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wen ist, ausgestalten im sozialen ©elfte. Mein Mahnruf von Biberach:(Sorgt dafür, baß im Deutschen Lande die Mordatmosphäre vrruck- geht", war vergebens Ich rufe alle, die zim Schutz wahrer Freiheit und Bürgerlicher Auf­fassung bereit sind, auf:Schützt die RepiblU und unser teures gutes deutsches Vaterland!" (Stürmischer Difall und Händ. latschen.)

3lbg. Dittmann (USP.): Zur Geschäfts­ordnung: Die Zentrale der unabhängigen Partei ^ot verbürgte Nachrichten, daß der f-.ige Mord das Signal zum Sturze dec Republik ist. 3n der ersten Nacht nach der- Ermordung eines Mi­nisters sollen die monarchistisch mlitärischen Ver­schwörer ohne weitere Benachrichtigung losschla-- gen.

Abg. Müller (Soz.) beantragt öffent­lichen Anschlag der Bede des Reichs- Kanzlers.

Abg. Adolf Hoffmann (USP.) dehnt dies aus auf die Rede des Präsidenten.

Mit Ausnahme der D:u schnationalen und der Mehrheit der Volkspartei stimmen sämtliche Parteien den Anträgen zu.

Nächste Hitzung 61/2 Uhr.

Schlusj gegen 4 Uhr.

Ein Ausruf der Reichsregierung.

Sitzung vom 24. Juni, nachmittags 7 Uhr.

Der Sitzungsbeginn verzögert sich bis 8 Uhr. Die Tribünen sind stärker beseht als in der Vor- mittagssihung. Auch die Diplomatenloge ist voll besetzt.

Präsident Lobe gibt zu einer Erklärung das Mort dem Reichskanzler Dr. Wirth.

Reichskanzler Dr. Wirth: Die Rcichsregie- rung richtet an das deutsche Volk folgenden Auf­ruf und Mahnruf:

Die Republik ist schwer bedroht durch eine ruchlose und nichtswürdige Verhetzung, die die Diener der Republik für vogelfrei erklärt. Ein Netz von Verschwörungen arbeitet hinter dem Mord an Rathenau. das nur ein Glied in der Kette wohlvvrbereiteter Anschläge gegen die Republik ist. (Lebhafte Zustimmung.» Erst sollen die Führer der Republik getroffen werden, dann die Republik selbst. Die Beleidigung der Repu­blik muh durchgreifend geschehen. Dem Terroris­mus und Nihilismus, der vielfach unter dem Deckmantel nationaler Gesinnung auftritt, darf nicht mehr mit Nachsicht begegnet werden. Da Gefahr- im Verzüge ist, mutz schnell ge­handelt werden. Die Regierung hat deshalb dem Reichspräsidenten empfohlen, von seiner ver­fassungsmäßigen Befugnis Gebrauch zu machen und durch eine Verordnung den Schuh des Staates und der Revublik und des Lebens seiner durch politische Mordorgonisationen b.drohen Vertreter zu sichern. Die Regierung wird für deren strengste Durchführung Sorge tragen und sofort eine Vorlage der gesetzlichen Vorschrift entsprechend einbringen, um der moralischen und politischen Zersetzung Eirhr.lt 51 gebieten. Die Reichsregierung versteht die Erregung des Volkes und bedauert die wirtschaftlichen Rückschläge eines solchen Wahnsinns, der die arbeitenden Klassen am meisten trifft. «Sehr wahr links.) Die Reichs- regieruna hofft, das) das deutsche Volk in seiner »verständlichen Erregung sich nicht zu Schritten verleiten läßt, welche di- wirtschaftlichen und politischen Schaden noch vermehren würden. Sie erwartet vielmehr, daß das beutfdje Volk sich hinter die Regierung stellen wird und richtet daher an die Beamtenschaft, an die Arbeiter aller Parteien und an das ganze freiheitliche Bürger­tum die ernste und dringende Mahnung, in Not und Gefahr zusammenzustehen. Es lebe die Re­publik! Die Reichsregierung. (Beifall.)

Die Rcichsregierung har dem Reichsprästden- ten empfohlen, von seinen verfassungsmäßigen Rechten des Artitels 48 der Reichsverfasfung 'Gebrauch zu machen. Der Reichspräsident, der sofort nach Berlin zurückgekehrt ist, hat sich ent­schlossen,

eine Verordnung zmn Schutze der Republik zu erlassen, durch die auf Grund des Artikels 48 der Reichsverfassung der Ausnahmezustand verhängt wird. (Von der Linken werden mit besonderem Beifall die Bestimmungen begrüßt, wonach Beschimpfungen der Republik und der schwarz-rot-goldenen Reichsflagge bestraft werden sollen. Als der Reichskanzler mitteilt. daß der neu eingerichtete Staatsgerichtshof für die Republik dein Reichsgerichtan^eglie- dert werden soll. LDm.men von der äußersten Linken Rufe der Enttäuschung, die sich in Beifall umwandeln, als mitgeteilt wird, daß neben drei Berufsrichtern vier von dem Reichspräsidenten ernannte Laien­richter den Staatsgerichtrhof bilden sollen. Aus der zweiten Verordnung werden mit besonderem Beifall von der Linken die Stellen begrüßt, die das Verbot der auf den 28. Juni einberufenen Kundgebungen gegen den Friedensvertrag und das Verbot aller Regimentsfciern ousdrücken.)

Präsident Lobe erbittet und erhält die Er­mächtigung, die nächste Sitzung auf morgen, Sonntag mittag 12 Ähr, einzuberufen.

Schluß 81 . Uhr.

Ein deutschnaLionaler Schrift­führer im preußischen ßanMag von seinem Platze vertrieben.

Berlin, 24. Juni.

155. Sitzung am Samstag, 24. Juni, vvrm. 11 Uhr.

Weiterberatung des Haushalts des Finanz- vrinisteriums.

Während der Ausführungen des ersten Red­ners Abg. Dr. Berndt (D.) unterbricht der Vizepräsident' von Gries die Ausführungen des Redners mit der Mitteilung, daß der Reichs­minister des Aeuhern Dr. R a t h e n a u ermordet worden sei, und vertagt darauf das Haus. Es entsteht auf allen Seiten der Kammer große Auf­regung. 'Bald darauf besteigt der Abg. Meier (11, die Tribüne und ruft mit schallender Stimme in den Saal: Escherich, von der Tann, Professor Schlösser, v. Reichert und v. Reichenberg sind heute früh im Hotel Kaiserhof abgestiegen, das ist die Gegenrevolution!" (Ungeheurer Lärm links. Ein­zelne sozialistische Abgeordnete gehen drohend zu der Rechten hinüber und rufen:Wartet, ihr Mvrdbuben, wir werden es mit euch ebenso machen!" Andere rufen: ..Raus mit den Mör­dern!") Als gegen 3.4 vor ein Uhr das Zeichen zum Besinn der Sitzung ertönt, nimmt der deutschnativnale Abgeordnete Oelze seinen S ch r i f t f ü h r e r p l a » am Präsidi im ein. Sofort erhebt sich tosender Lärm und die linksgerichteten Abgeordneten rufen:Herunter mit dem Mordbuben, wir wollen keinen

Deutschnationalen am Präsidium." Unter Füh- rung des Abgeordneten Meier (11) stürzen sich die Abgeordneten nach dem Präsidiumstisch, um den Abgeordneten Oelze herunterzuholen, wah­rend sich Mitglieder der Rechten sich ihnen ent» gegenwerfen, um ftc von dem Präsidiumstisch abzudrängeir. Zieht erscheint der Präsident Lei­ne r t, der die Versammlung zur Ruhe ermahnt und den Abgeordneten Oelze ersucht, angesichts der großen Erregung seinen Platz zu verlassen. Dieser verläßt darauf seinen Schriftführerplatz mit den Worten:Auf Ihren Wunsch, Herr Prast- bent, gehe ich!"

Präsident Leinert eröffnet darauf die Sitzung mit bewegten Worten Über das furcht­bare Verbrechen gegen Rathenau. Zudem er hervorhvb, daß diesem Morde, dem zweiten an einem Reichsminister, zweifellos politische Be­weggründe unterliegen, gedachte er der Hoff­nungen, die das deutsche Volk auf Rathenau zu ctjen berechtigt gewesen ist. Der unauslöschliche Dank des deutschen Volkes gebühre ihm für seine von Erfolgen gefrönte Tätigkeit als Minister des Auswärtigen. Dieser Word zwinge zu der lieber» Zeugung, daß die Republik tatsächlich in Gefahr' ei. Es sei notwendig, diesem schändlichen Treiben gegen die vorn Vertrauen des Volkes getragenen Minister endlich ein Ende zu machen. Ausgabe des ganzen Volkes sei es, sie vor den Meuchel- morbern zu schützen. Der Präsident schlug dein Hause vor als Zeichen der Trauer die Sitzung ür heute abzubrechen. Das Haus hatte die Worte des Präsidenten stechend gehört. Namens der ozialdemokratischen Partei erklärte Heilmann sein Einverständnis mit der Vertagung.

Namens der Unabhängigen Partei und der Kommunistischen Partei riefen Rabold und Katz die Arbeiterschaft zu rücksichtslosem Kampf gegen das monarchistische Verbrechergesindel auf und verlangten die Schaffung von wirksamen Mordgesehen. Heß (Z.) erklärte, es fehlten die Worte, um der tiefen Empörung und der schweren Besorgnis wegen der Folgen, die dieses Verbrechen innenpolitisch und außenpolitisch haben könne, Ausdruck zu verleihen. Als nächster Redner soll W i n k l c r (D.-N.) das Wort erhalten. Es erhebt sich ein ungeheurer Lärm. Der Präsident versucht immer wieder, dem Abgeordneten Gehör zu verschassen, muß aber schließlich aus­sprechen, daß es unmöglich sei, Wink­ler sprechen zu lassen. Darauf verlas­sen sämtliche Deutschnationalen den Saal. Kahle (D. Dpt.) führte aus, auch seine Partei spreche ihr tiefstes Bedauern aus. Immer wieder werde die Entwicklung des Vaterlandes von Wahnsinnigen, die nicht verstehen, was allein uns helfen kann, gefrört. Es mühten Mittel und Wege gefunden werden, unser Vaterland von diesem Wahnsinn des politischen Mordes zu befreien. P r e u ß (Dem.) erklärte, wolle man unser un­glückliches Vaterland nicht völlig in den Abgrund stoßen -lassen, so werde gerade nun in ernsterer Weise, als es nach dem Verbrechen an Erzberger geschehen sei. auf geordnetem Wege ein durch­greifender Schutz für die Republik geschaffen wer­den muffen. Nachdem Leinert noch namens des Landtags der Demokratischen Partei sein herz­lichstes Beileid ausgesprochen hatte, wurde die Sitzung geschlossen.

Beerdigung Rathenaus ans Reichskoften.

Berlin. 26. Juni. Wie dieMon­tagspost" meldet, hat das Deichskabinett be­schlossen, daß die Beerdigung Rathe- naus auf Deichskoften erfolgen soll. Die Leiche des Ministers wird Montag abend im Reichstag aufgebahrt werden. Dienstag nachmittag findet unter Teilnahme der Reichs­regierung und des Reichstags die Beisetzung statt. Die Reichswehr bildet Spalier. Die Leiche Rathenaus wird nach dem Erbbegräb­nis der Familie in Oberschöneweide gebracht werden.

Kundgebungen.

Berlin, 25. Juni. (Wolff.) Anläßlich der Ermordung Rathenaus versammelten sich heute vormittag im Lustgarten etwa 250 000 Mitglieder der drei s 0 z i a l i st i s ch e n Parteien und der 12 republikanischen de­mokratischen Verbände zu einer großen Kundgebung für die Republik. Der Aufmarsch bot das bekannte Bild. Nach ein-, halbstündiger Dauer war die Demonstration beendet und die Massen zogen in bester Ord­nung zwischenfalloS ab.

Berlin, 26. Juni. Am Tage der Be­erdigung Rathenaus werden, wie die Blätter melden, in Berlin uitü im ganzen Reich die Angestellten, Beamten und Arbeiter durch halbtägige Llrbeitsruhe und große Kundgebungen protestieren.

Verhandlungen mit dem Reichspräsidenten.

Der ^Vorwärts" meldet: 'Vertreter der Vorstände des Allgemeinen Deutschen Ge- werksschaftsbundeS, drs Afa-Bun- des, der Sozialdemo kratischen Par­tei, der Anabhängigen und der Kom­munisten traten Sonntag nachmittag zu einer Besprechung zusammen, in der die politische Lage und die zu ergreifenden Maß­nahmen, insbesondere die Verordnung des Reichspräsidenten und das zu erlassende Ge­setz zum Schutze der Republik erörtert wur­den. Eine 'Abordnung begab sich zur Reichs­regierung, um dieser zunächst einige der drin­genden Forderungen bezüglich der Verord­nung des Reichspräsidenten zu unterbreiten. Die Verhandlungen sind noch nicht ab­geschlossen.

Verbote der sächsischen Regierung.

Dresden, 24. Juni. (Wolff.) Der Staatskanzler teilt amtlich mit: Auf Grund des Art. 48 der Reichsverfassung hat das Ge­samtministerium monarchistisch-natio­nalistische Veranstaltungen und Kundgebungen jeder Art bis auf wei­teres verboten. Lutter das Verbot fällen besonders auch Regimentstage und Somt­wendfeiern. Die schändliche Ermordung Ra­thenaus ist dazu angetan, die verfassungstreue Bevölkerung Sachsens um so mehr zu erre­gen, als sie durch die häufigen nationalistisch- monarchistischen Kundgebungen der letzten Wochen schon schwer beunruhigt ist.

Girr Nachruf des Auswärtigen Amtes

D e r (i n, 25. Juni. (WTD. »Amtlich wird miigeteitt: Das Auswärtige Amt sieh: sich durch den an seinen Minister verübten Oliorb jäh und unerwartet des Ehefs beraubt, der in den wenigen Monaten feiner Amtsführung sich nicht nur Bewunderung sür sei e überragende Begabung erworben, fonbern auch die Herzen feiner Beam­ten und Angestellten gewonnen Hal Qltit großer internationaler Erfahrung und bem Verständnis fremder Völker verband sich bet ihm ein treues und tapferes Deteimtnis zu deutscher Art und zum neuen Deutschen Reich, so daß er wohl berufen erschien, Deut sch and wieder in die durch den Krieg zerrissene Gesellschaft der Völker zurück- zuführen. Die ihm näijergetreten fi d, tre. den auch der persönlichen Züge feines Wesens stets ge­denken: feiner Güte feinet Wohlwollens gegen­über allen Angehörigen des Amts, feiner gewin­nenden und liebenswürdigen Art im amtlichen und persc^i ichen Verkehr, seines starken sozialen Empfindens und seiner echten Freundestreue. Mit tiefer Wehmut scheidet das Auswärtige Amt von seinem Ches, in dem es einen reinen und großen Menschen ehrt.

Rathenau und Sünnes als Gäste des amerikanischen Botschafters.

Berlin, 26. Juni. Wie dieDeutsche All­gemeine Zeitung" mitteilt, brachte Rathenau den gestrigen Abend dis in die erste Morgen­stunde als Gast besamerikanischen Bot­schafters Hougthon in der amerikanischen Botschaft zu. Unter den Geladenen befanden sich auch Hugo Sünnes, den Rathenau in feinem Automobil nach helfen Berliner Wohnung fuhr. Dorr trennten sich beide Herren gegen 2 Uhr und wohl erst eine Stunde später ging der Mi­nister zur Rahe.

Lvucheur über Rathenau.

Paris, 25. Juni. (Wolff.) Havas. 3m Echo öe Paris" berichtet Marcel Hütin von einem Gefpräch mit Lvucheur anläßlich der Ermordung Rathenaus. 3n Wiesbaden drückte der deutsche Staatsmann im August letzten Jah­res dem französischen Minister gegenüber die Ueberzeugung aus, daß ihm in kurzer Frist ein gleiches Schicksal wie Erzberger be­schert sein werde. Die Nachricht von dem Mord hat also den ehemaligen Oltinifter der zerstörten Gebiete, Lvucheur, nicht weiter überrascht. Er erklärte, daß er, der sein Partner im Lause der arbeitsreichen Verhandlungen gewesen sei, eine der brauchbarsten Intelligenzen bargestellt habe. Es war ihm gegeben, sagt Lvucheur, Rathenau als einen äußerst gebilbeten Men­schen unb als Soziologen kennen zu lernen, ber mit ber Klarheit bes Geschäftsmannes bie germanische Nebelhaftigkeit verband. Als ich mit Rathenau verhandelt hatte und wir mit ihm in Wiesbaden fertig waren, hatte er 10 Aber. Er war in dieser Zell sicherlich für bi» Ausführung des Vertrages, aber seine Hoffnung hatte sich indessen immermehr gesondert. Im De­zember, als die in Rammen stehende politische Lage ihn zum Rücktritt zwang, hat Lauch eur Rathenau ermahnt, Deutschland feiner ebenso idio­tischen als auch für Frankreich nachteiligen Fi­nanzpolitik zu überlassen. Diese Worte machten ben beutschen Minister betroffen, aber sie hatten keinen Grund zu dem Widerstand und ber Vor- eingenommen^eii gegeben bie Lvucheur als augen­scheinlich betrachtet. Lvucheur antrrwrtct auf die Frage nach dem möglichen Zusammenfällen des Mordes mit dem Äbtammensabschlnß von Wies­baden, baß bie Abkommen von Wiesbaden mir einen unbebeutenben Nebenumstanb für den Tob Rathenaus bebeutet haben. Aber das beweist, daß alle diejenigen, die in Deutschland eine Politik ber (Erfüllung treiben wollen, ja selbst bie maß­vollen sich abschlachten lassen müssen. Die Wahr­heit, baß bas uns zeigt, bah Deutschlanb vor einet Revolution steht.

Poiucar^s Beileid.

Paris, 25. Zuull (WTD.) Minister­präsident Poincare hat heute nachmittag dem deutschen Botschafter Dr. Mayer sein Beileid anläßlich der Ermordung des Reichsminifters für auswärtige Angelegen­heiten, Dr. Walter Rathenau, aussprechen lassen.

Lloyd George über Rathenau.

London, 25. Juni. (WTB.) In einer Ansprache in der Walliser Daptistenkapelle zu London sagte Lloyd George heute nach­mittag : Rathenau war einer der fähigsten Minister Europas. Er tat sein Bestes, um die guten Beziehungen zwischen seinem Lande und den anderen Nationen, denen Deutschland Un­recht zugefügt hatte, wieder herzustellen. Er tat fein 'Bestes, und deshalb wurde er ermor­det. Ich kann nur meinen tiefsten Ab­scheu aussprechen über das Verbrechen und dem Vertrauen Ausdruck geben, daß Deutschlandnrchtleidenwird unter d e m U n r e ch t, daß diese Leute ihrem Lande zugesügt haben.

Aus Dem Reiche.

Ucberfaü auf einen Beamten der Reparationskommission.

Berlin, 24. Juni. (Wolff.) Vergan­gene Nacht wurde vor seinem Wohnhause der Franzose Jean G 0 w a r d, Beamter dec Reparationskommission, von mehreren Män­nern überfallen und zu Boden geschla­gen. Goward vermißt eine Brieftasche mit 8000 Mark Inhalt. Er ist so schwer verletzt, daß er in das Krankenhaus geschafft werden muhte.

Eine demokratische Interpellation gegen Die Lüge von der Kriegsschuld.

Berlin, 24. Juni. Von ber bernokri­tisch e n Fraktion bes Reichstags ist folgcrbe Interp'lll-tion cvigebradjt toorben:

Die w i offen Kreis ? un er s Volkes sind erfüllt von dem unwiderstehlich-en Verlangen, bah ber Vorwurf ber alleinigen Schuld am Kriege vorn deutschen Dolle genommen wirb. Es handelt sich dabei nicht nur um bie Erschütterung des Ver­sailler Vertrages, um wirtschaftliche Er­leichterungen, sondern vor allem um eine ethische Frage ersten Ranges. Es tarn nicht Friede unter ben Vollem worden, solange nicht bie Wahrheit über bie Schuld am Kriege fest gestellt unb vor allen Völkern anerkannt wirb. Der Prozeh Fechenbacb in München hat diesem

'Verlangen des deutschen Volles neue Nahrung gegeben. Regierungen beutscher Länder, u. a Württembergs unb Hessens, haben bie Behand­lung der Frage durch Li R.idsregiermg für gebeten erklärt. Ferner muh in diesem Zu- ammenhange ber Ausspion ierung unb Bespitzelung Den tschlo nd s Erwähnung geschehen. Von französischer Seite, u. a. von dein Lager Griesheim bei Darmstadt wird eine planmäßige Spionage organisiert, die Material über bie Böswilligkeit Deutschlands lie­fern soll und vvr keinem Mittel zurückschreckt. Auf diese Weise wird das Verhältnis der Na­tionen, bas am Vertrag vvr Versailles genug­sam leibet, noch weiter vergiftet.

Wir fragen an: 1. Ist bie Reichsregierung bereit, für Aufklärung ber Kriegsschuldfrage Sorge zu tragen und ben in diesem Sinne an- gestellten Bemühungen von Orgarrifadonen unb Privaten ben nötigen Nachdruck zu verleihen? 2. Will sie Einspruch gegen bie Spio­nage bei ben zuständigen Stellen erheben?

Aus Hessen.

Erleichterungen für das Handwerk.

Die Hessische Handwerkskammer schreibt uns: Im Zusammenhang mit ben Bestre­bungen ber Hanbwerkskammer, bei ben gegen­wärtig bestehenden ungeheuren Schwierigkeiten in ber benötigten Geldbeschaffung Erleichterungen für bie Handwerker herbeizuführen, hat bie Staats­bauverwaltung nach vorausgegangenen Derhand- hingen ihre untergeorbneten Behorben unb Be­amten angewiesen, für bie Dauer ber gegenwär­tigen Wirtschaftsverhältnisse bei Vergebung von staatlichen Lieferungen und Leistungen von ber seither vor geschriebenen Stellung einer Sicherheitsleistung burch ben Un ter - neunter allgemein abzusehen. Bestehen Be- benfen gegen bie Zahlungs- unb Leistungsfähig­keit, ober ist im Einzelfall eine Benachteiligung ber staatlichen Interessen zu besorgen, so kann eine Kaution von höchstens 2 Prozent der Vertrags summe geforbert werben. Um angesichts ber herr­schenden Kapitalnot bem Bauhanbwerö bie flüs­sigen Betriebsmittel zu erhalten, sind nunmehr Vorschußzahlungen ber Bauverwaltung zur so­fortigen Ermöglichung des Anlaufs ber Baustoffe auf entfprechenben Antrag vorgeschrieben. Das Eigentum ber so erworbenen Baustoffe ist an ben Staat zu übertragen, ober ein staatliches Pfand­recht zu bestellen. Tie Baubehörden finb ferner angewiesen, Anträgen auf Abschlagszah­lungen im Verlauf des Baufortg angs zu entsprechen und die Prüfung unb Anweisung ber nach Fettigstellung ber Arbeit vorgelegten Rechnungen soweit wie möglich zu beschleunigen

Aus Stabt und Land.

Gießen, ben 26. Juni 1922

Wettervoraussage

für Dienstag:

Wechselnd bewölkt, strichweise Regen, west­liche Winde.

Ern kräftiger Tiesbmckwirbel über ber Nord- ec beherrscht noch immer unsere Wetterlage.

-»

" Gießener Goethe-Feier. In dem mit frischem Grün unb Gvctbebildern festlich gc chmückten Saale des Gesellschastsvcreins voran faltete ber Gvethe-Bunb anläßlich seines 8. Stiftungsfestes unb zur Erinnerung an das Wetzlarer Gvethejahr 17721922 unter starker Beteiligung eine Morgenfeier. Der junge Goethe. Sri. Karla Keller vorn Kurtheater in Bab-Nauheim gab mit feinem Verstänbnis Stimmungsbilder aus ber Iugenbzeit Goethes von feinen letzten Schuljahren, feiner Stubienzeit in Leipzig unb Straßburg unb seiner Tätigkeit am Wehstirer Kammergericht in einer gut zu- ammengestellten Reihe von Dichtungen toieber. Herr Professor Henle verstaub es, in fein­sinniger Form burch feine Musikvorträge am Flügel, Brahms Intermezzo op. 118 Nr. 1 unb die Rhapsodie op. 119 bie für eine solch» literarische Morgenanbacht erforberliche Stimmung hervor- zumsen unb ebenso ben älcbergang vom ersten zum zweiten Teil ber deklamatorischen Darbie­tungen herzustellen, wie auch bie Feier mit ber Sonate in ii-NLoll von Chopin op. 58 vor allem mit ihrem wuchtigen Finalsatz ausllingen zu lassen. In ber Festansprache, bie ben Mittelpunkt bes Festprogramms bilbctc, schilderte Herr Dr. L i st die Bröeutung Wetzlars für bie menschliche Entwicklung bes jungen Goethe. Mit einem kurzen Rückblick auf Goethes Straßburger Zeit unb feinem Verhältnis zu Friederike Brien ließ ber Rebner ben Wetzlarer Goethe vor uns er- stehen. Wetzlar ist für ihn eine Zeit ber Ent­sagung, ber Selbstbezwingung unb Prüfung. Der Rebner fanb für seine verstänbnisvotten unb fein burchbachten Ausführungen reichen Beifall, wie auch ben übrigen Mitwirkenbeii warmer Dank von ben Hörem gespendet, wurde. Dem Goethe- Bund aber sei für diese schone unb genußvoll^ Veranstaltung gebankt mit bem Wunsche, bah ihm weitere Goethefreunbe gewonnen worden finb, bie ben Geist Goethes hinaustragen in unser Volk. 0.

Bornotizen.

Tages kalender für Montag. Astoris-Lichtfpiele, ab beute; ..Die Flammen- fahrt des Pacific-Erpreß" unbEin Wann der Tat". Lichtspielhaus, Dahhofftraße. ab heute: Bajazzo" unbAmor am Steuer".

Die Deutsche Volkspartei hält am Donnerstag, ben 29. Juni, 81/2 Uhr abends im Hindenburg" ihre ordentliche Mit­gliederversammlung ab. Der Rechner und der Geschäftefirhrer werden Rechenschafts­bericht geben. Daran cmschließen werden sich Voistandswahl unb Vorbesprechung über die Wahlen zur © tabtoct or bnetcnherfammlung. Gleichzeitig wird sich der scheidende Geschäfts­führer Dr. Krause von ben hüsigen Partei­freunden verabschieden 'und sein Nachfolger ein- geführt werben.

Die vereinigten Gießener Frauenvereine laden ihre Mitglieber. wie aus bem heutigen Anzeigenteil zu ersehen ist, noch- mals besonders zu ber Festvvrstellung im Stabttheater zu Gunsten ber wohllätigen Einrichtungen bes Vereins Studentenhilfe ein. Ab­gesehen von bem wohltätigen Zweck verbient auch bie Aufsührung an sich schon in Hinblick auf ben vaterländischen Gedanken Verherrlichung bes deutschen Volksliedes einen allseitigen Besuch

Kreis Friedberg.

ss. Friedberg, 23. Ium. Die gestrige Stadtverordnetenversammlung ge­nehmigte die Wahl bes FvrtbilbungsschulauSschuf-