen wollte, der Zeuge fei fähig, einen Meineid zu leisten. Wegen dieser D e- [ t ewt i? i g u n g war er von dem Schöfie gericht ! 2aubach am 12. 1. 22 zu 500 Man Geldstrafe j verurteilt worden: seine Berufung wurde von der S r i lamm r ve rworfen.
Ci.i e ien mädchen von Melbach hatte versucht, seine 2eibesfrucht abzutreiben und -aa. nut Hilfe eines in demselben Ort bediensteten Knechtes. Das Mädchen, wurde zu 2 Monaten, der Knecht zu 1 Monat Gefängnis verurteilt.
Aus dcm Amtsvcrkündigungoblatt.
" Das Amtsverkündigungsblatt Rr. 40 vom 24. März enthält: Die 'Wahlen zum Provinzialtag. — Be ug les Reich g se b et es.
Das Dolksschulweieu im Dolksstaut Hessen: hier: Die Bildung und Zusanunensehung der Schulvor.ä'de — Erw.rbslos nfürforge — Die :ri-elmng ör.licher Kirchen steuern. — Die Ünter- ;iü„u tg no le.dender Kleinrentner. — Kieis» Abdeckerei: hier: D-shwecde w g-.m Richtabholen von Tierkadavern. — Au.glriu,sstock: hier: bte Beschaffung der zur Deschlui-sassung über die Gewährung von Zuschüs en ermord r.ich n Unter- lagen. — Dienst Nachrichten. — Feldoereinigung 2 ich
Die Wahlen zum Provinzraltag der Provinz Oberhessen. Das am 31. August 1919 gewählte Mitglied des Provinzialtags, Professor Dr. Martin Schian zu Diesten, hat fein Amt als Provi zial agsmi glie) nie.er- gelegt. — Die Proviuzialwahlkommission hat in ihrer Si ung vom 10. März 1922 feftgcftellt, dast Ferdinand Pfannstiel, 2and- u ib Gastwirt in Ulächstein, an die Stelle des vorgenannten ausgeschiebenen Proviitzialstagsmitg iedes tritt.
Die Erhebung örtlicher Kirchensteuern. Die Deckung der Fehlbeträge der örtlichen Kirchengemeinden erfolgen für 1920 derart, das; nach Dereinbarungen der oberen Kirchenbehörden mit dem Lanbesfinanzamt bezüglich der evangelischen Kirchengemeivden besondere Ern- lommensteuerzuschlage und bezüg.ich der katholischen Kirchengemernden zusammen mit der allgemeinen Kirchensteuer ein einheitlicher (Sin- tommensteuerzuschlag erhoben wurde. Die entsprechenden St ucrertruge werden hiernach den evangelischen Kirchen wohl in Kürze übermittelt werden, während sich die katholischen Kirchen mit dem bischöflichen Ordinariat in Verbindung sehen müssen. Soweit bekannt ist, sind die Fehlbeträge der katholischen Ki chen für 1920 gedeckt. Das Landes finanzamt hat ferner angeordnet, das) de in 1920 erhobenen Steuerzuschläge vorläufig auch als Steuerschuld für 1921 anzusehen und eiirzu- ziehen sind. Dis zur endgültigen Steuerveranlagung für 1921 wird mithin nach Eingang der Steuererträge für 1920 festzustellen fein, ob letztere die voranschlagsmäligen F.hlbeträge der Kirchen für 1921 decken. Berneinendensalls wäre, nach vorherigem Denehmen des Kirchen Vorstandes mit dem Finanzamt, bet Einkommen steuerzuschlag für 1921 durch Deschluh der Kirct-enveriretung entsprechend zu erhöhen. Mit den Gemeindeumlagen werden sonach auch für 1921 kirchliche Umlagen nicht erhoben.
Kirche und Schule.
* Freie Lehrer st eilen. Erledigt ist: eine mit einer evangelischen Lehrerin zu besetzende Schulstelle zu Dietzenbach (Kreis Offenbach), eine mit einem evangelischen Lehrer! zu besehende Schulstelle äu Landenhausew (Kreis Lauterbach), mit der Stelle war früher Organistendienst verbunden: die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Schulstelle zu Schwabenrod (Kreis Alsfeld): eine mit einem evangelischen Lehret zu besehende Schulstette zu Eifa (Kreis Alsfeld): zwei mit katholischen Lehrkräften zu besehende Schulstellen zu D ü r - sta d t (Kreis Bensheim), die eine soll mit einem Lehrer, die andere mit einer Lehrerin besetzt werden.
Turnen, Sport und Spiel.
Futzball-Landerwettkampf Deutschland—Schweiz 2:2.
Frankfurt a. M , 26. März. Der Länder- Fuhballwettkampf Deutschland gegen Schweiz, das erste internationale Treffen zweier Ländermannschaften in Deutschland nach dem Kriege, hat eine weit über den Rahmen der eigentlichen sportlichen Detanstaltungen htaaus- gehende Bedeutung erlangt. Am Rachmittage setzte eine wahre Völkerwanderung nach dem Ein- tracht-SporstPlatz ein, unb als kurz nach 4 Uhr der holländische Schiedsrichter Boas das Zeichen
Nr. 73 Zweites Blatt
Hessischer Landtag.
8t. Darin stadt, 24. März 1922 (Schluh der 6. Sitzung.)
Es folgt die erste Beratung der a) Regie- rungsvorlag'.', Abänderung des Artikels 42 des Eefetzes vom 16. Mai 1936, die Landwirtschafts- fammer betr.; b) Regierungsvorlage, Gesetzentwurf, Abänderung des Artikels 42 des Gesetzes vom 16. Mai 1936, die Landwirtschaftskammer betr. 3n Derbindung hiermit: 1. Antrag der Abgg. Rinl und Ebner, Millionenverluste der Landwirtschaftskammer betr., 2. Antrag der Abgg. Rink unb Ebner, Deckung des Millionenverlustes der Hessischen Landwirtschaftskammer bett., 3. Er- gänzungsantrag der Abgg. Rink. und Ebner, Millionenoerluste der Landwirtschaftskammer be- ireffend, 4. Antrag der Abgg Hoimann-Seligen- ftebt, Wagner, Blank und Gen., Millionenverluste der Landwirtscha Iskummer betr., 5. Anfrage der Abgg. Obenauer unb Reiber, die Millionenverluste der He fischen Landwirtschaftskammer betr.
Abg. v. Helmolt (Bbd.) bespricht zunächst die Angelegenheit der
Milliorrenschuld der Landwirtschaftskammer.
Die wichtigste Frage in dieser Angelegenheit ist die der Schuld und der Deckung. Leider hat die Landwirtschaftskammer damals versäumt, sich die Deckung durch die Reichsregierung zu sichern. Man kann den Landwir.schaflskammer-Dorstand Mcht haftbar machen, weil ihn etwa ein Verschulden trifft, immerhin hat er unvorsichtig gehandelt. Es wäre besser gewesen, den Fehler zuzugestehen und sich nicht durch scharfe Auslassungen zu verteidigen. Heute handelt es sich darum, den Schaben gutzumachen. Die L.-K. hat unbedingt im Interesse der Allgemeinheit gehandelt. Sie hat das Vieh im Interesse ber Dolksernährung gekauft unb hat damals, obwohl sie bad Geld hatte, im Interesse der Reichsfinanzen die Zahlung hin- ausgeschoben. Das Reich hätte die Pflicht, hier mehr (Sntgege’ifommen zu zeigen: es scheint aber, als ob man es ber hessischen Landwirtschaft Immer am Entgegenkommen fehlen lasse, das hat sich auch bei dem älmlageverfahren gezeigt. Die Schuld ist nun einmal da und muh abgedeckt werden. Eine Schuld an ber Höhe der Summe trifft auch die Darmstädter Dank, die es ebenfalls an Entgegenkommen hat fehlen lassen. Dah die Erregung so grob geworden ist, das liegt im wesentlichen daran, dah die Landwirtschafiskammer es nicht verstanden hat, den erforderlichen Konnex mit ber Bevölkerung herzustellen unb zu halten. Ich hoffe, dah bie heutige Aussprache dazu führen wird, dah das besser wird, unb bitte um Annahme unseres Antrages auf Hebernaljme der Schuld aus die Staatskasse.
Abg. K ö h l e r (D. Dpt.): Es handelt sich hier um eine Summe, die denn doch als etwas ungewöhnlich bezeichnet werden muh. Sie ist so ungeheuer gewachsen durch die Valuta. Es ist richtig, dah die grobe Beunruhigung im Lande auf den Mangel an Popularität ber L. K. zurückzu- führen ist. Reoner rekapituliert bann die Tatsache der Entstehung der Schuld. Von dem eingeführten Vicch, 296 Stück Rindvieh und 118 Ziegen, ist der gröhte Teil dem Kleinbefitz zugute gekommen. Der Preis betrug 700 000 Franken, die auch wieder durch den Verkauf eingebracht wurden. Der Erlös tourbe bei der Dank angelegt, weil die Bezahlung durch eine ReichSverprdnung unterbunden war. Die L. K. versuchte darum, Ausfuhrgenehmigung für Gegenstände nach der Schweiz zu erhalten, um dadurch die Schuld abzutragen. Das wurde ihr ebenfalls unmöglich gemacht. Dadurch ist dir Schuld so erheblich grob geworden. Es ist dann nach Schuldigen gesucht worden, und gegen L. K., Reich und Staat wurden Vorwürfe erhoben. Es sollte bedenllich machen, dah die starke Konkurrenz in der Schuldfrage sich geltend machte. Man sollte überhaupt nicht von einem Schuldigen sprechen. Die Vorstände der L. K. sind keine Bankiers: ihre Sachkenntnis liegt auf anderen Gebieten. In ber *ehr schwierigen Frage aber haben selbst Bank- Sachverständige sich geirrt In anderen Staaten ist ähnliches eingetreten, und man hat nirgends nach Schuldigen geschrien. Wie die L. K. selbst die Schuld decken soll, ist nicht zu flärren. Der Vorstand der L. K. hat ein Verfahren gegen sich beantragt, die Regierung hat das aber abgelehnt. Zivilrechtlich bleibt die Schuld demnach eineSchuld der L. K. Wenn Abg. v. Helmolt nun beantragt, diese Schuld auf den Staat zu übernehmen, so ist bas allerdings unverständlich, denn der Staat hat {einerlei Verpflichtung dazu. Die Anregung zur Einführung des Viehs war vom Reich ausgegangen. DaS Reich könnte also die Schuld übernehmen. 2lber es tut es nicht, well es die Weiterungen mit Recht scheuen muh. Es sind sehr viele Anregungen ähnlicher Art aus Gründen bet Landesverteidigung ergangen, und wenn bas Reich alle daraus entstandenen Dalutaverluste tragen sollte,
Die Pforte der Paradieses.
Roman von Ingeborg Dollquartz.
Berechtigte Ueberse-rrng an3 dem Dänischen.
19. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)
„Ich werde dort aewih vernünftig, Mutter," oersichertc Orla. „Ich freue mich geradezu auf das friedliche Städtchen und bis ich in dem ländlichen Garten herumspaziere und meine Pfeife rauche. Vater hat einmal gesagt, der Garten sei sehr groh und habe eine Mauer rund herum — nicht nur so ein Gitterzäunchen, wisst ihr — nein, eine richtige Mauer mit Spalierbäumen daran unb oben drauf Dachziegel. Dort ist man auch nicht nur ber gewöhnliche Heringsbändiger, nein, wir haben auch Speichet voll Korn unb so."
„Das muh ja geradezu tounberbar fein, Orla!" rief Malwine begeistert. .Wunderbar —"
.Orla wirb niemals bas Erbe seines Groh- vaters antreten,“ erklärte Tante Rota nachdrücklich.
.Handelt es sich denn ums Erben, liebste Inger?“ fragte Malwine unb ihre hellbraunen Augen glänzten von Wohlwollen.
.Hast bu benn gar nichts andres im Kops. Malwine?" fragte Tante Rora unb schaute Malwine streng an. .Ich meine, man sollte sie zuerst ruhig sterben lassen, ehe man vom Erben redet."
„Aber ich — ich meine — behüte mich Gott ich habe doch gar nicht an Tante Ellinot gedacht, liebste Rora, das wäre mir nie eingefallen — nein, niemals — nie n i e m a l s."
„Mutter!" rief Mogens, der den Kopf zur Tür hereinsteckte. .Der Herr Doktor läht sagen, bu möchtest sofort hinaufkommen zur Tante Clli- nvt. Er sagt, es eile."
Siebentes Kapitel.
Tante Ellinor wat tot. Der gute, ehrliche Mensch, die welterfahrene alte Dame, bie in ben letzten Jahren Frau Inger eine so treue Freundin gewesen war, hatte bie Augen geschlossen.
Frau Inger betrauerte diesen Todesfall tief und aufrichtig: sie, bie seither immer andern eine Hilfe gewesen war, hatte tn der letzten Zeit öfters gefühlt, dah sie einer Stühe bedürfe, unb bei Tante Ellinor hatte sie sich jederzeit Kraft und Hoffnung geholt.
Der Hauptmann hatte während der Zeit, wo Tante Ellinor mit ihnen dasselbe Haus bewohnte, nicht sehr viel von ber alten Dame gesehen. .Sie hat ja Inger," pflegte er zu sagen, denn er war immer etwas eifersüchtig auf die Menschen, die Frau Inger lieb hatte und die »ihre Zeit in Anspruch nahmen", wie er sich audbrütfte.
Er fühlte sich darum nicht ganz frei von Gewissensbissen, als Tante Ellinors Sachwalter ihm an ben Tag des Begräbnisses mitteilte, bah sie ihm breifngtaufenb Kronen vermacht habe.
Er hatte Wohl jederzeit getouht, bah Jantz Ellinor wohlhabenb sei, aber weder er noch sonst jemand von der Familie war auf den Gedanken gekommen, bah sie die D uders kinder ihres Mannes in bieder Weise bedenken werde.
Tante Rora erhielt fünsundzwanzigtausenb Kronen, jedoch mit ber Bedingung, bah s e nur die Renten beziehen, während das Kapital nach ihrem Tode an Orla, Mogens unb Ellen fallen sollte.
Malwma Munk erh'clt sechshmb'rt Kronen jährlich, so lange sie lebte, unb auch Tante 6[Lino rd alten Stenern waren Legate ausgesetzt, so
wohl für bie alte Marthe hier wie für ihre alten Dienstboten, die noch in Westinbirn lebten.
Inger hätte nie gedacht, bah ihr Mann so groben Wert auf dieses Geld legen würde, und darum war sie Tante Ellinor doppelt dankbar für ihre Gabe, da sie sah, wie neubelebt sich der Hauptmann fühlte beim Gedanken, bah nun durch ihn — durch feine Verwandtschaft — etwas Freude in das Heim kam, das nicht nur er durch seine Schwermut häufig verfinstert hatte, sondern in das auch beständige Gelbsorgen viele Schatten geworfen worben waren.
Seit er pensioniert war, hatte er sich pflicht- schuldigst um jede Stelle beworben, die nur cinigermahen au-sah, als ob sie für ihn Pasten könnte, aber er hatte es immer ohne alle Hoffnung getan und Absagen stets zwar als etwas ganz Selbstverständliches, aber doch mit einer gewissen c umpfen Bitterkeit entgegengenommen.
Frau Inger muhte sich darum herzlich freuen, wenn sie sah. wie eifrig er darauf aus war, dieses Geld auf das nützlichste anzuwenden, und de- sonders rührte es sie, bah er sofort begehrte, sie solle ihr: Mus kstunden auf geben. E grntlich hätte sie diese eigene Einnahmequelle gerne behalten, aber sie füg'e sich seinem Wunsche sofort, als sie sah, wie stolz er darauf war, ihr diese .Bürde" abnehmen zu können.
In andrer Hinsicht war sie dagegen nicht mit ihm einig, bah er nämlich Orla dar n unterstützte, er brauche bie Stelle in dem Geschäft von Ionas Trystruv nicht anzunehmen. S e bestand darauf, sie könnten diese- in jeder Hinsicht vorteilhafte Anerbieten, dah sie selbst DeranIaht hatte, nicht ablehnen, aber Orla verschob ben Entschluh, ob er bie Stelle annehmen wolle ober nichts von einem Tag zum anbem, unb erst einen Monat
Montag, 27. März y)22
jum Beginne des Kampfes gab, waren eS über 30000 Zuschauer, die mit lebhaftem Interesse dem oeamp'e folgten. Dieser war v sonders in ber erüen Halbheit reich an spannenden Momenten unb den Zuschauern wurde Fuhball in höchster «uollendung üorgciübrt. Am deutscher Seile gtänz- ien besonders bie Leute ber S p i e l v e r e i n i - gung Fürth unb von tonen wieder besonders Lohrmann im Tore unb die beiden Stürmer S e i b c r c r unb Franz, bie auch in der 27. und 36. Minute die bciben Dore für Deutichland erzielen konnten. Auch der d.u.sche Aui)enftürmer Retter von ben Stuttgarter Sportfreunden zeigte hervorragendes Können und außerordentliche Schnclliglelt. Mit 2 zu 0 für Deutschland wurden die Seiten gewechselt, doch bald nach Beginn wurde der deupche Tor- n>ächter Lohr mann bet einem ung üetlichen Zusammenprall mit einem Schu-.izer Stürmer verletzt, so bah der famose Torhüter der deutschen Mannschaft bas F lb verlassen muhte. Während bie deutsche Man s hast dadurch etwas beprimiert war, zeigten sich jetzt die Schweiezr von ihrer besten Seite u ib legten eine austerorbentltche Schnelligkeit an den Tag, die es ihnen ermöglichte, den Vorsprung bei Deutschen aufzuholen u.ib ba 6 Spiel unentschieden z u gestalten. War auf deutsch r Seite die Kombination ber ausschlaggebeube Faktor, so lag die Stärke der schweizer Mannschaft in ihrem au'erordentlich forschen unb schnellen Flügelspiel, verdunben mit energischem Schuh vor dem Tore. Darin zeigte sich b.son ers bie linke schweizer Seite au 3, währenb gerade auf ber deu.scheu linken Seite es nicht so gut klappte, wie bei dem Gros ber Mannschaft. Es ist zweifellos, bah Deu.sch and einen eintoanbireua Steg baD-ongetragen hätte, We rn bem sympathi ch?n Fürther Tornrann Lohrmannn ber Unfall nicht zugestoben wäre unb bie beutsche Mannschaft bas Spiel hätte komplett zu Enbe führen können. Ier^ensalls aber sin> bie von allen Teilen Deutschla b <,ugc irömten Zus -aue. v ll ar, rhre Kosten gekommen, denn sie beto nen ci i Fuhball- spiel zu sehen, wie man nicht oft 'Gelegenheit hat.
Rach dem Spiel waren bie beiden Mannschaften, die Spitzen ber bru schen unb der s chvxtierischen Fuhbul.verbände, sowie bie De. tret er der Stadt unb ber Presse bei ei ;em Bankett noch eine Zeit gemütlich versammelt, bis gegen Mitternacht bie Abfahrt ber lieben Schweizer Gäste ber wohlgelungenen Veranstaltung ein Ende machte .
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* Fuhballwettspiel L i ch--H u n g e n. Am Samstag hatte ber Licher V. f. R. (1. Mannschaft) die Hungener 1. HNannsch.rst als Gäste. Dis Halbzeit führt Hungen 3:0, Endresultat 3:2, Ecken 8: 2.
— Gröbere Westdeutsche Fuß baller e i g n i s s e. Im Frühjahr trägt der Westdeutsche Spi lverband mit feiner Verbandsrnann- schaft zwei Spiele gegen den Verband 'S r a n - denburgischerDallspielve reine (Berlin) und gegen O st h o 11 a n d aus. Das Tressen gegen Berlin findet am 23. April in Köln statt und soll von einem süddeutschen Schiedsrichtergeleitet werden Der jährlich wi oberkehrende Kampf We st deutsckland — Ost Holland wird bestimmungsgemäh wieder in Düsseldorf zum Auftrag gelangen, und zwar am T4. Mai. Als Schiedsrichter wird Hirrle-Dasel -a3QUV5-uvqqn£ uegaa.m uapg^ß
kampf Deutschland- Holland am 2. Juli ist vom Verbands-Fuhballausschuh in das München-GladbacherStadion verlegt worden, da in Köln schon ba& Spiel Westdeutschland—Berlin stattsindet. Die Wahl von München-Gladbach ist deswegen zu begrühen, weil das dortige Stadion wohl die meisten Zuschauerunter allen Plötzen Westdcutschlands (etwa 40 000) saht und mit einem Massenbesuch gerechnet wer den muh. Die Leitung des Spiels wird ein holländischer Schiedsrichter übernehmen.
— Die Internationalen Hellas» kämpfe. - E i n neuer 1000-Meter- Weltrekord. — Bei gutem Besuch wurden am Freitag im Magdeburger Wilhelms- bade die internationalen Einladuirgskämpfe eingeleitet. Mit Ausnahme des Ungarn Eperjessh, des Schweden Thor Hehhing und des Holländers van Sylsauth waren alle gemeldeten Ausländer am Start erschienen. Mit grober Spannung sah man dem ersten Start des Schweden Arne Borg entgegen, der im 1000-Meter-Schwimmen mit dem Kölner Skamper zusammentraf. Trotzdem Skamper keinen ebenbürtigen Gegner für Borg abgab — ber deutsche Meister endete um weit mehr als 1 Minute geschlagen als Zweiter — verbesserte Borg den von ihm mit 14:19 gehaltenen Weltrekord ganz beträchtlich, indem er das Rennen in 14:07,4 beendete.
nach Tante Ellinors Tod wurde es Inger eines Abends tlar, dah ber Hauptmann darum seinen Schn so ungern in dem „alten Geschäft" wissen wollte, weil er die Erinnerung an seine Kinder- Heimat immer noch nicht ertragen konnte.
älebrigens hatte ber Hauptmann seine Frau am selben Abend noch auf andre Weise tn Erstaunen verseht.
Der Erbschaft wegen war er mit Tante Rora bei Frau Ellinors Sachwalter gewesen, und zu Frau Ingers grobem Erstaunen Hut en Bruder und Schwester diesem ehrlichen alten Manne mitgeteilt, das Geld solle künftig von einem jungen, umtriebigen Sach Verwalter, Hothcr Firnt- Iensen, der in derselben ^kitfion wohnte w» Tante Rora, verwaltet werben.
Auf welche Weise Tante Rora ihren Bruder dazu gebracht hatte, diesem gänzlich unbekannten Mann ihr und fein ganzes Erbe anzuvertrauen, verstand Inger nicht gleich. Se hatte zwar gewisse Ahnungen von Tante Roras Zukunfls- träumen unb kannte ihren Mann gut genug, um zu wissen, bah er sich überreden lieh, ie nachdem ihm Rora die Sach? vorstellte. Aber wie es nun auch ,-ugegangen fein mochte, jeben- fals war es ihr sehr unangenehm, bah die Verwaltung des Geldes dem alten Suchverwalter, ber keinerlei Grund zur Klage gegeben hatte, genommen werden sollte. Sie meinte auch, so etwas sehe Jens gar nicht gleich, unb als er ihr auf seine etwas unbestimmte Art b'e'en Entschluß mitieilte, sagte sis offen ihre Mei u g, und ba ihre Worte mehr an Rora, als an i r en Mann Keichtet waren, wurde der Ton vielleicht etwas scharf.
^Fortsetzung folgt)


